Okt. 122012
 

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Große Freude und Genugtuung empfinde ich bei der Erklärung des Nobelkomitees, mit der es seine Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU begründet.

Es lobt an der EU die machtvolle Friedens- und Versöhnungsbotschaft, stützt den Einsatz für Menschenrechte, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Beilegung ethnischer Konflikte. DAS hält die EU zusammen. Und das ist in der Tat  eine beispiellose Erfolgsgeschichte.

Das Wort „Wohlstand“ kommt in der Erklärung des Komitees gar nicht vor! Die Europäische Union ist ja auch wirklich keine Veranstaltung zur Mehrung des Reichtums. Sie dient nicht der Umverteilung von Hab und Gut. Das geht mir runter wie Öl! Endlich einmal erkennt eine politische Körperschaft, dass der gesamte Bereich der Wirtschaft, des Handels und der Währungsunion ausschließlich in dienender, in nachrangiger Funktion zu sehen ist! Die Europäische Union hängt doch nicht am Geld! Dass dies noch jemand so deutlich ausspricht, war ich mir gar nicht mehr vermutend!

Endlich! Mir kamen spontan die Worte Paul Gerhardts aus seinem Danklied für die Verkündigung des Friedens in den Sinn:

Gott Lob! Nun ist erschollen
Das edle Fried- und Freudenwort,
Daß nunmehr ruhen sollen
Die Spieß und Schwerter und ihr Mord.

Wer dich betrübt und kränket,
Der drückt sich selbst den Pfeil
Des Herzleids in das Herze
Und löscht aus Unverstand
Die gülden Freudenkerze
Mit seiner eignen Hand.

Gelobt sei das Loben!

Bild: Ölweiden – uralte Symbole des Friedens vor dem Jüdischen Museum in Kreuzberg.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/nobelpreis-fuer-eu-erklaerung-des-komitees-im-wortlaut-a-860952.html

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„Du mußt die Führung übernehmen!“, oder: Hat uns Bert Brecht heute noch etwas zu sagen?

 Bert Brecht, Europäisches Lesebuch, Freiheit, Gute Grundschulen, Person, Philosophie, Tugend, Vorbildlichkeit  Kommentare deaktiviert für „Du mußt die Führung übernehmen!“, oder: Hat uns Bert Brecht heute noch etwas zu sagen?
Okt. 102012
 

„Du mußt die Führung übernehmen!“, so schreibt Bertolt Brecht in seinem „Lob des Lernens“.

Ich glaube, dieser Aufforderung kann ich mich anschließen: „Du, du einzelner Mensch, mußt die Führung deines Lebens übernehmen. Lass dich nicht verführen!“

Brecht meinte möglicherweise: Jeder einzelne Mensch soll für sich selbst die Führung seines Lebens übernehmen. Er soll durch Lernen sein Urteilsvermögen schärfen, es soll keiner Organisation, keiner Partei, weder der Kommunistischen Partei noch der Nationalsozialistischen Partei, keiner Klasse und keiner Rasse, keiner unpersönlichen Macht die Führung seines Lebens anvertrauen. Er soll frei entscheiden, was er will oder nicht will.

Jeder Mensch soll sein eigenes Leben führen.

Allzu oft glauben die Menschen, sie seien dem Staat, der Politik, dem riesigen Steuerungsmechanismus des Finanzkapitals unterworfen. Die Strukturgläubigkeit der Menschen in Berlin fällt mir immer wieder auf. Überall jammern die Menschen:

„Der Staat sorgt nicht für uns, hindert uns am Lernen! In den viel zu großen Berliner Klassen, in den viel zu winddurchschossenen Berliner Schulen, in dem hochselektiven Berliner Schulsystem  KANN MAN NICHT LERNEN. Erst einmal muss der Staat anständige Schulen, anständige Lehrer, anständige Kitas bereitstellen, dann fangen wir zu lernen an! Und das kostet. Wenn der Staat nicht genug zahlt, können wir nicht lernen. Erst einmal muss die Politik die Bedingungen für sinnvolles Lernen schaffen, danach dann fangen wir zu lernen an!

Groteske Töne – in Dakawa in Tansania beträgt die Klassenstärke durchschnittlich 103 Kinder pro Grundschulklasse. Dennoch wird auch dort gelernt – auf dem Boden sitzend, an großen Wandtafeln. Für Bücher gibt es ja kein Geld.

Lernen kann man immer. Gerade in den heutigen Grundschulen Berlins herrscht ein unfassbar üppiges Angebot. Die materielle Ausstattung ist teurer, ist besser als je in der Geschichte.

Dennoch maulen Eltern und Kinder, Wähler und Politiker, „Bildungsforscher“ und „Bildungsexperten“ in einem fort: „Die Schulen sind nicht gut genug. Wir brauchen bessere Schulen. Wir brauchen bessere Lehrer. Erst danach werden wir zu lernen anfangen.“

Das revolutionäre Gedicht „Lob des Lernens“ von Bert Brecht verlangt hingegen jedem Einzelnen die lebenslange Anstrengung des Lernens ab – auch unter widrigsten Umständen.

Ausreden, bequemes Sich-Davonstehlen gibt es in den Augen Bert Brechts nicht. In der Mitte des Lernens steht der Lernende. Das Lernen wird gemacht und betrieben vom Lernenden.

Das ist die revolutionäre Wende zur Verantwortung jedes einzelnen Menschen für sein eigenes, sein selbst zu führendes Leben. Es gibt immer ein richtiges Leben, auch wenn es in den Strukturen etwas gibt, was falsch ist.

Es gibt immer ein richtiges Leben im Falschen.

Der einzelne Mensch muss lernen. Er muss sich selbst diese Anstrengung überall und immer abverlangen. Damit er sein Leben führen kann, statt von den Parteien oder von der Politik geführt zu werden.

Brecht fordert uns auf: „Lerne selbst, damit du selbst die Führung in deinem Leben übernehmen kannst!“

Bert Brecht würde sich als parteitreuer Kommunist selbstverständlich im Grabe umdrehen, wenn er diesen Eintrag des widersetzlichen Kreuzberger Bloggers läse! Aber ich meine, dass er, wenn er 125 Jahre alt würde, ebenfalls zu dieser Deutung seines Gedichts gelangen würde. Ich gehe davon aus, dass er der KPdSU und der SED, dass er dem Kommunismus, dem Marxismus-Leninismus-Stalinismus nicht mehr mit dem unterwürfigen Gehorsam folgen würde, den er zu Lebzeiten gezeigt hat.

