Wahlkampf HEUTE, Freitag, 26.08.2011, Treffpunkt 15 Uhr an der Kreisgeschäftsstelle, dann gemeinsam zum Mehringplatz. Wahlkampf MORGEN, Samstag, Treffpunkt 10 Uhr an der Kreisgeschäftsstelle, dann gemeinsam zum Boxhagener Platz. Kommt in MASSEN! Unterstützt alle unsere hervorragenden Kandidaten, insbesondere den Spitzenkandidaten und Direktkandidaten im Wahlkreis Kreuzberg 1 Kurt Wansner!
Gestern am Stammtisch spannendes Thema: Die Auseinandersetzung Russlands mit dem Islam von 1800 bis heute. Dr. Christian Dettmering, Historiker und Friedrichshainer CDU-Mitglied, stellte seine Dissertation über die Integration der Tschetschenen und Inguschen ins Russische Reich vor. Wie konnten staatenlose islamische Gesellschaften erfolgreich integriert werden? Welche Bedingungen führten zur Gewalteskalation? Dettmering vermochte mit nahezu kriminalistischer Feinheit eine schlüssige Antwort zu geben.
Dem schloss sich eine äußerst lebhafte Debatte über die Rolle des Islam in Deutschland an, bei der auch neuere Forschungsergebnisse aus der Geschichte der Diplomatie, insbesondere die Rolle der USA bei der Anwerbung der ersten türkischen Gastarbeiter 1961 besprochen wurden.
Leseempfehlung:
Christian W. Dettmering: Russlands Kampf gegen Sufis. Die Integration der Tschetschenen und Inguschen in das Russische Reich 1810-1880. Dryas Verlag, Oldenburg 2011, 383 Seiten, 31,90
Größter Unbeliebtheit bei Freund und Freund und Freund (also bei Grünen, SPD und Türken) erfreut sich spätestens seit ihrem Parteiwechsel von den Grünen weg die Integrationsministerin des Landes Baden-Württemberg Bilkay Öney (SPD).
„Je mehr Türken wir im Land haben, desto mehr Unruhe haben wir„, sagt sie, und das ist falsch. Das passt einfach nicht zum wahren Wesen des Türken. Denn richtig ist vielmehr folgendes: „Die türkische Gemeinschaft und der türkische Mensch, wohin sie auch immer gehen mögen, bringen nur Liebe, Freundschaft, Ruhe und Geborgenheit mit sich.“ So völlig zutreffend Ministerpräsident Erdogan 2008 in Köln.
„Die Türken gucken fünf Mal mehr Fernsehen als die Deutschen.“ Wieder so ein Hammer. Frau Öney hätte sagen müssen, woher sie das weiß – aus ihrem Bekanntenkreis, aus Untersuchungen, aus ihren eigenen Erfahrungen?
Serkan Tören (integrationspolitischer Sprecher der FDP) ergänzt aus eigenem Antrieb etwas, was Frau Öney nie und nimmer gesagt hat und auch nie zu denken gewagt hätte. Tören sagt: „Die Türken sind dumm, die interessieren sich nicht für Kultur, fürs Lesen, die Eltern erziehen ihre Kinder nicht richtig, sondern hängen nur vor dem Fernseher.“
Hat Tören recht, wenn er sagt, dass die Türken dumm sind? Ist dies eine rassistische Behauptung, die Serkan Tören da vom Stapel lässt?
Was ist dran? Nun, ich meine, beide Behauptungen – sowohl die von Öney wie die von Tören – sind pauschal und furchtbar falsch.
Ich selbst kenne türkische (und auch arabische) Eltern, die sich für Kultur interessieren, die ihren Kindern das Fernsehen stark einschränken, die ihre Kinder anhalten, Bücher zu lesen, Eltern, die nicht nur vor dem Fernseher hängen, sondern die ihre Kinder zum Lernen anhalten. Diese Eltern ziehen übrigens fast alle aus Kreuzberg weg, sobald sie können.
