41% weniger Kleinkinder, aber: Ich bleibe widerborstig. Wir bleiben.

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Apr. 302009
 

Jeder Tag bringt nette kleine Begegnungen mit den Kindern aus der Fanny-Hensel-Schule, kleine Plaudereien mit den Eltern. Dass Friedrichshain-Kreuzberg innerhalb von nur 3 Jahren laut letztem Berliner Sozialatlas 41% Kinder im Alter von 0-6 Jahren verloren hat, kann ich mir nur mit den berüchtigten Schein-Ummeldungen und auch einigen echten Umzügen erklären. Jedenfalls sind offenbar die nettesten Kinder geblieben. Übrigens: Ich bleibe widerborstig! Ich bleibe äußerst unnett, ich vertrete in all dem Gejammer über eine ach so verfehlte Bildungspolitik eine messerscharfe Oppositionspolitik. Ich sage:  Es gibt sie, die guten Schulen, gute Schule ist überall in der Bundesrepublik Deutschland möglich! Wir sind ein freies Land, auf das ich stolz bin! Und ebenso wie Autor Christian Füller vertrete ich diese Meinung, dass gute Schule überall und jederzeit in diesem unseren Lande möglich ist, ohne dass mich irgendeine Gesinnungspolizei behelligt! Toll, was?

Diese abweichende Meinung äußere ich gerne – und bei jedem Anlass, auch unaufgefordert. Aber lest selbst den Brief, den ich am 02. März 2009 an unsere Bildungsstadträtin, Frau Monika Herrmann, geschickt habe:

Sehr geehrte Frau Herrmann,

 

ich habe mich sehr gefreut, als ich Sie am vergangenen Donnerstag bei der Kita-Veranstaltung mit den fünf Kandidaten kennengelernt habe. Danke nochmal für die Stimmzettel!

 

Wie schon angedeutet, bin ich weiterhin hochbegeistert von der Arbeit, die die Fanny-Hensel-Schule in dem, wie es offiziell heißt, „sehr schwierigen Umfeld“ leistet. Zu Unrecht wurde uns von zahlreichen deutschen Miteltern und Mitbürgern vom Besuch dieser Schule abgeraten. Alles dort atmet Ermutigung, Zuversicht, Vertrauen – genau diese Grundhaltung brauchen wir. 

 

Wohlgemerkt: Wegen der dauernden Negativpropaganda und „Ohne-mich-Haltung“ meiner lieben deutschen Mit-Eltern geht überhaupt kein deutsches Kind mehr in die Klasse meines Sohnes (der ebenfalls laut amtlichen Kriterien migrantisch ist).

 

Bei den damaligen Diskussionen über die evangelische Privatschule habe ich noch eher abwartend zugehört, aber nunmehr bin ich ein überzeugter Verfechter des staatlichen Grundschulwesens in unserem Bezirk geworden. Diese Schulen sind weit besser als sie dargestellt werden. Dies schließt nicht unbedingt aus, dass sie von privater Konkurrenz profitieren könnten. Alles, was unseren Bezirk attraktiver macht, muss willkommen sein.

 

Ich bin – wenn Sie das wünschen – als Betroffener bereit, jederzeit in Wort und Schrift für diese und andere bezirklichen Grundschulen einzutreten und mich für den heilsamen integrativen Ansatz, wie Sie als Zuständige ihn vertreten, einzusetzen. Ich werde dies ohnehin in meinem persönlichen Umfeld tun und auch in diesem Sinne weiterhin den Stimmzettel hochheben.


 

Mit herzlichen Grüßen

 

Ihr


 

Johannes Hampel

Bitte macht mir keine Vorwürfe, ich wollte mich bei der geehrten Obrigkeit einschmeicheln! Wer dieses Blog liest, weiß, dass ich schonungslos alle und jeden zu kritisieren bereit bin – sogar die Bundesregierung. Also, wenn ich mal etwas sehr gut finde, wie etwa die Fanny-Hensel-Grundschule, dann entspricht das wirklich meiner Meinung. Dazu stehe ich. Könnt ihr damit leben?

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Verantwortung statt Mitnahmedenken – Das Wort zum Abend

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Apr. 272009
 

Aus zwei Büchern, die ich kurz hintereinander gelesen habe, sprang mich vor drei Tagen geradezu erleuchtungsartig die Einsicht an, dass der zentrale, große Begriff der nächsten Jahre VERANTWORTUNG lauten wird. Worum geht es? Immer mehr merken wir, dass das Gute von unten wachsen muss, dass wir unser Geschick nicht mehr den anoymen Gesetzmäßigkeiten, dem Walten eines übermächtigen Staates, eines Kollektivs anvertrauen dürfen. Dafür heute abend zwei ähnlich lautende Belege aus diesen beiden Büchern!

Christian Füller: Die gute Schule. Wo unsere Kinder gerne lernen. Pattloch Verlag, München 2009, 285 Seiten, Euro 16.95

Füller untersucht: Was macht eine gute Schule aus? Er jammert nicht über den Bildungsnotstand, sondern er erzählt an 5 Geschichten, wie gute Schule gelingt. Ich greife einige Leitsätze heraus, die einen tragenden Grundton angeben: „Ich habe die Kraft, etwas zu schaffen, ich kann das. Ich bin Held!“ (S. 145), so reden sich die Schüler ein. „Alle diese Initiativen haben eines gemeinsam. Sie erwarten vom Staat wenig. Eigentlich nur, dass er sich möglichst heraushält mit Zentralabituren, Kopfnoten, neuen Schulfächern und ähnlichem Unsinn“ (S. 217).

Oswald Metzger: Die verlogene Gesellschaft. Rowohlt Berlin Verlag GmbH, Berlin 2009, 223 Seiten, Euro 16.90

Metzger betrachtet den heutigen Zustand der deutschen Gesellschaft, der deutschen Politik. Auch er gelangt zur Einsicht: Wir schieben zu viel Verantwortung ab, wir überfordern den Staat.  Dafür ein Zitat:

„Im Laufe vieler Jahrzehnte haben wir offenbar vergessen, dass die Leistungsfähigkeit des Staates auch von uns selbst abhängt. Wenn wir den Staat überfordern, dann verlangt er uns im Gegenzug immer mehr ab – in Form von Steuern und Sozialabgaben, aber auch in Gestalt immer größerer Regelungswut“ (S. 117-118).

Füller und Metzger kommen in einer Aufforderung überein: Erwartet nicht zu viel vom Staat! Packt es selber an – ergreift die Verantwortung selbst! Ihr könnt das!

Aus gegebenem Anlass: Kurzer Rückblick auf Pro Reli! Worin lässt sich das Volksbegehren einordnen? Antwort: Eindeutig in die alte Denkschule, wonach der Staat immer mehr Leistungen erbringen muss. Zu einem hohen Preis. Denn wenn tatsächlich Religion als Wahlpflichtfach eingeführt worden wäre, hätte auch Ethik in alle Jahrgangsstufen erweitert werden müssen. Mit erheblichen Kosten von geschätzten 200 Millionen Euro.

Was wäre das neue, verantwortliche Denken? Vielleicht dies: Wenn euch der Glaube so wichtig ist, dann legt glaubhaft Zeugnis ab! Bewirkt etwas,  im Kleinen. Erwartet doch nicht vom Staat, dass er euch euer Kerngeschäft, die Verkündigung der Frohen Botschaft abnimmt! Werdet klein wie die Kindlein, bescheidet euch!

Das Scheitern des Volksentscheides Pro Reli hatte ich zutreffend bereits am vergangenen Freitag vorhergesehen und kommentiert. Um so erschütterter bin ich, wie wenig einsichtig sich die Förderer und Forderer von Pro Reli und die sie unterstützenden Parteien und die Kirchen zeigen! Darauf ruht wahrlich kein Segen – mit immer neuen Forderungen an den Staat heranzutreten.

