An den Vater denken: Herbst im Frühling

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Apr 052016
 

Verklärter Herbst

Gewaltig endet so das Jahr
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit.
Im Kahn den blauen Fluß hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht –
Das geht in Ruh und Schweigen unter.

Wie von ungefähr, von weit weit her und um so unabweisbarer kamen mir am Montag diese Verse in den Sinn, als ich die Nachricht vom Tod meines Vaters erhalten hatte. Er selbst hatte sich lange Jahre auf das Sterben vorbereitet. Er, der Sohn eines Bauern oder Landmannes, kannte und liebte Georg Trakl, den er zu Lebzeiten einige wenige Male auch zitierte. Wir waren darauf eingestellt. Aber auch wenn die Sonne untergeht und du es schon vorher wusstest, schmerzt es.

Johannes Michael Hampel, geboren am 24. August 1925 in Troppau/Sudetenschlesien, gestorben am 4. April 2016 in Augsburg

Requiem mit anschließender Beisetzung am Freitag, 8. April 2016, um 9.30 Uhr in der Kirche St. Pius in Augsburg-Haunstetten, Inninger Straße

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Naus-Arrest für Hikikomori? Der Weckruf des Bud Spencer

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Apr 012016
 

“Ich komme nicht mehr an meinen Sohn heran”, “die Jungs kapseln sich so ab mit Computer und Handy”, “früher war Hausarrest eine Strafe, heute ist Naus-Arrest samt Handy-Entzug eine Strafe: man muss die Jungs zwingen, ins Freie zu gehen”, “die Jungs verabreden sich nicht mehr im echten Leben, sondern spielen stundenlang ihre Videogames am Computer” – beileibe keine vereinzelten Klagen sind das! Ich habe Gespräche mit anderen Eltern geführt, wo dieses Problem eindeutig als unser größtes Problem benannt wurde.

Dieses wichtige, europaweit diskutierte Thema der Jugendlichen, die sich weitgehend in die virtuelle Welt zurückziehen, greift der italienische Buchautor und Zeitkritiker Carlo Pedersoli – besser bekannt unter seinem Schauspielernamen Bud Spencer – in seinem neuesten, in diesen Tagen auf Deutsch erschienenen Werk auf. Die Japaner nennen es “Hikikomori”; dort ist das Phänomen schon seit den 80er Jahren erkannt und erforscht worden.

Als wirksames Gegenmittel gegen diese auch in Deutschland anzutreffende Selbstabschottung von Kindern und Jugendlichen in der virtuellen Welt empfiehlt der weltkluge Carlo Pedersoli nach seiner profunden Analyse heutiger Familienformen unter anderem regelmäßigen Sport, insbesondere Mannschaftssport. Und er verhehlt nicht, dass ihn das Phänomen der Hikikomori höchst besorgt stimmt. Lesenswert!

Bud Spencer: Sport vs. Avatar. In: Bud Spencer: Was ich euch noch sagen wollte … Mit Lorenzo de Luca. Aus dem Italienischen von Johannes Hampel. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2016, S. 47-68

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“Ich kann ja kaum salber de Fingerla biegn”

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Dez 242015
 

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Der gute alte San Nicola di Bari, der seine letzte Ruh in Apulien fand, also der gute alte Nikolaus aus dem asiatischen Myra, hat mir – in schlichtes, ökologisch verantwortbares Packpapier verpackt – über die vergangenen 24 Tage 24 Gschenkla aus dankbar Hand einer fränkischen Botin zukommen lassen. Heute – als hätt’ er’s geahnt – lässt er mir nun das letzte Gschenkla, sein Bändchen “Inmitten der Nacht”, zukommen. In aller Frühe schon lese, summe und singe ich mich darin fest, während mein eigener Sohn noch im Nebenzimmer wie ein Murmeltier schläft. Besonders gefällt mir folgende Zwiesprache zwischen einer Frau und einem Mann:

Ufm Berga, da giht dar Wind,
da wiegt de Maria ihr Kind
mit ihrer schlohengelweißen Hand,
se hatt och derzu keen Wiegenband.

