Sicheres Miteinander im Straßenverkehr schaffen – es ist möglich!

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Juli 262008
 

Der ADFC in München läuft uns den Rang ab: Sie haben es auf die Titelseite des München-Teils in der Süddeutschen Zeitung geschafft. Mein herzlicher Glückwunsch geht an die Kolleginnen und Kollegen in meiner Geburtsstadt München!

Fahrradunfälle in München – Radwege bringen keine Sicherheit – München – sueddeutsche.de

Der Anlass ist ein trauriger, wie ihr sicher lesen könnt. Wieder wurden zwei Radfahrer durch abbiegende LKW getötet. Die Radler „waren im Recht“, wie man so unschön sagt. Es nützte ihnen nichts. Richtig ist gleichfalls die Schlussfolgerung des ADFC: Radwege, die von der Straße abgesetzt sind und neben den Gehwegen entlanglaufen, sind nicht sicherer als auf der Straße markierte Radfahrstreifen. Die SZ schreibt:

Auf den abgetrennten Radwegen kämen die Radler für viele Autofahrer „plötzlich aus dem Nichts“. Farbig markierte Radwege auf der Straße, wie beispielsweise am Oberanger, hält Ströhle vom ADFC „für eine gute Geschichte“. Da hätten die Radler eine reservierte Fläche und blieben gleichzeitig im Gesichtsfeld der Autofahrer. Das „Trennungsdenken“, dass jeder Verkehrsteilnehmer seine separate Spur für sich habe, „das funktioniert in der Stadt nicht“, meint Hubert Ströhle. In den Niederlanden oder auch in der Stadt Münster gebe es großflächige Räume, wo langsamer gefahren werden müsse und wo Straßenbahnen, Autos und Radler ein sicheres Miteinander gefunden hätten.

Und: Es bedarf gemeinsamer Anstrengungen, um das Radfahren sicherer zu machen:

Erwiesen sei aber auch, dass ab einem Fahrradanteil von mehr als 20 Prozent im gesamten Straßenverkehr die Unfallzahlen sinken. „Da ist der Radler Teil des normalen Verkehrs.“ In München schaffen die Radfahrer gerade einmal zehn Prozent, die Stadt will die Zahl auf 15 Prozent steigern. „Aber da braucht es eine gute Fahrradinfrastruktur, Abstellmöglichkeiten, Imagekampagnen“, zählt der ADFC-Mann auf. Die Stadt sei neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen, meint Ströhle, aber letztendlich sei alles „eine Frage des Geldes“.

Dabei sind die Radfahrer in München ebensowenig Unschuldslämmer wie wir hier in Berlin:

In Zeiten steigender Spritpreise wird die Zahl der Radfahrer weiter wachsen. Für die Polizei, wie Notka sagt, gibt es da in den Sommermonaten viel zu tun. „Massenhaft Verstöße“ registrieren seine Leute. Hauptsächlich Rotlichtsünder, Radler die in der falschen Richtung unterwegs sind oder durch die Fußgängerzone fahren. Allein von Januar bis Mai 2008 beanstandete die Polizei 1699 Rotlichtverstöße. „Und das Tempo“, räumt Radl-Sprecher Hubert Ströhle ein, berge ein immenses Gefahrenpotential. „Viele Radfahrer sind einfach zu schnell.“

1265 Radfahrer waren in den ersten sechs Monaten des Jahres 2008 im Bereich des Polizeipräsidiums München in Unfälle verwickelt – 58,4 Prozent von ihnen schuldhaft. Bis zum gestrigen Tag ließen fünf Radfahrer ihr Leben.

Wie sagte doch Obama vorgestern: Now is the moment. The task is never easy.

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Gut abgehangene Argumente bei Anne Will

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Juli 222008
 

Sattelt die Fahrräder! Unter diesem Motto diskutierten bestens bekannte Studiogäste bei Anne Will am vergangenen Sonntag darüber, ob das Auto ein Auslaufmodell sei. Franz Alt, Bärbel Höhn, Christine Haderthauer, Waldemar Hartmann und Matthias Wissmann tauschten auf freundlich-nette Art ihre Argumente aus. Bekannte Gesichter, bekannte Frontlinien! Herr Wissmann beschwor dessenungeachtet seine Mitstreiter zwei Mal, die alten Gräben „hier Auto, hier Fahrrad“ zu überwinden und beschwerte sich:

„Heute Abend sind wir in Adlershof. Nach Adlershof mit dem öffentlichen Verkehr oder mit dem Fahrrad zu kommen, ist praktisch unmöglich.“ (Dieser Satz wurde abgetippt von jemandem, der in weniger als 20 Minuten mit der S-Bahn nach Adlershof gekommen ist.)

Frau Haderthauer kämpfte wacker für die Wiedereinführung der Pendlerpauschale:

„Die Kanzlerin hat immer gesagt, dass sie die Neuregelung der Pendlerpauschale abhängig machen wird von der Entscheidung des Verfassungsgerichts. Es war nicht zu erwarten, dass sie da umsteuert. Das hindert uns nicht daran zu sagen, was wir richtig fänden.“

Franz Alt malte die „Autodiktatur“ an die Wand:

„Das Auto ist, so wie es heute läuft, unsozial. 5000 Tote durch den Autoverkehr im letzten Jahr, 430.000 Verletzte, davon Zehntausende verkrüppelt ein Leben lang – wir haben ein absolut irrationales Verhältnis zum Auto.“

Allerdings fährt er selbst eines, und zwar kein billiges, nämlich den Prius.

