Nov 212020
 

Jan Brachmann schrieb gestern in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:

Der Kulturbetrieb schnappt gerade nach Luft, einmal aus Not, vor allem aber aus Empörung, „dass Stätten der Kultur und Bildung unter dienstleistende Vergnügungs- und Freizeitveranstaltungen eingeordnet und den gleichen Verboten und Vorschriften wie Spielhallen, Wettannahmestellen, Fitness-Studios, Spaßbäder und Bordelle unterworfen werden“, wie es in einer Protestnote der Bayerischen Akademie der schönen Künste heißt. Gerald Fauth, der Rektor der Leipziger Musikhochschule, ließ die Bundeskanzlerin in einem offenen Brief wissen, wie sehr ihn diese „sprachliche Unsensibilität entsetzt hat“. Während Fauth ausruft: „Wo sind wir hingekommen? Wo sind unsere wahren, höchsten Werte?“, macht sich der Bariton Thomas E. Bauer einfach ans Handeln. Konzerte sind zwar verboten, Gottesdienste aber erlaubt, dachte er sich. Wenn man das öffentliche Singen als Gebet verstehen würde, wäre es also weiterhin möglich.

Thomas. E Bauer lässt in Augsburg 24 Stunden Palestrina-Messen singen (faz.net)

Jan Brachmann: Kultur betet. FAZ, 20.11.2020

Bild: Ein Ginko biloba blüht golden unter einem Himmelskreuz auf. Aufnahme des Verfassers. Cheruskerpark, Berlin-Schöneberg, 2. November 2020

 Posted by at 12:05

Vermeidbare nichtinfektiöse Pandemien: Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht. Die unbequemen Wahrheiten der Querdenker Jens Spahn und Horst Seehofer

 Seuchen  Kommentare deaktiviert für Vermeidbare nichtinfektiöse Pandemien: Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht. Die unbequemen Wahrheiten der Querdenker Jens Spahn und Horst Seehofer
Nov 172020
 

Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Übergewicht. Diese drei Symptomkreise sollten wir, so meine ich und schlage es hiermit vor, als “nichtinfektiöse Pandemien in Wohlstandsgesellschaften” bezeichnen. Als drei der vier wichtigsten Ursachen für schwere und schwerste Erkrankungen – zugleich als drei der vier nachweislich entscheidenden Risikofaktoren bei Verlauf und Schweregrad von COVID-19-Infektionen – haben denn auch zwei unerschrockene Politiker, die Bundesminister Jens Spahn und Horst Seehofer, auf einige minder beachtete, kaum bekannte und doch unbestreitbare Wahrheiten hingewiesen. Die NDR-Infonachrichten berichten am 09.11.2020:

Bis zu 40 Prozent der Menschen in Deutschland zählen in der Corona-Krise nach Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur Risikogruppe. “Bei uns sind 23 Millionen Deutsche über 60”, sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend im Politik-Talk “Die richtigen Fragen” auf “Bild live”. “Wir sind ein Wohlstandsland mit Zivilisationskrankheiten: Diabetes, Bluthochdruck, Übergewichtigkeit. Alles Risikofaktoren für dieses Virus, wie für viele Infektionskrankheiten übrigens auch.” Spahn warnte: “Wenn Sie nach der Definition gehen, sind 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung Risikogruppe.” Die Bundesrepublik sei nach Japan das zweitälteste Land der Welt.

Soeben hat Ministerpräsident Woidke im rbb-Inforadio vom harmlosen Verlauf seiner Corona-Erkrankung berichtet, die sich im wesentlichen auf milde Erkältungssymptome beschränkt habe. Am schlimmsten sei eigentlich die Angst gewesen, was noch alles habe passieren können. Das habe ihm tiefen Respekt vor der Krankheit eingeflößt. Das dürfte ins Bild passen! Wir lernen daraus: Die Angst vor der Krankheit ist am schlimmsten.

Die Berliner Morgenpost berichtet am 16.11.2020:

Ob es zu einem schweren Krankheitsverlauf kommt und die Patient*in sogar verstirbt, darauf nehmen vor allem Alter und Vorerkrankungen Einfluss. Laut RKI waren 85 Prozent aller bisher verstorbenen Infizierten über 70 Jahre alt.

Als weiteren deutlichen Risikofaktor erkennen wir somit zunehmend die Lebensalterstufe ab 70 Jahren. Vor dem Lebensalter 70 Jahre (nicht 60) liegen die schweren und schwersten Verläufe der Corona-Infektion, wie die der anderen Infektionen auch, deutlich unter der Höchstgefahr! Einzelne schwere oder schwerste Verläufe kommen zwar auch bei jüngeren, fitten, ansonsten gesunden Menschen vor. Sie haben aber nirgendwo pandemische Ausmaße! Man überprüfe doch einmal alle öffentlich verfügbaren Zahlen aus den Ländern dieser Welt.

