Nov 132011
 

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Ein großer deutscher Politiker, an den ich täglich erinnert werde, ist Gustav Stresemann. Die nach ihm benannte Straße in Kreuzberg radle ich regelmäßig entlang. “Weich aus, Jana!”, warnten heute einige Schülerinnen mit blonden Zöpfen eine nachlässig auf dem Radweg der Stresemannstraße dahinschleichende Freundin. “Pass auf, Jana! Ich kann deinen Namen erraten!” rief auch ich, nachdem ich meine lustige Klingel hatte erschallen lassen. Großes Gelächter bei den Schülerinnen mit den blonden Zöpfen! Da vergass ich vor Freude den gewohnt schlechten Zustand des holprigen Radweges!

Gustav Stresemanns überragend hellsichtige, unerhört visionäre Rede vor der Vollversammlung des Völkerbundes vom 9. September 1929 passt sehr gut in unsere Zeit. “Weshalb sollte der Gedanke, Europas Staaten zusammenzufassen, unmöglich sein. Wir haben die Aufgabe, in nüchterner Arbeit die Völker einander näherzubringen und ihre Gegensätze zu überbrücken. Auch diese Arbeit wird sich nicht mit Elan und Hurra lösen lassen.”

Stresemanns Begründungen für den europäischen Zusammenschluss sind heute noch gültig: Verhütung des Krieges durch starke wirtschaftliche Verflechtung, Bekenntnis zu Schutz und Pflege der Minderheiten, Gleichwertigkeit aller Kulturen, Kooperationsverhältnis zwischen allen Staaten und Wirtschaftsräumen. Im Vergleich zur heutigen Bewältigung der Schuldenkrise fällt auf, dass er seine Vision eines vereinten Europa nicht als Zweckbündnis zur Mehrung des Wohlstandes sieht, sondern als  durch viel Arbeit und Zusammenarbeit sauer zu erringendes Bündnis gleichberechtigter Völker.

Das Thema Schuldenabbau und Währungsreform beherrschte die deutsche Politik der 20er Jahre!  Es wäre so spannend, strukturelle Analogien der hochverschuldeten Volkswirtschaften der ersten Nachkriegszeit in Beziehung zur heutigen Euro-Krise zu setzen!

Das Zitat oben zitiere ich nach folgendem Buch, das ich kurz nach dem Erscheinen bereits ein erstes Mal las: Wir erleben die Geschichte. Ein Arbeitsbuch für den Geschichtsunterricht. II. Band. 7. und 8. Schuljahr. Von Johannes Hampel und Franz Seilnacht. Bayerischer Schulbuch-Verlag. München 1966, S. 182

Die komplette Rede gibt es hier zu lesen:

stresemann.pdf (application/pdf-Objekt)

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Dez 262010
 

26122010159.jpgWir begingen (begingen?) heute fröhlich radelnd den zweiten Weihnachtstag. Das Fahrrad fährt seine Überlegenheit gegenüber dem Auto gerade bei Schnee und Eis noch deutlicher aus, was man an diesem Foto sieht: auf schön geräumtem Radweg sind meine Lieben schon davongehuscht, ehe ich meine Handy-Kamera in Anschlag gebracht habe. Wir kommen gerade von der Plamannschen Erziehungsanstalt her, an der Bismarck seine Grundschulzeit verleben musste (musste?): Stresemannstraße 30. Das Foto zeigt die Stresemannstraße, die ehemalige Königgrätzer Straße, weiter oben, Richtung Deutschlandhaus, neben dem ALDI, der immer so gute Sonderangebote an Xenion-Computern bereithält.

In guter Stimmung ließ ich mich bei Madame Toussaud zusammen mit dem eisernen Kanzler ablichten, den ich wegen seiner mitunter knorrig-unsympathischen, dennoch diplomatisch-verbindlichen  Art schätze. Wie öfters schon angedeutet, hege ich eine gewisse Vorliebe für unsympathische Politiker. Ein knorriger Charakter kann Ausweis lauterer Gesinnung sein!

Noch höher in meiner Achtung als Fürst Bismarck stehen Gustav Stresemann und  vor allem Konrad Adenauer. Hans-Peter Schwarz hat sicherlich eines der Erfolgsgeheimnisse Adenauers erfasst, wenn er über ihn sagt:

“Deutschland, so hämmert er der Öffentlichkeit ein, versteht sich nicht mehr als autonomer Akteur, sondern nur noch als Teil eines größeren Ganzen – Europas, der freien Welt  westlicher Demokratien, der atlantischen Staatengemeinschaft! Die Akzente mögen wechseln, an der Grundorientierung selbst ist kein Zweifel erlaubt.”

Zitat: Hans-Peter Schwarz: Adenauer. Der Staatsmann: 1952 – 1967. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1991, S. 526

Adenauer war ein Meister der Kunst, zerrissene oder scheinbar zerrissene Tischtücher wieder zusammenzunähen. Wie er etwa die widerborstigen Saarländer durch geduldiges Hinhalten, durch Abwarten wieder hereinholte, das ist wahrhaft vorbildlich gewesen!

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“Meine Herren, nun wollen wir aber nicht das Tischtuch mit den Saarländern zerreißen … wir müssen uns wieder zusammenraufen … ” So oder so ähnlich begann einer seiner meist kürzeren Wortbeiträge im CDU-Bundesvorstand, als man wieder einmal über eine notorisch zerstrittene Parteigliederung verhandelte. Adenauer wusste: Parteienstreit gehört zum Wesen der Demokratie dazu, und er wusste, dass Streit auch innerhalb der Parteien zum täglichen Brot gehören kann, aber nicht gehören muss.


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