Bild: Blick auf das Märkische Meer, den Scharmützelsee in Wendisch-Rietz, aufgenommen gestern auf der Sonntags-Tour

Die auf Paraffin gemalten, geritzten, eingeriebenen, eingearbeiteten Bilder Heike Jeschonneks prägten den Abend – einen langen, hinausgezögerten Vorsommerabend.
Ich gehe zur Eröffnung der Ausstellung.
Unterwegs, an der Ecke Obentrautstraße/Mehringdamm fragt mich eine Touristin auf Englisch: „Entschuldigung, ich weiß nicht, wohin ich gehen soll. Was würden Sie mir raten?“
„Gehen Sie mit mir! Ich sehe doch, Sie interessieren sich für Kunst.“ Und so gehen wir zusammen hin. Ich erzähle von meiner Heimat Kreuzberg, sie erzählt von ihrer Heimat Tel Aviv. Wir gehen zur Eröffnung der Ausstellung in der Galerie Tammen und Partner in der Hedemannstr. 14 / Ecke Friedrichstr. in Kreuzberg.
Ich treffe viele Bekannte und Freunde, stelle ihnen meine neue Bekannte vor und lerne selbst einige neue Bekannte kennen, führe Gespräche über Städte, Bilder, Menschen und mit einer Finnin über „die wahren Finnen“.
Ich mag dieses Würfelspiel aus Bildern, Gesichtern und Gesprächen, typisch für die bunte treibende Berliner Kunstszene.
Aber am besten hat mir heute doch gefallen, dass ein unbekannter Mensch, der aus Israel nach Berlin gekommen war, mich gefragt hat: „Ich weiß nicht, wohin ich gehen soll. Was würden Sie mir raten?“ Dieses Vertrauen, das ich darin spüre, war ein riesiges Geschenk!
Es gibt so viel Negativität im Leben und auf der Welt. Terry Eagleton ist – nach seinem Buch zu urteilen – überzeugt, dass aufs Ganze gesehen die negativen Aspekte in der Weltgeschichte bisher bei weitem überwiegen. Sonach gibt es keinen endgültigen Trost für Hiob. Bisher!
Dennoch schließe ich den heutigen Tag mit der überwältigenden Bilanz ab: es gibt hier in Kreuzberg, in meinem Umfeld, deutlich mehr Vertrauen als Misstrauen, deutlich mehr Gutes als Schlechtes, deutlich mehr Liebe und Zuneigung als Neid und Misstrauen. Es tut mir leid für alle Philosophen der Negativität, für all die Schopenhauers, Adornos, Žižeks und Habermas‘.
Wir sind keine Gespenster, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die einander im Guten zugetan sind.
Die Evidenz des Guten, das ich erfahre, überwiegt noch den wortreichsten Versuch, mich vom Gegenteil zu überzeugen.
Immer wieder wird mir dann entgegnet: „Ja, aber: Auschwitz! Gulag! Hiroshima! Srebrenica!“ Darauf erwidere ich: Der Riesenunterschied zwischen Auschwitz und heute ist: Ich persönlich habe diesen heutigen Tag erfahren. Von Auschwitz habe ich nur gehört und gelesen. Es ist vergangen. Der heutige Tag, das Jetzt gibt den Ausschlag.
Bild: „Gespenster“ von Heike Jeschonnek.
Ich überfliege die Zeitungen: taz, FAZ, Morgenpost, das Übliche, von „linksalternativ“ über „mittig“ bis „Springer“ (wie die alten Kämpen und Kämpinnen bis zum heutigen Tage sagen) – dann die Auslandspresse, französisch, englisch, italienisch. Heute abend werde ich ja die Versammlung „Politik selber machen – Aufruhr in Arabien“ leiten. Da muss man schon fit sein. Denn die Bürger sind anspruchsvoll. Beginn 18 Uhr. Ort: Wirtshaus Stresemann, Stresemannstraße 48, Kreuzberg, Berlin, Deutschland, Europa, Welt. Alle Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen. Es lädt ein die CDU Kreuzberg-West.
Neben all den politischen und militärischen Erörterungen – für oder gegen Flugverbotszone, für oder gegen Intervention – interessiert mich vor allem auch der tragende Geist hinter den Bewegungen. Militärische Macht ist ja sozusagen blind. Dieselben Waffen können für oder gegen deinen Nachbarn, deinen Freund eingesetzt werden.