Diabetes, Übergewichtigkeit, Bluthochdruck, hohes Lebensalter über 70. Das sind weltweit die entscheidenden Risikofaktoren für gefährliche Verläufe von COVID-19.

Denn nur bei Vorliegen von einem oder mehreren der vier genannten Risikofaktoren besteht – rein statistisch gesehen! – eine hohe Gefahr, das die Corona-Infektion einen schweren oder sehr schweren Verlauf nimmt.

Man kann und muss nicht NICHTS tun!

Am Fortschreiten des Lebensalters kann man zwar nichts ändern, sehr wohl aber kann man etwas gegen die drei anderen wichtigen Risikofaktoren tun: das Auftreten von Diabetes 2, Bluthochdruck und Übergewicht. Und zwar durch Umstellung der Ernährung und der Lebensweise. Diese vier vorbeugenden Maßnahmen lassen sich sofort umsetzen:

Jeden Tag reichlich Bewegung in frischer Luft bei jedem Wetter!
Gesunde, selbst zubereitete, leckere, frische Speisen in Maßen und mit Genuss essen!
Zahl der Mahlzeiten beschränken!
Keine oder wenige Süßigkeiten, wenig Zucker, wenig oder kein verarbeitetes Fleisch essen!

Epidemiologisch gesehen, und das heißt natürlich statistisch gesehen, spricht alles dafür, dass seuchenbekämpfende Maßnahmen sich zielgenauer auf die vier genannten Risikofaktoren konzentrieren und beschränken sollten. Erneute flächendeckende Stilllegungen des öffentlichen Lebens, weitere tiefe, grundrechtsverletzende Eingriffe in das Privatleben sind meines Erachtens nicht nötig.

https://www.welt.de/vermischtes/article218591880/Anne-Will-Wir-verletzen-im-Grunde-alle-Grundrechte-von-Artikel-1-bis-Artikel-19.html

Der Philosophieprofessor Julian Nida-Rümelin, die Bundesminister Jens Spahn und Horst Seehofer, diese drei unerschrockenen Querdenker, wie wir sie nennen dürfen, weisen mit ihren Worten den Weg zu mehr Selbstverantwortung, zu vorsorgender Pandemiebekämpfung, zur Bekämpfung all der infektiösen und nichtinfektiösen Pandemien in unseren Wohlstandsgesellschaften.

Daneben sind selbstverständlich die vier anderen universalen Maßnahmen AHA+L völlig richtig und sollten meines Erachtens auch weiterhin durchgesetzt werden:

Abstand zu anderen Personen halten!
Hygieneregeln beachten!
Alltagsmaske im engeren Kontakt mit anderen Personen außerhalb des eigenen Haushaltes tragen!
Innenräume regelmäßig gründlich lüften!

Belege:

https://www.ndr.de/nachrichten/info/meldungen/nachrichten313_con-20x11x09x06y45.html

https://www.morgenpost.de/vermischtes/article230922830/Droht-Deutschland-neue-Dimension-bei-Corona-Todesfaellen.html

Ringer-Weltmeister Frank Stäbler, der nach überstandener Corona-Infektion noch sehr weit von seiner besten Kondition entfernt ist


 Posted by at 11:11

SCHOCK!!! Und gestern gab es wieder 62 COVID-Tote!! (…von wie vielen Todesfällen gestern insgesamt?)

 Angst, Seuchen  Kommentare deaktiviert für SCHOCK!!! Und gestern gab es wieder 62 COVID-Tote!! (…von wie vielen Todesfällen gestern insgesamt?)
Nov 162020
 

Rationale Überlegungen werden nicht durch supertolle, zweifellos geniale Propagandaspots der Bundesregierung, sondern durch Sterbefallzahlen, akute Erkrankungszahlen, Durchschnittszahlen des Alters der Verstorbenen erleichtert. Fakten sollten (sollten!) mehr als Ängste zählen.

Was ist Sache? Was sagen die Zahlen?

Jeden Tag sterben in Deutschland durchschnittlich etwa 2400 Menschen. Gestern starben laut offiziellen Angaben des Robert-Koch-Instituts 62 (zweiundsechzig) mit COVID-19 infizierte Menschen.

Das heißt, dass gestern bei etwa 2,6% der Verstorbenen eine nachgewiesene COVID-19-Infektion vorlag. Bei den meisten Verstorbenen konnte keine COVID-Infektion nachgewiesen werden.

