„Sehnsucht nach Sprachergänzung“. Zu Sophokles, Oedipus auf Kolonos, Vers 685-693

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Mai 092014
 

Vorgestern benannten wir Hölderlins Sophokles-Übersetzungen als tastenden Versuch, über das Ausgesagte hinaus zu einem reinen Sagen zwischen den Sprachen zu gelangen. Ist diese Hypothese  überhaupt sinnvoll?

Benjamin behauptet genau dies und spricht in seinem Aufsatz „Die Aufgabe des Übersetzers“ von der Ergänzungsbedürftigkeit des Originals. Die zu übersetzende Sprache verlange danach, durch den Akt der Übersetzung über sich hinauszuwachsen, sich anzureichern mit einer Sinnfülle, die vorher nicht da war. Ein kühnes Unterfangen! Wir werden dies morgen anhand eines vorliegenden Textes nachzuvollziehen versuchen.

Hier schon einmal unsere kleine Gewebeprobe für den Untersuchungstisch. Ein Chorlied aus der Tragödie „Ödipus auf Kolonos“ von Sophokles, dessen Übersetzung durch Hölderlin wir vorgestern anführten:

οὐδ᾽ ἄϋπνοι
κρῆναι μινύθουσιν
Κηφισοῦ νομάδες ῥεέθρων,
ἀλλ᾽ αἰὲν ἐπ᾽ ἤματι
ὠκυτόκος πεδίων ἐπινίσσεται
ἀκηράτῳ σὺν ὄμβρῳ
στερνούχου χθονός: οὐδὲ Μουσᾶν
χοροί νιν ἀπεστύγησαν οὐδ᾽ ἁ
χρυσάνιος Ἀφροδίτα.

Sophocles. Sophocles. Vol 1: Oedipus the king. Oedipus at Colonus. Antigone. With an English translation by F. Storr. The Loeb classical library, 20. Francis Storr. London; New York. William Heinemann Ltd.; The Macmillan Company. 1912.

via Sophocles, Oedipus at Colonus, line 681.

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Open-Source-Software – gut für die re:publica, gut für die Republik

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Mai 082014
 

Heute nach der Arbeit ruhiges besinnliches Umhergehen im Park. Barfuß. Die Füße erkennen die rauhe Oberfläche des Kieses, sie erkennen das Weiche das Grases, sie graben sich lustvoll in den warmen Sand auf den Beachvolleyballplätzen in der früheren Gleiswildnis hinein.  Dann ein paar Schritte weiter in das alte Bahnhofsgebäude an der Luckenwalder Straße hinein: Ab 18 Uhr gab es freien Eintritt in die re:publica. Gute Gespräche mit den Linux-Entwicklern. Open-Source-Software, das ist eine gute Chance, um die alte republikanische Tugend des Gemeinsinns zu pflegen.  Ich sehe hier bei den jungen Menschen so viel guten Willen, so viel Anstrengung, etwas zum Gelingen des Ganzen beizusteuern. Besonders beeindruckte mich ein Gespräch mit einer blinden Frau, die uns anschaulich die Vorzüge eines froschgrünen, billigen, persönlich vergebenen  Kleincomputers für alle Kinder in Entwicklungsländern erklärte. In vielen Ländern hat nur der Lehrer das Schulbuch. Ein robuster kleiner Laptop kostet kaum 100 Dollar, er kann die Grundausstattung schon in der Grundschule werden. Linux hat weniger Bugs als Windows, keine Frage! „Wir haben 500.000 dieser Computer mit Windows verkauft und 2000 mit Linux“, berichtet ein Händler. Das sind die Dimensionen. 500.000 zu 2.000!

Wir kaufen am Stand von Bugs-Food drei getrocknete Heuschrecken mit Chili Piquin, eingehaust in ein gläsernes Röhrchen.  Hinweis: „Flügel und Beine der Heuschrecken müssen vor dem Verzehr beseitigt werden.“ Gut zu wissen für einen, der sich gern einen Tag lang von Heuschrecken ernährt.

Der ADFC Sachsen hat eine Open-Source-Map-Karte für den Radweg Berlin-Dresden angefertigt. Wir erhalten eine gedruckte erste Übersicht über den derzeit empfohlenen Streckenverlauf. Überlegungen, den gesamten Weg in 2 oder 3 Tagen abzufahren.

www.radweg-berlin-dresden.de

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Strömende Sprachen

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Mai 072014
 

2014-05-01 13.09.53

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Noch mindern sich die schlummerlosen Quellen,
die in Wasser des Cephissus sich teilen,
Sondern immer und täglich
kommt der schnellererzeugende über die Felder,

Mit reinen Regengüssen
Über die Brust der Erde.

Also wendete Friedrich Hölderlin einen Chor aus dem griechischen Ödipus auf Kolonos ins Deutsche. Wir hören nur hinein. Wir halten das Ohr in diesen silbrig schimmernden Sprach-Fluss, uneingedenk der Bedeutung! Ist es eine richtige Übersetzung? Ist es die beste mögliche Übersetzung?

