„Ach du aufgeblasener … Fahrradaufstellstreifen“

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März 152010
 

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Was ihr da seht, das nannte man früher einen aufgeblasenen Fahrradaufstellstreifen! Hättet ihr’s gewusst?  Dieser hier ist in Düsseldorf zu sehen. In Berlin-Mitte gibt es sie recht prominent etwa an der Einmündung der Oranienburger Straße in die Friedrichstraße. Probiert es mal aus, fahrt mit euren Fahrrädern hin!

Fahrradfreundliche Straßen: Planungsbeispiele Südliche Friedrichstadt in Berlin

Am kommemden Mittwoch, 17.03.2010, 17 Uhr tagt das nächste Mal der bezirkliche FahrRat Friedrichshain-Kreuzberg! Alle Sitzungen sind öffentlich, es lohnt sich, dieses Gremium durch eure Anwesenheit zu beehren! Wo? Rathaus Kreuzberg, Yorckstraße 4-11, Raum 2051. Da geh ich selbst natürlich auch hin!

Noch einmal schaue ich in meine Notizen von der letzten Sitzung! Ich ziehe folgende Bilanz:

Recht weit war das verkehrspolitische Denken schon in unserem Bezirk vor 23 Jahren. Wolfram Däumel vom ADFC hielt bei der letzten Sitzung des bezirklichen FahrRats Friedrichshain-Kreuzberg eine sehr ansprechende Präsentation über die Probleme der Ost-West-Querung in der Südlichen Friedrichstadt, wie sie 1987 in einer von ihm und anderen Autoren verfassten Broschüre zur Internationalen Bauausstellung (IBA) aufgearbeitet worden waren. 

In seinem Vortrag stellte Däumel Damals-Heute-Vergleiche an, die er durch aktuelle Fotos untermauerte. Daran schlossen sich kurze Besprechungen einzelner Punkte an.

Die 1987 erarbeitete Broschüre ist heute im Internet abrufbar unter der Adresse:

http://www.däumel.de/WD/Radverkehr/IBA87/

 Allgemeine Themen, die damals, 1987, schon in der Luft lagen:

1.       Radwege auf Bürgersteigen?  Können eine Verschlechterung der Situation des Radverkehrs bedeuten. Denn es kommt häufig zu Konflikten zwischen Radfahrern und den Fußgängern. Bürgersteigradwege stellten also bereits 1987  – selbst wenn sie zu Fahrradrouten gehören – nicht grundsätzlich eine Verbesserung dar.

2.      Sinnvolle Fahrradrouten ermöglichen den Radfahrenden das Durchfahren längerer Strecken auch ohne besondere Ortskenntnisse. Mit ihrem deutlich erkennbaren Leitsystem sind sie ein wichtiger Bestandteil der Fahrrad-Infrastruktur.

3.     Wichtige Kriterien guter Radverkehrsführung: Einbeziehung ruhigerer Nebenstraßen, Wegweisung für Radfahrer, auf Hauptverkehrsstraßen Radfahrstreifen von 2 m Breite.

4.      Bereits damals (1987) wurden wichtige Neuerungen und Verbesserungen gefordert und erklärt: Radfahrstreifen, vorgezogene Aufstellflächen (damals: „aufgeblasener Fahrradaufstellstreifen“ genannt), Abstellbügel (die heutigen „Kreuzberger Bügel“), die „Fahrradstraße“.

U11032010001.jpg Und das hier sind vorbildliche Anlehnbügel … gesehen vor der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin-Mitte. Ein Vorbild auch für die Konrad-Adenauer Stiftung, die Friedrich-Naumann-Stiftung, die Hanns-Seidel-Stiftung, die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Rosa-Luxemburg-Stiftung? Haltet euch ran! Lehnt euch daran an!

 

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Ist Friedrichshain-Kreuzberg reich?

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Feb. 282010
 

560 Millionen im laufenden Haushalt – das ist viel Geld. Also ist Friedrichshain-Kreuzberg reich? Wir mutmaßten dies vorhin. Auch weil Geld für Straßenumbenennungen ausgegeben wird.  Falsch! Die BVV hat dem Haushaltsplan für die Jahre 2010/2011 nicht zugestimmt. Man könne den vorgesehenen Einschnitten nicht zustimmen. Somit unterliegt der Bezirk weiterhin der Haushaltswirtschaft durch das Land Berlin.

Der Bezirk hängt am Tropf des Landes Berlin. Ist er eine Kolonie geworden? Wer beutet da wen aus?

BÜNDNIS90/Die Grünen Friedrichshain-Kreuzberg – Bezirk spart sich den Haushalt
Friedrichshain-Kreuzberg hat für 2010 einen Haushalt in Höhe von rund 560 Millionen Euro. Der Bezirk kann nur über einen kleinen Teil von etwa sechs bis acht Prozent frei verfügen; der Rest sind Durchlaufposten, etwa für Transferleistungen wie Sozialhilfe oder Wohngeld. Obwohl der Bezirk schon heute in vielen Bereichen Einsparungen vornehmen musste, verbleiben wegen der unzureichenden Zuweisungen des Landes Berlin weitere Kürzungen in Höhe von rund sechs Millionen Euro allein für das Jahr 2010.