Die anderen etwa 97,4% der Verstorbenen, woran starben oder litten sie? Nun, auch hier geben die Zahlen Auskunft, in diesem Fall die Angaben des Statistischen Bundesamtes. Die meisten Menschen in Deutschland litten, leiden, starben und sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, danach kamen und kommen die Krebserkrankungen, an dritter Stelle standen und stehen verschiedene Erkrankungen des Atmungsapparates wie etwa Lungenentzündung oder andere bakterielle oder virale Infektionen.

In der Zahl der Todesursachen und der schweren, lebensbedrohlichen Krankheiten spielt COVID-19 also in der Gesamtbevölkerung nach wissenschaftlich gesichertem Erkenntnisstand eine zwar nicht zu vernachlässigende, aber doch geringfügige Rolle. Es ist eine Krankheit, die für Morbidität (Erkrankungshäufigkeit) der Bevölkerung und Mortalität (Sterbewahrscheinlichkeit) der Bevölkerung eine untergeordnete, wenn auch keineswegs zu vernachlässigende Rolle spielt.

Quelle: RKI COVID-19 Germany

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1118856/umfrage/monatliche-sterbefaelle-in-deutschland/#:~:text=Im%20September%202020%20gab%20es,beurkundete%20Kriegssterbef%C3%A4lle%20und%20gerichtliche%20Todeserkl%C3%A4rungen.

 Posted by at 12:01

Faul herumliegen wie die Waschbären und so das Land retten – La geniale campagna propagandistica del governo tedesco contro il Covid 19 

 Seuchen  Kommentare deaktiviert für Faul herumliegen wie die Waschbären und so das Land retten – La geniale campagna propagandistica del governo tedesco contro il Covid 19 
Nov 162020
 

Helle Begeisterung löst im In- und Ausland (etwa heute in der italienischen Repubblica) die neueste Propagandakampagne der Bundesregierung aus. Die Botschaft der Deutschen Bundesregierung ist eindeutig: Man soll einfach zuhause bleiben, faul auf dem Sofa liegen, Junk Food mampfen, sich das Essen bringen lassen, im halbdunklen Zimmer vor sich hindösen. Bloß nicht raus an die frische Luft gehen! Sondern TV-Serien kucken! Sich nicht um die Nachbarn kümmern! Die Sonne nicht begrüßen! Ein Leben im Winterschlaf. Keine Gymnastik, kein Selberkochen, kein Lüften, kein Singen, kein Musizieren! Sich berieseln lassen!

So wird man zum Helden. Einfach durch Nichtstun. Nicht nachdenken, sich nicht um andere kümmern. Sondern sich versorgen lassen durch den Staat, durch die Regierung. Der Staat, die Bundesregierung wird es alles richten, während die Bürgerinnen und Bürger sich versorgen lassen. Essen wird geliefert. Geld wird überwiesen.

GENIAL! Geniale campagna propagandistica del governo tedesco. Das Urteil der Repubblica ist zutreffend. Es trifft den Nagel auf den Kopf.

Und jetzt, Mitbürgerinnen und Mitbürger: Weiterschlafen! Keine Sorge, seid ohne Sorge!

salvarono il Paese, lo fecero restando semplicemente a casa, stravaccati sul divano, guardando la tv e mangiando cibo spazzatura

Quelle: La geniale campagna del governo tedesco contro il Covid 19 – la Repubblica

 Posted by at 09:25

“Are we going to survive our next few breaths?” Hilary Mantels befreiende Grundeinsicht

 Angst, Europas Lungenflügel, Seuchen, Verwöhnt  Kommentare deaktiviert für “Are we going to survive our next few breaths?” Hilary Mantels befreiende Grundeinsicht
Apr 172020
 
Hilary Mantel: The Waterstones Interview – Wolf Hall Trilogy 24.02.2020

“Werden wir die nächsten paar Atemzüge überleben?”

In unseren durch und durch gesicherten Zeiten fällt es uns wohl zunehmend schwer, das Grundgefühl zu verstehen, das die Menschen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts immer wieder überfiel, sie beherrschte, sie zum Glauben trieb und vom Glauben abfallen ließ: das Gefühl der gestundeten, der aufgeschobenen Sterbestunde, der Gedanke an den eigenen Tod als ständigen Wegbegleiter, das Ringen um jeden Atemzug, der der letzte sein konnte.

Hilary Mantel, die in der Grafschaft Derbyshire geborene Schriftstellerin, fasst dieses alle Jahrhunderte, alle Jahrtausende der bisherigen Menschheitsgeschichte durchziehende Grundgefühl in einem Gespräch über den dritten Teil ihrer Cromwell-Trilogie in die folgende brillante Formulierung: “Are we going to survive our next few breaths?”

