Jun 292020
 

In aller flaumenleichten Frühe schwammen wir am gestrigen 28. Juni in den Templiner See hinaus. Kein Laut war zu hören außer dem taktmäßigen Schwingen, mit dem ein Reiher zur Jagd ansetzte, dem leisen Rascheln einer Ente im Ufergebüsch und ganz in der Ferne schon einem ersten ratternden Zug. Ich ließ mich ganz ins Wasser untergehen, mit einigen Tauchstößen schwamm ich die Hülle des vergangenen Jahres ab, zurück blieb die abgestreifte Hülle, der Kokon des Gedächtnisses, das fadenartige Gespinst an Ahnungen, Gefühlen, dämmernden Einsichten, getroffenen Entscheidungen, das Verlieren des Grundes unter den Füßen des Augenblicks. Und doch wieder das Getragenwerden, das Entgegenschwimmen auf eine Zukunft, die dich mit offenen Armen empfängt!

Der Schwielowsee öffnete uns beim Entlangradeln gegen Ferch hin immer wieder neue Kulissen vor den Augen, er zog mir die Theatervorhänge des neuen Lebensjahres auf, strahlend, eine Ouvertüre mit einem leicht metallischen Glanz, ohne Schärfe, mit Freude, mit Liebe.

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Apr 142020
 

Le Vendredi saint, j’ai marché le long de la Ebersstraße à Schöneberg. Là, j’ai vu un livre posé sur le rebord d’une fenêtre. Un livre abandonné. “Chanson douce” en était le titre. Par Leïla Slimani, Gallimard, folio. Paris 2016. Étrange!

J’ai été saisi par l’irrésistible attraction que les livres français et italiens ont toujours exercée sur moi. J’ai pris le livre et j’ai immédiatement commencé à lire dedans. Page 11.

J’ai lu la question d’un certain Marmeladov: “Comprenez-vous, Monsieur, ce que cela signifie quand on n’a plus où aller? Car il faut que tout homme puisse aller quelque part.”

J’ai réfléchi à ce que je devrais répondre à cette question de Marmeladov. Marmeladov a-t-il eu raison de poser sa question ? Faut-il toujours savoir où l’on va ?

Ma réponse est non, nous ne savons pas, et nous n’avons pas besoin de savoir.

Leïla Slimani: Chanson douce. Gallimard, Paris 2016, p.11

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Sep 162019
 
Der Wannenkarsee, Aufnahme vom 03.09.2019

Der hinter uns liegende Wanderurlaub in den Ötztaler und Stubaier Alpen brachte uns die vielfachsten Mühen und Freuden.

So etwa diese: Nach mäßig anstrengendem Aufstieg durch das Windachtal erreichten wir am 03. September gegen die Mittagsstunden den Wannenkarsee auf etwa 2000 m Höhe. Ein herrliches Farbenspiel entfaltete sich plötzlich vor unseren Augen, schillernd-türkis, blau spielend, dann umschlagend ins satte, geheimnisvolle Grün unter einem nahezu glatt daliegenden Gewässer – ein Hochgenuss für die Augen! Die Lungen weiteten sich, sogen gierig die leicht eisig angehauchte Luft ein! Darüber etwas letzter Schnee! Alte zusammengeschmolzene Ferner, die den Sommer überlebt hatten! Ein Bild, wie es nur für diesen Augenblick Bestand hatte! Dann vorbei war.

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Jun 132019
 

Viel hat von Morgen an,
Seit ein Gespräch wir sind und hören voneinander,
Erfahren der Mensch; bald sind wir aber Gesang.

“Bald sind wir aber Gesang.” So Hölderlin, in seiner Hymne “Friedensfeier” (Fassung vom 28.09.1802). Vom Gespräch, das wir von Morgen an sind, zum Gesang, der wir bald sind. Eine großartige Aufgipfelung, die vermutlich auf Erasmus von Rotterdam zurückgreift, der ja Joh 1,1 übersetzt hatte mit: Im Anfang war das Gespräch.