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„Von der heilenden Kraft des Lernens“, oder: „Lerne und arbeite!“

 Bert Brecht, Das Gute, Kinder, Kochen, Sozialadel, Sozialstaat, Tugend  Kommentare deaktiviert für „Von der heilenden Kraft des Lernens“, oder: „Lerne und arbeite!“
Okt. 092012
 

Walter Wüllenweber legt in seinem Buch Die Asozialen seine Sicht der Dinge dar: Die deutsche Gesellschaft werde von oben und von unten, von der Oberschicht und der Unterschicht gnadenlos ausgenutzt, die Reichen würden immer reicher, ihr Finanzvermögen wachse dank der Finanzkrise prächtig an. Umgekehrt würden die Staatsabhängigen, die Unbeschäftigten mit ständig wachsenden Hilfen und Unterstützunsgeldern bei guter Laune gehalten, der Sozialetat gerade der Städte wachse stark überproportional an.

Ich denke, an Wüllenwebers Analyse ist viel dran. Unsere Vorfahren fingen nach dem Krieg fast bei Null wieder an. Die Masse des deutschen Volkes lebte in bescheidenen Verhältnissen. Erst etwa 1960 hatten die Deutschen den Lebensstandard erarbeitet, der heute in etwa auch einem Arbeitslosen zusteht. Vor 1960 lebte die Mehrheit der Deutschen unter Bedingungen, die heute von so manchen Sozialpolitikern als menschenunwürdig bezeichnet werden.

Doch sollten wir das Loben nicht vergessen! Gerade am heutigen Erntedankfest! Wüllenweber selbst spricht auf Seite 118 seines Buches lobend von der heilenden Kraft des Lernens. Lernen heißt, am Selbst arbeiten. Wer lernt, ändert sich. Wer lernt, kann andere ändern, wer lernt, kann sein Leben ändern. Lernen ist eine Form des Arbeitens.

Denkbar wäre es, etwa gut deutsch, gut rechnen, gut schreiben, gesunde Lebensführung  zu lernen. Gutes Deutsch, gutes Rechnen, gutes Schreiben,  gesunde Lebensführung, das ist jedem Menschen in Deutschland heute ohne jede staatliche Unterstützung möglich. Dazu kann man die Menschen auffordern – und zwar ohne stets erneut den Staat dafür in die Pflicht zu nehmen.

Lerne und arbeite – ora et labora!

Völlig anders tickt die Berliner Landespolitik: „Wie können wir den Bürgern das Leben so angenehm wie möglich machen?“ Heute kommt der Vorschlag auf, den Bürgern kostenloses W-LAN in der Innenstadt zu schenken. Der Senat schenkt den Bürgern wieder etwas. Lieb!

Die Kinder sollen besseres Schulessen bekommen – auf Kosten des Staates. Lieb! Unter drei Euro pro Mahlzeit ist das aber nicht zu haben. Wir zahlen in Friedrichshain-Kreuzberg etwa 2 Euro pro Mahlzeit. Lieb, dass der Staat den Bürgern besseres Essen schenkt.

Keiner denkt daran, den Eltern und Kindern das tägliche sparsame und gesunde Kochen mit vielen Kartoffeln, viel Gemüse, viel Magerquark beizubringen.

Ich sage: Lerne kochen, Mann in der Küche! Lerne lesen und schreiben, Frau in der Moschee!

Lern singen und fußballspielen, Kind in der Schulmensa! Geh zu Fuß zur Schule! Bewegung, Bewegung, Bewegung!

Der Staat tut, was er kann, um seinen Bürgern alle erdenklichen Annehmlichkeiten zu bieten.  Dabei haben die meisten Handy-Nutzer heute längst eine Flatrate, ein kommunales W-Lan auf Kosten des Staates ist überflüssig.

Nein, nein. Da lob ich mir die saure Pflichtenethik eines Benedikt von Nursia, eines Johannes Calvin aus Genf, eines Walter Wüllenweber vom Stern.

Gelobt sei – das Lernen! Gelobt sei auch der Dichter, welcher kam aus der schwäbischen Stadt der Confessio Augustana, der Dichter, der hervorging aus der Stadt der tüchtig rechnenden Fugger und der Tag um Tag singenden und fiedelnden Mozarts! Er, der Dichter aus der Lechstadt Augsburg, der als versprengter Nachfahr der christlichen Pflichten- und Lernensethik gelten kann.

Schließen wir die Besinnung zum Erntedankfest mit einigen Zeilen aus seinem

Lob des Lernens 

Lerne das Einfachste! Für die
Deren Zeit gekommen ist
Ist es nie zu spät!
Lerne das Abc, es genügt nicht, aber
Lerne es! Laß es dich nicht verdrießen!
Fang an! Du mußt alles wissen!
Du mußt die Führung übernehmen.

Lerne, Mann im Asyl!
Lerne, Mann im Gefängnis!
Lerne, Frau in der Küche!
Lerne, Sechzigjährige!
Du mußt die Führung übernehmen.
Suche die Schule auf, Obdachloser!
Verschaffe dir Wissen, Frierender!
Hungriger, greif nach dem Buch: es ist eine Waffe.
Du mußt die Führung übernehmen.

Scheue dich nicht zu fragen, Genosse!
Laß dir nichts einreden
Sieh selber nach!
Was du nicht selber weißt
Weißt du nicht.
Prüfe die Rechnung
Du mußt sie bezahlen.
Lege den Finger auf jeden Posten
Frage: Wie kommt er hierher?
Du mußt die Führung übernehmen.
Quellen:

Walter Wüllenweber

Die Asozialen

Wie Ober- und Unterschicht unser Land ruinieren – und wer davon profitiert

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 256 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-421-04571-3
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 28,50* (* empf. VK-Preis)

Verlag: DVA Sachbuch

Zitat: S. 118

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Bert Brecht: Lob des Lernens
Bertolt Brecht: Ausgewählte Werke in sechs Bänden. Dritter Band. Gedichte I. Suhrkamp Verlag Frankfurt 2005

Zitat: S. 233

 

 

 

 

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Bessere Bildung durch mehr Fördergelder für die Bildung?