Der Wind hat sich gedreht – auf die Verantwortung des einzelnen, der kleinen Gemeinschaften kommt es an! Der Staat wird es nicht richten.

Die neuen Bücher von Christian Füller und Oswald Metzger empfehle ich nachdrücklich zur Besinnung und als Antidot für die rückwärtsgewandten Staatsgläubigen.

Guten Abend!

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Apr. 232009
 

Als Anhänger einer gut gemachten Jahrgangsmischung erweist sich der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust. Die geplante Primarschule in Hamburg sieht jedenfalls die Zusammenlegung der Jahrgangsstufen 1 bis 3 voraus. Darüber berichtet die taz heute:

SCHULSTREIT: Schulstunde mit Symbolgehalt – taz.de
„Ich war über die Konzentration der Kinder erstaunt“, sagte der Bürgermeister, nachdem er eine halbe Stunde in der Klasse „die Wölfe“ zuguckte. In der Rellinger Straße tragen die Klassen Tiernamen. Hier werden die Kinder des 1. bis 3. Jahrgangs zusammen unterrichtet. Als der Bürgermeister kam, waren die Kinder mit individuellen Aufgaben beschäftigt, die in einer Planungsmappe dokumentiert werden. Manche rechneten, andere machten Deutsch oder zeichneten Musikinstrumente, bevor es, zusammen mit dem Bürgermeister, in die gemeinsame Musikstunde überging. „Es war nicht so ein Tohuwabohu, wie man es bei manchen Klassen mit Frontalunterricht erlebt“, sagte von Beust.

Ich selber hospitierte heute ebenfalls in einer ersten Grundschulklasse. Mein Eindruck: Die Kinder lernen konzentriert an sinnvollen Einzelübungen. Konzentration, eine gute, aufmerksame Lernatmosphäre, das fiel mir auf. Diese Grundhaltungen sind wesentlich. Sie scheinen aber nicht von der Schulform abzuhängen.

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Apr. 232009
 

Bereits im Oktober 2008 hatte ich mich mit einigen Eltern zusammengeschlossen und einen Entwurf zu einem Brief beigesteuert, der dann auch nahezu unverändert von allen Eltern unterzeichnet wurde.  Diesen Brief könnt ihr in diesem Blog unter dem Datum vom 09.03.2009 nachlesen. Wir wandten uns damals gegen die vom Senat angeordnete Zusammenlegung der Klassenstufen eins und zwei. Die Erfahrungen, die Lehrer, Schüler und Eltern mittlerweile reichlich mit dem jahrgangsübergreifenden Lernen (JüL) sammeln konnten, bestätigen unsere frühzeitig geäußerte Skepsis. Überall in Berlin flackert numehr der Widerstand gegen das JüL auf. Darüber berichtet heute die Morgenpost:

Gemeinsames Lernen – Berliner Grundschulen rebellieren gegen Reform – Berlin – Berliner Morgenpost
Beklagt werden zu große Klassen mit 24 und mehr Kindern. In diesen Klassen seien zu viele Kinder mit sozial-emotionalen Verhaltensauffälligkeiten, Lernbehinderung und Sprachförderbedarf, heißt es weiter. Die Zahl der verhaltensauffälligen Kinder würde zudem stetig steigen. Schließlich wird darauf hingewiesen, dass Erzieher für die Unterstützung während der Unterrichtszeit fehlten, weil sie die von den Eltern bezahlten Betreuungszeiten abdecken müssen. Auch gebe es zu wenig Sonderpädagogen.

Ihr seht: Gut gemeint ist nicht gut gemacht!

Ich meine weiterhin: Ehe man jetzt erneut großflächige Versuche anstellt, die den Glauben an die Schule noch weiter erschüttern, sollte man gezielt und nachhaltig die Eltern beeinflussen, und zwar in dem Sinne, wie das Christian Füller in dem gestern erwähnten taz-Interview anregt (und wie auch ich es schon mehrfach in diesem Blog gefordert habe). Ich halte die Familien beim Erfolg von Lernen für viel entscheidender als die Schulen. Die Kinder brauchen Eltern, die sich um die Kinder kümmern, Eltern, die den Kindern übermäßigen Medienkonsum und Techniksucht verbieten und ihnen  stattdessen sinnvolle Aktivitäten wie etwa Sport und Musik verordnen. „Verordnen“? Nun ja, zunächst einmal auferlegen oder auch befehlen – die Freude daran wird sich später einstellen. Beipiel: ein Instrument erlernen. Welches Kind übt gerne? Nur eine winzige Minderheit! Aber jedes Kind kann ermuntert werden, ein Instrument wie Geige, Ud oder Bajan zu erlernen. Zwang und Nachdruck sind nötig, nach einem Jahr stellt sich dann die Freude ein.

Aber an die Eltern traut man sich nicht heran. Man möchte sie nicht stören. Es sind ja auch Wähler.

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Apr. 212009
 

Den obigen Ausruf mögen die älteren unter den Leserinnen noch kennen. Ich hörte ihn in höchster Erregung vorgetragen als Sechstklässler, als wir bildungsfernen Rabauken mal wieder Rabatz schlugen, ehe der erwartete Lehrer endlich erschien, um mit dem Lateinunterricht zu beginnen. Er schalt uns tüchtig: „IST hier jetzt gleich Ruhe, hier geht’s ja zu wie in der JUDENSCHUL!“

Was steckt hinter dieser Redewendung? „Schul“, das ist im Jiddischen der Ausdruck für Synagoge, also für das Versammlungshaus der jüdischen Gemeinde. Das jiddische Wort kommt aus dem deutschen Wort „Schule“, weil die Synagoge selbstverständlich nicht nur Versammlungshaus, sondern auch auch Lernort, eine Stätte der Wissensweitergabe war. Die Judenschul, das war die Synagoge. Unser deutsches Wort Schule wiederum stammt von lateinisch schola, die Schule, ab, welches seinerseits wiederum aus dem griechischen σχολή, die Muße, die freie Zeit stammt.

Die Juden lehren und lernen ihre grundlegenden Schriften bis zum heutigen Tage durch individuelles, halblautes Lesen, durch ständiges wechselseitiges Befragen, es wird häufig in einem vielstimmigen Stimmengewirr rezitiert, geredet,  gestritten. In Rede und Gegenrede wird um die rechte Auslegung gerungen. Der Lehrer schreitet durch die Lernenden hindurch, wird selbst zum beständig Lernenden. Für den draußen Vorbeigehenden ergab sich ein unerträgliches, chaotisches Durcheinander – die Judenschul ist ein vielstimmiges Klanggebilde, aus dem allerlei Unverständliches herausdringt.

Was ist das Ergebnis der Judenschul, dieser Art des vielstimmigen Lernens in einem gemeinsamen Lernort? Man werfe einen Blick auf die Statistik der Nobelpreisträger, der Schriftsteller, Musiker und Wissenschaftler, und man wird erkennen: In allen Bereichen, wo es besonders stark auf die Weitergabe, Vermittlung und produktive Anwendung von Wissen und Erkenntnis geht, sind Juden seit Jahrhunderten weit überdurchschnittlich vertreten.  Ich führe das vor allem darauf zurück, dass bei den Juden seit der Antike höchst effiziente, selbstgesteuerte Formen des gemeinschaftlichen Lernens und Lehrens gehegt werden. Ein besonders beeindruckendes Monument dieses Lernens-Lehrens ist übrigens der Talmud. Und Talmud heißt auf hebräisch nichts anderes als Lernend-Lehren oder auch Lehrend-Lernen.