Libyens Geist: Bis der Schmerz nachlässt – Arabische Welt – Politik – FAZ.NET
„In den letzten Tagen hat sich etwas Grundlegendes verändert. Ich spüre es im ganzen Körper. Ich habe nicht in den Spiegel geschaut, aber vor meinem inneren Auge sehe ich, dass die Traurigkeit im Blick gewichen ist.“
Mit diesen Worten beginnt der Libyer Hisham Matar heute auf S. 33 der Frankfurter Allgemeinen Zeitung seinen sehr starken Bericht darüber, wie er sich fühlt. Sehr lesenswert! Ganz entscheidend: Das Land entdeckt sich neu. Libyen = Gaddafi – diese Gleichung wird nicht mehr aufgehen.
Die Bürger holen sich das Land zurück.
Frau und man trifft sich in der neuen Reihe „Politik selber machen!“ jeden Donnerstag um 18.00 Uhr in der Wirtschaft Stresemann, Stresemannstraße 48, Kreuzberg.
Donnerstag, 03. März (1): Aufruhr in Arabien. Die Umwälzungen in den arabischen Staaten werfen Fragen auf: Worum geht es? Was geht es uns an? Was können wir tun?
Donnerstag, 10. März (2): Sub-Metropole Kreuzberg. Pfade zu einem ökologischen Tourismus in Kreuzberg
Donnerstag, 17. März (3): Brauchen wir Parallelgesellschaften? Die Antworten der Sawsan Chebli, des Franz Schulz und des Burkard Dregger
Donnerstag, 24. März (4): Echte Männer braucht das Land!? Familien- und schulpolitische Ansätze für Kreuzberg
Donnerstag, 31. März (5): Braucht Berlins CDU eine Fahrradpolitik?
Proteste: Demo gegen kaltes Deutschland – Berlin – Tagesspiegel
Auch wenn die Bundesregierung ihr Sparpaket durch den Bundestag drückt, der Widerstand gegen die Umverteilungspolitik wird weiter gehen.
So ein Sprecher der „Antifaschistischen Linken Berlin“. Na, ich meine: ein bisschen Umverteilung sollte schon sein! Wir verteilen gegenwärtig etwa 34% der volkswirtschaftlichen Gesamtleistung als Sozialausgaben des Staates um. Die Tendenz: steigend, außer bei sehr guter Konjunktur. In Berlin steigt diese Umverteilung zugunsten der Sozialschwachen mal eben so um 7%!
Politik ist doch immer auch Umverteilungspolitik durch den Staat von Reich zu Bedürftig! Soll denn jeder selber für sein Leben aufkommen? Wollen die Linken Antifas wirklich alle Umverteilungspolitik beenden?
Toller herzerwärmender Bericht heute auf S. 12 des Tagesspiegels! Man demonstriert gegen die Kälte! Ach was! In unserem Land muss niemand erfrieren, niemand verhungern, aber es herrscht in der Tat eine gewisse mitmenschliche Kälte, weil alle sich auf den Staat hinausreden.
Ich hätte mich so gefreut, wenn ein einziges Mal diejenigen, die gegen die soziale Kälte protestieren, zu uns Unterschichtlern in die Araberschule gekommen wären. Aber nein. Das tun sie nicht. Man verschafft sich ein wohlig-warmes, ein gutes Gewissen, indem man den Staat belagert und den Staat um „soziale Wärme“ anfleht.
Was für ein getrockneter, tiefgefrorener Unsinn. Was für eine Heuchelei! Dass Lehrer für diese Heuchelei auch noch Unterrichtsbefreiung gewähren, stimmt mich richtig hitzig!
Voilà – da habt ihr eure Wärme!
Bild: neue Straßenmöblierung heute auf der Obentrautstraße
Russische Duette und Arien
Angelina Billington, Sopran
Irina Potapenko, Mezzosporan
Lala Isakova, Klavier
Konzert am 20. November 2010, 19.30 Uhr
Theater Russische Bühne
Kurfürstenstraße 123
10785 Berlin
An der Urania
Eintritt 15 / 10 Euro. Kinder bis 14 Jahren haben freien Eintritt.
Kartenreservierungen unter Tel. 0151 152 17 998
Am Wochenende erwarten mich wieder zwei tolle multikulturelle Ereignisse: das Requiem von Verdi am kommenden Sonntag, und zunächst das Liederkonzert am morgigen Samstag!
