Feiert ausgelassen, Goethe und Kronos – aber fahrt vorsichtig!

 Antike, Authentizität, Fanny Hensel, Goethe, Musik, Salon Feurig, Singen, Unverhoffte Begegnung  Kommentare deaktiviert für Feiert ausgelassen, Goethe und Kronos – aber fahrt vorsichtig!
Aug. 022026
 

Gestern spätabends, auf der Bahnfahrt von Neuruppin-Rheinsberger Tor nach Berlin-Charlottenburg erkannt‘ ich – gerade noch rechtzeitig vor der sehnlich erwarteten Goethefeier am 28. August – dass Goethes Gedicht „An Schwager Kronos“ durchgängig an ein Du gerichtet ist, an den grausamen Urvatergott Kronos – oder auch an Chronos, den Gott der Zeit, wer weiß das schon genau? S’ist KEIN Monolog! Deshalb ist auf der hier gezeigten, in ihrer Authentizität höchst fragwürdigen Sepiatuschzeichnung (?), vielleicht in Anlehnung an Adrian Zingg (?), 1757-1759 (?), tatsächlich neben dem maßlos frechen, aufsässigen Fahrgast Goethe ein peitschenschwingender Kronos zu sehen. Alles klar, na denn – GUTE FAHRT euch beiden, dir, Goethe, und dir auch, Kronos! Passt auf Euch auf!

Nachweis: Johann Wolfgang Goethe: An Schwager Kronos. In der Postchaise d 10 Oktbr 1774. In: Johann Wolfgang Goethe. Gedichte 1756-1799. Hgg. von Karl Eibl, Deutscher Klassiker Verlag. Sonderausgabe zu Johann Wolfgang Goethes 250. Geburtstag. Frankfurt am Main 1998, S. 201-203, S. 920-922, sowie ibidem Abb. 11: Der Staubbachfall bei Lauterbrunnen

28. August 2026, 19.00 Uhr: Salon Feurig: Töne Goethe, feiere in Lebensfluten! Gedichte von Goethe. Lieder von Carl Friedrich Zelter, Franz Schubert und Fanny Hensel. Rezitation und Gesang: Johannes Hampel. Am Flügel: Uwe Streibel. Feurigstr. 68, 10827 Berlin. Eintritt frei für alle bis 18 Jahren. Karten für Erwachsene zu € 10.- über Eventim https://www.eventim.de/event/toene-goethe-feiere-in-lebensfluten-salon-feurig-salon-feurig-21989960/?affiliate=GMD

https://www.eventim.de/eventseries/toene-goethe-feiere-in-lebensfluten-salon-feurig-4211754/?affiliate=GMD

 Posted by at 14:18

Las Lea Mendelssohn Bartholdy Homer auf Griechisch?

 Fanny Hensel, Goethe, Griechisches, Homer, Musik, Natur, Singen  Kommentare deaktiviert für Las Lea Mendelssohn Bartholdy Homer auf Griechisch?
Juli 262026
 

Bild: Die Gräser im Walde sie ruhen und nicken die Köpfchen angestrahlt von des Helios wärmenden Strahlen am Wannsee gestrigen Tages doch währt ihr Leben wenn’s hochkommt 70 Tage keinen Tag länger

Vor einer Woche schauten wir dankbar, hocherfreut und beglückt den Film The Odyssey von Christopher Nolan an; lange noch schwang dieses packende Erlebnis in mir nach, und auf Schritt und Tritt entdecke ich nun im Alltag Gedächtnisspuren, Anklänge und Querverbindungen. Homer, von dem ich Häppchen seit Jahrzehnten immer wieder auch auf Griechisch lese, lugt mir dieser Tage hinter jedem Grashalm, hinter jedem Baum, hinter jeder Zeile hervor!

Und hier kommt nun meine Frage des Tages an die KI von Gemini:

Konnte Lea Mendelssohn Bartholdy, geborene Lea Salomon (177-1842), die Mutter Fanny Hensels, wirklich Homer im Original lesen, wie es Annette Maurer in ihrer Ausgabe ausgewählter Lieder von Fanny Hensel berichtet?

Siehe: Annette Maurer: Vorwort zu: Fanny Hensel (1805–1847) Ausgewählte Lieder Band 2, Hrsg. von Annette Maurer, Breitkopf und Härtel, oJ. o.O., S. 3-7, hier S. 7

Die genannte Frage beschäftigte mich im Rahmen meiner Befassung mit Vertonungen von Goethes Gedichten (etwa durch Carl Friedrich Zelter, Fanny Hensel und Franz Schubert).