Maria: Ach Joseph, liebster Joseph mein,
ach hilf mer wiegen mei Knabelein!

Joseph: Wie kann ich dr denn dei Knabla wiegn!
ich kann ja kaum salber de Fingerla biegn.

Maria: Schum schei, schum schei.

Rätselhaft! Was mag das Ganze bedeuten? Warum sagt und singt Joseph das? Ist es ihm zu kalt? Hat er rauhe rissige Hände von all der männlichen Hobelei und groben Zimmermannsarbeit? Oder sind ihm die Finger durchgefroren und klamm? Oder hält er die Erstversorgung des neugeborenen Kindes für reine Frauensache? Erklärt sich Joseph hier außerstande, den erbetenen Dienst zu leisten? Und was ist das überhaupt für eine Sprache? Etwa Hochdeutsch?

Wir können es nicht wissen! Denn das Lied ist uns schriftlich aus dem fernen Jahr 1841 bezeugt, die Verfasser, die ersten Sänger sind schon längst nicht mehr unter uns. Sie haben uns dieses geheimnisvolle Lied hinterlassen. Um die Wahrheit des Liedes zu erfahren, müsste man es singen, gleich heute abend!

Anyway, be it as it may be, wie soll ich’s dir sagen, come te hi a ddisce? Ti ringrazio tanto, Marie, tu si benedette mmenze a le femmene, e benedette ié u frutte de u vendre tu!

Quellen:
“Auf dem Berge, da wehet der Wind” – Schlesien. In: Erk-Irmer, Die deutschen Volkslieder mit ihren Singweisen, Heft 6, Krefeld und Wesel 1841. Zitiert nach: Inmitten der Nacht. Die Weihnachtsgeschichte im Volkslied. Herausgegeben von Gottfried Wolters mit Holzschnitten von Alfred Zacharias. Möseler Verlag, Wolfenbüttel 1957, Seite 55, sowie Originaltext ibidem auf Seite 78

https://it.wikipedia.org/wiki/Dialetto_apulo-barese

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“Ich habe sechs Kinder. Und du?”

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Nov 122015
 

Herrliche, tiefe Gespräche führe ich immer wieder mit Männern aus verschiedenen Ländern in Afrika und Syrien und aus Libanon und aus Jordanien! Zentrale Themen sind in unseren Gesprächen – Familie, Kinder und Religion! Hurra, Kinder, Religion und Familie, drei zentrale Fragen! Und immer wieder höre ich in verschiedenen Variationen folgende zwei Fragen:

“Warum glaubt ihr Deutschen nicht an Gott?”
“Warum habt ihr Deutschen nur so wenige Kinder?”

Ich versuche dann immer, in ganz schlichten, leicht fasslichen Worten zu antworten, so gut ich kann.

Zunächst die zweite Frage, ein Gefährte aus Homs stellte sie mir: “Ich habe sechs Kinder. Und du?” Ich nannte die Zahl meiner Kinder. Rückfrage: “Warum habt Ihr in Deutschland so wenige Kinder?”

Meine Antwort: “Für uns in Deutschland steht der Einzelne ganz im Mittelpunkt. Das Ich ist der King. Jeder und jede sucht sein größtmögliches Glück, Geld und Gesundheit. Kinder gelten in Deutschland oft als hinderlich. Eins oder zwei kriegt man meist noch mit Müh und Not unter, aber oft fehlt halt einfach in Deutschland das Geld für Kinder. Und der Job geht vor. Für mehr Kinder fehlt uns Deutschen oft das Geld. Und es fehlt oft der sichere Job.”

