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Gewaltkult der Besetzer stoppen!

 Gerhart-Hauptmann-Schule  Kommentare deaktiviert für Gewaltkult der Besetzer stoppen!
Juli 082014
 
2014-07-08 18.18.48
Oha, die BVV tagt jetzt nur noch unter Polizeischutz. Soeben schob ich mein Rad vor dem Rathaus Kreuzberg vorbei und sah’s wieder mal, fassungslos ob der unhaltbaren Zustände in der Berliner Bezirks- und Landespolitik (siehe Foto, Aufnahme von 18.18 Uhr heute).  Und Hans Panhoff, der einzige Kreuzberger oder Berliner amtierende Politiker, der durch seinen Räumungswunsch gegenüber der Polizei Rückgrat und Verantwortung gezeigt hat, soll abgewählt werden?! Einspruch! Ich meine: Panhoff sollte bleiben, der gesamte Rest der mit der Platz- und Schulbesetzung befassten zuständigen Politiker*innen in Senat und in Bezirksamt sollte eher zurücktreten. Panhoff hat das sachlich Gebotene, das humanitär Unerlässliche über den eigenen Machterhalt, über die windelweiche Linie seiner Partei gestellt. Er hat sein Gewissen über den Verbleib im Amt gestellt.
Ich kenne Panhoff als stets kompetenten, höflichen, sachlich klaren, fleißigen Kommunalpolitiker und bin sehr dafür, dass er im Amt bleibt.
Nebenbei: Dieser Gewaltkult, dieser schrankenlose Männlichkeitswahn, dem die Besetzer auf dem Dach der Gerhart-Hauptmann-Schule frönen! Es sind keine „Flüchtlinge“, sondern eher militante gewaltbereite Kämpfer aus Deutschland – mehrheitlich weiße Männer wohlgemerkt – und aus anderen Ländern. Gestreckte Fäuste, gebrüllte Parolen! Wir hören aus der besetzten Schule Hetze, Wut, Feuer und Flamme gegen diesen Staat! Fahrräder gegen Menschen (in diesem Fall Polizisten) werfen!
Gewalt und Rechtsbruch haben vorerst in Kreuzberg gesiegt. Erpressung der Gesellschaft durch Gewalt und durch Suiziddrohungen! Das ist das Motto, unter dem die Besetzer der Schule kämpfen. Irre. Der Senat von Berlin und das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg lassen diesen Kult der nackten Gewalt und der Gesetzlosigkeit seit Monaten zu.
Dass jetzt die BVV nur mehr geheim bzw. unter Polizeischutz tagen kann, ist erbärmlich. Ein erbärmliches Armutszeugnis für die Politik des Berliner Senats und des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg.
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Wir gehen baden! Ab ins Prinzenbad!

 Kupferstichkabinett, Prinzenbad  Kommentare deaktiviert für Wir gehen baden! Ab ins Prinzenbad!
Juli 062014
 

2014-07-07 10.30.49

Ein schöner Sonntag geht zu Ende. Schwalben ziehen sirrend durch den Hinterhof, der Brunnen hat das Plätschern eingestellt. Am Vormittag war wieder eins unsere beliebten Kinderkonzerte. Die 12 Kinder spielten wie die Cherubim im Carl-Flesch-Saal der UdK sehr artig und sehr zu Herzen gehend. Dann sagte einer: „Wir gehen baden! Ab ins Prinzenbad!“ So geschah es. Am Nachmittag lockte es uns zwar nicht alle, aber doch zu sechst (2 Väter und 4 Kinder) in das Prinzenbad. Herrlich! Viele entspannte, lachende, glückliche Menschen sahen wir heute im Kreuzberger Prinzenbad. Das Prinzenbad verdient höchstes Lob.

Sommerstadt Berlin! Bäderstadt Berlin!

Soeben tischte ich zum Abendessen zwei riesige Teller selbstgekochte Spaghetti alla bolognese mt knackigem Salat auf.

Die  Ausstellung „Wir gehen baden“, eine Sommerausstellung im Kupferstichkabinett, verdient ebenfalls höchstes Lob. Reizvoll, entzückend, toll gemacht. Sie verlockt und verführt zu allerlei Streifzügen, manch liebgewordene Erinnerungen an das, was in einigen Jahrzehnten eigener Badeerfahrungen, eigener Badebegegnungen geschehen ist, stiegen in mir auf: von dem ersten Anstaunen des anderen Geschlechtes im Gersthofener Freibad (bei Augsburg) bis hin zu allerlei lockeren Plaudereien mit multikulturellen Bikinimädchen an den sonnenbestrahlten Küsten der Türkei.

Eine Psychogenese der Person im Spiegel des Badens, das bietet bei eingehender Betrachtung und Besinnung diese Ausstellung. Phantastisch!