Die Sendung kann man sich gut noch einmal in der ARD-Videothek zu Gemüte führen. Noch besser: das zugehörige Blog. Heftig kritisiert wird von den Zuschauern die Gästeauswahl. Die Gäste seien zu bekannt, wird im Blog gesagt, sie hätten irgendwie unvermeidlich gewirkt und seien teilweise überhaupt nicht in erkennbarer Weise für das Thema qualifiziert gewesen. Das ist aber nicht nett, was die Zuschauer da sagen. Alle Studiogäste haben sich doch so redlich bemüht. Stellvertretend für viele der kritischen Einträge sei hier zitiert der Eintrag Nr. 197 von Blogger „Radfahrer“. Zunächst bemängelt er das Missverhältnis zwischen „bewegter Masse“ und Passagier, das unökonomisch sei. Er fährt fort:

„Und dennoch ist das gesamte Verkehrssystem auf das Auto zugeschnitten. Radfahrer und Fußgänger sind mittlerweile nur noch ein lästiges Übel, obwohl ihnen sowieso nur eine lächerliche Restfläche für ihre ökologisch vorbildliche Art der Fortbewegung zugestanden wird. Und das, obwohl es wohl alles andere als ökonomisch ist, sich mit dem 10-20 fachen seines eigenen Körpergewichts in der Stadt fortzubewegen und dabei den knapp zehnfachen Flächenverbrauch eines Fahrrades zu beanspruchen. Und zwar nicht nur wenn man fährt, sondern auch, wenn man das Auto parkt. So kommt es, dass unsere Innenstädte zu riesigen Autoparkplätzen verkommen, in denen Eltern sich nicht mehr trauen, ihre Kinder zu Fuß zur Schule laufen zu lassen (und wer das nicht lernt, wird auch später nicht laufen oder radeln!), weil sie es für die Kleinen für viel zu unübersichtlich und gefährlich halten. 
Alle nicht-motorisierten Menschen werden in ein von Autofahrern für Autofahrer gemachtes Verkehrssystem gezwungen und damit in ihrer Bewegungsfreiheit massiv eingeschränkt. Das Geschrei ist groß, wenn tatsächlich mal ein paar Parkplätze wegfallen oder eine Straße verengt wird.“

Mir gefiel am besten Waldemar „Waldi“ Hartmann. Er gab sich überhaupt keine Mühe, seine Auto-Passion zu verstecken und meinte treuherzig, seine 350 PS seien vor allem deshalb gut, weil er mit einem Druck auf das Gaspedal bestimmten Gefahrensituationen entkommen könne. Er täuschte auch keine Fachkunde vor. Solche Ehrlichkeit kommt gut an.

Die Masse der Golf-Fahrer war im Studio nicht vertreten – also all jene, die mit der Familie am Sonntag ins Grüne hinaus wollen. Es war vertreten: die traute Einschalt-Elite. Das Übliche.

Eine kleine Anregung, – keine Kritik! – muss ich aber bei aller Begeisterung für diese Veranstaltung, die alle vorgefassten Urteile bestätigte, doch anbringen: Neben dem Auto-Lobbyisten Wissmann, der erprobten grünen Breitband-Politikerin Höhn, der neuen CSU-„Allzweckwaffe“ Haderthauer, dem unbequemen Mahner Franz Alt fehlte wieder einmal – die Fahrradlobby.

Es saß keine einzige Fachfrau für den Fahrradverkehr im Studio! Dabei gibt es doch Fachverbände wie den ADFC etwa, die seit Jahrzehnten konkrete Forderungen erheben und längst aus den Grabenkämpfen der Vergangenheit herausgeklettert sind. Wo war etwa Sarah Stark, die Berliner ADFC-Landesvorsitzende? Sie wäre umweltfreundlicher als alle die anderen angereist! Diese Fahrrad-Lobbyverbände haben ein enormes Fachwissen angesammelt. Es gibt auch bei ihnen hübsche, fernsehtaugliche weibliche Gesichter. Sie sind jung, jünger als der Durchschnitt der Studiogäste. Zu jung für die Öffentlich-Rechtlichen? Und diese Frauen und Männer bringen obendrein auch noch besondere Kenntnisse mit, sie könnten die Diskussion über die sattsam bekannten Argumente hinausführen. Sind sie deswegen schon disqualifiziert als Studiogäste? Sollen denn immer nur die „Urväter“ und die TV-Zelebritäten untereinander diskutieren? Zollt man so dem demographischen Wandel Tribut? Die Mischung aus alt und jung macht’s doch!

Liebe Anne Will! Bitte ignorieren Sie nicht die jungen Fachleute – mindestens nicht bei Sendungen, die sich den Anschein geben, eine Lanze fürs Fahrrad brechen zu wollen.

DasErste.de – [Anne Will] – Sendung vom 20. Juli 2008 um 21.45 Uhr

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Friedrichshain-Kreuzberg belegt Platz 1 bis 3 …

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Juli 172008
 

… in der Statistik der gefährlichsten Kreuzungen Berlins. Der BZ kommt heute das Verdienst zu, die Liste der 100 gefährlichsten Kreuzungen abzudrucken, aufgeschlüsselt nach Unfall- und Verletztenzahlen. Auch die Unfallkosten werden bis auf den Euro genau ausgewiesen. Der flächenmäßig besonders kleine Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg führt diese Liste auf den Plätzen 1 bis 3 unangefochten an. Und unter den 12 unsichersten Knotenpunkten Berlins liegt immerhin ein sattes Drittel in unserem Bezirk.

Die 3 gefährlichsten Kreuzungen Berlins sind: Admiralstraße/Kottbusser Straße, Frankfurter Tor/Frankfurter Allee, Bevernstraße/Oberbaumstraße. Unfallkosten allein an diesen drei Stellen 2005-2007: 1515 Unfälle an diesen drei Kreuzungen kosteten 11.064.537 Euro – über 11 Millionen Euro!

Auch der gestern veröffentlichte Verkehrssicherheitsbericht 2008 der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bietet keinen Anlass zur Entwarnung. Im Gegenteil: Die Zahl der Unfälle ist um 3,6% auf 124.919 gestiegen. In wünschenswerter Deutlichkeit liefert der Report eine Aufschlüsselung nach Unfallarten, Unfallbeteiligten, Schwer- und Leichtverletzten und Unfallverursachern.

Ergebnis: besonders gefährdet sind weiterhin Fußgänger und Radfahrer. Der Anteil der Radfahrer an den Schwerverletzten ist noch einmal auf nunmehr 27% gestiegen.

Als die beiden maßgeblichen Unfallursachen werden auf S. 10 wörtlich angegeben

bei Radfahrern „Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr“ und „Benutzen falscher Fahrbahnteile“ (häufig betrifft Letzteres das Befahren von Radwegen in falscher Richtung oder von nicht für Radfahrer frei gegebenen Gehwegen)

Auch dieser Befund ist nicht neu: Nicht im „Längsverkehr“, also nicht dann, wenn die Radfahrer ordnungsgemäß auf den Straßen oder den Radwegen fahren, sondern beim „Einfädeln“ und Abbiegen sowie auch beim Befahren von Gehwegen und Radwegen in falscher Richtung geraten Radfahrer in statistisch besonders relevante Gefährdungslagen. Hauptursachen: mangelnde Sichtbeziehung zwischen KFZ und Radfahrer, Unachtsamkeit, Falschfahren.

