…übrigens aber „laßt uns machen“. Kants zeitlos gültiger Ratschlag an die Wirtschaftspolitik

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Mai 312026
 

„Ein französischer Minister berief einige der angesehensten Kaufleute zu sich und verlangte von ihnen Vorschläge, wie dem Handel aufzuhelfen sei: Gleich als ob er darunter die beste zu wählen verstände. Nachdem einer dies, der andere das in Vorschlag gebracht hatte, sagte ein alter Kaufmann, der so lange geschwiegen hatte: Schafft gute Wege, schlagt gut Geld, gebt ein promptes Wechselrecht und dergleichen, übrigens aber »lasst uns machen«!

Diese Anekdote erzählt uns Immanuel Kant im ersten Abschnitt seiner Schrift „Der Streit der Fakultäten“.

Hat uns Kant heute noch etwas zu sagen? Sollte man als Politiker heute noch Kant lesen, Kant beherzigen? Ich erinnere mich, dass immerhin US-Präsident Barack Obama bei seiner Rede am Brandenburger Tor am 19.06.2013 ausdrücklich den heute in Deutschlands Politikszene weithin vergessenen Königsberger Philosophen zitierte mit dem Satz, es gebe „nur ein einziges dem Menschen, kraft seiner Menschheit, zustehendes Recht: die Freiheit.“

Ausgehend von solchen Grundeinsichten müssten wir von unseren Politikern eigentlich erwarten dürfen, dass sie unsere Freiheit nur dann einschränken würden, wenn eine dringende Notwendigkeit, oder aber die Gefahr der Freiheitsbeschränkung anderer Menschen dies geböte.

Doch von dieser weisen Beschränkung der Durchgriffsrechte der Politik gegenüber der Wirtschaft sind wir derzeit himmelweit entfernt!

Dafür zwei zufällig gewählte Beispiele: Nach geltender Gesetzeslage, niedergelegt im Energieeffizienzgesetz (EnEfG), muss der Energieverbrauch Deutschlands bis 2030 um etwa 15 Prozent sinken. Jan W. Schäfer weist uns am 31.05.2026 in der BILD darauf hin. Hier bequem nachzulesen:

https://www.gesetze-im-internet.de/enefg/BJNR1350B0023.html

Auffällig an diesem Musterbeispiel der staatsautoritären Planwirtschaft, wie sie besser auch die COMECON-Länder des Warschauer Paktes nicht hätten hinbekommen können, ist, dass die vorgeschriebene Minderung des deutschen Endenergieverbrauches bis auf die zweite Nachkommastelle für die einzelnen Bundesländer aufgeschlüsselt ist. Kaum zu glauben — woher nehmen die Politiker eigentlich dieses detaillierte Wissen über das, was bis zum Jahr 2030 zu geschehen hat? Planen sie etwa schon die weitere Deindustrialisierung der deutschen Volkswirtschaft?

Ein weiteres Lehrbuchbeispiel staatsautoritärer Planwirtschaft bringt uns die EU-Richtlinie 2023/970, die „Entgelttransparenzrichtlinie“.

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32023L0970

René Pfister berichtet darüber am 30.05.2026 ausführlich im SPIEGEL:

„Die EU-Richtlinie 2023/970 jedenfalls hat das Zeug, jedes Unternehmen, das angesichts der aktuellen Wirtschaftslage schon am Abgrund steht, endgültig über die Klippe zu schubsen. Die »Entgelttransparenzrichtlinie«, wie sie im schönsten Bürokratendeutsch heißt, sieht nicht nur vor,  dass Unternehmen ab 100 Mitarbeitern künftig den Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen allgemein dokumentieren müssen. Sondern sie zwingt Firmen auch dazu, das Entgeltgefälle im Median auszuweisen. Außerdem muss festgehalten werden, ob und wie Boni und andere variable Gehaltsbestandteile an Männer und Frauen ausgeschüttet werden. Und wie die Verteilung zwischen den Geschlechtern in verschiedenen Gehaltsgruppen aussieht.“