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Feb. 252010
 

Der Traum jedes Vermieters in wirtschaftlich schwachen Zeiten und wirtschaftlich schwachen Lagen ist es, wenn das Sozialamt die Miete direkt zahlt. Denn der Staat ist ein verlässlicher Zahler, die Gefahr, dass hohe Mietausfälle wegen zahlungsunfähiger Mieter auflaufen, besteht nicht. Hunderttausende von Wohnungen wurden in West-Berlin im sozialen Wohnungsbau errichtet, die beteiligten Unternehmen waren bestens in die Politik hinein vernetzt, aus dieser Vernetzung ergaben sich riesige Gewinn- und Einnahmemöglichkeiten, zahlreiche Posten und Pfründen. Dieses System der sozialen Wohnwirtschaft war im alten West-Berlin ein Freifahrtschein zur Selbstbedienung aus den öffentlichen Kassen. Eines der Ergebnisse dieses Wildwuches ist die horrende Staatsverschuldung des Bundeslandes und das Schaffen von „Sozialghettos“ in Bezirken wie Kreuzberg (Kottbusser Tor!), Neukölln und Wedding.

Ein Musterbeispiel dafür stellt auch die Auseinandersetzung um den Fanny-Hensel-Kiez dar – also die Wohngegend, die ich seit Jahren bestens kenne und  der ja auch unsere Fanny-Hensel-Grundschule zugewiesen ist. Das berichtete gestern die Morgenpost:

 

Rund 28.000 Berliner Mietern von ehemaligen Sozialwohnungen droht der Auszug aus ihrer Wohnungen, wenn ihr Vermieter nach Auslaufen der Förderung für den sozialen Wohnungsbau die Kostenmiete in voller Höhe verlangt. In der Fanny-Hensel-Siedlung in Kreuzberg etwa sollen die Mieter 7,03 Euro statt zuvor 5,33 Euro pro Quadratmeter zahlen und haben die Kündigungen erhalten. Die Mieter kämpfen seit Wochen gegen hiergegen.

Der Berliner Kurier ist schnell mit einem Wort zur Hand, wenn es um das Gebaren des Vermieters geht: „Gier-Vermieter“ – und dies allein deswegen, weil der Vermieter seine Kosten hereinholen will. Der Besitzer fordert eine kostendeckende Miete.

Schimmelhaus-Mieter verloren ihren letzten Kampf – Berlin – Berliner Kurier
Nur ein Wunder kann jetzt noch verhindern, dass die sozial schwachen Bewohner bis 30. April ausziehen müssen. Ohne Zuschüsse, wenigstens für ein paar Monate, droht einigen sogar die Obdachlosigkeit. Mieter-Sprecher Sebastian Jung (35): „Obwohl die Senatorin das Gegenteil sagt, bieten die Wohnungsbau-Gesellschaften keinen Ersatz in der Nähe.“ Die Folge wäre die Zerschlagung eines lebendigen Multi-Kulti-Kiezes.

Ein lebendiger Multi-Kulti-Kiez? Darüber darf geschmunzelt werden … Die Fanny-Hensel-Siedlung ist das lehrbuchmäßige Musterbeispiel eines sogenannten Sozialkiezes – manche sprechen von „Sozialghetto“. Es fehlt vollkommen die soziale Durchmischung! Wo sind die deutschsprachigen Familien? Die ursprünglich aus arabischen Ländern stammenden Familien sind dort leider weitgehend unter sich. Die türkischen Familien, die Arbeit finden, ziehen von hier weg. Die anderen Familien, die Arbeit finden, werden von hier wegziehen.

Der Fanny-Hensel-Kiez braucht die Durchmischung. Dorthin müssen unbedingt auch eigenes Geld verdienende Menschen ziehen. Es ist immer schlecht, wenn alle oder fast alle Menschen eines Kiezes dauerhaft von Sozialhilfe leben. Von einer besseren Durchmischung profitieren alle, nicht zuletzt die Kinder, die dort aufwachsen.

Lehrbuchbeispiel Schimmelwohnungen: Sobald der freie Markt  einzieht, sobald die komplette Belegung mit Sozialmietern aufhört, wird sich das Schimmelproblem lösen, denn verschimmelte Wohnungen lassen sich auf dem freien Markt nicht vermieten, der Besitzer muss die Wohnungen auf eigene Kosten sanieren und dann zu vermieten versuchen.

Schlechte Wohnungen, verschimmelte Wohnungen wurden in West-Berlin routinemäßig zu überhöhten, nicht marktfähigen Preisen an sozial schwache Mieter losgeschlagen. Das hatte System, die Miete übernahm das Amt. So profitierten die Bauträger, die Vorstände der öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften und nicht zuletzt die politische Macht-Elite West-Berlins, die ja ohne die Verquickung mit der Bauwirtschaft nicht zu verstehen war.