Welche Schlussfolgerungen sind daraus zu ziehen? Die steigenden Unfallzahlen und die vielen Verletzten dürfen niemanden ruhen lassen. Der Verkehrssicherheitsbericht fordert eine stärkere Bündelung und eine Erhöhung der Anstrengungen. Auf S. 17 nennt er dazu 4 Schwerpunkte der Maßnahmen:

Mobilitäts- und Verkehrserziehung im (Vor-)Schulbereich, Aktionstage/-wochen, „Events“, Medien

Diese vier Handlungsfelder überlappen einander teilweise. Ich meine: Alle Akteure sind aufgerufen, Hand in Hand zu arbeiten. Mein Motto: Sicherer Straßenverkehr gelingt gemeinsam.
Am Schluss des Berichts ist die Berliner Charta für die Verkehrssicherheit abgedruckt. Ein vorbildliches Dokument, das der Umsetzung harrt! Es wird getragen von einem breiten Bündnis. Dazu zählen neben Berliner Behörden auch namhafte freie Träger, wie etwa der ACE, ADAC, BUND, FUSS e.V., BVG, Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Sicherer Straßenverkehr gelingt gemeinsam.

Um etwas Erfreuliches zu zeigen: Das Foto zeigt unser Tandem, mit dem ich meinen Sohn täglich zur Kita bringe. Sicher. Gelassen. Fröhlich.

Das sind die 100 gefährlichsten Kreuzungen Berlins – BZ-Berlin.de

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Sicherheit für Radfahrer erhöhen – Kultur der Aufmerksamkeit schaffen!

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Juli 162008
 

Ein schlimmer Unfall ereignete sich am 14.07.2008 in Kreuzberg. Die Lenkerin eines Reisebusses übersah beim Abbiegen vom Tempelhofer Ufer nach rechts in die Möckernstraße die geradeaus fahrende Mountainbikerin Adriana S. Unsere besten Genesungswünsche müssen der lebensgefährlich verletzten Radlerin Adriana S. gelten, aber auch der Busfahrerin, die einen Schock erlitt und zusammenbrach. Die BZ druckte ein Foto von der Unfallstelle ab:

http://www.morgenpost.de/berlin/polizeibericht/article699354/Busfahrerin_fahrt_Radlerin_um_und_verletzt_sie_schwer.html

http://www.bz-berlin.de/BZ/berlin/2008/07/15/busfahrerin-ueberfahrt-radfahrerin/busfahrerin-ueberfahrt-radfahrerin.html

Laut BZ-Bericht haben sich erste Zeugen gemeldet, die angeben, die Radfahrerin sei auf dem Gehweg gefahren. Das Foto von der Unfallstelle in der BZ zeigt, dass der Bus vermutlich schon recht weit in die Möckernstraße eingebogen war, ehe er die Radlerin überfuhr. Ich halte es deshalb für wahrscheinlich, dass Adriana S. wie die Mehrheit der Radfahrer an dieser Stelle auf dem Gehweg fuhr und danach überrollt wurde.

Den genauen Unfallhergang kenne ich nicht. Da ich aber nur 100 Meter von der Unfallstelle entfernt wohne, kenne ich diese sehr gut. Ich fahre sie mehrmals wöchentlich mit dem Rad, gelegentlich auch mit dem Auto. An den beiden Straßen, dem Tempelhofer Ufer wie auch der Möckernstraße, gibt es für den rechtsabbiegenden Radverkehr keine Radverkehrsanlage, allerdings beginnt an der Möckernstraße in Gegenrichtung (Richtung Norden) ein dort einseitig angelegter baulicher Radweg. Für den Autofahrer ist diese Stelle sehr schwer im Auge zu behalten, da jederzeit in beiden Richtungen Radfahrer vom Gehweg auf die Fahrbahn kommen können. Einige Radfahrer – wie ich selbst – fahren auch vorschriftsmäßig auf der Fahrbahn, was die Situation zusätzlich verkompliziert.

Zulässige Höchstgeschwindigkeit an dieser Stelle: 50 km/h. Die Autofahrer fahren dort am Tempelhofer Ufer durchschnittlich etwa 70-80 km/h, manche auch noch schneller. Der Mindestabstand gegenüber den Radfahrern beim Überholen wird grundsätzlich nicht eingehalten. Ich habe dies durch das wirklich hundertfache Befahren per Rad und per Auto festgestellt und kann alle Interessierten nur auffordern, selbst einmal diese Strecke entlangzufahren. Die PKW fahren am Tempelhofer Ufer in einer Art, die den gesamten Radverkehr fast naturgesetzlich auf die Gehwege verdrängt.

Gehwegradler sind für LKW-Fahrer und PKW-Fahrer weit schwerer zu erkennen als Radler auf der Fahrbahn. Das Radeln auf den Gehwegen führt häufiger zu Zusammenstößen als das Fahren auf der Straße, gerade und vor allem beim Abbiegen, also dann, wenn ein Gehwegradler wieder auf die Straße rollt. Sehen und Gesehenwerden – dies gilt auch für den Radverkehr als eisernes Gebot.

Ich habe immer wieder festgestellt, dass die Mehrheit der Radfahrer an diesem Abschnitt auf dem Gehweg fährt, und zwar auf beiden Seiten des Tempelhofer Ufers in beiden Richtungen.

Wie kann man solche Unfälle verhindern? Die Forderungen sollte meines Erachtens lauten:

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) muss auf der Straße „Tempelhofer Ufer“ gegenüber den Autofahrern durch polizeiliche Kontrollen durchgesetzt werden. Die Autofahrer müssen erstens dahin gebracht werden, die Höchstgeschwindigkeit nicht dauernd zu überschreiten. Sie müssen zweitens veranlasst werden, den Radfahrern durch genügenden seitlichen Sicherheitsabstand ein ungefährdetes Vorwärtskommen zu ermöglichen.