Der unzeitige, der vorzeitige Tod, die Todesgefahr war dieser Schatten, der die Menschen im Alltag begleitete. Man starb früher vor allem an Infektionskrankheiten aller Art – Atemwegserkrankungen wie Tuberkulose und Lungenentzündugen zuvörderst -, an bakteriellen und viralen Seuchen, Epidemien, “Plagen”, Pest, Pandemien, man starb an Verletzungen und Unfällen, man starb in Kriegen, in Raubüberfällen, Brandschatzungen, Feuersbrünsten, Vergiftungen, Hungersnöten.

Man erreichte fast nie das Ablaufdatum der biologischen Uhr, also jene Altersgrenze, an der der menschliche Organismus nicht mehr die Kraft zum Weiterleben – und das heißt: zum Weiterkämpfen – hat.

Die heute so pandemisch verbreiteten Wohlstandskrankheiten wie Übergewicht aufgrund von zu reichlicher Ernährung und Bewegungsmangel – oder auch zahllose vermeidbare chronische Erkrankungen wegen des Tabakrauchens – gab es nur in der winzigen Schicht des begüterten Adels.

Normal dagegen waren plötzlich hereinbrechende Unglückslagen, Pest, Infektionen, Hunger, Krieg. Raffael starb mit 37 Jahren, Mozart mit 35. Überrascht war man trotz aller Trauer durch derartige “vorzeitige” Sterbefälle nicht. Sie waren die Norm.

Die derzeit in aller Munde diskutierte Corona-Pandemie vermag einen schwachen Eindruck, einen milden Abklatsch davon zu geben, in welcher fundamentalen Unsicherheit die Menschen zu Zeiten eines Cromwell, eines Thukydides, eines Achilles oder auch eines Napoleon lebten.

Unser heutiger Ausnahmezustand war früher der Normalzustand.

Heute, in unseren von unvergleichlicher Sicherheit geprägten reichen Gesellschaften (in der reicheren Hälfte der Weltbevölkerung wohlgemerkt, nicht in den armen Staaten!) sterben die meisten Menschen erst in hohem Alter an Herz-Kreislauferkrankungen und an Krebs, während infektiöse Erkrankungen wie Lungenentzündung oder COVID-19 nur mehr 3-5% der Todesursachen ausmachen und gewaltsames Sterben nahezu verschwunden ist – selbst wenn jeder Sonntagabend mit der Unzahl an seriell gefertigten Krimis das Gegenteil zu verkünden scheint.

Nach den und zusätzlich zu den Pandemien der vermeidbaren Wohlstandserkrankungen (überwiegend durch menschliches Fehlverhalten bedingt) haben wir nun eine weitere Pandemie zu bewältigen – die Corona-Pandemie. Nach Dimension, Wucht, Dauer, statistischer Relevanz kommt sie bisher den bereits vorhandenen nicht-infektiösen Pandemien noch nicht nahe, an die wir uns gewöhnt haben. Denn weiterhin sterben die allermeisten Menschen und werden die meisten Menschen an ganz anderen Ursachen sterben – nämlich an Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs, ferner auch weiterhin an opportunistischen Infektionen wie Lungenentzündung, COVID-19 oder Noro-Viren. Die Todesfälle durch COVID-19 laufen derzeit als kleiner statistischer Zusatz mit. Sie werden durch eine gigantische mediale Überhöhung freilich rund um die Uhr buchstäblich ins Volk gepeitscht und getrommelt.

Ihre Unvermeidbarkeit und ihre vermeintliche Neuartigkeit sind es, die zunächst einmal Angst vor COVID-19 machen und das gesamte staatliche Gefüge durcheinander wirbeln! Politics of fear! Angst vor Kontrollverlust als Triebfeder der Politik! Die Allmachtsfantasien der modernen, risikoarmen Wohlstandsgesellschaften werden durch COVID-19 gebrochen. Der unzeitige, der nicht planbare, der nicht erwartbare Tod tritt wieder als ständiger Begleiter an die Seite des Menschen, so wie er dies in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden auch gewesen ist. Es tritt wieder eine Art Normalzustand der Menschheitsgeschichte ein.

In der Muttersprache Hilary Mantels, der ich an dieser Stelle von Herzen danke, möchte man sagen:

Buck up, come on, things aren’t that bad. They aren’t that new, either. We will survive our next few breaths, in all likelihood.