Neben der Akademie Platons halte ich die Judenschul für eines der großen wegweisenden Modelle des selbstgesteuerten, in Rede und Gegenrede sich entfaltenden Lernens, wie es neuerdings seit einigen Jahrzehnten wieder vermehrt gefordert wird. Zwischenfrage: Wieso sagt das Blog hier „neuerdings, seit einigen Jahrzehnten“? Antwort: Wir denken hier selbstverständlich in Jahrtausenden, nicht in Legislaturperioden. Selbst 30 Jahre taz sind noch nicht so arg viel. Wodurch wir zum gestern erwähnten taz-Forum über das heilige deutsche Gymnasium zurückkommen. Immer wieder wurde dort verlangt, die Schülerinnen sollten einander lehren, die Stärkeren sollten die Schwächeren mitnehmen und ähnliches mehr.

Mehrere Lernvorgänge sollen gleichzeitig ablaufen: Binnendifferenzierter Unterricht, so lautet das Gebot der Stunde. Der binnendifferenzierte, auf den indivduellen Lernfortschritt abgestimmte Unterricht wird unabweisbar, wenn Kinder aus verschiedenen Milieus aufeinandertreffen: der Schüler, der stundenlang an der Video-Konsole Ego-Shooter spielt, der deutsche Jugendliche mit seinen statistisch nachgewiesenen 213 Minuten täglichem Fernsehkonsum trifft auf die Schülerin, die mit 7 Jahren selbständig ganze Bücher in den beiden Erstsprachen Polnisch und Deutsch flüssig vorlesen kann.

Genau das scheint auch der Autor und Journalist Christian Füller, der sich gestern zu meiner großen Freude in diesem Blog zu Wort meldete, mit seinem Buch Die Gute Schule im Sinn zu haben. Denn es gibt gute Schulen! Füller schreibt:

Leseprobe Die Gute Schule
Die guten Schulen haben ihr Kerngeschäft reformiert: das Lernen der Schüler. Ihr großes Ziel ist es, die Machtverhältnisse des Lernens zu verändern. Sie versuchen, ihre Schüler aus der Rolle von Objekten der Beschulung zu befreien – und zu Subjekten ihres Lernens werden zu lassen. Schüler werden dort als kleine Forscher gesehen, die ihren Wissenserwerb, ihre Kompetenzfortschritte und ihre Lernprojekte selbst mitsteuern sollen. Dieser neue Lernstil hat einen Namen, er heißt individuelles und selbständiges Lernen. …

Da haben wir’s! Unabhängig davon, ob wir diesen Lernstil neu oder uralt nennen, ob wir ihn binnendifferenzierten Unterricht nennen oder in die alte Spruchweisheit Docendo discimusDurch Lehren lernen wir – kleiden: Immer geht es darum, dass die Lernenden in die Freiheit des selbstständigen Fragens, Redens und Widerredens hinein entlassen werden.

Letzte Frage: Was kostet das? Antwort: Diese neue, uralte Art des Lernens ist viel billiger als der einseitige Frontalunterricht, weil sie weniger Räumlichkeiten erfordert, weil die Lernenden weniger Betreuung brauchen, weil insgesamt weniger „angeboten“ und mehr „verlangt“ wird. Ein üppiges Medienangebot ist ebenfalls nicht nötig.

Die entscheidenden Arbeitsmittel sind: geschriebene Texte, also Bücher und Hefte. Ferner: der eigene Kopf. Weitere Arbeitsmittel: Schreibwerkzeuge, also Papier und Stift. Wichtigste Techniken des Arbeitens: Vorlesen, Lesen, Einprägen, Erinnern, Schreiben, Zuhören, Sprechen, Fragen, Antworten. Wichtigste Grundhaltung: Aufmerken – Mitmachen – Selbermachen. Die neue Schule ist nicht teuer. Sie ist arm und sie soll arm sein. Mindestens in den Augen der heute allesamt sehr reichen Schüler mit ihrem vielfältigen Zerstreuungsangebot: Handys, Internet, I-Pod. Die heutigen deutschen Schulen sind unvorstellbar reich und teuer im Vergleich zu den Schulen anderer Länder und anderer Zeiten, die mit wesentlich weniger Geld bessere Lern-Erfolge erzielten (etwa in der multiethnischen Sowjetunion).

Also – ja zur Judenschul, ja zur Akademie, ja zum binnendifferenzierten Unterricht! Meinem Lateinlehrer aus der sechsten Klasse, einem Benediktinerpater, danke ich noch heute. Denn er hat meine Neugierde für Latein geweckt und gepflegt – und auch für die Judenschul. Er hätte nicht in Zorn geraten müssen ob unseres Rabaukentums. Denn es steht geschrieben in Psalm 112: Wenn Schlimmes gehört wird, so braucht er sich nicht davor zu fürchten. 

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„Die Philosophie läßt alles, wie es ist.“ Und die Politik?

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Apr. 172009
 

Ein im besten Sinne bescheidener, mir höchst sympathischer Philosoph ist Ludwig Wittgenstein. „Die Philosophie lässt alles, wie es ist.“ „Ein philosophisches Problem hat die Form: Ich kenne mich nicht aus.“

Wie oft würde ich in politische Diskussionen gerne diese Sätze werfen: „Die Politik läßt zunächst einmal alles, wie es ist.“ „Ein politisches Problem hat die Form: Wir kennen uns nicht aus.“

Was meine ich damit? Die aktuelle Debatte über die Hamburger und Berliner Schulpolitik  mag als Beispiel dienen: Während einige Parteien einer größeren Vereinheitlichung das Wort reden, einer Abschaffung  des gestaffelten und gegliederten Schulwesens, reden andere Parteien einer Neustrukturierung von Hauptschule und Realschule unter Beibehaltung des Gymnasiums das Wort. In jedem Falle aber wollen die Parteien etwas machen. „Wir müssen die Strukturen ändern. So kann es nicht weitergehen.“ Keine Partei behauptet zutreffend von sich: „Wir kennen uns nicht aus. Und deshalb lassen wir alles, wie es ist.“

Was schlage ich vor? Ich persönlich nutze jede Gelegenheit, um mit Lehrern, Fachleuten aus der Bildungsverwaltung, mit Eltern und Schülern ins Gespräch zu kommen – oder ihnen zuzuhören. Nicht die großen Programmatiker, die meinungsbildenden Politiker sind es, nach denen ich mich richte, sondern die mittlere Ebene, die Fachebene. Mein Ergebnis: Wie so oft, läuft die öffentlich-erregte Debatte windschief zu den Erkenntnissen der „mittleren Ebenen“ – also der tausenden und abertausenden an Schulleitern, Schulräten und Elternsprechern, die den besten Einblick haben.

Ihnen ist es nach meinen Eindrücken recht egal, in welcher Schulform sie sich bewegen – solange das Klima stimmt, solange sinnvolles Lernen möglich ist, besteht kein Anlass, „die Welt zu verändern“. Und wenn kein sinnvolles Lernen möglich ist – dann liegt der Grund dafür nicht in der gegenwärtigen Verfasstheit unseres Bildungswesens. Die Parteien hingegen suchen sich häufig durch programmatische Aussagen ein Profil zu geben. Durch Reformvorschläge – und ebenso durch den Widerstand gegen Reformvorschläge und das Vorlegen eigener Reformvorschläge – erzeugen sie den Anschein, die Welt erklären und verändern zu können. Ein kurzer Ausschnitt aus der guten taz mag dies beleuchten:

Politologe Greven über Schwarz-Grün: „Frieden zu Lasten der SPD“ – taz.de
Ist die Schulpolitik ein weiteres Thema, von dem die GAL profitiert und das der CDU zu schaffen macht?