Für den Radverkehr muss drittens am Tempelhofer Ufer eine Lösung geschaffen werden, die es verhindert, dass die Mehrheit der Radfahrer auf den Gehweg abgedrängt wird. Die Verkehrsflüsse müssen so gelenkt werden, dass es den Radfahrern möglich wird, die StVO einzuhalten, ohne sich selbst zu gefährden. Hierzu sollten die Interessenverbände, wie etwa der ADFC, gehört werden.

Viertens: Wir brauchen eine neue Achtsamkeit. Ständiges Aufmerken, Vorsicht und Bedachtsamkeit, diese Haltungen müssen buchstäblich gepredigt, eingeimpft, eingeübt und bestärkt werden. Denn:

Sicherer Straßenverkehr gelingt gemeinsam.

Heute kommentierte übrigens auch BZ-Chefreporter Schupelius diesen Unfall.

Schupelius-Kolumne – BZ-Berlin.de
Er erhebt Forderungen, wie sie laut dem heutigen Tagesspiegel auch die grüne Verkehrsexpertin Claudia Hämmerlin geäußert hat, nämlich eine grundsätzliche Anhaltepflicht beim Abbiegen. Schupelius schreibt heute:

„Ob jung oder alt, schnell oder langsam, Radfahrer haben gegen die abbiegenden Ungetüme keine Chance, weil die Fahrer sie nicht sehen. Und weil Radfahrer immer wieder auf genau diese Weise schwer verletzt werden oder ums Leben kommen, verstehe ich nicht, warum niemand auf Abhilfe sinnt. Wenn alle speziellen Spiegel an Lastern und Bussen nichts helfen, dann muss meiner Ansicht nach eine eiserne Regel her. Dann müssen Lkw- und Busfahrer verpflichtet werden, immer anzuhalten, bevor sie abbiegen. Wenn der Laster oder Bus erst einmal steht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er einen Radler unter sich zermalmt, ungleich kleiner, als wenn er mit Schwung um die Ecke fährt. Wir müssen jetzt handeln, bevor der nächste Radfahrer unter die Räder gerät.“

 Posted by at 11:37

Nummernschilder für Fahrräder? (2)

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Juli 142008
 

Im Kreuzberger „Nachbar-Blog“ Rad-Spannerei entspinnt sich eine Diskussion über den Beitrag von BZ-Chefreporter Schupelius (dieses Blog berichtete am 10.07.2008). Bemerkenswert ist folgende Zahl, die Blogger siggi beisteuert:

Das statistische Bundesamt vermeldet bei Radfahrern 3,9% Fahrerflüchtige, bei KFZ-Fahrern sind’s 5,6%.

Das Blog Rad-Spannerei empfehle ich allen, die sich für Fahrradbelange in unserem Bezirk einsetzen, aber auch zur Situation in Berlin überhaupt gibt es reichlich Anregungen.

Bestürzend: ein schwerer Abbiege-Unfall gestern früh am Tempelhofer Ufer. Leider einer der häufigsten Unfallabläufe, vielleicht sogar der häufigste Typ schwerer Unfälle überhaupt: Beim Abbiegen übersieht ein Fahrzeuglenker den geradeaus fahrenden Radfahrer. Für beide Beteiligten ein Albtraum. Ich wünsche den Opfern rasche Genesung!

Nummernschilder für Fahrräder? » Rad-Spannerei

 Posted by at 20:15

Nummernschilder für Radfahrer?

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Juli 102008
 

Das Image von uns Radlern war eigentlich in der Berliner Presse nicht so schlecht. Ich konnte in den letzten Monaten kaum negative Berichterstattung über das Fehlverhalten der Radler feststellen.

Heute aber erschien in der BZ eine Glosse aus der Feder des aktiven Radfahrers und Chefredakteurs Schupelius “Mein gerechter Zorn”.

Lest hier die Glosse in der BZ von heute:

„Am 29. Juni wurde Günter J. (78) auf einem Gehweg in Weißensee von einem Mountainbike-Radler umgefahren. „Na, Opa, jeht’s wieder? sagte der Radfahrer und verschwand. Günter J. liegt mit einem Blutgerinsel im Gehirn immer noch im Krankenhaus. Es scheint, als würden immer mehr Fußgänger in Berlin Opfer brutaler Radfahrer. Die Statistik besagt, dass 2003 etwa 8 Prozent aller Fußgänger-Unfälle von Radfahrern verursacht wurden und dass es 2007 bereits 10 Prozent waren. Das ist auf den ersten Blick keine dramatische Steigerung. Sehr häufig werden Fußgänger von Radfahrern aber auf dem Gehweg angefahren. Und das schafft ein Gefühl der Bedrohung, zumal sogar in einem aktuellen internen Polizeibericht davon die Rede ist, das Rad-Rambos, wenn sie gestellt werden, „mit totalem Unverständnis und sehr emotional“ reagieren würden. Man könnte auch klarer sagen, dass sie brutal reagieren. Viele Leser berichten mir regelmäßig darüber. Eine Leserin schlug vor, für Fahrräder deshalb eine Kennzeichen-Pflicht einzuführen, damit man sie, wie Autofahrer, anzeigen kann. In der Schweiz gibt es eine solche „Velo-Vignette“, dort muss man sein Fahrrad haftpflichtversichern. Ich fände es bedauerlich, wenn unsere Fahrräder auf diese Weise mit Kennzeichen erfasst würden. Was für eine Bürokratie, was für ein Aufwand, was für eine Überwachung! Wenn damit aber gewaltbereite Radfahrer gebändigt werden können, weil sie Angst vor einer Strafverfolgung haben müssen, dann bin ich schweren Herzens dafür, dass wir die Velo-Vignette einführen, aus dem ganz einfachen Grunde, dass ich als Fußgänger in Sicherheit leben will.“

Schupelius-Kolumne – BZ-Berlin.de

Schupelius ist laut eigenem öffentlichem Bekunden selber Radfahrer, man kann ihm wahrlich keine Hetze gegen die Radler unterstellen. Gleichwohl zieht er die Plakettenpflicht für Radler in Erwägung.

