Apr 062011
 

Im Jahr 1972 las ich erstmals als 12-jähriger Gymnasiast den Bericht des Club of Rome. Die Botschaft war eindeutig: Wenn wir so weitermachen, zerstören wir die Erde! Ein dumpfes Gefühl der Angst beschlich mich. War es noch zu verantworten, Kinder in die Welt zu setzen? War es nicht unverantwortlich von unseren Eltern, uns Kinder in eine derart von Umweltzerstörung, Kriegen und Atomunglücken geprägte Welt hineinzugebären? Würden wir im Jahr 1990 noch leben? So fragten wir nicht nur stillscheigend, sondern ganz offen!

Die tiefe Verunsicherung, welche die damals entstehende Ökologie- und Anti-Atom-Bewegung in die Kinderseelen einpflanzte, hat eine ganze Generation geprägt. Diese Generation der etwa 50-Jährigen stellt heute das Führungspersonal in großen Teilen der Parteien. Diese Bangnis überlagerte in mir nach und nach wie Mehltau das tiefe Urvertrauen, das ich in meiner frühen Kindheit erlebt hatte. Bis zum heutigen Tag entdecke ich in vielen Deutschen eine völlig überflüssige, eine lähmende Zukunftsangst und Kleinmütigkeit. Sie stürzen sich mit Wollust auf Unglücksnachrichten, quälen sich mit düsteren Ahnungen und vergessen dabei, das Leben wie es kommt und ist anzupacken. Ganz zu schweigen davon, dass niemandem, der in Not ist, geholfen wird, wenn er wieder und wieder hört: “Die Welt ist bedroht. Du bist Opfer. Böse Mächte haben uns alle im Griff.” In meinem Bekanntenkreis hatten wir vor wenigen Jahren einen schrecklichen Selbstmord zu beklagen. Der Jugendliche hatte ausdrücklich  die unaufhaltsame Umweltzerstörung und die weltweit tobenden Kriege als Auslöser seines Freitodes genannt!

Heute wissen wir: Die Voraussagen des Club of Rome waren viel zu düster. Sie sind nicht eingetreten. Ihre Voraussetzungen waren teilweise wissenschaftlich falsch, teilweise wurde durch das Handeln der Menschen Abhilfe geschaffen. Das Ausmaß der Umweltschädigung in den sozialistischen Staaten war größer als bekannt. Die Abhilfe gegen die unleugbare Umweltzerstörung war in den freien Marktwirtschaften besser, effizienter, als man damals annahm. Insbesondere die natürlichen Ressourcen haben sich als viel größer herausgestellt als damals angenommen. Der Hunger, die Kindersterblichkeit, die Zahl der Kriege sind seit 1970 zurückgegangen, obwohl die Erdbevölkerung zugenommen hat.

Aber diese düstere Grundstimmung wird weiterhin in die Kinderseelen eingepflanzt. Soeben sah ich mit meinem Sohn logo, die Kindernachrichten des öffentlichen Fernsehens KiKa. Aufmacher der ganzen Sendung: “Verseuchtes Wasser quillt unaufhörlich aus dem AKW Fukushima in das Meer, Radioaktivität wird von Fischen aufgenommen, gelangt in die Nahrungskette.” Unterschwellige Botschaft an die Kinder: “WIR SIND ALLE BEDROHT.  Die japanischen AKWS fügen uns unermesslichen Schaden zu!”

Diese Angst der Deutschen vor Verunreinigung, vor Verseuchung, vor Zerstörung durch fremde Mächte hat schon sehr viel Unheil bewirkt. Ist es eine typisch deutsche Angst? Ja! Genau diese Angst hat zu den größten Demonstrationen in der Geschichte der Bundesrepublik geführt!

Ich halte diese Panikmache bei den Kindern, wie sie etwa KiKa einflößt, für unverantwortlich. Mit teilweise unhaltbaren, teilweise falschen Aussagen wird den Kindern, die den KiKa kucken, eine tiefe Weltangst eingepflanzt. Die Aufmerksamkeit der Kinder wird auf einen einzelnen fernen Punkt in Japan fokussiert. Fukushima – das ist das Böse. Das tiefe Leid der Menschen, die durch den Tsunami (nicht durch den Unfall im AKW) ihre Habe und ihr Obdach verloren haben, wird überhaupt nicht erwähnt. Das ist obendrein zynisch.

