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Nov. 232011
 
Der aktuelle SPIEGEL – er ist noch kein Springerblatt – berichtet ausführlich und genüsslich zustimmend aus der neuen Bertelsmann-Studie, dem „Deutschen Lernatlas 2011“. Den fast uneinholbaren Vorrang der Südstaaten Bayern und Baden-Württemberg (trotz oder wegen der jahrzehntelangen CDU/CSU-Herrschaft?) muss ich aufgrund eigener jahrzehntelanger Erfahrung bestätigen. Denn ich habe etwa 25 Jahre meines Lebens in Bayern und in Schwaben und den Rest im nördlichen Bundesland Berlin und im europäischen Ausland verbracht.

Es ist einfach so: Nicht nur in punkto Wirtschaft, Arbeitslosigkeit, Integration, Umweltschutz, sondern auch in punkto Bildung sind die beiden deutschen Südstaaten um Längen besser als wir Nordländer. Und sie füttern uns Berliner beispielsweise eifrig&solidarisch durch.

Wir sagen schon mal danke.

Wichtige Einsichten der SPIEGEL-Autoren: die Entkopplung von Lernen und materiellen Ressourcen. „Lernen kann man fast überall (S. 74).“ Die Lernkultur des deutschen Südens entsprang aus fortgesetzter Armut, aus der daraus entspringenden Tüchtigkeit, aus dem Fleiß, dem Zusammenhalt der Familien, aus dem Zwang zu sparen, aus der Notwendigkeit, sei „G’raffel“ oder „G’lump“ zusammenzuhalten.

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„Softly she began singing a baby’s lullaby.“

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Nov. 222011
 

„She laid her head on the pillow next to his. She felt strangely content, despite everything, to have him beside her at last. Beyond the barred window a church clock was striking midnight. Softly she began singing to him a baby’s lullaby.“

So endet der großartige Roman The Fear Index von Robert Harris, den ich in diesen Minuten mit größter Spannung und größter Erleichterung zu Ende las.

Diese letzten, fermatenhaft innehaltenden  Sätze des aufwühlenden Buches über Hedge Fonds und die Gier der Finanzmärkte schließen nahtlos an die schönen Erfahrungen an, die ich heute mit der russischen Sängerin Irina Potapenko in der Grundschule machte: Gemeinsam versuchen wir es jeden Montag, den russischen und deutschen Kindern die alten deutschen Lieder beizubringen. Den Kindern unserer Zeit, die schon lange nicht mehr das Singen lernen, genau diese Erfahrung des gemeinsamen Singens zu eröffnen, ist für mich die schönste und größte pädagogische Herausforderung, die ich mir stellen konnte. Die Geige hilft uns allen dabei.

Manche Töne kommen schräg, unsicher-tastend, aber die großen Augen der Kinder sind immer fragend auf uns gerichtet.  Heute holten wir wieder Guten Abend, gut Nacht, mit Rosen bedacht hervor. Was für ein unsterbliches Lied des Johannes Brahms! Es wartet darauf, wieder und wieder geweckt zu werden.

Robert Harris: The Fear Index. Hutchinson, London 2011, 323 Seiten, hier S. 322-323

The Fear Index Hörbuch Hörprobe

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Nov. 212011
 

Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Rheinland-Pfalz sind die Bildungssieger, wie der aktuelle SPIEGEL auf S. 71 berichtet. „Bayern und Baden-Württemberg, die Seriensieger in Bildungsvergleichen, schneiden insgesamt hervorragend ab“ (SPIEGEL Nr. 47, 21.11.2011, S. 72).

Woran mag das liegen? Sicher nicht am Geld, auch nicht an der Bildungsinfrastruktur, denn auch mit mehr Geld und besserer Bildungsinfrastruktur schaffen es andere Bundesländer nicht, die beiden Südstaaten einzuholen. Liegt es an der jahrzehntelangen CDU/CSU-Herrschaft in den vier genannten Südstaaten? Oder wählen erfolgreiche Bundesländer CDU/CSU?

Nein, das wäre zu grob vereinfachend. Daran mag aber soviel richtig sein, dass Bildungslandschaften Jahrzehnte und Jahrhunderte brauchen, um einen hohen Stand zu erreichen. Die historisch-geographische Lage ist sicherlich ein Schlüssel für das Verständnis der Süd-Nord-Spaltung der Bildungsrepublik Deutschland.