Über Hölderlins Sophokles-Übersetzungen vermerkte der deutsche Philosoph Walter Benjamin einmal mit furchtsam-vorsichtiger Bewunderung, dass in ihnen der Sinn von Abgrund zu Abgrund stürze, bis er in bodenlosen Sprachtiefen sich zu verlieren drohe. „Aber es gibt ein Halten. Es gewährt es jedoch kein Text außer dem heiligen, in dem der Sinn aufgehört hat, die Wasserscheide für die strömende Sprache und die strömende Offenbarung zu sein. Wo der Text unmittelbar, ohne vermittelnden Sinn, in seiner Wörtlichkeit der wahren Sprache, der Wahrheit oder der Lehre angehört, ist er übersetzbar schlechthin. Nicht allein um seinet-, sondern allein um der Sprachen willen.“

In Hölderlins Dichtung wie auch in Benjamins Besinnungen wird etwas wie das vorbegriffliche Sprechdenken erfassbar, hörbar, erahnbar.

 

Quellen:
Friedrich Hölderlin: Chor aus dem Oedipus auf Kolonos. In: ders., Werke und Briefe. Herausgegeben von Friedrich Beißner und Jochen Schmidt. Zweiter Band. Der Tod des Empedokles. Aufsätze, Übersetzungen, Briefe. Insel Verlag, Frankfurt am Main 1969, S. 791

Walter Benjamin: Die Aufgabe des Übersetzers. In: ders., Illuminationen. Ausgewählte Schriften. Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1980 [=suhrkamp taschenbuch 345], S. 50-62, hier S. 62

Bild:
Ein kleiner Teich im Thüringer Wald (der Knöpfelsteich?), am Anstieg zum Rennsteig hoch von der Wartburg aus. Aufnahme des Wanderers vom 01.05.2014

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Der russische Autokrator – eine Ordnungsmacht ersten Ranges

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Mai 032014
 

Einer der wenigen Kommentare, die mir von echter Sach-, Landes- und Menschenkenntnis getragen scheinen: Der vorsichtig abwägende Leserbrief von Ernst-Jörg von Studnitz, dem ehem. deutschen Botschafter in Moskau, in der FAZ von gestern.  Studnitz hat erfasst, dass eines der wesentlichen Probleme der Ukraine der weit fortgeschrittene Zerfall der ukrainischen Staatlichkeit ist: es fehlt an Ansätzen funktionierender Staatlichkeit.

Die Staatsmacht der Ukraine ist zur Zeit weitgehend delegitimiert. Seit vielen Jahrhunderten treten die russischen Autokraten bei solcher Gelegenheit mit dem Anspruch an, das Recht auch außerhalb ihres Machtbereiches zu „setzen“, Rechtssicherheit herzustellen. Sie haben jahrhundertelang ihr Reich gewaltsam durch widerrechtliche Eroberung, Krieg und Unterwerfung der Nachbarvölker ausgedehnt, bis zum heutigen Tag ist Russland das einzige verbliebene kolonial geprägte Großreich.

Nicht der Nationalstaatsgedanke, sondern der in der Person des Autokrators (des Zaren, des Führers) verkörperte Reichsgedanke steht bei der russischen Staatlichkeit und der russischen Autorität im Vordergrund.  Das war seit dem 16. Jahrhundert so und ist bis heute geblieben – wobei die UDSSR voll in der Kontinuität steht.

Von Studnitz, Marina Weisband, Horst Teltschik – die Kommentare dieser drei – nicht  in der aktiven Politik stehenden – Persönlichkeiten zur aktuellen Lage sollten die aktiven Politiker meines Erachtens zur Kenntnis nehmen.

Quellen:

Ernst-Jörg von Studnitz: „Runde Tische für die Ukraine“, Leserbrief, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Mai 2014, S.12

Sendung „Russisches Roulette“, Maybrit Illner“, 24.04.2014, ZDF

http://www.zdf.de/maybrit-illner/ukraine-krise-kann-man-putin-trauen-u.a.-mit-matthias-platzeck-marina-weisband-harald-kujat-32885420.html

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Der überglückliche Kalkant Bachs in Eisenach

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Mai 022014
 

2014-05-01 17.26.47

Heut bin ich recht froh, sintemalen ich gestern mich in Eisenach bei unserem Martin LUTHER und unserem Johannes BACH gestärkt habe. Wer – Johannes Bach? Warum nicht Johann Sebastian Bach? Nun, ich betrachtete genau das Schülerverzeichnis der Eisenacher Lateinschule, die Johann Sebastian Bach ab dem Alter von 8 Jahren  besuchte. Der schulamtliche Name unseres Meisters aller Gattungen lautet dort – handschriftlich eingetragen-  nicht „Bach Johann Sebastian“ sondern „Bach Johannes“. 