Folgende Werke habe ich gestern näher ins Auge gefasst:

Auguste Renoir, Baigneuse debout, en pied

Pisanello, Bademädchen

Anders Zorn, Seichtes Wasser

Georg Pencz, Die sieben Planeten: Venus

Lucas van Leyden, Susanna im Bade

Tom Wesselmann, Cut out nude

Herman Saftleven, Die vier Jahreszeiten, darin: Winter. „Frigidus venit hiems glacies cum frenat aquarum cursus et pedibus lubrica praebet iter“

Honoré Daumier, Les baigneurs, darin: „Après trois mois de cette exercice non interrompue, on se trouve réduit à l’état de poissson, et l‘être le plus timide peut se présenter“

Leopold Ludwig Müller (1767-1838), Das Welpersche Badeschiff auf der Spree, um 1802. Erstes städtisches Badeschiff Europas! Bahnbrechend!  

Hans Sebald Beham, Der Jungbrunnen und Badehaus

Albrecht Dürer, Männerbad

Dieter Asmus, Mädchen am Meer

Ich nahm gestern um 14 Uhr an der Führung „Baden in der Renaissance“ teil. Es war für mich als Mann hochinteressant. Das Geschlechtliche, näherhin das Thema Transgender, Homosexualität und Geschlechtsambivalenzen, beginnend bei Dürers Männerbad,  stand im Vordergrund der gestrigen Führung, die implizit spannende Ausblicke auf die Fortschreibung dieses jahrtausendealten Motivstranges bis hin zur heutigen LGBT-Hauptströmungsgleichschaltung bot, wie es sich beispielsweise unsere bundesweit berühmten Kreuzberger Grünen oder die berühmte Kreuzberger taz auf die politischen Fahnen geheftet haben. LGBT-Menschen, also Lesbians, Gays, Bisexuals und Transgenders gab’s immer schon, ein Blick in die reichen Schätze von ein paar Jahrtausend Kunstgeschichte lehrt’s wieder und wieder. Ja mei.

Ansonsten: Ein Zuhörer der Führung machte gestern Wellen, trübte das Wasser, brach bei einer unsicheren Titelbelegung mehr oder minder mutwillig  einen Streit über Titel im Museumswesen an: „Die Hälfte der Titel von euch Museumsleuten sind anfechtbar! Ist doch alles nur Konvention! Ihr bringt euch doch nur selber in die Bredouille!“, sagte der kecke Zuhörer plötzlich. Er fiel aus der Rolle, der Kurator aber nahm’s gelassen: „So ist es! Diese Werke hatten keine Titel. Das Beilegen der Titel kam im großen Umfang erst mit der Sammlerbewegung im 19. Jahrhundert auf.“

Ausgerechnet an der Stelle, wo in der vorhergehenden herrlichen Arkadien-Ausstellung im Kupferstichkabinett Venezianos „Vertreibung aus dem Paradies“ (Kat. Nr. 5) hing, hängt ja jetzt Hans Sebalds Jungbrunnen mit verwandt zweideutiger Gender-Zuschreibung, wie sie etwa auch die beiden Figuren auf der Mauer des rätselhaften Veneziano-Kupferstiches boten!

Super spannend. Die meisten Titel auch von berühmten Gemälden sind bis ins 19. Jahrhundert hinein schlicht Zuschreibungen der Nachwelt. Sie prägen unsere Wahrnehmung auf häufig verengende, unzulässig einengende Weise.

In jedem Fall lohnt die Ausstellung einen lässigen Besuch. Leichte sommerliche Kleidung und Flipflops nicht vergessen. Eine atlantikblaue Frisbee-Scheibe der Berliner Bäder gab’s gestern gratis obendrein. Cool.

Wir gehen baden! Eine Sommerausstellung im Kupferstichkabinett. Kulturforum, Matthäikirchplatz. 4. Juli – 26. Oktober 2014, Di, Mi, Fr 10-18 Uhr. Do 10-20 Uhr. Sa+So 11-18 Uhr

Bild: Ludwig von Hoffmann Knaben am Strand um 1895 vor Helm auf der Liegewiese im Prinzenbad

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Juli 042014
 

Vor wenigen Tagen fuhr ich mit dem Rad und zwei Packtaschen zum neuen LIDL an der Stresemannstraße. Vor dem neu eröffneten Supermarkt standen vier Polizisten Wache, im lockeren Gespräch eingebunden. Was war geschehen? Schnell erfuhr ich’s: wenige Stunden zuvor war in dem sechzehnstöckigen Haus ein Mord geschehen. Wieder ein Mord in unserem unmittelbaren Wohnumfeld! Das Mordopfer  kannte ich diesmal im Gegensatz zu einem der früheren Mordfälle nicht; entscheidend ist, dass einige wenige Einsatzkräfte ausreichten, um bereits einige Stunden nach der Tat den Tatort des Mordes zu sichern.

Ganz anders sieht es bei der besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule aus. Hier sind in den letzten Wochen bis zu 1800 Polizistinnen und Polizisten aufgeboten worden, um das widerrechtlich besetzte Gebäude zu sichern. Kosten: mindestens 5 Millionen. Ein Tötungsdelikt hatte sich ebenfalls dort ereignet, aber nicht deswegen waren über 1000 Polizisten entsandt, um das Grundstück zu sichern.

Um genau dieses bezirkseigene Gebäude hatte ich mich persönlich vor 3 Jahren während meiner kommunalpolitischen Tätigkeit im Auftrag einer Grundschule eines freien Trägers einer Migrantencommunity bemüht; die Immobilienverwaltung des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg hatte es jedoch brieflich damals schlichtweg abgelehnt, auch nur in Gespräche über eine neue Nutzung der mehreren, damals zweckfrei leerstehenden Kreuzberger Schulgebäude einzutreten.