 Posted by at 10:24

COVID-19-Infektionsquote in Deutschland: 0,7 Promille

 Seuchen  Kommentare deaktiviert für COVID-19-Infektionsquote in Deutschland: 0,7 Promille
Apr 112020
 

Das sollte man wissen: Zum jetzigen Zeitpunkt (Werte des Robert-Koch-Instituts von heute, 11.04.2020, 00.00 Uhr) sind fast die Hälfte (48,79%) der 117.658 in Deutschland gemeldeten COVID-19-Fälle, nämlich 57.400 Personen, wieder genesen, also gesund, werden aber weiter als aktuelle “Infizierte” geführt.

Was heißt dies? Nun, das wäre so, als würde man alle je gemeldeten Lungenentzündungen auch nach ihrer Ausheilung weiter als aktuelle “Infizierte” – mithin nach umgangssprachlichem Verständnis als Infektionsquellen – aufaddieren.

Was mir bei den amtlichen Angaben des RKI noch fehlt, ist der Anteil derjenigen Infizierten, die sich nachweislich in Krankenhäusern, Pflege- und Altersheimen mit dem COVID-19-Virus angesteckt haben. Es fehlen mir kausale Erklärungsansätze. Wie hoch ist der Anteil der medizinischen und pflegerischen Professionen an allen COVID-19-Erkrankten, insbesondere in den Altersklassen unter 60 Jahren? Denn nach zahllosen episodischen Berichten aus Italien und aus Deutschland sind es wohl vor allem diese drei Einrichtungen, die als Infektionsherde auffällig werden! Krankenhäuser, Pflege- und Altersheime stechen als überragende Infektionsherde hervor. Sie scheinen in Deutschland (auch in den USA und Italien) derzeit die Orte mit dem höchsten COVID-19-Infektionsrisiko überhaupt zu sein – jedoch mit riesigen regionalen Unterschieden! Warum ist dies so?

Geht man von der wahrscheinlich zutreffenden Annahme aus, dass Genesene, also ehemals COVID-19-Infizierte, keine Ansteckungsquellen mehr darstellen, sind 60.258 Menschen, also 0,07% der etwa 83,02 Mio. Menschen umfassenden Population Deutschlands nach amtlichen Meldungen derzeit (Stand heute 00.00 Uhr) potenzielle Überträger des COVID-19-Virus. Unter 10.000 Deutschen befinden sich also nach jetzigem Kenntnisstand statistisch gesehen 7 aktuell Corona-Infizierte. Einzuräumen ist dabei, dass niemand den genauen Infektionsgrad der Bevölkerung angeben kann.

Von der “Herdenimmunität”, die meist ab einer Durchseuchung (Prävalenz) von 60-70% angenommen wird, sind wir also noch sehr weit entfernt.

Hoffen wir, dass diese Zahl von 0,7 Promille Prävalenz nicht wesentlich ansteigt! Tun wir alles dafür, was sinnvoll, zielführend und punktgenau die Ursachen der Infektion anzielt und somit die Gesundheit aller schützt!

https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4

 Posted by at 15:26

Die sinnlosen Zahlen-Wimmelbilder der Corona-Berichterstattung

 Bitte zählen!, Seuchen  Kommentare deaktiviert für Die sinnlosen Zahlen-Wimmelbilder der Corona-Berichterstattung
Apr 022020
 

Lustiges Schneegewimmel am 31.03.2020, nahe dem Bahnhof Südkreuz. Herrlich!

Alexander von Kekulé laut Zeitung WELT vom 02.04.2020:
Manche nehmen an, dass auch in Deutschland fünf Mal so viele Menschen infiziert sind, wie überhaupt gezählt werden“, sagt Kekulé. Letztlich sei aber völlig unklar, wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind: „Wir haben da eine Riesengrauzone, weil wir nicht wissen, wie viele infiziert sind.https://www.welt.de/…/Virologe-Kekule-zu-Corona-Wir…

Riesengrauzone! Klingt vernünftig, was Kekulé da sagt! Unterdessen werden wir einfachen Bürger mit nur höchstens 12-13 Jahren Mathematikunterricht (wie etwa der hier Schreibende) weiterhin in praktisch allen Leitmedien beschallt mit sinnlosem Zahlenschneegewimmel, einem hemmungslosen, gebetsmühlenartig niederprasselnden Datengewitter, bei denen in der Regel jede Referenzgröße fehlt.

Das verwirrt nur und sät Zweifel. Es fehlen die Sterbeziffern in demselben Zeitraum des Vorjahres. Haben wir zusätzliche Tote in signifikantem Umfang zu betrauern? Wie viele Menschen (auch solche, bei denen kein Corona-Virus nachgewiesen wurde), sind in dem Gebiet überhaupt in dem genannten Zeitraum verstorben? Welche anderen schweren Krankheiten lagen bei den Verstorbenen vor? Wie hoch ist das Durchschnittsalter der Verstorbenen?

