„Lo Stato contro la società“ – der Staat gegen die Gesellschaft. Die souveräne Allgemeinverfügung des ranghöchsten deutschen Politikers

 Corona, Leviathan, Staatlichkeit  Kommentare deaktiviert für „Lo Stato contro la società“ – der Staat gegen die Gesellschaft. Die souveräne Allgemeinverfügung des ranghöchsten deutschen Politikers
Jan 302022
 

Der ranghöchste deutsche Politiker im machtausübenden Tagesgeschäft, – der heißt wie? Scholz oder Steinmeier? Nun? — Er heißt weder Scholz noch Steinmeier, sondern der ranghöchste deutsche Politiker ist derzeit Bärbel Bas. Sie ist Präsidentin des Bundestages und steht protokollarisch auf Nummer zwei, also dem verfassungsrechtlichen Rang nach vor und über dem Bundeskanzler.

Am 11. Januar 2022 hat also der ranghöchste, laut Verfassung im Tagesgeschäft mächtigste deutsche Politiker kraft Allgemeinverfügung bestimmt, dass ab 12. Januar die Mitglieder des Deutschen Bundestages ihren Genesenenstatus 6 Monate behalten, während alle anderen Bürger diesen Status nur drei Monate genießen dürfen.

Eine Unterscheidung tut sich auf: Einerseits – die Politiker, andererseits – die Bürger. Zweierlei Kategorien, eingeteilt durch die überragende Machtfülle des derzeit mächtigsten aktiven Politikers der Bundesrepublik Deutschland.

Diese sich im Lauf der Coronakrise herausbildende Entgegensetzung von Staat und Bürgerschaft, von Politik und Gesellschaft, diese Konstellation fasst der italienische, in Frankreich lehrende Philosoph und Soziologe Maurizio Lazzarato in folgende Formel:

Lo stato contro la società

Er meint damit, dass der Staat sich im Zuge fortschreitender Selbstermächtigung, im Zuge der Krise, zunehmend Eingriffs- und Durchgriffsrechte gegenüber den Bürgern und der Gesellschaft herausnimmt oder besser: Stück um Stück erzwingt. Neben der Verfügung über schier unermessliche finanzielle Ressourcen – denn der Staat ist mit großem Abstand der mächtigste Akteur in unserer Volkswirtschaft -, neben dem potenziell unbegrenzten Vorrecht des Staates, Schulden zulasten künftiger Generationen aufzunehmen, schält sich seit Beginn des Pandemiegeschehens das rein biologische Dasein, die körperliche Grundverfasstheit der Bürger also, ja sogar die Unterscheidung zwischen krank und gesund als Verfügungsobjekt des Staates heraus. Aufgrund der Unterscheidung in kranke – also abzusondernde – und gesunde – also mit Bewegungsfreiheit versehene – Bürger kann der Staat – hier etwa verkörpert in der überragenden Machtfülle der alleinverfügenden Bundestagspräsidentin – entscheiden, wer sich wann wo zu welchen Bedingungen aufhalten darf.

Der Staat, oder Bärbel Bas in diesem Falle, wird also – um eine treffende Formulierung von Jean Bodin zu verwenden – zum Träger der summa in cives ac subditos legibusque soluta potestas, d.h. zum Träger der obersten Verfügungsgewalt über Bürger und Untertanen, der selbst nicht mehr an die bestehende Rechtsordnung gebunden ist, sondern schrittweise diese transformiert.

Die Krise schafft also Bedingungen, in denen der Staat seine Souveränität „einzig und allein auf die Bevölkerung ausübt“, indem er „auf massive, invasive und autoritäre Weise in das Leben der Bevölkerung interveniert und dabei beabsichtigt, jede Verhaltensweise zu regieren“ (Lazzarato). Dabei bleiben die Freiheiten der Eigentümer von Kapitalgesellschaften und Finanzpapieren weitgehend unangetastet, woraus sich erklären mag, dass die großen internationalen Kapital- und Distributionsgesellschaften in der Krise prachtvolle Gewinne eingefahren haben (Apple, Amazon, Microsoft, Facebook), während auf den Schultern der Bürger der Staaten neue Schuldenlasten aufgehäuft werden.

Nachweise:

Maurizio Lazzarato: Der Staat gegen die Gesellschaft. In: Italian Theory. Herausgegeben von Antonio Lucci, Esther Schomacher und Jan Söffner. Aus dem Italienischen von Daniel Creutz, Andreas Gipper und Federica Romanini. Merve Verlag, Leipzig 2020, S. 198-237, hier bsd. S. 236-237

Peter Cornelius Mayer-Tasch: Zum Verständnis des Werkes. In: Thomas Hobbes: Leviathan oder Wesen, Form und Gewalt des kirchlichen und bürgerlichen Staates. In der Übersetzung von Dorothee Tidow. Rowohlt Verlag, o.O., 1965, S. 289-302, hier bsd. S. 294

Deutscher Bundestag – 3G-Zugangsregel, FFP2-Maskenpflicht und 2G+-Regel bei Sitzungen

Wandel der Arbeitswelt kurbelt Umsatz von Microsoft an (faz.net)

 Posted by at 23:53

„Das Virus muss irgendwann laufen, aber vielleicht…“ Drostens goldene Worte

 Corona, Naturwissenschaften, Seuchen  Kommentare deaktiviert für „Das Virus muss irgendwann laufen, aber vielleicht…“ Drostens goldene Worte
Jan 152022
 
Sonnenuntergang, der den Wintertag endet – sei willkommen, o du des Todes heiterster, goldener Vorgeschmack! Aufnahme vom 14.01.2022

Gute, besonnene, zur Aussöhnung einladende Worte des Virologen Prof. Dr. Christian Drosten werden übereinstimmend durch verschiedene Medien aus der Bundespressekonferenz vom 14.01.2022 berichtet! Besonders gefällt mir Prof. Drostens kleines, machtvolles Wörtchen vielleicht. Mit diesem aber vielleicht setzt Prof. Drosten ein virtuelles Fragezeichen hinter die gesamte derzeitige Gemengelage der in sich nicht mehr durchschaubaren, einander im Stunden-, Tages-, und Wochentakt widersprechenden, für einfache, fachlich ungebildete Bürger wie den hier schreibenden nicht mehr entwirrbaren Vorschriften, Vorschläge, Entwürfe – und bissigen Meinungskämpfe.

Es tut einem einfachen, völlig ungebildeten Bürger wie dem hier schreibenden so gut auch mal zu hören: „Wir wissen es nicht. Vielleicht ist es so, vielleicht ist es auch anders. Vielleicht haben wir recht. Vielleicht täuschen wir uns.“

Mehr solcher O-Töne sind erwünscht!