 Gouvernance économique, Gute Grundschulen, Kinder  Kommentare deaktiviert für Bessere Bildung durch mehr Fördergelder für die Bildung?
Okt. 072012
 

Die neue vergleichende Grundschulstudie der deutschen Bundesländer schlägt schwappende Wellen. Und wieder tappen all die glorreichen Bildungsexperten im Dunkeln – was läuft schief in der Bildung? Jetzt hat Berlin so viel Geld ausgegeben für die bessere Bildung, hat das gesamte Grundschulwesen umgekrempelt, hat Fördermittel des Bundes abgegriffen, um marode Turnhallen zu sanieren, hat deutlich mehr Geld und Gehirnschmalz in Bildungsreformen gesteckt als andere Bundesländer – und liegt dennoch weit hinter vergleichbaren Großstädten wie München (Bayern) zurück. Berlin hat im frühkindlichen Bereich eine viel bessere finanzielle und materielle Ausstattung als München, die Kita-Quote ist in Berlin deutlich höher als in München, die Ausländerquote ist in München höher als in Berlin.

München erzielt mit einer höheren Ausländerquote und weniger staatlichem Geld bessere Bildungsergebnisse im Grundschulbereich als Berlin. WHY? Sind die Berliner Kinder genetisch dümmer, weil es hier in Berlin mehr Inländerkinder als in München gibt? Das wäre ja eine rassistische Aussage!

Die Millionenstadt BERLIN gibt wesentlich mehr staatliches GELD für die frühkindliche Bildung aus als die Millionenstadt MÜNCHEN, Berlin hat bessere, ausgefeiltere Pläne, ein besseres, ausgefeilteres Bildungs-Leistungserfassungs-Mess-System, Berlin hat traumhaft viel mehr Bildungsforscher und mehr Bildungsexperten als MÜNCHEN!

BERLIN fördert die frühkindliche Bildung mehr als BAYERN, wo immer noch viel zu viele Kinder im Krabbelalter von 0-3 Jahren schutzlos den Familien überlassen bleiben, statt in die fördernde Obhut des Staates gestellt zu werden.

Die hohe Förderung, die vielen Bildungsdebatten in Berlin haben den Kindern wohl kaum genutzt. Viele sagen: also brauchen wir mehr Förderung! Wo haben wir noch nicht gefördert? Richtig! Wir brauchen bessere Lehrer, wir brauchen besser geförderte Lehrer, wir brauchen mehr LEHRERBILDUNG für mehr KINDERBILDUNG! Schafft Geld kübelweise heran für besser geförderte LEHRERBILDUNG!

Bitte mal einen Augenblick innehalten! Darf es auch weniger Förderung durch staatliches Geld sein? Das wäre ein revolutionärer Gedanke! Bessere Bildung durch weniger Bildungsförderung? Bessere Integration der Migranten durch weniger Integrationsförderung? Mehr Kinder durch weniger Kinderförderung? Mehr Erfolg für Frauen durch weniger staatliche Frauenförderpläne? Das wäre ja tolldreist, ein Wahnsinn für jeden Politiker so etwas zu behaupten!

Dennoch gibt es einen Politiker, der den Mut aufbringt, genau dies zu behaupten! Sein Name: Thomas de Maizière. Seine gegenwärtige Funktion, seine Parteizugehörigkeit spielt hier keine Rolle. Entscheidend ist, dass er mindestens eine Problemstellung benennt, nämlich: Es gibt keine hinreichenden Beweis dafür, dass staatliche Förderung immer den gewünschten Erfolg erzielt. Staatliche Förderung kann sogar zum Gegenteil des erwünschten Effekts führen. Kinderförderung kann zur Senkung der Kinderzahlen führen, Frauenförderung kann zu Frauendiskriminierung führen, Kohleförderung kann zum Ende des Kohleabbaus führen, mehr Staatskohle für frühkindliche Bildung kann zur Verschlechterung der frühkindlichen Bildung führen. Tabakanbauförderung in Griechenland kann zum Ende der Tabakindustrie in Griechenland beitragen.

Staatliche Förderung kann schädlich nicht nur für den Staatshaushalt, sondern sogar für die Geförderten sein. Das muss man bedenken, man sollte diesen statistisch nachweisbaren Zusammenhang nicht beiseitewischen. Das gilt sowohl für die Kinder- und Familienförderung wie für die Frauen- und die Bildungsförderung.

Ich meine: Die Mahnung des unbequemen, scharfsinnigen Analytikers und Politikers Thomas de Maizière verdient gerade bei uns im Bundesland Berlin unsere vorurteilslose Prüfung.

Hier der auffällige Abschnitt aus dem Interview „Freiheit ist wie Radfahren ohne Stützräder“:

Das heißt, ein Großteil dessen, was den Weg in die Gesetzgebung findet, bezieht sich auf Sicherheit in allen Lebenslagen. Schafft der Staat damit nicht Illusionen?

Aber wir merken doch jetzt, dass wir mit all diesen Versprechungen an die Grenzen gekommen sind. Es ist ja nicht so, dass der deutsche Staat pro Kind unterproportional viel Geld ausgibt. Bei der Familienförderung ist es übrigens so – wir haben da einmal eine Untersuchung in Sachsen gemacht -, dass eine Erhöhung der Kinderförderung nicht zu mehr Kindern führt, eine Kürzung dagegen kann das durchaus.

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„Bayern hat die besten Grundschüler.“ Woran könnte das liegen?

 Beweg dich, Etatismus, Gute Grundschulen, Kinder, Konservativ, Mären, Tugend, Verwöhnt, Vorbildlichkeit  Kommentare deaktiviert für „Bayern hat die besten Grundschüler.“ Woran könnte das liegen?
Okt. 052012
 

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Bayern hat die besten, Berlin die schlechtesten Grundschüler. Dies berichtet in diesen Minuten SPIEGEL online.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/bayerns-grundschueler-koennen-am-besten-rechen-und-schreiben-a-859589.html

Traurig traurig für den armen Kreuzberger. Woran liegt das wohl?