Epidemiologie, Virologie ist vor allem Aufbereitung von Zahlen, Usachenforschung in großem Maßstab, in ganzen Populationen. Es geht fundamental in der Epidemiologie nicht um das Leiden des einzelnen Menschen, sondern um das Gesamtbild! Um so wichtiger wäre es, einen sinnvollen Referenzrahmen für politische Entscheidungen zur Seuchenbekämpfung treffen zu können! Dieser sinnvolle Referenzrahmen fehlt in Deutschland fast durchgängig in der Darstellung aller unserer Leitmedien (“meinungsbildender Medien”).

Allein schon die Tatsache, dass ständig von Corona-Toten oder Corona-Opfern gesprochen wird, ohne Komorbiditäten, also andere schwere Krankheiten zu erwähnen, stimmt nachdenklich und erregt einen bohrenden Verdacht. Jeder Verstorbene, bei dem auch Coronaviren festgestellt werden, scheint ja als “Corona-Opfer” zu gelten. Warum eigentlich?

Ich wünsche mir mehr Sachlichkeit, sinnvolle Zahlen statt nebulöser Zahlen-Aggregationen, naturwissenschaftliche Strenge statt angsterzeugender sinnloser Zahlengewitter.

Hier nur als Beispiel dafür, wie es besser als in Deutschland geht: die amtliche Berichterstattung aus Italien vom 31. März 2020, 18 Uhr, RAINEWS24, 18.00 -18.30 Uhr. Den Tedeschi bzw. den TedeSSchi, wie uns der Regisseur und Schauspieler Tullio Solenghi neuerdings nennt, sehr zur Nachahmung empfohlen!

Daten der italienischen Behörden zu allen Patienten, die bisher mit (nicht an) Covid-19 gestorben sind: Durchschnittsalter: 79 Jahre. 52% dieser Patienten hatten mindestens drei sehr schwere Krankheiten und auch Covid-19. 25% der Patienten hatten zwei schwere Krankheiten und auch COVID-19. 21% der Patienten hatten 1 sehr schwere Krankheit und auch COVID-19. Weniger als 4 % hatten keine andere schwere Krankheit, die als Todesursache in Betracht käme. 70% der Verstorbenen waren Männer. 30% Frauen. Quelle: RAINEWS24, live, 31.03.2020, 18.00-18.20 Uhr

 Posted by at 13:44

“Convivere con il virus”, oder: Wie wir lernen, mit dem Virus zu leben. Die besonnene Lagebeurteilung des Fabrizio Pregliasco

 Europas Lungenflügel, Italienisches, Seuchen  Kommentare deaktiviert für “Convivere con il virus”, oder: Wie wir lernen, mit dem Virus zu leben. Die besonnene Lagebeurteilung des Fabrizio Pregliasco
Apr 022020
 

Gute, kluge, besonnene Hinweise, Fakten und Vorschläge des in Mailand wirkenden Virologen Fabrizio Pregliasco, gerade erst im STUDIO24 des italienischen Sender RAINEWS24 geäußert! Es war eine Freude zuzuhören. Hier das Wichtigste zum Nachlesen:

1) Das Virus wird nicht verschwinden. Wir werden auch in Zukunft mit dem Virus leben. Virale Infektionen mit neuartigen Erregern sind und bleiben Teil der menschlichen Entwicklung. “Non ci potremo liberare dal virus.”

2) Der Anstieg der gemeldeten Fälle hat sich abgeflacht, die Spitze der Kurve zeigt einen plateauartigen Verlauf. Das Abklingen der Seuche wird ebenfalls nur allmählich erfolgen.

3) Die seuchenpolitischen Maßnahmen sollten auch in Zukunft auf folgende drei Ziele ausgerichtet bleiben: Eindämmung der Ansteckungsgefahr (“restringimento”), möglichst punktgenaue Erfassung der tatsächlichen aktuellen Infektionen (“individuazione”), Abmilderung der Folgen solcher Ansteckungen (“mitigazione”).

4) Die Lockerung der angeordneten Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung sollte nach Lage schrittweise, gestaffelt, wahrscheinlich auch unterschieden nach einzelnen Regionen Italiens entschieden werden. Die öffentlich zugänglichen Orte werden je nach Dringlichkeit und Risikopotential nach und nach wieder geöffnet. “Le discoteche saranno le ultime – die Diskos kommen als letzte dran”. Die Lombardei wird möglicherweise die letzte Region sein, die zur Normalität zurückkehrt.