„Ja warum GEHEN Sie denn nicht zu integrationspolitischen Veranstaltungen, Herr Hampel, wo Sie sich doch so für Integration interessieren?“ So einer der zahlreichen Vorwürfe, denen ich immer wieder begegne.
Freunde, gute Frage! Ich muss gestehen, ich bin der integrationspolitischen Debatten in der jetzigen Form schon fast überdrüssig.
„Machen, nicht reden!“ „Von einem Papier allein ändert sich gar nichts!“, so Burkard Dregger, mein Parteifreund.
In der Tat. Deutschland ist das Land, in dem man Schokolade von der Straße essen kann. Wozu also das ganze Gerede von Integration?
Meine Hauptsätze zur Integration:
Die Hauptprobleme sind – in dieser Reihenfolge:
Überversorgung durch staatliche Leistungen in Deutschland
Fehlsteuerungen im Sozialsystem, daraus herrührend eine schrankenlose Anspruchsmentalität bei Einheimischen und Zuwanderern
Politik wird im Bundesland Berlin leider noch zu stark als Verteilungspolitik betrieben
Pflichtverweigerung durch die einzelnen Menschen
Gewollte Fehlsteuerung des Staates in den Herkunftsländern, insbesondere Türkei, Libanon, Russland und Syrien. Diese Länder haben uns die Menschen geschickt, die sie selbst nicht versorgen konnten und wollten oder nicht haben wollten
Sozialbetrug in Deutschland – ein weit unterschätztes Problem
Verfehlte Grundhaltung bei Zuwanderern und Einheimischen
Zuviel Vertrauen in Geld, zu wenig Vertrauen in die Persönlichkeit
Mangel an offenen Herzen
Mangel an Nächstenliebe
Ideologische Verblendung
Mangelnde Eingeständnisse eigener Fehler bei Bürgern, Politikern, Zuwanderern und Einheimischen
Kulturelle Verunsicherung der Deutschen
Ansonsten ist ja mein persönliches Leben hier in Kreuzberg nichts anderes als eine dauernde Integrationsbaustelle. Ich bin amtlich Teil einer migrantischen Familie! Zuhause wird oft nicht Deutsch gesprochen. Ich leiste einen winzigen Beitrag zur Integration durch Elternarbeit, durch Einbeziehung migrantischer Familien in allerlei Aktivitäten kultureller Art.
Und ja, ab und zu besuche ich noch politische Veranstaltungen zum Thema „Integration“. Aber nicht mehr viele.
Ich BITTE doch recht herzlich um Verständnis.
Morgen gibt’s ein Multi-Kulti-Konzert. Gut für die Integration. Dieser ärmliche Blogger aus Kreuzberg wird den Moderator geben und fremdländisches Wortgut in sein geliebtes Deutsch übertragen.
Kommt alle, oh ihr Multi-Kulti-Apostel!
Samstag, 11. September 2010, 19.00 Uhr:
Schwartzsche Villa
Grunewaldstraße 55 12165 Berlin-Steglitz
Russische Lieder und Romanzen
(Rachmaninow, Glinka, Tschaikowskij u.a.)
Irina Potapenko, Mezzosopran
Angela Billington, Sopran
Lala Isakova, Klavier
Johannes Hampel, Violine
Eintritt: 10.-/erm. 8.- Kinder bis 14 Jahre frei
Er ist einer der intelligentesten Politiker, die Berlin je hatte. Seine Frageansätze sind brillant, seine Faktenkenntnis ist in einigen Feldern unübertroffen. Er ist zäh, sorgfältig und fleißig. Er argumentiert strategisch, aber er reagiert taktisch nicht immer optimal.
Aber er „verrennt sich“ allzu leicht, verprellt wohlgesonnene Zuhörer und Menschen, die ihm zu folgen versuchen. Ihm fehlt vielleicht das echte Du. Ich meine: Wir müssen den irrenden Menschen zurückholen in unsere Wertegemeinschaft!
Wenn er doch nur einmal zu uns in die Kreuzberger Fanny-Hensel-Schule käme und statt einer PowerPoint-Präsentation ein Märchen aus 1001 Nacht erzählte, die Herzen der durchweg muslimischen Kinder würden ihm zufliegen! Und sein Herz flöge ihnen, den Kindern zu, als flöge es nachhaus. Und wenn er dann noch ein Gedicht aus dem West-Östlichen Divan von Goethe vortrüge, flöge vor einem einzigen Wort der ganze unsägliche Wirrwarr der entstellenden Kommentare fort.
