Mai 202026
 

Was ist Heimat? Keine einfache Frage! Besser, leichter zu beantworten ist folgende Frage: Was ist deine Heimat? Noch einfacher ist die Frage zu beantworten – Kde domov můj, wo ist meine Heimat, kde domov můj?“ – wie es in der tschechischen Nationalhymne heißt. Gutes, tiefschürfendes Nachdenken der Schauspielerin Sandra Hüller, dem ich an diesem Morgen nachsinnen darf. Bei allem Zweifeln am Begriff der HEIMAT gibt die aus Thüringen stammende Aktrice im aktuellen SPIEGEL eben dann doch eine sehr persönliche Antwort:

Vielleicht sei Heimat eher ein Ort, »den man nicht erklären muss«.

Einen festen Anker habe sie dennoch: Thüringen, wo sie geboren wurde. »Der Wald dort oder die Menschen, das Essen.« 

https://www.spiegel.de/panorama/leute/sandra-hueller-mag-den-begriff-heimat-nicht-a-f7a67744-8e84-4958-8bd3-29a434bc7475

Heimat lässt sich also als etwas Persönliches, Erlebtes, Gegebenes, Geschenktes, nicht Erklärbares und folglich nicht Erklärungsbedürftiges erzählen, schmecken, fühlen, riechen. Heimat ist etwas, das in den Kern der Persönlichkeit hineinreicht. Insoweit lässt sich Heimat durchaus mit der Muttersprache, mit der Sprache der Mutter vergleichen.

Wie steht es nun aber um den von Sandra Hüller beigezogenen politischen Gebrauch oder auch politischen Missbrauch des Heimatbegriffes? Ich meine: Zunächst einmal ist Heimat durchaus auch Gegenstand politischen Handelns. Schutz und Bewahrung des heimatlichen Thüringer Waldes, oder des heimatlichen Böhmerwaldes, Schutz und Existenzsicherung der in Thüringen oder Tschechien lebenden Menschen, das Weiterkochen des Thüringer oder des böhmischen Essens – das sind kein schlechten, keine verwerflichen Absichten in der Politik Thüringens oder Tschechiens. Oder irre ich mich?

Verhängnis und Missbrauch des Heimatbegriffs treten immer dann ein, wenn dieser so starke, unbestreitbare Sinn für Heimat vor den eigenen Karren politischen Machtstrebens gespannt wird, insbesondere dann, wenn HEIMAT und VATERLAND – zwei durchaus unterschiedliche Begriffe! – verschmolzen werden, so geschehen natürlich in dem bis heute nachwirkenden, nationalistischen und nationalsozialistischen, berauschenden Überschwang, durch den gerade in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts Schindluder getrieben wurde. Dieser Missbrauch gerade auch durch die Deutschen in der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) legte sehr viele europäische Heimaten, übrigens auch einige deutsche Heimaten in Schutt und Asche, kostete Millionen europäische Menschen, übrigens auch viele deutsche Menschen Leben und Heimat, beschädigte und verletzte bis zum heutigen Tage in der deutschen Seelenlage und der deutschen Sprache so einfache, elementare, zeitenüberdauernde Wörter wie Wald, Heimat, Essen, Deutsch, Familie, Volk, Muttersprache, Deutschland, Vaterland. Insofern sind und bleiben wir Deutschen in einem unheilvollen Sinne das unauslöschlich gezeichnete Volk.

Darin gebe ich Sandra Hüller recht, deren Heimat der Wald, die Menschen, das Essen in Thüringen sind und hoffentlich bleiben. Allem anderen zum Trotz.

Bild: Immer wieder staunen wir darüber, wie viele Grüntöne es im Walde gibt! Blick in den Grunewald am Wannsee, 17. Mai 2026. Ja, ein paradiesischer Augenblick war das im heimeligen, anheimelnden, im grunelnden Grunewald, nachdem es vorher kräftig geregnet hatte! Alles leuchtete, alles strahlte, und auch mein Herz strahlte und leuchtete mit jedem Blatt!

 Posted by at 09:05

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