Denkt Euch nur: Ich durfte am 1. Mai 2014 nachmittags um 17 Uhr im Bachhaus am Frauenplan zu Eisenach an diesem vielleicht von Bach selbst einmal traktierten oder vielleicht inspizierten Orgelpositiv des Jahres 1650 als tüchtiger Kalkant musizieren. Der Organist vertraute mir. Er glaubte mir auf mein gutes Wort hin, dass ich ein guter Kalkant sein werde! Das ist Glauben, ist Vertrauen: „Ja, du schaffst das schon! Kalkant – das kannst du!“, sagten die Augen des Organisten. 

Damit fängt alles an.

Ich strahlte: Ich ein Kalkant im Bachhaus am Frauenplan zu Eisenach! Herrlich, überherrlich! „Empfangt den heiligen Hauch!“, sagte es in mir – und das ist akkurat, was im Evangelio des Johannes 20, 22 steht! Es ist eine der Osterbotschaften Jesu. Das lateinische Spiritus bedeutet Hauch, griechisch Pneuma, hebräisch Ruach.

Omnis spiritus laudet te!

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Was hat Kain eigentlich gemeint? Was wollte er eigentlich sagen? Zu Gen 4,13

 31. Oktober 1517, Das Böse, Hebraica, Kain, Selbsthaß, Sprachenvielfalt  Kommentare deaktiviert für Was hat Kain eigentlich gemeint? Was wollte er eigentlich sagen? Zu Gen 4,13
Apr. 302014
 

2013-06-15 11.19.35

13וַיֹּ֥אמֶר קַ֖יִן אֶל־יְהוָ֑ה גָּדֹ֥ול עֲוֹנִ֖י מִנְּשֹֽׂא

Das 1. Buch Mose, hebräisch meist Bereschit, christlich meist Genesis genannt, wird heute allgemein auf Hebräisch in der hier angegebenen Verschriftung vorgelesen und vorgetragen, etwa unter dem Namen Biblia hebraica. Die fünf Bücher Mose sind ein unerschöpflicher Brunnen für die Juden, die Christen und die Muslime. Diese drei Religionen stehen mit ihren Füßen in der mosaischen Überlieferung.

Nachdem Kain seinen Bruder Abel ermordet hat, bekennt er in diesem Satz seine Schuld. Was hat Kain gesagt?

Ein antastender Übersetzungsversuchversuch des hier schreibenden Bloggers lautet: 

Dsprchknzjhwhgrßmnsnd’fzhbn

Kommentar:

Mein deutscher Übersetzungsversuch verzichtet – wie in der gesamten Antike üblich – auf spätere Zutaten wie Satzzeichen, Trennung der Wörter und auf Vokalzeichen. Das hebräische alef, der vokalische „Knacklaut“, wird hier behelfsweise als   ‚ wiedergegeben. Hier kann man erkennen, wie sich das anfühlt, wenn man einen antiken hebräischen Text vor Augen hat.

Fast unverständlich ist diese Zusammenballung von Konsonanten! Was haben verschiedene Übersetzer aus dieser so fundamental wichtigen Kernstelle, aus dieser jahrtausendelang weitererzählten Frühgeschichte des Menschlichen, die sich in Judentum, Christentum und Islam findet, werden lassen? Vieles! Die Vielfalt lässt staunen!

Hier eine kleine Auswahl:

1) KAin aber sprach zu dem HERRN / Meine Sünde ist grösser / denn das sie mir vergeben werden müge.
Martin Luther, Wittenberg 1545

2) Kain aber sprach zu dem HERRN: Meine Strafe ist zu schwer, als dass ich sie tragen könnte.
Die heute verwendete Lutherbibel, also der Bibeltext in der revidierten Fassung von 1984, derzeit von der Evangelischen Kirche in Deutschland zum kirchlichen Gebrauch empfohlen

3) Kain antwortete dem Herrn: Zu groß ist meine Schuld, als dass ich sie tragen könnte.
Heute verwendete Einheitsübersetzung der deutschen katholischen Bistümer, Katholische Bibelanstalt Freiburg 1980

4) Cain said to the LORD: „My punishment is greater than I can bear.“
Revised Standard Version 1952

5) Kain rzekł do Pana: Zbyt wielka jest kara moja, abym mógł ją znieść.
Katholische „Jahrtausendbibel“, derzeit meistverbreitete polnische Fassung

6) Disse Caino al Signore:  „Troppo grande è la mia colpa per ottenere perdono!“
Offizielle Übersetzung der italienischen Bischofskonferenz, 1974, derzeit im kirchlichen Gebrauch, Roma 1996

7) Da sagte Kain zu Adonaj: „Meine Schuld ist zu groß, sie kann nicht aufgehoben werden.“
Bibel in gerechter Sprache, Gütersloh 2006

Befund: 7 sehr unterschiedliche Übersetzungen!

Die 7 Übersetzungen lassen sich lose in drei Gruppen oder drei Sinn-Familien zusammenstellen.