Und diese Antwort spuckte mir Gemini ohne zu zögern nach wenigen Sekunden aus dem Gehege seiner Schaltkreise soeben aus:

Ja, historischen Quellen und biographischen Überlieferungen zufolge konnte Lea Mendelssohn Bartholdy (1777–1842) tatsächlich Homers Epen im altgriechischen Original lesen. [1]

Bildung und Sprachkenntnisse

Die aus der einflussreichen jüdischen Familie Salomon/Itzig stammende Lea Mendelssohn erhielt eine für Frauen ihrer Zeit und ihres Standes außergewöhnlich umfassende und elitäre Privatbildung. [1, 2]

  • Alte und moderne Sprachen: Neben Deutsch beherrschte sie fließend Französisch, Englisch und Italienisch. [1]
  • Klassische Bildung: Zudem erhielt sie Unterricht in den alten Sprachen, was ihr die Lektüre griechischer Klassiker wie Homer ermöglichte. [1]
  • Künstlerisches Talent: Sie war zudem eine hervorragende Pianistin und prägte die musikalische Erziehung ihrer berühmten Kinder Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy maßgeblich. [1, 2]

Genauere Informationen zu ihrem Leben und den Quellen finden Sie in der Staatsbibliothek Berlin sowie im Porträt bei BR-Klassik. [1, 2]

 Posted by at 12:48

„Überfüllte Musik…“, hä?

 Digital, Goethe, Musik, Singen  Kommentare deaktiviert für „Überfüllte Musik…“, hä?
Juli 252026
 

Was meinte Goethe damit in seinem hier im Schöneberger Blog zitierten Brief an Zelter vom 6. Juni 1825? Entsprach dies seiner Kritik etwa an Schuberts Vertonungen seiner Gedichte?

Genau diese Frage stellte ich soeben einer KI, hier Gemini in der kostenlosen Version. Und dies ist die Antwort, die mich innerhalb von 12 Sekunden erreichte:

Mit dem Begriff „überfüllte Musik“ meinte Johann Wolfgang von Goethe in seinem Brief an Carl Friedrich Zelter vom 6. Juni 1825 eine Kompositionsweise, bei der die Musik zu komplex, überladen und klanglich zu dominant wird, sodass das gesungene Wort und das dichterische Gedicht völlig in den Hintergrund gedrängt werden. [1, 2, 3]

Obwohl dieses Zitat oft als Paradebeispiel für Goethes Distanz zur aufkommenden Romantik angeführt wird, war es keine direkte Kritik an Franz Schubert.

Was meinte Goethe mit „überfüllter Musik“?

Goethe vertrat eine klassische, wortzentrierte Ästhetik des Liedes. Für ihn musste die Musik dem Gedicht dienen. Sie sollte den Text lediglich tragen, rhythmisieren und emotional untermalen, ohne ihn zu übertönen. Zelters schlichte Vertonungen im Stile der Berliner Liederschule entsprachen genau diesem Ideal. [1, 2, 3, 4, 5]

Als „überfüllt“ empfand Goethe Musik, die:

  • Zu viele harmonische Modulationen nutzte
  • Die Singstimme durch eine übermäßig komplexe und virtuose Klavierbegleitung erdrückte
  • Das lyrische Kunstwerk in ein rein instrumentales Spektakel verwandelte

Richtete sich die Kritik gegen Schubert?

Nein, zumindest nicht direkt oder bewusst.

  • Kein Namensbezug: Schubert wird in diesem Brief überhaupt nicht erwähnt. Goethes Klage war kulturkritisch und allgemein auf die zeitgenössische, moderne Musikentwicklung (wie die von Carl Maria von Weber oder dem späten Beethoven) bezogen. [1, 2]
  • Goethes Ignoranz gegenüber Schubert: Goethe hat Schuberts Genie schlichtweg lange Zeit nicht erkannt. Als Schubert ihm Jahre zuvor (1816) ein Heft mit Vertonungen (darunter Erlkönig) schickte, sandte Goethe es kommentarlos zurück. [1, 2]
  • Das Schubert-Missverständnis: Schuberts Lieder – in denen das Klavier eine gleichwertige, dramatische Rolle einnimmt und die Stimmung malend mitträgt (wie das Surren des Spinnrades in Gretchen am Spinnrad) – entsprachen zwar genau dem, was Goethe theoretisch als „überladen“ oder „überfüllt“ abgelehnt hätte. Doch es gibt keinen Beleg dafür, dass er Schubert zum Zeitpunkt des Briefes 1825 intensiv genug wahrgenommen hatte, um ihn gezielt damit zu meinen. Erst ganz spät in seinem Leben, als er die Sängerin Wilhelmine Schröder-Devrient mit Schuberts Erlkönig hörte, soll Goethe das Stück tief bewegt anerkannt haben. [1]

Meine unmittelbare Antwort an die KI Gemini ist: Diese Antwort entspricht genau meinem bisherigen Kenntnisstand. Ich halte sie für präzise, gut belegt, und in unseren Zusammenhang hier im Blog völlig ausreichend. Vielen Dank an die menschliche Intelligenz all derer, die die KI gebastelt haben. Läuft!