Wir zitieren Prof. Drosten aus der gestrigen Pressekonferenz:

„Wir werden nicht auf Dauer über alle paar Monate die Bevölkerung nachimpfen können. Das geht nicht. Irgendwann muss das Virus auch in der Bevölkerung Infektionen setzen, und das Virus selbst muss die Immunität der Menschen immer wieder updaten.“ – „Das Virus muss irgendwann laufen, aber vielleicht darf es das jetzt noch nicht.“

„Bisogna convivere con il virus“, so äußerte sich bereits am 2. April 2020 der Mailänder Virologe Prof. Fabrizio Pregliasco, ein Berater der italienischen Regierung. Er forderte schon damals eine schiedlich-friedliche Koexistenz mit dem Virus, selbstverständlich unter Einhaltung aller gebotenen Vorsicht und Rücksicht.

Ich würde einen Schritt weitergehen und im Plural sagen: Bisogna convivere con i virus – auf gut deutsch: Es gilt, mit den Viren zusammenzuleben. Koexistenz, Koevolution mit den tausenden, hunderttausenden von Viren, die uns Tag und Nacht umgeben und auch unseren Körper innen und außen besiedeln.

Selbstverständlich – so meine ich – sollte jeder Einzelne nach bestem Wissen und Gewissen versuchen, sich selbst und andere zu schützen – durch Vorsicht, Rücksicht, durch Impfungen. Aber eine absolute Gewissheit wird es nicht geben, kann es in der Koevolution mit den zahllosen Viren nicht geben. Sie sind schneller als wir alle.

Eine virenfreie Welt – „Zero COVID“ – ist für uns weder machbar noch wünschenswert – genauso wenig wie ein kohlendioxidfreies Berlin, wie es die Berliner GASAG sich im November 2019 allen Ernstes nicht entblödet hat als ihr Ziel zu proklamieren und zu plakatieren.

Viren – diese unendlich wandlungsreichen, zwischen lebendem Organismus und unbelebter Materie oszillierenden Wesenheiten – gibt es schon länger als es den Menschen gibt!

Man also muss dem Virus auch mal die Freiheit lassen zu laufen… Christian Drostens und Fabrizio Pregliascos goldene Worte, die zur rechten Zeit gekommen sind, könnten als Türöffner für die Neueröffnung des Raumes der Freiheit dienen.

Quellenangaben:
La diretta di RAINEWS24, Sendung STUDIO24, 02. April 2020, 10.05-10.45 Uhr

Omikron-Welle: Drostens zentrale Botschaft ist ein politischer Paukenschlag – WELT

„GASAG. Für ein kohlendioxidfreies Berlin!“ Echt jetzt? – Schöneberger Blog (johanneshampel-online.de)

 Posted by at 14:32

Der Mensch – unterwegs zur Unsterblichkeit? Das süße Gift der Rhetorik

 Angst, Corona  Kommentare deaktiviert für Der Mensch – unterwegs zur Unsterblichkeit? Das süße Gift der Rhetorik
Jul 072021
 

Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 48 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 56 Tote gewesen.“

Innerhalb 24 Stunden 48 Todesfälle! Diese Meldung aus dem Robert-Koch-Institut verzeichnet wörtlich so die FAZ heute, am 7. Juli 2021. Wir besinnen uns: Ja, früher, da war alles schlimmer! Denn früher, da gab es in Deutschland regelmäßig über 2200 Todesfälle! Etwa 2.200-2.600 Menschen starben jeden Tag in Deutschland. Wer erinnert sich noch daran?

Ist die Menschheit unterwegs zur Unsterblichkeit? Schreiben wir den vom RKI vorgezeichneten Trend fort, dann müsste sich die Zahl der Todesfälle allmählich der Null nähern. Der Mensch würde sich in Deutschland asymptotisch der Unsterblichkeit nähern!

Auch der aktuelle Economist setzt größte Hoffnung darauf, dass dank der Impfung jede Art von schwerer Krankheit und Tod überwunden werden könnte. Wir lesen im neuesten Heft der angesehenen Zeitschrift:

„Today’s variants are spreading even among the vaccinated. No mutation has yet put a dent in the vaccines’ ability to prevent almost all severe disease and death. But the next one might. None of this alters the fact that the pandemic will eventually abate, even though the virus itself is likely to survive.“

Wir übersetzen: „Die heutigen Varianten verbreiten sich sogar unter den Geimpften. Noch hat keine Mutation die Fähigkeit der Impfstoffe beeinträchtigt, fast alle schweren Erkrankungen und Todesfälle zu verhindern. Aber die nächste Mutation könnte genau dies bewirken. Das alles ändert nichts an der Tatsache, dass die Pandemie schließlich abebben wird, auch wenn das Virus selbst wahrscheinlich überleben wird.“

Verhinderung fast aller schweren Erkrankungen und Todesfälle! Brave New World! Traumhafte, glänzende neue Welt! Durch derartige Formulierungen, wie sie beispielsweise tagein tagaus das RKI, die FAZ oder der Economist bringen, wird unterschwellig die Hoffnung genährt, wir könnten uns nach und nach gegen jede Art von schwerer Krankheit wappnen, wir könnten dem Tod ein Schnippchen schlagen. Denn es wird auf geradezu tolldreiste Weise der Eindruck erweckt, nur an COVID-19 stürben die Menschen.

Eine wahnhafte Selbsttäuschung, finde ich. Denn selbstverständlich sterben in Deutschland auch weiterhin an den verschiedensten Krankheiten und in Unglücksfällen mehr als 2200 Menschen jeden Tag. Nur spricht man von denen nicht. Immer nur und ausschließlich von COVID-19 als möglicher Todesursache zu sprechen und alle anderen Todesursachen zu beschweigen, ist ein rhetorischer Kniff, ein süßes Gift, ist in höchstem Maße unredlich, so meine ich jedenfalls. Es schürt im Volk die irrationale Angst vor dem Tod durch COVID-19 und nährt andererseits die Hoffnung, man könnte sich endgültig den Stricken des Todes entwinden.

Das Ziel bleibt es offenbar, im Volk den trügerischen Anschein der Unsterblichkeit zu nähren. Und die erträumte Unsterblichkeit, die wird uns geschenkt durch — ?

Das frage du dich selbst, o Leser!