Ich meine: Wir brauchen keine Plakette, sondern eine klare, präzise Kampagne mit einigen wenigen Themen, in positiv-fröhlicher Grundstimmung. Kein „Schwarzes-Peter-Weiterschieben“. Erst einmal vor der eigenen Tür kehren. Lust auf Fahrradfahren machen, positives Image des Radverkehrs herstellen. Regeltreue als selbstverständlich darstellen. Für partnerschaftliches Miteinander werben. Aktuellen Radverkehrs-Rückenwind nutzen! Am besten in Abstimmung mit der Polizei, dem ADAC, den Schulen und – den „größten Zeitungen Berlins“!

Sicherer Straßenverkehr gelingt gemeinsam.


 

 Posted by at 11:02
Juni 262008
 

Mit meiner ADFC-Stadtteilgruppe unternahm ich am 21. Juni 2008 eine halbtägige Rundfahrt durch den Bezirksteil Friedrichshain.

Die Route führte von dem bunten Band der East Side Gallery längs dem äußerst suggestiven Osthafengelände zum verträumten Ortskern von Alt-Stralau. Ich konnte es nicht lassen, ich musste ein Bad in der Stralauer Bucht nehmen, am Übergang, da wo Schlick und Schlamm aus Jahrzehnten industrieller Fertigung sich mit dem anflutenden Spreewasser vermengen! Beim Herausklettern aus dem schlickgetränkten Gestade riss ich mir das Knie blutig – meine Taufe mit Stralauer Spreewasser! Das war die Stelle:

Tom, danke für die Fotoverwendungsrechte! „Wohnen am Wasser“, dieses Motto der neuen Bürgerlichkeit stand im Kontrast zu einer Demonstration unter dem kämpferischen Motto „Wir bleiben“ in der Nähe des Boxhagener Platzes. Sogar einen echten Bundestagsabgeordneten könnt ihr auf diesem Bild entdecken!


Die Karl-Marx-Allee wiederum verweist auf die Verflechtung von Architektur und Politik – eine echte Absage an die nur funktionale Moderne. Erfahrbar wurde: Die moderne, vorsorgende Kommunalpolitik entfaltet sich im 19. Jahrhundert im ehemaligen Arbeiterviertel Friedrichshain – etwa durch den Märchenbrunnen. Der ist Volksbelustigung pur!

Einen nachdenklichen Schlusspunkt setzte schließlich der Friedhof der Märzgefallenen im Volkspark. „Wissen wir eigentlich, was damals geschah?“, fragte eine Teilnehmerin. Ich finde: Die ganze Anlage mit den Gräbern der Aufständischen vom 18./19. März 1848 ist unserer modernen deutschen Demokratie unwürdig! Sie zählen zu den Ahnen unseres Grundgesetzes, sie forderten das, was erst 70 Jahre später Wirklichkeit wurde: eine parlamentarische Demokratie ohne feudales Oberhaupt! Sie haben Besseres verdient, als missachtet in irgendeinem Winkel hinzudämmern, zumal dies kein Mahnmal ist, sondern eine echte Gräberstätte. Sie bedarf einer sorgfältigen Pflege und Betreuung.

Ein Teilnehmer fasste so zusammen: „Vieles war neu für mich, manches war unbeschreiblich suggestiv, manches war einfach schön hässlich – aber alles immer lohnend, immer verlockend! Friedrichshain, das ist ja eine kleine Welt für sich. Hab ich so nicht gewusst. Danke für die hervorragende Vorbereitung und kundige Führung!“ Ich meine: Um mit der Realität einer Großstadt ins Gespräch zu kommen, gibt es kein besseres Mittel als eine Fahrradtour! Auf Dörfern oder im Gebirge sollte man zu Fuß wandern, aber unsere Berliner Bezirke sind zu groß, als dass man sie zu Fuß einigermaßen umfassend an einem halben Tag erwandern könnte. Fährt man aber mit dem Auto oder dem Bus, kriegt man einfach nichts mit und man kommt mit den Leuten nie und nimmer ins Gespräch.

 Posted by at 18:03

Kaum zu fassen: Künast fordert mehr Autos, CDU setzt aufs Fahrrad

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Juni 242008
 

Freuet euch, es stimmt: Die Union bekennt sich zum Fahrrad! In dem gestern verabschiedeten Antrag des CDU-Bundesvorstandes an den 22. Parteitag heißt es auf S. 16 wörtlich:

Jeder Bürger kann eigenverantwortlich zur Reduzierung der verkehrsbedingten Umweltbelastung beitragen. Dies gilt insbesondere für den Freizeitverkehr, der bislang in Deutschland zwei Drittel des Pkw-Verkehrs ausmacht. Das Fahrrad spielt als umweltfreundliches Verkehrsmittel eine Schlüsselrolle. Die Union setzt sich konsequent für die Stärkung des Radverkehrs und die bessere Vernetzung mit anderen Verkehrsmitteln ein.

Bemerkenswert ist die Eindeutigkeit in der Wortwahl: „Schlüsselrolle“, das bedeutet: Am Fahrrad führt in der Verkehrspolitik kein Weg vorbei. „Konsequent“, das bedeutet: Mit der bisherigen Flickschusterei soll aufgeräumt werden. Gefordert sind vielmehr ganzheitliche Radverkehrsstrategien, wie sie etwa in Berlin und Hamburg bestehen. „Bessere Vernetzung“, das bedeutet: Die Mitnahme des Fahrrads in Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen, Regionalzügen muss zur Selbstverständlichkeit werden. Vor allem aber: Es muss endlich möglich sein, das Fahrrad im ICE mitzunehmen. „Bislang“ sind zwei Drittel des PKW-Verkehrs Fahrten zum Freizeitvergnügen. Das häufige Argument „Ich brauch das Auto für meine Arbeit“ gilt nur in einem Drittel aller gefahrenen Kilometer! Mit „bislang“ sagt nun die CDU: „Das soll nicht so bleiben, wir wollen eine Verringerung des überwiegend privat veranlassten PKW-Verkehrs.“ Und eins der besten Mittel zur Verringerung des PKW-Verkehrs ist die Förderung des Fahrradverkehrs.