Denn die genannten vier Bundesländer verbindet, wie ein Blick in jeden Geschichtsatlas lehrt, eines: Sie haben eine jahrhundertelange Tradition der kleinräumigen Eigenständigkeit, sie sind gekennzeichnet durch ein dichtes Netz an konfessionell, kommunal und regional getragenen „Pflanzstätten der Bildung“. Ein typisches Beispiel dafür ist das berühmte Tübinger Stift, aus dem Schelling, Hölderlin und Hegel hervorgingen. Die zahlreichen städtischen Volksschulen Bayerns mit ihrem täglichen gemeinsamen Singen von Schülern und Lehrern sind ebenfalls ein Faktor, der den überragenden Erfolg des bayerischen Schulwesens zu erklären vermag.

Die vier Bildungssieger widersetzten sich stets dem Gedanken eines starken deutschen Zentralstaates. Sie sind die „Abweichler“ vom starken Zentralstaat, die sich übrigens auch dadurch auszeichneten, dass in ihnen vor 1933 die extrem zentralistische NSDAP nie so stark war wie in den nördlichen und östlichen Teilen des Deutschen Reiches.

Die südlichen Königreiche Bayern (mit Rheinkreis) und Württemberg, das Großherzogtum Baden, das Königreich Sachsen bildeten mehr oder minder vollständig jenes eine Drittel des Deutschen Reiches, das vor 1871 nicht zum Königreich Preußen gehört hatte! Die nördlichen Bundesländer hingegen, die zum stark zentralisierten Preußen gehörten, bilden ausweislich des aktuellen SPIEGEL die untere Häfte des Bertelsmann-Bildungsatlanten. Die stark regional, kommunal und kirchlich geprägten südlichen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg, in geringerem Umfang auch Sachsen segeln seit Jahrzehnten mit vollen Segeln den anderen Bundesländern voran.

Die Verantwortung weg vom Zentralstaat auf die jeweils niedrigste Ebene zu verlagern oder auf ihr zu halten, das ist der Kerngedanke der Subsidiarität.

Der druckfrische SPIEGEL feiert einen großartigen Sieg für die Subsidiarität, er liefert ein klares Votum gegen den Zentralismus in der Bildungspolitik.

SPIEGEL ONLINE Forum – Braucht der Bund mehr Kompetenz in der Bildungspolitik?

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Nov. 202011
 

Großer, bewegender Abend am Freitag mit den Sängerinnen Angelina Billington, Irina Potapenko, der Pianistin Lala Isakowa und dem Geiger J.H. Beim Moderieren fällt mir auf, dass wir als gute Europäer mit den Liedern die gesamte Landschaft Europas ausspazieren: Lateinisch, Englisch, Italienisch, Deutsch, Russisch – damit haben wir von West nach Ost alles durchmessen.

Ein Glas vortrefflicher Syrah, kredenzt von Carsten und Kati, mundet vortrefflich!

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Dampf rausnehmen!

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Nov. 202011
 

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Ich würde etwas Dampf rausnehmen aus der Debatte: Ich würde es statt „Grillverbot“ einfach ein „Verbot offenen Feuers in geschützten Grünanlagen“ nennen.

Bei uns in Friedrichshain-Kreuzberg herrscht seit  Jahren praktisch überall absolutes Grillverbot, selbstverständlich auch im neuen Park am Gleisdreieck, selbstverständlich auch im Viktoriapark.

Die Zumüllung und Verschandelung von Anlagen, Wänden, Grünflächen, die systematische Missachtung der Regeln des Zusammenlebens ist eines der großen Probleme in diesem herrlichen, seit Jahren von den Grünen und Linken gesteuerten Bezirk.

Der Bürger weiß es euch Grünen und Linken nicht zu Dank, dass ihr noch den letzten Euro an Steuergeldern ausgeben würdet, um für Zündler, Sprayer und Graffitikünstler stets erneut ein freies Betätigungsfeld zu schaffen.