Ich bin überzeugt: Teilweise liegt es an der grundsätzlichen Ausrichtung der bayerischen Gesellschaft und auch der bayerischen Politik an den Idealen der Freiheit, der Mündigkeit jedes Menschen, der Selbstverantwortung. Jeder hat seine Chance. Keiner wird zurückgelassen! Das habe ich selbst tausende Male während meiner 13 in Bayern bis zum Abitur absolvierten Schülerjahre erlebt, das bestätigen mir Schüler, mit denen ich heute bei meinen gelegentlichen Besuchen in Bayern ins Gespräch gerate.

Es liegt nicht am GELD, denn Berlin gibt pro Schüler mehr Geld aus als Bayern. Es liegt nicht an den MIGRANTEN. Denn gerade die migrantischen Kinder erzielen – auch bei gleich hohem Anteil an der Schülerschaft – in Bayern weit bessere Bildungsergebnisse als in Berlin. Das müsste man mal statistisch aufbereiten: Ist der Unterschied zwischen Schülern deutscher und nichtdeutscher Herkunft in Bayern größer oder kleiner als in Berlin? Ich wette fast: Er ist in Berlin größer.

Das bayerische Schulwesen ist vergleichsweise stark differenziert, aber auch zwischen den Zweigen und Bildungsgängen extrem durchlässig. Mehr als die Hälfte aller Abiture wird mittlerweile über die Berufsbildung oder auf dem Zweiten Bildungsweg erworben! Der Leistungsgedanke herrscht in Bayern vor: „Jeder kann was, auch du kannst was, mach was aus dir! Lerne! Sei fleißig! Lerne und arbeite!“

In Berlin dagegen, das ein stärker egalitäres Schulwesen hat, wird den Kindern nach meinen Erfahrungen oft auf fast schon verbrecherische Weise eingebläut:

„Du bist benachteiligt, ich trau dir nichts zu, der Staat ist schlecht, die Schule versagt ständig, das Leben ist eine Verliererstraße, die Schulpolitik kümmert sich nicht um euch!“ 

„Es wird viel zu wenig Geld für Kleinkindbetreuung, für Kitas und Grundschulen ausgegeben.“

„Ihr Schüler werdet alle benachteiligt. Der Kapitalismus ist soo böse, macht euch alle kaputt.“

Das System der Schule ist falsch. Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.“

Diese ganze niederschmetternde, fast schon kriminell zu nennende Litanei der Bildungs-Entmutiger habe ich in den letzten Jahrzehnten, in denen ich die saisonal an- und abschwellenden Berliner Schuldebatten gerade auch bei den Politikern mit wachsendem Widerwillen verfolge,  in- und auswendig gelernt. Ein unfassbares Vergehen an der Zuversicht, an dem Selbstvertrauen der jungen Menschen sind diese wuchernden Bildungsdebatten!

Ein Grundübel scheint mir auch eine viel zu starke Politik- und Staatsgläubigkeit, ein blinder, vulgärer, ausbeuterischer Vulgärsozialismus in der Berliner Bildungslandschaft zu sein.

Pausenlos wird an den Berliner Schulen herumgedoktert. Die POLITIK soll es bitte schön richten, was sie vorher verbockt hat. An allem wird herumgemeckert, aber keiner sagt:

„Leute, wir haben es selber in der Hand. Lasst uns LERNEN und ARBEITEN!“

Ich sage:

LERNE und ARBEITE!  Dann LACHE dir ins Fäustchen! Ich TRAU es dir zu!

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Freiheit, Recht und Einigkeit sind das Unterpfand der Europäischen Einigkeit

 Europäische Union, Europarat, Gemeinschaft im Wort, Versöhnung, פרקי אבות  Kommentare deaktiviert für Freiheit, Recht und Einigkeit sind das Unterpfand der Europäischen Einigkeit
Okt. 032012
 

Der Anfang ist gesetzt, aber Europa ist größer.“ Unter diesem Titel veröffentlichte mein Vater im Jahr 1984 einen Aufsatz über die Notwendigkeit, ein gemeinsames Europa zu bauen. Er schrieb damals:

„Es ist höchste Zeit, daß die Europäer ihren Kontinent – in dem Wort steckt continere, zusammenhalten – als einen Raum des Friedens, der Menschenrechte und der Freiheit träumen, der vom Atlantik bis zum Ural, vom Nordkap bis zum Mittelmeer reicht. Die Visionen der jüdischen Propheten, die Bergpredigt Jesu, die Inspirationen klassischer Philosophie, Entdecker- und Erfindergeist der Wissenschaft, politische Kultur, dem Gedanken der Zähmung der Macht verpflichtet, nahmen hier Gestalt an und wurden immer wieder zerstört durch menschliche Dummheit und Hybris.“

Europa – ein Raum der Freiheit, des Rechts und des Friedens! Das ist ein Gedanke, der bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Politikern wie Gustav Stresemann und Aristide Briand vorgedacht wurde. Das Mittel zum Erreichen des Zweckes waren die verschiedenen weltumspannenden oder auch europäischen Vertragswerke und Gemeinschaften (Verträge von Locarno, Völkerbund, zahlreiche bilaterale Nichtangriffsverträge, später UNO, Montanunion, EURATOM, EWG, EG, heute die EU).

Freiheit, Recht und Einigkeit – diese Werte stehen auch an der Wurzel der deutschen Wiedervereinigung, die am 3. Oktober 1990 gefeiert werden konnte. Die deutsche Wirtschafts- und Währungsunion stand von Anfang an ausschließlich im Dienste dieser übergeordneten Ziele.

Der Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts wird auch als das wesentliche Ziel der Europäischen Einigkeit angegeben (Art. 3,2 des Vertrags über die Europäische Union vom 7. Februar 1992). Ihm dienen die Freizügigkeit in Wirtschaft und Handel, ihm dienen die gemeinsame Aufsicht über die Einhaltung der Menschen- und der Minderheitrechte, ihm dienen gemeinsame Anstrengungen wie etwa die europäische Gerichtsbarkeit, die Währungsunion (der Euro), das europäische Zivilverfahrensrecht, der Europarat, das Europäische Parlament.

Am heutigen Tag erinnere ich mich dankbar der Leistungen unserer Großeltern und Eltern: sie haben mir und meiner Generation alle Bausteine in die Hand gegeben, um diesen Raum der Freiheit, des Rechts und der Sicherheit kräftig auszubauen und zu sichern.

Wir haben es in der Hand, dieses Geschenk weiter zu hegen und zu pflegen.