Quellenangaben:

FAZ, 07.07.2021:

RKI meldet 985 neue Corona-Fälle, R-Wert erstmals seit April über 1 (faz.net)

The Economist, 3. Juli 2021:
The long goodbye to covid-19 | The Economist

 Posted by at 20:32

Gelassenheit angesichts des Todes

 Corona, Philosophie, Seuchen  Kommentare deaktiviert für Gelassenheit angesichts des Todes
Mai 022021
 

„Wen wirst du mir nennen, der der Zeit einen wie auch immer gearteten Wert beimäße, der den Tag wertschätzte, der erkennte, dass er täglich stirbt? Denn wir täuschen uns insofern, als wir den Tod als etwas vor uns Liegendes betrachten. Ist doch ein großer Teil davon bereits vergangen: Alles, was an Lebenszeit hinter uns liegt, hält der Tod schon in seinen Händen. Mach es ruhig so, wie du es mir schreibst, lieber Lucilius, umarme alle Stunden! So wird es geschehen, dass du weniger vom Morgen abhängst, wenn du kühn ins Heute hineinlangst.“

Soweit ein kurzer Abschnitt aus dem ersten Brief Senecas in seinen Epistulae morales. Wir verdanken unserem Dr. Pegasus den Hinweis auf diesen Ratschlag, den er uns am 3. April 2021 nach seiner Astra-Zeneca-Impfung im ehemaligen Flughafen Tegel mit dem spaßigen Motto Per Astra Zeneca ad Senecam überbrachte.

Gelassenheit gegenüber dem Tod, Einsicht in die Nichtplanbarkeit des Sterbens, das ist es, was zweifellos in unserer Gesellschaft fehlt. Dabei haben und halten wir ohne jeden Zweifel einen in der gesamten Menschheitsgeschichte nie dagewesenen Rekord an Langlebigkeit. Nur die allerwenigsten von uns hätten in früheren Zeiten das heutige durchschnittliche Sterbealter von etwa 80 Jahren erreicht. Die Kindersterblichkeit lag in allen Jahrhunderten deutlich höher als heute; als hohes „biblisches Alter“, das zu erreichen schon als besondere Gnade galt, wurden allgemein über die Jahrhunderte 70 Jahre angenommen. Ohne die Segnungen der modernen Medizin läge das Sterbealter weit darunter. Selbst das Durchschnittsalter der aktuell an Covid-19 Verstorbenen liegt mit über 80 Jahren deutlich, nämlich etwa 10 Jahre, über dem, was noch vor 100 Jahren als bestes erreichbares Sterbealter galt.

• Infografik: 89% der Corona-Toten waren im Alter 70+ | Statista

Es scheint also eine Art natürliche Alterungsgrenze zu geben, jenseits derer ein weiteres Leben oder Überleben nur mithilfe kultureller, also medizinischer Errungenschaften möglich ist. Je älter man ist, desto mehr steigt offensichtlich die Anfälligkeit für schwere Verläufe von Krankheiten, insbesondere von wenig erforschten Krankheiten. Die Corona-Erkrankung bildet darin keine Ausnahme. Sie ist keine Ausnahme. Sie ist in der reichen, wahrhaft vielfältigen Welt der Krankheiten nichts Neuartiges. Sie rechtfertigt nicht das Ausrufen eines dauerhaften allgemeinen Ausnahmezustandes und die allgemeine, dauerhafte Außerkraftsetzung grundlegender Bürgerrechte.

Dies zu akzeptieren, fällt in den Zeiten des die aktuelle Politik beherrschenden Planbarkeitswahns schwer. Und doch haben immer wieder Philosophen wie etwa Seneca oder Lukrez, religiöse Menschen wie etwa Jesus oder Dante sich der Unausweichlichkeit des Todes gestellt, sich produktiv damit auseinandergesetzt.

Für Seneca stellte die Tatsache der Sterblichkeit kein Übel dar; ein Übel ist es in seinen Augen, das Leben in Angst vor dem Tod zu verbringen, der nun eben gerade kein Übel ist, vor dem man sich fürchten müsste. Wer Angst vor dem Tod hat, der versäumt sein Leben.

Für Jesus oder Dante wiederum, die ohne Zweifel Todesangst erlebten und auch davon Zeugnis ablegten, war der Tod kein letztes. Er war zunächst einmal schrecklich, gewiss. Aber er war nicht das Ende aller Dinge. Er war eine Chance, über die Endlichkeit und Sterblichkeit hinauszulangen, hinauszuahnen in etwas, was uns, den Sterblichen verschlossen war.

In den letzten Gesängen seiner Komödie schreitet Dante auf diese eigene Sterbenserfahrung zu, und zuletzt gelingt es ihm, über die Sterblichkeit hinauszulangen und jenes höchste Licht zu sehen, das sich weit über Sterblichkeitsbegriffe hinaushebt —

O somma luce che tanto ti levi
da‘ concetti mortali …

sagt er im 33. Gesang des Paradiso (Vers 67-68).

Ich bemängele an der aktuellen Debatte fehlende Einsicht in die Unverfügbarkeit des Todes, ja in die naturgegebene Sterblichkeit des Menschen überhaupt.

Hier noch die von Dr. Pegasus vorgetragene Seneca-Stelle im lateinischen Original, zitiert nach: Seneca: Ad Lucilium epistulae morales, Epist. 1, Auswahl von Anton Klein. Text. 11./12. Aufl., Münster 1966, S. 47

Quem mihi dabis qui aliquod pretium tempori ponat, qui diem aestimet, qui intellegat se cotidie mori? in hoc enim fallimur, quod mortem prospicimus: magna pars eius iam praeterit; quicquid aetatis retro est, mors tenet. fac ergo, mi Lucili, quod facere te scribis, omnes horas complectere. sic fiet, ut minus ex crastino pendeas, si hodierno manum inieceris.

 Posted by at 22:22

Per Astra Zeneca ad Senecam. Der Bericht des Dr. Pegasus

 Corona, Mären  Kommentare deaktiviert für Per Astra Zeneca ad Senecam. Der Bericht des Dr. Pegasus
Apr 262021
 
Dr. Pegasus vor dem Flughafen Tegel am 3. April 2021

Wir haben einen neuen Mitarbeiter in unserer Beratungskanzlei, ein neues Pferd im Stall sozusagen. Wie berichtet, hatte einer unserer wertvollsten Mitarbeiter, der sich in unserem Unternehmen stets als Burâq bezeichnet hatte, sich den Verlockungen eines unmittelbaren Konkurrenten nicht entziehen können und uns nach drei Jahren Zugehörigkeit verlassen. Erst nach langem Suchen haben wir einen würdigen Ersatz gefunden. Sein Name lautet Dr. Pegasus. Rein äußerlich erinnert nichts mehr an seine große, sozusagen mythische Zeit, als er noch in höherem Dienst stand und als geflügeltes Roß unersetzliche Mittlerdienste zwischen den untersten Bediensteten und der obersten Leitung unseres Unternehmens leistete. Heute gilt er als verlässliches Arbeitspferd, wird häufig für Botengänge und kleinere Besorgungen eingespannt. So geschah es auch am vergangenen 3. April. Wir hatten durch Zufall eine Behandlung durch den Wirkstoff Vaxzevria erhalten und schickten einen unserer wertvollsten Mitarbeiter zusammen mit Dr. Pegasus an die Behandlungsstelle im mittlerweile außer Dienst gestellten Flughafen Tegel. Kräftige Gegenwinde bliesen an jenem Nachmittag feine Staubkörner in die Richtung, aus der Dr. Pegasus sich zusammen mit seinem Reiter einen Weg bahnte. Der Zugang zur Behandlungsstätte war durch vielfache Kontrollen gesichert. Doch wer wollte einem Dr. Pegasus sich in den Weg stellen? Alle Aufsichtsbeamten ließen nach kurzen Gesprächen Pegasus durch. Es herrschte eine freundliche, gottesdienstähnliche, zuversichtliche Stimmung. Die Behandlung selbst war eine Sache von wenigen Minuten. Im Grunde nur ein Piekser. Doch wie viel bedeutete dieser Piekser!