Bei mir im Haus sind neuerdings Graffiti nicht nur an den Außenwänden, sondern auch im Innenhof und sogar im Treppenaufgang zu finden. Eine bunte Fülle an Meinungsäußerungen, von „Hier sind wir“ bis hin zu den Grauen Wölfen, zur PKK und anderen Organisationen, alle sind hier im weltoffenen Kreuzberg, alle zeigen Flagge und Präsenz.

Das brave Bezirksamt wischt und putzt wie eine gute Putzfrau und Mutti den munteren, wohlerzogenen Bürgern hinterher, es tut, was es kann und soviel der prallgefüllte Bezirkssäckel hergibt. Die Bezirkskasse ist voll, das merken die Bürger und schaffen stets neue Arbeit durch Vermüllung.

Ich jedoch habe keine Lust, jedes Jahr mehr Steuern nur für die Beseitigung von vermeidbarem Dreck zu bezahlen. Ich halte deshalb die Verbote von offenem Feuer in geschützten Grünanlagen für richtig.

Reaktionen auf Bezirksbeschluss: Grillverbot im Tiergarten entzweit die Stadt – Berlin – Tagesspiegel
Als Fehler bewertet die SPD-geführte Senatsverwaltung für Stadtentwicklung diese Entscheidung: „Das Problem wird dadurch bestenfalls in die Nachbarbezirke verschoben“, sagt Sprecher Mathias Gille. Gegrillt werde dann im Park am Gleisdreieck oder im Tempelhofer Park auf dem früheren Flugfeld.

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Yumruk gibi resimler: Erdoğan Zümrütoğlu

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Nov. 192011
 

Mit kraftvollem, fast gestoßenem, fast gehauenem Pinselstrich bannte uns heute der türkische Maler Erdogan Zümrütoglu in der Kreuzberger Galerie Tammen&Partner.

Bei trüb verhangenem Hochnebel schlug er uns die Fenster zu seiner plastisch quellenden Malweise auf. Seine Käfige sind nie geschlossen, der Blick bahnt sich den Weg ins Freie, die Malfläche wächst in die dritte Dimension hinein.

Ötekinin grameri – DIE müssen wir lernen!

Erdogan Zümrütoglu, MALEREI

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Sind Grillverbote mit menschenrechtswidrigen Vertreibungen gleichzusetzen?

 Gedächtniskultur, Vertreibungen  Kommentare deaktiviert für Sind Grillverbote mit menschenrechtswidrigen Vertreibungen gleichzusetzen?
Nov. 192011
 

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Große Operette bietet wieder einmal wie so oft die Berliner Bezirkspolitik! Während im bekanntermaßen extrem rechtslastigen Friedrichshain-Kreuzberg unter unserem bekanntermaßen als Multi-Kulti-Gegner hervorgetretenen Bürgermeister schon unbekanntermaßen seit einigen Jahren eine satte Batterie von Grillverboten verhängt und durchgesetzt wird, tut sich der Bezirk Mitte arg schwer damit: Die BVV Mitte beschloss mit knappster Mehrheit in strengst geheimer Abstimmung ein Grillverbot im Tiergarten. Die Grünen und Linken waren dagegen, eine bröckelige Mehrheit aus SPD und CDU dafür.

Das obige Foto zeigt recht anschaulich, was die Bürgerschaft in Kreuzberg von den Grillverboten und Umweltschutzauflagen der grünen Bezirksobrigkeit hält. Die flehentlichen Tafeln „Bitte beachten“, die unter anderem ein Grillverbot kundtun, nahm ich vorgestern bei einem gemütlichen Spaziergang am Lausitzer Platz auf. Ich beachtete also als musterhafter Bürger das Bezirksamt!

Droht jetzt ein Auseinanderfallen des Bezirks Mitte, nachdem ein Grillverbot verhängt worden ist?

Von menschenrechtswidrigen Vertreibungen nach militärischem Muster spricht bereits Christoph Stollowsky, der Kommentator des Tagesspiegels:

Grillverbot im Tiergarten: Berlin braucht die multikulturellen Brutzler – Meinung – Tagesspiegel
Vom Frühjahr an wird das Ordnungsamt im Park aufmarschieren und die Griller vertreiben.

