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Religionen

Elastischer Islam – weitere Nachlese zum Orientalistentag

Im Tagesspiegel vom 2./3. Oktober bespricht auch Andrea Dernbach den Orientalistentag. Jetzt lese ich schon den dritten Bericht dazu, fast ist mir, als wäre ich dabeigewesen! Das gehört nun mal dazu, wir sprechen hier über Erzähltes, Gewertetes, Berichtetes, als wären es die Sachen selbst. Aber die “Sachen selbst” gibt es ja nicht, die Auslegungen des Geschehenen sind es, über die wir uns hier austauschen. Womit wir beim eigentlichen Thema wären, der Mannigfaltigkeit möglicher Auslegungen von Texten, hier also des Korans. Auch Dernbach weist ausführlich auf Patricia Crones Festvortrag hin, hebt insbesondere Sure 2, 256 hervor. Nach vielfältigen Erwägungen lautet der Schluss: “Der Islam ist so elastisch wie alles Alte, das überlebt.” Insgesamt zeichnet also die Verfasserin unter den drei betrachteten Zeitungsartikeln (SZ, FAZ, Tagespiegel – dieser Blog berichtete) das freundlichste Bild: “Nimmt man das Programm dieses Orientalistentags als Maßstab, ist man längst auf gutem Weg”.

Was das Politische angeht, so zitiert Dernbach den Teheraner Philosophen Mohammed Mojtahed Shabestari mit folgender Feststellung: “Die richtige Frage ist nicht: Sind Islam und Demokratie vereinbar oder nicht? Die Frage ist: Sind die Moslems heute bereit, diese Vereinbarkeit entstehen zu lassen?”

Ich meine, wenn wir uns hier in Kreuzberg umsehen, muss die Antwort ganz klar Ja lauten.

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Religionen

“Das gibt es bei uns auch!” Fatih Akin “Auf der anderen Seite”

Die Nacht vom 2. auf den 3. Oktober sahen wir uns im Yorck-Kino den Film “Auf der anderen Seite” an. Neben uns ein biertrinkender Single Mitte dreißig, hinter uns kichernde Mädchen. Bequeme Sessel mit verschiebbarer Sitzfläche, Popcorngerüche. Wir fläzen uns hin. Beste “Voraus-Setzungen” für einen guten Kinoabend. Wunderbare anrührende Geschichte: zwei Familien, ausgespannt zwischen Bremen und Istanbul. Vater-Sohn, Mutter-Tochter, unvollständige Bruchstücke von Familienromanen. Von Schmunzeln über Schluchzen, vom hellen Auflachen bis zum beklommenen Schweigen spielt dieser Regisseur auf der Klaviatur meiner Gefühle. Auch in den Nebenfiguren zeigt Akin stets lebende Gesichter, offene Blicke. Seine Kamera verleiht allen Menschen Würde. Mir fällt auf: Die türkischen Gefängniswärterinnen – übrigens gespielt von echten türkischen Gefängniswärterinnen – werden ohne Häme, mit derselben Einfühlung gezeigt wie die Hauptfiguren, also die rebellische Ayten, die verzweifelte Charlotte. Er zeigt die beiden Länder Deutschland und Türkei ohne Verzerrungen, ohne Anklage, aber doch mit dem untrüglichen Blick für das Wesentliche und auch das Komische.