Pegasus selbst beschreibt die Gesichter derer, die die Behandlung erfahren hatten, als von innen heraus strahlend, erleichtert, glücklich. Gar manche verfielen in zunächst unverständliche Reden, in Lallen, in das, was man früher wohl als Zungenrede bezeichnet hätte: ein unverständliches, aus verschiedenen unbekannten Sprachen zusammengestelltes Gemisch, dem trotz allem ein geheimer Sinn innezuwohnen schien. Als besonders merkwürdige Ansprache berichtete uns Dr. Pegasus die folgende lateinische kurze Rede, die ein soeben Behandelter von einem umgedrehten Bierkasten herab an diejenigen richtete, die er als Schicksalsgefährten, als Mit-Impflinge mit folgenden Worten ansprach:

Per aspera ad Astra Zeneca! Liebe Impflinge! Per Astra Zeneca ad Senecam. Quem mihi dabis qui aliquod pretium tempori ponat, qui diem aestimet, qui intellegat se cotidie mori? In hoc enim fallimur, quod mortem prospicimus: magna pars eius iam praeterit; quidquid aetatis retro est mors tenet. Fac ergo, mi Lucili, quod facere te scribis, omnes horas complectere; sic fiet ut minus ex crastino pendeas, si hodierno manum inieceris. 

 Posted by at 20:36

Langfristigkeit, Einheitlichkeit, Berechenbarkeit. Eine neuartige Pandemiestrategie

 Corona, Seuchen  Kommentare deaktiviert für Langfristigkeit, Einheitlichkeit, Berechenbarkeit. Eine neuartige Pandemiestrategie
Mrz 182021
 
„Wie komm ich da raus?“ Bild aus der Galerie „Im Tälchenweg“, Berlin-Schöneberg, Aufnahme vom 18.03.2021

In Beruf, im Privatleben, in Kunst und Sport ist uns heute kaum eine eigene Planung möglich. Das mindert das Gefühl, Herr unserer selbst zu sein. Gäbe es aber klare Leitplanken, dann könnte in der Tat alles besser werden. Der folgende Gastbeitrag von Tobias Hampel scheint uns in diese Richtung zu deuten. Wir stellen ihn hier mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers zur Diskussion. Tobias Hampel ist Diplom-Psychologe und arbeitet als psychologischer Psychotherapeut in Bayern.

Da die Politik und die Verbände bisher keine übersichtlichen Komplett-Strategien vorlegen, stelle ich Ihnen in aller Kürze eine „Komplette Log-Lock-Lock-Lock-Pandemie-Strategie“ vor, die wirklich weiterhelfen könnte, und bitte Sie um Überdenken und um Weiterleitung, ggf. modifiziert an die Politik. Diese Strategie bildete den Kern einer künftigen Pandemie-Eindämmung, um den herum dann auch noch die Behandlungen, Impfungen, Testungen, Medikamentenentwicklungen, Kontaktverfolgungen usw. stattfinden, auf die ich hier erst einmal nicht näher eingehe. Wir müssen handeln, als ob es keine Impfungen gäbe, denn was wir bei Impfungen gewinnen, verlieren wir durch Leichtsinn.

Kernstück ist ein einziger Plan, der alle denkbaren Inzidenzen und Inzidenzkonstellationen auch bei regionalen Unterschieden mit konkreten Maßnahmen transparent und vor allem motivierend verknüpft. Der Plan gilt etwa ein halbes Jahr und wird nur noch bei sehr dringendem Bedarf geändert.

Ziel ist es, die Inzidenz auf 0 zu drücken, so wie die Feuerwehr ein Feuer natürlich ganz löschen sollte. Liegt die Inzidenz noch über 1, muß nachgeholfen werden. Nehmen es die beteiligten Durchreisenden, Bürger*innen und Staatsbeamten zu lax, die Inzidenz steigt weiter, muß immer mehr nachgeholfen werden, ab jeder Verdoppelung der Inzidenz mit zusätzlichen Maßnahmen (10 Schwellen zwischen 1 und 1024). Jeder weiß aber im Vorhinein, wie das geht, oder kann es zumindest wissen. Nicht nur eine einzige definierte „Notbremse“ bei 100, sondern neue Bremsen an jeder Schwelle.

Wofür steht „Log-Lock-Lock-Lock“?

Das erste „Log“ steht für logarithmische Schwellenwerte:  Pandemien wachsen und schrumpfen in logarithmischen (oder exponentiellen) Maßstäben, also z.B. eine Verdoppelung alle drei Wochen. Es werden daher Schwellenwerte der Inzidenzen in (annähernd) logarithmischen Abständen festgelegt: Künftig gilt eine Reihe von Schwellenwerten wie z.B. 1024, 512, 256, 128, 64, 32, 16, 8, 4, 2, 1. Oder auch 1000, 500, 250, 100, 50, 25, 10, 5, 2, 1. Oder auch 1000, 300, 100, 30, 10, 3. Egal welche Reihe, aber festlegen! Die Festlegungen müßten kompetent ausgearbeitet werden, aber nicht jede Woche wieder neu.

Die nächsten „Lock-Lock“-Bausteine stehen für Lockerung oder Lock-Down. Für jeden Schwellenwert wird von den Entscheidungsträgern festgelegt, welche Lockerungen (bei Absinken der Inzidenz) oder Lock-Downs (bei Ansteigen der Inzidenz über den jeweiligen Schwellenwert) stattfinden werden. Wenn man das einmal festlegt, kann man mehr als drei Viertel aller Konferenzen und mehr als drei Viertel aller Kommunikationsprobleme sich und anderen ersparen. Man stellt unmißverständlich klar: Bei Überschreiten eines Schwellenwertes in der unerwünschten Richtung wird geschlossen (Lock-Down), bei Unterschreiten wird geöffnet  (Lock-erung). Gleichzeitig wäre festzulegen, ab welcher Dauer einer Über- oder Unterschreitung eines Schwellenwertes eine Intervention, z.B. nach drei Tagen in Folge oder mehr als vier von sieben Tagen, stattfindet. Ein wenig komplizierter ist die Frage, wie man mit Inzidenzunterschieden zwischen verschiedenen Gebieten umgeht, aber auch das könnte man für alle verbindlich mit Gültigkeit ein halbes Jahr lang festlegen.

