Jan 062010
 

Und hier kommt Futter für euch! Mit den nachstehenden Gedanken stellte ich mich gestern der Nominierung und konnte die Parteifreunde von CDU umdenken dafür gewinnen, mich als Kandidaten ins Rennen um den Kreisvorsitz zu schicken. Und jetzt ran ans Leitbild! Lest selbst. Kommentiert. Macht euch Gedanken.

1.       1. “Die Aufsteigerrepublik” Armin Laschets, “die soziale Marktwirtschaft”, “die wachsende Stadt” eines Ole von Beust – das alles sind Beispiele für prägnante, positiv nach vorne weisende Leitbilder. Diese müssen das Fundament der Politik in Bezirk und Bundesland bilden. Leitbilder ruhen auf Leitbegriffen wie etwa der Menschenwürde oder der Freiheit  auf.

2.       2. “Einigkeit und Recht und Freiheit”, das ist ebenfalls ein solches Leitbild. Wir erkennen: Leitbilder müssen klar sein, sie müssen einfach sein, und sie müssen oft wiederholt werden. Sie sind keine Selbstverständlichkeit. Sie müssen durch Wiederholung und Werbung in Fleisch und Blut übergehen.

3.       3. Das Arbeiten für das Leitbild muss das Auftreten der Partei prägen. Wir brauchen Sätze wie etwa: „„Das Wichtigste ist, dass die Kinder eine Zukunft erarbeiten können““, oder: „“Das Wichtigste ist, dass unser Bezirk, unsere Stadt Erfolg hat.“ Was können wir dafür tun?“

4.       4. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist wie die Stadt Berlin durch eine starke Zerklüftung und zunehmendes Auseinanderdriften der verschiedenen Bevölkerungsteile geprägt. Die zersplitterten Milieus versuchen nun, das jeweils Beste für sich herauszuholen, da sie sich keinem gemeinsamen Leitbild verantwortlich wissen. Die Politik, der Staat wird fast nur noch als „Anspruchsgegner“ wahrgenommen, nicht als gemeinsame Sache. So sind etwa die Autozündeleien ein, aber auch nur ein Ausdruck dieses Anspruchsdenkens: „Ich hol mir was ich will und wenn ich es nicht krieg dann schlag ich zu.“

5.       5. Die Stadt kann zusammenwachsen, wenn die Menschen zu Personalität und Subsidiarität zurückfinden. Personalität heißt, dass jede und jeder sich als unverwechselbare, unendlich wertvolle, freie, verantwortliche Einzelpersönlichkeit erfahren kann. Subsidiarität bedeutet, dass die jeweils niedrigste Ebene des Zusammenlebens die erste Zuständigkeit beansprucht: Der Einzelne – die Familie –  die Schule – der Betrieb – das Haus – die Nachbarschaft: das sind diese untersten Ebenen. Sie gilt es zu stärken und zur Verantwortung zu rufen.

6.       6. Die Politik der zusammenwachsenden Stadt steigt von unten nach oben auf. Im Gegensatz zur von oben herab ausgleichenden, verteilenden Gerechtigkeit, wie sie etwa die SPD bevorzugt, muss die CDU die Allzuständigkeit der oberen Ebenen bewusst zurückdrängen. „Die Politik“ muss sehr viel bescheidener auftreten. Sie darf nicht so viel versprechen. „“Wir kümmern uns um euch“,“ –dieser Satz führt die CDU in die Sackgasse eines Versorgungsstaates. Statt dessen muss es heißen: „“Kümmere dich um dich selbst, um deine Familie, um deine Nächsten. Lerne. Arbeite.  Ihr seid die Schmiede eures Glücks. Der Staat kann euch nicht glücklich machen.““

7.       7. Hat man sich auf dieses Leitbild geeinigt, so gilt: Bei allen Aktionen der CDU Friedrichshain-Kreuzberg muss der Aspekt des Zusammenwachsens durchscheinen. Die Partei muss Partner in der Zivilgesellschaft suchen und dauerhafte Bündnisse eingehen. Das setzt voraus, dass die CDU dem Unions-Gedanken volles Vertrauen schenkt.

Alle werden dieses Leitbild freudig begrüßen. Keiner wird sich der Anziehungskraft dieser guten Idee entziehen. Statt immer nur mehr für sich zu verlangen, werden die Menschen sagen: „Da will ich mitmachen!”

Gemeinsam gelingt die zusammenwachsende Stadt. 