Erstaunlicherweise ja. Die GAL mit ihrer bildungspolitischen Programmatik in Richtung Einheitsschule, hat eine Wählerbasis, in der die Anhänger des Gymnasiums weit verbreitet sind. Das müsste für sie eigentlich ein Problem sein. Aber hier kann die Konfliktphase noch kommen. Die Dezentralisierung der Umsetzung über die Schulkonferenzen, ist eine geschickte Verlagerung des Konfliktniveaus von der Senatsebene auf eine dezentrale Ebene, doch die Probleme der Umsetzung der schulpolitischen Reformen werden wieder in die Fraktionen und den Senat zurückgespült werden. Hier gibt es nach wie vor eine konfliktträchtige Situation in den regierenden Parteien und zwischen ihnen.

Ich meine: Solange die Gründe für das Scheitern von Bildungskarrieren so eindeutig außerhalb des Schulwesens zu suchen sind – sollte man an den äußeren Strukturen der Schulen wenig ändern. Dies gilt natürlich vor allem für die fälschlich als Kinder mit Migrationshintergrund bezeichneten Schüler.

Die Politik lasse zunächst einmal alles, wie es ist. Das klingt resignativ, ist es aber nicht. Resignieren wird man, wenn sich die Lage an den Schulen trotz all des Bosselns und Werkelns nicht verbessert. Verbessern lässt sich die Lage, indem man die Lage der einzelnen Kinder in den Familien verbessert, nicht durch noch mehr Geld, sondern durch Aufklärung, durch Patenschaften und Partnerschaften, nötigenfalls aber auch durch Druck und Zwang.

 Posted by at 10:55
Apr. 102009
 

Immer wieder lerne ich neue Wörter in meiner Muttersprache. So insbesondere dann, wenn ich mich, eingedenk des herannahenden Osterfestes, der religiösen Überlieferung zuwende. In der Zeitschrift FUGE. Journal für Religion & Moderne, Band 4, 2009, lese ich auf S. 28 folgende Sätze:

Die Bibel ist das meist-erforschte Buch der Welt. Vielleicht ist es auch der „überforschteste“ Gegenstand der Welt.

Gut, so sei die Bibel ein Kandidat für den Titel „Am meisten überforschter Gegenstand“. Ich schlage aber einen anderen Kandidaten vor: die Schule.  Was uns zu meinen Erlebnissen vom vergangenen Montag bringt.

Der kommunalpolitische Arbeitskreis der CDU Friedrichshain-Kreuzberg hatte ins Rathaus Kreuzberg eingeladen. Als Redner konnte gewonnen werden Oberschulrat Gerhard Schmid, der in der Schulverwaltung für unseren Bezirk zuständig ist.

Eine kleine Nachforschung im Internet ergibt: Schmid stammt aus meiner Heimatstadt Augsburg, er war damals einer der Wortführer der linken Protestbewegung, er wurde in der Augsburger Allgemeinen neulich sogar als der „Augsburger Rudi Dutschke“ bezeichnet! Er war also einer jener Aufrührer, vor denen meine Eltern mich besorgt warnten! Wir zitieren aus der Augsburger Allgemeinen vom 22.04.2008:

Im Frühjahr 1968 ist Schmid ein bekanntes Gesicht in der überschaubar kleinen linken Szene in Augsburg. Er organisiert die Ostermärsche, hält Vorträge über die Arbeiterbewegung und engagiert sich im Kritischen Seminar, einer Art Volkshochschule für Freidenker. Ein Kurs diskutiert über „Sexualökonomie und Orgasmustheorie“, ein anderer über die „sozialökonomische Struktur Südvietnams“.

Schmid ist so etwas wie der Augsburger APO-Chef. Dazu hat ihn zwar nie jemand gewählt, doch irgendwie, sagt er, habe er „das Ganze zusammengehalten“. Die Demonstrationen gegen die Notstandsgesetze und den Krieg in Vietnam, die Schulstreiks und Sitzblockaden, die quälend langen Debatten mit Jungsozialisten und Jungdemokraten. „Heuchler und kalte Krieger“ sind sie 1968 für ihn, den Unangepassten. Wenige Wochen nach dem Happening in der Sporthalle schließt die SPD Schmid wegen „groben Verstoßes gegen die Parteigrundsätze“ aus. Heute sagt er: „Wir waren völlig verblendet.“

Was ihn aber heute nicht daran hindert, in der Schulverwaltung als Vertreter der Staatsmacht zu agieren. So sieht also der Marsch durch die Institutionen aus. Die CDU lädt einen Rudi Dutschke zu sich ein – und er stößt auf waches Interesse. So muss es sein!

Was sagt nun die Forschung zum gegenwärtigen Zustand unserer Schulen? Laut Schmid besteht keinerlei Anlass zu einer Strukturdebatte. Es gebe laut neuesten Forschungsergebnissen keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen Schulform und Lernerfolg. Ein hochgradig gegliedertes Schulsystem könne ebensowohl sehr gut als auch weit unterdurchschnittlich abschneiden, wie ein Vergleich zwischen Bayern und Berlin lehre. Die gleiche Variationsbreite herrsche bei Einheitssystemen – hier fällt mir der überlegene Stand der Schulbildung in der früheren Sowjetunion im Vergleich zu den USA ein. Entscheidend sei, fuhr Schmid fort, die Qualität des Unterrichts, nicht die Schulstruktur.

Damit stellte sich Schmid sozusagen von Anfang an windschief zu den verschiedenen Konzepten der Berliner Parteien. Die Parteien bosseln eifrig an Schulreformen und  Strukturdebatten, an Test-Ergebnissen, und üben sich in Unkenrufen. Als Mitglied der Schulverwaltung sieht Schmid hingegen seine Aufgabe eher darin, Erfahrungen  aus dem Schulalltag in Empfehlungen umzumünzen. Die Fachleute aus der Bildungsverwaltung, zu denen Schmid gehört, bereiten sich jetzt bereits darauf vor, die zu erwartenden Vorgaben der Berliner Landespolitik möglichst sinnvoll umzusetzen. Ideologie und Parteienbindung spielt dabei keine Rolle mehr. Das finde ich höchst erfreulich, denn seit meiner eigenen Schulzeit sind die Bildungseinrichtungen ein hart umkämpftes Feld für Weltverbesserer und Abendlandsretter geworden. Diese Streiterei ist ihnen insgesamt nicht gut bekommen.

Ich habe nicht den Eindruck, dass der rot-rote Senat und die drei Oppositionsparteien mit ihren Gegenentwürfen tatsächlich das angesammelte Wissen aus den Schulämtern abrufen. Mein Eindruck bestätigte sich auch an diesem Abend.

Einigkeit schien zu herrschen: Alle Schulformen, alle Schüler müssen in dem gestärkt werden, worin sie gut sind – oder gut sein können. Praktische Begabungen sollen stärker zur Geltung kommen, etwa in dem neuen geplanten P-Zweig. Schmid berichtet anschaulich und überzeugend von Planungen, wonach in den P-Zweigen (den Nachfolgern der jetzigen Hauptschulen), Werkstätten eingerichtet werden sollen, in denen die jungen Leute mit ihrer eigenen Hände Arbeit Erfolg und sogar ein kleines Einkommen erzielen sollen.

Die gesamte zweite Hälfte des Abends und die Aussprache kreisten mehr um die Menschen, die in der Schule aufeinandertreffen. Welche Haltungen sind bei Schülern und Lehrern nötig, damit Schule gelingt? Welche Rolle spielen Fleiß, Konzentrationsfähigkeit, Sprachkenntnisse, Tugenden wie Verlässlichkeit, Pünktlichkeit, Pflichtgefühl, Höflichkeit?