Die alte Übersetzung Martin Luthers (1) und die aktuelle Übersetzung der italienischen katholischen Bischofskonferenz (6) sind dem Sinne nach recht nah beieinander. Sie können ineinander übersetzt werden.  Gleiches gilt für die Übersetzungen (2), (4) und (5), die als sinngemäß mehr oder minder übereinstimmende Übersetzungen zu gelten haben.  Die deutsche katholische Einheitsübersetzung (3) und der neuartige Übersetzungsversuch der evangelischen Autorengemeinschaft (7) hingegen stehen in dieser Siebenergruppe recht solitär da.

Wer hat nun recht, Martin Luther oder die Lutherbibel der Evangelischen Kirche? Die polnischen Katholiken oder die deutschen Katholiken? Die Italiener oder die Engländer?

Was hat Kain gemeint? Was hat Kain gesagt? Welche Übersetzung der Bibel ist die einzig richtige oder doch zumindest die beste? Von der Antwort auf diese Frage hängt vieles, sehr vieles ab.

Horche! Überlege selbst! Entscheide selbst!

Bild: In Wittenberg. Der unerschöpflich sprudelnde Brunnen mit den drei Säulen. Innenhof der Leucorea der Universität Halle-Wittenberg. Winzig klein im Hintergrund: das kleine geparkte Fahrzeug des Kreuzbergers mit der bezeichnenden roten Packtasche. Aufnahme vom 15. Juni 2013.

 

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Toni Garrn turtelt mit Leonardo di Caprio auf Bora Bora

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Apr. 292014
 

Itsche 2014-04-29 12.44.14

 

 

 

 

 

 

 

Heute habe ich mit meiner greisen Mutter und einer anderen Frau ihres Alters das alte Märchen „Die drei Federn“ aus den Märchen der Gebrüder Grimm gelesen.

Es heißt da:

Die Türe tat sich auf, und er sah eine große dicke Itsche sitzen und rings um sie eine Menge kleiner Itschen. Die dicke Itsche fragte was sein Begehren wäre. Er antwortete „ich hätte gern den schönsten und feinsten Teppich.“

Dann sang ich mit den beiden Greisinnen  das uralte Volkslied „Wahre Freundschaft soll nicht wanken“ in allen drei Strophen.

1. Wahre Freundschaft soll nicht wanken,
Wenn sie gleich entfernet ist;
Lebet fort noch in Gedanken
Und der Treue nicht vergißt.

2. Keine Ader soll mir schlagen,
Wo ich nicht an dich gedacht,
Ich will für dich Sorge tragen
Bis zur späten Mitternacht.

3. Wenn der Mühlstein träget Reben
Und daraus fließt kühler Wein,
Wenn der Tod mir nimmt das Leben,
Hör ich auf getreu zu sein.


Kinder, ich sage euch: Die alten Frauen freuen sich über jeden, der mit ihnen singt, spricht, betet!

Bis zur späten Mitternacht will ich für euch Sorge tragen!

Und wißt ihr auch, was eine Itsche ist, die in dem Märchen vorkommt?

Das wisst ihr nicht – dann schaut auf das topaktuelle Bild aus der brandneuen Zeitschrift „Gala“ vom 24.04.2014, auf Seite 3. Supi! Da seht ihr ein staunendes Kind – und eine große dicke Itsche. Die Zeitschrift mit dem Bild von der Itsche las ich heute begierig durch, während ich bei meinem Lieblings-Vietnamesen in Kreuzberg auf mein Tellerchen mit Sushi wartete.

Ich las die Zeitschrift Gala in einem Zug durch. Was ich alles nicht wusste! Boris Becker hat Sorgen mit seiner Finca auf Mallorca und  muss sie verkaufen. Schlimm! ABER:  Toni Garrn turtelt ungescheut mit ihrem Leonardo di Caprio auf Bora Bora. Ist das der Verlobungskuss? Wie cool ist das denn!

Dann aß ich artig und brav mein Tellerchen mit Sushi. Supi!

Quellenverzeichnis:

http://www.gala.de/service/gala-inhaltsverzeichnis_3168.html
hier: S. 3

„63. Die drei Federn“. In: Brüder Grimm. Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen. Herausgegeben von Heinz Rölleke. Philipp Reclam jun. Stuttgart 2009, S. 328-330, hier S. 328

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Εἰρήνη ὑμῖν – Мир вам! Ist es Griechisch? Ist es Ukrainisch? Ist es Russisch?

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Apr. 282014
 

Noch heute höre ich in Kreuzberg immer wieder den uralten, den ewig neuen Friedensgruß, der zugleich auch ein Alltagsgruß geworden ist: Мир вам, wie der Ukrainer sagt, oder auch Мир вам, wie der Russe sagt, oder auch  Salam aleikum, wie die Moslems im Späti am Kotti um die Ecke sagen, oder auch Scholem aleichem wie die Juden sagen, oder auch der Friede sei mit Euch, wie Jesus nach seiner Auferstehung nach dem Zeugnis des Johannes dreifach zu den Jüngern sagte.