Durch den von den West-Berlinern nicht erwarteten Fall der Mauer wurde der alten West-Berliner Macht-Elite die Geschäftsgrundlage zerstört: Die üppigen Subventionen aus West-Deutschland entfielen rasch, es gab auf ein Mal viel weniger zu verteilen. Die politische Elite erkannte dies zu spät und versuchte noch die eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen. Die Zeche für jahrzehntelange öffentliche Misswirtschaft zahlen wir Bürger heute. Sie hat eine Zahl: 60 Milliarden Staatsschulden im Bundesland Berlin.

Das subventions- und korruptionsgestützte System der wechselseitigen Vorteilsnahme wird jetzt, 20 Jahre nach dem Mauerfall, mühselig abgebaut.

Die Einführung von mindestens kostendeckenden Mieten ist notwendig, um den Fanny-Hensel-Kiez zu einem Multi-Kulti-Kiez werden zu lassen. Ich meine: Mindestens einige deutsche Familien sollen wieder im Fanny-Hensel-Kiez wohnen oder dorthin zurückkehren, die türkischen Familien mit eigenen Einkünften sollen zurückkehren.

Die Mischung macht’s! Sozialghettos, wie wir sie jetzt haben, sind nichts Gutes.

Hierbei sollte die zuständige Senatorin Junge-Reyer sich nicht durch den Vorwurf der sozialen Kälte ins Bockshorn jagen lassen.

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Nimm Hack und Spaten: Wir brauchen Eisbrecher!

 Friedrichshain-Kreuzberg, Unverhoffte Begegnung, Vorbildlichkeit, Was ist deutsch?  Kommentare deaktiviert für Nimm Hack und Spaten: Wir brauchen Eisbrecher!
Feb. 212010
 

03022010002.jpg Am heutigen Vormittag nahmen wir in der Universität der Künste (UdK) stolz die Siegerurkunde für „Jugend musiziert“ in Empfang! Es gab ein großartiges Konzert einiger der Preisträger.

Darauf folgte nach dem Mittagessen der Siegerfamilien wieder ein schöner Schlittennachmittag am Kreuzberg mit einigen Kindern – deutschen, russischen, türkischen, einem japanischen Kind. Das waren alles deutsche Kinder. Sie leben hier. Sie sprechen deutsch. Also sind es deutsche Kinder. In Kreuzberg.

Eine gute Nachricht schrieb auch gestern Cem Özdemir direkt als Kommentar in dieses Blog: Er ist wirklich ein Kreuzberger Mitbürger, wohnt hier, hat hier – entgegen meinen irrtümlichen Vorstellungen – seinen alleinigen Wohnsitz. Das freut mich natürlich besonders, denn ich meine, wir brauchen hier genau das: Zuziehende Familien von außerhalb mit Kindern. Familien, die erkennen, dass es sich lohnt hierherzuziehen.

Ich freue mich über Familien, die Wohlstand und Geld hierherbringen. Es müssen ja nicht gleich Car-Lofts sein. Ich begrüße in Kreuzberg Familien mit guten Kenntnissen im Deutschen und anderen Sprachen, mit interessanten Berufen. Ich begrüße gut ausgebildete, beruflich erfolgreiche Eltern, die dann ihre Kinder hierher in die staatlichen Kitas und Grundschulen um die Ecke schicken. Ohne Auto. Zu Fuß. Mit dem Fahrrad.

Einfach hier um die Ecke, und da um die Ecke! Weil es sich lohnt, hier in Kreuzberg gemeinsam etwas aufzubauen. Ich bin für die Durchmischung der Milieus. Es soll nicht sein, dass in Gegenden wie rings um den Kotti nur Drogen, nur Arbeitslosigkeit, nur Perspektivlosigkeit und kulturelles Vakuum vorherrschen. Dem ist nicht so, dem war nicht so! Aber der Anschein drohte!

Özdemir nennt diese Menschen die „Eisbrecher“. So berichtet es Armin Laschet in seinem Buch „Die Aufsteigerrepublik“ auf S. 146.  Am 30.06.2009 und am 25.07.2009 – also vor dem Erscheinen von Laschets Buch – erzählten wir bereits in diesem Blog von Menschen wie Mesut Özal – Menschen, die sich bewusst für dieses Land entschieden haben, obwohl ihnen auch eine zweite Option offenstand.

Diese bewusste Entscheidung für dieses Land – die scheint mir genauso wichtig wie die Entscheidung für diesen Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.  Ich wünsche mir mehr Menschen, die sich bewusst für dieses Land entscheiden. Ich wünsche mir mehr Menschen, die sich bewusst für diesen Bezirk entscheiden. Es lohnt sich! Denn das Eis wird und muss tauen. So dick kann gar kein Eispanzer sein.

