Jul 242020
 

Tief greifen die Wurzeln der Tanne in den Boden, leicht zieht sie mit ihren Fasern die Nährstoffe in sich ein. Schon lange steht sie hier auf dem Schöllkopf, nicht weit von Freudenstadt entfernt, wohl 250 bis 300 Jahre ist sie alt, sie, die nachweislich mächtigste Tanne des ganzen Schwarzwaldes! Erst stand sie freistehend, spendete Schatten dem unter ihr weidenden Vieh; später wurde rings um sie herum aufgeforstet.

Großvatertanne wird sie genannt. Da sie sich bester Gesundheit erfreut, mag sie durchaus das natürliche Höchstalter der Tanne, also etwa 400 Jahre erreichen. 46 Meter ist sie hoch, ihr Stammvolumen umfasst 36 Kubikmeter.

Tanne und Buche sind die beiden Baumarten, die von Natur aus hier auf etwa 700 m Höhe über dem Meer am besten gedeihen. Sie sind die Charakterbäume des Schwarzwaldes; die heute oftmals dominante Fichte wurde erst später durch den Menschen zur Ausbeutung als Monokultur nachgepflanzt.

Ich legte am Sonntag, dem 19. Juli 2020, meine Hand auf die merkwürdig sanft anmutende Rinde der Großvatertanne. Sie war schon lange vor mir da, sie wird auch lange nach mir noch da sein. Und doch kann ich Fühlung mit ihr aufnehmen. Beglückend!

 Posted by at 23:33
Jul 142020
 

Wo befindet sich mein schwarzes Rössle mit den azurblauen Fesseln, das mich jeden Tag von meiner Unterkunft zu meinem derzeitigen Dienstort trägt, verlässlich und treu? Das Rössle hört auf den Namen Haibike SDURO CROSS 5.0, statt Heu frisst es jeden Tag 0,2-0,4 KWh Strom, genügsam steckt es Wurzeln und spitze Steine weg, fröhlich packt es jede Steigung, hurtig wie der Wind rennt es die steilsten Hänge hinab. Und es liebt Rätsel!

Hier also das Rätsel: Ist das Rössle auf diesem Bild in Baden oder in Württemberg? Kleine Hilfestellung: Wir sind hier an der historischen Grenze zwischen dem Großherzogtum Baden-Baden und dem Herzogtum Württemberg (bzw. dem späteren Königreich Württemberg, 1806-1918). Weiter hinten hat sich die Kinzig ihren windungsreichen Weg durch die vermoorten Buntsandsteinhochflächen und felsendurchsetzen Flanken bis tief hinunter in das aus Gneis und Granit gebildete Grundgebirge gefräst.

Die Sonne lacht, der Sommer schickt seine Wärme in wehenden Wellen über die Wiesen hin, das Tal blitzt und blinkt, dass dir das Herz im Leibe springt.

Wo steht das Rössle auf obigem Bild? Weißt du es?

 Posted by at 21:51
Jul 122020
 
Die Orgelskulptur in der Klosterkirche Alpirsbach. Erbaut 2006-2008 von Claudius Winterhalter in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Armin Göhringer. 35 Register, 3 Manuale.

“Mit der güldnen Welle des Lichts nimmst du das Ungemach”, so sangen wir zaghaft hinter unseren Nasen-Mund-Masken versteckt heute in einem Lied zum Gottesdienst. “Du nimmst das Ungemach mit der güldnen Welle des Lichts?” Ha? Wie schön ist das denn! Kann man das erlösende Erlebnis des Tagesanbruchs besser beschreiben?

Ich kehre eine kurze Weile nach dem Schlusssegen zurück zu einem Konzert unter dem Titel “Musik dient Gott”. Raumfüllend eröffnet die 11 m hohe fahrbare “Orgelskulptur” mit dem ersten Satz der VI. Symphonie von Charles-Marie Widor die Abfolge von Liebesliedern: “Sehet, welche Liebe”.

Das Schifflein voller Musik mit sicherer Hand und strahlend durch die gewaltige Klosterkirche hindurchleiten! Das war die Aufgabe. Die Orgel ist der Anker des Gemeindegesanges, ist der Hort der Musik im Konzert, wenn sonst auch alle Stricke reißen und unsere menschlichen, allzu menschlichen Stimmen hinter Masken zittern und zagen. Die Orgel nimmt mit der güldnen Welle des Klanges das Ungemach von den Mündern der Menschen.

Sie strahlt wirklich skulptural, diese Orgel, hier versteht man jede Stimme, die in den Raum hineingedrechselt wird, man kann alles durchhören, wenn sie von so guten Organisten gespielt wird, es geht nichts verloren! Phantastisch, sensationell, dieses Zusammenspiel des Raumes und der Stimmen, auch der menschlichen Stimme, heute ausgefüllt durch den Bariton Christian Honold!

Und die Organisten sind das Instrument für dieses Zusammenspielen. Wie begnadet muss sich das anfühlen!

MUSIK DIENT GOTT. Klosterkirche Alpirsbach, Sonntag, 12. Juli 2020, um 11.15 Uhr. Orgel: Carmen Jauch. Bariton: Christian Honold

 Posted by at 22:02