Und nun das! Das grün geführte Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und der rot-schwarze Berliner Senat haben hier über Monate hinweg alles getan, um einen rechtswidrigen, teilweise unwürdigen Zustand künstlich aufrechtzuerhalten; sie haben fast alles unterlassen, um einen illegalen Zustand am Oranienplatz und im besetzten Gebäude an der Ohlauer Straße zu beenden. Nach monatelangem Hickhack und Hin und Her dürfen die Besetzer im bezirkseigenen  Gebäude bleiben. Das Schulgebäude darf weiterhin als kostspielig gesicherte, auf unsere Steuerzahlerkosten gesicherte Spielwiese von Rechtsbrecher*innen und plärrenden Marodeuren genutzt werden. Die Politiker*innen des Berliner Senats und des Bezirksamtes haben sich von einer grotesk-infantil agierenden Truppe von Polit-Amateuren erpressen lassen.

Der Rechtsbruch wird also auf Dauer gestellt. Ich konstatiere in dieser Sache ein totales Versagen des SPD-CDU-Senates und des „kollegial“ geführten Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg.

Das ist niederschmetternd für uns einfache migrantische Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund, die in der Vergangenheit scheue Anstrengungen unternahmen, dem Bezirk oder dem Bundesland Berlin ein bisschen bürgerschaftliches Engagement einzuhauchen.

Und dafür zahlen die anderen Bundesländer den Länderfinanzausgleich? Liebe andere 15 Bundesländer, wehrt euch doch ein bisschen. Es ist wirklich  unfassbar, unerträgliche politische Zustände herrschen hier in Berlin.

Die Berliner Landes- und vor allem die hiesige Bezirkspolitik unterhöhlen mit derartigen Fehlleistungen das Legalitätsprinzip staatlichen Handelns, sie unterminieren das Vertrauen von uns Bürger*innen in die Verlässlichkeit und Rechtstreue der gewählten Volksvertreter*innen; die Berliner Politik, namentlich die der Berliner Parteien Die Grünen/Bündnis 90, CDU und SPD führt so allmählich zu einer Erosion der Staatlichkeit.

Staatserosion von oben, aus dem Inneren der staatlichen Verwaltung heraus! Berlins SPD, Berlins CDU und Friedrichshain-Kreuzbergs Grüne sind in diesem Trauerspiel für rechtstreue Bürger*innen Berlins unwählbar geworden.

Einsatz an besetzter Schule in Berlin-Kreuzberg: Allein die Personalkosten belaufen sich auf fünf Millionen Euro – Berlin – Tagesspiegel.

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Sie werden nicht gesät, sie werden nicht geerntet

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Juli 012014
 

Die Spontanvegetation au2014-07-01 17.41.56f der Kreuzberger Grauwacke längs dem Radweg Berlin-Leipzig erfüllte uns heute mit Freude. Ein Foto fügen wir Euch hier bei.

Die Disteln und Lilien auf dem Felde – sie werden nicht gesät, sie werden nicht geerntet, und doch würden die Nummer 1-10 auf der Forbes-Liste der mächtigsten Frauen und Männer dieser Welt ob ihrer Pracht erblassen.

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Allzu hoch fliegende Wünsche eines Seniors?

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Juni 282014
 
Mit folgenden Worten lud der hier Schreibende ein:
Zu einem kleinen Umtrunk möchte ich Euch an diesem Tag um 15 Uhr ins altertümliche Gebirgszimmer in das uns allen bekannte  Seniorenzentrum des hl. Giovanni einladen. Mein Wunsch ist es, Oma und Opa teilhaben zu lassen. Bringt Leute mit, wenn Ihr wollt.
Mich würde es freuen, wenn jeder und jede
a) ein Gedicht oder einige altertümliche, ewig frische Verse von Goethe oder Schiller auswendig vortrüge, z.B. die Bürgschaft
oder
b) ein selbstgemaltes oder selbstgezeichnetes Bild überreichte
c) oder eine selbstgeschriebene Geschichte oder ein selbstgeschriebenes Gedicht vortrüge
oder
d) einen lustigen Sketch aufführte,
e) ein Musikstück auf dem Instrument vortrüge
f) oder ein Volkslied in allen Strophen sänge, wie etwa „Wahre Freundschaft soll nicht wanken“.
Euer Vater, Mann, Bruder, Sohn, Freund sowieso sowieso etc. pp.
 Posted by at 10:05

Zweierlei Gnaden

 Gnade, Musik, Person  Kommentare deaktiviert für Zweierlei Gnaden
Juni 222014
 

Der Schreibende ist am Donnerstag aus Moskau zurückgekehrt von dem Begräbnis unseres Alexander Jakowlewitsch.  Wir geleiteten ihn am Dienstag auf dem letzten Gang auf den Wagankowoer Friedhof. Ein tränenreicher Abschied, der eine große Trauergemeinde zusammenführte. Ich hielt eine der zahlreichen Abschiedsreden in Du-Form, spielte auf der mitgebrachten Geige eine Sarabande in d-moll von J.S. Bach, die Hebräische Melodie von Joseph Achron, zu allerletzt den unüberbietbaren Choral „Wenn ich einmal soll scheiden“ von Bach. Ich sagte:  Для тебя и для нас Бах всегда Бах. Спи, мой Дорогой. Für dich und für uns bleibt Bach immer Bach! Schlafe mein Lieber.