Es ist erstaunlich, dass im Evangelium des Johannes Jesus nur an dieser Stelle die Jünger ausdrücklich mit diesem so alltäglichen, drei Mal wiederholten Friedensgruß anredet. Der Evangelist verknappt die Begrüßung Jesu an seine Jünger ins Dichteste, Alltäglichste. So wie er den Judas mit „Freund“ anredete, so redet er jetzt die Jünger mit „Der Friede sei mit euch“ an.

Im griechischen Neuen Testament lautet das bei Johannes so:

ἦλθεν ὁ Ἰησοῦς καὶ ἔστη εἰς τὸ μέσον, καὶ λέγει αὐτοῖς· Εἰρήνη ὑμῖν.

Auf Ukrainisch lautet das so:

увіходить Ісус, став посередині та й каже їм: «Мир вам!»

Auf Russisch lautet das in der eigenwilligen russisch-jüdischen Übersetzung des Neuen Testaments, die David Stern vorgelegt hat, so:

пришёл Йешуа, встал посередине и сказал: „Шалом алейхем!“

Dies zu begreifen ist gar nicht so schwer. Kann man Russisch, wird man das Neue Testament auch auf Ukrainisch lesen können. Kann man Ukrainisch, wird man das Neue Testament mit seiner Friedensbotschaft auch auf Russisch lesen und verstehen können.

 

http://kifa.kz/bible/stern/stern_yohanan_20.php

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Alone together – I was asked by David Blair

 Friedrichshain-Kreuzberg, Gemeinschaft im Wort, Heimat, Singen, Unverhoffte Begegnung  Kommentare deaktiviert für Alone together – I was asked by David Blair
Apr. 222014
 

2014-04-16 07.53.26This has been yet another godsend that happened to this poor blogger! Imagine this: Just a few minutes ago, a man crossed my way in the Park at the Triangular Junction and asked me:

What do you think when you hear these two words

Alone together

It’s the title of my newest song.

I reflected for 30 seconds. The man presented himself as David. I presented myself as John. Then I gave David my answer: „Alone together? These two words perfectly encapsulate what makes us up as human beings. We are alone the moment we are born. Alone, longing for togetherness … together, longing for loneliness until we die. Togetherness and loneliness go hand in hand.“

And I went on and on for endless 90 seconds. I could have gone on for 90 minutes or 90 days. I ended up saying: „Alone together — I congratulate you on this title.“
http://www.davidblairsongs.com/

The picture shows a view of the Park at the Triangular Junction close to the new bridge across Yorck street.

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Mein Freund, warum bist du kommen?

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Apr. 222014
 

2014-03-30 13.55.50Die Ostertage fanden mich häufig den Zug wechselnd, häufig das Gefährt und die Gefährten wechselnd, wandernd, reisend, redend, singend, feiernd. Hier mit einigen Tagen Verspätung nachgereicht ein Gespräch, das ich am vergangenen Samstag im ICE 1525 irgendwo zwischen Jena und Nürnberg aufzeichnete:

Karsamstag ist es heute, der Tag der Grabesruhe, der Tag des stillen Nachdenkens. Ein unbezwingliches Verlangen trieb mich am Gründonnerstag in die Berliner Philharmonie. Enoch zu Guttenberg würde dort um 20 Uhr die Matthäuspassion Johann Sebastian Bachs dirigieren. Ich wollte erfahren, ob verschiedene Vermutungen, die ich am Nachmittag fiedelnd und summend zur Gestalt des Petrus und zur fundamentalen Bedeutung der Ungläubigen für die Gläubigen angestellt hatte, eine Art Widerhall oder eine Art Widerspruch finden würden.

Guttenberg fasst die Matthäuspassion als rauhe See mit gelegentlicher Windstille, als durch und durch aufgewühlte, von Rubati, von Affekten, gestoßenen Rufen und gezogenen Klagen durchzogene Klangrede. Gelebte Rede, wirkendes Wort! Das Wort trägt und gestaltet alles. Die Musik ist nichts anderes als eine ins Unermessliche verstärkte Rede. Es geht nicht um „Kunstgenuss“ des Bildungsbürgertums, das immer noch weiß oder zu wissen glaubt, was „der Deutsche an seiner Matthäuspassion hat“, um Norbert Elias verkürzt wiederzugeben. Nein, die Aufführung strebt den sinnlichen, leibhaftigen theatralischen Nachvollzug eines Geschehens an, das den ganzen Menschen verhandelt, behandelt, durchwalkt, aufstört, annagelt, zerlegt und heilend wieder zusammensetzt.

Das getragen Schreitende, das gravitätisch Gemessene, das mir noch aus den eigenen Aufführungen in den Ohren hängt, ist fast völlig verschwunden. Die tiefe Frömmigkeit, welche üblicherweise in die Choräle, die „schimmernden Barockjuwelen“, hineingelegt wurde, ist restlos geschwunden. Ein Beispiel vom Beginn (Choral Nr.3):

Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen,
Daß man ein solch scharf Urteil hat gesprochen?