 Posted by at 13:37

  4 Responses to “Die zusammenwachsende Stadt”

  1. Danke, dass Sie so viele Gemeinsamkeiten feststellen! In der Tat glaube ich, dass über 60% aller Entscheidungen im Konsens zwischen uns und vielen anderen getroffen werden könnten.

    Wir brauchen Ganztagsangebote, Ganztagsbetreuung im Angebot. Ob das zwangsweise sein muss, weiß ich nicht. Das ist die große Frage. Ich gehe aber davon aus, dass die allermeisten Eltern gerne ihre Kinder tagsüber in die Obhut des Staates geben würden, damit er was „Gescheites aus ihnen macht“.
    Noch mal danke für Ihre Kommentare aus München!

  2. Nachdem ich jetzt schon einige Monate lang jeden Beitrag in Ihrem Blog gelesen habe, komme ich zu der Vermutung, dass wir beide trotz der „philosophischen“ Differenz fast immer zu einer gemeinsamen Entscheidung kämen, wenn’s um das Politisch-Praktische vor Ort geht.

    Und würden Sie mir nicht auch zustimmen müssen, wenn ich fordere, dass man all die Migrantenkinder, die in der Ghetto-Situation stecken, obligatorisch ganztags in Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen schicken und dort so betreuen müsste, dass sie trotz Familie und Ghetto perfekt Deutsch lernen und sich an unsere Art gewöhnen?

    (Wobei mir dann doch wieder Zweifel kommen, wenn ich an das denke, was „unsere Art“ wohl heute üblicherweise ist …)

  3. Herzlichen Dank, genau das habe ich mir gewünscht: kritische Einwände – und doch auch eine gewisse Anerkennung. Sie legen den Finger in der Tat auf die wunden Punkte! „Wir modernen Menschen überschätzen gerne unseren freien Willen und unterschätzen die Macht der äußeren Umstände.“ So schreiben Sie. Und genau hierin dürften wir uns unterscheiden. Ich meine nämlich eher das Gegenteil.

    Ich meine in der Tat, dass wir die Macht der äußeren Umstände im Durchschnitt zu hoch einschätzen, die Kraft der Freiheit zu gering. Das ist jedenfalls mein Eindruck in Berlin.

  4. Als Münchner Grüner kann ich da nicht mitmachen, aber ich finde dieses Leitbild ziemlich verführerisch …

    Nur in einem Punkt kriegen Sie mich nicht auf Ihre Seite, Herr Hampel: Der „Versorgungsstaat“ ist keine Sackgasse, und die Familie leider (!) in der Realität dieser Gesellschaft keine Alternative dazu. Der Staat muss konsequent ganztags und verpflichtend für viele Familien Kinderkrippe, Kindergarten und Schule bereitstellen – um die brutalen Defizite, die diese Gesellschaft produziert, zu kompensieren.

    „Personalität heißt, dass jede und jeder sich als unverwechselbare, unendlich wertvolle, freie, verantwortliche Einzelpersönlichkeit erfahren kann.“ (Punkt 5)

    Wer oder was verhindert denn, dass so etwas Wirklichkeit wird? Wie um Gottes willen soll man denn zum Beispiel in Berlin so ein Bild von sich selbst entwickeln,
    wenn man — arm ist? wenn man — keine Orientierung findet?
    wenn man — immer wieder die Missachtung anderer erlebt?
    wenn man — den starken Beifall für Sarrazin hört?
    wenn man — in der Schule keine Chance hat?
    wenn man — Eltern hat, die die Entwicklung ihres Kindes zur unverwechselbaren, eigenverantwortlichen Einzelpersönlichkeit eher als Albtraum erleben?

    Die Menschen werden von ihrer Umwelt geprägt. So wie die Menschen sind, so sind sie eben geprägt worden. Wir modernen Menschen überschätzen gerne unseren freien Willen und unterschätzen die Macht der äußeren Umstände. Deshalb vernachlässigen wir die umsichtige Gestaltung der äußeren Umstände.

    Allerdings gebe ich Ihnen im Punkt 6 in einer Hinsicht recht: Die Umstände müssen so gestaltet werden, dass das konstruktive Handeln tatsächlich von unten her wachsen kann. Die sozialdemokratische Sozialplanung zeigt da ihre Schwächen: Sie basiert nicht auf einem wirklichen Respekt für die Klientel, für die sie plant. Sie handelt kalt-bürokratisch an den Seelen ihres Klientels vorbei.

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