Apr. 102026
 

Als unbestechlicher, unerbittlicher Kritiker des erstarkenden Kolonialismus der Europäer in anderen Erdteilen zeigt sich Immanuel Kant in seiner Schrift Zum ewigen Frieden. Die sich selbst so nennenden „gesitteten Staaten“ brachten seiner Ansicht nach den unterworfenen, zum Teil staatenlos lebenden Völkern nur Krieg, Hungersnot, Verrat, Aufruhr und weiteres Übel. Aber lest selbst, was er in seinem Dritten Definitivartikel zum ewigen Frieden über die Kolonialpolitik schreibt:

Auf diese [pg 042]Art können entfernte Welttheile mit einander friedlich in Verhältnisse kommen, die zuletzt öffentlich gesetzlich werden, und so das menschliche Geschlecht endlich einer weltbürgerlichen Verfassung immer näher bringen können.

Vergleicht man hiemit das inhospitale Betragen der gesitteten, vornehmlich handeltreibenden Staaten unseres Welttheils, so geht die Ungerechtigkeit, die sie in dem Besuche fremder Länder und Völker (welches ihnen mit dem Erobern derselben für einerley gilt) beweisen, bis zum Erschrecken weit. Amerika, die Negerländer, die Gewürzinseln, das Kap &c. waren, bey ihrer Entdeckung, für sie Länder, die keinem angehörten; denn die Einwohner rechneten sie für nichts. In Ostindien (Hindustan) brachten sie, unter dem Vorwande blos beabsichtigter Handelsniederlagen, fremde Kriegesvölker hinein, mit ihnen aber Unterdrückung der Eingebohrnen, Aufwiegelung der verschiedenen Staaten desselben zu weit ausgebreiteten Kriegen, Hungersnoth, Aufruhr, Treulosigkeit, und wie die Litaney aller Uebel, die das menschliche Geschlecht drücken, weiter lauten mag.

 Posted by at 14:43

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