 Posted by at 11:11
Juli 212026
 

Ein Diktat? Wie bitte? Wollen wir ein DIKTAT beginnen? Jetzt soll ich etwas in den neuen Mac diktieren? Hey, ich kenne mich mit dem neuen Mac nicht aus, aber versuchen will ich es. Gut! Ich werde etwas diktieren, und zwar möchte ich berichten über eine herrliche Veranstaltung, die wir kürzlich erlebt haben. Sie hieß: DNIPRO.

Dnipro, das waren Augenblicke, gelebt im Fegefeuer, gelebt im Paradiese. Zu Beginn spielten die drei Musiker vom Trio Voyage – die Geigerinnen Viktoria Stahlberg und Alvina Lahyani, Pavlo Feniuk am Bajan – ein Prunkstück der spanischen Musik. Sie spielten España cañí, und man hörte, man spürte in diesem Paso doble sofort die Poesie, ich weiß nicht wie… war es nicht die

poesía en flor,
esta España de mujeres bellas
con fuego en los ojos
que enciende pasión?

Ich sah sofort dieses Feuer aufblitzen.

Diese Flamme war entfacht! Gleich mit dem Schlussakkord begrüßte Alvina das Publikum mit wohlgesetzten Worten an den Ufern des Dnipro; der Dnipro, das ist ja ein Schicksalsfluss wie kein zweiter. Nicht nur für die Ukraine, sondern auch für Moskaus Machtbereich, für Weißrussland, Litauen und auch Polen. Sich umwendend fragte Alvina die Lyrikerin Zlata Zhuravlova: „Was bedeutet der Dnipro für dich?“ .

Zlata erzählte, dass sie dort am Dnipro, oder Dnjepr, wie er in deutschen Atlanten noch meist genannt wird, wie viele andere Bewohner der Stadt Dnipro (früher: Dnjepropetrowsk), ihre schönsten und beeindruckendsten Jugenderlebnisse hatte. Besonders hob sie das Meer hervor, zu dem der Fluss sich dort erweitert. Es ist natürlich kein richtiges Meer, aber doch eine künstlich herbeigeführte Ausbuchtung, die bis zu zwei Kilometer breit ist, die also an ein Meer, ein echtes Mehr-als-nur-ein Fluss, erinnert. In Dnipro gibt es auch die längste durchgehende Fußgänger- und Uferpromenade in ganz Europa! Sie erstreckt sich entlang des rechten Ufer des Flusses Dnipro über eine Gesamtlänge von 23 km!

Zlata fragte Alwina: „Woher stammst du eigentlich?“ – „Aus Kyjiw!“ – „Wirklich? Das ist schön. Dazu habe ich Gedicht geschrieben!“ Dann lass Zlata ihr Gedicht Kyiw vor. Wir zitieren:

Kyiw

Ich spaziere durch Zoloti
und versuche mir vorzustellen, ,
wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich eine Kiewerin
und nicht einfach nur ein Mensch wäre
.

und sie versetzte sich wirklich in das Gefühl hinein, dass die Kyiwer wohl empfinden, wenn sie Ihren Stolz auf diese Stadt ausdrücken.

Wie schaut es aber nun in Berlin aus? Gute Frage! Auch über Berlin hat Zlata Zhuravlova, die in Berlin lebt, ein Gedicht geschrieben. Erstaunlich war es, dass sie sagte

Berlin

Menschen kommen hierher,
um sich zu verstecken.
Im Zentrum der Welt. An der Oberfläche.
Genau hier. Genau jetzt.
Um sie selbst zu werden.
Sie probieren neue Rollen. Masken. Schuhe.


Ein sehr spannender Blick auf Berlin, gesehen mit den Augen einer zugewanderten Lyrikerin!

Es folgte dann der erste lyrische Höhepunkt des Abends, nämlich das Gedicht Train. Es fängt alltägliche Wahrnehmungen in einem Bahnhof ein. Der Blick heftet sich an einen Menschen, der einen Koffer über Treppen trägt und irgendwelche Aufgänge und Untergänge sucht. In dem Koffer befinden sich viele Bücher und in den Büchern seine Welten. Leider gibt es diese Welten nur in den Büchern. Und das Gedicht endet mit den traurigen Zeilen

Сходів і заходів безліч,
безліч було історій
у книгах-томах — поруч.
Шкода, але не в ньогом
бо в нього вдома нікого,
бо в нього немає дому. 

es gab viele Treppen und Aufgänge,
viele Sonnenauf- und untergänge
und Geschichten: in den Büchern,
Bänden – überall.
Aber leider nicht bei ihm.
Denn daheim wartete niemand.
Denn er hatte kein zu Hause.