Das letzte „Lock“ steht für Locken oder Lockangebot. Man mache sich klar, dass beim Besiegen der Pandemie eine (in Teilgebieten wie Reisen, Home-office, internationale Arbeitsteilung auch neu zu bestimmende) Normalität lockt. Es ist für fast jede(n) gut, wenn die Pandemie endet. Wirtschaft und Lebensschutz und kulturelle Bedürfnisse stehen nicht gegeneinander, sondern miteinander. Für alles muss die Pandemie-Inzidenz unter 3 gedrückt werden. Also zusammen helfen! Dann wären viel mehr Leute, sogar in Sachsen und Berchtesgaden motiviert, ihre sinnlose „Corona-Müdigkeit“ zu überwinden, wenn sie wüßten, „die Hotels und Gaststätten machen bei unter 25 wieder auf“. Dann würde sogar die Dehoga mithelfen, statt immer lauter zu jammern.

Hier nur ein mögliches Beispiel, wie man mit Lockerungen locken könnte.

Unter 1024: Der grenzüberschreitende LKW-Verkehr ist wieder erlaubt (und weitere 10 – 20 Festlegungen verordnen)

Unter 512: Arztbesuche sind uneingeschränkt möglich (und weitere 10 -20 Festlegungen)

Unter 256: Nächtlicher Ausgang im eigenen Landkreis uneingeschränkt möglich (und weitere 10 -20 Festlegungen)

Unter 128: Nächtlicher Ausgang in allen Nachbarlandkreisen unter 128 uneingeschränkt möglich, (und weitere 10 -20 Festlegungen)

Unter 64: Friseure dürfen mit bestimmten Hygienekonzept öffnen, (und weitere 10 -20 Festlegungen)

Unter 32: Kindergärten dürfen mit bestimmten Hygienekonzept für alle öffnen (und weitere 10 -20 Festlegungen)

Unter 16: Mannschaftssport in Vereinen wird wieder zugelassen, alle Läden öffnen (und weitere 10 -20 Festlegungen)

Unter 8: Alle Veranstaltungen unter 500 Personen sind wieder erlaubt (und weitere 10 -20 Festlegungen)

Unter 4: Alle Veranstaltungen sind wieder erlaubt (und weitere 10 -20 Festlegungen)

Unter 2: Es gibt keinerlei Beschränkungen mehr.

Insgesamt würde eine (Excel-fähige) Tabelle aus Inzidenzen (Zeilen), Inzidenzkonstellationen, also Unterschiede in den Gebietskörperschaften (weitere Zeilen) und handelnden Entscheidungsträgern (Spalten) entstehen: Für jede Zelle dieser Matrixtabelle ist – ein halbes Jahr lang – für alle einsehbar festgelegt, was passiert.

Tobias Hampel

 Posted by at 21:52

Es ist Zeit, daß wir wissen, dass wir zeitlich sind

 Angst, Corona  Kommentare deaktiviert für Es ist Zeit, daß wir wissen, dass wir zeitlich sind
Nov 262020
 

Zu den bittersten Kränkungen der jetzigen Zeit gehört es, dass wir uns der eigenen Begrenztheit bewusst werden. Wir haben schlechterdings dies und das nicht in der Hand! Zum Beispiel – die Zeit. Zum Beispiel – den Zeitpunkt des eigenen Todes. Wir erleiden die Einsicht zum Beispiel – von der Unplanbarkeit zahlreicher Verläufe. Auch die allesbesorgende Politik hat es nicht in der Hand. Der Staat kann den Menschen nicht mehr das Erreichen der natürlichen Altersgrenze von so und so vielen Jahren (70? 80? 86? 100? 120? Unsterblichkeit?) zusichern, wie er dies noch vor einem Jahr vorgab. Ein trügerisches Vorgeben, wie wir jetzt erneut erfahren!

Schlägt man heute die Zeitungen auf, so weht einen überall der Todesgedanke an, Fallzahlen, Sterbetafeln, Infektionsinzidenzen haben die Aktienkurse, Wechselkurse und Targetsalden ersetzt, die früher das unerbittliche Schicksal bedeuteten. – Ein psychotischer, barocker Pesthauch der Vergänglichkeit wallt uns an! Von Geburten, Geburtenzahlen (die muss es doch auch geben?), von Zuversicht, von der Schönheit des Lebens erfährt man nichts mehr aus den Massenmedien und aus den Verlautbarungen – während echte, gute, wahre barocke Kunst (die Musik J. S. Bachs z.B.) bei aller intimen Nähe zum Tod doch immer wieder die überschäumendste Freude feierte! Eine ganze Gesellschaft zieht sich schon mal das Leichentuch übers Gesicht. Es steht 0:6 für den Tod bei uns in Deutschland. Wie die Nationalelf es gegen Spanien so rekordverdächtig herausgespielt hat. Da war kein Aufbäumen mehr zu erkennen.

In der ersten Auflage eines 2020 neu erschienenen Buches hingegen strahlt uns taufrisch und unverwelklich folgendes Gedicht entgegen, als wäre es für heute, den 26. November 2020, geschrieben – oder als wäre es am vergangenen Sonntag, dem Totensonntag des Jahres 2020 geschrieben:

CORONA

Aus der Hand frißt der Herbst mir sein Blatt: wir sind Freunde.
Wir schälen die Zeit aus den Nüssen und lehren sie gehn:
Die Zeit kehrt zurück in die Schale.

Im Spiegel ist Sonntag,
im Traum wird geschlafen,
der Mund redet wahr.

Mein Aug steigt hinab zum Geschlecht der Geliebten:
wir sehen uns an,
wir sagen uns Dunkles,
wir lieben einander wie Mohn und Gedächtnis,
wir schlafen wie Wein in den Muscheln,
wie das Meer im Blutstrahl des Mondes.

Wir stehen umschlungen im Fenster, sie sehen uns zu von der Straße:
es ist Zeit, daß man weiß!
Es ist Zeit, daß der Stein sich zu blühen bequemt,
daß der Unrast ein Herz schlägt.
Es ist Zeit, daß es Zeit wird.

Es ist Zeit.