5) Als neu entdeckte Ansteckungsherde mit sehr hohem Risiko haben Alten- und Pflegeheime zu gelten.

6) Überraschend aus der Sicht des jahrzehntelang forschenden Virologen Pregliasco an diesem neuartigen Corona-Virus ist die sehr hohe Zahl an asymptomatischen Infektionen (es treten keinerlei Krankheitszeichen auf) und das im Vergleich zu ähnlichen Viren hohe Übertragungsrisiko.

7) Derzeit werden 12 theoretisch mögliche Impfstoffe auf Wirksamkeit und Verträglichkeit systematisch untersucht. Wahrscheinlich sind in etwa einem (1) Jahr Impfstoffe in ausreichender Menge verfügbar.

8) Dennoch wird das Virus wellenartig wiederkehren (“onde di rientro”).

9) Das Tragen von Schutzmasken kann mittlerweile als empfehlenswerte Maßnahme gelten.

10) “Dobbiamo abituarci a riavvicinarci.” Wir müssen uns daran gewöhnen, im sozialen Raum allmählich wieder mehr Nähe zuzulassen.

Quelle:
La diretta di RAINEWS24, Sendung STUDIO24, 02. April 2020, 10.05-10.45 Uhr

www.rainews.it/dl/rainews/live/ContentItem-3156f2f2-dc70-4953-8e2f-70d7489d4ce9.html

 Posted by at 13:01

“Warum seid ihr so feige?” Die Schimpferei Jesu an seine Schüler in Mk 4,24-41

 Homer, Novum Testamentum graece, Seuchen  Kommentare deaktiviert für “Warum seid ihr so feige?” Die Schimpferei Jesu an seine Schüler in Mk 4,24-41
Mrz 292020
 
Weiter, immer weiter führt der geheinmisvolle Weg. Was hinter der Ecke wartet, wissen wir nicht.

τί δειλοί ἐστε οὕτω; πῶς οὐκ ἔχετε πίστιν; “Was seid ihr so feige?”, “warum seid ihr so feige?”, so der sichtlich ungehaltene Jesus in jener hübschen Begebenheit, welche uns Matthäus, Markus und Lukas in gleichen Grundzügen, obschon mit einigen Abwandlungen berichten.

Übersetzen wir zunächst einmal die Stelle aus den griechischen Textzeugen für Mk 4,24-41 heraus, wie sie uns die Handausgabe des Novum Testamentum Graece in der 28. Aufl. (Stuttgart 2012) bietet. Wir lesen da:

Als es an diesem Tag Abend geworden war, sagte er zu ihnen: Fahren wir hinüber! Sie schickten die Menschenmenge fort und fuhren ihn weg in dem Boot, in dem er war; und andere Boote waren auch dabei. Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es schon vollzulaufen begann. Er lag hinten im Boot an der Kopfstütze und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Lehrer, geht es dich nichts an, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. Da sagte er zu ihnen: Warum seid ihr so feige? Habt ihr denn kein Vertrauen? Da packte sie große Angst und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?

τί δειλοί ἐστε οὕτω; “Warum seid ihr so feige?” Keine der heute üblichen deutschen Übersetzungen gibt dieses bestens bezeugte, von Homer bis zum heutigen Griechischen in den Jahrhunderten und Jahrtausenden vielfach belegte Adjektiv δειλός in seiner gängigen Bedeutung “feige, jämmerlich, nichtswürdig” wieder. Das ist schade, geht doch die Pointe der Erzählung vom Sturm auf dem See damit verloren.

Denn der Vorwurf der Feigheit ist einer der schlimmsten, der gegen die Männer der Alten Welt im griechischen Sprachraum erhoben werden konnte. Bereits Achilles verwahrt sich mit zornigen Worten gegenüber Agamemnon gegen dessen unbillige Zumutungen, indem er genau dieses häufig verwendete Schimpfwort δειλός als Ausdruck besonderer Verächtlichkeit anführt (Homer Ilias, I, 293-294):

ἦ γάρ κεν δειλός τε καὶ οὐτιδανὸς καλεοίμην
εἰ δὴ σοὶ πᾶν ἔργον ὑπείξομαι ὅττί κεν εἴπῃς·

Ein Feigling und Nichtsnutz müsste ich heißen,
wenn ich dir nachgäb in allem, was du verlangst!

Wie so oft hat Jesus in dieser Lage heftige, schroffe Worte gewählt, die an Beleidigungen grenzen. Man geht nicht fehl, wenn man sagt: Er schimpft seine Schüler aus.