Es ist unleugbar, dass schrankenloser Medienkonsum, Vernachlässigung der Kinder, Gesprächsverweigerung, Desinteresse und Abwesenheit der Väter den Kindern Schaden zufügt.
Richtig wäre es, in ermutigendem und aufmunterndem Tone zu sagen: „Eltern, Väter, macht etwas Sinnvolles mit euren Kindern! Lernt mit ihnen die Landessprache Deutsch, spielt mit ihnen Fußball, fahrt Fahrrad mit ihnen, geht ins Bode-Museum. Singt und spielt mit den Kindern, ladet Kinder aus der Nachbarschaft ein, habt nicht so viel Angst vor Schweinefleisch, geht kostenlos wandern auf den Kreuzberg und ins Wuhletal, kuckt nicht stundenlang türkisches und arabisches Satellitenfernsehen, sondern kuckt mal die Sendung mit der Maus in deutscher Sprache. Lasst eure Frauen Deutsch lernen, lasst eure Frauen auch mal allein aus dem Haus gehen.“
Es ist ein unhaltbarer Zustand, wenn türkische und arabische Frauen nach 40 Jahren in Deutschland immer noch kein Wort Deutsch können und dann nur mit Dolmetschern, mit ausdrücklicher Erlaubnis des Ehemannes und in männlicher Begleitung zum Arzt oder zur Familienhilfe gehen dürfen.
Die türkischen und arabischen Eltern brauchen meiner eigenen langjährigen Erfahrung nach von den deutschen LEHRERN und von der deutschen POLITIK eine derartige klare Ansage! Sie kommen alle aus Ländern, in denen den Ratschlägen und Anweisungen der geistlichen und weltlichen Autoritäten Folge geleistet wird, und brauchen deshalb auch in Deutschland – dem Land ihrer Wahl, in dem sie nicht gezwungenermaßen leben – klare Leitplanken. Deutschland muss Forderungen stellen.
Natürlich – wenn Türken Deutschland nur als einen Parkhafen oder temporären Unterstand betrachten sollten, in dem man sich aufhält und seine extraterritoriale Türkei ausbreitet und sich nicht um die Landessprache Deutsch oder gar um den Staat Deutschland schert, dann sollten wir klar sagen: „Das wollen wir nicht. Wir wollen keine extraterritoriale Klein-Türkei in Deutschland. Wir wollen in einzelnen Stadt- oder Landesteilen, in einzelnen Schulen nicht de facto von der Türkei übernommen werden.“
So etwa äußert sich gelegentlich der Bundesvorsitzende der Grünen, Özdemir, der ja seit seiner Übersiedlung nach Kreuzberg in allen seinen Äußerungen zur Integrationspolitik einen erstaunlichen Realitätssinn beweist.
Bitte nicht so viel Geschwurbel und Geschwafel wegen „interkultureller Kompetenzen“ und „multikultureller Gesellschaft“!
Zurück zu Bilkay Öney (früher Grüne, jetzt SPD)! Ist sie eine Rassistin? Nein. Ist sie ministrabel? Auch nein. Als Integrationsministerin kann sie nicht so reden, wie sie redet. Es ist inhaltlich dünn, wie Memet Kilic (Grüne/CHP) heute in der WELT auf S. 8 zu recht hervorhebt. Öney wäre eine hervorragende Bloggerin oder Karikaturistin. Sie ficht mit dem Hammer, nicht dem Florett! Lehrreich aber ist es zu sehen, mit welchen Qualifikationen in der Politik Karriere gemacht wird!
Öneys unsterbliches Verdienst ist jedoch: Sie bringt die ganze Geschwurbel- und Geschwafel-Blase zum Platzen, die die deutsche Integrationspolitik zu einer fetten Domäne der Soziologen und Politologen gemacht hat, die Millionen und Abermillionen für Forschungsprojekte und Pläne lockergemacht haben, nur um wieder und wieder nachzuweisen, dass die Türken so furchtbar, so, wie soll man sagen — so STRUKTURELL benachteiligt sind, benachteiligt waren und benachteiligt bleiben. Öney redet Tacheles. Ihre Aussagen treffen aber in dieser Absolutheit sicher nicht zu.
