
„Was ist für dich Heimat?“ Wir setzen unsere Betrachtungen im Anschluss an Sandra Hüllers skeptischer Ablehnung des Heimatbegriffes fort und fragen heute abend bei den Musikerinnen von Salut Salon an. „Was ist für dich Heimat?“ Wir hatten im Zwiegespräch mit Sandra Hüller gefunden, dass Heimat zunächst einmal kein politischer, sondern ohne jeden Zweifel ein zutiefst persönlicher Begriff ist; jeder wird also eine andere Antwort auf diese Frage geben – und darf und soll dies auch tun!
Was man unter Heimat versteht, das hängt wohl zu großen Teilen von der Erfahrung der eigenen Kindheit ab. Die Cellistin Maria Well etwa sagt es so: „Ich komme aus Bayern. Ich muss sagen, ich bin wahnsinnig behütet aufgewachsen.“ Und sie empfindet dies im nachhinein als Privileg, als großes Glück.
Es lohnt sich, in diesem Video den vier sehr unterschiedlichen Antworten der vier so unterschiedlichen Künstlerinnen zuzuhören! Sie alle eint, dass sie den Begriff Heimat mit Glück, mit einer grundsätzlich guten, gelungenen Kindheit verbinden. Und aus diesem Grundgefühl der Zugehörigkeit, die sich in der Vergangenheit als leibhaftige Erfahrung gebildet hat, speist sich ein großes Ja-Sagen, besser: ein Ja-Singen zu diesem Leben, mit all seinen Zweifeln, Ängsten, Schattenseiten. Man spürt darin ein Hervorleuchten, man hört ein hervorquellendes, ein unversiegliches Verlangen und Streben nach Freude, nach einer sich aus der Tiefe der Vergangenheit wiederholenden Freude, die sich in der Weitergabe, im Weiterschenken erfüllt und selber für andere zur Beheimatung, zur Empfindung des tiefen tiefen Glücks werden kann.
Bild: Dorfkirche mit Dorfweiher in Klein Herrlitz/Malé Heraltice, Sudentenschlesien – das Heimatdorf, in dem der Vater des hier Schreibenden von 1925-1946 seine Kindheit erlebte. Aufnahme des Verfassers vom 26.05.2026