Wie sagt doch Goethe: „Nimm Hack und Spaten! Grabe selber!“

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Der Reißwolf frisst alles – das Netz vergisst nichts

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Feb. 212010
 

Kein Gutachten kann den politischen Willensbildungsprozess ersetzen. Das tritt in aller Deutlichkeit wieder einmal zu Tage. Die taz berichtet: Das vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg  beauftragte Planungsbüro zieht das Gutachten zurück, mit dem der Bezirksbürgermeister Schulz den Weiterbau des Stadtrings heldenhaft von unserem kleinen bedrängten Sozial-Eiland, genannt Kreuzberg, zurücktreiben wollte. Die Daten stimmten hinten und vorne nicht, das Honorar für die getürkte Faktensammlung hat die Firma angeblich schon zurückgezahlt. Es war offenkundig eines jener Gefälligkeitsgutachten, mit denen Politiker gerne ihre Klientelinteressen zu begründen suchen.

Mit Daten lässt sich trefflich streiten,
Mit Daten ein Gericht bereiten!
Dem Volk wird’s eilig angericht’t,
Der Koch, dem schmeckt es selber nicht.

A 100: Gutachten aus der Bahn geworfen – taz.de
Doch nun hat die Gesellschaft ihr Gutachten zurückgezogen. Mit einem Schreiben, das der taz vorliegt, teilt sie dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mit, das gezahlte Honorar sei bereits zurück überwiesen worden. „Die ausgelieferten Exemplare führen Sie bitte der Aktenvernichtung zu.“

Der Regionalleiter der Ingenieursgesellschaft, Josef Salm sagte, das Gutachten sei mit veralteten Daten entstanden, „die wir nicht hätten akzeptieren dürfen“.

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Feb. 202010
 

20022010001.jpg Einen herrlichen zweistündigen Winterurlaub verbrachten wir heute auf einem der höchsten Berge unseres Bundeslandes, dem Kreuzberg. Schaut euch das herrliche Bild an! Der Schnee war rekordverdächtig schnell – die Bahn aber teilweise vereist, so dass ohne Spikes an den Füßen ein Bezwingen dieses Berges nur über Umwege möglich war.

Auf dem Rückweg kamen wir wieder durch die Großbeerenstraße. Gestern hatten wir dort über die in 4 Reihen parkenden Autos berichtet. Es stimmt: Die Autokonjunktur hat geboomt, der Fahrspaß kann sich in dieser Straße wie sonst auch austoben, die Fahrradstreifen werden mit Wonne zugeparkt. Die Abwrackprämie entfaltet jetzt ihre Wirkung: die Autos wirken mehrheitlich neu und gepflegt.

Spiegelbildlich verkehrt zum Blühen des Autoverkehrs verzeichnen wir das Sterben der kleinen Geschäfte, der kleinen Lokale und Theater in der Großbeerenstraße. Allein auf einer Strecke von 100 m sah ich 7 der verräterischen roten Schilder: „Zu vermieten“. Das in diesem Blog am 28.02.2009 angekündigte Sterben der kleinen Geschäfte und Bühnen hat sich in erschreckender Deutlichkeit bewahrheitet. Die Entmietungswelle der Gewerbeflächen hat voll eingesetzt. Viele Läden und Geschäfte, in denen wir in diesem Blog berichtet haben, gibt es nicht mehr. Einige sind weggezogen, die meisten haben wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten aufgegeben. Vom Staat durch gezielte Lobby-Politik angeregt, legen die Leute ihr Geld lieber in neuen Autos und in Benzin an statt in Theaterbesuchen, Einkäufen vor Ort und Neuanschaffungen von den hiesigen Künstlern.

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Gekommen ist: die 2. Reihe der parkenden Autos, mehrere mit dem Auto gut zu erreichende Discounter (Aldi, Lidl) in der weiteren Umgebung des Kreuzbergs.

Ersatzlos verschwunden aus unserem unmittelbaren Umfeld sind mittlerweile: 1 Teehandlung, 2 kleine Privattheater, 1 vegetarisches Restaurant, 1 Optiker, 1 kleiner Lebensmittelladen, 1 Reformhaus, 1 Eckrestaurant. Die Ladenimmobilien stehen jetzt leer.

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Was hier in Kreuzberg-West geschieht, ist bezeichnend: Die Erfahrung der Nähe droht verlorenzugehen.  Der öffentliche Raum wird stärker durch Autos und weniger durch kleine Betriebe bestimmt. Wenn nicht einmal die Grundschüler zu Fuß zur Schule gehen können, wird die Stadt noch stärker von der Begegnungsfläche der Menschen zur Fahrfläche der Autos.

Das eigentlich Städtische, also die hochverdichtete Nähe von Wohnen, Arbeiten, Gewerbe, Freizeit und Schule wird zersetzt, und zwar auch durch die falschen Anreize, die die Politik setzt – von der lobbygesteuerten autofreundlichen Konjunkturpolitik der vorigen Bundesregierung bis hinab zur klientelangepassten Schulpolitik der Bezirksregierung.

Dem müssen wir entgegenwirken!