Dennoch tiefempfundener Dank an Bilkay Öney, Serkan Tören, Memet Kilic und meinen Mit-Kreuzberger Cem Özdemir! Es ist alles in allem ein erfrischender Schlagabtausch, wie wir ihn sonst nur aus der türkischen Innenpolitik kennen. Bitte nicht alles so bierernst nehmen! Die Türken in der Türkei kommen innenpolitisch so recht heftig zur Sache. Dagegen sind wir in Deutschland alles Waisenknaben, Türken wie Deutsche gleichermaßen.
Rassisten seid ihr alle nicht, dafür lege ich meine Hand ins Feuer. In diesem Sinne: Hepimiz insaniz und tschüß.
Unverhoffte BegegnungKommentare deaktiviert für Die erstaunliche politische Karriere des Karl Valentin
Aug.262011
Eine erstaunliche Karriere bei Politikern mit mehr oder minder ausgeprägtem Migrationshintergrund legt derzeit Karl Valentin hin, den viele für einen Bayern halten, obwohl seine Mutter aus Sachsen stammt. Oha, ein MIGRANT der zweiten Generation!
„Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“ (Zitat 1), zitierte ihn CDU-Kandidat Ertan Taskiran kürzlich beim Fastenbrechen mit Bundesinnenminister Friedrich in Friedrichshain-Kreuzberg, einem Stadteil, in dem zu wohnen ich den ausgeprägten Stolz habe. Erstaunlich: Genau dieses Zitat habe ich öfters aus dem Munde meines Vaters gehört, eines gebürtigen Schlesiers, den es dann nach Bayern verschlug. Auch ein MIGRANT!
„Die Zukunft war früher auch besser“ (Zitat 2). So Bundesverteidigungsminister de Maizière im Tagesspiegel heute. Dem Namen nach zu urteilen ist der Minister auch ein Migranten-Sohn.
Mein Valentin-Zitat des Tages ist übrigens das folgende: „Der erste Mensch, den ich nach meiner Geburt erblickte, war die Hebamme. Ich staunte sehr, denn ich hatte diese Frau nie zuvor gesehen“ (Zitat 3).
Logischer Schluss aus Zitat 1, 2 und 3: Es kommt im Leben von Geburt an immer wieder zu Unvorhersehbarem. Doch manchmal hört oder liest man auch etwas, was man schon einmal gehört oder gelesen hat. Solche Zitate, ja Wiederholungen überhaupt, stiften Vertrautheit. Sie ordnen das unübersichtliche Ding, dieses Leben.
Mag es Zufall sein, dass ausgerechnet das lallende Kinderwort für Mutter in den meisten Sprachen eine Wiederholung aus zwei Silben ist? Ma-ma.
FahrradKommentare deaktiviert für Dießen fährt schon mal vor: Fahrradparkhaus!
Aug.252011
Es ist eine merkwürdige Tatsache, dass es im verschlafenen Berlin noch kein Fahrradparkhaus gibt, wie ich es beispielsweise in Dießen/Ammersee, Wolfsburg und Hannover sah! Der Bedarf an Abstellmöglichkeiten für die treuen Rösser wächst stark an! Im übrigen steht die Großwetterlage pro Fahrrad, wie ein recht netter Artikel von Peter Neumann heute auf S. 20 in der Berliner Zeitung belegte.
Wir Fahrradfahrer sind keine kleine, verachtete Minderheit mehr. Vielmehr ruhen die Augen der Öffentlichkeit wohlwollend auf uns. Nun müssen wir aber auch recht artig Platz machen, wenn Fußgänger aus dem Bus aussteigen, müssen höflich und ordentlich fahren, brav Handzeichen geben! Sonst ist es mit der Sympathie und Schönwetterlage bald vorbei. Der klirrende Frost des Autowahns könnte wieder über uns herfallen.