Sollte man von „Vertreibungen“ sprechen, wenn ein Grillverbot verhängt und durchgesetzt wird? Ich wäre vorsichtig damit. Denn im Park dürfen sich ja weiterhin alle Menschen aufhalten, auch wenn sie das Grillverbot nicht beachten. Niemand wird vertrieben oder des Platzes verwiesen. Man wird nur aufgefordert, seine Feuerchen zu löschen. So ist es zumindest bei uns in Kreuzberg.

Sollte aber tatsächlich das Grillverbot mit menschenrechtswidrigen Vertreibungen gleichzusetzen sein, so bin ich gespannt, was unsere Bezirksgrünen sich zur Rechtfertigung der Multi-Kulti-feindlichen Grillverbote in Friedrichshain-Kreuzberg einfallen lasssen. I’d like to grill my beloved district Greens on this issue!  (Chuckle.)

Ganz nebenbei: Wir brauchen sicherlich das vielberedete Zentrum gegen Vertreibungen. Dann sollte einmal das Schicksal all der im echten Leben – nicht in der politischen Operette – vertriebenen Volksgruppen im Deutschen Reich, in der Türkei, in Thrakien, auf Kreta, im Irak, in den USA, in der Sowjetunion, in der Tschechoslowakei, in der Volksrepublik Polen, in Kongo usw. aufgearbeitet werden. Die Liste ist lang – und sie wird auch weitergeführt, während ich dies hier schreibe.

„Wo sind eure christlichen Griechen eigentlich alle hin?“, fragte ich einmal den türkischen Reiseführer, als wir die herrlichen Felsenkirchen in Kappadokien besichtigt hatten. „Ich sehe hier lauter griechische Inschriften an Wänden – mitten im kappadokischen Kernland der ewigen Türkei!“ Eisiges Schweigen des Reiseführers war die Antwort.

Viele Menschen scheinen vergessen zu haben, was der Begriff Vertreibung bedeutet, so sie es denn je gewusst haben. Und wenn sie es je gewusst haben, wollen sie nicht daran erinnert werden.

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Meine Seele hört im Sehen

 Freude, Geige, Singen  Kommentare deaktiviert für Meine Seele hört im Sehen
Nov. 172011
 

„Meine Seele hört im Sehen … “ – was für eine schöne Grundhaltung. Das in diesem Blog mehrfach gepriesene „hörende Herz“ stellt sich dabei ein.

Genau diese Arie von Georg Wilhelm Friedrich Händel werde ich morgen auf meiner Geige mit hörendem Herzen mitspielen dürfen. Die drei Accolada-Damen aus den drei Ländern haben mich – den armen Kreuzberger Geiger – zu drei Stücken hinzugebeten. Kommt und hört im Sehen!

KONZERT
Freitag, 18. November 2011, 20.30 Uhr
Klassische Duette und Arien

Angelina Billington, Sopran

Irina Potapenko, Mezzosporan
Lala Isakova, Klavier

Ort:
Noymann Miller
Hauptstraße 89
Berlin-Friedenau

Eintritt frei, Spenden erbeten

Hier das Programm:

1.G.Carissimi „Rimanti in pace“
2.G.Carissimi „Lungi omai“
3.G.F.Händel „Meine Seele hört im Sehen“
(Geige – Johannes Hampel)
4.G.F.Händel „Süße Stille“(Geige – J.Hampel)
5.H.Purcell „Shepherd“
6.H.Purcell „Lost is my quiet for ever“
7.H.Purcell „We,the spirits of the air“
8.H.Purcell „No resistance is but vain“
Pause
1.H.Purcell „Musik for a while“
2.A.Vivaldi „Nisi dominus“
3.A.Vivaldi „Gloria patri“(Geige – J.Hampel)
4.Purcell „Rondo“
5.G.Caccini „Amarilli“
6.G.Caccini „Ave Maria“
7.G.F.Händel „O lovely peace“

Home – Accolada

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Augsburg verstehen

 Augsburg, Kinder, Kochen, Konservativ, Männlichkeit, Nahe Räume, Tugend, Vorbildlichkeit  Kommentare deaktiviert für Augsburg verstehen
Nov. 152011
 