Und so war neben dem Feuer in den Augen der Schönen, neben der Weite des Meeres noch das dritte Grundthema dieses in der Tat unerschöpflichen musikalisch-lyrischen Nachmittags angeschlagen: die Ruhelosigkeit, die Entwurzelung, der Schmutz und die Schutzlosigkeit.

Und somit ist dieses erste Diktat im Mac abgeschlossen. Es entbehrt jeder Schönheit und Professionalität. Aber es war mir diesen tastenden Versuch wert. Und es wird weitere Diktate zum Thema Dnipro geben.

Zitate:
Alfredo Corral Moraleda: Letra del paso doble
https://es.wikipedia.org/wiki/Espa%C3%B1a_ca%C3%B1%C3%AD

Zlata Zhuravlova: Vorspiel Прелюдія. Gedichte Вірші. Aus dem Ukrainischen von Nadiia Telenchuk. KLAK Verlag, Berlin 2026, S. 17, S. 15, S. 36-37
https://www.klak-verlag.de/product/zhuravlova-zlata-vorspiel-%d0%bf%d1%80%d0%b5%d0%bb%d1%8e%d0%b4%d1%96%d1%8f-gedichte-%d0%b2%d1%96%d1%80%d1%88%d1%96/

 Posted by at 17:58
Juni 042026
 

Tickets für Dnipro. Musik und Lyrik am 04.07.2026 in Salon Feurig, Berlin-Schöneberg | Ticket-Shop

Zlata Zhuravlova ist eine ukrainische Dichterin, die seit 2019 in Berlin lebt und schreibt. Mit ihrem zweisprachigen Gedichtband Vorspiel / Прелюдія legt sie ein literarisches Debüt vor, das durch Unmittelbarkeit, emotionale Tiefe und kunstvolle Ironie besticht. Ihre Texte bewegen sich zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Heimat und Aufbruch, zwischen den Sprachen und Lebenswelten Europas. Dabei verbindet sie persönliche Erfahrungen mit einer poetischen Bildsprache, die zugleich leise, präzise und kraftvoll wirkt.

Für die Lesung Dnipro bringt Zlata Zhuravlova ihre Gedichte in einen Dialog mit der Musik von Trio Voyage. Worte und Klänge folgen dabei dem Lauf des Dnipro – jenes Flusses, der viele Jahrhunderte ukrainischer Geschichte, Städte und Menschen verbindet. Ihre Lyrik erzählt von Liebe, Verlust, Sehnsucht und Hoffnung und eröffnet einen Raum, in dem sich persönliche Geschichten mit dem Schicksal ganzer Generationen verweben. So entsteht ein poetischer Spätnachmittag voller Nachklang, Nähe und Zuversicht auf all das, was da noch kommen mag.

Trio Voyage vereint die Geigerinnen Alvina Lahyani und Oksana Stahlberg mit dem ukrainischen Bajan-Virtuosen Pawlo Feniuk zu einem besonderen Ensemble. In der Besetzung aus zwei Violinen und Bajan entsteht ein unverwechselbarer Klang. Er verbindet klassische Eleganz, folkloristisches Feuer und virtuose Spielfreude.

Pawlo Feniuk begeistert als Dozent an der Tschaikowsky-Musikakademie in Kyjiw mit seinem meisterhaften Spiel auf dem Bajan. Alvina Lahyani, bekannt für ihre Vielseitigkeit und starke Bühnenpräsenz, tritt bei klassischen Konzerten ebenso wie bei rockigen Events auf, darunter das Wacken Open Air. Als Mitglied der weltweit erfolgreichen Band Salut Salon verbindet sie musikalische Exzellenz mit Kreativität und Charme.

Eine langjährige musikalische Partnerschaft verbindet Alvina Lahyani und Oksana Stahlberg. Gemeinsam begeisterten sie das internationale Publikum an Bord der MS Deutschland.

Das Repertoire von Trio Voyage reicht von beschwingter Klassik über knackige Folklore bis zur süß schwelgenden Salonmusik – eine klangvolle Reise voller Emotionen, Farben und Geschichten. Voyage steht auf dem reißenden Fluss der Gegenwart für die verbindende Kraft der Musik über Grenzen und Kulturen hinweg.

Ihr Zielhafen ist: Hoffnung, Versöhnung, Frieden – nicht nur links und rechts des Dnipro.