Schnellwege, breitere Spuren und ein Parkhaus : Textarchiv : Berliner Zeitung Archiv
Auch die zusätzlichen Fahrradstellflächen, für die ein „Masterplan Fahrradparken“ entwickelt werden soll, könnten Autos Platz wegnehmen. Von der „Umnutzung von Kfz-Stellplätzen“ ist die Rede. Es sollen auch neue Lösungen erprobt werden – zum Beispiel mehrstöckige Abstellanlagen. Vorgesehen ist ein Modellprojekt für eine Fahrradstation mit Serviceangeboten und Platz für mindestens 500 Zweiräder.
Wichtiger Termin: kommender Montag, 13 Uhr, Eröffnung des sanierten May-Ayim-Ufers. Na, dann werden wir mal sehen, ob jetzt die Belange des Fuß- und Radverkehrs angemessen berücksichtigt sind!
Programm:
13.00 – 13.05 Uhr
Das May-Ayim-Ufer als postkolonialer Aufklärungs- und Erinnerungsort
Elvira Pichler, Vorsitzende Kulturausschuss der BVV
Joshua Kwesi Aikins, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland
13.05 – 13.15 Uhr
May Ayim Person und Werk
ManuEla Ritz, Antirassismustrainerin, Autorin
Nach vierjähriger Bauzeit ist die Sanierung des May-Ayim-Ufers neben der Oberbaumbrücke in Kreuzberg beendet. Am Montag wird das 300Meter lange Uferstück offiziell übergeben. Der Traditionsanleger wurde nach historischen Plänen wieder hergestellt. Neben einem Restaurant mit Terrasse gibt es einen Ausstellungsraum sowie einen Leuchtturm. Die Sanierung wurde aus dem Programm Stadtumbau West bezahlt. (sk.)
„Sie haben unsere Identität und Kultur verraten„, diesen Vorwurf gegen die türkischstämmigen Kandidaten der Grünen und der SPD erhebt Ismet Misirlioglu, ein Kandidat für die Berliner Landtagswahlen. Früher hat er links gewählt, SPD, Grüne, doch er fühlt sich nicht mehr von ihnen vertreten. Das berichtet der Berliner Zeitung heute auf S. 22. Mit dem „Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit“ stellt sich in Berlin eine vor allem islamisch und türkisch geprägte Partei zur Wahl, die eindeutig die Werte Identität, Kultur, Religion, Herkunft und Ethnizität in den Vordergrund stellt.
Der Artikel ist lehrreich! Denn ein Slogan der Partei wird von der Berliner Zeitung sofort als schwulenfeindlich gebrandmarkt. Was steckt dahinter? Nun, die Partei BIG warnt vor dem „Schulfach schwul“. Er habe nichts gegen Schwule, sagt Misirlioglu. Er sei nur gegen die Bevorzugung einer Minderheit, er, der Angehörige einer anderen Minderheit.
Ist BIG schwulenfeindlich? Sicher nicht! Was BIG will, ist vermutlich, dass die Berliner Schulen zunächst einmal zur traditionellen Familie hin erziehen, also zum üblichen „Vater, Mutter und Kinder lebenslang verbunden“, wie es sich in den letzten 10.000 Jahren weltweit und kulturunabhängig als erfolgreichstes Modell erwiesen hat. Das wäre dann ein absolutes BIG-Alleinstellungsmerkmal, denn keine andere Partei tritt mit dieser Forderung im laufenden Wahlkampf an!
Superspannend! Da taucht mit BIG eine ganz neue Formation auf, die sich in den bestehenden Parteien nicht abgebildet sieht: die konservativen, muslimisch geprägten Zuwanderer, die ihre Identität in Deutschland „konservieren“ wollen. Natürlich darf da der Vergleich zwischen Hitlers „Mein Kampf“ und Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ nicht fehlen – zwischen zwei Büchern, die Misirlioglu – wie er selbst eingesteht – nicht gelesen hat.