Zitat:
Paul Celan. Die Gedichte. Neue kommentierte Gesamtausgabe in einem Band. Mit den zugehörigen Radierungen von Gisèle Celan-Lestrange. Herausgegeben und kommentiert von Barbara Wiedemann. Erste Auflage 2020, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2020, S. 45

 Posted by at 10:49

Vermeidbare nichtinfektiöse Pandemien: Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht. Die unbequemen Wahrheiten der Querdenker Jens Spahn und Horst Seehofer

 Corona, Seuchen  Kommentare deaktiviert für Vermeidbare nichtinfektiöse Pandemien: Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht. Die unbequemen Wahrheiten der Querdenker Jens Spahn und Horst Seehofer
Nov 172020
 

Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Übergewicht. Diese drei Symptomkreise sollten wir, so meine ich und schlage es hiermit vor, als „nichtinfektiöse Pandemien in Wohlstandsgesellschaften“ bezeichnen. Als drei der vier wichtigsten Ursachen für schwere und schwerste Erkrankungen – zugleich als drei der vier nachweislich entscheidenden Risikofaktoren bei Verlauf und Schweregrad von COVID-19-Infektionen – haben denn auch zwei unerschrockene Politiker, die Bundesminister Jens Spahn und Horst Seehofer, auf einige minder beachtete, kaum bekannte und doch unbestreitbare Wahrheiten hingewiesen. Die NDR-Infonachrichten berichten am 09.11.2020:

Bis zu 40 Prozent der Menschen in Deutschland zählen in der Corona-Krise nach Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur Risikogruppe. „Bei uns sind 23 Millionen Deutsche über 60“, sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend im Politik-Talk „Die richtigen Fragen“ auf „Bild live“. „Wir sind ein Wohlstandsland mit Zivilisationskrankheiten: Diabetes, Bluthochdruck, Übergewichtigkeit. Alles Risikofaktoren für dieses Virus, wie für viele Infektionskrankheiten übrigens auch.“ Spahn warnte: „Wenn Sie nach der Definition gehen, sind 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung Risikogruppe.“ Die Bundesrepublik sei nach Japan das zweitälteste Land der Welt.

Soeben hat Ministerpräsident Woidke im rbb-Inforadio vom harmlosen Verlauf seiner Corona-Erkrankung berichtet, die sich im wesentlichen auf milde Erkältungssymptome beschränkt habe. Am schlimmsten sei eigentlich die Angst gewesen, was noch alles habe passieren können. Das habe ihm tiefen Respekt vor der Krankheit eingeflößt. Das dürfte ins Bild passen! Wir lernen daraus: Die Angst vor der Krankheit ist am schlimmsten.

Die Berliner Morgenpost berichtet am 16.11.2020:

Ob es zu einem schweren Krankheitsverlauf kommt und die Patient*in sogar verstirbt, darauf nehmen vor allem Alter und Vorerkrankungen Einfluss. Laut RKI waren 85 Prozent aller bisher verstorbenen Infizierten über 70 Jahre alt.

Als weiteren deutlichen Risikofaktor erkennen wir somit zunehmend die Lebensalterstufe ab 70 Jahren. Vor dem Lebensalter 70 Jahre (nicht 60) liegen die schweren und schwersten Verläufe der Corona-Infektion, wie die der anderen Infektionen auch, deutlich unter der Höchstgefahr! Einzelne schwere oder schwerste Verläufe kommen zwar auch bei jüngeren, fitten, ansonsten gesunden Menschen vor. Sie haben aber nirgendwo pandemische Ausmaße! Man überprüfe doch einmal alle öffentlich verfügbaren Zahlen aus den Ländern dieser Welt.

Diabetes, Übergewichtigkeit, Bluthochdruck, hohes Lebensalter über 70. Das sind weltweit die entscheidenden Risikofaktoren für gefährliche Verläufe von COVID-19.

Denn nur bei Vorliegen von einem oder mehreren der vier genannten Risikofaktoren besteht – rein statistisch gesehen! – eine hohe Gefahr, dass die Corona-Infektion einen schweren oder sehr schweren Verlauf nimmt.

Man kann und muss nicht NICHTS tun!

Am Fortschreiten des Lebensalters kann man zwar nichts ändern, sehr wohl aber kann man etwas gegen die drei anderen wichtigen Risikofaktoren tun: das Auftreten von Diabetes 2, Bluthochdruck und Übergewicht. Und zwar durch Umstellung der Ernährung und der Lebensweise. Diese vier vorbeugenden Maßnahmen lassen sich sofort umsetzen:

Jeden Tag reichlich Bewegung in frischer Luft bei jedem Wetter!
Gesunde, selbst zubereitete, leckere, frische Speisen in Maßen und mit Genuss essen!
Zahl der Mahlzeiten beschränken!
Keine oder wenige Süßigkeiten, wenig Zucker, wenig oder kein verarbeitetes Fleisch essen!

Epidemiologisch gesehen, und das heißt natürlich statistisch gesehen, spricht alles dafür, dass seuchenbekämpfende Maßnahmen sich zielgenauer auf die vier genannten Risikofaktoren konzentrieren und beschränken sollten. Erneute flächendeckende Stilllegungen des öffentlichen Lebens, weitere tiefe, grundrechtsverletzende Eingriffe in das Privatleben sind meines Erachtens nicht nötig.

https://www.welt.de/vermischtes/article218591880/Anne-Will-Wir-verletzen-im-Grunde-alle-Grundrechte-von-Artikel-1-bis-Artikel-19.html

Der Philosophieprofessor Julian Nida-Rümelin, die Bundesminister Jens Spahn und Horst Seehofer, diese drei unerschrockenen Querdenker, wie wir sie nennen dürfen, weisen mit ihren Worten den Weg zu mehr Selbstverantwortung, zu vorsorgender Pandemiebekämpfung, zur Bekämpfung all der infektiösen und nichtinfektiösen Pandemien in unseren Wohlstandsgesellschaften.

Daneben sind selbstverständlich die vier anderen universalen Maßnahmen AHA+L völlig richtig und sollten meines Erachtens auch weiterhin durchgesetzt werden:

Abstand zu anderen Personen halten!
Hygieneregeln beachten!
Alltagsmaske im engeren Kontakt mit anderen Personen außerhalb des eigenen Haushaltes tragen!
Innenräume regelmäßig gründlich lüften!

Belege:

https://www.ndr.de/nachrichten/info/meldungen/nachrichten313_con-20x11x09x06y45.html

https://www.morgenpost.de/vermischtes/article230922830/Droht-Deutschland-neue-Dimension-bei-Corona-Todesfaellen.html

Ringer-Weltmeister Frank Stäbler, der nach überstandener Corona-Infektion noch sehr weit von seiner besten Kondition entfernt ist


 Posted by at 11:11

„Eine unsichtbare Gefahr bedrohte alles, woran wir glaubten“ – so strickt man Verschwörungstheorien, so schürt man Angst

 Corona, Etatismus, Faulheit, Leviathan, Staatlichkeit  Kommentare deaktiviert für „Eine unsichtbare Gefahr bedrohte alles, woran wir glaubten“ – so strickt man Verschwörungstheorien, so schürt man Angst
Nov 162020
 

Der hochgerühmte Propagandaspot der Bundesregierung verdient wirklich breiteste Aufmerksamkeit. Insbesondere führt die Bundesregierung den Kernsatz jedes Verschwörungsmythos an:

„Eine unsichtbare Gefahr bedrohte alles, woran wir glaubten.“

Diese diffuse Angst vor dem Virus, die durch die Bundesregierung hier kräftig befördert wird, ist das genaue Gegenteil dessen, was rationale Wissenschaft auszeichnet: Ursachenforschung, Zählen, Messen, Abwägen, das schwierige Geschäft des Rechnens, Vergleichens, das zum Handeln befähigt.