Meine Antwort stößt auf Zweifel, Staunen, Fassungslosigkeit bei den Menschen aus Homs, aus Lagos, aus Damaskus. Für sie sind Kinder mit das Schönste. “Ohne Kinder ist das Leben nur halb so schön.” Nicht zuletzt stiften die Blutsbande ein unzerreißbares soziales Netzwerk. Über viele Länder hinweg reicht das Netzwerk. Jeder hilft jedem, das Wohlergehen der gesamten Familie steht im Mittelpunkt, selbst wenn ein Mitglied der Familie oder ein Teil der Familie nach Deutschland ausreist, wird doch stets materiell und auch finanziell die Verbindung in die Heimat gehalten.

Dagegen soll in Deutschland jeder einzelne Mensch ein Höchstmaß an Wohlstand, beruflichem Erfolg, gesellschaftlicher Anerkennung, körperlicher Fitness, politischer Partizipation, politischer Macht und sozialer Gleichstellung und körperlicher Schönheit erzielen. Und Kinder sind dabei in der Tat eher hinderlich. Das gilt insbesondere auch für Frauen. Die deutsche Politik legt sich mächtig in die Ruder, damit keine Frau sich gegen Kinder entscheiden muss, weil das Geld und der sichere Job fehlen. Viele deutsche Kinder wachsen dennoch in Armut auf. Aber der Sozialstaat hilft, so gut er kann. Viele sagen: Deutschland ist nicht kinderfreundlich.

Also Kinderlosigkeit bei den Deutschen aus Geldmangel! Kinderlosigkeit bei den Deutschen wegen des hohen Armutsrisikos in Deutschlands! Staunen, Fassungslosigkeit, Lachen bei den Flüchtlingen.

Was für Länder wie Syrien, Nigeria oder Jordanien das unzerreißbare, grenzüberschreitende Netz der Verwandtschaft, das ist für uns in Deutschland das unzerreißbare Netz des Sozialstaates. Er trägt und hält uns alle. Er ist der gute, der fürsorgliche Leviathan. Er ist der “sterbliche Gott”, wie ihn Thomas Hobbes genannt hat.

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Entschlafen. Über dem Tode. Hinübergehen

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Feb 112015
 

 

Schlaf ist ein kurzer Tod, Tod ist ein langer Schlaf. Am vergangenen Sonntag um 10.00 Uhr  ist unsere Mutter, Großmutter, Verwandte, Freundin, Weggefährtin Gerda nach langer Krankheit in völliger Ruhe und Gelassenheit im Schlaf hinübergegangen, hinübergeglitten in seine Hände.

Das letzte Geleit und Abschied:
Freitag, 13. Februar 2015, 09.00 Uhr
Requiem für Gerda Hampel, geb. Seiberl (28.07.1927 Berchtesgaden – 08.02.2015 Berlin-Kreuzberg)
Pfarrkirche Heilig Geist
Grüntenstr. 19
H
ochzoll-Nord
86163 Augsburg

 

Anschließend ab 10.20 Uhr:
Beerdigung auf dem Neuen Ostfriedhof
Zugspitzstr. 104
Hochzoll-Nord
86163 Augsburg

Nacht ruht in jeder Blume und schwarz ist geworden
der Mohn, kein Zittern, kein Lächeln mehr ist, und der Kuß
geendet: wie flügelt die Seele dann,
o wie schwebt sie, die unsre in eins gefaltete ruhelose,
über dem Tode.

Verse von Georg von der Vring

Quelle:
Erna Woll: Wo die Seele flügelbebend sich öffnet. Lieder für mittlere Singstimme und Tasteninstrument. Verlag P.J. Tonger, Rodenkirchen/Rhein 1971, S. 6-7

 

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Eichendorf oder Eichendorff – was liegt an einem Buchstaben?

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Sep 292014
 

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“Warum schreibt sich Joseph von Eichendorff eigentlich mit zwei F? Etwa weil er ein Adliger war, oder etwas Besseres sein wollte?” So hörte ich ein Kind fragen.

Nein, mein Kind.

Höre folgende Verse:

Aus der Heimat hinter den Blitzen rot da kommen die Wolken her, aber Vater und Mutter sind lange tot, es kennt mich dort keiner mehr.