Am Samstag feierten wir mit einem katholischen Gottesdienst eine Goldene Hochzeit mit Verwandten im niederbayrischen Rotttal. Von einem frisch ausgeworfenen Grab zu einer Hochzeitsfeier!

Das eine betrübt, die andre erfrischt,
so wunderbar ist das Leben gemischt.

Zweierlei Gnaden! Zwei gleichermaßen tiefe, zwei mich nachhaltig bewegende Feiern! Eine festliche Traurigkeit trug mich mitten im Leben dahin.

 Posted by at 21:23

Ist das europäische Volk also europafeindlich? Ist der Euro europafeindlich – oder nur EU-feindlich? Ist die Süddeutsche Zeitung rechtspopulistisch? Oder auch umgekehrt?

 Europäische Union, Integration, Süddeutsche Zeitung  Kommentare deaktiviert für Ist das europäische Volk also europafeindlich? Ist der Euro europafeindlich – oder nur EU-feindlich? Ist die Süddeutsche Zeitung rechtspopulistisch? Oder auch umgekehrt?
Juni 202014
 

Nachdenklich stimmender Aufsatz in der aktuellen Süddeutschen Zeitung aus der Feder von Andreas Zielcke: Union ohne Bürger. SZ, heute, 20.06.2014, S.11!

Der SZ-Autor  deutet das Wahlergebnis als Ausdruck des Misstrauens der europäischen Bürgerinnen und Bürger gegenüber der EU. Als ein hauptschuldiger Auslöser, ja als der hauptschuldige Auslöser der tiefen EU-Krise wird hier der Euro genannt. Das Gefälle zwischen ökonomisch besser und den schlechter aufgestellten Staaten aufgestellten sei seit 1992 dramatisch angewachsen. Der Euro habe die Wirtschaftskraft der EU stark verschlechtert. „Daher vergrößert der Euro die Abgründe zwischen den Euro-Nationen, statt sie zu überbrücken. Die Staaten mit schwächerer Wettbewerbsfähigkeit geraten immer stärker unter Druck, die Tendenz zur Ungleichhheit beschleunigt sich. Umgekehrt profitieren wirtschaftsstrukturell überlegene Länder wie Deutschland überproportional von dieser Unwucht.

 

Zielcke fordert eine tiefgreifende Änderung der Europäischen Verträge. Ohne tiefgreifende Änderungen der EU-Verträge vermöge europaweiter Volksabstimmungen sind die von Zielcke avisierten Verbesserungen eines insgesamt schlechten Zustandes der EU nicht zu haben. Als einen wesentlichen Auslöser der tiefen EU-Krise erkennt Zielcke die Währung. Die Einheitswährung Euro ist in Zielckes Darstellung aus strukturellen Gründen neben der Selbstherrlichkeit der Institutionen und Parteien der Spaltpilz, der die EU auseinanderzutreiben droht.

 

 Posted by at 11:37

Was soll denn jetzt bloß aus der EU werden?

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Juni 162014
 

Bedenkenswerter, sehr offenherziger Brief des Alt-Bundespräsidenten Roman Herzog, in dem er den verheerenden Vertrauensverlust der Europäischen Union bei den Völkern der EU ungeschminkt anspricht:

http://www.stern.de/politik/deutschland/roman-herzog-fuer-abwehrrechte-gegen-eu-institutionen-2117195.html

Auffällig finde ich, dass Herzog vor allem die Selbstanmaßung der EU-Institutionen geißelt, die sich zunehmend in Belange einmischten, die eigentlich eher den nationalen Parlamenten zustünden.

Dies gilt – so meine ich – insbesondere für die EZB, die bereits heute wie die Notenbank eines Staates auftritt. Kein Finanzminister eines EU-Staates, geschweige denn der zuständige EU-Kommissar kommt ihr an Machtfülle auch nur annähernd gleich. Die EZB gebärdet sich wie ein Staatsorgan oder ein Staat in einem Staate, der kein Staat ist. „Draghis Wille geschehe!“, so tadelte dies vor kurzem knapp doch nicht falsch die Süddeutsche Zeitung.

Dabei ist die Europäische Union ausweislich ihrer Gründungsverträge kein Staat, sondern ein Zusammenschluss von Staaten, der „auf eine immer engere Union“ hinarbeiten soll. Selbst diese Klausel (Art. 1 Abs. 2 EU-Vertrag) bedeutet aber meines Erachtens keineswegs, dass die die EU als zukünftiger Staat angelegt ist.