 Posted by at 18:44
Feb. 172010
 

13022010.jpg Als Quelle zahlreicher Fehler und Irrtümer unserer Sozialpolitik meine ich einen Missstand ausmachen zu können: Die uns regierenden Leistungs-Eliten aus den 5 Parteien, den Gewerkschaften, den Instituten und Behörden kennen die Lebensrealität nicht, über die sie urteilen. Sie wohnen woanders, sie schicken ihre Kinder in andere Schulen, sie verbringen ihre Freizeit woanders als beispielsweise wir armen Kreuzberger.

Lest diese Spiegel-Meldung:

Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens seines Landes zur Verfügung hat; so hat es die Europäische Kommission festgelegt.

Neue Studie: Zahl der Armen in Deutschland wächst rasant – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wirtschaft

Bezeichnend ist das Bild, das diesem SPIEGEL-Artikel beigefügt ist: Wir sehen 2 Schulkinder in einem frisch gestrichenen Treppenflur, die vor verschlossener Tür sitzen und Hausaufgaben machen. Darunter der erbarmenheischende Satz:

Familien mit Kindern sind stärker von Armut betroffen

Was soll denn das? Diese Kinder sitzen auf der Treppe, sie wirken nicht unterernährt, sie sind wohlgekleidet. Offenkundig macht ihnen niemand die Tür auf. Sie sind vielleicht vernachlässigt, weil die Eltern beide sich nicht um die Kinder kümmern. Aber sind sie arm?

Der SPIEGEL-Artikel zeigt, wie subtil die Medien unsere Wahrnehmung beeinflussen. Insbesondere durch die bildliche Darstellung von Kindern lässt sich immer Mitleid, Mitgefühl und Zahlungsbereitschaft herstellen.  „DIE ARMEN KINDER!“, so entfährt es uns, wenn wir dieses Bild sehen. Na, wie geht es euch damit?

Viele von denen, die so vehement für „die Armen“ streiten, dürften noch nie einen ganzen Tag in einem „Armen“-Haushalt verbracht haben. Die professionellen Armutsbekämpfer haben sich durch die willkürliche Festlegung der Armutsgrenze einen Freifahrtschein für lebenslange Arbeitslos-losigkeit beschafft. Denn es ist beim EU-Armutskriterium ausgeschlossen, dass die Armut je ausgehen wird. Das lehrt ein Blick auf die Gauss-sche Normalverteilung!

Jeder sollte wissen, dass ein Arbeitsloser in den EU-Staaten etwa 50% eines Durchschnitts-Einkommens aus Beschäftigung zur Verfügung hat. Mit 3 oder 4 oder auch 10 Kindern und einem Ehepartner lässt sich das Einkommen schnell auf dieselbe Höhe und darüber hinaus bringen. Schwarzarbeit und Täuschung der Behörden ermöglichen es mit ein bisschen Geschick jedem, der effektiven „60%-Armut“ zu entgehen. Das kann man alles lernen, dafür gibt es Beratung in vielen Sprachen.

Dennoch plaudert die EU unablässig weiter davon, dass jeder, der offiziell weniger als 60% eines Durchschnittseinkommens hat, „armutsgefährdet“ oder regelrecht „arm“ sei. Das ist ein logischer Unfug, der schnellstens bendet werden sollte.

Ich selbst wohne in einem der nachweislich ärmsten Quartiere Berlins mit den ungünstigsten Sozialdaten, mit der absolut höchsten Ausländerquote Berlins. Ich wünsche den Experten, die weiterhin von Massenarmut faseln, einen längeren Aufenthalt bei uns in meinem Kreuzberger Quartier  – wir haben hier mit die „schlechtesten“ Sozialdaten ganz Berlins, vielleicht ganz Deutschlands. Dennoch gibt es hier keine Armut! Niemand friert, niemand hungert, alle Kinder können kostenlos zur Schule gehen und haben so alle Chancen zu einem selbstbestimmten Leben. Denn unsere Schulen sind gut. Mit Fleiß und Tüchtigkeit kann jedes Kind es zum Abitur, kann jedes Kind es zum Studium schaffen. Jedem steht hier die Partizipation frei. Alle Haushalte haben TV-Anschluss und die meisten haben Satellitenfernsehen. Jeder kann die kostenlosen BVV-Ausschuss-Sitzungen besuchen und für seine politischen Ziele kämpfen.

Im Vergleich zu den Herkunftsländern Türkei, Syrien, Libanon, Ex-UDSSR schwelgen wir hier alle  – ob nun Deutsche oder Nicht-Deutsche – in üppigem Überfluss. Deshalb wächst die Zahl der „Armen“ auch von Jahr zu Jahr. Durch das jüngste Hartz-IV-Urteil des Bundesverfassungsgerichts wird die Sogwirkung unseres Sozialsystems auf heiratsfähige Menschen in den Mittelmeerländern noch einmal kräftig ansteigen. Und die Lobby der „Armen“ redet uns weiterhin erfolgreich ein, dass ihre Mündel „arm“ seien. Also muss noch mehr Geld ausgeregnet werden.