So schlicht und doch so niederschmetternd traurig beginnt das Gedicht “In der Fremde”. Eichendorff hat es hingetuscht, Schumann hat es an den Anfang seines Liederkreises op. 39 gesetzt. Robert Schumann hat die Vorzeichnung Eichendorffs mit Blut und mit Farben gefüllt. Schumann steht zu Eichendorff wie der Maler zum Zeichner. Ich hörte das Lied “In der Fremde” erstmals vor vielen Jahren im Alten Rathaus in Potsdam und kann es nicht vergessen und werde es nie vergessen. Schumann schafft es, den bezwingenden, den abgründigen Kern der Elternlosigkeit als gemaltes, geflochtenes Band, als Schmerzenskrone hinzustreichen und hinzustreifen wie eine heilende Salbe, die die Augen des vor Schmerz Erblindeten wieder sehend macht.

Joseph von Eichendorff, dessen Lied “O Täler weit o Höhen”  ich gern beim Spazierengehen am U-Bahn-Hof Felix-Mendelssohn-Park in Kreuzberg singe und summe, streift in diesen Gedichten alles Gefällige, als Romantisch-Hübsche ab. Das ist keine dörfliche Idylle, das ist kein Dorf-Arkadien. Es sind die Stadt-Arkaden. Das ist kein Eichendorf, das er auf ein Stück altes Lindenholz malt. Es ist sperrig, dunkel, untröstlich. Es ist Eichendorff. Und deswegen passt Eichendorff so herrlich in die Shopping-Malls, in die Arkaden am Potsdamer Platz. Jetzt weißt du es, mein Kind.

Und so lautet das ganze Gedicht:

Aus der Heimat hinter den Blitzen rot
Da kommen die Wolken her,
Aber Vater und Mutter sind lange tot,
Es kennt mich dort keiner mehr.

Wie bald, ach wie bald kommt die stille Zeit,
Da ruhe ich auch, und über mir
Rauscht die schöne Waldeinsamkeit,
Und keiner kennt mich mehr hier.

Hier kannst du das Lied nachlesen. Lies das Gedicht, lies das Lied mit deinen Augen. Dann – singe! Singe das Lied, und dann kennt dich mindestens der, der dir zuhört. Singe, wenn du einsam bist, und du wirst erkannt.

Robert Schumann: Liederkreis op. 39.: I: In der Fremde. In: Robert Schumann: Lieder I. Für eine Singstimme mit Klavierbegleitung. Nach den Handschriften und Erstdrucken herausgegeben von Max Friedlaender. Ausgabe für tiefe Stimme. C.F. Peters, Frankfurt/M. u.a.,  o.J., S. 58-59

Foto: Die Joseph-von-Eichendorff-Gasse an den Potsdamer-Platz-Arkaden. Aufnahme von heute.

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Gli anni della nostra vita sono settanta: esulteremo e gioiremo per tutti i nostri giorni

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Jul 192014
 

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“The average life span of a human being is seventy years”/ “Gli anni della nostra vita sono normalmente settanta”, così disse Alexander Yakovlevich Potapenko nella sua intervista apparsa sul Messaggero di sant’Antonio, nel lontano marzo del 1995:

I find it difficult to understand how such a complicated organism as a human being or any plant can function, for so long, and practically without making any mistakes. The average life span of a human being is seventy years, but in these seventy years they surely suffer some diseases. Physicians merely help the patient to improve the situation, but the treatment uses the organism’s internal forces to get rid of the disease and, generally, the body remains perfectly functional. This is what I can’t understand! Not how miraculous things happen, but how normal things happen. They are the most fantastic things in nature.

Alexander Potapenko ci ha lasciato all’età di 70 anni il 13 giugno 2014 dopo una breve ma acutissima sofferenza.  Sascia ci ha dato un ulteriore esempio di dignità, carità e umanità col suo modo di accettare la sofferenza, non lamentandosi mai, anzi, nascondendo con gli scherzi  la sua gravissima condizione ai parenti ed amici. Voleva risparmiare sofferenze inutili ai suoi cari.

