Mai 112020
 
Im Tal der Briese bei Birkenwerder am 10. Mai 2020
Wir staunten gestern auf unserer Wanderung darüber!
“Land unter” im Naturpark Barnim
Wer hat diesen Staudamm so kunstfertig aufgeschlichtet?

Nicht zu fassen,
Die dreisten Gesellen!
Sie können’s nicht lassen,
Die Bäume zu fällen
Im Tal der Briese,
Sie stauen die Quellen,
Sie fluten die Wiese,
Sie hausen im Dunkeln,
Sie nagen bei Nacht,
Bleib wach und munter,
Du nimm dich in acht,
Wenn Sterne funkeln,
Sonst gehst du unter.

Nun frage ich euch, liebe Kinder: Wer ist gemeint? Wer sind die fleißigen Gesellen, das dreiste Gelichter?

Antwort: Es sind die … !

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Mrz 162020
 
Stechginster in Blüte. Botanischer Garten Berlin, 15.03.2020

Es wandert eine schöne Sage
Wie Veilchenduft auf Erden um,
Wie sehnend eine Liebesklage
Geht sie bei Tag und Nacht herum.

Das ist das Lied vom Völkerfrieden
Und von der Menschheit letztem Glück,
Von goldner Zeit, die einst hienieden,
Der Traum als Wahrheit, kehrt zurück.

Wo einig alle Völker beten
Zum Einen König, Gott und Hirt:
Von jenem Tag, wo den Propheten
Ihr leuchtend Recht gesprochen wird.

Dann wird’s nur Eine Schmach noch geben,
Nur Eine Sünde in der Welt:
Des Eigen-Neides Widerstreben,
Der es für Traum und Wahnsinn hält.

Wer jene Hoffnung gab verloren
Und böslich sie verloren gab,
Der wäre besser ungeboren:
Denn lebend wohnt er schon im Grab.

Gottfried Keller: Frühlingsglaube
Hier zitiert nach: Deutsche Gedichte. Herausgegeben von Hans-Joachim Simm. Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig, 3. Auflage 2013, S. 762-763.

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Mai 192019
 

Ab von dem längs der Gottower Chaussee verlaufenden Radweg, etwa 2 km von Gottow und von Luckenwalde entfernt, lockte uns heute der Waldweg in den urwaldartigen Baumbestand des Nuthe-Urstromtales. Wir bogen ab in den Waldlehrpfad, der zum Eiserbach führt. An der Kranichwiese stießen wir auf einen übermannsgroßen Ameisenbau. Die Waldameisen wimmelten zu Tausenden auf dem mächtigen Haufen umher. Das geschärfte Ohr des Waldgängers vernahm ein feines Rascheln und Knistern, ein Knacken und Zirpen in vielen Frequenzen aus dem Haufen heraus.

Der Ameisenbau an der Kranichwiese

Der Wald in diesem Abschnitt des Nuthe-Urstromtales erinnert in wesentlichen Zügen an einen Urwald, wie er sich früher über die Jahrhunderte ohne tiefgreifende Eingriffe der Menschen an Bächen und Flüssen herausgebildet hat und jetzt allmählich durch gezielte Renaturierung wieder zurückbildet. Kennzeichen der naturnahen, urwaldähnlichen Pflanzenverbundgesellschaft im Nuthetal sind: ein erstaunlicher Artenreichtum, hoch aufwachsende Laubhölzer, insbesondere Esche, Buche, Erle, einige wenige Eichen und Birken. Keine Nadelbäume! Immer wieder kreuz und quer liegend alte, hochaufgeschossene Baumriesen, die durch Windbruch, Schädlingsbefall, Pilze oder altersbedingte Schwäche umgestürzt worden sind und dadurch eine Lichtung für nachwachsende Gehölz schaffen: raschwachsende Büsche, Moose, Gräser. Das Leben schießt unverwüstlich wieder auf, das Leben im Wald überlebt!

“Verkammerte” Lebensräume: man blickt immer wieder in Abschnitte der Pflanzengesellschaft hinein, die eine Art Binnen-Räumlichkeit schaffen, mit eigenem Licht, eigenen Farben, eigenen Geräuschen. So insbesondere auch am Eiserbach selbst, einem nicht begradigten schmalen Bach, der hier zu sehen ist:

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Mai 012019
 

Emsig wippt der Schwanz der hochbeinigen Bachstelze, die sich mutig voranschreitend unserem Strandkorb am Wannsee nähert. In taktmäßig geregeltem Schreiten sucht sie die Uferzone vor unseren Füßen nach Fliegen, Larven, Köcherfliegen und anderen Dipteren, nach kleineren Schnecken und nach Arthropoden ab. Unermüdlich, unverdrossen, fleißig, unablässig, unausgesetzt hackt sie und pickt sie im angefeuchteten Sand nach der für uns unsichtbaren winzigen Beute. Völlig vertieft in ihr Hacken und Gucken scheint sie. Der Wannsee hat sich nach heftigem Wellengang mittlerweile beruhigt und leckt nur noch am flachen Sandstrand entlang. Die Sonne sinkt. Der Tag der Arbeit neigt sich. Es war ein guter Tag für die Bachstelze.