Recht ketzerisch und spielverderberisch meldete ich mich zu Wort und wagte den Einwand: Wenn Fleiß, Konzentrationsfähigkeit, gute Sprachkenntnisse, Tugenden wie Verlässlichkeit, Pünktlichkeit, Pflichtgefühl, Höflichkeit zusammenkommen – könnten wir uns dann die gesamte Debatte über Schul- und Unterrichtsformen sparen? Brauchen wir nicht eine andere Grundhaltung? Brauchen wir nicht – mehr als alles andere – einen Mentalitätswandel? Sind die endlosen Berliner Diskussionen um die Bildungspolitik im Grunde Schaukämpfe, die vom eigentlichen Problem ablenken? Ich schlug vor, ganz massiv an die Eltern heranzutreten und sie mit gezielter Mentalitätsbeeinflussung zu einer lernfreundlichen Haltung umzuorientieren. Die Kinder brauchen eine Umgebung, die sie zum Lernen ermuntert. Dazu gehört eine Abrüstung beim exzessiven Medienkonsum, frühe und bevorzugte Befassung mit der deutschen Sprache, Aufbrechen des „Migranten-„Ghettos, Selbstbefreiung aus dem Gestrüpp der Vorurteile. Es regte sich – kein Widerspruch. Ich hege die Vermutung, dass ein Großteil der Versammlung dieser Ansicht zuneigte.

Beim Nachdenken über diesen hochgelungenen Abend fällt mir noch ein Bericht über Michelle Obama ein. Im Gespräch mit französischen und deutschen Schülern, das im ZDF wiedergegeben wurde, erklärte sie vor wenigen Tagen sinngemäß:

„Ich hab mir immer Mühe gegeben, etwas zu lernen. Viele schwarze Mitschüler  haben mich damals schief angekuckt und gesagt: Du redest ja wie eine Weiße! Das hab ich auf mich genommen. Ich war eine Streberin. Das war voll uncool. Ich wollte gut sein in der Schule.“

Und genau diese Haltung brauchen wir auch in Berlin. An der Art der Schule liegt es sicher nicht, wenn Bildungsgänge scheitern. Keiner ist Opfer seiner Herkunft – niemand ist durch seinen Migrationshintergrund daran gehindert, in der Schule und im Leben Erfolg zu haben. Jede und jeder kann es schaffen. Evet, we can.

 Posted by at 22:27
Apr. 042009
 

Die Türken leben in ihrer eigenen Welt. Nein, dies ist kein Kommentar zum Nato-Gipfel, sondern ein Befund, den ich nach vielen Jahren Kreuzberg leider feststellen muss. Den Kreuzberger Deutschen ist es egal, was die Türken denken, tun, handeln, wie sie ihre Kinder erziehen, wie sie und ob sie Deutsch lernen. Die Kreuzberger Türken wiederum haben es sich behaglich eingerichtet in ihrer Klein-Türkei. Eine Notwendigkeit, gutes Deutsch zu erlernen, Kinder die angebotenen Chancen wahrnehmen zu lassen, sehen sie nicht. Lieber lassen sie über ihre Organisationen verkünden, sie würden von der Mehrheitsgesellschaft benachteiligt. Ein echtes Zusammenleben gibt es nicht. Man lebt nebeneinander her, teils in Gleichgültigkeit, teils in Ablehnung.

Wie im Kleinen, so funktioniert auch im Großen der Dialog nicht. Siehe Nato-Gipfel. Wie sollte er auch? Ich konstatiere allenthalben bei den Deutschen eine erschreckende Unkenntnis über türkische Geschichte, türkische Politik, türkische Kultur – oder soll ich sagen: kurdische, alevitische, jesidische, arabische, assyrische, tatarische usw. Geschichte und Kulturen? Denn die Türkei ist ein multiethnisches Land, die gewaltsame Türkisierung und erzwungene Assimilation konnte nicht verhindern, dass unter dem Firniß der einen großen Vaterlandsnation zahlreiche Sonderidentitäten bis zum heutigen Tage weiterbestehen. Gerade in diesen Tagen werden im Osten der Türkei riesige Massengräber entdeckt, in denen die paramilitärische JİTEM in den neunziger Jahren Hunderte, vielleicht Tausende von ihr ermordete unschuldige Zivilisten verscharrt hat.

Günstige Zahlen kann mein Heimatbezirk allerdings in der neuesten Berliner Sozialstatistik, dem sogenannten Sozialstrukturatlas, erwirtschaften: Wir haben uns um zwei Plätze nach vorne gekämpft, sind nicht mehr das Schlusslicht. Besonders erfreulich: Zusammen mit Pankow liegen wir im sogenannten Statusindex ganz vorne. Das heißt, der durchschnittliche Bildungsgrad ist hoch, und der Bezirk zieht mehr Menschen an, als aus ihm wegziehen. Das zeigt sich auch daran, dass man nicht mehr mitreden kann, wenn man nicht das Wort Gentrifizierung mindestens 5 Mal ohne Stocken in einem Satz unterbringt.

Auffallend aber, in höchstem Maße alarmierend ist der Rückgang der Kinder im Alter von 0-6 Jahren um 41 Prozent, der innerhalb von nur 3 Jahren eingetreten ist! Die Kinder ziehen mit ihren Familien weg. Der Bezirk bietet den Kindern offenbar keine Zukunft. Hier schlägt die dauernde Negativpropaganda über die Kreuzberger Grundschulen voll durch. Die deutschen Familien ziehen aus dem Ortsteil Kreuzberg weg oder melden sich zum Schein um. In der Klasse, die mein Sohn besucht, gibt es praktisch nur noch noch türkische und arabische Namen. Ich habe bisher weder einen deutschen Vater noch eine deutsche Mutter in dieser Klasse gesehen (mich selbst natürlich ausgenommen). Dabei wohnen wir noch in einem Umfeld, wo der Ausländeranteil sicherlich nicht über 30% liegt. Aber die deutschen Eltern tun alles, um nicht mit der türkischen Schülerpopulation in einen Topf geworfen zu werden.

Die Berliner Türken leben nunmehr dauerhaft in ihrer eigenen Welt. Das Motto könnte lauten: Türkei muss auch in Kreuzberg erkennbar sein!

Bei meinen Reisen durch die Türkei habe ich auf vielen Bergesgipfeln, auf noch dem kleinsten Eiland riesige türkische Flaggen gesehen, häufig auch Spruchbänder, die es über viele Kilometer hin verkündeten: „Die Türkei ist unser Vaterland!“ VATAN! „Überall, wo wir sind, ist Türkei“, in genau diesem Sinne hat sich auch der Staatspräsident Gül bei seinem Besuch in Köln geäußert.

Bezeichnend dafür ist das kleine Legoland, das ich vor wenigen Tagen in einer Kreuzberger Grundschule entdeckte: Groß und prächtig prangt die türkische Flagge neben zwei anderen, nicht näher erkennbaren Phantasieflaggen.

Die Deutschen interessieren sich nicht für die Parallelgesellschaft, die sich fest etabliert hat, sondern verschließen die Augen, ziehen lieber weg und geben viel Geld für Kongresse über Integration aus.

Das Bündnis Pro Reli ficht wacker für islamischen, christlichen und jüdischen  Religionsunterricht an staatlichen Schulen, ohne auch nur im mindesten islamische Lehrpläne, islamische Partnerverbände oder deutschsprachige Religionslehrer namhaft machen zu können. Haben alle, die da so vehement für Religionsunterricht streiten, den Islam wirklich kennengelernt? Haben sie den Koran gelesen?

