Dez 172009
 

161220090011.jpg „Höre deiner Priester Lehre, dieser war dein Gatte nicht“, so heißt es in Goethes vortrefflicher Ballade „Der Gott und die Bajadere“. Hören wir doch heute die Lehre der türkischen Väter aus Neukölln! Oh Germanisten, lest folgenden Abschnitt aus der Presseerklärung der Väter von heute:

Wir sorgen uns ernsthaft um unsere Kinder und um deren Chancen in unserer deutschen Gesellschaft. Wir wissen, dass unsere Kinder in Deutschland nur eine Chance haben, wenn sie früh genug deutsch lernen und früh genug der deutschen Kultur näher kommen.

Was fällt euch auf? Richtig, die Wortwiederholungen! In der ganzen Erklärung der türkischen Väter wimmelt es von „deutsch“, von „Kultur“, von „unserer deutschen Gesellschaft“, „deutscher Kultur“ usw. Die türkischen Väter bekennen sich eindeutig zu diesem Land. Es heißt Deutschland. Sie bekennen sich zu ihrer Verantwortung für die eigenen Kinder. Und sie lehnen weitere Almosen des deutschen Staates ab. Sie fordern keinen türkischen, keinen arabischen Sprachunterricht, sie fordern keine Wohltaten, sie fordern nur, dass der deutsche Staat die Fehler nicht weitermacht, die schon so lange begangen worden sind.

Die Einsichten, diese Erklärungen sind äußerst wichtig. Kazim Erdogan wurde übrigens vor einigen Monaten schon einmal am 28.04.2009 in diesem Blog gewürdigt. Den Mann würde ich gerne mal kennenlernen.

Dies Erklärung ist bemerkenswert. Es ist keine Rede mehr von einem harmonischen Miteinander der „Herkunftskultur“ und der „Zielkultur“. Die türkischen Väter wollen eines für ihre Kinder: den Anschluss an „unsere deutsche Gesellschaft“, an unsere „deutsche Kultur“.

Problem ist: Die Deutschen wissen oftmals selbst viel zu wenig von der deutschen Kultur. Sie ist ihnen Kokolores. Ein türkischer Dozent erzählte einmal, im Goethe-Institut Ankara hätten nach einem Deutschkurs alle Teilnehmer ein Volkslied in ihrer Nationalsprache gesungen bei einem Fest. Dann kam die Reihe an die deutschen Dozenten der deutschen Sprache. Sie kannten kein deutsches Volkslied. Sie blieben stumm. Ich denke mir: Vielleicht sangen sie das lustige Lied vom „We all live in a yellow submarine“, oh yeah!

Kürzlich sprach ich mit einer Kreuzberger Akademikerin, einer Geisteswissenschaftlerin. Ich erzählte von der bevorstehenden Chamisso-Lesung der Chamisso Akademie im Chamisso-Kiez. Am Samstag.

„Chamisso, Chamisso …? Der Name sagt mir nichts.“ So die Antwort. Ich hoffe, diese Geisteswissenschaftlerin (Germanistin?) am Samstag begrüßen zu dürfen!

Das Bild zeigt den hier schreibenden Blogger im harmonischen Miteinander mit einem der Tiere aus Mozarts Zauberflöte, die am Freitag in der Fanny-Hensel-Grundschule aufgeführt wird.

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