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Mrz 192019
 
Blick von der Kipphornaussicht elbeaufwärts Richtung Gelobtbachmühle und Großer Zschirnstein, 17.03.2019

Wir wanderten gerade erst am Wochenende mit offenem Aug, mit weit geblähten Nüstern durch die Wälder des Nationalparks Sächsische Schweiz. Was für eine herrliche Erfrischung, was für eine Labsal für Körper und Seele, welche Wonne brachte uns das Elbsandsteingebirge zu beiden Seiten der Elbe!

Besonders gefreut hat mich, dass man auf Schritt und Tritt mit den Sachsen so gut ins Gespräch kommt und dass das Elbsandsteingebirge mittlerweile Wanderer und Erholungssuchende aus aller Welt anzieht. Insbesondere Israelis und Amerikaner haben das Bundesland Sachsen für sich entdeckt. Oft fliegen sie über den Flughafen Prag nach Europa und steigen dann in den Zug von Böhmen nach Sachsen. Sie genießen hier am Ufer der Elbe in hellen Scharen die sächsische Gastlichkeit und die überwältigenden Eindrücke der wild zerklüfteten Bergwelt. Es muss nicht immer Georgien oder der Yellowstone-Nationalpark sein!

Blick vom Fremdenweg auf die Winterbergspitzen, 17.03.2019


Und wieder haben wir herrliche Beobachtungen zum unfassbar klugen Anpassungsgeschehen des Waldes in Zeiten des Klimawandels anstellen können. Unsere Wälder entwickeln sich – teils aus eigenem, naturhaftem Wirken, durch Selektion und Adaptation also, teils durch gezielte forstliche Eingriffe – hin zu widerstandsfähigeren, an die gerade ablaufenden und die bevorstehenden Klimaänderungen besser angepasste Systeme.

Alte Fichte im Lattengrund, ca. 90 Jahre alt, vor wenigen Tagen durch Starkwind gestürzt, 16.03.2019

Unter anderem wird klar, welche Baumarten wo hingehören! Der Wind wirft viele Flachwurzler wie etwa die Fichte erbarmungslos um, während eng zueinander stehende, schlanke Buchen ohne breitausladende Krone offenbar ausgezeichnet an starke Stürme und an vorübergehenden Wassermangel in besonders heißen Dürreperioden angepasst sind. Sehr gut zu beobachten auf dem Großen und Kleinen Winterberg im Nationalpark Sächsische Schweiz bei Schmilka!

Bestand jüngerer Buchen am Großen Winterberg bei Schmilka, 16.03.2019

Während die zunehmenden Starkwindereignisse an einigen Stellen gerade die ältesten, mächtigsten Fichten umgeworfen haben, zeigen die jüngeren und mittelgroßen Laubbäume, insbesondere die zarten Birken und die schlanken Buchen keinerlei Schäden; im Gegenteil, sie scheinen für ihre Art Lebensraum zu gewinnen, den bisher die oftmals vom Menschen eingebrachten, schnellwüchsigen und zu Nutzungszwecken geförderten Nadelhölzer monokulturell in Beschlag genommen hatten.

Die Natur, und wir sind ja ein Teil von ihr!, spielt ihr Millionen Jahre altes Spiel immer weiter, sie steckt vieles weg, was unsere Fassungskraft übersteigt! Entstehen, Werden, Vergehen, Wandel, Anpassen, Aktion und Reaktion, das sind einige der Grundmechanismen, denen wir hier im Nationalpark Sächsische Schweiz zusehen konnten, wie man den Atemzügen eines schlafenden Riesen lauscht!

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Feb 132019
 
Im Niedwald. Aufnahme vom 13.02.2019

Recht heimlich ist mir’s im Niedwald. Über die Jahrtausende hat er sich gebildet, hier, wo mich vorgestern bei der Ankunft der Habicht mit seinem lauttönenden Ruf begrüßte. Beiderseits der Altarme der Nidda erstreckte er sich, hier zu meinen Füßen, wo Hainbuche, Ahorn, Wildkirsche, Esche, ja vereinzelt auch noch bis zu 250 Jahre alte Stieleichen aufragen. O wie dunkel ist’s hier in der finsteren Nacht gestern gewesen. Wie gern röche ich hier im Frühjahr den Bärlauch, der als weißer Blütenteppich den Boden bedeckte und mit leichtem Knoblauchgeruch die Luft erfüllte wie damals, als wir die wilden Pentlands bei Edinburgh durchstreiften!