Nicht zu vergessen: Es werden jetzt nach geltender Rechtslage „Überwachungsstellen“ eingerichtet (von welchem Geld eigentlich?), die kontrollieren werden, ob die um ihre Existenz kämpfenden Unternehmen wenigstens noch ihren Berichterstattungspflichten, die sich aus der Entgelttransparenzrichtlinie ergeben, einhalten. Mein einfacher Schluss lautet: Wir haben zu viel Politik, zu viele Politiker im Lande, die nach immerwährender Beschäftigung suchen!

Ich beklage diese zunehmende Übergriffigkeit der Politik und empfehle noch einmal einen Blick in die Schriften Immanuel Kants… und wenn die Berichterstattungspflichten den Politikern keine Zeit zum Lesen eines Buches lassen, mögen sie den schlichten Ratschlag des französischen Kaufmanns bedenken:

Schafft gute Wege, schlagt gut Geld, gebt ein promptes Wechselrecht und dergleichen, übrigens aber »lasst uns machen«!

Quelle: Der Streit der Facultäten in drey Abschnitten von Immanuel Kant. Königsberg, bey Friedrich Nicolovius, 1798. Hier: A S. 9,10,11

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„Behütet in Bayern aufwachsen, in einer großen Familie groß zu werden“ – ist das Heimat? Kann das Heimat sein?

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Mai 282026
 

„Was ist für dich Heimat?“ Wir setzen unsere Betrachtungen im Anschluss an Sandra Hüllers skeptische Ablehnung des Heimatbegriffes fort und fragen heute abend bei den Musikerinnen von Salut Salon an. „Was ist für dich Heimat?“ Wir hatten im Zwiegespräch mit Sandra Hüller gefunden, dass Heimat zunächst einmal kein politischer, sondern ohne jeden Zweifel ein zutiefst persönlicher Begriff ist; jeder wird also eine andere Antwort auf diese Frage geben – und darf und soll dies auch tun!

Was man unter Heimat versteht, das hängt wohl zu großen Teilen von der Erfahrung der eigenen Kindheit ab. Die Cellistin Maria Well etwa sagt es so: „Ich komme aus Bayern. Ich muss sagen, ich bin wahnsinnig behütet aufgewachsen.“ Und sie empfindet dies im nachhinein als Privileg, als großes Glück.

Es lohnt sich, in diesem Video den vier sehr unterschiedlichen Antworten der vier so unterschiedlichen Künstlerinnen zuzuhören! Sie alle eint, dass sie den Begriff Heimat mit Glück, mit einer grundsätzlich guten, gelungenen Kindheit verbinden. Und aus diesem Grundgefühl der Zugehörigkeit, die sich in der Vergangenheit als leibhaftige Erfahrung gebildet hat, speist sich ein großes Ja-Sagen, besser: ein Ja-Singen zu diesem Leben, mit all seinen Zweifeln, Ängsten, Schattenseiten. Man spürt darin ein Hervorleuchten, man hört ein hervorquellendes, ein unversiegliches Verlangen und Streben nach Freude, nach einer sich aus der Tiefe der Vergangenheit wiederholenden Freude, die sich in der Weitergabe, im Weiterschenken erfüllt und selber für andere zur Beheimatung, zur Empfindung des tiefen tiefen Glücks werden kann.