 Posted by at 09:04

„Behütet in Bayern aufwachsen, in einer großen Familie groß zu werden“ – ist das Heimat? Kann das Heimat sein?

 Freude, Geige, Heimat, Kinder, Musik, Singen  Kommentare deaktiviert für „Behütet in Bayern aufwachsen, in einer großen Familie groß zu werden“ – ist das Heimat? Kann das Heimat sein?
Mai 282026
 

„Was ist für dich Heimat?“ Wir setzen unsere Betrachtungen im Anschluss an Sandra Hüllers skeptische Ablehnung des Heimatbegriffes fort und fragen heute abend bei den Musikerinnen von Salut Salon an. „Was ist für dich Heimat?“ Wir hatten im Zwiegespräch mit Sandra Hüller gefunden, dass Heimat zunächst einmal kein politischer, sondern ohne jeden Zweifel ein zutiefst persönlicher Begriff ist; jeder wird also eine andere Antwort auf diese Frage geben – und darf und soll dies auch tun!

Was man unter Heimat versteht, das hängt wohl zu großen Teilen von der Erfahrung der eigenen Kindheit ab. Die Cellistin Maria Well etwa sagt es so: „Ich komme aus Bayern. Ich muss sagen, ich bin wahnsinnig behütet aufgewachsen.“ Und sie empfindet dies im nachhinein als Privileg, als großes Glück.

Es lohnt sich, in diesem Video den vier sehr unterschiedlichen Antworten der vier so unterschiedlichen Künstlerinnen zuzuhören! Sie alle eint, dass sie den Begriff Heimat mit Glück, mit einer grundsätzlich guten, gelungenen Kindheit verbinden. Und aus diesem Grundgefühl der Zugehörigkeit, die sich in der Vergangenheit als leibhaftige Erfahrung gebildet hat, speist sich ein großes Ja-Sagen, besser: ein Ja-Singen zu diesem Leben, mit all seinen Zweifeln, Ängsten, Schattenseiten. Man spürt darin ein Hervorleuchten, man hört ein hervorquellendes, ein unversiegliches Verlangen und Streben nach Freude, nach einer sich aus der Tiefe der Vergangenheit wiederholenden Freude, die sich in der Weitergabe, im Weiterschenken erfüllt und selber für andere zur Beheimatung, zur Empfindung des tiefen tiefen Glücks werden kann.

Bild: Dorfkirche mit Dorfweiher in Klein Herrlitz/Malé Heraltice, Sudetenschlesien – das Heimatdorf, in dem der Vater des hier Schreibenden von 1925-1946 seine Kindheit erlebte. Aufnahme des Verfassers vom 24.05.2026

 Posted by at 21:56

Komm lieber Mai

 Einladungen, Freude, Musik, Salon Feurig, Singen  Kommentare deaktiviert für Komm lieber Mai
Apr. 272026
 

Nach den ersten drei Sitzungen des neuen Salons mit durchaus ernstem Charakter wollen wir den Mai dieses Jahr am Vortag mit Gesang und Musik einläuten.

Dieses Mal – am Donnerstag – feiern wir ohne festgelegtes Programm in aller Vorfreude den Frühling. 

Wer etwas vortragen möchte, ist herzlich eingeladen! Wer nur zuhören möchte, ist ebenfalls eingeladen. 

Das Klavier steht wie immer bereit.

Wie gewohnt bei KONTAKTE KOHTAKTbI in der Feurigstraße 68 in Schöneberg. 

 Posted by at 17:43

Barfuß auf dem Eise schwankend bei Frost und Sonne

 Barfuß, Einladungen, Frost und Sonne, Musik, Salon Feurig, Singen  Kommentare deaktiviert für Barfuß auf dem Eise schwankend bei Frost und Sonne
März 042026
 

Hier gibt es Karten online:

https://www.eventim-light.com/de/a/69ab32472a1b6440e5be99a6/e/69aefc042a1b6440e5c0aa31

Barfuß auf dem Eise
wankt er hin und her

diese Verse aus dem Gedicht Der Leiermann von Wilhelm Müller kommen mir bei Betrachtung dieses Hin und Her zwischen Sonne und Frost in den Sinn. Die Großwetterlage scheint unentschlossen zwischen Winter und Frühling, die Nacht ist zwar sternenklar und kalt, der Tag strahlt in der frühen Märzensonne. Aber es wird nicht wirklich warm.

Man weiß nicht, was noch werden mag – laß gehen dahin!

Hier das gesamte Gedicht von Wilhelm Müller:

Drüben hinter’m Dorfe
Steht ein Leiermann,
Und mit starren Fingern
Dreht er was er kann.