Ich meine: Mit der schroffen Ablehnung der Homosexualität, mit dem Vorwurf des Verrats gegen migrantische SPD- und Grünen-Politiker, mit dem Pochen auf islamische Identität und Herkunftskultur fängt BIG sicherlich eine Grundhaltung ein, die weit verbreitet ist: „Wir dürfen unsere Identität als Muslime, unsere Identität als Türken, …“ nicht verlieren. Gerade hier in Kreuzberg beobachte ich eine massive Stärkung der türkischen, der arabischen, der muslimischen Identität, die ganz bewusst in schroffer Absetzung von der deutschen Identität gepflegt wird. „Die Deutschen sind leider nicht so, wie wir eigentlich sein wollen, wir dürfen auf keinen Fall so wie die Deutschen werden, wir sollten auf keinen Fall Deutsche werden“, so könnte man diese Grundstimmung beschreiben, die sich allerdings erst in den letzten 10-15 Jahren herausgebildet hat. Deshalb haben die Zentausende von Pfiffen gegen den „Verräter“ Mesut Özil mehr ausgesagt als alle wohlgemeinten Integrationsminister es je verlauten lassen können.
Dies mag auch der Hauptgrund dafür sein, dass so wahnsinnig viele Menschen, die hier in Kreuzberg geboren und aufgewachsen sind, nur gebrochenes, ungrammatisches Deutsch sprechen und schreiben: „Ja zu ein respektvolles Miteinander!“ – falls sie das Erlernen der deutschen Sprache nicht ohnehin ganz ablehnen, wie ich es ebenfalls immer wieder erleben durfte.
„Die Deutschen sind leider nicht so, wie wir eigentlich sein wollen, wir dürfen auf keinen Fall so wie die Deutschen werden, wir sollten auf keinen Fall Deutsche werden.“ Hallo Meinungsforschungsinstitute! Legt diesen Satz mal euren migrantischen Umfrageteilnehmern vor! Ihr werdet satte Zustimmungswerte einfahren.
Meinungsforschungsinstitute! Ihr traut euch nicht? Traut euch doch, wovor habt ihr Angst? Natürlich müsst ihr die Umfragen auf Türkisch und Arabisch durchführen!
Symptomatisch für diesen konservativen Roll-back in den migrantischen Gemeinden ist auch das Leben und Wirken der May Ayim, nach der eine Straße in Kreuzberg benannt worden ist: Auch bei ihr findet man die massive Stärkung der Identität als „Afro-Deutsche“, in ihren Gedichten und Reflexionen findet man als Hauptthema wieder und wieder die bewusste Pflege und das Ringen um Identität als „Andersartige“, etwa im Sinne von: „Eigentlich bin ich Afrikanerin, keine normale Deutsche.“
Ich sehe den Trend zur Hervorhebung eines Merkmals – „eigentlich bin ich keine normale Deutsche, sondern Schwarze, Afro-Deutsche“, „eigentlich bin ich kein normaler Deutscher, sondern eigentlich Moslem, eigentlich Türke, Palästinenser“ usw. mit kritischen Augen! Natürlich kann in einem freien Land niemand gedrängt werden, sich als vor allem im Grunde seines Herzens Türke, als Deutscher, als Russe, als Moslem, als Schwarze oder als Palästinenser zu sehen. Aber ich persönlich habe ein Interesse daran, dass alle, die hier dauerhaft wohnen und leben, sich als ganz normale Menschen in Deutschland sehen – und folglich als ganz normale Deutsche, als typisch deutsche Staatsbürger.
May Ayim, Ismet Misirlioglu (BIG), Thilo Sarrazin (SPD), Ertan Taskiran (CDU), – das sind für mich – trotz all ihrer fremdartig klingenden Namen – alles ganz normale Menschen in Deutschland. Ganz normale Deutsche. Sie sind auch nichts anderes als ich. Menschen.