Toll dagegen, wie Schalke gestern Abend Inter Mailand zerlegt hat!  Rangnick hat die Mannschaft gedreht, obwohl Magath große Verdienste um den Spielaufbau erworben hat. Magath kommt in der Darstellung meist zu schlecht weg, finde ich. Die Grundeinstellung stimmte einfach! Sie haben sich durch das frühe Tor nicht entmutigen lassen. Eine Zuversicht, ein Glück des Gelingens war in den allermeisten Spielzügen zu erkennen. Keine Spur von Zukunftsangst! Sehr gut!

KI.KA – Fernsehen – logo

 Posted by at 21:07
Apr 032011
 

“Dumme Frage! Kuck Dich doch um! Die Demos vom letzten Wochenende sprechen eine deutliche Sprache!”

Aha. Der Atomtod. Er rafft uns bald dahin. In Japan wurden jetzt in Fukushima die ersten zwei toten AKW-Arbeiter gefunden. Hingerafft durch den Tsunami.  “Aber fast wären es die ersten beiden Strahlentoten geworden.”

Wo ist die Bürgerbewegung für besseren Tsunamischutz in Deutschland? Tsunamis können jeden treffen!

Todesursache – Wikipedia

Etwa 200.000 Menschen sterben pro Jahr vorzeitig und überflüssigerweise in Deutschland an Herz-Kreislauferkrankungen, ausgelöst durch Übergewicht und Bewegungsmangel. Bewegungsmangel und Übergewicht sind die beiden größten gesundheitlichen Gefahren in Deutschland. Alles andere kommt weit, sehr weit danach! Wo ist die Ausstiegsbewegung aus Bewegungsmangel und Übergewicht?

Etwa 4500 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland im PKW-Straßenverkehr, ausgelöst durch Unachtsamkeit, überhöhte Geschwindigkeit, Trunkenheit, StVO-Missachtung usw. Wo ist die Ausstiegsbewegung aus dem PKW-Straßenverkehr?

Die Angst vor dem Strahlentod wird künstlich geschürt, hat jedes Maß verloren. Irrational. German Angst. Die Franzosen ticken anders, die Israelis ticken anders, die Iraner ticken anders. Nur die Deutschen haben diese Heidenangst.

Wie konnten es die Grünen verantworten, die AKWs auch nur einen Tag am Netz zu lassen, als sie an der Regierung waren?

 Posted by at 13:48

Wird der Mehringdamm jetzt zur zweiten Karl-Marx-Straße?

 Geld, Karl Marx, Seuchen  Kommentare deaktiviert für Wird der Mehringdamm jetzt zur zweiten Karl-Marx-Straße?
Dez 022010
 

Bozhe moj! Was für ein herrliche Kälte! Was für ein herrliches Schneetreiben!  Nachdem ich mein Rad zum Reifenwechsel in der Werkstatt abgegeben habe, stapfe ich rüstig durch den Schnee nachhause! Brrr! Ein bisschen Wärme täte gut! Mein Auge fällt auf die beiden neueröffneten Glücksspiel-Lokale am Mehringdamm. GLÜCK! Ich trete ein. Eine wohlige, angenehme Atmosphäre empfängt mich. Freundliche, aufgeräumte Mitarbeiter und Besucher, Getränke-Automaten stehen bereit. Ich nehme Platz an einem Automaten. Ein Warnhinweis belehrt mich: “An diesem Gerät ist der Höchsteinsatz gesetzlich auf 500.- Euro pro Stunde begrenzt.” Ich werfe 10 Cent ein, bleibe aber stecken im Gewirr der Angebote. Ich breche ab.

Ich müsste öfter hierherkommen, um endlich mitreden zu können! Jedenfalls konnte ich mich aufwärmen.

Zuhause angelangt schlage ich die heutige BILD (Berlin-Ausgabe) auf. Jan Wehmeyer berichtet auf Seite 6 über die Geschäftsmodelle der Spielsalons: Verwandte werden mit Lohn und Brot versorgt. Bei Verstößen wird einfach ausgewechselt. Gastlichkeit ist großgeschrieben! “Wer spielen lässt, gewinnt!” Das Finanzamt ist dem Geschick und dem Einfallsreichtum der Betreiber weit unterlegen.