Das niederschmetterndste Alarmzeichen für unseren Bezirk ist, dass die Kinderzahl wegbricht. Das heißt, der Bezirk wird für Familien unattraktiv, ja abstoßend. Der Bezirk verliert mit den Kindern seine Zukunft. Wer bleibt? Eine zunehmend gleichgeschaltete, gleichgekleidete, gleichdenkende, uniformierte Gesellschaft aus jungen und nicht mehr so jungen Erwachsenen, die ihren immer gleichen Parolen nachhängen, die in ihren immer gleichen „Freiräumen“ träumen und gegen Windmühlen kämpfen. Diese deutschen, kinderlosen, vom Staat oder den Eltern alimentierten Singles mit einer zum Tic verfestigten Trotzhaltung bestimmen zunehmend das Geschehen im Bezirk. Wer ihnen nicht passt, wie etwa der türkische Restaurantbetreiber Özkan Nas, wird verdrängt. Durch mafiaartige Einschüchterungsversuche werden die Menschen nach und nach vertrieben. Dann schmeißt man Buttersäure in Lokale, zündet Autos an (vgl. tip Nr. 08/2009, S. 19).

Unverbunden daneben her existiert eine türkisch-arabische Schicht, die sich immer stärker von der deutschsprachigen Gesellschaft abgekoppelt hat. Die Türken und Araber nehmen keinen Anteil am öffentlichen Leben des Bezirks. Die Kreisläufe der Kommunikation sind unterbrochen, Erstarrung macht sich breit.

Wie sieht es mit dem Kreislauf des Wirtschaftens aus? Der Bürgermeister Franz Schulz sagt:  „Der Kreislauf, dass Hauseigentümer mit dem Kauf und der Sanierung ihrer Häuser Profit machen können, muss unterbrochen werden“ (tip Nr. 08/2009, S. 8). Man lese diesen Satz zwei Mal! Mit Kauf und Sanierung von Häusern soll kein Profit gemacht werden – sondern, ja was? Verlust? Ein Nullsummenspiel? Ja, warum sollte dann überhaupt jemand sein Haus sanieren, wenn er damit nicht Geld verdienen kann?

Zu dem egoistischen Moralismus der Buttersäure-Werfer tritt also nun noch ein rabiater Dünkel gegen das Profitstreben. Mittelalterlichen Bußpredigern gleich, verwirft der Bürgermeister das Streben nach Gewinn, nach Besserung der Wohn- und Arbeitsverhältnisse. Alle sollen im Grunde von einer Art Subsistenzwirtschaft leben, z.B. von Hartz IV. Entwicklung wird abgelehnt. Das christliche Zinsverbot lässt grüßen, übermäßiger Gewinn galt bekanntlich als böse und wurde nur den Juden zugestanden. Es soll alles beim alten bleiben.

Lest selbst aus dem Bericht in der FAZ vom 3. April 2009, macht euch ein Bild. Vor allem: Versucht über den Tellerrand hinauszublicken, sprecht mit Kreuzberger Bürgern, den deutschen und den türkischen!

Aufstieg: Kreuzberg wird immer schicker – Hintergründe – Gesellschaft – FAZ.NET
Kreuzberg-Friedrichshain aber bildet eine eigene Kategorie: Die soziale Belastung ist hoch, aber insgesamt entwickelt sich der Bezirk günstig. Er hat die höchste Bevölkerungsdichte: Auf einem Hektar wohnen 217 Personen. Er gewann am stärksten an Bevölkerung: 12,6 Prozent zwischen 2002 und 2006. Seine Haushaltsgröße ist am kleinsten: 1,55 Personen (1,8 in Berlin). Er verlor viele Kinder (41 Prozent) unter sechs Jahren, hat aber anteilsmäßig die wenigsten Rentner und Pensionäre: 12,4 Prozent (22,5 in Berlin). Die Ausländerquote von Kreuzberg-Friedrichshain ist die zweithöchste Berlins: 23,23 Prozent. Der Bezirk hat die niedrigste Quote von abhängig Erwerbstätigen (59,7 Prozent, Berlin: 66,9), aber den höchsten Abiturientenanteil (45 Prozent). Die Arbeitslosenquote sank zwischen 2002 und 2006 um 6,4 Punkte. Das Pro-Kopf-Einkommen gehört zu den niedrigsten in Berlin: 825 Euro im Monat, nur in Mitte ist es niedriger – 800 Euro. In den Quartieren Wassertorplatz, Askanischer Platz, Mehring-, Oranien- und Moritzplatz leben die meisten Kinder in Hartz-IV-Haushalten, mehr als 70 Prozent. Die Lebenserwartung ist die niedrigste, 80,7 Jahre (statt 82) bei Frauen, 74,4 bei Männern (76,7 in Berlin).

So weit die Daten des Elends. Anders sieht es beim „Statusindex“ aus, der vor allem die Wanderungsbewegungen und die Schul- und Ausbildungsabschlüsse abbildet: Demnach sind die statushöchsten Bezirke Pankow und Kreuzberg-Friedrichshain. Letzterer gehört zu den vier Berliner Bezirken, in denen mehr als 70 Prozent der Bevölkerung in Gebieten mit überdurchschnittlich günstiger Sozialstruktur leben.

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Sehnsucht nach dem Frühling, oder: Gibt es ein Sehnsuchtsglück?

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März 192009
 

18032009.jpg Gestern durfte ich wieder einmal den Sohn in die Schule bringen. Ein großes Projekt ist angesagt: das Frühlingsprojekt. Jedes Kind sollte etwas in den Unterricht mitbringen, das an den Frühling erinnert. Wir beschließen: unser Wanja bringt seine Geige mit und spielt darauf das Lied „Sehnsucht nach dem Frühling“. Während er sich die Geige unters Kinn klemmt, wärme ich das Publikum vor: „Sehnsucht nach dem Frühling – es geht so los: „Komm lieber Mai und mache die Bäume wieder grün“, erkläre ich. „Wisst ihr auch, was Sehnsucht ist?“ Ein türkischer Junge, ein Drittklässler, meldet sich: „Sehnsucht ist, wenn man jemanden sehen will!“, antwortet er. „Sehr gut … und jetzt wollen wir hören, wie die Sehnsucht nach dem Fühling klingt.“ Wanja streicht das Lied fast ohne Stocken bis zum Ende durch, sogar das gis mit dem dritten Finger auf der D-Saite kommt fast sauber.  Großer Beifall – für mich als Vater ein echter Moment des Glücks!

Zuhause blättere ich wieder dieses und jenes Buch durch – wie es meine Art ist. Und siehe da, ich stoße auf einen Abschnitt über Sehnsuchtsglück:

Aristoteles versteht unter dem normativen Leitbegriff, dem Glück, nichts, was man passiv an sich herankommen lässt, weder den glücklichen Zufall eines Lottogewinns noch die Erfüllungen aller Hoffnungen und Wünsche, das Sehnsuchtsglück. Im Gegenteil kann und muß man sich das Glück erarbeiten. Es ist kein Geschick, das sich dem Zufall oder äußeren Mächten verdankt, sondern ein „Strebensglück“, für das man selber verantwortlich ist. […] Das Glück, das sich mit ziemlicher Verläßlichkeit erreichen läßt und auch vielen offensteht (hier zeigt sich eine Demokratisierung des Glücks), bedeutet vielmehr, daß eine Biographie als Ganze glückt. Das Strebensglück besteht in einem guten, einem gelungenen Leben.

Otfried Höffe: Kleine Geschichte der Philosophie, Verlag C.H. Beck, München 2005, S. 59

Was für eine gute Fügung! Das ist es ja genau, worum wir uns in diesem Blog seit Tagen bemühen: einen Glücksbegriff, der in die Demokratie passt. Ein Glück, das unabhängig von der ethnischen Herkunft und der religiösen Zugehörigkeit ist.