Wir brauchen also die Freiheit der Wahl: eine sichere Radverkehrsinfrastruktur ist unerlässlich. Auf jeder Straße muss es für Radfahrer möglich sein, gefahrlos und unbedrängt durch den PKW-Verkehr voranzukommen. Die Autofahrer müssen aufhören, öffentliches Straßenland als ihr Vorzugsrevier zu besetzen und widerrechtlich und entgegen den Bestimmungen der StVO andere Verkehrsteilnehmer wegzuhupen, wegzudrängen und einzuschüchtern. So muss etwa der vorgeschriebene seitliche Sicherheitsabstand von mindestens 1 Meter und 50 Zentimeter beim Überholen den Autofahrern in Fleisch und Blut übergehen.

Das ganze soll freiwillig erfolgen, niemand wird das Autofahren verbieten. Keine Partei will schließlich die Stimmen der Autonutzer verlieren, die zwar in Berlin eine echte Minderheit sind, aber bundesweit doch mehr als die Hälfte aller Wähler umfassen.

Das Lustige am Zeitpunkt ist: Während die CDU sich so passioniert aufs Fahrrad setzt, fordert Renate Künast von den Grünen mehr Autos, und zwar „1 Million Elektroautos“ bis 2020, die also das 1-Liter-Auto noch unterbieten. Dies tat sie in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ am vergangenen Sonntag, dem 22.06.2008. Sie sagte kein Wort gegen das Auto an sich, sie verschwieg, dass natürlich auch Elektroautos von irgendwoher ihre Energie beziehen müssen – vermutlich aus dem öffentlichen Stromnetz! Und natürlich verschwinden dank mehr Elektro-Autos die bestehenden Benzinkutschen nicht von Straßen, sie laufen nur etwas länger.
Was sind das für Zeiten, die wir da erleben! Das Auto ist nicht mehr der leibhaftige Gottseibeiuns für die Grünen, und die Christenunion bekehrt sich von der ehemaligen Autopartei hinweg. Sie verlangt – nun, nicht den äußerst schöpfungsfreundlichen Leihesel, wie das Jesus von Nazaret im Neuen Testament bei Markus 11, 1-7 tut. Auch Jesus ging ja nicht immer zu Fuß. Sehr wohl aber verlangt die CDU den fast ebenso schöpfungsfreundlichen Drahtesel, egal ob leihweise oder im Dauerbesitz. Eine echte Schlüsselszene, daran sollten wir denken.

 Posted by at 12:53
Juni 222008
 

Immer wieder fragen mich Verkehrsexperten: „Warum tut sich die CDU so schwer mit dem Fahrrad? Warum kämpfen so wenige CDU-ler für nachhaltige Mobilität und setzen munter weiter aufs Auto und aufs Flugzeug? Wofür steht denn das C? War Jesus Christus nicht ein armer Unterschichtenjude, der fast immer zu Fuß ging und sich nie eine Sänfte oder ein Pferd leisten konnte wie die Reichen seines Landes?“ Gute Frage! Morgen wird sich der CDU-Bundesvorstand mit einem 25-Seiten-Papier zum Klima-, Umwelt- und Verbraucherschutz befassen. Ich kenne das Papier nur in Auszügen. Nach einem Bericht der Berliner Zeitung vom 19. Juni 2008 „entdeckt die CDU das Fahrrad als Umweltverkehrsmittel Nummer Eins“. Wirklich, entdeckt sie es erst jetzt? Schauen wir uns doch an, wie sich erfolgreiche Unionspolitiker in den Städten für das Fahrrad einsetzen:

Beispiel Stuttgart: Der CDU-Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster möchte die hügelige Neckarstadt zur attraktiven Fahrradstadt umgestalten. Er möchte den Anteil der Fahrradfahrten am Gesamtverkehr auf 20 Prozent steigern. Er setzt dabei auf ein bisschen Nachschub: das Elektro-Fahrrad Pedelec. „Runter vom Rad, rein in die Sitzung“, erklärte Bürgermeister Schairer, picco bello in Anzug und Krawatte gekleidet. Und siehe: Er hat die letzte Wahl gewonnen (Quelle: ADFC Radwelt 3/08, S. 10).

Beispiel Augsburg: Der neue CSU-Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl setzte im Wahlkampf auf das Prinzip „Freiheit der Wahl“. Er wandte sich gegen die einseitige Bevorzugung von Bussen und Bahnen und erklärte den Ausbau der Fahrradinfrastruktur zur Chefsache. Unter anderem verlangte er ausdrücklich als Punkt 100 seines 100-Punkte-Programms, den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) bei Straßenbauplanungen stets mit einzubeziehen. Und siehe: Er hat die letzte Wahl gewonnen.

Beispiel Hamburg: Bereits vor der Wahl, am 21.02.2008, erklärte CDU-Vormann Ole von Beust die Verdoppelung des Radverkehrs auf Kandidatenwatch zu seinem Ziel: „Bis zum Jahr 2015 soll sich der Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen in unserer Stadt verdoppeln. Dies ist das erklärte Ziel der Radverkehrsstrategie für Hamburg, die auf Initiative der Hamburgischen Bürgerschaft von einem Fahrradforum mit Vertretern aus allen betroffenen Bereichen erarbeitet wurde.“ Und siehe: Er gewann die Wahl.

Ergebnis: Überall, wo die Christenunion glaubwürdig aufs Fahrrad und nachhaltige Mobilität setzt, gewinnt sie die Wahlen in Großstädten und Stadtstaaten. Ist der Umkehrschluss ebenfalls zulässig, dass das Werben mit noch mehr Flugverkehr und noch mehr Autobahnen in Großstädten beim Wahlvolk schlechter ankommt? Das morgen tagende CDU-Präsidium wird sich angesichts ständig steigender Kerosin- und Benzinpreise damit zu befassen haben. Nebenbei: Air Berlin hat laut Handelsblatt vom 18.06.2008 Streckenstreichungen sowie 52 Entlassungen angekündigt. Die Trendwende beim Billigflugverkehr wird also kommen, so sicher wie das Amen in der Kirche.

In dem morgen zur Beratung anstehenden Papier heißt es jedenfalls: „Das Fahrrad spielt als umweltfreundliches Verkehrsmittel eine Schlüsselrolle.“ Die Union setze sich „konsequent für die Stärkung des Radverkehrs“ ein. Euer Wort in Gottes Ohr!

Wir sind gespannt!

