Was ist der Unterschied zwischen einer Gedenkstätte und einem Denkmal? Nun, ein Blick auf die Schöneberger Annedore-Leber-Gedenkstätte mag dies verdeutlichen: Hier, in dieser Kohlenhandlung, an diesem Ort trafen sich namhafte Mitglieder des deutschen Widerstandes. Sie, diese Deutschen, wollten den Krieg beenden, sie wollten Hitler stürzen, sie kämpften konspirativ gegen die verbrecherische Regierung der Nationalsozialisten. Mitglieder des Kreisauer Kreises, Annedore Leber, Julius Leber, Vertreter des sozialdemokratischen deutschen Widerstandes, des kommunistischen deutschen Widerstandes, des christlichen, des bürgerlichen und des adligen deutschen Widerstandes kannten und nutzten diese Kohlenhandlung. Ernst von Harnack, Ludwig Schwamb, Helmut James Graf von Moltke, Peter Graf Yorck von Wartenburg, Claus Schenk Graf von Stauffenberg gehörten zum weiteren Umfeld der deutschen Männer und Frauen, die hier aus und ein gingen. Auch wenn die meisten dieser Deutschen heute vergessen sind, würden sie sich als mögliche Vorbilder für die deutsche Jugend eignen.
Gedenkstätten wie etwa diese Annedore-Leber-Gedenkstätte stehen und entstehen an den Orten des Geschehens. Sie erinnern an das, was hier „einst geschah“. Dass alle Bauwerke „echt“ sind, wird dabei nicht verlangt. So finden sich in zahlreichen KZ-Gedenkstätten kaum noch originale Ausstattungsstücke; Hütten, Baracken, Zäune und Stacheldraht sind häufig nachgebaut oder rekonstruiert. Dennoch hat sich eine blühende KZ-Gedenkstättenlandschaft entfaltet; diese häufig nachgebauten KZs innerhalb und außerhalb Deutschlands sind heute der Stolz der deutschen Erinnerungskultur. Sie dienen der Abschreckung und der Bestätigung dessen, was „wir immer schon geahnt haben“. Die deutsche Jugend wird an ihnen zu intensiven Gefühlen der Scham und der Verachtung erzogen: „Schaut her, so schlimm sind wir Deutschen gewesen!“, lautet der Cantus firmus. Man verlässt diese Orte mit dem Gefühl, dem Verbrechen selbst ins deutsche Antlitz geblickt zu haben.
Anders dagegen das Denkmal! Denkmäler sind losgelöst von dem Ort, an dem sie stehen. Das Holocaustdenkmal, so stolz man in Deutschland auch auf es sein mag, steht nicht am historischen Ort. Weder wurde an diesem Ort einer der vielen Beschlüsse zu den zahlreichen Massenmorden gefasst, noch wurden sie hier ausgeführt. Und dennoch, gerade deswegen ist es tipp topp in Schuss gehalten. Es bündelt und konzentriert den Kern deutschen Geschichtsdenkens auf einzigartige Weise. Es zieht die Massen an, es ist zu Recht eine Touristenattraktion ersten Ranges.
Das 12-KZ-Erinnerungsschild am Schöneberger Kaiser-Wilhelm-Platz ist ebenfalls keine Gedenkstätte, sondern ein Denkmal – ein Erinnerungszeichen an die genau 12 deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager, die „wir nie vergessen dürfen“. Derartige Denkmäler der Erinnerungskultur stehen vielfach verteilt im Berliner Stadtraum; sie bilden das Rückgrat der weltberühmten deutschen Vergangenheitsbewältigungserinnerungskultur.
Sie bilden deutsche Identität wie nichts anderes sonst ab. Sie sind der Kern der deutschen Kultur der Jetztzeit.
Das Bild zeigt die Annedore-Leber-Gedenkstätte am 17. Januar 2018, Ort: Berlin-Schöneberg, Torgauer Straße, Annedore-Leber-Park
Das Video zeigt den Zustand der Annedore-Leber-Gedenkstätte am 17. Januar 2018.
Düstere Meldung im Morgennebel. Gerade bei mir um die Ecke verlor gestern eine Fahrradfahrerin ihr Leben. Wie so oft bei anderen Unfällen, wurde auch hier die Radfahrerin durch einen rechtsabbiegenden LKW erfasst, während sie selbst rechts von ihm geradeaus weiterfahren wollte. Die Stelle fahre ich selbst sehr oft. Ein mulmiges Gefühl verstärkt sich. Wir sind gewarnt und traurig. Hier einige Fotos von dieser Stelle, aufgenommen heute, Ecke Kolonnenstraße/Hauptstraße.