Ich schlage, zuhause angekommen, die Gestalten des Ismael im Koran und in der hebräischen Bibel nach. Das islamische Bayram-Fest bildet ja den Hintergrund für die letzte große Erzählbewegung des Films, in welcher der Sohn zum verlorenen Vater, die Mutter zur verlorenen Tochter zurückfindet. Im Islam war es Ismael, den Abram opfern sollte, nicht Isaak, den Zweitgeborenen, wie es in der hebräischen und der christlichen Überlieferung steht. Doch Gott erbarmte sich Abrams und sandte ein Opfertier. Hierin folgen sowohl Islam wie Christentum der Leitkultur des alten Israel. Sowohl Christentum als auch Islam haben den gütigen, sich erbarmenden, liebenden Gott vom alten Judentum übernommen. Die Umkehr, die Wende steht also nicht nur dem Menschen, sondern auch Gott jederzeit offen! Deswegen bleiben jüdische Bibel, Koran und christliche Bibel eine gemeinsame Schatzkammer, zu denen drei Pforten bereit stehen. Akins Film öffnet diese Pforten weit! Bezeichnend der Satz, den Charlottes Mutter beim Betrachten der Bayram-Gläubigen sagt: “Das gibt es bei uns auch!” All jenen, die von einer unüberwindlichen Kluft zwischen Morgenland und Abendland reden, sei Sure III, 78 entgegengehalten: “Wir glauben an das, was auf uns herabgekommen ist und was herabgekommen ist auf Abram, Ismael, Isaak, Jakob und die Stämme, und an das, was Moses gegeben wurde und Jesus und den Propheten von ihrem Herrn; wir treffen keinerlei Unterscheidung zwischen ihnen, und wir sind ihm ergeben.”

Am Tag der deutschen Einheit empfinde ich große, nachhaltige Freude über den Deutschtürken Fatih Akin. Er hat etwas geschaffen, was ich bisher in dieser Deutlichkeit vor allem von Goethes West-östlichem Divan kannte: eine Versenkung und Verklammerung von zwei Schwesterkulturen im Geist der Liebe zu den einzelnen Menschen, der Liebe zwischen den Menschen.

Fühlst du nicht an meinen Liedern,

dass ich eins und doppelt bin?

Und der Regisseur fühlt sich – eigenem Bekenntnis nach – in unserem Deutschland sehr wohl und tief verwurzelt. Großartig, so etwas macht unser Land schöner!

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Deutschstunde

Nachdenkliche Töne zur deutschen Einheit

Konrad-Adenauer-Stiftung und CDU-Kreisverband Pankow luden heute nachmittag ein. Meine russische Frau Ira und ich, wir lernten im gepflasterten Hof der “Kulturbrauerei” eine wie wir den Weg suchende, sehr sympathische junge Tschechin aus Prag kennen – ein gutes Zeichen dafür, dass wir Deutschen nicht allein feiern sollten. Auf der Festveranstaltung zum Tag der deutschen Einheit in Prenzlauer Berg schlugen Günter Nooke und Thomas de Maizière nachdenkliche Töne an. “Man erbt die Geschichte und die Geschichten”, so Nooke. Die deutsche Wiedervereinigung sei damals im Westen Deutschlands auf gewisse Vorbehalte gestoßen, da dort Fremdheit, ja Misstrauen gegenüber Deutschland um sich gegriffen habe. Anders die Bürger der DDR, die sich immer eindeutig als DDR-Bürger oder als Deutsche empfunden hätten. Der wahre “deutsche Herbst” habe sich nicht 1977 mit seinem dreifach unverständlichen RAF-Terror, sondern 1989 ereignet. – Thomas de Maizière entwarf danach ein äußerst differenziertes, mit Daten und Fakten angereichertes Gesamtbild der Lage Deutschlands nach der Wiedervereinigung. “Kein Schwarz-Weiß-Bild”, wie er zwei Mal hervorhob. Zwischentöne in mannigfachen Schattierungen herrschten somit vor. Er plädierte für die Beibehaltung des Solidaritätszuschlags, dessen heute in Erwägung gezogene Abschaffung er als “zu früh” bezeichnete. Er rief dazu auf, eingeschliffene Denkgewohnheiten aufzugeben – Menschen und Dinge “nicht zu verschubladen”. Diesen Teil seiner Rede fand ich am beachtlichsten, zumal er an Begriffen wie “Ostdeutscher” bemängelte, sie könnten keine Grundlage für zukünftige Identität abgeben.

Und genau über diese spannenden Prozesse der Bildung neuer deutscher Identität (oder gar deutsch-europäischer Identitäten?) hätte ich gerne mehr erfahren. “Kerzen der Zuversicht” – diese schöne Formulierung de Maizières musste heute Wunsch bleiben.

