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Advent

Alimentare l’amore reciproco – vom bleibenden Sinn des Weihnachtsfestes

Weihnachtsbäumchen im Tälchenweg, Naturpark Schöneberger Südgelände, Dezember 2020

“E’ incominciato dicembre e si avvicinano le feste più belle dell’anno…”

Am 3. Dezember 1944 trägt in Berlin der italienische Zwangsarbeiter Tiziano Di Leo folgende Sätze in sein Tagebuch ein, die wir ins Deutsche übersetzt haben, da sie wie in unsere Zeit hineingesprochen erscheinen:

“Der Dezember hat begonnen und die schönsten Feiertage des Jahres stehen vor der Tür: Weihnachten, Neujahr und das Dreikönigsfest. Die schönsten? Ja, sie waren einmal die schönsten, als die ganze Welt noch in Frieden lebte und die Familien an diesen Abenden zusammenkommen konnten, um die gegenseitige Liebe zu pflegen und hegen, die sie einte. Weihnachten und Neujahr waren einmal Tage so voller Heiterkeit und Freude, dass sie unauslöschlich im Gedächtnis bleiben, festliche Ereignisse, die heilsame Wirkungen auf die Seelen hatten, und es schien, als würden wir dadurch bessere Menschen. Jetzt ist das alles vergangen, und obwohl es in der Erinnerung lebendig bleibt, scheint es sehr weit weg zu sein. Ich weiß noch nicht genau, wie ich die kommenden Feiertage verbringen werde, aber […]”

Hier das italienische Original:

“E’ incominciato dicembre e si avvicinano le feste più belle dell’anno: Natale, Capodanno e l’Epifania. Più belle? Erano sì le più belle una volta, quando tutto il mondo era in pace e le famiglie poteva­no riunirsi in quelle sere alimentando l’amore reciproco che le univa. Natali e Capodanni di una volta, giornate così piene di serenità e di gioia da rimanere indelebili nella memoria, solen­nità che avevano negli animi effetti salutari e ci facevano sembrare più buoni. Ora tutto è passato e, pur restando vivido nella memoria, sembra tanto lontano. Non so ancora con precisione come trascorrerò le prossime feste, ma […]”

Zitatnachweis in der italienischen Originalausgabe:
Tiziano Di Leo: Berlino 1943-1945. Diario di prigionia. Fabriano: Centro studi Don Giuseppe Riganelli, 2000, S. 159