Was soll die EU einmal werden? Ich denke, die beste Antwort darauf lautet: Sie soll das werden, was die Menschen der EU-Staaten wollen. Wenn die Bürgerinnen und Bürger aller EU-Staaten eindeutig und mit großer Mehrheit ihren Willen bekunden, sich zu einem Staat zusammenzuschließen, dann soll dies geschehen. Darauf deutet aber zur Zeit nichts hin. Im Gegenteil, die letzten Wahlen haben gezeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger schon seit langem nicht mehr das Gefühl haben, „Herrinnen und Herren der EU-Verträge“ zu sein.

Allerdings gilt ebenso: Vor einer schleichenden Entmachtung der Staaten, insbesondere einer schleichenden Entmachtung der repräsentativ gewählten Parlamente zugunsten der EU-Kommission und schlimmer noch der EZB muss weiterhin eindringlich gewarnt werden. Bundespräsident Herzog spricht eine solche Warnung aus.  Dafür gebührt ihm der Dank aller Demokraten, denen der Zustand der EU graue Haare bereitet.

Maßgebliche Parteien haben sich in grotesker, nicht mehr zu überbietender Anmaßung nicht entblödet, das Votum der europäischen Bürger als „Rechtspopulismus“ oder als „Europafeindschaft“ abzukanzeln. Sie bestätigen damit aufs schönste das tiefe Misstrauen, das sie selbst in den Bürgerinnen erzeugt haben, als berechtigt.

Bundespräsident Herzog hat recht, wenn er die zunehmende Kluft zwischen EU-Politik und Bürgerinnen und Bürgern beklagt. Man sollte seinen Einspruch ernstnehmen und ihn diskutieren.

Lese-Empfehlung zur Einführung:

Matthias Herdegen: Europarecht. 13. Auflage, C.H. Beck Verlag, München 2011, hier insbesondere: § 5: „Die Rechtsnatur der Europäischen Union“, S. 63-76

 

 

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Stricke des Todes: am letzten Pult des Lebens

 Musik  Kommentare deaktiviert für Stricke des Todes: am letzten Pult des Lebens
Juni 152014
 

Stricke des Todes hatten uns umfangen,
Und Angst der Hölle hatte uns getroffen,
Wir wandelten in Finsternis.

So wählte Felix Mendelssohn Bartholdy aus dem reichen Schatzhaus unserer Bücher aus. Sie hatten, nicht: sie haben! Der Tod – so singt und klingt es im Tenorsolo der Nr. 6  seiner Kantatensinfonie „Lobgesang“. Sie hatten uns umfangen. Gemeint ist wohl: Der Tod ist kein letztes. Irgendwann dürfen wir sagen: Die Nacht ist vergangen.

Vorgestern starb in Nikolina Gora unser geliebter Vater, Schwiegervater, Opa, Ehemann Alexander Jakowlewitsch Potapenko. Es gibt wohl unter allen Russen keinen Mann, der mich mehr geliebt hat als er, und keinen, den ich mehr geliebt habe als ihn. Heute nachmittag spiele ich folglich zu seinem Gedenken für ihn und für uns die Bratsche am letzten Pult in einem schönen großen Konzert:

Sonntag, 15.06.2014, 19:00 Uhr, Paul-Gerhard-Kirche, Berlin-Schöneberg, Hauptstraße 48
Sinfonie Nr. 2 “Lobgesang” von Felix Mendelssohn Bartholdy

Ausführende:
Neuer Chor Alt-Schöneberg
Kirchenkreisorchester Schöneberg mit Gästen
Solisten: Anna Gütter, Eva Summerer, Goran Cah
Leitung: Sebastian Brendel

Karten an der Abendkasse: 15 (10) Euro

 

 

 

 

 

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Vergeben in Freiheit

 Freiheit, Kain, LXX, Versöhnung  Kommentare deaktiviert für Vergeben in Freiheit
Juni 112014
 

An Pfingsten, dem „lieblichen Fest“  versuchte ich einige Seelen für einen Besuch bei Kain zu gewinnen. Und bei mir vor der Kreuzberger Haustür tobte zeitgleich der Karneval der Kulturen mit offiziell 740.000 Besucher*innen. Beste Gelegenheiten!

Ein glühender Hauch hing über der Stadt Berlin, es war das heißeste Pfingstfest seit Beginn der Aufzeichnungen. 

 

Ich wartete bis 15.58 Uhr und murmelte der steinernen, geduldigen Königin Luise ein paar Verslein aus dem Purgatorio und aus dem Faust II zu. 

 

Das Warten in der sengenden Hitze Arkadiens half, denn ich fand dadurch das ganz große entscheidende Thema heraus, nämlich die Frage des Umgangs mit Schuld und Scheitern, auch die Frage des Verzeihens.

μειζων η αιτια μου του αφεθηναι με.

„Meine Schuld ist zu groß, als dass sie mir vergeben werden könnte.“

So sagte es laut der griechischen Übersetzung, der Septuaginta, Kain, der Brudermörder, nachdem Gott ihm auf die Schliche gekommen war. Kain erkannte die Schwere seiner Schuld. Sie schien ihm untragbar und unverzeihlich.