Selbst innerhalb von 8 Takten stößt, bedrängt, zieht Guttenberg den Chor und setzt dabei jedes einzelne Wort, jeden einzelnen Satz in ein neues Licht. Der Chor „kriegt sich nicht ein“ – er ist nach dem klar erkennbaren Willen des Dirigenten vollkommen aus dem Häuschen. Es fehlt dem Chor – das Selbstverständliche, es fehlt das Schwelgerische, es fehlt der bunte gewebte Klangteppich der dekorativen Bach-Aufführungen, die auch heute noch immer wieder schimmernd erklingen. Alles wird neu errungen, alles wird neu aus der Taufe gehoben.

Rasche, häufige Tempi-Wechsel, klares Herausarbeiten der Zentralität des Wortes, das sich des Klanges bedient. So hörten wir das am Gründonnerstag.

Daneben gab es aber doch einige herausgehobene Ruhe- und Haltepunkte. Deren erster war die Szene der wechselseitigen Erkenntnis zwischen Judas und Jesus im Rezitativ Nr. 11.

Bin ich’s Rabbi?
Er sprach zu ihm:
Du sagest’s.

Unterlegt wird der kleine Dialog des Einverständnisses durch einige eher triviale Harmonien in g-Moll, ausgeführt durch das Continuo mit Streichern. Hier staunte ich: Das Tempo der Achtelakkorde wurde durch den herrischen Stab des Dirigenten ins Zeitlupenhafte, ins fast Elysische gedehnt. Ich meinte eine Verlangsamung sondergleichen zu hören. Eine der langsamsten Stellen des ganzen Abends! Es war die vollkommene Harmonie, hinsinkend aus dem verminderten Akkord auf der Dominante hinab ins ruhige, smaragdgrün leuchtende g-Moll. Grundstufe g-Moll! Tiefes, tiefes G im Kontrabass. Ein tiefes tiefes Geh! Geh! Geh! war da herauszuhören. Eine klare Ausdeutung, die Guttenberg hier liefert: Zwischen Judas und Jesus bestand laut dieser Aufführung ein tiefes, inniges, zum Frieden führendes Einverständnis: Geh! Geh! Geh!  Judas ist gewissermaßen ein verlässlicher Mitspieler in diesem Drama. Er tut, was ihm gesagt wird, er sucht seine Rolle und führt sie dann „untadelig“ aus. Ein Verräter, der die Wahrheit des Verrats vorher offen verkündet. Meeresstille – , ein letztes Atemholen, eine untrügliche Ruhe vor dem Sturm!

Judas erscheint hier überhaupt in einem neuen Licht. Während Petrus, die Jünger, Pilatus und das Volk mehr oder minder ratlos und haltlos getrieben, vom Dirigenten gepeitscht und oft auch unberechenbar agieren, ziehen Judas und Jesus ihre Handlungslinien als einzige ohne Schwanken und ohne Zweifel durch. Jesus und Judas sind die beiden Zuverlässigen unter all den Unzuverlässigen. Verlässlichkeit – wie man sie von einem Freund erwartet. Nicht zufällig ist Judas im gesamten Neuen Testament der einzige Jünger, den Jesus mit dem Ehrentitel Freund anredet (Rezitativ Nr. 26):

„Mein Freund, warum bist du kommen?“
Eine andere Lesart sagt:
„Mein Freund, darum bist du gekommen?“

Und noch eine zweite glatte, friedliche See zeichnete diese Aufführung. Es ist der Chor des römischen Hauptmannes und seines Volks (Nr. 63b):

Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen.

Die tiefe Seelenruhe, der erlösende Friede im Glauben an den Menschensohn, der Gottes Sohn gewesen ist, trat mit überwältigender Kraft in den wenigen Tönen der ungläubigen, der außenstehenden Zeugen zutage. Diese Stelle war die zentrale Stelle dieser Aufführung. Sie war der entscheidende Schlusspunkt.

Alles andere, was noch danach kam, war schon Nachgesang, war Rückführung ins Hier und Jetzt, war tänzerischer Kehraus, bis hin zum beschwingten Menuett des Schlusschors (Nr. 68): „Wir setzen uns mit Tränen nieder.“

Nun, diese Tränen flossen reichlich herab, sie hatten eine befreiende, reinigende Wirkung. Sie waren schon sehr schön – sehr schön inszeniert. Sie standen im Herabfließen schon nicht mehr auf der Höhe des „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen.“

Die Chorgemeinschaft Neubeuern, der Tölzer Knabenchor, das Orchester der KlangVerwaltung, die Solisten Carolina Ullrich (Sopran), Olivia Vermeulen (Alt), Daniel Johannsen (Evangelist), Manuel König (Tenor), Falko Hönisch (Christus) hoben unter der Stabführung Enoch zu Guttenbergs die Matthäus-Passion – ein Werk, das ich zu kennen glaubte, zumal ich es seit Kindheitstagen mehrmals selbst mitgesungen und mitgespielt hatte – völlig neu aus der Taufe.