 Posted by at 20:17

Gremiensitzung und Nachtigallensang

 ADFC, Fahrrad, Nachtigall  Kommentare deaktiviert für Gremiensitzung und Nachtigallensang
Mai 172008
 

Am Donnerstag Abend nahm ich an der Sitzung der ADFC-Stadtteilgruppe teil. Themen waren u.a. eine Rückschau auf 20 Jahre fahrradpolitische Aktivitäten in unserem Bezirk, der „Vertiefungsplan Radverkehr“, den das Bezirksamt ausgearbeitet hat, eine Vorschau auf den 1. Juni, an dem die große ADFC-Sternfahrt stattfinden wird. 250.000 Teilnehmer werden erwartet – das große Fest des Radverkehrs, bei dem die Straßen zur Stätte vieler spontaner Begegnungen werden und die Stadt einen ganz neuen, heiteren Charakter annimmt. Wir beschließen, nicht als Gruppe geschlossen mitzufahren, sondern jeder und jede, die Zeit hat, wird sich dem ADFC als Ordner zur Verfügung stellen. Damit das große Fest gelingt!

Wir sprechen über unterschiedliche Radfahrertypen: die „Sportler“, die am liebsten mit den Autos auf der Fahrbahn mitschwimmen, und die „Vorsichtigen“ etwa, die unbedingt ihren abgetrennten Bereich brauchen, auf dem sie sich vor den Ruppigkeiten des PKW-Verkehrs geschützt fühlen. Eines ist klar: Ein so starker Verband wie der ADFC muss alle Gruppen angemessen repräsentieren, muss sowohl die jungen Athleten wie die Kinder, die Behinderten, die Langsamen und die Alten ernstnehmen und für sie arbeiten … Nur so kann es gelingen, mehr Menschen zum Umsteigen auf das Fahrrad zu bewegen.

Einer hat es schon getan: Nigel Kennedy bezeichnet es in der heutigen Süddeutschen Zeitung als „hirnrissig“, in London mit dem Auto zu fahren. Der Mann besitzt eine Stradivari und eine Guarnieri. Auch eine Villa in Hampstead. Und ein Fahrrad. Also alles, was der Mann von Welt heutzutage braucht.

Danach gemeinsames Nachhauseradeln. Was mir immer gefällt beim ADFC, ist, dass alle, wirklich alle sich an die Verkehrsregeln halten, z.B. bei Rot anhalten, vorschriftsmäßige Beleuchtung haben usw. Einer nach dem anderen schwenkt ab, findet den Weg nachhause. Ich bin derjenige, der den weitesten Nachhauseweg hat.

Unsere Stadt zeigte sich vibrierend vor Frühlingslaune am Abend, wir hörten zwei Nachtigallen, der Mond goß sein schimmerndes Licht über Kirchen und Seen, Kanäle und Brücken. Besonders schön: das „Engelbecken“ bei Nacht mit hohen, geheimnisvollen Pappeln. Nachts durch Berlin zu radeln bei lauwarmem Frühsommerwetter – das kann traumhaft schön sein.

Unser Bild zeigt das besagte „Engelbecken“ in Kreuzberg – allerdings bei Tage. Es ist eine Wasserfläche, die von dem früheren Luisenstädtischen Kanal nach allerlei unruhigen Wechselfällen übriggeblieben ist. Dieser Kanal verband von 1852 bis 1926 die Spree  mit dem Landwehrkanal. Schiffe fuhren nur wenige, aber zum Caffelattetrinken und Flanieren ist die Anlage samt Café rund um das Engelbecken heute bestens geeignet. Ich bin selbst übrigens kein Freund des ständigen Caffelatte zu jeder Tageszeit, aber er ist nun mal in. Wozu? Aber wir sind ein freies Land.

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Mai 122008
 

Eine wichtige Aufgabe dieses Blogs für die nächsten Tage wird sein, die in den letzten Wochen ausgespielten Bürgermeisterwahlen in den Weltstädten London, Rom, Augsburg und Hamburg zu kommentieren. Gibt es Gemeinsamkeiten? Wie tickt die Wählerschaft in europäischen Großstädten? Überall haben sich die Wähler gegen langjährige Erwartungen entschieden: In London setzte sich der herrlich unangepasste Boris Johnson gegen den populären Amtsinhaber Ken Livingstone durch, in Rom kam überraschend mit Gianni Alemanno ein Postfaschist ans Ruder, in Augsburg setzte sich ein Kandidat durch, der zum Zeitpunkt der Wahl überhaupt keiner Partei angehörte, in Hamburg handelte Ole von Beust die erste schwarz-grüne Koalition auf Landesebene aus.

Eines ist klar: Für den Fahrradverkehr war die Londoner Bürgermeisterwahl vom 4. Mai 2008 ein eindeutiger Sieg. Denn Boris Johnson ist – im Gegensatz zum bekennenden U-Bahnfahrer Livingstone – nach eigenen Worten ein militanter und deshalb zutiefst regeltreuer Radler:

Cycling enthusiast and Tory candidate for London mayor, Boris Johnson, called for „zero tolerance“ of cyclists who break the rules.

Speaking to ITV1, he said: „I am a militant cyclist myself and I love cycling and I want more people to cycle in London, but part of the deal has got to be that if we are going to expand cycling in London … we cyclists have got to obey the laws of the road.“

BBC NEWS | UK | Cameron sorry for bike mistakes

Das Bekenntnis machte Johnson übrigens, nachdem sein Parteichef David Cameron mehrfach dabei ertappt worden war, wie er Einbahnstraßen in falscher Richtiung entlangradelte und das Rotlicht missachtete. Das Ganze schlug vor den Kommunalwahlen riesige Wellen und brachte den Konservativen sicherlich zusätzliche Sympathie ein: Denn erstens entpuppte sich der Parteivorsitzende als begeisterter, nicht immer regeltreuer Radler, zweitens bekam der Boss einen Rüffel von dem bekanntermaßen schillernden Kandidaten seiner eigenen Partei. Beides dürfte die Chancen der Konservativen nicht unwesentlich gesteigert haben.