Er würde Empathie für die Muslime entwickeln können, die ihm leider offenbar noch fehlt.
Es gibt doch kaum etwas Schöneres, als diesen unseren so schmählich übersehenen, links liegen gelassenen „libanesischen“ Kindern, ich sage bewusst „unseren Kindern“, Freude und Zukunftshoffnung zu schenken! Ich weiß es, denn wir durften es immer wieder versuchen.
Ich glaube an diese Kinder.
Diese muslimischen Kinder sind der größte Schatz, der uns anvertraut ist! Wir stehen alle in der Verantwortung.
Aber ich bleibe dabei: Seine Fragenansätze sind spannend, er ist einer der intelligentesten Politiker, die Berlin in den letzten Jahren hatte.
Wer ist gemeint?

Ich selbst teile diese ganze romantische Natursehnsucht, die Vorstellung, dass die Natur, die Umwelt etwas Schützenswertes, etwa nahezu Verehrungswürdiges ist. Letztlich freilich soll der Mensch die Natur sich dienstbar machen. Er soll die Natur pflegen und hegen, soll sich ihrer freuen. Aber er soll sie nicht anbeten. Die Vorstellung, dass Nachhaltigkeit eine Beibehaltung des Status quo bedeute, ist irrig. Den starren Status quo gibt es in der Natur nicht.
Es geht darum, sich so achtsam und schonend zur Natur zu verhalten, dass sie auch in 50 oder 100 Jahren den Menschen noch Freude bereiten und ihnen als Lebensgrundlage dienen kann.
Unser Bild zeigt einen vor einem Jahr gepflanzten Baum in der Fanny-Hensel-Grundschule, der den „Umwelt-Detektiven“ gewidmet ist.
Der Sommer ist endlich da! Um dies zu feiern, laden wir die Fanny-Hensel-Grundschule zu einem Konzert ein. Lieder von Robert Schumann stehen im Mittelpunkt. Der Eintritt ist frei.
Lest doch die nachfolgenden deutschen Naturgedichte – sie werden im Konzert am kommenden Mittwoch erschallen und erklingen!
Joseph von Eichendorff: Mondnacht
Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

„Dieses Wetter macht depressiv.“ So klagen viele. Hierauf erwidere ich: Trag Sonne im Herzen. Bereits 30 Minuten Radfahren an frischer Luft führen zur Ausschüttung des Glückshormons Dopamin. Heute öffentliches Anti-Depressions-Training für RadfahrerInnen zum Abheben in die Sonne: Startbahn Tempelhof, Abflug 11.30 Uhr, Treffpunkt am Eingang Columbiadamm.
„Zwischennutzungen auf noch nicht entwickelten Flächen sind seit
einigen Jahren charakteristisch für viele Orte Berlins. Im
Tempelhofer Park wird das Experiment unternommen, erstmalig und
stufenweise Pioniernutzungen gezielt in den Planungsprozess zu
integrieren. Damit geht Berlin in der Stadtplanung ganz neue
Wege.“ So schreibt unsere Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.
Gute Sache! Ich selbst trainiere als veritabler Flugplatzpionier auf dem
Flugplatz regelmäßig für den Velothon, den ich für das ADFC-Team
gemeinsam mit dem FELT F 85-Rennrad bestreiten werde.
Wir können beweisen, dass man an einer staatlichen Kreuzberger Grundschule mit 2% Anteil deutscher Kinder genauso gut und erfolgreich lernen kann wie an einem humanistischen Gymnasium mit 98% Anteil deutscher Kinder. Wir können der Welt zeigen, dass die künftige „Elite der Stadt“ und die „Elenden im Lande“ dieselben sind – und umgekehrt.
Wie?
Meine erste Idee wäre ein Wettbewerb „Jugend rezitiert“ der Schulen, angelehnt an den Wettbewerb „Jugend musiziert“. Grundgedanke dabei: Die Kinder und Jugendlichen lernen säkulare Gedichte der Tradition und der Moderne in deutscher und in anderen Sprachen auswendig und tragen diese – getrennt nach Altersklassen – in einem öffentlichen Wettstreit vor. Wie bei „Jugend musiziert“ werden Gedichte aus jeweils dem 18. Jahrhundert, aus Romantik und Moderne verlangt, also z.B. ein Gedicht von Goethe/Schiller, eines von Eichendorff und Mörike, eins von Paul Celan und Peter Rühmkorf. Dazu kommt noch ein Gedicht in der Herkunftssprache der Familien, z.B. in Kurdisch, Armenisch, Arabisch oder Russisch.