Prof. Alexander Yakovlevich Potapenko nacque il 13 maggio 1944 a Novocherkassk nella Regione di Rostov sul Don. Si laureò presso il Dipartimento di Biofisica dell’Università Statale di Mosca nel 1967. Nello stesso anno, divenne assistente al Dipartimento di Fisica dell’Istituto N.I. Pirogov. I suoi lavori scientifici erano dedicati soprattutto alla fotofisica ed alla fotobiologia, cioè agli effetti della luce sulle cellule viventi. Tra i suoi libri vanno menzionati, oltre a più di 150 articoli in varie riviste medico-scientifiche,  “Photoperoxidation of Lipids and the Induction of Ion permeability in Biological and Lipid Artificial Membranes under UV-Irradiation” (Mosca 1974) and “Molecular Mechanisms of Photobiological Effects of Fluorocoumarins” (Mosca 1989).

Alexander era sposato con Lena. Sua figlia si chiama Irina e vive a Berlino.

I riti funebri si sono svolti il 17 giugno 2014  al cimitero Vagankovskoe a Mosca.

Cerchiamo di ricordare Sascia con il nostro affetto e con la gioia di vivere. Esulteremo e gioiremo per tutti i nostri giorni. Lui ne sarebbe contento.

Foto: Necrologio all’Università Statale di Medicina Pirogov, Mosca

Riferimenti bibliografici:
God and I: Alexander Potapenko. Interviewed by Fr. Mario Conte OFM Conv. Messenger of St. Anthony, International Edition, Padova, March 1995, p.22-24, quote here from p. 23
La Bibbia: Salmo 89. Edizione C.E.I., Roma 1996

 

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Mrz 192014
 

Die Politik und die Industrie verlangen immer stärker die Rundum-Verfügbarkeit aller erwerbsfähigen Menschen. Alle namhaften Parteien wollen die Erwerbstätigkeit von Frauen und Männern steigern, alle wollen vor allem, dass die Wirtschaftsdaten stimmen. Alle wollen vor allem, dass alle Frauen ab 18 und alle Männer ab 18 ein gesundes, zufriedenes Leben führen. Alle Erwachsenen sollen vor allem glücklich und zufrieden sein.

Keine Bundestagspartei traut sich hingegen, für die nicht wahlberechtigten kleinen Kinder und für die nicht mehr wählenden Uralten die Stimme zu erheben. Was wollen die nicht wahlberechtigten kleinen Kinder, was wollen die Uralten, all die Hunderttausenden von Pflegebedürftigen, die Dementen, die Inkontinenten, die “Altersweisen” (wie ich sie nenne)? Antwort: Sie wollen und brauchen die Familie, das Nest, das Vater und Mutter bauen und sichern. Sie wollen und brauchen quirliges, nachwachsendes Leben, Geschwisterkinder, Enkelkinder, Zärtlichkeit, Fürsorge, wie sie eben auf lange Sicht nicht die Pflegedienste, nicht der Staat, nicht die Pflegeheime, die Kitas und Waisenhäuser, sondern nur die Verwandten leisten können. Die Geschlechterquote in den DAX-Vorständen ist ihnen egal. Equal Pay und  Girls Day  geht ihnen  so was am Allerwertesten vorbei. Die finanzielle Ausstattung der Pflegeversicherung schert sie nicht.

Die Sehnsucht aller Menschen richtet sich von Natur aus in den ganz frühen und den ganz späten Jahren auf Fürsorge, Verantwortung, Schutz, Geborgenheit, wie sie am besten die durch Vater und Mutter gebildete, durch Mutter und Vater getragene  Familie bieten kann.