Eine weitere gedankliche Hymne auf das Gesangliche, dieses Mal am Geigen, stimmt heute in der FAZ auf S. 11 der Frankfurter Geiger Alois Kottmann an. Höchst lesenswert! Er beklagt die heutige artistisch-zirzensische Geigenbetriebsamkeit und sagt:

“Die Geige ist nicht da, um zu geigen, sondern um etwas zu sagen. Denn der Gesang ist das Ursprünglichste in Tönen. Ich nehme an, das Erste, was der Mensch konnte, war nicht sprechen, sondern summen. Der Gesang stimuliert den Menschen. Der Gesang macht das ganze Gemüt aus und war schon da, bevor die Sprache sich in ihrer ganzen Komplexität entwickelt hatte. Und da müssen wir im Geigenspiel wieder hin, zu dieser Ursprünglichkeit, dieser Ganzheit des Gemüts, aus der heraus sich erst wieder tonsprachlich arbeiten lässt.”

Quellen:
Friedrich Hölderlin: Friedensfeier, in: Sämtliche Werke, Briefe und Dokumente. Herausgegeben von D. E. Sattler. Luchterhand Verlag, München 2004, Band IX, S. 231-236, hier S. 234

“So kann man doch nicht Geige spielen!” Wir müssen zurück zum Gesang, zum Ton als Sprache – und weg von der reinen Selbstdarstellung. Ein Gespräch mit dem Hochschullehrer Alois Kottmann. Das Gespräch führte Jan Brachmann. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Juni 2019, S. 11

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/der-geiger-alois-kottmann-im-gespraech-16233272.html

Bild: Feld- und Wiesengeigen inmitten summender Mückchen und Fliegen. “Das Märchen von dem Frettchen und dem Stier Ferdinand.” In Irenes Garten. Der hier schreibende Geiger mit seinem Sohn Ivan. Aufnahme vom 05.07.2009. Bildhintergrund: Die rückwärtige Einbandansicht der Septuaginta-Ausgabe des Jahres 1935 von Alfred Rahlfs, Verlagsnummer 5121. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 1979


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Aug 172015
 

Großseggenried20150815_100554

 

 

 

 

 

Ostkreuz, bloß Umsteigen und weg, irgendwie sehr … ostig.
Kräne ragen, Bagger rasten,
Baustelle halt. Was erwartest du?

Erkner, heute Abfahrt Jacobsthal
auf Gleis 1 statt auf Gleis 2.
Ja, warum sagt das denn keiner!

Weisheit des Schwarms
einfach so in den Wind geschlagen –
dann laufts halt den andern nach!
Hach so ein Schreck! Herzpochen,
Schweißausbruch, wegen so was!

Belohnung lasest du beim Nachbarn im RE 1 mit:
un couple est un monde autonome,
un monde autonome et clos
qui se déplace au milieu d’un monde plus vaste (S. 132)
(Geflüstert): “Kuck doch mal: Soumission, Houellebecq,
Der ist schon weiter als ich!” Scham wegen Lesefaulheit? I wo!

Im Talgrund der Schlaube,
die letzte Aufwallung des Sommers, erwandert.
Erlenbruchwälder: wohlige Verschattung
am Beginn der Wanderung.

Hier schau: Weidegebüsch durchsetzt den Talgrund!
Da graste noch vor vierzig Jahren das Viehzeug.

Viehzeug fehlt heut! Unweigerlich dann die Durchnässung!
Aufschossen die Seggen dann!
Die Steifsegge, die Sumpfsegge, die Ufersegge, die Rispensegge,
mit einem Wort: ein richtiges Großseggenried!
Breitblättrig hingestreut wuchert’s hervor, das Knabenkraut,
da, da und da, verkrautete Wege!

Ja, schau nur hin:
5,3 Kilometer zur Ragower Mühle;
aber waren es nicht vor 500 Metern
5,4 Kilometer?

Logische Folge: Verunsicherung, aufkommender Durst.
Lichtere Wälder. Kiefernforst, klar: Hitzespeicher!
Erdursten, wieder das Herzpochen,
oder schon Vorhofflimmern?
Schritt um Schritt hin
zum Baumlabyrinth für Rollstuhlfahrer.

 

Foto:
Großseggenried im Schlaubetalgrund, Aufnahme vom 15.08.2015
Zitat:
Michel Houellebecq: Soumission. Flammarion, Paris 2015, S. 132

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Mai 012015
 

Aus dem Berchtesgadener Gemeindebeschlußbuch zitieren wir ungekürzt und unkommentiert eine unerhörte Begebenheit, bei der der Großvater des hier Schreibenden eine entscheidende Rolle spielt:

Konstatierung. – Am 9. März 1933 abends 7 Uhr erschienen im Arbeitszimmer des noch im Rathaus anwesenden 1. Bürgermeisters Seiberl (BVP = Bayerische Volkspartei) die Gemeinderäte B. und S., begleitet von etwa 50 teilweise bewaffneten SA- und SS-Leuten. Gemeinderat B. eröffnete dem 1. Bürgermeister, daß er von der Gauleitung der N.S.D.A.P. den Befehl erhalten habe, auf dem Rathaus Berchtesgaden die Hakenkreuzfahne zu hissen, wenn nötig, auch unter Anwendung brutaler Gewalt. Auf dem Bezirksamt sei ebenfalls soeben die Fahne gehißt worden. Darauf entgegnete Bürgermeister S., daß zunächst um unnötiges Blutvergießen und gefährliche Weiterungen zu vermeiden, er der Gewalt weiche und die Einwilligung gebe die Fahne auszuhängen, daß er aber die endgültige Entscheidung dem Gemeinderat vorbehalten müsse, den er sofort zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen werde. In der dann auf 8 Uhr abends einberufenen Sitzung waren mit Ausnahme des entschuldigten Gemeinderats A. sämtliche Gemeinderäte und die beiden Bürgermeister anwesend. Nach dem Bericht des 1. Bürgermeisters und einer kurzen Beratung, zunächst vertraulicher, dann in öffentlicher Sitzung, wurde einstimmig folgender Beschluß gefaßt: »Unter dem Zwange der Verhältnisse erklärt sich der Gemeinderat damit einverstanden, daß die Hakenkreuzfahne auf dem Rathaus gehißt wird, jedoch unter der Bedingung, daß gleichzeitig auch die weiß-blaue und die schwarz-weiß-rote Fahnen aufgehängt werden.«

Darauf zogen die SA- und SS-Leute, die das Rathaus besetzt hatten, wieder ab. Der Gemeinderatsbeschluß wurde sofort durchgeführt.

Zitiert nach:
Erinnerung an 1933. Von Dr. Manfred Feulner. In: “Marktbote”. Beilage des “Berchtesgadener Anzeigers”, Donnerstag 2. Mai 1996

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Mrz 092013
 

Zu meinen allerfrühesten Kindheitserinnerungen gehört ein ausgestopfter Gepard im Museum der Missionare von St. Ottilien, der während der Familienfreizeiten meine und meines Bruders Aufmerksamkeit fesselte und mir bis zum heutigen Tage in den Sinn kommt, wenn ich Dantes unsterbliche Verse

“una lonza leggiera e presta molto,
che di pel maculato era coverta”

 halblaut vor mich hin murmele.


Die schlanke schnelle Pardelkatze
bedeckt von getüpfeltem Fell!

Das schnellste aller Landtiere, der Gepard, stand gezähmt, scheuen, in sich gekehrten Blicks vor uns! Was nützte ihm nun seine Schnelligkeit! Wo war die Steppe, wo war die Weite, wo war das Flirren der erhitzten Luft über der Serengeti! Wo jenes unvergleichliche Gefühl, das den Gepard durchströmt, wenn er in 300 oder 400 Meter Entfernung ein Beutetier erahnt und sich dann, geduckt pirschend, immer wieder Witterung einsaugend, zwischendurch endlose Minuten verharrend, sich dem arglosen Tier nähert, das dann, viel zu spät, in einigen wilden Haken vergeblich seinem Schicksal zu entkommen versucht. Ein geheimes Einverständnis scheint zwischen Jäger und Beute zu herrschen, so als wollte das eine dem anderen noch einmal seine ganze Kraft, seine hakenschlagende Geschicklichkeit zeigen, ehe der erlösende Tatzenhieb erfolgt und das Tier, einige letzte Male zuckend, sich dem Biss in die Halsschlagader ergibt.

So schien der Gepard zu träumen. Dies war seine Vergangenheit. Das Tier vor uns schien sich zu schämen, stand stolz aufgerichtet, endlos witternd hinter einer Glasscheibe. Und wir, die Vorschulkinder, waren klüger, lernten die Geschwindigkeiten auswendig, die das schnellste Landtier der Erde zu erreichen vermag, wenn auch nur für wenige Hundert Meter! 112 km/h, das war die Spitzengeschwindigkeit, die das rasch atmende Tier mit weit geöffneten Nüstern für 700-800 Meter durchzuhalten vermochte. Alles entschied sich in diesen wenigen Hundert Metern. Und aufs Ganze gesehen musste der Gepard verlieren. Irgendwann, so dachten wir, würden die Gazellen und Antilopen eine Warnungskette errichten. Dann wäre es aus, irgendwann, in zehn oder 15 Jahren vielleicht. Was sind schon 800 Meter im Vergleich zu 10 oder 15 Jahren! Es gab doch immer jemanden, der langsamer lief und deshalb viel mehr Zeit hatte.