Was lernen wir daraus? Die früher ach so muffigen, elitären Tories haben sich erfolgreich in eine moderne Partei verwandelt, deren Chef David Cameron sich sogar Ordnungswidrigkeiten erlauben darf – und der nebenbei dann noch eine Lanze für den Radverkehr bricht, im Sinne von: „Die Verkehrsregeln sind für uns Radler so schlecht, dass ich gar nicht umhin kann, ein paar Regeln zu brechen.“

Und: Der Radverkehr ist in den europäischen Großstädten ein Politikum geworden, mit dem man Wahlen beeinflussen kann. In der multikulturellen 8-Millionenstadt London wurde das Fahrrad zu einem wichtigen Imageträger für den Herausforderer, dem vorher nur geringe Chance eingeräumt worden waren. Fahrradpolitische Debatten füllten die Spalten der Zeitungen und die Fernsehdiskussionen. Das muss man sich vormerken: Eine Radfahrerpartei hat den Bürgermeisterposten in der Finanzmetrople London errungen!

Damit haben wir sicherlich einen der kürzesten Kommentare zu einer Wahl geschrieben. Darauf sind wir auch noch stolz!

Als nächstes Opfer unserer tiefschürfenden Kurzkommentare haben wir Augsburg erkoren. Augsburg, eine Weltstadt? Ja, erst Napoleon hat 1806 diesen Status einer freien Reichsstadt – ich sag mal: einer Weltstadt – recht schnöde beendet, indem er die Stadt dem neu entstandenen Königreich Bayern schenkte. Also Kompromiss mit euch Skeptikern: Augsburg war eine Weltstadt …

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VCD startet Fahrrad-Kampagne für Schülerinnen und Schüler

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Mai 052008
 

Sieh an – ein veritabler Verkehrsminister, Herr Wolfgang Tiefensee, tritt zum Start dieser Aktion in Berlin auch in die Pedale! Ich warte immer noch, bis der erste Staats- oder Regierungschef auf dem Velo vor dem Adlon eintrifft! „Radfahren ist uncool, wirkt unserer weitverbreiteten Neigung zur Lässigkeit entgegen, hindert mich am Gebrauch des Handys, verleiht mir ein Loser-Image, kostet Zeit und Nerven, fördert die Schattenwirtschaft wegen häufiger Diebstähle und behindert mich beim Autofahren. Autofahren fördert die Staatseinnahmen, kurbelt die Wirstchaft an, macht mich unabhängig von der BVG und bringt Punkte bei der Peer Group!“ – so lassen sich kurz die Argumente eines zwanzig Jahre jüngeren Mannes zusammenfassen, mit dem ich einmal über Radfahren, Autofahren – und – oh Schreck! – das Wandern sprach.

Nebenbei: Im Euro-City von Budapest nach Hamburg, den wir gestern nutzten, hingen viele Fahrräder in einem eigenen Gepäckabteil – großartig – wann zieht der ICE nach und erlaubt wie sein großer europäischer Bruder die Mitnahme von Fahrrädern?

Also – ich finde diese Aktion trotzdem gut!

VCD startet Fahrrad-Kampagne für Schülerinnen und Schüler – Fahrradportal > Aktuell > Neuigkeiten – Fahrradportal Nationaler Radverkehrsplan
Mit »FahrRad!« möchte der VCD das Image des Fahrrades bei den Jugendlichen verbessern und sie für das umweltschonende Zweirad gewinnen. *Denn Rad fahren ist gesund, stellt einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz dar und trägt dazu bei, dass sich Kinder in der Schule besser konzentrieren können“, begründet Gabriele Kuczmierczyk vom VCD-Bundesvorstand das Engagement des VCD. *Wer den Schulweg mit dem Fahrrad zurücklegt, verbessert darüber hinaus seine sozialen Kontakte und übt verkehrssicheres Verhalten.“

Angesichts des verbreiteten Bewegungsmangels bei Kindern und Jugendlichen ist es nach Ansicht des VCD wichtig, die körperliche Auslastung von jungen Menschen zu fördern und der Fixierung auf das Auto als bequemes Fortbewegungsmittel entgegenzuwirken. Michaela Mohrhardt, Leiterin des Projektes beim VCD: *Obwohl das Fahrrad gerade auf kurzen Entfernungen wie Schulwegen häufig das ideale Verkehrsmittel ist, werden viele Schülerinnen und Schüler täglich mit dem Eltern-Taxi zur Schule gebracht. Mit unserer Kampagne wollen wir Lust aufs Rad fahren machen und erreichen, dass die Jugendlichen auch nach Abschluss des Projektes das Fahrrad im Alltag gerne als Fortbewegungsmittel nutzen.“

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Apr. 122008
 

Einen sehr ergiebigen Branchenbericht zur Lage der Fahrradindustrie bringt die FAZ heute auf S. 18, gestützt auf die Zahlen des VDZ (Verband des Deutschen Zweiradhandels): 4,6 Millionen neue Fahrräder kauften die Deutschen 2007 zum Durchschnittspreis von 368 Euro. Der Umsatz stagnierte trotz größerer Mengen an verkauften Rädern. Billigkonkurrenz aus Kaufversandhäusern, Discountern und Kaufhäusern verdrängt den Fahrradhändler um die Ecke zunehmend, so Markus Lehrmann vom VDZ. Viele Branchenvertreter rechnen andererseits mit einem bevorstehenden echten Boom des Fahrrads: „Das Fahrrad ist populär, und es hat keine natürlichen Feinde“, sagt Rolf Lemberg, Geschäftsführer des Zentralverbands der Zweirad-Industrie (ZIV). Was für eine hübsche Formulierung!

Hierzu ergänze ich: Auch ich kaufte früher einmal aus Geldmangel ein Billigrad aus einem Kaufhaus. Bald schon bereute ich diesen Schritt: Das Rad verschlang viel Geld für Reparaturen, es war außerdem für meinen Körperbau zu klein geraten, sodass die Fahrten körperlich anstrengend waren. Der Gepäckträger gab bald den Geist auf. Ich zahlte letztlich drauf. Vor zwei Jahren kaufte ich für Euro 499.- ein Qualitätsrad beim Fachhändler hier in Kreuzberg um die Ecke, der mich gut beriet, und seit etwa zwei Jahren bewältige ich fast meinen gesamten innerstädtischen Alltagsverkehr mit dem Rad, bin weitgehend abgenabelt von der BVG und vom PKW.

Mit einem qualitativ guten, voll verkehrstauglichen Fahrrad gilt die Devise: Es macht Spaß. Es ist gesund. Es ist gut für die Stadt.

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