Es lebe der Raum des Rechts und der Freiheit, der Gedanke des Friedens vom Atlantik bis zum Ural, von Sizilien bis Lappland!

Ein Anfang ist gesetzt, die Europäische Union ist viel mehr als der Euro, Europa ist mehr als die Europäische Union!

Blüh im Glanze des Glückes, es blühe Europa, es blühe die Einigkeit in der Vielfalt der europäischen Nationalstaaten! Ich zitiere noch einmal meinen Vater:

„Ein freies, sich nach dem Willen seiner Völker bildendes Europa würde rasch das Erbe des Chauvinismus hinter sich lassen. Dazu bedarf es aber stärkerer Motive als nur ökonomischer.“

Quelle: „Der Anfang ist gesetzt, aber Europa ist größer„, in: Christ und Bildung, 30. Jg., Heft 5, Mai 1984, S. 102-103. Zitiert nach: Johannes Hampel: Von Troppau bis Czernowitz. Vermächtnisse eines Mitteleuropäers im 20. Jahrhundert. Festschrift zum 70. Geburtstag. Bukowina-Institut Augsburg 1995, S. 121-123

Bild: Straßenschilder in meiner jetzigen Heimat Friedrichshain-Kreuzberg: In Köthen wirkte Johann Sebastian Bach von 1720-1723.  Gustav Stresemann (1878-1929) bewirkte 1926 als Außenminister maßgeblich die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund.

 Posted by at 20:38

„Lerne und arbeite! Damit wir füreinander sorgen können“

 Personalismus  Kommentare deaktiviert für „Lerne und arbeite! Damit wir füreinander sorgen können“
Okt. 012012
 

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Ganz unter das Leitwort „Lerne und arbeite. Dann lache!“, ganz unter die beiden Leitwerte Freiheit und Verantwortung stellte ich in den vergangenen beiden Monaten meine Bewerbung um die Bundestagskandidatur meiner Partei im Wahlbezirk Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost.

In den Bewerbungsreden, in den spannenden, höchst aufschlussreichen Befragungen zitierte ich das Motto „Freiheit ist wie Fahrradfahren ohne Stützrad“, ich lud dazu ein, dass wir in einer gemeinsamen Anstrengung alle politischen Probleme werden lösen können. „Wenn wir uns alle mehr abstrampeln und aufeinander aufpassen, werden wir es schaffen!“  Der gute Fahrradfahrer, das Inbild des guten Bürgers, sorgt sich um die anderen, er stellt sich persönlich in die Bindung an die Ordnung des öffentlichen Lebens.

In den aktuellen erbitterten Debatten – Euro-Krise, Betreuungsgeld, Afghanistan, Islam, Integration usw. – erinnerte ich wieder und wieder an diesen Grundsatz der persönlichen Freiheit, an diesen Leitwert der persönlichen Verantwortung. Ich sprach mich wiederholt gegen die Abtretung von mehr sozialer Verantwortung an den Staat, gegen die Übergabe der Regelungskompetenz an die jeweils höhere Ebene aus. Nur in der Subsidiarität kann Gemeinschaft gelingen.  Die Menschen, die niedrigeren Ebenen, die Familien, die Gemeinden und die Regionen sollen und müssen in stärkerem Maße Selbstverantwortung übernehmen! Nur so kann Europa mit Sinn und Zustimmung gefüllt werden. Eine EU, die ausgerechnet im Euro, im Geld also die identitätsstiftende Klammer sieht, kann nicht gedeihen. Ohne die Gemeinschaft des Wortes ist das europäische Projekt zum Scheitern bestimmt.

Ich warb für den Wahlkampf der bescheidenen Mittel, gestützt auf das Zuhören, das Erzählen, das Zu-Fuß-Gehen, das Radfahren und – das Lachen.

Insgesamt stellte ich also genau jene politischen Konzepte zur Wahl, die ich in diesem Blog über die vergangenen 4 Jahren entwickelt habe: den Personalismus der Mitte also. Und wie kam das Ganze in meiner Partei der Mitte an?

Die öffentliche Nominierung zur Bundestagwahl 2013 hat am vergangenen Sonnabend, 29.09.,  stattgefunden. Als Kandidaten traten Dursun Yigit, Götz Müller, Stefanie Vogelsang MdB und Johannes Hampel an. Yigit trat in der Versammlung am 29.09.2012 selbst von der  Kandidatur mit einer Empfehlung zugunsten Hampels zurück.  

Ergebnis:

Erschienene Delegierte: 23 von 26

 Stimmenanzahl:

Götz Müller: 16
Johannes Hampel: 4
Stefanie Vogelsang MdB: 3

Enthaltung: keine

Ihr seht: Es hat für mich in diesem Feld starker Mitbewerber bei weitem nicht gereicht, ich war einer der ersten, der dem überragenden Sieger Götz Müller alles Gute für die Bundestagswahl wünschte.

Ich danke allen Unterstützern für die Hilfe der vergangenen Wochen!

Bild: so schön ist die Natur im heimatlichen Kreuzberg – aufgenommen gestern in der Kleinbeerenstraße, hinter dem Amtsgericht

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Sollte Deutschland weiterhin die Scharia so stark anerkennen wie bisher?

 Frau und Mann, Integration, Migration  Kommentare deaktiviert für Sollte Deutschland weiterhin die Scharia so stark anerkennen wie bisher?
Sep. 302012
 

„Was würden Sie denn beim Thema Integration ändern, Herr Hampel, wenn Sie im Bundestag säßen?“ So wurde ich bis gestern bei meinen Bewerbungsreden um die Direktkandidatur in Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost immer wieder gefragt.

Antworten darauf, was ich ändern würde, lassen sich diesem Blog leicht entnehmen! Ich würde beispielsweise die Mehrfach-Ehen nach der islamischen Scharia nicht anerkennen, die bei uns in Kreuzberg in der Tat ein gewisses, oder auch ein erhebliches Problem darstellen.

Bekanntlich erkennt der deutsche Staat im Sozialrecht seit langem die Polygamie eines Mannes mit mehreren Frauen nach dem islamischen Recht (Scharia) an, was eine wichtige Rolle im Sozialhaushalt der Städte spielt. Es sind Fälle bekannt, wo nicht nur die im Ausland, sondern auch die im Inland geschlossene Ehe mit Zweit- oder Drittfrauen von den Sozialgerichten anerkannt worden ist.

