„Ich hoffe, daß in Deutschland bald gesunde Verhältnisse eintreten werden und daß dort in Zukunft die großen Männer wie Kant und Goethe nicht nur von Zeit zu Zeit gefeiert werden, sondern daß sich auch die von ihnen gelehrten Grundsätze im öffentlichen Leben und im allgemeinen Bewußtsein durchsetzen.“
Vorfreude auf den bevorstehenden 28. August erfasst mich! Wird es uns morgen gelingen, einen der in Deutschland heute fast nicht mehr gelesenen, fast nicht mehr gelebten, in deutschen Schulen und Hochschulen fast nicht mehr gelehrten, fast nicht mehr rezitierten, fast nicht mehr gesungenen, nicht mehr auswendig vorgetragenen Physiker, Juristen, Politiker, Biologen, Geologen, Botaniker, Zeichner, Schriftsteller, scharfsinnigen Historiker, Kunstsammler, Staatstheoretiker angemessen zu würdigen, dessen Geburtstag sich dann zum 268. Male jährt?
Ich hege Zweifel. Denn Kant, Einstein und Goethe – galten die denn einst nicht als Vorbilder? Könnte es sein, dass sie als Leitbilder taugen, ja schlimmer noch – dass sie aufgrund unserer eigenen freien Wahl – , globale, europäische und – in diesem Falle auch – deutschsprachige Leitkultur bilden und abbilden? Hat er (Goethe) doch selber – ebenso wie später auch Einstein – völlig zutreffend erkannt: „Die Deutschen wollen mich loswerden“ – und sie sind ihn (wie später Einstein auch) losgeworden.
Doch hege ich auch Hoffnungen! Denn außerhalb Deutschlands wurde und wird Goethe in seiner Bedeutung durchaus erkannt und geschätzt. So hat etwa der am 14. März 1879 im württembergischen Ulm an der Donau geborene Albert Einstein im März 1933 – damals bereits in den USA sich aufhaltend – den Wunsch geäußert, die von Immanuel Kant und Johann Wolfgang Goethe gelehrten Grundsätze möchten sich in Deutschland „im öffentlichen Leben und im allgemeinen Bewusstsein durchsetzen“. Deutschland hat ihm diesen Wunsch damals nicht erfüllt.
Ich werde den Wunsch Albert Einsteins, die Deutschen möchten ihre großen Männer – also zum Beispiel Tilman Riemenschneider, Albrecht Dürer, Albert Einstein, Johann Sebastian Bach, Immanuel Kant, Goethe – stärker zu Herzen nehmen, im Original lesen, diskutieren, rezitieren, singen und weitersagen – gerne morgen und weiterhin weitertragen!
Diese großen Männer – Kant, Einstein, Bach, Goethe zum Beispiel – sind ja nicht schon deswegen böse Menschen oder verwerfliche Menschen, weil die Deutschen sie loswerden wollten, sich keinen Deut um sie kümmern und sie loswerden wollen. Sie sind, so meine ich, ganz im Gegenteil großartige Vorbilder für uns alle, da wir dank unserer gemeinsamen Mutter- und Arbeitssprache Deutsch einen sehr viel leichteren Zugang zu ihnen haben könnten als andere auf aller Welt, die sich erst mühsam Kenntnisse des Deutschen erarbeiten müssen, ehe sie diese großen Männer im Original lesen und genießen können.
Nachweis des Zitats von Albert Einstein:
Monika Stoermer: Albert Einstein und die Bayerische Akademie der Wissenschaften. In: Akademie aktuell 1/2005, S.4-7
https://web.archive.org/web/20071211111139/http://www.badw.de/aktuell/akademie_aktuell/2005/heft1/01_stoermer.pdf
Zum deutschen Haß auf Goethe vgl. beispielhaft bereits des Dichters eigene Wahrnehmung:
Johannes Falk: Goethe aus näherm persönlichen Umgange dargestellt. Ein nachgelassenes Werk von Johannes Falk. Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig 1832, hierin besonders das V. Kapitel: „Goethe’s Humor“.

Auf dem Anstieg zum Speikboden, einem bekannten Berg im Ahrntal, bestaune ich in etwa 2200 Meter Höhe gebannt die Vorbereitungen der Gleitschirmflieger. Wie sie sorgfältig ihre wulstförmigen Schirme ausrollen, wieder und wieder die Leinen überprüfen und richtig legen. Wie sie regelmäßig hinüber schauen zum gleichmäßig im Wind flatternden Fähnchen. Eine junge Frau probt wieder und wieder den Anlauf und bricht dann mehrfach ab. Zur gleichen Zeit erheben sich mehrere Flieger geradezu mühelos in die Luft. Erheben? Nein, sie lassen sich fallen, sie gehen ein paar Schritte und lassen sich dann hineinfallen ins Meer der Luft wie ein Schwan sich ins Wasser eines Teiches gleiten lässt, um dann gelassen, sicher und gleichsam mit einem grüßenden Lächeln seine Kreise zu ziehen.
zu den Geislerspitzen.





Wir waren zurückgekommen. Eben als wir die Gondelbahn bestiegen, die uns zurück nach Meransen bringen sollte, fielen die ersten Regentropfen.
Schau! Dort hoch am Weinberg steigt eine Nebelfahne auf. Säuberlich getreppt steigen die Zeilen mit den enggepflanzten Rebstöcken empor.

Der Eisack tobt mächtig durch sein enges Bett. Unaufhörlich strömt Welle auf Welle, einzelne Inseln werden abgetrennt, werden vom Wasser umschnürt. Wie lange werden sie halten?
„Wie ist es bei euch in Deutschland, Papa? Erzähl mir dein Leben in Märchen!“
Aus dem Tagebuch eines Berliner Bergsteigers, der sich geistig schon auf die anstehenden Südtiroler Bergtouren vorbereitet:
Eine Armlänge neben unserem Weg lag eine umgestürzte hundertjährige Fichte, deren lautes Krachen wir zwei Nächte zuvor bis in unser Quartier hinein gehört hatten. Vor uns erstreckten sich jetzt zahllose ineinander mäandernde Schrofen. Bergseitig hatte sich eine mächtig aufragende Wand gebildet, von der ab und zu abgehender Steinschlag zu hören war (siehe nebenstehendes Foto). Wir hatten also jene Zwischenzone erreicht, in der ein Klettern noch nicht nötig, ein rüstiges Ausschreiten nicht mehr möglich war. Auch ein Luis Trenker hätte hier zu äußerster Vorsicht geraten. Wie sollten wir uns verhalten, wenn wir das Gipfelplateau sicher und heil an Leib und Leben erreichen wollten?