Was mochte Königin Luise wohl zum Kains-Thema denken? Für Königin Luise gab es ja den Vertreter des Bösen schlechthin, das moralische Scheusal, den Kain in moderner Gestalt. Sie begegnete ihm am 6. Juli 1807 in Tilsit. Zweifellos änderte sie bei dieser persönlichen Begegnung ihr vorgefasstes Bild vom Menschen Napoleon. Sie vermenschlichte ihn gewissermaßen, sie entdämonisierte ihn, wie wir zweifelsfrei aus ihren Äußerungen schließen dürfen.   Wäre sie bereit gewesen ihm zu verzeihen?

 

Als krönenden Schlussstein des Gedankenganges erreichte ich schließlich das Evangelium nach Johannes von Pfingsten:

 ἄν τινων ἀφῆτε τὰς ἁμαρτίας ἀφέωνται αὐτοῖς, ἄν τινων κρατῆτε κεκράτηνται.

„Nehmt den heiligen Hauch. Wenn ihr die Verfehlungen irgendwelcher vergebt, sollen sie ihnen vergeben werden. Wenn ihr sie verfestigt, sollen sie verfestigt sein.“

 

Die Nachfolger Jesu haben – so die Ansage des Johannes in Joh 20, 21-23 – die Gabe und den Auftrag, Sünden zu vergeben.  

Verzeihung der Schuld, das ist also laut Jesus keine Gnade, kein Wunder, keine Leistung der Flüsse Lethe und Eunoe, keine Leistung des Vergessens (Lethe) oder des Wohlwollens (Eunoe), sie ist keine überpersönliche Einwirkung der arkadischen Natur, wie das Goethe zu Beginn des Faust II, wie es Dantes Matelda in Purgatorio XXVIII verkündet, sondern eine persönliche Erfahrung  der vom Geist angeleiteten Begegnung zwischen Menschen in Fleisch und Blut.

Diese Verzeihung erfolgt aus der Freiheit des Entscheidens. Sie ist weder an einen Ritus und noch viel weniger an ein bestimmtes Gottesbild geknüpft. Sie ist an den Geist und an den Menschen geknüpft. Sie ist zweifellos an sprachliches Handeln geknüpft. Sie vollzieht sich im Medium des in Freiheit gesprochenen Wortes.

 Posted by at 23:39

Gewissensentlastung durch Vergessen?, oder: „K.! Wo ist dein Bruder H.?“

 Goethe, Kain, Kommunismus, Russisches, Ukraine, Versöhnung  Kommentare deaktiviert für Gewissensentlastung durch Vergessen?, oder: „K.! Wo ist dein Bruder H.?“
Juni 092014
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Schon verloschen sind die Stunden,
Hingeschwunden Schmerz und Glück;
Fühl‘ es vor! du wirst gesunden;
Traue neuem Tagesblick.
Täler grünen, Hügel schwellen,
Buschen sich zu Schattenruh;
Und in schwanken Silberwellen
Wogt die Saat der Ernte zu.
 
„Faust leistet wahrhaftig keine ‚Trauerarbeit‘. Nicht die auf der Fähigkeit zur Schuldeinsicht beruhende moralische Würde des Menschen erweist sich an ihm, sondern eine amoralisch vegetative Regenerationsfähigkeit auch der menschlichen Natur. Nichts mehr wird erinnert. Fausts Gewissensentlastung verdankt sich dem Vergessen.“
 
 
Eine großartige, zugleich niederschmetternde Deutung, die Albrecht Schöne hier anbietet! Sie ging mir gestern bei der Wanderung durch den gleichsam geschichtslos in der Mittagshitze brütenden Berliner Tiergarten-Park hin zur geschichtsträchtigen Luiseninsel durch den Sinn, wo ich die arkadisch-unsterblichen Verse des großen Deutschen Goethe und die des großen Italieners Dante murmelte.  Ein möglicher Sinn, wenn auch nicht der einzig mögliche Sinn von Arkadien ist es ja gerade, Unbill, Plackerei und Plage, the drudgery of life, wie die Engländerin sagt, Schuld und Schande der Geschichte zu vergessen, um damit Frieden und Freude zu erlangen. Frieden, Freude, ein ruhiges Gewissen, unbezähmbarer Tatendrang also durch Vergessen!
 
 
«Нельзя допустить, чтобы ужасы прошлого были преданы забвению… Надо все время напоминать о прошлом. Оно было, оказалось возможным, и эта возможность остается. Лишь знание способно предотвратить ее. Опасность здесь – в нежелании знать, в стремлении забыть, в неверии, что все это действительно происходило…» so schreibt Karl Jaspers 1949 in seinem Buch „Vom Ursprung und Ziel der Geschichte“.
 
 
Die zitierte  Übersetzung verdanken wir einem Facebook-Eintrag des russischen Regisseurs Andrei Kontschalowski vom heutigen Tage. Die deutsche Urfassung des Buches von Karl Jaspers liegt uns zur Zeit nicht vor. Also behelfen wir uns mit der russischen Umformung.
 
 
Jaspers und Kontschalowskij sprechen sich hier – sehr im Gegensatz zu Goethe, sehr im Gegensatz zu Faust – gegen das Vergessen, gegen das Frage- und Erinnerungsverbot aus, welches allzulange die europäischen Völker voneinander getrennt hat. Gerade im Vergessen, im allzu reichlichen Trinken von den Flüssen Lethe und Eunoe, wie sie Dantes Matelda im 28. Gesange des Purgatorio anempfiehlt, erblicken sie die größte Gefahr.
 