Wenn ein Mann mehrere legitime Ehefrauen gleichzeitig vom deutschen Staat unterhalten lassen kann, wächst sein patriarchalischer Einfluss exponentiell mit der Kinderzahl. ER, der Mann, verfügt meist über das Geld, IHM, dem Mann, schulden die Frauen, die oft zuhause eingeschlossen sind und kein Deutsch können, Dank, Anerkennung und Dienstbereitschaft.

Der deutsche Sozialstaat fördert also in den migrantischen Communities das traditionelle Patriarchat der alten orientalischen Stammesgesellschaften. Der deutsche Staat wird in diesen Fällen als eine Art Ressource zur Machtsteigerung des Patriarchen gesehen, die es auszubeuten gilt. Und diese Ausbeutung klappt ja auch sehr gut.

Ich glaube, dass die mir direkt von betroffenen Frauen berichteten recht häufigen, sozialstaatlich finanzierten Ehen eines Mannes mit mehreren Frauen gleichzeitig und mit vielen Kindern in Deutschland nicht funktionieren und deshalb von vorneherein gar nicht anerkannt werden sollten. Denn die Frauen werden früher oder später entdecken, dass sie ihrem Gebieter nicht schutzlos ausgeliefert sind, sondern dass die deutsche Rechtsordnung Mann und Frau als gleichberechtigt anerkennt – was unter anderem bedeutet, dass der Mann keine Vorrechte gegenüber der Frau mehr hat. Das bedeutet in letzter Konsequenz, dass ein Mann nicht mit mehreren Frauen gleichzeitig gesetzlich verheiratet sein kann.

Ich vertrete die Auffassung, dass die Bundesrepublik Deutschland weiterhin als gesetzlich und steuerlich privilegierte Partnerschaft nur diejenige zwischen einem und zwar nur einem  Mann und einer und nur einer Frau anerkennen sollte.

Ich finde, dass die Bundesrepublik Deutschland dem Vorbild der Türkei folgen und die polygame Ehe nach dem Recht der Scharia nicht anerkennen sollte. Die Türkei erkennt ausschließlich ihr eigenes staatliches Zivilrecht an und billigt der Scharia nicht wie Deutschland den Rang einer eigenständigen Rechtsquelle zu. Sie, die Türkei, ist also in dieser Hinsicht weiter in ihrer Frauenrechtsentwicklung als wir in Deutschland.

Es ist schon erstaunlich zu sehen, dass die innenpolitische Debatte – aus Feigheit? – dieses in unseren Städten so wichtige Thema bisher nicht aufgegriffen hat. Denn oft wurde mir vorgehalten: „Sie singen das hohe Lied der Familie, Sie betonen immer wieder den Rang der Familie als der Keimzelle der Gesellschaft, werter Herr Hampel, dann müssten ja die Türken und Araber von Ihnen begeistert sein?“

Darauf erwidere ich: „Ja, die Araber und Türken mögen mich und ich mag sie auch. Denn ich halte wie die Araber und die Türken und wie auch einige (allerdings immer weniger) Deutsche die Familie in der Tat für grundlegend für den Fortbestand der Gesellschaft – aber eben als dauerhaftes Bündnis zwischen zwei und nur zwei erwachsenen Menschen, das auf die Verantwortung füreinander und für Kinder angelegt ist. Der VATER soll für Gedeihen und Erziehung der Kinder genauso viel Verantwortung übernehmen wie die MUTTER. Der Vater sollte im Leben der Kinder anwesend sein, das bedeutet, dass er sich nicht auf mehrere Familien mit mehreren Frauen in mehreren Ländern verteilen soll.“

Die Nichtanerkennung der bisher in Deutschland gesetzlich anerkannten Polygamie  wäre ein kleiner, aber wirksamer Schritt zur Stärkung der Frauenrechte in Deutschland, ein kleiner, aber wirksamer Schritt zur besseren Integration der muslimischen Frauen in Deutschland, ein kleiner, aber wirksamer Schritt zur im Grundgesetz verlangten Gleichstellung von Mann und Frau – weit wichtiger als die vielbeschrieene Flexiquote oder die starre Quote in den Führungsgremien der Wirtschaft.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article109544417/Polygamie-in-der-Parallelgesellschaft-von-Migranten.html

 Posted by at 14:24
Sep. 282012
 

Viel Sinniges und viel Unsinniges verbreitet wieder einmal die bundesweit und vom SPIEGEL anerkannte Bildungsexpertin Jutta Allmendinger in diesem Interview:

http://www.spiegel.de/schulspiegel/ungerechtigkeit-in-der-schule-allmendinger-kritisiert-bildungssystem-a-857156-2.html

Ein Beispiel: Sie beschwert sich, dass Erkan trotz besserer Leistungen nur eine Realschulempfehlung erhielt, während Jungens und Flegel aus gutem Hause trotz schlechterer Leistungen eine Gymnasialempfehlung erhalten.

Vorwurf des auf den Leim gehenden Journalisten, der darauf folgt: Der Leistungsgedanke sei falsch! Er führe zur „Selektion“ der Schüler nach gut und schlecht, er sei ein Schritt vor der Rampe vor dem Abgrund der deutschen Geschichte! (Haben die guten Leute eigentlich keine Holocaust-Education genossen?)

Holla, Frau Allmendinger! Falsch ist nicht der Leistungsgedanke, sondern der Nepotismus der „guten Elternhäuser“ im Bildungswesen, falsch ist die Verfälschung des Leistungsgedankens.

Ich meine: Wer so gute Leistungsbereitschaft und so gute Leistungen zeigt wie Erkan, dass er das Abitur schaffen wird, der soll Abitur machen.  Und der soll und muss studieren und danach Arzt, Pilot, Professor oder Mitternachtsnotar werden.

DAS HÄTTEN DIE LEHRER ANHAND DER NOTEN ERKANS ERKENNEN MÜSSEN!

Individuelles Fehlverhalten der Lehrerpersönlichkeit kann schlimme Auswirkungen haben. Das liegt dann aber weder am System noch am Leistungsgedanken.

Weg mit der Verfälschung des Leistungsgedankems!