Nicht unpassend wäre es gewesen, wenn man zum Abschluss noch einen stärkeren Ausdruck für Gefühle gefunden hätte, etwa durch Singen. Warum denn nicht unsere deutsche Nationalhymne singen? Mir gefällt die G-dur-Melodie, die der Österreicher Joseph Haydn, in ungarischen Diensten stehend, einer alten kroatischen Volksweise entlehnt hat, und der amtliche Text enthält ein starkes Plädoyer, glücklich zu sein oder glücklich zu werden. Aber Glück lässt sich nicht amtlich verordnen. Man muss es spüren.

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Gute Grundschulen

Richtige Grundschule für unser Kind

Nächstes Jahr kommt unser Sohn Wanja in die Grundschule. Mühsam suchen wir Informationen zusammen. Die drei nächstgelegenen Grundschulen in Kreuzberg wissen noch nicht verbindlich, zu welchem Einzugsbereich wir gehören. Drei Schulen geben mir drei unterschiedliche Auskünfte! Die größte Wahrscheinlichkeit hat jedoch die Fanny-Hensel-Grundschule für sich. Das würde bedeuten, dass unser Wanja ab nächstem Schuljahr eben diese Schule besucht, sofern wir nicht einen Antrag auf Einschulung in einer anderen Anstalt stellen und dieser vom Amt genehmigt wird. Diese Schule hat die beste Website unter den von mir eingesehenen Grundschul-Websites! Im letzten Schuljahr hatten die Schüler der Fanny-Hensel-Grundschule folgende Herkunftsländer: Türkei 41%, Libanon 32%, Deutschland 12%, Polen 6%, sonstige 9%. Gut auch, dass im Schulprogramm Probleme wie Arbeitslosigkeit, Spracharmut, gesüßte Getränke, hoher Weißmehlanteil im “sichtbaren Bereich der Ernährung” direkt benannt werden. Diese Schule pflegt eine offene Sprache, sehr gut! Werden wir die im Schulprogramm angebotenen Chancen zum interkulturellen Zusammenleben, zur Sicherheit und Gewaltfreiheit freudig ergreifen? Es gibt Zweifel. Wir werden es besprechen. Die Würfel sind noch nicht gefallen. Fand dann noch eine sehr gute Web-Site, und zwar vom Landeselternausschuss Berlin. Bestes Angebot, beste Informationen, obwohl ehrenamtlich gemacht!

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Freude

Berlin-Marathon – Sonntag der Seele

Fröhliche lachende glückliche Menschen an der Ecke Kottbusser Tor/Izmir Köftecisi, auf der Strecke und am Rand der Strecke. Es ist ein Sonntag der Seele, ich empfinde Glück. Noch lachen die Läufer – beste Bedingungen: eher kühl, kein Regen, ab und zu Sonnenschein. Musikalische Kulisse: Live-Musik gespielt von Bands und Kapellen und rennenden Musikanten von türkischem Pop über Swing zu Schweizer Kuhglocken.

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Unverhoffte Begegnung

Claude Martin – der Botschafter Berlins

Im Tagesspiegel von heute, 30.09.2007, erzählt Claude Martin, scheidender französischer Botschafter, von den Berliner Erfahrungen, rühmt Berlins gesunde Weltoffenheit, lobt Kreuzberg – “vielleicht der beste Teil meines Aufenthalts in Deutschland”- , drückt sein Vertrauen in die deutsche Demokratie aus, outet sich als begeisterter Radler. Wow! Und wir waren Kieznachbarn, er hat früher bei mir um die Ecke in der Großbeerenstraße gewohnt. Das Interview ist ein Meisterwerk der politischen Kommunikation. Besser kann man für Berlin und Deutschland nicht werben. Bekomme Lust, das Interview 100 Mal zu vervielfältigen und an ein paar Straßenecken zu kleben und auch ein paar Miesepetern von der “Berlin-ist-Schlusslicht”-Fachabteilung unter die Nase zu halten mit den Worten: “Berliner, schaut auf diese Stadt! … und erkennt! … dass ihr diese Stadt nicht schlechtreden dürft!” Tosender Beifall.