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Sep 062012
 

Ein steter Mittler zwischen Ost und West ist für mich immer wieder in meinem Leben mein Onkel Adolf Hampel, der am 7. September 1933 in Klein-Herrlitz bei Troppau geboren wurde.  Er war es, der mich 1959, wenige Monate nach seiner im byzantino-slawischem Ritus erteilten katholischen Priesterweihe als seinen ersten Täufling auf den Namen Johannes des Täufers taufte. Bis zum heutigen Tag sehe ich diesen Taufnamen als steten Aufruf zum Umdenken, als Aufruf zur Aussöhnung der Väter und Söhne, als Versuch der Wiedergewinnung der verlorenen Sprachen, wie es ja insbesondere aus der im Lukasevangelium erzählten Geschichte um den Vater des Johannes, den vorübergehend verstummten Priester Zacharias, hervorgeht.

Das Ideal des freiwillig gewählten Konsumverzichts, das Johannes am Jordan vorzuleben versuchte, hat sich mir bereits in frühesten Kindertagen eingeprägt. Ich meine in der Tat: Bequemlichkeit ist kein Argument – im Gegenteil, etwas mehr Unbequemlichkeit, mehr Treppensteigen, mehr Verzicht, mehr Strampelei tut Herz und Sinn und Kreislauf gut.  Vor allem aber sehe ich das zentrale Motiv der Johannesgestalt im Gebot des Um-Denkens, also des Ausbruchs aus eingeschliffenen Routinen des bloß Zweckdienlichen, des allzu leichtfertig wiederholten Immergleichen.

In seinen Lebenserinnerungen schildert Adolf Hampel auch eine anekdotische Begebenheit, an der ich selbst beteiligt war: eine nette kleine Verhaftung in der bosnischen Stadt Bihać. Es war am 28. August 1968. Der Einmarsch der befreundeten Panzer aus den verbündeten Staaten in Prag lag gerade eine Woche zurück. Eine kleine Reisegruppe – bestehend aus Onkel Adolf, meinem Vater, meinem Bruder und mir – war von der Insel Rab aufgebrochen, um dieses wichtige Zentrum der bosnischen Muslime zu besuchen. Doch erregten wir offenkundig Verdacht bei der jugoslawischen Polizei UDBA: Wieso sollten einige Deutsche sich ausgerechnet eine Woche nach dem Einmarsch der Panzer des Warschauer Pakts in Prag für eine Moschee in Bihać interessieren? Da stimmte doch etwas nicht!

Schatten der Weltgeschichte, deren Sinn sich mir nicht enträtselte! Im Gedächtnis geblieben ist mir vor allem ein Spucknapf, der in der Polizeistation in einer Ecke stand. “Im alten Österreich-Ungarn fand sich so etwas häufiger in den Amtsstuben”, erklärte mir mein Vater mit leiser Stimme.

Das Missverständnis klärte sich nach langen Stunden auf. Ein Anruf bei den Milizionären auf der Ferieninsel ergab, dass es sich bei uns wirklich um eine harmlose Reisegruppe handelte, die im Kloster der hl. Eufemia wohne und  die den Milizionären besonders oft durch falschparkende Autos auffalle, was andererseits zu durchaus erwünschten Bußgeldzahlungen führe.

Die bosnische Moschee habe ich damals nicht gesehen. Aber  vor wenigen Tagen begrüßte ich eine Gruppe offensichtlich südslawischer Reisender bei uns im Hof mit einem herzhaften Dobar dan! und fragte:

– Woher kommt ihr?

– Aus Bosnien!

-Aha! Das kenne ich gut. Ich war schon als Kind in Bihać, der Stadt mit der berühmten Moschee!

Wir plauderten noch ein wenig, und so gelang mir die vollkommene Aussöhnung mit dem weit zurückliegenden Abenteuer, zusammen mit meinem Onkel, meinem Vater und meinem Bruder von der jugoslawischen Geheimpolizei UDBA verhaftet worden zu sein.

Ad multos annos, o Adolphe!