 Posted by at 08:26
Sep. 252012
 

Gute, tiefgreifende, erhellende Einblicke gestern bei einer Veranstaltung der Senioren Union und der CDA im Seniorenzentrum des Union Hilfswerkes in Friedrichshain mit der Bundestagsabgeordneten Stefanie Vogelsang! Was konnte ich als gesicherten Konsens aus der Versammlung mitnehmen?

1. Das deutsche Gesundheitssystem stellt allen Kritteleien zum Trotz anerkanntermaßen weltweit die beste medizinische Rundumversorgung für alle Menschen bereit.

2. Das System hat im Augenblick genug Geld, wenngleich die Begehrlichkeiten ständig neu geweckt werden.

3. Es ist besser, wenn sich das System auf etwas schlechtere Zeiten einstellt, als die gegenwärtig vorhandenen Überschüsse zu verschenken.

4. Die Menschen können weiterhin volles Vertrauen in das System haben.

In der Aussprache kamen in der sehr gut besuchten Veranstaltung viele gute, weiterführende Fragen zur Sprache, die Stefanie Vogelsang souverän und kenntnisreich beantwortete.

Ich selbst hake nur kurz nach, frage nach dem Aspekt der eigenverantwortlichen Gesundheitsvorsorge, also der Prävention, und nach der wachsenden Bedeutung der Geriatrie als eines immer wichtigeren eigenständigen Fachgebietes. Die Versorgung, sagte ich, sei zwar hervorragend, die deutsche Medizinbranche sei ein bedeutender Faktor der Volkswirtschaft, was sich ja auch im Anteil der Gesundheitsleistungen an der wirtschaftlichen Gesamtleistung niederschlage, der konstant bei etwa 10-12% liege.  Aber es drohe auch medizinische Überversorgung. Wir müssten den Aspekt der eigenverantwortlichen Vorsorge stärker betonen.

So ließen sich durch ausreichende tägliche Bewegung an frischer Luft, durch sinnvolle, nicht zu üppige Ernährung und durch Vermeidung von Suchtmitteln wie Nikotin, Alkohol und illegalen Drogen, also durch besonnene Lebensführung des einzelnen Menschen etwa 50% der Krankheitskosten bis zum Eintritt des Rentenalters einsparen! Viele vormarschierende Krankheiten wie etwa diabetes iuvenilis, adipositas iuvenilis, attention deficit syndrome (ADS) sind in Deutschland wohlstandsverursacht. Dies haben mir Ärzte, Pfleger und Apotheker übereinstimmend erzählt. Ich glaube: Es wird oft zu viel Geld für medizinische Versorgung, zu wenig Geld für medizinische Vorsorge  ausgegeben. Zu viel Überflüssiges geht über den Apothekertisch!

Ich bin auch sehr gespannt, wie der Gesundheitsausschuss des Bundestages sich zur geplanten Änderung der Richtlinie 2011/20/EG stellen wird. Wird er morgen die Kraft haben, sich eindeutig und unverrückbar zu den Werten der 1964 vom Weltärztebund verabschiedeten „Erklärung von Helsinki“ zu bekennen? Wird er die Forschung am Menschen weiterhin recht engen Zulässigkeitskriterien unterwerfen – oder wird er, eingedenk der überragenden volkswirtschaftlichen Bedeutung der Medizinbranche, die Pflicht zur Einschaltung der Ethikkommission abschaffen? Spannende Fragen!

Quelle:
Stephan Sahm:   Rückfall in mittelalterliche Forschungsethik. EU plant Verzicht auf Ethikprüfung bei Tests am Menschen. FAZ, 24.09.2012, S. 28

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Von anmutigen Gegenden und blühenden Landschaften oder: achten Sie auf das Fettgedruckte!

 Helmut Kohl  Kommentare deaktiviert für Von anmutigen Gegenden und blühenden Landschaften oder: achten Sie auf das Fettgedruckte!
Sep. 242012
 

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Säume nicht dich zu erdreisten
Wenn die Menge zaudernd schweift;
Alles kann der Edle leisten,
Der versteht und rasch ergreift.

Goethe, Faust II, Anmutige Gegend

Heute vor ziemlich genau 30 Jahren, am 1. Oktober 1982, trat Helmut Kohl das Amt des Bundeskanzlers an. Zeit, ihm ein klein wenig Respekt zu bezeugen!

Innerhalb von 329 Tagen, beginnend beim Tag des Mauerfalls, dem 9. November 1989, endend am 2. Oktober 1990, schaffte Kohl es zusammen mit einigen anderen, die Hand in Hand kräftig mithalfen, etwas zu erreichen, woran sich Generationen vor ihm vergeblich abgemüht hatten: die Zusammenführung der beiden deutschen Staaten ohne Waffen und in Freiheit. Horst Teltschik, der damalige Leiter der Außen- und Sicherheitspolitik im Kanzleramt, hat in dem Buch dieses Titels – „329 Tage“ – diesen mutig, zuversichtlich, mit großer Kraft beschrittenen Weg nachgezeichnet.

Es lohnt sich, heute Teltschiks Anmerkungen zum 1. Juli 1990 nachzulesen. Er hebt ausdrücklich hervor, wie Kohl bereits damals die Deutschen auf gemeinsame Arbeit, auf Anstrengungen und Mühsal eingestellt habe. Von selber würden die blühenden Landschaften nicht kommen. Das wurde leider allzu leicht vergessen, wurde regelmäßig vergessen, wenn man die blühenden Landschaften Kohls später bespöttelte.

Hier der entsprechende Abschnitt aus der Fernsehansprache, die Bundeskanzler Helmut Kohl am 1. Juli 1990 anlässlich des Inkrafttretens der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion hielt (Fettdruck einzelner Wörter durch dieses Blog eigenmächtig vorgenommen):

Nur die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion bietet die Chance und die Gewähr dafür, dass sich die Lebensbedingungen rasch und durchgreifend bessern. Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt.

Natürlich fragen sich viele, was dieser beispiellose Vorgang für sie ganz persönlich bedeutet – für ihren Arbeitsplatz, ihre soziale Sicherheit, für ihre Familien. Ich nehme diese Sorgen sehr ernst. Ich bitte darum die Landsleute in der DDR: Ergreifen Sie die Chance, lassen Sie sich nicht durch die Schwierigkeiten des Übergangs, die niemand leugnen kann, beirren. Wenn Sie mit Zuversicht nach vorn blicken, wenn alle mit anpacken, werden Sie und wir es gemeinsam schaffen.