Spielhölle Berlin: BILD-Report über eine Großstadt-Seuche – Berlin – Berlin – Bild.de

O je! Die wärmende Erfahrung meines Spielhallenbesuchs wird mir von der BILD kaputtgemacht!

Ich denke über diesen kurzen Abschnitt des Mehringdammes nach:

Der Blumenladen, in dem ich noch vor wenigen Monaten einkaufte, hat dichtgemacht. Vorgestern wollte ich dort einen Adventskranz kaufen. Pustekuchen!  Ebenso wie ein Presseladen.

Zwei sehr große Spielhallen haben ein paar Schritte weiter aufgemacht. Und wieder ein paar Schritte weiter gibt es jetzt wieder einen jener zahllosen Handyläden. So viel können die Leute doch gar nicht telefonieren?!

Spielhallen aneinandergereiht, Handyläden aneinandergereiht, gut eingeführte Blumen- und Presse-Läden, die sterben und dichtmachen – das Bild kenne ich! Es ist das Bild an vielen Straßen Neuköllns, so etwa in der Karl-Marx-Straße und der Sonnenallee.

Kommunalpolitiker, aufgepasst! Der Mehringdamm droht zu kippen!

Ich hoffe von Herzen, dass wenigstens der Buchladen Anagramm sich hält. Wir kaufen schon recht fleißig in ihm. Sie bestellen jedes Buch! Er sieht schon sehr klein und verloren neben seinen riesigen beiden neuen Nachbarn aus.

Berlins SPD hat gefordert, dass ein Mindestabstand von 1000 m zwischen Spielhallen einzuhalten sei. Das wird nicht reichen. Das geht der CDU (und mir auch) nicht weit genug. Ich würde als Kommunalpolitiker Spielhallen wirklich nur in sehr sehr geringer Zahl oder besser gar nicht zulassen. Am Mehringdamm haben wir schon mindestens eine zuviel. Lieber endlich ein lautes Jugend-Hostel als noch so eine Spielhalle!

Lest die Berliner BILD von heute S. 6, schlendert mal am Mehringdamm entlang, links und rechts von der Deutschen Bank – euch werden die Augen übergehen. Seht die Signale!

 Posted by at 13:19
Aug 282009
 

Eines schlechten Rufes erfreuen sich in der Radler-Szene die Radwege. Sie sind meist handtuchbreite Rüttelstrecken und Holperteppiche. Sie sind nachweislich unfallträchtig. Sie sind die Pest für jeden gesunden, jungen, kräftigen und selbstbewussten Radler!  Hierzu schreibt der STERN auf seinen Auto-Seiten in einem sehr lesenswerten Artikel:

Radfahr-Offensive: Freie Fahrt für freie Radler – Auto | STERN.DE
Radwege sind die Pest – für den, der vorankommen will. Viel zu schmal, mit aufgeplatztem Asphalt behindern sie den Pedalisten. Meistens sind es bauliche Verlegenheitslösungen. Sie führen plötzlich auf eine Parkspur, enden gern einfach mal so und folgen unmöglichen Kurven – nur um dem Autofahrern das Abbiegen zu erleichtern. Für Oma auf dem Weg zum Markt reicht das aus. Wer das Rad als Alternative zum Auto begreift, morgens zur Arbeit will und dabei eine Geschwindwindigkeit von mindestens 25 km/h einplant, muss dagegen auf die Straße.

Aber was ist mit den nicht ganz so jungen, den unsicheren, den zittrigen Radfahrerinnen und Radfahrern? Immer wieder spreche ich mit solchen. So gehen in den Fachdebatten häufig unter, werden an den Rand gedrängt. Sie fühlen sich sicher, wenn sie ihren breiten, schön markierten Radweg haben, wo sie nicht bedrängt und nicht angehupt werden.

Ich meine: An manchen Straßen, insbesondere an vielbefahrenen Durchfahrtsstraßen sind breite, ebene, gut gepflegte, vom Fußgänger- und Autoverkehr eindeutig abgesetzte jederzeit gut einsehbare Radwege keineswegs empörend, unsittlich, oder entwürdigend. Sie sind keine Pest. Sie sind ein Argument auch für langsame, unsichere und ältere Radler, das Auto öfter stehen zu lassen.

Unser Foto zeigt eine “Rad-Autobahn” in der Stadt Padua.

 Posted by at 07:33