Das Problem ist nicht die vermeintliche, in Wahrheit nicht existierende Armut. Das Problem ist hier in Kreuzberg und in vielen anderen „benachteiligten“ Wohngebieten, dass es keine Anreize gibt, aus dem Sozialstaats-Kokon herauszuwachsen.  Es gibt keinen Anreiz, der Arbeit hinterherzuziehen, es gibt zu wenig Anreiz, ordentliches Deutsch zu lernen. Es ist alles bestens geregelt.

Ich habe übrigens das volle Recht, mich als einen der Ärmsten zu bezeichnen. Denn: Wir besitzen keinen Flachbildfernseher, keine Satellitenschüssel und kein Auto. Damit gehören wir automatisch zu den ärmsten 20% der deutschen Gesellschaft.

Außerdem wurden uns schon mehrere Fahrräder und ein Schlitten geklaut. „Fahrradklau trifft die Ärmsten“ – wie aus dem obigen Bild mit einer Kreuzberger Verlautbarung zweifelsfrei hervorgeht. Also gehören wir automatisch zu den Ärmsten. Wir sind die Ärmsten! Glaubt es uns!

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Brauchen wir eine Volksschule für Deutsche und Ausländer?

 Aus unserem Leben, Friedrichshain-Kreuzberg, Gute Grundschulen, Sezession  Kommentare deaktiviert für Brauchen wir eine Volksschule für Deutsche und Ausländer?
Feb. 112010
 

„Das gab es damals nicht!“ So sprechen die Alten häufig. Wir belächeln sie dann. Doch auch ich sage es beim Rückblick auf meine Volksschulzeit: „Das gab es damals nicht!“ Was gab es nicht? „Dass die Eltern ihre Kinder vorwiegend mit dem Auto in die Grundschule, die damals Volkschule hieß, brachten.“ Und doch ist dies jetzt in meinem angeblichen Armutsviertel Kreuzberg der Fall. Oben seht ihr eine typische Szene auf unserem Weg zu unserer Ausländer-Grundschule: vor der näher gelegenen Deutschen-Schule setzen die guten deutschen Eltern ihre sechs- bis zehnjährigen Kinder aus dem Auto ab. Es ist eine besondere Schule – für besondere Kinder – die bildungsbewussten deutschen Kinder. Der Verkehr staut sich auf allen vier Spuren – aufgenommen an einem ganz normalen Schultag in einem allerdings unnormalen Winter.

Wir ziehen unseres Wegs weiter zur Ausländer-Schule. Auch hier kommen viele Kinder mit dem Auto. Allerdings sehe ich keinen Prius, keinen Renault Kangoo, die ökologischen Schlitten, wie sie die guten Deutschen bevorzugen, sondern mehr BMW, Daimler und Großraum-Vans. Die typischen Ausländer-Schlitten!

Es ist eine mich immer wieder verblüffende Tatsache, wie stark die deutschen und ausländischen Grundschüler in Kreuzberg bereits von Klasse 1 an voneinander separiert werden. Hier die deutschen, da die ausländischen! Die Eltern wollen es offenbar so. Und so erlebe ich denn Morgen um Morgen, wie in die Grundschulen meiner Nachbarschaft die Eltern ihre Kinder mit dem PKW aus anderen Stadtteilen heranbringen. Und zwar sowohl die Ausländer wie die Deutschen!

Wir selbst wollten damals bei der Einschulung in eine der drei in der Nachbarschaft gelegenen Grundschulen. Nachbarschaftliche Beziehungen, Freundschaften sollten wachsen und gepflegt werden. Umsonst. Wir wurden nicht genommen.  Die Deutschen hatten schon alle Plätze ergattert. So haben wir jeden Tag einen recht weiten Schulweg hin zur Ausländerschule und zurück, den wir teils mit dem Fahrrad, teils mit dem tiefergelegten Sportschlitten, teils auch einfach Fuß zurücklegen. Dort sind wir mit den anderen Ausländern zusammen.

Das ist übrigens unser neuer Sportschlitten (der vorige aus Holz gemachte ist uns vor 1 Woche aus dem Hausflur gestohlen worden):

Wir hatten die Aufstellung für die richtigen Startplätze ins Leben verpasst. Gut, dass mein Junge sowohl in die Deutschen- wie in die Ausländer-Schule passt. Er hat die doppelte Staatsbürgerschaft.

Hier sage ich nun klipp und klar: Ich finde das niederschmetternd, dass unsere Kinder vom Schuljahr 1 im Armenhaus der Republik, in Kreuzberg, schon so stark separiert werden. Und zwar mithilfe des Elterntaxis. Das gefällt mir nicht. Ich bin für die Volksschule! Ich bin für die demokratische Einheitsschule in fußläufiger Entfernung. Schon aus ökologischen Gründen. Das ist doch Wahnsinn, dass für kleine Kinder jedes Jahr hunderte von Euro für Benzin verfahren werden, nur damit sie nicht in die Grundschule an der Ecke gehen. Ich wünsche mir gemeinsames Lernen von Klasse 1 an!  Mindestens für vier Jahre, bitte bitte! Gerne auch länger! Was habt ihr Deutschen gegen uns Ausländer??? Ihr guten guten Deutschen!! Sagt es uns!