Interview lesen: http://www.tagesspiegel.de/politik/international/Interview;art123,2390406

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Leitkulturen Religionen

Orientalisten – von Bin Laden wachgeküsst

Lese einen aufschlussreichen Bericht vom deutschen Orientalistentag in der Süddeutschen Zeitung vom 29.09.2007. Verfasser ist Stefan Weidner, dessen Übersetzungen des Lyrikers Adonis mir sehr beim Eintreten in die orientalische Welt geholfen haben. Die islamistische Bedrohung habe das ganze Fach mittlerweile wachgerüttelt, freilich auf Kosten der Künste und der Literatur. Weidner referiert den Festvortrag von Patricia Crone: “Der Islam, darf man Crone deuten, ist in einem Teufelskreis gefangen: Ohne Säkularisierung kein Bruch mit dem tradierten Religionsverständnis; ohne Bruch mit dem traditionellen Verständnis keine Vereinbarkeit des Islams mit der säkularen Gesellschaft. Hoffnungsträger sind deshalb die Muslime, die im säkularisierten Westen leben; sie allein können ungefährdet aus diesem Kreis herausspringen.” Darüber hinaus berichtet Weidner von einem Theologen, der die kühne These aufstellt, der frühe Islam sei eine christliche Sekte gewesen. “Mohammed (der Gepriesene) sei kein Eigenname, sondern bezeichne Jesus Christus.[…] Koranische Aussagen über die Einheit Gottes im Vergleich mit dem Deuteronomium und dem Nicaenischen Glaubensbekenntnis entpuppten sich als bewusster Gegenentwurf zu den christlich jüdischen Vorbildern.” Ein sehr lesenswerter Artikel!

Diese drei aus Vorderasien stammenden Religionen, also zuerst das Judentum, daraus das Christentum und zuletzt der Islam, der beide zu überbieten versucht, gehören weiterhin zu den maßgeblichen Leitkulturen für riesige Gebiete der Erde, darunter unser Europa, der Nahe und Mittlere Osten, Nord- und Südamerika, Australien, Teile Südostasiens.

Spricht man mit Muslimen oder steckt man die Nase in den Koran, dann treten die Ähnlichkeiten und Abhängigkeiten zwischen jüdischen, christlichen und islamischen Aussagen sehr deutlich hervor.

Ich werde weiterhin das Gespräch mit Muslimen in Kreuzberg pflegen. Wir sind hier im Vergleich zu den Orientalisten unvergleichlich privilegiert, weil wir tagtäglich zum Nulltarif das Eigene im Anderen entdecken können – und das alles obendrein in Sichtweite des Jüdischen Museums, in das in sechs Jahren 4 Millionen Besucher aus aller Welt geströmt sind. Kreuzberg ist ein großartiger Platz – ich bin dankbar, dass ich hier lebe!

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Geige Hebraica

Ernest Bloch Simchas Torah

Radelte in strömendem Regen von der Arbeit nachhause. An meinem guten Abus-Schloss hatten sich “Interessenten” zu schaffen gemacht und die Plastikumhüllung tatsächlich schon abgeschnitten! Weiter sind sie nicht gekommen. Nach zwei Tagen fand ich endlich wieder Zeit, um Geige zu spielen. Griff zu der fast schon vergessenen Reinel-Geige von 1937, da meine Leib- und Magengeige gerade zwecks Einstellung und Überholung beim Geigenbauer ist. Die Reinel-Geige zeigt sich verschnupft und muss erst wieder aufgetaut werden. Ich arbeite dazu an Ernest Bloch, Baal Shem, Three Pictures of Chassidic Life. Am besten passt mir heute das dritte Stück daraus, Simchas Torah – es ist der Abschlusstag von Sukkot, dem Laubhüttenfest. Eine schwelgerische, kraftvolle, eindringliche Musik, aufgebaut aus einfachen Elementen. Geigerisch weniger schwierig, aber sehr wirkungsvoll! Nehme mir vor, am Thema “Wiederholung” zu arbeiten. Ein Motiv, das mehrfach vorkommt, verändert sich. Versuche, spannend zu spielen, auch wenn die Klavierbegleitung fehlt. Habe kein Kolophonium im Haus; das ist eine gute Übung – ich versuche, den Boden so innig in Kontakt zur Saite zu bringen, dass er geradezu festklebt, auch ohne Bogenharz.