Baarfuß auf dem Eise
Wankt er hin und her;
Und sein kleiner Teller
Bleibt ihm immer leer.

Keiner mag ihn hören,
Keiner sieht ihn an;
Und die Hunde knurren
Um den alten Mann.

Und er läßt es gehen
Alles, wie es will,
Dreht, und seine Leier
Steht ihm nimmer still.

Wunderlicher Alter, 
Soll ich mit dir gehn?
Willst zu meinen Liedern
Deine Leier drehn?

 Posted by at 21:43

Singe „in die Maske“! Was bedeutet das eigentlich?

 Antike, Augsburg, Italienisches, Musik, Naturwissenschaften, Singen, Theater  Kommentare deaktiviert für Singe „in die Maske“! Was bedeutet das eigentlich?
Feb. 162025
 

Manches Geheimnis umrankt den Ausdruck „in die Maske singen“, auf Italienisch „cantare in maschera“. Es gilt als eines der erfolgversprechenden Rezepte des klassischen Gesangs, also des bel canto. Oft wird dabei die Vorstellung aufgerufen, man müsse „nach vorne singen“, also gewissermaßen von der Kehle weg in den Saal hinein, man solle sich also vorstellen, die Stimme nicht „kehlig“, sondern „pfeilgerade“ durch eine imaginäre Maske nach draußen zu schicken.

Ich habe selbst als Gesangsschüler verschiedene Lehrer verschiedenes dazu lehren hören, verschiedene Meinungen dazu vernommen. Nun hörte ich aber gestern eine für mich neue, gleichwohl auf Anhieb überzeugende Erklärung des „In-die-Maske-Singens“, und zwar durch die Stimme des italienischen Physikers Valerio Rossi Albertini. Er erhielt zum Festival des italienischen Liedes in San Remo seinen tönenden Auftritt in der Gesundheits-Ratgeber-Sendung Buongiorno Benessere im Sender Rai Uno, in der es um alltägliche Erscheinungen wie Krampfadern, Diabetes, Fettleibigkeit und Sodbrennen ging, und er platzierte geschickt die Nachbildung einer antiken Theatermaske, um die Physik und die Physiologie des Singens zu erklären; weiterhin nachzuvollziehen unter folgendem Link ab Minute 24:00:

Buongiorno Benessere 2024/25 – Puntata del 15/02/2025 – Video – RaiPlay

Wir fassen Rossi Albertinis Ausführungen zusammen:

Unsere eigentliche „Stimme“, also genauer die beiden Stimmlippen, die den gesungenen Ton erzeugen, bringen einen für sich genommen schwachen, kaum hörbaren, eher dünn und kläglich klingenden Laut hervor. Nicht die schöne Stimme, auch nicht die sprichwörtliche goldene Kehle erzeugt die Fülle des Wohllauts! Erst durch den Widerhall in einem Resonanzkörper entstehen die Farben, entstehen die reichen Obertöne, welche wir als Merkmale schönen Gesangs erleben.

Die volle, schöne, klingende Lautgebung erfolgt insbesondere durch die Resonanzhohlräume im Schädel, also die verschiedenen Höhlungen, wie sie durch die 16 unterschiedlichen, teils paarigen, teils unpaarigen Knochen des Gesichts- und des Hirnschädels gebildet werden.

Dieses knochige Gerüst bildet den Resonanzkörper, in dem sowohl Sänger wie auch Schauspieler die weittragenden, volltönenden, die „richtigen“ Töne, oder besser die richtigen Klänge – also aus vielen Frequenzen zusammengesetzten Schall – erzeugen.

Im Theater der griechisch-römischen Antike verstärkte man diesen bereits bekannten körpereigenen Effekt noch zusätzlich, indem man tönerne Masken vor das Gesicht setzte, die die menschliche Stimme so sehr verstärkten, das auch tausende von Zuhörern im Freien jedes Wort des häufig sehr komplexen gesungenen oder rezitierten Tragödien- oder Komödientextes vernehmen und verstehen konnten.

„In die Maske“ singen, das bedeutet also laut dieser Erklärung im wesentlichen, dass die körpereigenen Resonanz- und Hohlräume maximal wie eine tönerne oder tönende Theatermaske zur Verstärkung und Bereicherung ausgenutzt werden. Es geht also vorrangig nicht darum, die eigene Stimme nach vorne am Gesicht zu projizieren, zu schieben, oder die Klänge in die Fassade einer Maske hinein zu verlegen, sondern die reiche körpereigene, mehrdimensionale, die im besten Sinne geräumige Resonanzkörperlichkeit zu entfalten.