Es gibt in Deutschland keine einzige namhafte politische Partei, die der vollständigen Familie, die dem Glück der ganz Kleinen und der ganz Alten  den Vorrang vor der Erfüllung von “Planzielen”, “Erwerbsquoten”, der “Sicherung des Sozialstaates” einräumen würde. Keine traut sich das zu sagen. Dabei täte es dringend not. Der Kreuzberger Blogger selber trug dieses Ansinnen bei passenden Gelegenheiten übrigens mehrfach in der CDU vor und erhielt eine Abfuhr nach der anderen: “Wenn wir das sagen, was Sie Kreuzberger da vertreten und was ja auch richtig ist, dann wählen uns die Leute nicht.” Feige nenne ich das.

Es ist also ein Überbietungs- und Feigheitswettbewerb der Parteien gegenüber dem Wahlvolk in Gang gesetzt. Welche Partei überbietet die andere im Glücksversprechen? Das ist die Gretchenfrage.

Im Mittelpunkt der heutigen Politik steht die femina oeconomica und der homo öconomicus. “Mütterlichkeit” und “Väterlichkeit” haben fast völlig ausgedient, der bundesdeutsche Sozialstaat hat sich zum fürsorglichen Leviathan gewandelt, der die Menschen trägt, nährt, sichert, zeugt, gebiert und beerdigt oder dies doch zumindest fälschlich zu leisten behauptet.

Über den überragenden, unersetzlichen  Rang der vollständigen, aus Mutter und Vater gebildeten Familie schreibt der Soziologe Walter Hollstein am 18.03.2014 in der Zeitung:

“Wir wissen empirisch sogar mehr. Wir kennen inzwischen die folgende Gesetzlichkeit: Es gibt einen klaren Zusammenhang von Vater-Präsenz und gesunder Entwicklung des Sohnes auf der einen Seite und von Vater-Absenz und der Gefahr des Scheiterns auf der anderen. Zum Spektrum dieses Scheiterns gehören innere Verwahrlosung, Sucht, Kriminalität, Gewalt, Depression und Suizid der allein gelassenen Söhne. Selbstverständlich brauchen auch die Töchter ihre Väter, etwa für den Erwerb eines realistischen Männerbildes – aber eben – belegterweise – doch weniger.”

via Väter sind wichtig – Nachrichten Print – DIE WELT – Debatte – DIE WELT.

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Feb 282014
 

Kinder brauchen

– Gemeinschaften, in denen sie sich geborgen fühlen

– Aufgaben, an denen sie wachsen, und

– Vorbilder, an denen sie sich orientieren können.

So hat das Gerald Hüther formuliert; diesen Satz habe ich mehrfach schon von Sozialarbeitern und Psychologen mit einhelliger Zustimmung als Zitat vernommen. Die Psychologen und Sozialarbeiter, mit denen ich sprach, beklagen umgekehrt, dass den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen eben genau dieses schmerzhaft fehle. Ich fasse die Gespräche so zusammen:

Nicht Normensetzung als solche, nicht abstraktes Regelwissen über das Richtige und Falsche – etwa vermittelt im Ethik-Unterricht – brauchen die Kinder. Sie brauchen über einen längeren Zeitraum hin das gelebte Vorbild mindestens einer älteren Person, die verlässliches Leitbild wird. Sie brauchen über einen längeren Zeitraum die Geborgenheit: Da gehöre ich hin. Diesen Rahmen nimmt mir niemand weg. Und sie brauchen das Zutrauen durch Ältere, etwa durch die Eltern, dass die Kinder im Laufe der Jahre immer schwierigere Aufgaben bewältigen werden. Sie brauchen den Zuspruch: Du schaffst das. Ich vertraue dir.

Ich unterstütze diese Einsichten. Sie treffen den Nagel auf den Kopf.

Jetzt bleibt die große Frage: Woher kommen grundsätzlich diese hegenden, fordernden und stützenden Erfahrungen? Welche Institutionen schaffen diese Grunderfahrungen: Krabbelgruppe, Schule, Kindergarten, Sozialarbeiter, Psychologe, Vereine, Jugendzentren?