Selbstverständlich: Für all die linkskemalistischen, nationalistischen Türken war traditionell die SPD die erste Wahl. Wer in der Türkei CHP wählte, wählte halt, schon um nicht nachdenken zu müssen, in Deutschland SPD.
Und wenn man als konservativer Türke nicht mehr SPD oder Grüne wählen will, weil sie die „Identität und Kultur verraten“ haben? Dann sollte man überlegen, CDU zu wählen. Die CDU wäre eigentlich die gefundene neue Heimat für genau die Wähler, die auch die BIG anspricht.
In diesem Sinne sage ich „Ja zu ein respektvolles Miteinander“. Hepimiz insaniz!
SingenKommentare deaktiviert für Weiß Kreuzberg, was es hat?
Aug.242011
Eine phantastische Sängerin, die ich immer wieder gerne höre, ist die russische Altistin Irina Potapenko.
Das Beste: Sie wohnt in Kreuzberg. Jetzt kann man die Lieder von Fauré und Mendelssohn im Internet kaufen. Gute Sache! Ob wohl viele wissen, wer oder was sich hinter dem U-Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park verbirgt?
Familie, Solidarität, VerwöhntKommentare deaktiviert für Bezahlter Vollrausch, oder: Ist Solidarität gleichbedeutend mit Zahlungsbereitschaft?
Aug.242011
„Berlin wird auf Jahrzehnte hinaus noch auf die Solidarität der anderen Bundesländer angewiesen sein!“, das ist so ein typischer Berliner-Landespolitik-Satz, im Jammerton vorgetragen von wohlgenährten Polit-Profis, bei dem ich mir – auch auf Parteitagen – gerne die Freiheit herausnehme versonnen in mich hineinzulächeln. Ja, ja, ich lächle, versonnen. Ich bin so frei. Bezahlter Vollrausch! Gemeint ist: Zahlt mal hübsch weiter, ihr reichen Bundesländer!
„Solidarität“ wird heute meist als Zahlungsbereitschaft des Gemeinwesens für staatlich anerzogene Opferhaltung missverstanden. So entstehen dann die typischen generationenübergreifenden Hilfekarrieren.
Ich meine: Solidarität kann nur von unten aufwachsen: Solidarität mit dem Menschen, für den man oder frau Verantwortung trägt. Zum Beispiel der Vater für die Kinder. „Vater hat sich für den Alkohol und gegen die Familie entschieden“, lest Berliner Morgenpost heute, S. 13! Der saufende Vater handelt gegen die Solidarität – mit verheerenden Folgen für die Tochter, die ebenfalls alkoholgefährdet ist.
Die Kosten der zunehmenden Trunksucht bei Jugendlichen trägt der Staat: Bildungsversagen, Berufsversagen, teure Reha-Maßnahmen. Hätte der Vater sich für die Familie und gegen den Alkohol entschieden, blieben diese Kosten uns allen erspart. Man könnte sagen: Der saufende Vater, der sich nicht um die Tochter kümmert, handelt unmoralisch.
Ein Mangel an Solidarität innnerhalb der Familie ist meistens die Ursache für schulisches Scheitern, Kriminalität und Drogensucht.
Wie im Kleinen, so im Großen!
Guter Punkt, den der Bundespräsident da aufgreift!
Wenig erstaunlich finde ich es, dass in den deutschen Medien fast nie der Berliner Anschlag auf die Berliner Diskothek LaBelle, hinter dem Gaddhafi und die Stasi steckten, erwähnt wird. 1986 starben dabei 3 Menschen, hunderte wurden verletzt.
Man möchte einwerfen: Wozu unbequeme Erinnerungen wecken? Lasst den Schnee von gestern ruhen!
Gadhafi, ein erfolgreicher linker Revolutionär, wurde in deutschen linken Kreisen wegen seines amerikafeindlichen Kurses ebenso wie die „RAF-Leute“ hofiert, die Stasi saß in West- und Ost-Berlin und bei den „RAF-Leuten“ sowieso immer dabei.