Zwei Rosen fand ich heut am Straßenrand, die eine weiß, die andre rot. Achtlos weggeworfen, lagen sie neben dem ganzen Gemülle aus Böllermüll, Raketensprengköpfen, ausgebrannten Pappkartuschen. Kahle Stümpfe grinsten mich an, den Löchern ausgefallener Zähne ähnelten sie.
Eine ungelöste Frage bleibt die Einhaltung der Verkehrsregeln durch Erwachsene bei der Begegnung mit den schwächsten Menschen, den Kindern. Wird es mir je gelingen, auch nur einen Erwachsenen zum Absteigen im Schulhof der Schöneberger Teltow-Grundschule zu bewegen? Wie, wenn ich die Erwachsenen auf Immanuel Kant verwiese, ihnen einschärfte, dass wir allezeit gemäß diesem wohl bedeutendsten Philosophen deutscher Sprache so handeln sollten, als könnte die Maxime unseres Handelns zugleich Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung sein? Wer kräht denn danach? Wer liest oder kennt heute unter den Deutschen noch Kant? Wer ließe sich durch allgemeine philosophische Überlegungen zu einer Verhaltensänderung bewegen?
Hanadi, Nirit, Essfandiar, Pegah, Sadaf, Banu, Christa, Laura, Jonni, Cem, Marthe, Alexander, Laila, Rose-Anne, Theokleia. Das sind die Namen von 15 Menschen, die vieles gemeinsam haben, vor allem aber eines teilen: Ihre Lebensgeschichte führte sie oder zumindest ihre Eltern aus anderen Ländern nach Berlin, wo sie derzeit wohnen und sich wohl fühlen. Sie bringen den Schatz ihrer Herkünfte mit, leben diesen Schatz weiter aus und verbinden sie auf anrührende Weise mit ihrer neuen Umgebung. Sie beweisen hier ihre Freiheit, den eigenen Raum zu gestalten und ihre Geschichte mit anderen Menschen zu verbinden.

… aus dem von dir vertretenen Reich?“ So fragte Gottfried Benn in seinem Gedicht „Einsamer nie —„, und so fragt mancher Freizeitwerker sich.![20160416_121640[1]](https://johanneshampel.online.de/wp-content/uploads/2016/04/20160416_1216401-300x169.jpg)
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Der Wolf im Südgelände. Ach, könnte ich doch heute ein seltenes Tier sehen! So sagte ich, als wir den Natur-Park Schöneberger Südgelände betraten. Schon näherten wir uns dem südlichen Ausgang, da verzagte ich schon. War mein Wünschen töricht? Nein! Fräulein Brehms Tierleben lockte. Es gab in der alten Schmiede in der Lokhalle eine Vorführung über Canis lupus, den Wolf, und hier konnten wir nun alles erfahren beim Flackern eines knisternden Holzfeuers. Der Wolf ist wieder da, in der Lausitz hat er sich ein ortsfestes Revier begründet. Die ersten Jungwölfe sind bereits auf Wanderschaft gegangen, und es besteht Hoffnung, dass sich nach und nach Wolfsbestände bis hin zu den Artgenossen in der Schweiz, Norditalien, Österreich bilden. Die Vorführung war sehr anschaulich. Es begann mit dem gepflegten, wohlklingenden, leicht professoral angehauchten Deutsch aus Alfred Brehms Tierleben, wurde ergänzt durch Fortführungen bis in unsere Gegenwart hinein. Die Schauspielerin bot uns wirklich alles. Sogar den artgerechten Würgebiss des Wolfes, ehe er das Tier sterben lässt, ohne es lange leiden zu lassen. Ich spürte das Wolfsgebiss an der eigenen Kehle und konnte mich einer aufsteigenden Angst nicht erwehren. Da war sie, jene instinktiv verankerte Angst vor dem räuberischen Wolf, welcher ja beispielsweise im Hobbes’schen Losungswort homo homini lupus seinen Niederschlag fand. Wir durften auch die Losung eines Wolfes prüfend in den Händen wiegen und beschnuppern. Besonders beeindruckte uns der geschnürte Trab des Wolfes, bei dem er eine Pfote in den Abdruck der anderen setzt, um wertvolle Energie zu sparen.
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