Die uralte Technik der Rezitation, der versgestützten Einprägung, wie sie über die Jahrtausende hinweg in den großen abrahamitischen Religionen gepflegt wurde, weist einen Weg zur Hinführung an gute Sprache, an den sorgsamen Umgang mit dem Wort.
Bei meinen Besuchen in Russland fiel mir immer wieder auf, mit welcher Kennerschaft und oft Liebe die Russen von bei uns in Deutschland längst schon vergessenen Menschen wie Robert Schumann, Heinrich Heine, aber auch Karl Marx (weniger Liebe bei dem, aber Kennerschaft) oder Friedrich Nietzsche sprechen. Die Bildnisse von deutschen Komponisten machen schon etwa die Hälfte der großen Komponisten-Galerie im Konzertsaal des Moskauer Konservatoriums aus. Wer kennt sie bei uns noch?
Ich meine: Das längere gemeinsame Singen sollte zu jedem Schultag in jeder Klasse in der Berliner Grundschule gehören – am besten zu Beginn und dann noch einmal mittendrin. Bitte nicht nur die Nationalhmyne – aber auch. Bitte auch alte Volkslieder, bitte auch Kinderreime, Abzählverse, Knackiges. Dann wird es gar nicht erst passieren, dass ganze Generationen an Schülern unsere Berliner Schulen verlassen, ohne auch nur einen einzigen korrekten deutschen Satz aussprechen zu können. Und ich übertreibe nicht. Geht ins Prinzenbad, fahrt mal U-Bahn bei uns in Berlin.
Lena Meyer-Landrut mit ihrem rasch hingeschmissenen Erfolg wird unseren Kindern als Vorbild hingestellt – in Russland heißt das Vorbild Anna Netrebko. Netrebko hat 15 Jahre hart an sich und an ihrer Karriere gearbeitet, und sie fährt jetzt die Ernte ein. Aber sie hörte auch schon als junges Mädle in der tiefsten Provinz die Fledermaus von Johann Strauss.
In Deutschland wird das Singen (oder Trällern?) dem raschen Lottogewinn untergeordnet. Alles muss ja schnell gehen, die schnelle Mark, der schnelle Euro, der schnelle Erfolg.
Was für ein Jammer!
Wir können doch nicht alle unsere Berliner deutschen, kurdischen, assyrischen, russischen, armenischen, tatarischen, polnischen … Kinder zur Erziehung und zum Deutschlernen nach Sibirien oder in die südrussischen Teilrepubliken schicken?! NACH SI-BI-RIEN! Zum deutschen Sprachurlaub. Ja, warum eigentlich nicht? Sibirien ist ein großes Land. Wir schaffen es bei uns in Berlin nicht, den Kindern Deutsch beizubringen, also müssen wir Eltern und Erzieher selber zur Strafe in die Verbannung nach Sibirien. Das ist nicht schrecklich, oder? Immerhin, dort in Sibirien scheint man den unvergleichlichen Wert des Singens von Liedern erkannt zu haben. Lest:
Wir singen | Статьи | Немецкие организации Сибири
Mitte März fand im Begegnungszentrum des Dorfes Nikolajewka, Deutscher Nationaler Rayon, ein Seminar für Gesang statt. Insgesamt 20 Lehrkräfte der deutschen Kulturzentren aus den Städten Rubzowsk und Barnaul und dem Deutschen Nationalen Rayon nahmen an dieser dreitägigen Veranstaltung teil.Organisator war die deutsche Begegnungsstätte des Dorfes Nikolajewka. Dieses Seminar wurde von der Stiftung „Altai“ im Rahmen des Programms der Regierung Deutschland zugunsten der deutschen Minderheit in Russland finanziert.
Arbeit mit Liedern hat in der Tätigkeit der deutschen Zentren eine wichtige Bedeutung. Sie veranstalten oft verschiedene Feste, feierliche Unterhaltungs- und Konzertprogramme, in denen sie üblicherweise viele deutsche Lieder vorstellen. Daneben beteiligen sich die Begegnungszentren mit deutschem Gesang an verschiedenen örtlichen sowie an regionalen, föderalen und internationalen Veranstaltungen. Außerdem funktionieren in vielen Zentren verschiedene Gesangkollektive. Sogar im Deutschunterricht, den die Zentren den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen anbieten, spielen die Lieder eine große Rolle. Sie machen den Deutschunterricht noch interessanter und bereiten den Teilnehmern der Deutschkurse verschiedenen Alters Spaß. Aus diesem Anlass ist es für die Zentren immer aktuell, ihr Repertoire mit neuen deutschen Liedern zu erweitern. Deswegen war für die Zentrumsleiter dieses Seminar, das die BIZ-Multiplikatorin für Gesang aus Rubzowsk Irina Bekassowa leitete, sehr wichtig.
