Nov. 202008
 

Gestern belohnte ich mich für erlittene Mühsal im Fitness-Studio mit dem Kauf einer gut erhaltenen Schiller-Gesamtausgabe in meinem Lieblings-Antiquariat in der Großbeerenstraße. Don Carlos ließ mir keine Ruhe. Ich will unbedingt dieses mein liebstes Schillerdrama noch einmal lesen! Kein anderer versteht es so gut wie Schiller, die Stimmung des allgegenwärtigen Misstrauens zu gestalten. Man weiß nicht mehr, wem man noch trauen kann. So muss es manchen ergangen sein, als sie entdeckten, dass der eigene Ehemann, der Vorgesetzte, die Freunde einen bespitzelten und an die Firma verrieten. Hier die Verse 69-73 aus dem ersten Aufzug:

Doch hab ich immer sagen hören, daß

Gebärdenspäher und Geschichtenträger

Des Übels mehr auf dieser Welt getan,

als Gift und Dolch in Mörders Hand nicht konnten.

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Was ist der Mensch? Laufendes, spielendes oder schwimmendes Wesen?

 Friedrich Schiller, Geige  Kommentare deaktiviert für Was ist der Mensch? Laufendes, spielendes oder schwimmendes Wesen?
Sep. 282008
 

28092008003.jpg Diese Frage stellte sich mir heute unabweisbar. Wieder bevölkerten wie vor einem Jahr die Läufer beim Berlin-Marathon die Straßen. Da wo wir standen, nämlich an der Yorckstraße, herrschten fröhliche beschwingte Gesichter vor. Es war beflügelnd, diesen Menschen zuzusehen, wie sie sich endlich einmal wieder auf eine uralte Art des Fortkommens besannen: das Zu-Fuß-Gehen.

Ich meinerseits entfaltete mich heute eher als Spielwesen. Denn es ist was dran, wenn Friedrich Schiller sagt: Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. Gerade nach besonders anstrengenden Tagen, wie sie hinter mir liegen, erquicke ich mich besonders gerne beim Geigenspiel. Und was haben meine Lieben angeschleppt? Ein wunderbares, sehr leichtes Violinkonzert. Der Komponist heißt Oskar Rieding. Das ganze Konzert steht in der ersten Lage. Wir besitzen sogar die Klavierbegleitung auf CD, erschienen in der famiro Musikproduktion. Ein kindgerecht-marionettenhaft aufbereitetes kleines Konzert mit großen Gefühlen in h-moll. Wir haben es schon 5 Mal durchgespielt und kriegen immer noch nicht genug! Sogar die Schwiegereltern in Moskau durften eine Aufführung über das Telefon mit anhören.

28092008005.jpg Am Nachmittag hieß es Abschied nehmen von der herrlichen Freibad-Saison im Kreuzberger Prinzenbad. Die Sonne lockte und lachte noch einmal, allerlei schwimmendes und lachendes Volk hatte sich eingefunden, sogar ein Weihnachtsmann platzierte sich auf der Rutsche und stürzte sich kühn hinab! Das Prinzenbad ist wirklich eine Art kleines Paradies. Da mag es wohl auch den einen oder anderen Sünder geben, wie in jedem Paradies, aber insgesamt ist es eine vortreffliche, nicht genug zu preisende Anlage! Ade – bis zum nächsten Mai. Die Saisonkarte hat uns vorzüglich gedient.

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