Meine persönliche Antwort: Keine dieser Institutionen kann im Regelfall genug an diesen Erfahrungen schaffen. Nein, in aller Regel und grundsätzlich soll und wird es die Familie und zunächst einmal  die Familie sein, die dem Kind diese Erfahrungen vermittelt. Und für die Familie ist grundlegend die Eltern-Kind-Beziehung. Was Vater und Mutter angeht, so dürfte die Mutter-Kind-Beziehung der Vater-Kind-Beziehung vorausliegen. Der Vater kommt als notwendiger Dritter zur Mutter-Kind-Beziehung hinzu.

Die Familie, begründet auf dem Eltern-Kind-Verhältnis, legt in aller Regel den Keim des gelingenden Lebens.

Eine Gesellschaft wie unsere hingegen, die so offenkundig das “Ich will’s-so-und-so”-Prinzip verkündet, wird sich nicht halten können.

Politik, Industrie, Schule und Massenmedien lehren heute meist etwas anderes: Als vordringliches Ziel des Wirtschaftens wird größtmöglicher Erfolg des einzelnen im Berufsleben sowie  Wohlstandsmaximierung  angesehen. Als vordringliches Ziel der Politik wird die Herstellung der “idealen Gesellschaft” angesehen. So wird es als schreiender Miss-Stand herausposaunt, dass Frauen weniger verdienen als Männer, dass Frauen weniger DAX-Führungspositionen innehaben als Männer, dass Sorge für Kinder und Haushalt immer noch meistens von den Frauen geschultert wird, dass die Einkommensunterschiede in Deutschland so groß sind usw. usw.

Aus der Sicht der Kinder ist das alles nicht so schlimm! Es ist ihnen sogar völlig schnuppe. Sie brauchen keine Mutti im DAX-Vorstand, sie brauchen die Mutter oder den Vater verlässlich zuhause. Schlimm ist es aus Sicht der kleinen Kinder, wenn ihnen Geborgenheit fehlt, wenn ihnen das gelebte Vorbild beider Eltern fehlt, wenn der tragende Rahmen der Familie nicht hält. Aus der Sicht des kleinen Kindes spielen materielles Wohlergehen, Handys, Spielkonsolen usw. keine prägende Rolle.

Viel wichtiger sind für Kinder die tagtäglich erlebte Liebe und Fürsorge durch eine bestimmte oder einige wenige bestimmte Personen.  Der Staat, die Politik, die Pädagogik sollten sich nie im mindesten erdreisten oder auch nur den Anschein zu erwecken versuchen, sie könnten den überragenden Rang der Familie für Glück und Wachstum der Kinder ersetzen.

 Posted by at 10:46
Feb 242014
 

“Jedes Lebensjahr mehr bringt für die Frau einen Punkteabzug!” So beredt klagte einmal Bascha Mika, die bekannte taz-Chefin, die jetzt zur FR wechselt, wozu wir armen Kreuzbergerinnen ihr von Herzen alles Gute wünschen.

In der Tat, die alte oder auch alternde Frau hat es schwerer, sich auf dem Markt zu behaupten, als der alte oder alternde Mann. Dies zu leugnen wäre sexistisch verblendet.

Freundinnen, dennoch gibt es ein Kriterium, das bei Frauen noch verheerender auf die Karrierechancen wirkt als das Lebensalter: starkes Übergewicht. Eine Frau mit starkem Übergewicht schafft es heute nicht mehr in die Öffentlichkeit; sie kann notfalls Rüschenblusen tragen, sie darf ruhig mehrfache Mutter oder (schlimmer noch) eine jener übel beleumundeten  Nur-Hausfrauen-und-Mütter sein, aber sie wird sich mit 10 oder 20 kg sogenanntem “Übergewicht” gegen die Phalanx der ewig knabenhaften, nahezu alterslosen, kein Gramm zuviel aufweisenden Top-und-Gala-Frauen nie durchsetzen. Das herrliche Gala-Interview mit Julia K. (41), die sich erfolgreich vom weiblich-mütterlichen Erscheinungsbild zum mädchenhaft-knabenhaften Erscheinungsbild herunterfastete, spricht Bände.