 
Welch verheerende Auswirkungen das Nicht-Wissenwollen, das erzwungene Vergessen bedeuten, konnte ich immer wieder bei meinen Reisen durch die Länder des ehemaligen europäischen Ostens, des ehemaligen „Ostblocks“ beobachten. Aber auch in Jugoslawien, auch in Italien, auch in Spanien, auch in Deutschland werden immer wieder Frage- und Erinnerungshindernisse aufgerichtet. Es ist vielfach so, als wollte man alle Schrecken, alle Massenverbrechen des 20. Jahrhunderts ausschließlich immer wieder bei den Deutschen vor der Tür abladen, den Deutschen buchstäblich vor die Füße knallen. Gerade hier im Zentrum Berlins, gerade auch bei den laufenden Debatten zur Eurorettungspolitik  ist es geradezu unmöglich, den übermächtig ragenden, den immer mehr Fläche beanspruchenden Monumenten deutscher Schuld und deutscher Schande auch nur einen Augenblick zu entkommen.
 
 
Oft höre ich dann, wenn ich als überzeugter Europäer und überzeugter Mensch – der ich ja sowohl dem Blute wie dem Geiste nach bin –  etwa kommunistische Massenverbrechen in der Ukraine, sowjetische Völkermorde und Angriffskriege, ausmerzende Massentötungen in der Krim, Brudermorde und Vertreibungen verwandter slawischer Völker wie der Tschechen und der Slowaken anspreche: „Das liegt doch jetzt schon so lange zurück!“ „Warum sollen wir denn jetzt noch von all den kommunistischen  Verbrechen sprechen, die in der Zeit von 1917 bis 1989 geschehen sind? Schnee von gestern! Und außerdem haben es die Kommunisten – im Gegensatz zu den Nationalsozialisten –  nur   gut gemeint. Also Schwamm drüber!“ „Es war so schrecklich in den sowjetischen Lagern, so furchtbare Dinge sind im GULAG geschehen, wir wollen nicht noch einmal daran erinnert werden. Das macht uns nur noch kränker als wir ohnehin schon sind.“
 
 
Ich meine in der Tat: Die ungestützte, die schonungslose, die nicht in bewusste Versöhnungs- und Trauerarbeit eingebundene Erinnerung an die großen Menschheitsverbrechen des 20. Jahrhunderts und auch die neuen Menschheitsverbrechen bereits des 21. Jahrhunderts hat oftmals eine nachträglich traumatisierende Wirkung bei den Nachkommen und Enkelinnen der Opfer, eine oftmals verheerende, stigmatisierende Wirkung bei den Nachkommen und Enkelinnen der Täter.
 
 
Und eine geradezu unauflöslich persönlichkeitsspaltende, eine im tiefsten Sinne panische Wirkung bei denen, die Nachkommen sowohl der Täter wie der Opfer sind – also etwa bei deutschen Kommunisten, die nach Krieg, Lagerhaft, Massenmorden der Sowjetunion im vollen Bewusstsein all der kommunistischen und nationalsozialistischen Massenverbrechen  zum Aufbau der DDR nach Deutschland zurückkehrten. Als ein besonders eindrückliches Beispiel dafür sei hier der gläubige Kommunist Alfred Kurella genannt, dessen Bruder Heinrich Kurella, ebenfalls ein gläubiger Kommunist,  von einem kommunistischen Schnellgericht wegen „Mitgliedschaft in einer konterrevolutionären Organisation“ ähnlich Hunderttausend anderen gläubigen Kommunisten (wie etwa Boris Bibikow) zum Tode verurteilt und am 28.10.1937 erschossen wurde. Martin Schaad hat uns dazu eine aufrüttelnde, höchst lesenswerte, beunruhigende Untersuchung vorgelegt.
 
 
Eine unausgesprochene Frage durchzieht dieses ganze Buch:
Alfred Kurella! Wo ist dein Bruder Heinrich Kurella?
K! Wo ist dein Bruder?
 
 
 
Albrecht Schöne: Johann Wolfgang Goethe. Faust. Kommentare. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt 1999, S. 401
 
Facebook-Auftritt von Andrei Kontschalowskij:
https://www.facebook.com/a.konchalovsky
 
Martin Schaad: Die fabelhaften Bekenntnisse des Genossen Alfred Kurella. Eine biografische Spurensuche. Hamburger Edition, Hamburg 2014, hier bsd. S. 167
 
 
Bild: Wolfgang Mattheuer: Jahrhundertschritt. Skulptur im Hof des Brandenburgisch-Preussischen Hauses der Geschichte, Potsdam. Aufnahme des bloggenden Wanderers vom 04.06.2014
 
 

 Posted by at 14:35
Juni 072014
 

Am 15.2.1830 schreibt Goethe an Zelter, „daß mit jedem Atemzug ein ätherischer Lethestrom unser ganzes Wesen durchdringt, so daß wir uns der Freuden nur mäßig, der Leiden kaum erinnern. Diese hohe Gottesgabe habe ich von jeher zu schätzen, zu nützen und zu steigern gewusst.“

Lethe – der wohltuende Strom des Vergessens. Goethe erinnert sich also wohlweislich der Leiden kaum. Welcher Leiden? Der eigenen, erlittenen, oder derjenigen, die er anderen zufügte? Dieses Kaum-Erinnern – eine hohe Gabe Gottes! Was für ein arges, kantiges, anstößiges Wort hat uns der Alte da wieder einmal hinterlassen! Wo bleibt die Gerechtigkeit, wo bleibt die Buße, wo bleibt die aktive Umkehr? Ist das nicht krank, was Goethe da sagt?