Quellen:
Johann Wolfgang Goethe: Faust. Texte. Herausgegeben von Albrecht Schöne. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt a.M. 1999, S. 204 (Vv. 4662-4665)
Horst Teltschik: 329 Tage. Innenansichten der Einigung.  Siedler Verlag, Berlin 1991, S. 292
www.helmut-kohl.de:
1. Juli 1990
Fernsehansprache von Bundeskanzler Kohl anlässlich des Inkrafttretens der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion
Bild: Landschaft in Mecklenburg-Vorpommern bei Wustrow, Juli 2012

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„Freiheit ist wie Radfahren ohne Stützrad“

 Fahrrad, Freiheit, Person, Philosophie  Kommentare deaktiviert für „Freiheit ist wie Radfahren ohne Stützrad“
Sep. 242012
 

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„Radfahren ist etwas Schönes. Es kommt aber der Moment, da müssen die Eltern den Sattel loslassen oder das Stützrad abschrauben.“ Es ist schon erstaunlich, zu wievielen Gedanken das Fahrradfahren die Menschen bringen kann. Verteidigungsminister Thomas de Maizière erzählt in dichten, sehr persönlich gehaltenen Erinnerungen im zentralen Sinnbild des Fahrradfahrens seinen Begriff der Freiheit, nachzulesen heute in der FAZ-Beilage unter dem Titel „Wie wollen wir leben?“.

Beachtlich auch: Die für zwei oder drei Jahrzehnte in der politischen Arena eher belächelten Werte wie Familie, Ehe, Treue, Verlässlichkeit, Freundschaft nimmt de Maizière völlig angstfrei in den Mund. Sollten diese personalen Werte irgendwann wiederkommen?

Warum auch nicht? Ich finde das gar nicht so schlimm, wenn ein aktiver Politiker sich dazu bekennt, dass nicht Gender equality, Ressourcenmanagment, equal access oder Nachhaltigkeit die Leitwerte der Politik sind, sondern dass die Politik aufruht auf diesen unvorgreiflichen Werten, die jeder Mensch, jede Gesellschaft vor oder neben der Politik spürt, empfindet oder eben vor-findet.

Die vor-findlichen Werte, die sind es. Das ist die Nabe, um die das Rad der Freiheit sich dreht. Gender equality, Ressourcenmanagment, equal access oder Nachhaltigkeit sind ja gar nicht so schlecht, aber sie sind nichts Erstes, sie können geleistet werden, sofern die Verankerung in den Nabenwerten der Freiheit stimmt. Gut! Selbstbegrenzung des Machtanspruches der Politik – die Politik muss loslassen können, so wie Eltern irgendwann ihre Kinder auch allein Rad fahren lassen müssen. Danke, Herr Minister.

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Mann o Mann: Entdecke auch DU deine Benachteiligung!

 Frau und Mann  Kommentare deaktiviert für Mann o Mann: Entdecke auch DU deine Benachteiligung!
Sep. 212012
 

Durch eine gesetzliche Frauenquote möchte der Bundesrat die Benachteiligung der Frau im Berufsleben beseitigen. Gern amüsiere ich mich im Gespräch mit beruflich erfolgreichen Frauen, mit denen ich befreundet oder bekannt bin, über die Politikerinnen und Politiker, die derartiges anstellen, „damit die Zeit auch irgendwie vergeht„. Als ob wir nicht andere Probleme hätten!

Obwohl – diese Frauenquote hat was! Denn in der Tat, in den Führungspositionen sitzen in der Tat weniger Frauen als Männer. Sie sind BENACHTEILIGT. Und der Grundansatz der Förderung durch die Quote ist ausbaufähig. Motto muss sein: „Entdecke auch DU deine Benachteiligung. Jede und jeder hat das Zeug dazu, sich zu recht benachteiligt und dauerbeleidigt zu fühlen.“

Gerade heute erleben wir ja, wie 1,5 Milliarden Menschen vom pakistanischen Premier ihr Dauergefühl der Benachteiligung eingebläut und eingehämmert bekommen. „Ihr seid alle beleidigt worden – also wehrt euch!“

Nehmen wir etwa die kleinen Menschen. Es ist nachgewiesen, dass Erwachsene, die wesentlich kleiner als der Durchschnitt sind, bei Bewerbungen benachteiligt werden. „Ich musste viel stärker gegenüber Vorurteilen wegen meiner Kleinheit kämpfen als wegen meines Frau-Seins!“, berichtete mir vor einiger Zeit eine mittlerweile beruflich sehr erfolgreiche Bekannte.  Umgekehrt wird Körpergröße sofort als Vorteil vermerkt. Schaut euch nur die Riege der Top-Aufsichtsräte an!

Also: Wir brauchen eine Kleinen-Quote! Denn kleine Menschen werden empirisch nachweisbar bei gleicher Qualifikation stark benachteiligt: zum Beispiel im Polizeidienst, im Flugbegleiterdienst, in der Mode und und und. Davon spricht niemand!

Das gleiche gilt für hässliche Menschen. Schlecht aussehende Menschen werden ebenfalls benachteiligt. Dies ist vielfach nachgewiesen.

Man könnte also durchaus fragen: Brauchen wir nicht auch eine Hässlichenquote und eine Kleinenquote?
Ich würde sagen: Es hat seinen Grund, wenn Frauen nicht bis in die obersten Etagen vordringen. Vielleicht wollen sie nicht, obwohl sie das Zeug dazu hätten? Was ist so schlimm daran?

Manchmal frage ich beruflich erfolgreiche Frauen: „War es schwer, so weit nach oben zu kommen?“ Sie antworten mir wie ein Mann: „Ja, es war schwer, und zwar genauso schwer wie für einen Mann auch. Unser Frau-Sein hat aber nie und nirgendwo als Karrierebremse gewirkt. Im Gegenteil!

Entscheidend ist in meinen Augen: Die Frauen sollen selbstbestimmt und frei leben. Und das können sie auch ohne Frauenquote. Besser als wir Männer. Der Mann will immer nach oben, will besser sein als die anderen Männer. Daran leiden wir. Jedenfalls die meisten. Ich auch.

 Posted by at 18:44