Der Vorwurf der Feigheit, den der jüdische Lehrer seinen Schülern entgegenschleudert, könnte darauf hinweisen, dass er die Lage auf dem See anders eingeschätzt hat als alle anderen. Der Schiffsuntergang war wohl objektiv Ausgeburt einer deutlich übertriebenen Furcht. Offensichtlich hatte sich unnötige Panik an Bord ausgebreitet, eine Art epidemische Angst, wie man sie in Gesellschaften der alten und der heutigen Zeiten immer wieder erlebt. Jesus, der ein überragendes Sensorium für kollektive Hysterien hatte, scheint ein Gespür dafür gehabt zu haben, dass die Wetterlage nicht so schlimm war, dass er seinen Schlaf hätte unterbrechen müssen. Er wollte offenkundig in Seelenruhe weiterschlafen und fühlte sich grob aus dem Schlaf gerissen. Deshalb auch seine unwirsche, kurz angebundene Ansprache an Wind, Wasser, Mensch.

In einem beeindruckenden Auftritt hat Papst Franziskus am vergangenen Freitag auf dem Petersplatz genau diese Stelle nach dem Evangelium des Markus gewählt, um seine Gedanken über die angstbeherrschte Lage, in der die Menschheit sich befindet, darzulegen.

Die Seelenruhe Jesu mag auch heute in heutigen hektischen Zeiten, wo allerorten in allen Kanälen mediale und soziale Schiffsuntergänge beschworen werden, als Aufruf zu mehr Gelassenheit, zu mehr Vertrauen verstanden werden.

Der Tag ist noch nicht zu Ende. Wir sind nicht am Ende! Es gibt Gefahren. Es hat sie immer gegeben. Ja. Aber wir werden nicht zu Grunde gehen. Die Schiffsuntergangspropheten haben nicht recht.

Übersetzungen aus dem Griechischen des Homer und des Evangelisten Markus durch den hier Schreibenden.

Belege:
Nestle-Aland. Novum Testamentum graece. 28., revidierte Auflage, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2012, S. 118 (Mc 4,35-41)

Der griechische Text in der griechisch-orthodoxen Fassung:

www.apostoliki-diakonia.gr/bible/bible.asp?contents=new_testament/contents_markou.asp&main=markou&file=1.2.4.htm

https://www.gottwein.de/Grie/hom/il01.php

https://www.vaticannews.va/it/papa/news/2020-03/preghiera-papa-francesco-coronavirus-adorazione-indulgenza.html

H. Hionides: Pocket Dictionary English-Greek, Greek-English, Atlantis, Athens o.J. Lemma δειλός

 Posted by at 15:33

Inno alla gioia: domenica sera Europa unita in flash mob contro emergenza coronavirus

 Europas Lungenflügel, Freude, Friedrich Schiller, Musik, Seuchen, Versöhnung  Kommentare deaktiviert für Inno alla gioia: domenica sera Europa unita in flash mob contro emergenza coronavirus
Mrz 242020
 
Flash mob sonoro a Schöneberg

Due giorni fa, domenica 22 Marzo 2020, alle ore 18:00, tutta la Germania si è unita agli altri paesi europei, ed in particolare all’Italia, per dare vita ad un flash mob canoro contro l’emergenza che ci costringe a rintanarci in casa per evitare nuovi contagi, causati dal coronavirus. 

L’idea è partita da alcuni gruppi social, e così di chat in chat è diventata una vera e propria iniziativa! Da notare che i musicisti tedeschi hanno scelto l’Inno alla gioia, quella straordinaria poesia di Friedrich Schiller pubblicata sulla rivista Thalia, in cui viene celebrata la grande solidarietà tra tutti gli esseri viventi e morti, la Sympathie ovvero simpatia, cioè la capacità umana di soffrire e di gioire insieme!

Non dimentichiamoci che il famoso inno di Schiller – che servirà da ispirazione al quarto movimento della nona sinfonia di Beethoven – ci riconcilia anche con le sofferenze inutili, con le malattie atroci, con le ingiustizie sociali ed infine con la morte:

Eine heitre Abschiedstunde!
Süßen Schlaf im Leichentuch!
Brüder – einen sanften Spruch
Aus des Totenrichters Munde!

Riferimenti bibliografici:
Friedrich Schiller: An die Freude. In: Friedrich Schiller, Sämtliche Werke. Band I. Gedichte. Dramen I. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Darmstadt, 8. Aufl. 1987, S. 133-136

Ludwig van Beethoven: Finale. Presto. In: Symphonie No. 9. Edited by Richard Clarke. Ernst Eulenburg Ltd, 1987, S. 167-295

 Posted by at 18:07