Mir scheint: Die einfache holzschnittartige Sicht des Propagandaspots der Bundesregierung bringt uns nicht weiter. Sie lähmt.

Quelle: La geniale campagna del governo tedesco contro il Covid 19 – la Repubblica

https://www.youtube.com/watch?v=krJfMyW87vU

 Posted by at 09:42

Faul herumliegen wie die Waschbären und so das Land retten – La geniale campagna propagandistica del governo tedesco contro il Covid 19 

 Corona, Etatismus, Faulheit, Leviathan, Seuchen  Kommentare deaktiviert für Faul herumliegen wie die Waschbären und so das Land retten – La geniale campagna propagandistica del governo tedesco contro il Covid 19 
Nov 162020
 

Helle Begeisterung löst im In- und Ausland (etwa heute in der italienischen Repubblica) die neueste Propagandakampagne der Bundesregierung aus. Die Botschaft der Deutschen Bundesregierung ist eindeutig: Man soll einfach zuhause bleiben, faul auf dem Sofa liegen, Junk Food mampfen, sich das Essen bringen lassen, im halbdunklen Zimmer vor sich hindösen. Bloß nicht raus an die frische Luft gehen! Sondern TV-Serien kucken! Sich nicht um die Nachbarn kümmern! Die Sonne nicht begrüßen! Ein Leben im Winterschlaf. Keine Gymnastik, kein Selberkochen, kein Lüften, kein Singen, kein Musizieren! Sich berieseln lassen!

So wird man zum Helden. Einfach durch Nichtstun. Nicht nachdenken, sich nicht um andere kümmern. Sondern sich versorgen lassen durch den Staat, durch die Regierung. Der Staat, die Bundesregierung wird es alles richten, während die Bürgerinnen und Bürger sich versorgen lassen. Essen wird geliefert. Geld wird überwiesen.

GENIAL! Geniale campagna propagandistica del governo tedesco. Das Urteil der Repubblica ist zutreffend. Es trifft den Nagel auf den Kopf.

Und jetzt, Mitbürgerinnen und Mitbürger: Weiterschlafen! Keine Sorge, seid ohne Sorge!

salvarono il Paese, lo fecero restando semplicemente a casa, stravaccati sul divano, guardando la tv e mangiando cibo spazzatura

Quelle: La geniale campagna del governo tedesco contro il Covid 19 – la Repubblica

 Posted by at 09:25

Nummus iungit federa, oder: Von der Bindekraft des Geldes

 Corona, Europäische Union, Europäisches Lesebuch, Geld, Latein  Kommentare deaktiviert für Nummus iungit federa, oder: Von der Bindekraft des Geldes
Jun 242020
 
Das Ergebnis von seit 5. September 2006 über 7 Milliarden verbauten Euro: Der neue Berliner Flughafen am 21. Mai 2020, bisherige Betriebstage: 0

750 Milliarden Euro, eine atemberaubende, pharaonische Summe, so möchte man meinen, die im Wesentlichen ab 2022 den begünstigten Staaten Europas, also denjenigen benachteiligten Staaten, die in den 5 Jahren von 2014 bis 2019 die höchsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten, z.B. die höchste Arbeitslosigkeit verzeichneten, als redlich verdiente Corona-Wiederaufbauhilfe zugute kommen wird! Ein kolossales Vorhaben der EU-Kommission, dem gutes Gelingen zu wünschen ist. Hendrik Kafsack versuchte vorgestern in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit allen seinen Kräften, um Verständnis für dieses Unterfangen zu werben. Hat er es geschafft? Überlegt selbst, liebe Leserinnen und Leser!

Von der vereinenden, versöhnenden, alles ausgleichenden Bindekraft des Geldes konnte man sich jedoch in Europa nicht erst gestern oder vorgestern überzeugen, nein, ein bereits 1992 im schwäbisch-sparsamen Stuttgart erschienenes Büchlein bringt in lateinischer Sprache diese ureuropäische Einsicht als hymnischen Lobpreis des „nummus“, der „Münze“, der „Währung“ also zum Ausdruck:

Manus ferens munera
pium facit impium
nummus iungit federa
nummus dat consilium

Die Hand die Geschenke reicht
macht fromm den Unfrommen
Geld schließt Bündnisse
Geld schafft Rat

(Übersetzung aus dem Lateinischen von dem hier Schreibenden)

Quellenangaben:
Hendrik Kafsack: Corona-Aufbaufonds der EU. „Wer braucht das Geld wirklich?“ FAZ, 22.06.2020
Carmina Burana. Lateinisch/Deutsch. Ausgewählt, übersetzt und herausgegeben von Günter Bernt, Philipp Reclam jun. Stuttgart 1992, S. 12

 Posted by at 11:26

„Are we going to survive our next few breaths?“ Hilary Mantels befreiende Grundeinsicht

 Angst, Corona, Europas Lungenflügel, Seuchen, Verwöhnt  Kommentare deaktiviert für „Are we going to survive our next few breaths?“ Hilary Mantels befreiende Grundeinsicht
Apr 172020
 
Hilary Mantel: The Waterstones Interview – Wolf Hall Trilogy 24.02.2020

„Werden wir die nächsten paar Atemzüge überleben?“

In unseren durch und durch gesicherten Zeiten fällt es uns wohl zunehmend schwer, das Grundgefühl zu verstehen, das die Menschen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts immer wieder überfiel, sie beherrschte, sie zum Glauben trieb und vom Glauben abfallen ließ: das Gefühl der gestundeten, der aufgeschobenen Sterbestunde, der Gedanke an den eigenen Tod als ständigen Wegbegleiter, das Ringen um jeden Atemzug, der der letzte sein konnte.

Hilary Mantel, die in der Grafschaft Derbyshire geborene Schriftstellerin, fasst dieses alle Jahrhunderte, alle Jahrtausende der bisherigen Menschheitsgeschichte durchziehende Grundgefühl in einem Gespräch über den dritten Teil ihrer Cromwell-Trilogie in die folgende brillante Formulierung: „Are we going to survive our next few breaths?“

Der unzeitige, der vorzeitige Tod, die Todesgefahr war dieser Schatten, der die Menschen im Alltag begleitete. Man starb früher vor allem an Infektionskrankheiten aller Art – Atemwegserkrankungen wie Tuberkulose und Lungenentzündungen zuvörderst -, an bakteriellen und viralen Seuchen, Epidemien, „Plagen“, Pest, Pandemien, man starb an Verletzungen und Unfällen, man starb in Kriegen, in Raubüberfällen, Brandschatzungen, Feuersbrünsten, Vergiftungen, Hungersnöten.