Bild: Dorfkirche mit Dorfweiher in Klein Herrlitz/Malé Heraltice, Sudetenschlesien – das Heimatdorf, in dem der Vater des hier Schreibenden von 1925-1946 seine Kindheit erlebte. Aufnahme des Verfassers vom 24.05.2026

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„Der Wald, die Menschen, das Essen“: das ist Sandras Heimat

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Mai 202026
 

Was ist Heimat? Keine einfache Frage! Besser, leichter zu beantworten ist folgende Frage: Was ist deine Heimat? Noch einfacher ist die Frage zu beantworten – Kde domov můj, wo ist meine Heimat, kde domov můj?“ – wie es in der tschechischen Nationalhymne heißt. Gutes, tiefschürfendes Nachdenken der Schauspielerin Sandra Hüller, dem ich an diesem Morgen nachsinnen darf. Bei allem Zweifeln am Begriff der HEIMAT gibt die aus Thüringen stammende Aktrice im aktuellen SPIEGEL eben dann doch eine sehr persönliche Antwort:

Vielleicht sei Heimat eher ein Ort, »den man nicht erklären muss«.

Einen festen Anker habe sie dennoch: Thüringen, wo sie geboren wurde. »Der Wald dort oder die Menschen, das Essen.« 

https://www.spiegel.de/panorama/leute/sandra-hueller-mag-den-begriff-heimat-nicht-a-f7a67744-8e84-4958-8bd3-29a434bc7475

Heimat lässt sich also als etwas Persönliches, Erlebtes, Gegebenes, Geschenktes, nicht Erklärbares und folglich nicht Erklärungsbedürftiges erzählen, schmecken, fühlen, riechen. Heimat ist etwas, das in den Kern der Persönlichkeit hineinreicht. Insoweit lässt sich Heimat durchaus mit der Muttersprache, mit der Sprache der Mutter vergleichen.

Wie steht es nun aber um den von Sandra Hüller beigezogenen politischen Gebrauch oder auch politischen Missbrauch des Heimatbegriffes? Ich meine: Zunächst einmal ist Heimat durchaus auch Gegenstand politischen Handelns. Schutz und Bewahrung des heimatlichen Thüringer Waldes, oder des heimatlichen Böhmerwaldes, Schutz und Existenzsicherung der in Thüringen oder Tschechien lebenden Menschen, das Weiterkochen des Thüringer oder des böhmischen Essens – das sind kein schlechten, keine verwerflichen Absichten in der Politik Thüringens oder Tschechiens. Oder irre ich mich?

Verhängnis und Missbrauch des Heimatbegriffs treten immer dann ein, wenn dieser so starke, unbestreitbare Sinn für Heimat vor den eigenen Karren politischen Machtstrebens gespannt wird, insbesondere dann, wenn HEIMAT und VATERLAND – zwei durchaus unterschiedliche Begriffe! – verschmolzen werden, so geschehen natürlich in dem bis heute nachwirkenden, nationalistischen und nationalsozialistischen, berauschenden Überschwang, durch den gerade in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts Schindluder getrieben wurde. Dieser Missbrauch gerade auch durch die Deutschen in der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) legte sehr viele europäische Heimaten, übrigens auch einige deutsche Heimaten in Schutt und Asche, kostete Millionen europäische Menschen, übrigens auch viele deutsche Menschen Leben und Heimat, beschädigte und verletzte bis zum heutigen Tage in der deutschen Seelenlage und der deutschen Sprache so einfache, elementare, zeitenüberdauernde Wörter wie Wald, Heimat, Essen, Deutsch, Familie, Volk, Muttersprache, Deutschland, Vaterland. Insofern sind und bleiben wir Deutschen in einem unheilvollen Sinne das unauslöschlich gezeichnete Volk.

Darin gebe ich Sandra Hüller recht, deren Heimat der Wald, die Menschen, das Essen in Thüringen sind und hoffentlich bleiben. Allem anderen zum Trotz.

Bild: Immer wieder staunen wir darüber, wie viele Grüntöne es im Walde gibt! Blick in den Grunewald am Wannsee, 17. Mai 2026. Ja, ein paradiesischer Augenblick war das im heimeligen, anheimelnden, im grunelnden Grunewald, nachdem es vorher kräftig geregnet hatte! Alles leuchtete, alles strahlte, und auch mein Herz strahlte und leuchtete mit jedem Blatt!

 Posted by at 09:05