Im Seminar besprachen die Teilnehmer die Probleme bei der Arbeit mit Liedern in den Kinder- und Jugendklubs, und Irina Bekassowa berichtete über ihre praktischen Erfahrungen in diesem Bereich. Dann lernten die Lehrkräfte mit den Texten der Lieder richtig arbeiten, und machten sich mit neuen vokal-aussprachlichen Übungen für Sänger bekannt. Die Seminarteilnehmer selbst sangen die neuen deutschen Lieder mit großem Vergnügen.
So der Ratschlag von Mutter Teresa an amerikanische Professoren. (Dieses Blog berichtete am 05.04.2010). Bittere Enttäuschung empfand ich und nicht lächeln konnte ich, als ich den aktuellen Tip Berlin durchlas! Angekündigt war „Das große Streitgespräch“ wie eine Loja Dschirga afghanischer Stammesfürsten zwischen Ramona Pop von den Grünen und Thomas Heilmann von der CDU. Aber schon das Titelbild verhieß wenig Gutes: Die beiden lächeln einander unentwegt auf Augenhöhe an, als hätten sie gerade ein Retreat im indischen Ashram mit Mutter Teresas Schwestern von der Himmlischen Liebe besucht. Auch die Journalisten wurden von den beiden offenkundig zur Verzweiflung getrieben: „Herr Heilmann, Sie nicken ja dauernd!“ fährt ein Journalist entnervt dazwischen. Er sah wohl seine Felle und seine Verkaufsauflage davonschwimmen.
Umsonst! Das ganze Streitgespräch kommt nicht recht zustande. Es ähnelt eher einem freundschaftlichen Verwandtenbesuch bei Kaffee und Kuchen. Egal. Und auch die Fotos lassen keine echte Lagerstimmung aufkommen, von Lagerkoller ganz zu schweigen: „Hie bürgerlich – da alternativ.“ Schade. Eher schon – Lagerfeuerstimmung: „Ja, weißt du noch damals … zu Anti-AKW-Zeiten! Wie war das Leben so einfach! So erklärbar!“
Gut, dass wenigstens im Rest der Republik das alte Lagerdenken noch gepflegt wird! Das berichtet soeben der konservative Spiegel.
Ich werde aber trotzdem den tip Berlin nicht unter Protest zurück geben. Denn das sogenannte Große Streitgespräch zwischen Pop und Heilmann ist trotz der unsäglichen Fehletikettierung recht artig. So gehen höfliche Menschen miteinander um, die auch einen feinen Humor besitzen. Denen erkennbar die Probleme der Stadt wichtiger sind als irgendwelche Lagerbindungen. Jeder weiß doch, dass die Grünen eine linke Partei sind, und die CDU eine erzkonservative. Das weiß doch jedes Kind. Und wenn Ramona Pop stolz verkündet „Dieser Verantwortung haben wir uns stärker als die CDU gestellt“, dann klingt das einfach – so mütterlich und väterlich!
Die beiden Parteien wetteifern also darum, wer den besseren Verantwortungsbegriff hat! Na so etwas! Ungewöhnlich für die Berliner Landespolitik, aber wohltuend für den Diaspora-Kreuzberger! Hoffentlich kein Etikettenschwindel.
Und Mutter Teresa hat recht: Oft ist es schon ein gutes Zeichen, wenn man einander anlächelt. Man muss ja nicht immer streiten.
Schwarze und Grüne treffen sich beim Elternabend des örtlichen Gymnasiums, gehen ins klassische Konzert, halten sich im gleichen Tennisclub fit, sitzen hin und wieder (aber nicht regelmäßig) in der Kirche nebeneinander und kaufen gern im gesunden Bio-Supermarkt oder Hofladen ein. Grüne und sozialdemokratische Klientel treffen an all diesen Orten tendenziell seltener aufeinander. Schwarz-Grün ist, im Privaten, ein Bündnis aus Alt- und Neubürgertum. Wieso sollte es, im Politischen, schlechter sein als Rot-Grün?