Man erreichte fast nie das Ablaufdatum der biologischen Uhr, also jene Altersgrenze, an der der menschliche Organismus nicht mehr die Kraft zum Weiterleben – und das heißt: zum Weiterkämpfen – hat.

Die heute so pandemisch verbreiteten Wohlstandskrankheiten wie Übergewicht aufgrund von zu reichlicher Ernährung und Bewegungsmangel – oder auch zahllose vermeidbare chronische Erkrankungen wegen des Tabakrauchens – gab es nur in der winzigen Schicht des begüterten Adels.

Normal dagegen waren plötzlich hereinbrechende Unglückslagen, Pest, Infektionen, Hunger, Krieg. Raffael starb mit 37 Jahren, Mozart mit 35. Überrascht war man trotz aller Trauer durch derartige „vorzeitige“ Sterbefälle nicht. Sie waren die Norm.

Die derzeit in aller Munde diskutierte Corona-Pandemie vermag einen schwachen Eindruck, einen milden Abklatsch davon zu geben, in welcher fundamentalen Unsicherheit die Menschen zu Zeiten eines Cromwell, eines Thukydides, eines Achilles oder auch eines Napoleon lebten.

Unser heutiger Ausnahmezustand war früher der Normalzustand.

Heute, in unseren von unvergleichlicher Sicherheit geprägten reichen Gesellschaften (in der reicheren Hälfte der Weltbevölkerung wohlgemerkt, nicht in den armen Staaten!) sterben die meisten Menschen erst in hohem Alter an Herz-Kreislauferkrankungen und an Krebs, während infektiöse Erkrankungen wie Lungenentzündung oder COVID-19 nur mehr 3-5% der Todesursachen ausmachen und gewaltsames Sterben nahezu verschwunden ist – selbst wenn jeder Sonntagabend mit der Unzahl an seriell gefertigten Krimis das Gegenteil zu verkünden scheint.

Nach den und zusätzlich zu den Pandemien der vermeidbaren Wohlstandserkrankungen (überwiegend durch menschliches Fehlverhalten bedingt) haben wir nun eine weitere Pandemie zu bewältigen – die Corona-Pandemie. Nach Dimension, Wucht, Dauer, statistischer Relevanz kommt sie bisher den bereits vorhandenen nicht-infektiösen Pandemien noch nicht nahe, an die wir uns gewöhnt haben. Denn weiterhin sterben die allermeisten Menschen und werden die meisten Menschen an ganz anderen Ursachen sterben – nämlich an Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs, ferner auch weiterhin an opportunistischen Infektionen wie Lungenentzündung, COVID-19 oder Noro-Viren. Die Todesfälle durch COVID-19 laufen derzeit als kleiner statistischer Zusatz mit. Sie werden durch eine gigantische mediale Überhöhung freilich rund um die Uhr buchstäblich ins Volk gepeitscht und getrommelt.

Ihre Unvermeidbarkeit und ihre vermeintliche Neuartigkeit sind es, die zunächst einmal Angst vor COVID-19 machen und das gesamte staatliche Gefüge durcheinander wirbeln! Politics of fear! Angst vor Kontrollverlust als Triebfeder der Politik! Die Allmachtsfantasien der modernen, risikoarmen Wohlstandsgesellschaften werden durch COVID-19 gebrochen. Der unzeitige, der nicht planbare, der nicht erwartbare Tod tritt wieder als ständiger Begleiter an die Seite des Menschen, so wie er dies in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden auch gewesen ist. Es tritt wieder eine Art Normalzustand der Menschheitsgeschichte ein.

In der Muttersprache Hilary Mantels, der ich an dieser Stelle von Herzen danke, möchte man sagen:

Buck up, come on, things aren’t that bad. They aren’t that new, either. We will survive our next few breaths, in all likelihood.

 Posted by at 10:24

COVID-19-Infektionsquote in Deutschland: 0,7 Promille

 Corona, Seuchen  Kommentare deaktiviert für COVID-19-Infektionsquote in Deutschland: 0,7 Promille
Apr 112020
 

Das sollte man wissen: Zum jetzigen Zeitpunkt (Werte des Robert-Koch-Instituts von heute, 11.04.2020, 00.00 Uhr) sind fast die Hälfte (48,79%) der 117.658 in Deutschland gemeldeten COVID-19-Fälle, nämlich 57.400 Personen, wieder genesen, also gesund, werden aber weiter als aktuelle „Infizierte“ geführt.

Was heißt dies? Nun, das wäre so, als würde man alle je gemeldeten Lungenentzündungen auch nach ihrer Ausheilung weiter als aktuelle „Infizierte“ – mithin nach umgangssprachlichem Verständnis als Infektionsquellen – aufaddieren.

Was mir bei den amtlichen Angaben des RKI noch fehlt, ist der Anteil derjenigen Infizierten, die sich nachweislich in Krankenhäusern, Pflege- und Altersheimen mit dem COVID-19-Virus angesteckt haben. Es fehlen mir kausale Erklärungsansätze. Wie hoch ist der Anteil der medizinischen und pflegerischen Professionen an allen COVID-19-Erkrankten, insbesondere in den Altersklassen unter 60 Jahren? Denn nach zahllosen episodischen Berichten aus Italien und aus Deutschland sind es wohl vor allem diese drei Einrichtungen, die als Infektionsherde auffällig werden! Krankenhäuser, Pflege- und Altersheime stechen als überragende Infektionsherde hervor. Sie scheinen in Deutschland (auch in den USA und Italien) derzeit die Orte mit dem höchsten COVID-19-Infektionsrisiko überhaupt zu sein – jedoch mit riesigen regionalen Unterschieden! Warum ist dies so?

Geht man von der wahrscheinlich zutreffenden Annahme aus, dass Genesene, also ehemals COVID-19-Infizierte, keine Ansteckungsquellen mehr darstellen, sind 60.258 Menschen, also 0,07% der etwa 83,02 Mio. Menschen umfassenden Population Deutschlands nach amtlichen Meldungen derzeit (Stand heute 00.00 Uhr) potenzielle Überträger des COVID-19-Virus. Unter 10.000 Deutschen befinden sich also nach jetzigem Kenntnisstand statistisch gesehen 7 aktuell Corona-Infizierte. Einzuräumen ist dabei, dass niemand den genauen Infektionsgrad der Bevölkerung angeben kann.

Von der „Herdenimmunität“, die meist ab einer Durchseuchung (Prävalenz) von 60-70% angenommen wird, sind wir also noch sehr weit entfernt.

Hoffen wir, dass diese Zahl von 0,7 Promille Prävalenz nicht wesentlich ansteigt! Tun wir alles dafür, was sinnvoll, zielführend und punktgenau die Ursachen der Infektion anzielt und somit die Gesundheit aller schützt!

https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4

 Posted by at 15:26