Eine bekannte deutsche Partei bat mich im Jahr 2007, kurz nach meinem Parteieintritt: Erklären Sie doch mal in einem oder zwei Sätzen fürs breite Publikum, warum Sie raten, dass man einer oder auch unserer Partei beitreten soll. Ich überlegte mehrere Tage hin und her und sandte dann per E-Mail den folgenden Satz: „In der Demokratie sind wir quer durch alle Parteien Schmiede unseres Glücks. Angela Merkel halte ich für ein begeisterndes Vorbild.“ Ist das logisch? Wohl nicht unbedingt, ich wollte damit in jedem Fall ausdrücken, dass Merkel eine Politikerin ist, die auf Wähler in allen Lagern attraktiv wirkt. Und solche Politiker braucht unser Land, nämlich Politiker, die sich in einen fairen Wettbewerb um Ideen, Lösungen, Perspektiven begeben – denn die anderen Politiker, die laut und großspurig verkünden „Mir san mir“, gibt es genügend.

Genau so wurde der Satz dann auch in einen Flyer gedruckt. Ob er wohl irgendjemanden überzeugt hat? Ich glaub nicht. Aber ich steh dazu. Und jetzt glaube ich sogar zu ahnen, dass Aristoteles mir – als seinem geringsten und verlorensten Schüler – auf die Schulter klopfen würde. Ich bin überzeugt: Es ist für unseren Staat in jedem Fall besser, irgendeiner Partei beizutreten, oder eine eigene Partei zu gründen, als immer nur beiseite zu stehen und abzulästern.

Heute abend geht’s ja bei Maybrit Illner um genau dieses Thema: Verdruß und Mißtrauen genüber den Parteien. Ich weiß noch nicht, ob ich mir die Sendung antue. Wahrscheinlich wird der Schwarze Peter mal wieder an alle Parteien gleichzeitig verteilt. Dem erwidere ich:

Bürger, geht rein in die Parteien, unterwandert sie in Scharen, arbeitet für euer Glück – euer Strebensglück. Hofft weder auf das Sehnsuchtsglück noch  auf das Versorgungsglück – weder vom Schicksal noch vom Kismet noch vom Staat noch vom staatlichen Rettungspaket. Ihr seid der Staat.

So – und jetzt kann der Frühling kommen! Das Foto zeigt unseren Schulweg, zwei Tage vor dem Frühlingsbeginn.

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„Das war voll schön“

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März 122009
 

Jede Gelegenheit nutze ich, um meinen Sohn in die Grundschule zu bringen oder von dort abzuholen. Heute früh schaffte ich es, da ich beruflich nicht gebunden war. Ich bestaune die bunten Vögel und die schönen lustigen Bilder, die die Kinder gestern unter Anleitung meiner Frau geschaffen haben. Das Ganze dient als Vorbereitung und Kulisse einer neuen Zauberflöten-Aufführung, die wir demnächst anbieten. Denn Papageno braucht die gefiederten Gefährten, damit er so richtig herumwirbeln kann.

Plötzlich höre ich reden: „Das ist der Mann, der beim Fasching Geige gespielt hat!“ Aha, die Parallelklasse 1a erkennt mich wieder! „Und bist du die Prinzessin, der wir damals gratuliert haben?“ frage ich das Mädchen. „Nein, die Prinzessin steht da drüben“, erfahre ich. „Aber ihr seht alle so anders aus heute, warum? „Ja, damals war doch der Fasching! Wir waren alle verkleidet“, sagen die Kinder. „Ach ja, wie dumm von mir!“, mit gespielter Überraschung schlage ich mir an die Stirn. „Und kannst du auch Gitarre spielen?“, fragt mich ein Junge. Ich bleibe bei der Wahrheit: „Nein. Aber möchtest du Geige lernen?“ „Nein.““Woher kennt Ihr dieses Gedicht, von … ich weiß nicht mehr, wie der heißt“, fragt ein anderes Mädchen. Jetzt schaltet sich mein Sohn ein: „Das ist kein Gedicht, sondern eine Geschichte“, sagt er belehrend, eine Spur altklug wohl gar. „Das ist die Geschichte vom Stier Ferdinand. Ich habe sie von einem Geiger gehört. Dann wollte ich die Geschichte selber spielen und erzählen. Da habe ich mir die Noten und die Geschichte gekauft“, erkläre ich. „Von wem ist diese Geschichte?“ Ich antworte: „Die Geschichte ist von Munro Leaf, und die Musik für Geige hat Alan Ridout geschrieben.“

„Das war voll schön“, erwidert das kleine türkische Mädchen.

Und wisst ihr was, Bloggers im Lande, Freunde? Dass ich dies heute hören durfte, war für mich . . . ebenfalls, wie soll ich sagen? . . . voll schön. Und deshalb werde ich weiterhin meinen Sohn in unsere wunderbare kleine Kreuzberger Grundschule bringen, sooft meine Zeit erlaubt.

Nebenbei: Der Geiger, von dem ich die Geschichte hörte, heißt Daniel Hope. Er spielte die Geschichte in der Staatsoper, bei einem Kongress über frühkindliche musische Bildung.  DAS MÖCHTE ICH AUCH KÖNNEN!, dachte ich damals, – und ein Jahr später war es soweit.

Das find ich voll schön. Echt.

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Weiter Vorbehalte gegen Reform der Grundschule

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März 092009
 

Weiter Vorbehalte gegen Reform der Grundschule

In den Grundschulen gibt es weiterhin große Vorbehalte gegen das jahrgangsübergreifende Lernen (JüL). Dennoch wird die Methode nach den Sommerferien in vielen weiteren Anfangsklassen eingeführt. „Die Schulräte üben Druck auf die Kollegien aus“, berichten übereinstimmend Vertreter von GEW und Elternschaft. Die Bildungsverwaltung verweist auf die Gesetzeslage, betont aber, dass „begründete Ausnahmen“ weiterhin erlaubt seien. Zum vergangenen Schuljahr hatten sich noch etwa 125 der knapp 400 Grundschulen verweigert.

So berichtet heute der Tagesspiegel. Wir haben uns mit den Eltern im Oktober 2008 an unserer damaligen Grundschule intensiv über das jahrgangsübergreifende Lernen unterhalten. Dann verfassten wir gemeinschaftlich folgendes Schreiben, das fast alle Eltern unsere beiden ersten Klassen unterzeichneten (60 Unterschriften). Der Erhalt und die Weiterleitung unserer Stellungnahme „an die zuständige Stelle“ wurde uns schriftlich vom Schulamt Mitte bestätigt. Eine inhaltliche Reaktion ist nicht erfolgt.

ELTERN DER JAHRGANGSSTUFE 1 AN DER GRUNDSCHULE AM BRANDENBURGER TOR GEGEN JAHRGANGSÜBERGREIFENDEN UNTERRICHT

Berlin, 06. Oktober 2008

– Bezirksamt Mitte von Berlin
Bezirksstadträtin für Bildung und Kultur, Dagmar Hänisch

– Abteilung Bildung und Kultur
Schul- und Sportamt
Mathilde-Jacob-Platz 1
10551 Berlin

 

Sehr geehrte Frau Hänisch,

sehr geehrte Damen und Herren,

wir, die nachstehend genannten Eltern der ersten Jahrgangsstufe in der ersten Klasse der Grundschule am Brandenburger Tor  (Staatliche Europaschule Berlin) sprechen uns dagegen aus, dass für unsere Kinder der jahrgangsübergreifende Unterricht als Regelfall eingeführt wird.

In jeder Klasse der Staatlichen Europaschulen Berlin wachsen Schülerinnen und Schüler verschiedener Nationen mit unterschiedlichen Muttersprachen auf. Sie lernen nicht nur miteinander, sondern auch voneinander.