Die Vaterstadt, heut find ich sie wieder! Den größten Teil meiner Jugend wohnten wir im Augsburger Stadtteil Hochzoll-Nord. Gut! In der Tat: Auf meine Augsburger Herkunft bin ich stolz wie auf Bert Brecht und Leopold Mozart, auf Rudolf Diesel und Jakob Fugger. Stolz? Ist Stolz ein schwieriges Wort? Nein. Stolz heißt, dass ich weiß und hochschätze, was in Augsburg an Gutem geschieht und was die Stadt mir an Gutem geschenkt hat! Heute bringt die Süddeutsche Zeitung unter dem Titel „Von wegen Restschule“ auf ihrer Seite 6 eine gedruckte Lobeshymne auf meinen alten Heimatbezirk Augsburg-Hochzoll. Ich kenne alle genannten Schul- und Ortsnamen persönlich, wohnte einen Steinwurf von der Werner-von-Siemens-Grundschule entfernt. Und in den Lobpreis all der Schulrektoren, Bäckermeister, Lehrlinge und ehrenamtlichen Mentoren, von denen ich in Augsburg Hunderte und Aberhunderte erlebt habe, kann ich nur einstimmen, getreu jenen lärmend-unartigen Ghettokids aus dem Faust, die da grölen:

Mein Augsburg lob‘ ich mir!
Es ist ein klein Berlin und bildet seine Leute …

Wahrhaftig: Augsburg bildet seine Kinder, einerlei ob sie nun Fethulla, Serkan, Ivan oder Resa heißen. Darin kommen alle Beobachter überein, die einen Vergleich zwischen anderen Städten und Augsburg anstellen können. Ich traf beispielsweise bei der Wahlkampfveranstaltung Klaus Wowereits am Kreuzberger Mehringplatz am 26.08.2011 einen Augsburger Berufsschullehrer, einen erklärten SPD-Unterstützer, mit dem ich sofort ins Gespräch kam und der mir alle diese Dinge, die ich heute in diesem Post schreibe, mehr oder minder ins Blog einflüstert. Unser heutiges Bild zeigt einen Schnappschuss von jener Veranstaltung.

Ein ganz entscheidender Standortvorteil in Augsburg sind aus der Sicht der Jugendlichen vor allem die vielen, vielen tüchtigen und ehrlichen Lehrer und Meister, die vielen Leiter der kleinen und mittelgroßen Ausbildungsbetriebe. Zwei von ihnen werden durch den Journalisten Johann Osel vorgestellt: Gerhard Steiner, Rektor der Hochzoller Werner-von-Siemens-Mittelschule, und Hansjörg Knoll, Bäckermeister, der in der Schulküche bäckt. Die enge Verzahnung von Hauptschule und Handwerksbetrieben hilft dabei, dass jedes Kind das beste persönliche Potenzial entfalten kann. Und so kommt es, dass ein Schüler namens Serkan oder Josef an bayerischen Hauptschulen nachweislich mindestens ebenso gut oder sogar besser abschneidet, besser bäckt und schreibt, rechnet und redet, mehr beruflichen und persönlichen Erfolg hat als ein Gymnasiast namens Serkan oder Joseph an Gymnasien anderer Städte. Noch einmal: Klare, fleißige, „kantige“ redliche männliche Vorbilder wie etwa Gerhard Steiner und Hansjörg Knoll habe ich damals als Jugendlicher zu Hunderten in Augsburg erlebt.

Noch etwas: Es wird von den Meistern und Bäckern kein geziertes Hochdeutsch, sondern gepflegtes Schwäbisch geschwätzt.  Na und? Dem Teig tut’s nicht weh.

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Nov. 132011
 

Ein großer deutscher Politiker, an den ich täglich erinnert werde, ist Gustav Stresemann. Die nach ihm benannte Straße in Kreuzberg radle ich regelmäßig entlang. „Weich aus, Jana!“, warnten heute einige Schülerinnen mit blonden Zöpfen eine nachlässig auf dem Radweg der Stresemannstraße dahinschleichende Freundin. „Pass auf, Jana! Ich kann deinen Namen erraten!“ rief auch ich, nachdem ich meine lustige Klingel hatte erschallen lassen. Großes Gelächter bei den Schülerinnen mit den blonden Zöpfen! Da vergass ich vor Freude den gewohnt schlechten Zustand des holprigen Radweges!

