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Langfristigkeit, Einheitlichkeit, Berechenbarkeit. Eine neuartige Pandemiestrategie

“Wie komm ich da raus?” Bild aus der Galerie “Im Tälchenweg”, Berlin-Schöneberg, Aufnahme vom 18.03.2021

In Beruf, im Privatleben, in Kunst und Sport ist uns heute kaum eine eigene Planung möglich. Das mindert das Gefühl, Herr unserer selbst zu sein. Gäbe es aber klare Leitplanken, dann könnte in der Tat alles besser werden. Der folgende Gastbeitrag von Tobias Hampel scheint uns in diese Richtung zu deuten. Wir stellen ihn hier mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers zur Diskussion. Tobias Hampel ist Diplom-Psychologe und arbeitet als psychologischer Psychotherapeut in Bayern.

Da die Politik und die Verbände bisher keine übersichtlichen Komplett-Strategien vorlegen, stelle ich Ihnen in aller Kürze eine “Komplette Log-Lock-Lock-Lock-Pandemie-Strategie” vor, die wirklich weiterhelfen könnte, und bitte Sie um Überdenken und um Weiterleitung, ggf. modifiziert an die Politik. Diese Strategie bildete den Kern einer künftigen Pandemie-Eindämmung, um den herum dann auch noch die Behandlungen, Impfungen, Testungen, Medikamentenentwicklungen, Kontaktverfolgungen usw. stattfinden, auf die ich hier erst einmal nicht näher eingehe. Wir müssen handeln, als ob es keine Impfungen gäbe, denn was wir bei Impfungen gewinnen, verlieren wir durch Leichtsinn.

Kernstück ist ein einziger Plan, der alle denkbaren Inzidenzen und Inzidenzkonstellationen auch bei regionalen Unterschieden mit konkreten Maßnahmen transparent und vor allem motivierend verknüpft. Der Plan gilt etwa ein halbes Jahr und wird nur noch bei sehr dringendem Bedarf geändert.

Ziel ist es, die Inzidenz auf 0 zu drücken, so wie die Feuerwehr ein Feuer natürlich ganz löschen sollte. Liegt die Inzidenz noch über 1, muß nachgeholfen werden. Nehmen es die beteiligten Durchreisenden, Bürger*innen und Staatsbeamten zu lax, die Inzidenz steigt weiter, muß immer mehr nachgeholfen werden, ab jeder Verdoppelung der Inzidenz mit zusätzlichen Maßnahmen (10 Schwellen zwischen 1 und 1024). Jeder weiß aber im Vorhinein, wie das geht, oder kann es zumindest wissen. Nicht nur eine einzige definierte “Notbremse” bei 100, sondern neue Bremsen an jeder Schwelle.

Wofür steht “Log-Lock-Lock-Lock”?

Das erste “Log” steht für logarithmische Schwellenwerte:  Pandemien wachsen und schrumpfen in logarithmischen (oder exponentiellen) Maßstäben, also z.B. eine Verdoppelung alle drei Wochen. Es werden daher Schwellenwerte der Inzidenzen in (annähernd) logarithmischen Abständen festgelegt: Künftig gilt eine Reihe von Schwellenwerten wie z.B. 1024, 512, 256, 128, 64, 32, 16, 8, 4, 2, 1. Oder auch 1000, 500, 250, 100, 50, 25, 10, 5, 2, 1. Oder auch 1000, 300, 100, 30, 10, 3. Egal welche Reihe, aber festlegen! Die Festlegungen müßten kompetent ausgearbeitet werden, aber nicht jede Woche wieder neu.

Die nächsten “Lock-Lock”-Bausteine stehen für Lockerung oder Lock-Down. Für jeden Schwellenwert wird von den Entscheidungsträgern festgelegt, welche Lockerungen (bei Absinken der Inzidenz) oder Lock-Downs (bei Ansteigen der Inzidenz über den jeweiligen Schwellenwert) stattfinden werden. Wenn man das einmal festlegt, kann man mehr als drei Viertel aller Konferenzen und mehr als drei Viertel aller Kommunikationsprobleme sich und anderen ersparen. Man stellt unmißverständlich klar: Bei Überschreiten eines Schwellenwertes in der unerwünschten Richtung wird geschlossen (Lock-Down), bei Unterschreiten wird geöffnet  (Lock-erung). Gleichzeitig wäre festzulegen, ab welcher Dauer einer Über- oder Unterschreitung eines Schwellenwertes eine Intervention, z.B. nach drei Tagen in Folge oder mehr als vier von sieben Tagen, stattfindet. Ein wenig komplizierter ist die Frage, wie man mit Inzidenzunterschieden zwischen verschiedenen Gebieten umgeht, aber auch das könnte man für alle verbindlich mit Gültigkeit ein halbes Jahr lang festlegen.

Das letzte “Lock” steht für Locken oder Lockangebot. Man mache sich klar, dass beim Besiegen der Pandemie eine (in Teilgebieten wie Reisen, Home-office, internationale Arbeitsteilung auch neu zu bestimmende) Normalität lockt. Es ist für fast jede(n) gut, wenn die Pandemie endet. Wirtschaft und Lebensschutz und kulturelle Bedürfnisse stehen nicht gegeneinander, sondern miteinander. Für alles muss die Pandemie-Inzidenz unter 3 gedrückt werden. Also zusammen helfen! Dann wären viel mehr Leute, sogar in Sachsen und Berchtesgaden motiviert, ihre sinnlose “Corona-Müdigkeit” zu überwinden, wenn sie wüßten, “die Hotels und Gaststätten machen bei unter 25 wieder auf”. Dann würde sogar die Dehoga mithelfen, statt immer lauter zu jammern.

Hier nur ein mögliches Beispiel, wie man mit Lockerungen locken könnte.

Unter 1024: Der grenzüberschreitende LKW-Verkehr ist wieder erlaubt (und weitere 10 – 20 Festlegungen verordnen)

Unter 512: Arztbesuche sind uneingeschränkt möglich (und weitere 10 -20 Festlegungen)

Unter 256: Nächtlicher Ausgang im eigenen Landkreis uneingeschränkt möglich (und weitere 10 -20 Festlegungen)

Unter 128: Nächtlicher Ausgang in allen Nachbarlandkreisen unter 128 uneingeschränkt möglich, (und weitere 10 -20 Festlegungen)

Unter 64: Friseure dürfen mit bestimmten Hygienekonzept öffnen, (und weitere 10 -20 Festlegungen)

Unter 32: Kindergärten dürfen mit bestimmten Hygienekonzept für alle öffnen (und weitere 10 -20 Festlegungen)

Unter 16: Mannschaftssport in Vereinen wird wieder zugelassen, alle Läden öffnen (und weitere 10 -20 Festlegungen)

Unter 8: Alle Veranstaltungen unter 500 Personen sind wieder erlaubt (und weitere 10 -20 Festlegungen)

Unter 4: Alle Veranstaltungen sind wieder erlaubt (und weitere 10 -20 Festlegungen)

Unter 2: Es gibt keinerlei Beschränkungen mehr.

Insgesamt würde eine (Excel-fähige) Tabelle aus Inzidenzen (Zeilen), Inzidenzkonstellationen, also Unterschiede in den Gebietskörperschaften (weitere Zeilen) und handelnden Entscheidungsträgern (Spalten) entstehen: Für jede Zelle dieser Matrixtabelle ist – ein halbes Jahr lang – für alle einsehbar festgelegt, was passiert.

Tobias Hampel