Bereits jetzt sitzen also in den bestehenden Klassen Kinder ganz unterschiedlicher Herkunft zusammen. Sie bringen in den verschiedenen Teilgebieten unterschiedliche Voraussetzungen mit. Manche können in der ersten Klasse schon langsam lesen, andere fangen mit einzelnen Buchstaben an. Das vielgerühmte gegenseitige Lernen und Lehren der Kinder ließe sich also sofort in einem stärker binnendifferenzierten Unterricht umsetzen. Dafür ist keineswegs die Jahrgangsmischung oder das jahrgangsübergreifende Lernen (Jül) eine Voraussetzung.

Die uns bekannten und seit langen beständig wiederholten Argumente einiger, nicht aller Politiker und einiger, nicht aller Bildungsfunktionäre konnten uns nicht überzeugen, dass das jahrgangsübergreifende Lernen in der Grundschule am Brandenburger Tor den gewünschten Erfolg bringen würde.

Wer in den 60-er Jahren für die altersgemischten Dorfschulklassen eintrat, galt als verknöchert und rückständig. Heute wird man als reformunwillig angesehen, wenn man sich gegen die Wiedereinführung altersgemischter Klassen einsetzt. Uns sind keine wissenschaftlich fundierten Langzeitstudien bekannt, die den Vorteil des jahrgangsübergreifenden Lernens bestätigen.

Wir regen nachdrücklich an, dass zu einzelnen Anlässen und einzelnen Projekten Kinder aus unterschiedlichen Klassen zusammenkommen und voneinander lernen, etwa beim gemeinsamen Theaterspiel und Musizieren.

Wir lehnen jedoch die Einführung der grundsätzlichen Jahrgangsmischung ab, wie sie das Berliner Schulgesetz als Regelfall vorschreiben möchte.

Unsere Kinder brauchen bestmögliche Förderung, einen effizient organisierten Unterricht und verbindliche Lernziele. Die Jahrgangsmischung scheint uns kein geeignetes Mittel, um solche Ziele zu erreichen.

Wir wollen, dass unsere Kinder weiterhin in Jahrgangsklassen unterrichtet werden.

Mit freundlichen Grüßen

Eltern der Jahrgangsstufe 1 an der Staatlichen Europaschule am Brandenburger Tor:

Name Vorname Unterschrift
     
     
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März 062009
 

Immer wieder fordern Fachleute, Eltern und Lehrer die Einrichtung von verpflichtenden Ganztagsschulen. Da die Eltern und Familien komplett versagten, solle der Staat einspringen.

Das überzeugt mich allerdings nicht. Schon jetzt äußern die Eltern und die Fachleute auf Schritt und Tritt Unbehagen, Unzufriedenheit und Unglücklichsein mit den Berliner Schulen. Mit den Halbtagsschulen, wohlgemerkt. Warum sollten die Schulen besser sein in dem, was sie angeblich so schlecht machen, wenn sie es doppelt so lange machen? Wer bezahlt das?

Nein, nein: Wir wissen, dass unser Sohn in den Grundschulen Berlins fast nur die ominösen Sozialkompetenzen lernt, z.B. die Behauptung in einem türkisch-arabisch beherrschten Umfeld. Und alles andere bringen wir Eltern ihm bei. Der Staat kann uns in Berlin keine gute Schulbildung anbieten, also beschränken wir den Schulbesuch auf die Erfüllung der Schulpflicht, man will ja nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen.

Die weitere Ausbildung im Lesen, Schreiben, Musizieren, Sprechen und Rechnen haben wir weitgehend in eigene Hände genommen.

Ich bin gegen die Ganztagsschule. Schon das jetzige staatliche Schulmodell klappt in Berlin nicht.

Wieso sollten wir unser Kind dem Staat für einen ganzen 8-Stunden-Tag anvertrauen? Ein so tiefes Staatsvertrauen haben wir nicht. Das Land Berlin hat sich, angeführt von einer unter extremer Inzucht leidenden Politikertruppe aus den verschiedensten Parteien, über Jahrzehnte hinweg eine Klientel an lernunwilligen und bequemen Hilfeempfängern herangezüchtet, und jetzt soll das Land Berlin seine fürsorgliche Belagerung sogar noch ausbauen? Das passt alles hinten und vorne nicht zusammen.

Ich meine: Das Land Berlin hat seine Unfähigkeit in der Bildungspolitik trotz guter finanzieller Ausstattung hinreichend unter Beweis gestellt. Jetzt sind wir Eltern gefordert. Noch mehr Geld wird keine Besserung bringen.

Ganz anders hingegen werden die Eltern und die Fachleute heute in der Morgenpost zitiert:

Nach dem Brandbrief – Schulmisere – Jetzt machen Berliner Eltern Druck – Berlin – Berliner Morgenpost
Zu wenig Fachlehrer, marode Gebäude und fehlende Förderung von Schülern mit Migrationshintergrund – Mittes Eltern und Lehrer sind frustriert. Nach dem Brandbrief der Schulleiter vom Dezember hat sich an den Schulen nichts geändert. Jetzt fordern sie vom Senat konkrete Maßnahmen. […]

Die Schulleiter wiesen auf die schlechte Sozialstruktur von Mitte mit vielen sozial benachteiligten Familien und Schülern aus Einwandererfamilien hin. Ein anderes Problem sei die Versorgung der Schulen mit Personal, besonders mit Hausmeistern und Sekretärinnen. Darüber hinaus wurde gefordert, die bauliche Unterhaltung der Schulen zu sichern.

Diese und weitere Forderungen nehmen Bezirkselternausschuss und Bezirksschulbeirat von Mitte jetzt in ihrem offenen Brief wieder auf. Außerdem fordern sie, Grundschulklassen mit maximal 20 Kindern einzurichten. An Sekundarschulen und Gymnasien sollten es höchstens 25 Schüler pro Klasse sein, heißt es weiter. Nötig seien überdies mehr Stellen für Sozialpädagogen sowie Schulsozialarbeit.

Jens Stiller, Sprecher der Bildungsverwaltung, dazu: „Sekundarschulen werden zu Ganztagsschulen und bedeuten so einen großen Fortschritt für die Bildung von Schülern, gerade in Mitte.“ Berlin müsse bei allen Reformschritten immer berücksichtigen, was es sich leisten kann und will. In den kommenden drei Jahren werde eine halbe Milliarde Euro in Schulen investiert, so viel wie nie zuvor.

 Posted by at 15:47
März 042009
 

Das Gegenteil wie der einsame Blogger Johannes Hampel fordern die Fachkräfte aus den Schulen: Sie sagen: Kinder aus den versagenden Familien herausholen, mehr Betreuung, mehr Erziehung durch die Grundschulen. Der Staat soll für alles sorgen.

Verkehrt sind die Forderungen nicht, aber es ist ein Fass ohne Boden. Die Zuwanderung in unser Schulwesen und unseren Sozialstaat, gerade aus der Türkei und aus Libanon, wird unvermindert anhalten, denn es wird sich herumsprechen, dass der Staat hierzulande wesentliche Erziehungsaufgaben mit übernimmt. Die Eltern können es sich bequem machen und Fernsehen gucken.

Man fördert erlernte Hilflosigkeit.

Bildungsnotstand – Berliner Grundschulen warnen vor Kollaps – Berlin – Berliner Morgenpost
Nichtschulfähige Kinder und schlechte Ausstattung überfordern die Grundschullehrer in Brennpunkt-Bezirken. In einem Hilferuf fordern Lehrer und Eltern kleinere Klassenstärken, mehr Personal sowie die Einführung der Ganztagsbetreuung.

 Posted by at 16:58