Gustav Stresemanns überragend hellsichtige, unerhört visionäre Rede vor der Vollversammlung des Völkerbundes vom 9. September 1929 passt sehr gut in unsere Zeit. „Weshalb sollte der Gedanke, Europas Staaten zusammenzufassen, unmöglich sein. Wir haben die Aufgabe, in nüchterner Arbeit die Völker einander näherzubringen und ihre Gegensätze zu überbrücken. Auch diese Arbeit wird sich nicht mit Elan und Hurra lösen lassen.“

Stresemanns Begründungen für den europäischen Zusammenschluss sind heute noch gültig: Verhütung des Krieges durch starke wirtschaftliche Verflechtung, Bekenntnis zu Schutz und Pflege der Minderheiten, Gleichwertigkeit aller Kulturen, Kooperationsverhältnis zwischen allen Staaten und Wirtschaftsräumen. Im Vergleich zur heutigen Bewältigung der Schuldenkrise fällt auf, dass er seine Vision eines vereinten Europa nicht als Zweckbündnis zur Mehrung des Wohlstandes sieht, sondern als  durch viel Arbeit und Zusammenarbeit sauer zu erringendes Bündnis gleichberechtigter Völker.

Das Thema Schuldenabbau und Währungsreform beherrschte die deutsche Politik der 20er Jahre!  Es wäre so spannend, strukturelle Analogien der hochverschuldeten Volkswirtschaften der ersten Nachkriegszeit in Beziehung zur heutigen Euro-Krise zu setzen!

Das Zitat oben zitiere ich nach folgendem Buch, das ich kurz nach dem Erscheinen bereits ein erstes Mal las: Wir erleben die Geschichte. Ein Arbeitsbuch für den Geschichtsunterricht. II. Band. 7. und 8. Schuljahr. Von Johannes Hampel und Franz Seilnacht. Bayerischer Schulbuch-Verlag. München 1966, S. 182

Die komplette Rede gibt es hier zu lesen:

stresemann.pdf (application/pdf-Objekt)

 Posted by at 00:35
Nov. 122011
 
Ein „Migrant“ ist Bushido nicht. Bushido wuchs bei seiner weißen, urdeutschen Mutter auf, sein tunesischer Vater hatte nichts  mit ihm zu tun. Wer Bushido als Migranten bezeichnet, argumentiert rein genetisch. Der Vater  hat sich aus dem Staub gemacht. Bushido ist also kein Migrant, kein Mulitikultimann, sondern typisch deutsch! Ich sehe ihn eher als typisch deutschen verlorenen Sohn, als eine Art Burschenschaftler und Paukbruder.

Rotzfreche Sprache, Pöbeleien und Gewaltkultur gab’s in deutschen Landen immer schon, z.B. bei den Burschenschaften des 19. Jahrhunderts, den Schützenvereinen, bei den Söldnern und den Freikorps, aber auch in Friedrich Schillers „Räubern.“

Gratulation zum Bambi. Clever rausgeholt.

Dass Heino sauer ist, versteh ich aber auch sehr gut.

Umstrittene Auszeichnung: Heino gibt Bambi wegen Bushido zurück – Welt – Tagesspiegel

 Posted by at 23:33
Nov. 112011
 

Gute, ausführliche Debattte gestern in der Wirtschaft Stresemann! Thema des Vortrags von Björn Funk vom Hauptverband der Papier- und Kunststoffverarbeitung waren die Situation auf dem beruflichen Ausbildungsmarkt zum 30. September, das duale Bildungswesen, die „Bildungsrepublik Deutschland“. Die neuesten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit werden vorgelegt und besprochen. Ich habe viel gelernt. Auszubildende, Fachkräfte und Facharbeiter werden überall gesucht, es beginnt in Deutschland ein Arbeitskräftemangel einzuziehen. Die berufliche Bildung ist das Trumpf-As der deutschen Wirtschaft. Die deutschen Unternehmen beginnen in anderen Ländern nach Zuwanderern für Ausbildung und für ihren steigenden Fachkräftebedarf zu suchen.  Auch zum Thema Mindestlohn wurde diskutiert. Einhellige Meinung: Der Mindestlohn wird keine Auszubildenden und keine Fachkräfte herbeizaubern, eher im Gegenteil. In Spanien haben sie einen Mindestlohn und fast 50% der Jugendlichen sind arbeitslos.