Und doch wird man ganz im Gegenteil krank, wenn man sich immer nur auf die Erinnerung vergangenen Leidens stützt und stürzt. Wenn man den Blick nicht nach oben, nach vorne  erhebt. Ein Extremfall ist es dann, wenn man eigene Leiden, eigene Schuld  aus der Vergangenheit festhält, festklammert und sie als solche dann an Kinder und Enkel weitergibt. Die Vergangenheit droht dann die Gegenwart, mehr noch die Zukunft zu ersticken.

Ein Beispiel für diese durch und durch rückwärtsgewandte, diese in der Vergangenheit erstarrte  Haltung ist der Prediger Johannes Chrysostomos, der nach einem Verbrechen – er hatte eine Jungfrau nach dem Liebeslager einen Felsen hinabgestürzt – gelobte, nie mehr den Blick nach oben zu erheben, ehe ihm eine Jungfrau nicht vergeben und ihn erlösen würde, und der statt dessen auf allen vieren jahrelang durch Gebüsch und Unterholz kroch. Eine Legende nur, gewiss. Lukas Cranach der Ältere hat sie gemalt, man sieht Johannes als mikroskopisch winziges Figürchen neben der strahlend selbstbewussten jungen, modernen Frau. Das meisterliche Gemälde des älteren Cranach hängt unter dem Titel „Junge Mutter mit Kind“  in der Wartburg. Ich bestaunte es am 1. Mai dieses Jahres.

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Auch wir in Arkadien

 Botticelli, Dante, Einladungen, Europäische Galerie, Goethe, Kupferstichkabinett  Kommentare deaktiviert für Auch wir in Arkadien
Juni 062014
 
2014-06-02 11.59.22
Königin Luise 2014-06-01 13.55.09
Meine lieben Leser, es herrscht eine unglaubliche, geradezu arkadische Ruhe und Heiterkeit hier in der Stadt! Übermorgen werde ich eine Museumsführung und eine Dichterlesung mit Dante und Goethe veranstalten. Hier ist meine Einladung:
Kain, auch du in Arkadien?
Wölbt sich des bunten Bogens Wechsel-Dauer
Bald rein gezeichnet, bald in Luft zerfließend

Goethe, Faust, V. 4722f.
Liebe Freunde, liebe Kinder, die Gestalt Kains begegnet mehrfach im irdischen Paradies Arkadien. Warum ist das so? Gibt es nach schwerster Schuld einen Neuanfang?
Ausstellung
Arkadien. Paradies auf Papier. Landschaft und Mythos in Italien
Kupferstichkabinett, Kulturforum Berlin-Tiergarten
Unser Treffpunkt: Pfingstsonntag, 8. Juni 2014, nachmittags 15.30 Uhr vor der Königin-Luise-Statue auf der Luiseninsel im Tiergarten, Berlin
Ohne Dante mit Eichhörnchen spielen die Kleinen:
– Finde den Weg durch das Labyrinth der Liebe des Guadagno!
– Zeichne das Eichhörnchen des Marcantonio Raimondi ab!
– Wie viele Saiten hat die Lira da braccio des Gottes Apoll?
Mit Dante ohne Eichhörnchen besprechen die Großen:
1. Buch Mose, Kapitel 4, Vers 1-16
Wir tragen vor:
– Dante Alighieri: Divina Commedia, Purgatorio, canto XXVIII (in italienischer Sprache)
– J.W. Goethe: Faust, Anmutige Gegend, Verse  4613-4727 (in deutscher Sprache)
Wir betrachten einige Drucke im Katalog der Ausstellung, vor allem:
– Agostino Veneziano: Allegorie der Vertreibung aus dem Paradies und das Opfer Abels
– Cristofano di Michele, genannt Robetta: Adam und Eva mit Kain und Abel
– Sandro Botticelli: Das irdische Paradies. Dante und Matelda
– Giulio Campagnola: Die Buße des hl. Chrysostomus
Anschließend gehen wir nach kurzem Fußweg etwa um 16.30 Uhr in die Ausstellung „Arkadien – Paradies auf Papier“ im Kupferstichkabinett am Kulturforum.
Johannes
P.S.: Es ist ein lockeres privates Treffen ohne beruflichen Anspruch. Kinder jedes Alters sind willkommen.
Eintritt in die Ausstellung für Erwachsene:
6.-, ermäßigt €  3.-
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre: Eintritt frei
Haltestelle Bus 200 Haltestelle Philharmonie
Bus M 29 Haltestelle Gedenkstätte Deutscher Widerstand
S-Bahn oder Bahn Potsdamer Platz
Bild: Die Statue der Königin Luise
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