Horch hinein in die Zeitentiefe! Hier an der Via regia sicherte einst berittenes Geleit vor Überfällen durch die Straßenräuber. Diese Straße hier verband damals den Bischofssitz Mainz mit Fulda und Hersfeld, den bedeutenden Abteien, und führte Berittene auf Heerfahrt, Krämer, Marketender weiter nach Eisenach und Erfurt, den Städten, die ich bei der Herfahrt mit dem ICE-Zug kurz grüßte.

Bei Leisenwald im Vogelsberg ist heute noch ein Verbotsstein erhalten, der es “bei fünff Gulden Straff” verbot, die Straße ohne die Bezahlung des Wegezolls von 4 Schilling zu benutzen.

Doch ich, ich bin ja nicht so, bin ja kein Wegelagerer noch auch Wege-Erschleicher. Ich zolle dieser Straße meinen Wegezoll der Achtsamkeit! Ich wende ihr genau die Aufmerksamkeit zu, die sie verdient genau so wie der Niedwald, den sie hier durchquert. Künftiger Bärlauch, Esche im Niedwald, berittene Wächter, lauter Habicht im Auenwald, Wegstein im Leisenwald, Fulda, Hersfeld, Mainz – seid mir gegrüßt, ich werde vorübergehen, aber die Erinnerung an euch wird bleiben wie an den, der hier vorüberzog eine winzige Wegstrecke seines Lebens.

Quellennachweis: “VIA REGIA. Kulturroute des Europarates”, auf: Obelisk aus dem 21. Jahrhundert, aufgestellt vor dem alten Ramada im Niedwald an der alten Via Regia (heute: Oeserstraße 180, 65933 Nied/Hessen)

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Sep 202018
 

Ich soll euch noch recht festlich grüßen:
Herr Sommer, der den Abschied nimmt,
Winkt uns noch zu, als wäre es sein letzter Tag!
Die Beute legt er sich zu seinen Füßen:
Ein Volleyball, der auf den Wellen schwimmt.
Aus gelbgeflecktem Schnabel noch ein Schrei.
So sehr die Möwe ihr Gefieder spreizen mag,
Herrn Sommer ist es mittlerweile einerlei,
Er hat sich’s überlegt: er geht vorbei.
Zwar war er groß, doch größer ist das Jahr,
Das hinter ihm den dunklen Berg erklimmt.
Die Sonne sinkt, das Licht strahlt hart und klar.
Beim Abschiedsfest erklingt die Melodie: Es war.

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Mai 252018
 

Eine ungeheure Fülle an Eindrücken für lauschendes Ohr und lugendes Aug, für unbeschuhten Fuß und witternde Nase bot uns die Wanderung durch den sonnenbeschienen Oberlauf der Schlaube am vergangenen Sonntag.  Die Schlaube ist ein geheimnisreicher, weithin unbekannter Fluss, den nur sehr wenige kundige Wanderer dem Namen nach kennen – und noch weniger Menschen zu erreichen wissen. Hier gleich in aller Frühe das Konzert der Frösche im Erlenbruch:

Ein paar Schritte weiter, und silbrig hell sprang uns ein Bächlein entgegen:

Doch damit nicht genug! Hinaufgeschaut, und über dem See an der Kieselwitzer Mühle kreisten zwei Seeadler, auf Beute lauernd, einander folgend im azurenen Himmel, einander umspielend. Dies alles innerhalb weniger Minuten erleben zu dürfen, flößte mir ein ungeheures Glücksgefühl ein, das noch heute anhält, da ich mich dankbar daran erinnere!

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Mai 232018
 

Im Schlaubetal, 20. Mai 2018

[…] “Der abendliche Rundgang um den Wirchensee bezauberte uns. Die Sonne sank als glühender Ball der Götter über die halkyonisch glatte, unergründliche Wasserfläche.” —

 

“Die Luft war erfüllt von soviel Sanftheit, soviel Wärme, solchem Dämmerschein. Von einem erhöht gelegenen Aussichtspunkt der Jäger genossen wir die unendliche grüne Weite. Überall regte sich huschendes Geraschel, Gezirpe, Vogelschlag erfüllte den Wald. Hier oben, da in den Wiesen, da entspringt glucksend die Schlaube.” [—]

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Apr 292018
 

Wir haben heute einen herrlichen Ausflug mit Wanderung zum Liepnitzsee bei Wandlitz unternommen, wo ich in das immerhin 12 Grad warme Seewasser eintauchte und 20 Sekunden schwamm! Überall schmückte sich der Wald mit zartem Grün; der Himmel bestach uns am Vormittag mit sattem, tiefem, dunklem Blau, wie man es sonst nur ganz selten im Hochgebirge sieht!

 Posted by at 18:16