Unbedingt sehenswert und mehr sogar noch hörenswert diese Darbietung des italienischen Physikers Valerio Rossi Albertini!

Bild: Prophet Jona, ohne Maske, da soeben aus der Kehle eines Wales ausgespien, im Augsburger Dom, Buntglasfenster, wohl 12. Jh.

 Posted by at 14:53

Berlin leuchtete. Wir waren eine klingende Felsenwand, eine singende Straße, eine strahlende Heimstatt der Musik und des Menschen!

 Busoni, Freude, Islam, Musik, Singen  Kommentare deaktiviert für Berlin leuchtete. Wir waren eine klingende Felsenwand, eine singende Straße, eine strahlende Heimstatt der Musik und des Menschen!
Juni 052024
 

Freue mich über die wirklich heitere festliche, fröhliche Stunde mit viel Musik und Gesang und lauter netten Leuten, die wir gestern zusammen in der Augsburger Straße erleben durften! Scott Curry fand bewegende Worte zur Enthüllung der Gedenktafel an Busonis ehemaligem Wohnhaus: „Wir feiern hier nicht nur Busonis Musik, wir feiern auch dieses Haus, unsere Straßen und Plätze, die unsere Stadt Berlin zu einer so großartigen Heimstatt der Musik machen!“ Danke Busoni, danke Adam Oehlenschläger, danke Scott, danke Igor, danke an alle Beteiligten dieser heiteren Stunde!

Ich selbst fühlte mich übrigens gemäß der Regieanweisung Busonis als Teil der klingenden Felsenwände, da wir gemeinsam das muslimische Gebet an Allah des dänischen Romantikers Adam Gottlob Oehlenschläger sangen, das Busoni in Töne gesetzt hat.

Hier Medienberichte über die Feierstunde:

Busoni – YouTube

https://slippedisc.com/2024/06/berlin-commemorates-busoni
Igor Levit erinnert an Ferruccio Busoni | rbb (rbb-online.de)

Levit: Busoni hat einfach unfassbar tolle Musik geschrieben (morgenpost.de)

 Posted by at 16:06

Wenn Felsen singen: Busonis erhaben-erhebendes Gebet an Allah

 Busoni, Islam, Italienisches, Mären, Musik, Singen  Kommentare deaktiviert für Wenn Felsen singen: Busonis erhaben-erhebendes Gebet an Allah
Juni 032024
 

Der einsame Höhepunkt der morgen anstehenden Enthüllung der Gedenktafel in der Augsburger Straße dürfte wohl die Vertonung eines muslimischen Gebetes an Allah sein, die Ferruccio Busoni in sein monumentales Klavierkonzert C-dur eingebaut hat. Entnommen ist das majestätische Gedicht dem Drama Aladdin und die Wunderlampe, das der dänische Dichter Adam Oehlenschläger auf den uns Heutigen wohlbekannten Stoff unter dem Titel  Aladdin eller den forunderlige lampe 1805 auf Dänisch und dann 1820 in seiner eigenen Übersetzung auch auf Deutsch veröffentlichte.

Busoni hatte begonnen, das Drama Oehlenschlägers zu einer Oper auszugestalten, gab das Vorhaben aber auf und verknüpfte stattdessen den orientalischen Märchenstoff mit seinem durchweg faustisch angelegten, monumentalen Klavierkonzert, in dem ein großer Geist danach strebt, „Musik über alles“ zu erschaffen – freilich in witzig-ironischer Brechung durch den in 1001 Farben irisierenden Märchenstoff!

Und gegen Ende des kolossalen Werkes finden wir uns in der gewaltigen Höhle wieder, aus der Aladdin ursprünglich die Lampe der Erkenntnis zuteil ward. Hört, lest selbst, wie da scheu tastend Aladdin und die zauberhafte Gulnare in das mystische Halbdunkel der Höhle eindringen:

Aladdin:
Wie ehrenfest und bieder.

Gulnare:
Hier wird es dunkler! Breite, schwarze Schatten werfen die Pfeiler. Wie geheimnisvoll!

Aladdin:
Die braunen Blöcke seh‘n uns an wie Krieger=Gesichter, von der Sonne schwarz gebrannt, wie tiefen Narben alter Heldentaten.

Gulnare:
Als Sterne blinket das Gestein im Dunkeln.

(Die Felsensäulen fangen an tief und leise zu ertönen.)

Ein ferner Chor singt:

Hebt zu der ewigen
Kraft eure Herzen;
Fühlet euch Allah nah ,
Schaut seine That!

 
Wechseln im Erdenlicht
Freuden und Schmerzen;
Ruhig hier stehen die
Pfeiler der Welt.