Leserinnen, Freundinnen, ich kenne keine übergewichtige Frau in Deutschland, die nicht an diesem Stigma litte. Ich kenne sogar einige Mädchen oder Frauen, die durch diesen öffentlichen Gleichschaltungsdruck schwer krank, ja lebensbedrohlich krank geworden sind.

Beliebiger Tatsachenbeweis dieses, wie ich meine, pathologischen Befundes: SCHROT&KORN, unsere bei Weib&Mann beliebte Öko-Zeitschrift, Ausgabe März 2014! Ich nahm sie vorgestern  beim Einkauf für WEIB&KIND beim Kreuzberger Bio-Markt in der Obentrautstraße mit. Man sollte annehmen, dass im Öko- und Naturkost-Bereich doch auch einmal eine normalgewichtige Frau abgedruckt würde …? Oder ein dicker backender Vati oder eine dicke backende Mutti mit mehreren Kindern? Pustekuchen! Im gesamten Heft gibt es nur schlanke und ranke, nur – nach barocken Kriterien – leicht untergewichtige Frauen. Sicher, es gibt auch mal alternde oder alte Frauen mit Fältchen. Das wäre ja noch schöner, wenn sogar bei uns Ökotussis nur glattgesichtige faltenlose Hungerharken abgebildet würden.

Aber es gibt keine einzige Frau mit Übergewicht, keine dicke, keine nach barocken Kriterien “normalgewichtige” Frau mit weiblichen Rundungen im redaktionellen und auch nicht im werblichen Teil des Heftes.

Wirklich keine einzige? Haben alle Frauen in den Zeitschriften das Idealgewicht? NEIN! Es gibt eine dicke, mütterliche Frau in diesem Heft: Eine namenlose, nach quasi-amtlichen Kriterien stark übergewichtige, glücklich am Herd kochende Schwarzafrikanerin lächelt uns auf S. 111 von SCHROT&KORN mütterlich&fürsorglich zu. Sie wirbt für “Faires Bio-Palmöl” von RAPUNZEL.  “Wir machen Bio aus Liebe”. Und SIE kocht offensichtlich mit Wonne aus Liebe zu ihren Kindern und Enkelkindern! Was wohl die BVV-Friedrichshain-Kreuzberg zu so einer sexistischen Werbung sagen würde, wenn jemand sich erdreistete, sie auf einer der vier bezirklichen Werbeflächen anzubringen? Eine Werbung für Bio-Palmöl, die sich dem rassistischen und sexistischen Gleichschaltungsdruck, der heute auf den dicken Frauen in der Öffentlichkeit lastet, widersetzt?

HERRLICH! Die schwarze Afrikanerin oder die Afro-Europäerin oder die Negerin oder die Afro-Deutsche oder die Mohrin (sind doch eh alles rassistische Ausdrücke)  darf das alles noch. Sie darf noch lächelnd kochen, sie darf noch ein paar Pfunde zuviel haben.

Nicht eine Bascha Mika, nicht eine Julia Klöckner und … und … und … alle … tutte quante!

Es gilt für Frauen im Lichte der Öffentlichkeit (nicht für Männer) das eherne Gesetz der medialen Gleichschaltung: DU DARFST NICHT ZUVIEL WIEGEN! Du darfst nicht mütterlich sein. Du darfst nicht einmal mütterlich erscheinen! Sonst wirst du nicht gewählt. Du schaffst es nicht in die GALA, nicht in die BUNTE, nicht in die SCHROT&KORN.

Ist doch eh alles eine Soße – oder eine mediale Pampe, was heute den armen europäischen Frauen abverlangt wird. O Afrikanerinnen, ihr habt es da besser!

 

 Posted by at 12:13