CDU Kreuzberg-West warnt vor Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns « Politikselbermachen. CDU Kreuzberg-West

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Nov. 102011
 

Kein leichtes Leben hatte die zweite Generation der Zuwandererkinder. Sie waren  von niemandem darauf vorbereitet worden, in Deutschland zu bleiben. Der türkische Staat schickte seine sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen gern dörferweise nach Deutschland: sollten die Deutschen sich doch um die Dörfler kümmern. Die zurücküberwiesenen Devisen waren hochwillkommen, stärkten die Außenhandelsbilanz. Niemals aber wollte und will die Türkei, dass die Auswanderer ihre Bande mit dem Türkentum verlieren oder gar ihr Türkentum mit einer neuen Heimat verschmelzen lassen! Im Gegenteil, in den letzten Jahren fördert der türkische Staat eine gezielte nachholende Türkisierung, arbeitet weiterhin am Zusammenhalt einer geschlossenen türkischen Volksgruppe.

Die einzelnen Kinder und Jugendlichen schweben kulturell häufig im Niemandsland. Zu richtigen Türken von echtem Schrot und Korn kann und will sie der deutsche Staat nicht ausbilden. Doch durch totale Türkisierung, durch massive Propaganda hat die türkische Republik über etwa 90 Jahre eine nahezu lückenlose Identifikation der Türken mit dem türkischen Boden und Blut erzeugt und erzeugt sie auch weiterhin. Einmal Türke – immer Türke! Ne mutlu Türküm diyene! Ich kann nur raten, die Türkei zu bereisen, ein paar Brocken Türkisch zu lernen und sich wachen Sinnes in diesem großartigen Land, dem uralten Mutterboden der europäischen Kultur umzusehen: Perser, Assyrer, Syrer, Griechen, Araber, Türken, Armenier, Kurden, Zaza und ein Dutzend mehr Völker – sie alle haben dort gesiedelt und ihre Kulturen zu erstaunlicher Blüte gebracht. Unter allen Kulturen haben die aus Zentralasien zugewanderten Türken schließlich die Oberhand erobert und gehalten.

Andererseits hat die Bundesrepublik Deutschland ein bunt gefächertes Programm umgesetzt, das die Identifikation mit Deutschland verhindert. So erzählen mir immer wieder Berliner Kinder und Jugendliche, sie hätten in vier Jahren Geschichtsunterricht fast ausschließlich die zwölf Jahre von 1933-1945 behandelt. Wenn nun aus den etwa 1000 Jahren, in denen man mit gewissem Recht von „deutscher Geschichte“ sprechen kann, immer nur 12 Jahre herausgegriffen werden, welches niederschmetternde Selbstbild muss dann in den Berliner Schülerinnen und Schülern entstehen? Nicht zufällig prangt die Inschrift „Deutschland verr…“ auf Dächern in Friedrichshain.

Aus der überschwänglichen, hochfliegenden Begeisterung für die türkische Nation einerseits, der niederschmetternden Selbstentwertung der deutschen Nation andererseits gibt es für die meisten jungen Türken und auch die Araber keinen Ausweg. Sie hängen fest zwischen Baum und Borke.

Der Ausweg müsste natürlich sein, dass an den Schulen eine positive Identifikation mit dem heutigen Deutschland, also insbesondere mit der Bundesrepublik Deutschland gefördert wird. Genau dies aber geschieht zumindest im Bundesland Berlin fast nicht.

Was tun?

Ich meine: Kleine Gesten, die vielen Akte der Nächstenliebe sind viel entscheidender als großartige Programme und Initiativen. Nachbars Oma kann mehr Gutes tun als noch so viele Integrationspläne und Bildungsprogramme. Das bestätigt wieder einmal sehr überzeugend Mehmet Gürcan Daimagüler:

Häufig sind die Kleinigkeiten im Leben entscheidend: Bei uns im Haus wohnte eine Witwe, Oma Philippine nannten wir sie, die uns bei den Hausaufgaben geholfen hat. Mit ihr habe ich Deutsch gelernt. Dann habe ich die kostenlose Bücherei im Nachbardorf entdeckt und Bücher verschlungen.

Anwerbeabkommen mit der Türkei – Zeitgeschichtliches Archiv – WDR.de

 Posted by at 15:30