Quelle:

Adolf Hampel: “Falsch parken kann auch nützlich sein”, in: Mein langer Weg nach Moskau. Ausgewählte Erinnerungen. Gerhard Hess Verlag, Bad Schussenried, 2012, S. 152-155

 Posted by at 17:23
Mai 242010
 

… also am Flughafen Tempelhof, drehten wir wieder gemeinsam mit Hunderten anderen unsere Runden. Dieses Wiesenmeer ist ein großartiges Geschenk für uns alle! Wachsen lassen, Feldlerchen wiederkommen und brüten lassen, – diese Weite und Ungegliedertheit des Tempelhof-Geländes gleicht einen der wenigen Nachteile Berlins aus – nämlich das Fehlen eines echten Meeresstrandes. Tempelhof ist wie das Meer! (Dasselbe behaupten auch die Böhmen über ihre Heimat: Böhmen habe den einzigen Nachteil, nicht am Meer zu liegen …)

Neben poetischen Eingebungen galt es heute erneut, die Fitness für das Radrennen am Sonntag zu verbessern. Platzrunden, Gymnastik, isometrische Übungen, Späße und Plaudereien waren unser heutiges Rezept. Es gelang! Die Feldlerche, die uns von oben zusah, weiß es.

 Posted by at 22:38
Mrz 162010
 

Noch einmal eine Stunde habe ich herumgebosselt an dem Vorschlag “Modellbezirk Radverkehr”. Den werde ich morgen im Fahr-Rat im Rathaus Kreuzberg vortragen dürfen. Ob es die Mitglieder des Rates zu überzeugen vermag? Zweifel sind angebracht! Zuviele Gewohnheiten werden hier durchbrochen. Darf man denn einfach neue Pfade betreten – auch wenn manches auf Ablehnung stößt? Ich glaube: ja! Man soll sogar!

Und so geht es los:

Friedrichshain-Kreuzberg – ein Bezirk steigt auf

Schaffen wir den Modellbezirk Radverkehr!

Vorschlag von Johannes Hampel für die Sitzung des bezirklichen Fahr-Rates Friedrichshain-Kreuzberg am 17.03.2010

1.       Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg erklärt sich durch Beschluss der BVV für die Zeit vom 01.09.2010 bis 31.08.2011 (Zeiten veränderbar) zum Modellbezirk Radverkehr.

2.       Alle Fachbereiche der Kommunalpolitik (namentlich Stadtplanung, Bildung, Sport, Wirtschaft, Ordnungsamt, Gesundheit, Soziales, Jugend, Familie, Schule, Bauen, Wohnen, Immobilienservice) verpflichten sich für die Laufzeit des Programms auf den Modellbezirk Radverkehr.

3.       Die Verantwortung für die Umsetzung des BVV-Beschlusses und die Koordination der Maßnahmen wird einer hierzu geschaffenen Funktion oder der Sprecherin des Fahr-Rates übertragen.

4.       Die Maßnahmen umfassen kostengünstige, leicht umsetzbare Maßnahmen. Der Bezirkshaushalt wird nicht zusätzlich belastet. Kostspielige zusätzliche Tiefbaumaßnahmen in der Radverkehrsplanung werden vermieden.

5.       Der  von der BVV 2006 in Auftrag gegebene frühere „Vertiefungsplan Radverkehr“ wird durch einen anschlussoffenen, periodisch fortzuschreibenden Radverkehrsentwicklungsplan 2011-2015 ersetzt, der neben dem üblichen topographischen Kartenwerk auch Zielvorgaben in Worten enthält.

6.       Der Modellbezirk Radverkehr wird durch ein Signet öffentlichkeitswirksam kommuniziert. Das Signet soll die charakteristische Umrisslinie des Doppelbezirks mit dem „Vorderrad“ Friedrichshain, dem „Hinterrad“ Kreuzberg und dem vorwärtsstrebenden „Kopf“ Stralauer Halbinsel aufgreifen. An allen Straßeneinfahrten in den Bezirk wird ein Schild angebracht, das auch das Signet zeigt:

Friedrichshain-Kreuzberg
Modellbezirk Radverkehr [Signet]

Oberstes Ziel des Programmjahres:
Gesamthafte Radverkehrsförderung als fachbereichsverklammernder Teil der Bezirkspolitik – aus einem Guss. Enge zeitliche Planung, terminiert, mit Evaluation am Schluss.

Hier das gesamte Dokument zum Nachlesen:

2010_03_17_fahrrat_modellbezirk_radverkehr_hampel.pdf

 Posted by at 23:03