Erstaunen über Enthüllungen ist unangebracht.
Wenig erstaunlich ist es auch, dass die deutschen Medien fast nichts mehr über die Zusammenarbeit zwischen Horst Mahler und Hans-Christian Ströbele berichten. Es steht also weiterhin unwiderlegt im Raum, dass Ströbeles Anwaltsgenosse Horst Mahler ein Stasi-Spitzel gewesen sein soll. Ob es stimmt oder nicht stimmt? War Ströbele eingebettet in ein Umfeld, das durch und durch von der Stasi unterwandert war? Ich meine: Es ist zweitrangig, ob Horst Mahler oder wer auch immer von seinen Genossen im Dienste der Stasi stand.
Entscheidend bleibt: Die Stasi der DDR gehörte von Anfang an zum Förder- und Unterstützerkreis der RAF.
Die RAF ist ohne die Stasi der DDR nicht denkbar. Das muss Ströbele, der famose Spitzenmann der Kreuzberger Grünen, gewusst haben. Ein Erstaunen darüber ist unangebracht.
„Mehr Mut, Politiker!“ „Mehr Mut, Bürger!“ Sehr gute Slogans, wie ich finde!
Den Mut, für unbequeme Forderungen einzutreten, begrüße ich. Etwa bei Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Sie forderte gestern Studiengebühren an den Universitäten. Eine äußerst unpopuläre, aber sinnvoll begründbare Forderung, die den Universitäten etwa 2 Milliarden Euro pro Jahr bringen würde. Wieso sollte ein Geselle alle Ausgaben für den Meisterbrief selber zahlen (etwa 50.000 Euro), während der etwas ältere Student allein auf Kosten der Allgemeinheit dem besser bezahlten Akademikerberuf entgegensegelt und nebenbei noch Zeit für politische Aktivitäten findet?
„Mehr Mut Bürger!“ Wer sagt das? Einerlei, wer dies sagt, dieser Politiker trifft den richtigen Slogan. Wir brauchen wirklich die Ermutigung des Bürgers: „Du KANNST das, BürgerIn, auch ohne die Politik.“ Die meisten Politiker haben jahrzehntelang den Bürger überzuckert mit ihren ständigen Versprechungen: „WIR (der Staat) machen das für DICH, Bürger, sei unbesorgt.“ Gerade im Bundesland Berlin ist ein überbordendes Überangebot an Politik zu beklagen, bei gleichzeitiger Schwächung der öffentlichen Verwaltung – und Passivierung der BürgerInnen, die mit trügerischen Verheißungen stillgelegt werden. Das Gemisch aus trügerischen Verheißungen und unweigerlichen Enttäuschungen entlädt sich dann in tektonischen Eruptionen: siehe Proteste gegen Kastanienallee-Umbau, Stuttgart 21, Mediaspree, Flugrouten über Wann- und Müggelsee, unterirdische Methan-Lagerstätten im Fläming … Ich beobachte eine schlimme Infantilisierung beider Seiten, von der Politik und den Bürgern in einem unbewussten Wechselspiel erzeugt!
Als rassistisch gelten heute oftmals nicht nur Diskurse, die Menschen nach angeblichen genetisch bedingten „Rassen“ einteilen, sondern auch alle sonstigen Überlegungen, die Gesellschaften in Gruppen einteilen, die individuelles Verhalten aus kollektiven Dispositionen zu erklären versuchen, die Erfolg oder Misserfolg anhand eines Rasters zu erklären versuchen. „Juden in Deutschland sind um 1900 viel erfolgreicher als Christen in Deutschland gewesen, sie haben dank der rechtlichen Gleichstellung den Aufstieg durch Bildung geschafft„, wäre ein typischer Satz, der eine gewisse Höherberwertung der Juden zum Ausdruck zu bringen scheint, – folglich eine Abwertung der Christen. Man könnte diesem Satz den Vorwurf der Diskriminierung der Christen machen, und sicher gibt es Leute, die solche Sätze als rassistisch verwerfen.