Fulgebat crucis mysterium – das unerschöpfliche Geheimnis des Kreuzes trat völlig neuartig hervor in der Berliner „Philharmonie“ – wörtlich übersetzt: Harmonie der beiden Freunde.  Zentralität des Wortes, Zentralität der Jesus-Judas-Beziehung sind in meinen Ohren die tragenden Einsichten dieser erschütternden Darbietung gewesen. Und dafür danke ich am heutigen Tag der Grabesruhe allen, die dabei geholfen haben.  

Bild: Ein Blick auf den Altar und in die Apsis der Klosterkirche zu Zinna (am Teltower Fläming-Skate-Rundkurs). Das Altarbild dürfte etwa auf 1703 zu datieren sein, also in etwa auf die Entstehungszeit der Matthäus-Passion. Die Ausmalung der Apsis geht etwa auf 1900 zurück. Die Kirche selbst gilt als eine der besterhaltenen Zisterzienserkirchen im nördlichen Deutschand. Aufnahme vom 30.03.2014

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Jetzt wachsen wir zusammen

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Apr. 182014
 

2014-04-17 15.32.10

Gestern um 15.30 Uhr begrüßten und eröffneten wir den neuen Steg über die Yorckbrücken für Fußgänger und Radfahrer. Die Versäumnisse der Planer werden ganz rasch glatt gebügelt. Endlich wachsen die beiden Parkteile zusammen! Danke an Anwohner Christian Gäbler (SPD, Staatssekretär), danke liebe Deutsche Bahn (Eigentümer)! Auch Anwohner Jan Stöß (Landesvorsitzender SPD) freute sich bei der Eröffnung wie ein Schneekönig. Der Druck dieser und anderer radfahrender Anwohner hat etwas bewirkt! Das ist gelebte Bürgerbeteiligung! Ich wünsche mir eine weite Öffnung der Bezirksgrenzen – alle sollen hier von Schöneberg einradeln – Jan Stöß, Christian Gäbler,  – wir brauchen die Vernetzung mit anderen Bezirken. Wir Kreuzberger können z.B. von Hellersdorf lernen, wir brauchen Zuwanderung durch Anwohner aus anderen Bezirken. Alleine schaffen wir es nicht. Danke Senatsverwaltung Berlin, danke Deutsche Bahn, danke SPD! Vergesst uns in Friedrichshain-Kreuzberg nicht! Wir sind nicht so störrisch, kauzig und widerborstig, wie ihr denkt.

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Der vierfache Kirchenaustritt des Apostels Petrus, oder: Jesu Christi Kreuzigung lebt fundamental aus dem Zeugnis der Nichtchristen

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Apr. 172014
 

Ich habe soeben in meiner Kreuzberger Hinterhofkammer die Arie „Erbarme Dich“ aus Bachs Matthäuspassion recht erbärmlich gespielt und gesungen (Nr. 47). Ich habe gespielt auf meiner krummen Fiedel und gesungen auf meinem ungebildeten Brummbaß. Erbärmlich gefiedelt, erbärmlich gebrummt, wie gesagt.

Sei es drum! Niemand hörte ja zu. Folgende Gedanken kommen mir im Nachhören und Nachsummen von Bachs Arie:

Es heißt bei Matthäus, Kapitel 26, Vers 75: „Und er ging hinaus und weinte bitterlich.“ Genau danach kommt diese  Arie „Erbarme Dich“.

Christliche Kirche heißt nichts anderes als Gemeinschaft mit Jesus Christus. Wer mit Jesus nichts zu tun haben will, wer ihn, den Menschen Jesus, bewusst verleugnet – „Ich kenne des Menschen nicht!“ – der kündigt, wie der Apostel Petrus, diese Gemeinschaft auf. Er erklärt wie Petrus, der berühmte Felsen der Kirche,  öffentlich seinen Austritt aus der Kirche. Er stellt sich wissentlich und willentlich drei Mal außerhalb der Mahlgemeinschaft, zu der er sich noch wenige Stunden vorher inbrünstig bekannt hat: Und wenn alle sich von dir abwenden – ich doch nie und nimmer (Mt 26,33).

Einen nicht nur dreifachen, sondern einen vierfachen Kirchenaustritt des felsenhaften Petrus schildert Matthäus in seinem Passionsbericht.  Denn wenn Petrus so bitterlich bereut hätte, wie er dies ja offensichtlich gemäß seinen reichlich fließenden Zähren getan hat, dann wäre er doch wohl am nächsten Tag wieder als Beistand Jesu in der Verhandlung erschienen. Er hätte ihm beim Tragen des Kreuzes geholfen. Er tat es nicht. Alle Jünger, alle Freunde haben ihn offensichtlich vor Pilatus alleine gelassen. Matthäus ist hier glasklar und beinhart: Keiner der männlichen Jünger war offenkundig bei der Verhandlung oder auf dem Weg zur Kreuzigung auch nur in der Ferne anwesend. Nur „viele Frauen“ waren Zeuginnen – freilich nur aus der Ferne. Darin kommen Matthäus, Markus und Lukas überein. Sie halten fest, dass einige Frauen „von fern“ der Kreuzigung beiwohnten. Alle anderen, alle Späteren, auch wir, sind auf das Zeugnis der Nichtchristen, auf das Zeugnis der „Heiden“ angewiesen.