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Im Problemgebiet tiefrot

 Friedrichshain-Kreuzberg, Sezession, Willkommenskultur  Kommentare deaktiviert für Im Problemgebiet tiefrot
Jan. 212010
 

Sozialstudie: Kreuzberg fällt durch

Jetzt wissen wir es also: Wir leben in einem „Problemgebiet“.  Ganz Kreuzberg, außer dem schicken Bergmannkiez, gehört zu den 5 Berliner „Problemgebieten“mit dem niedrigsten Entwicklungsindex. Ich selber wohne übrigens im „blauen“ Gebiet Nr. 11 (Großbeeren- und Obentrautstraße) in der Karte, die sich im obigen Link öffnet, und unser Sohn geht zur Schule im tiefroten Gebiet Nr. 1 (Anhalter Bahnhof, Stresemannstraße). Wir kreuzen also jeden Tag zwei Mal die Grenze zwischen blau und tiefrot.

Bezirksbürgermeister Franz Schulz fordert eine Bildungskampagne vor allem für die „Kinder mit Migrationshintergund“. Gemeint sind also die arabische Kindermehrheit und  die türkische Kinderminderheit in unserem Bezirk Nr. 1. Da ja die deutschen Eltern ihre Kinder fast nicht mehr in tiefrote Gebiete (wie unser Nr. 1) schicken, sehe ich mich als Blogger in der Berichtspflicht!

Ich schließe mich der Forderung des Bürgermeisters an. Allerdings meine ich: Was soll die Schule denn noch alles machen! Die Bildungskampagne läuft doch längst! Ich wünsche mir, dass recht viele Menschen an unserer Schule Anteil nehmen, dass endlich auch die deutschen Eltern erkennen, dass sie uns etwas bringen können. Wir sind doch keine Asozialen, oder?

Die „Bildungskampagne“ müsste das große Rad schlagen! Warum haben unsere Kinder im tiefroten Gebiet Nr. 1 keine Lesebücher? Warum haben sie keine Schulbücher, sondern nur lose Blätter? Warum sind die Lehrer so oft krank? Warum fallen so viele Stunden aus? Was sollen unsere Kinder lernen?

Deutsche Eltern, zieht nicht aus Kreuzberg weg, beendet den umweltschädlichen Bildungstourismus, schickt eure Kinder zu uns – in den Problembezirk 1! Wir haben tolle Schulen! Wir werden euch mit offenen Armen empfangen! Ihr dürft euren Kindern ruhig Salami mit aufs Pausenbrot legen!

 Posted by at 21:52
Jan. 202010
 

Als eines der wenigen nichtmuslimischen Kinder an seiner Schule erfährt unser Sohn sich immer wieder in der Außenseiterposition.

„Papa, warum sagen alle Kinder iiih, wenn ich ein Salamibrot esse?“, fragte er uns heute.  Dann müssen wir ihm geduldig erklären, dass für die muslimischen Kinder alles Schweinefleisch unrein ist und Ekel erzeugt. Wir tun dies – noch – gelassen, noch mit Humor.

Diese unbeugsame, starke Einwurzelung muslimischen Reinheitsdenkens, diese Einteilung in halal – rein – und haram – verboten – schon bei den kleinen muslimischen Kindern  ist etwas mich Überraschendes. Vor 20 Jahren, als mein älterer Sohn hier in Kreuzberg zur Grundschule ging, war das noch nicht so stark. Aber wir haben ja auch einen anderen Kreuzberger Islam als vor 20 Jahren!

Die Berliner Grundschulen leisten Hervorragendes, sie erziehen – soweit ich das beurteilen kann – die muslimischen Kinder der Mehrheit zur Toleranz gegenüber all denen, die in ihren Augen Verbotenes essen, Verbotenes tun.  Aber dennoch bricht das Vorurteil immer wieder hervor!

Sollen wir aufhören, unserem Sohn Salamibrötchen mitzugeben, damit er nicht mehr Ekelgefühle bei der Kindermehrheit hervorruft? Ein heikles Thema!

 Posted by at 15:00

Achtungserfolg

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Jan. 162010
 

Kleiner Achtungserfolg für meine Wettbewerbskandidatur: Ich erhalte bei der Wahl des Kreisvorsitzenden der CDU Friedrichshain-Kreuzberg 13 Stimmen, der von der Wahlfindungskommission empfohlene Kandidat Kurt Wansner MdA erhält 35 Stimmen, 2 Enthaltungen, 1 ungültig.

Ich gratuliere als einer der ersten dem klaren Sieger der Wahl.

 Posted by at 14:43
Jan. 142010
 

Unter das herrlich doppeldeutige Motto Umdenken werde ich meine Bewerbungsrede am Samstag stellen. Denket um, das ist ja das große Leitwort Johannes‘ des Täufers, meines Namenspatrons.