Tausend und tausend, und
Abermals tausende
Jahre, so ruhig wie
Jetzt in der Kraft,

Blitzen gediegen mit
Glanz und mit Festigkeit ,
Die Unverwüstlichkeit
Stellen sie dar.

Aus: Adam Oehlenschläger: Aladdin und die Wunderlampe, Amsterdam 1820, S. 254

Bild: C.D. Friedrich: Gebirgslandschaft mit Regenbogen. Öl auf Leinwand 1809/1810

EINLADUNG:
Enthüllung der Gedenktafel für Ferruccio Busoni an seinem Wohnhaus

Augsburger Str. 33 (ehemals 55), 10789 Berlin

am Di. den 4. Juni 2024 um 11:00

in Anwesenheit des Pianisten Igor Levit.

Catering von Salut, ein Kammerchor singt Busoni-bezogene Chorwerke.

Von 1902 bis 1908 lebte hier

der italienische Komponist

FERRUCCIO BUSONI

(Empoli 1866 – Berlin 1924)

und komponierte u.a. das Klavierkonzert op. 39,

die Turandot-Suite und die Elegien 1–6 

 Posted by at 20:28

Harte Fügung auf ödem Feld: Strauss und Schostakowitsch

 Einladungen, Musik  Kommentare deaktiviert für Harte Fügung auf ödem Feld: Strauss und Schostakowitsch
Sep. 222023
 

Die Metamorphosen von Richard Strauss und die Kammersinfonie von Dimitri Schostakowitsch, op. 110 a, dargeboten in einem einzigen Konzert! Morgen, 23.09.2023, um 19 Uhr in der Silaskirche in Schöneberg. Ich selbst habe die Einladung erhalten mitzuspielen. Und das werde ich tun.

 Posted by at 11:02

Wer sind eigentlich die „Franken“ in Donizettis Dalinda?

 Dalinda, Der Westen, Latein, Musik, Singen, Theater  Kommentare deaktiviert für Wer sind eigentlich die „Franken“ in Donizettis Dalinda?
Apr. 292023
 

Zufällig habe ich die Ehre, neben einem echten Franken im Chor der Cavalieri Franchi, der „fränkischen Ritter“ zu singen. „Des basst fei scho!“, murmeln wir einander zu. Wir sind doch wacker, frank&frei, frisch – wie eben die Franken ganz allgemein sind – und als Beweis dafür brauche ich nur den Dreggsagg Michl Müller, die Putzfraa Ines Procter oder auch schlicht die Altneihauser Feierwehrkapell’n zu nennen, die wir Jahr um Jahr in Veitshöchsheim bewundern dürfen.

Doch enttäuscht muss ich feststellen, dass wir uns haben in die Irre führen lassen, denn ausgerechnet die italienische Wikipedia klärt uns auf, dass als „Franchi“, oder auch „Franji“ in der Zeit der Kreuzzüge alle Angehörigen des Westens bezeichnet wurden:

„Nel Medio Oriente, in particolare in Terra Santa, ma anche in Grecia, dopo la Prima crociata tutti gli occidentali venivano indicati come „Franchi“ (Franji), indipendentemente dalla nazione d’origine, per via del massiccio numero e dell’importanza dei capi francesi (come Raimondo di TolosaStefano di Blois e Baldovino) che vi parteciparono.“

https://it.wikipedia.org/wiki/Franchi

Als Cavalieri Franchi sind wir also schlicht Kämpfer des lateinischen Westens, Vertreter der zügellos ins Land einfallenden Invasionsheere, die unter den Einheimischen im Nahen und Mittleren Osten Angst und Schrecken verbreiteten; und in genau diese Zeit der ersten Welle der sogenannten Kreuzzüge (von 1096 bis 1291) werden wir durch die Oper Dalinda hineinversetzt! Wir werden unvermutet Teil jener weltgeschichtlichen Auseinandersetzung zwischen dem Westen und dem Osten, die bis zum heutigen Tag auf der politischen Bühne, in den Köpfen und Herzen der Menschen inszeniert wird.

Hinweis:

14. Mai 2023, 19 Uhr: Welturaufführung: Dalinda. Oper von Gaetano Donizetti. Dramma in tre atti, Napoli 1838 (da Felice Romani, Lucrezia Borgia, melodramma in un prologo e due atti). Kritische RICORDI-Edition von Eleonora Di Cintio. Berliner Operngruppe. Leitung: Felix Krieger. FABBRICA-Opera di Roma: Giulia Randazzo (szenische Einrichtung) / Gaia Tagliabue (Kostüme) / Giulia Belle (Ausstattung)‍. In Kooperation mit Opera Co-Pro. Konzerthaus Berlin, Gendarmenmarkt 2, 10117 Berlin

 Posted by at 21:59