Im Jüdischen Museum in der Lindenstraße gibt es ja das neue Glasdach, mit dem Architekt Libeskind auf das Laubhüttenfest hinweist, in dem das Wohnen des Menschen im Angesicht des Gartens Eden beginnt. Möchte am Wochenende unbedingt hingehen! Zum Laubhüttenfest wird das Gebet um Regen gesprochen. Und Regen kam! Regen pladderte um die Beine, kroch in die Kleidung, durchnässte die Schuhe. Flüchtige Blicke, aufgelöste Haare, dicker BMW hält hart am Randstein und versperrt den Radlern das Weiterkommen. Aber er hat keine Chance, ich umkurve ihn. So geht es voran im strömendem Regen, heute. Und das war der Tag.

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Einladungen

Willkommen in meinem Blog!

Dies ist mein persönliches Blog. Hier notiere ich Erfahrungen und Gedanken, wie sie in der langen Kette der Tage auftauchen. Ich möchte sie vor dem Verschwinden bewahren und in die Welt schicken. Themen sind Politik, Musik, Kultur, Begegnungen mit Menschen und Dingen. Ihre Antworten sind jederzeit willkommen! Beachten Sie, dass ich sie erst freischalten muss. Mit herzlichen Grüßen, Johannes Hampel

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Integration Religionen

Hamburger Lektionen in der Volksbühne

Gestern besuchte ich die Vorführung des Films “Hamburger Lektionen” von Romuald Karmakar. Manfred Zapatka liest mit einer betörend eindringlichen Stimme und sprechendem Mienenspiel die deutsche Übersetzung von zwei Predigten des Hamburger Imams Mohammed Fazazi. Eine großartig-einprägsame Darstellung eines bestürzenden Texts! Die deutsche Übersetzung arbeitet immer wieder den gemeinsamen Wortschatz und die ähnlichen Redehaltungen bei Christentum, Islam und Judentum heraus. Ich fühle mich anheimelnd berührt durch die Anreden und die hin und her erwägenden Antworten, die ich so aus den paulinischen Briefen und aus dem Talmud kenne. “Soll ich, wenn ich den Ramadan in Marokko beginne und dann nach Deutschland fliege, den marokkanischen Ramadan-Kalender befolgen oder den deutschen? – Antwort: Befolge den deutschen. Denn es heißt: Fastet, wenn die Leute fasten. Brecht das Fasten, wenn die Leute das Fasten brechen.”

In der anschließenden Diskussion werden Gemeinsamkeiten zwischen dem geschlossenen Weltbild dieses islamistischen Predigers und den europäischen Hexenverfolgungen oder Kreuzzugspredigten herausgehoben. Zapatka gesteht, dass er manches auch gut finde an den Reden des Predigers, etwa seine sorgfältige Erörterung der ihm vorgelegten Fragen. Mehrere Menschen im Publikum hoben das Dialogische, Unabgeschlossene der Predigt-Situation hervor.

Leider fehlte in der Volksbühne völlig die Stimme der deutschen Muslime. Kein einziger Berliner Moslem erhob sich um zu sagen: “Das ist nicht unser Islam.” Hätte man eine Kamera auf die Debatte gehalten und dann einem Islamisten vorgeführt, hätte er sich wohl ebenso befremdet gefühlt wie das Volksbühnen-Publikum. “Das sind die Ungläubigen in ihrem geschlossenen Weltbild”, würde er wohl sagen. Die beiden Welten reden also viel übereinander, aber sehr selten miteinander. Schade. Berlin ist doch eine durch Muslime mitgeprägte Stadt. Trotz der erschütternden fanatischen Haltung des Predigers ein großer Abend, der noch lange in mir nachklingt! Ein mutiger, bewundernswerter Film. Kam erst um Mitternacht nachhause.