Schon einige Wochen habe ich aus keiner Rede des Bundespräsidenten mehr zitiert. Aber genau jetzt hat er wieder eine Rede gehalten, die ausgezeichnet zu einem Schwerpunkt meiner Bewerbung passt: zur Umgestaltung des städtischen Raumes. Ich werde fordern, dass Friedrichshain-Kreuzberg zu einem Fahrrad-Modellbezirk entwickelt wird. Johannes der Täufer hätte das zwar abgelehnt. Das Fahrrad wäre ihm als Luxus erschienen. Er ging stets zu Fuß. Aber wir brauchen weiterhin eine hochwertige, flexible und effiziente Mobilität in den Städten. Busse, Taxis und Bahnen allein werden das nicht sichern können. Auch das Fahrrad muss hinzukommen. Und ab und zu ein knallrotes Automobil;-)

Ausgerechnet bei einer Veranstaltung des ADAC fordert er das Umdenken in der Verkehrspolitik – weg vom Auto, hin zu umweltgerechterer Mobilität. Der Bundespräsident beklagt, dass 80% der Arbeitnehmer mit dem Auto zur Arbeit fahren.

Eigentlich würde so eine Rede besser zum ADFC passen, aber eine solche Rede beim ADFC zu halten, hieße ja, den Fischen Wasser predigen.

ADFC-Leser sollten also die folgende Rede nicht lesen, ADAC-Leser schon.

www.bundespraesident.de: Der Bundespräsident / Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler bei der ADAC-Preisverleihung „Gelber Engel“ 2010
Unser Planet würde es gar nicht aushalten, wenn die Menschen überall auf der Welt so viel im Auto durch die Gegend fahren würden, wie wir das hier bei uns tun. Dann bräuchten wir schon jetzt mehr als eine Erde. Um in Zukunft mobil zu bleiben – und auch, um die Mobilität von Menschen in ärmeren Ländern zu verbessern – müssen wir umdenken. Und zwar grundlegend.

Einfach ist das nicht. Veränderungen fallen den Menschen erstmal schwer. Wir halten gerne an lieb gewonnenen Gewohnheiten fest. Und trotzdem verändern wir uns fortwährend. Denken Sie ein halbes Jahrhundert zurück. Damals konnten vielerorts die Kinder noch auf der Straße spielen. Heute können sie es meist nicht mal mehr auf dem Bürgersteig – zu gefährlich.

Wir haben allmählich hingenommen, wie sehr wir im Straßenverkehr auf unsere Kinder aufpassen müssen und dass Autoabgase unsere Umwelt belasten. Wir haben unsere Freiheit eingeschränkt, um die Freiheit zu gewinnen, spontan mit dem Auto losfahren zu können, wohin wir möchten.

 Posted by at 22:53

Leitbild Friedrichshain-Kreuzberg: Der zusammenwachsende Bezirk

 Altparteien, Friedrichshain-Kreuzberg, Horst Köhler  Kommentare deaktiviert für Leitbild Friedrichshain-Kreuzberg: Der zusammenwachsende Bezirk
Nov. 262009
 

Immer wieder habe ich es meiner eigenen Partei und auch den anderen Parteien ins Gesicht gesagt: „Ihr habt kein Leitbild für unseren Bezirk, ihr bosselt hier herum, ihr werkelt da an einem Schräubchen. Ihr kocht euer Süppchen!“ Aber keine der hier in Friedrichshain-Kreuzberg vertretenen Parteien lässt erkennen, dass sie wirklich an einem guten, umfassenden Modell  bezirklichen Lebens arbeitet, in dem alle sich wiederfinden können. So kommt es immer wieder zum großen Zusammenprall der getrennten Milieus, zum gähnenden Abwinken, zum erregten Disput, in dem jede der Untergruppen ihre und nur ihre Interessen durchzudrücken versucht.

Keine Partei hat es bisher verstanden, die beiden Bezirkshälften im Wahlkampf zu thematisieren oder gar das Zusammenwachsen von Kreuzberg und Friedrichshain als Ziel auszugeben. Dies gilt auch für die Partei, der ich angehöre. Meine Analyse des Wahlausgangs blieb in diesem Punkt unwidersprochen. CDU-intern habe ich ein Papier vorgelegt, in dem ich von „schweren strategischen Fehlern“ sprach, die „wir alle gemeinsam zu verantworten haben“. Wie erwartet, kam das Papier nicht gut an. Es liegt in der menschlichen Natur, die Fehler bei anderen zu suchen. Nicht jeder bringt die Größe auf, eigene Fehler zuzugeben, wie dies etwa Konrad Adenauer tat und wie es erst vor wenigen Wochen wieder Bundespräsident Horst Köhler eingefordert hat.

Aber die Bezirks-CDU hat zum wiederholten Male bundes- und berlinweit die schlechtesten Wahlergebnisse eingefahren. Dafür muss es Gründe geben, und diese Gründe sind in der Partei selbst zu suchen. Ich habe diese Gründe zu benennen versucht.

Ich werde zusammen mit allen, die mitmachen wollen, das Leitbild „Der zusammenwachsende Bezirk“ ausarbeiten und dann bei der nächsten Gelegenheit zur Abstimmung stellen.

 Posted by at 23:18