Hören wir also einen solchen „rassistischen Diskurs“, diesmal aus der Feder des Historikers Götz Aly:
Ich mach dann mal Pause : Textarchiv : Berliner Zeitung Archiv
Juden machten um 1900 in Berlin zehn Mal so oft Abitur wie Christen, sie zahlten in Frankfurt am Main vier Mal so viel Steuern wie ein protestantischer Steuerpflichtiger und acht Mal so viel Steuern wie ein katholischer.
Es sind genau solche Sätze, die man bei der Linken als rassistisch bewertet, sobald man ähnliche Aussagen über Zuwanderer, über Ausländer, über Muslime macht – etwa: „Die Sozialhilfequote, die Schulabbrecherquote, die Kriminalitätsrate ist in der Gruppe xy 3 Mal höher als bei der Gruppe pq.“
„Protestanten zahlen doppelt soviel Steuern wie Katholiken!“ – dies ist, so meine ich, ein zulässiger Satz. „Katholiken sind dümmer und fauler als Protestanten.“ Das wäre zweifellos ein diskriminierendes Vorurteil.
Dieser letzte Satz ist – so meine ich – unzulässig. Der Satz „Protestanten zahlten um 1900 doppelt so viele Steuern wie Katholiken“ ist hingegen eine statistische Aussage, die als solche nicht zu beanstanden ist. Sozialwissenschaftler und Historiker müssen solche Aussagen machen, um gesellschaftliche Prozesse erklären zu können. „Je mehr Katholiken, desto ärmer war eine Gegend.“ Dieser Satz ist hinnehmbar, denn er stellt eine statistisch nachweisbare Korrelation her.
Entscheidend bleibt die Erklärung! Wie deutet der Soziologe den Zusammenhang zwischen Religion und Bildungserfolg, zwischen Religion und Wohlstand?
Einem Götz Aly Rassismus zu unterstellen, wäre genauso verkehrt wie wenn man Thilo Sarrazin einen Rassisten nennen wollte.
Götz Aly ist kein Rassist. Er wertet zunächst einmal Zahlen aus. Aly zieht darüber hinaus umfangreiche zeitgenössische Quellen heran, um das diskriminierende Vorurteil gegenüber Juden begreiflich zu machen.
Außerdem bemüht sich Aly, aus ökonomischen Faktoren das Entstehen eines machtvollen, schließlich mörderischen Vorurteils zu erklären:
In dieser sozialen Spannung entstanden massenhaft der kleine böse Neid, die Missgunst und die Schadenfreude, wenn irgendjemand den insgesamt Erfolgreicheren eins auswischte. Folglich konzentrierten sich die deutschen Antisemiten auf die Forderung „Bitte etwas mehr Gleichheit!“ für die lahme christliche Mehrheit.
In der Forderung nach Gleichheit erblickt Aly gewissermaßen das Ressentiment des Zukurzgekommenen. Eine höchst bedenkenswerte These!
Unbedingt lesenswert: das neue Buch von Götz Aly.
Götz Aly: Warum die Deutschen? Warum die Juden? Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800-1933, S. Fischer Verlag, Frankfurt 2011, 352 Seiten
Aha, eine interessante Veranstaltung findet da übermorgen statt. Da werd ich nicht fehlen!
Unterwerfung, Assimilation oder Integration des Fremden?
Der Historiker Dr. Christian Dettmering hat die Geschichte des Russischen Reiches im 19. Jahrhundert studiert. Er untersuchte in seiner Dissertation die damaligen Versuche Russlands, zwei als fremdartig und später auch widerspenstig erlebte Völker, die Inguschen und die Tschetschenen, in den eigenen Machtbereich zu integrieren.
Wie versuchte der russische Staat die Integration oder Assimilation der beiden Völker zu bewirken? Welche Rolle spielt die Religionspolitik gegenüber den beiden islamischen Völkern dabei? Können wir in Deutschland Lehren daraus ziehen?