Der erste der Nichtchristen, der erste der Heiden, der zum Träger der Botschaft von der Kreuzigung wurde, war der römische Hauptmann mit seinem trockenen, beinharten und glasklaren  „Das ist ein Mensch/das ist der Mensch – Ecce homo“. Er wusste sicher nicht, wen er da hatte kreuzigen lassen; auch das Vergehen konnte ihm sich nicht erschließen. Für die Römer war Jesus vermutlich einer unter vielen anderen Unruhestiftern und Verbrechern. Aber der römische Soldat sagt eben das genaue Gegenteil des Petrus. Petrus, der Felsen, auf dem die Kirche erbaut ward,  sagte: „Ich kenne doch den Menschen überhaupt nicht. Nerv mich nicht!“ –  Der heidnische Römer sagte: Ich kenne den Menschen in Jesus. Ich erkenne den Menschen in diesem Gekreuzigten.

Wir gehen einen Schritt weiter auf diesem Kreuzweg: Christentum ist ohne das Zeugnis der Nichtchristen von Jesus und ohne das Zeugnis der Frauen von Jesus nicht denkbar. Ohne das weitertragende Zeugnis der Nichtjünger Jesu und der Frauen wüssten wir nichts Genaues von der Kreuzigung. Es gäbe kein Christentum ohne das Zeugnis der Nichtchristen und ohne das Zeugnis der Frauen. Es gäbe keine Nachfolge Jesu ohne des Zeugnis derer, die ihm eigentlich nicht nachgefolgt sind und ihm weiterhin nicht nachfolgen wollen.

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Miteinander – füreinander: Hellersdorf hilft… Kreuzberg dankt…

 Flüchtlinge, Gerhart-Hauptmann-Schule  Kommentare deaktiviert für Miteinander – füreinander: Hellersdorf hilft… Kreuzberg dankt…
Apr. 172014
 

So soll es sein: Bürgerinnen und Bürger helfen in Hellersdorf, bieten Sachhilfe und gemeinsame Aktivitäten – etwa Musical-Aufführungen –  mit Asylbewerbern an.

Das Motto „Miteinander – füreinander“ ist goldrichtig. Hellersdorf hilft – und kann vorbildlich für andere Bezirke sein, unter anderem auch für Friedrichshain-Kreuzberg.

Die Hilfe von „Hellersdorf hilft“ geschieht in völligem Einklang mit Recht und Ordnung.

Alle wissen es: Selbstverständlich sind Heime, sind feste Gebäude, sind Gemeinschaftsunterkünfte nicht menschenunwürdig für Menschen, die alles zurückgelassen haben. Auch das monatelange Warten auf das Ende eines Asylbewerberverfahrens, das zähe Festkleben an einem zugewiesenen Wohnbezirk, die erzwungene Untätigkeit sind als solche nicht menschenunwürdig.

Im Gegenteil. Ein festes Dach, Schutz vor Krieg, Hunger und Vertreibung, dazu helfende Händer der Anwohner – das ist viel besser als das, was die traumatisierten, entrechteten Menschen  in ihren alten Heimatländern erlebt haben.

Die notleidenden Menschen verdienen unsere Hilfe. Hilfe braucht den verlässlichen Rahmen des Rechtsstaates. Was ich den Berliner staatlichen Organen im Zusammenhang mit dem Flüchtlingscamp am Oranienplatz und der besetzten ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule vorwerfe, ist die Missachtung geltenden Rechts sowie das Unterstützen völlig falscher, völlig unrealistischer  Erwartungen, etwa der, man könne gegen das geltende EU-Recht, gegen das deutsche Recht allen Flüchtlingen ausnahmslos sofortige Aufnahme und sofortige Arbeitserlaubnisse beschaffen, oder der Staat könne sich mit Rechtsbrechern auf einen „Deal“ oder gar auf Verhandlungen darüber  einlassen, ob er sein eigenes Recht durchsetzen dürfe.

Missachtung des Rechtsstaates – Ausnutzen der Notlage der Flüchtlinge, also mit einem derben alten Wort „Spiegelfechterei“, das ist den im Bezirksamt bzw. im Senat amtierenden Politiker*innen von Grünen, SPD und CDU  vorzuwerfen.   Der Ansehensverlust der Berliner Politiker*innen  ist gewaltig. Dieses Lavieren hat Berlin geschadet, es hat den Flüchtlingen enorm geschadet.

Ein Danke an die Bürger*innen von „Hellersdorf hilft“ ist mehr als angezeigt.

Hellersdorf hilft….

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