Verblüffend einfacher Vorschlag des CDU-Landesvorsitzenden Henkel zur Schulreform: Wenn man einfach nicht mehr weiterweiß, – dann lasse man zunächst einmal alles, wie es ist. Man tue nicht so, als hätte man die Ursachen der Misere erkannt und könnte sie mit Maßnahmen ändern.
Schulreform – Berliner CDU-Chef schlägt Bildungsgipfel vor – Berlin – Berliner Morgenpost
Die Verunsicherung muss ein Ende haben, sagte der CDU-Fraktions- und Landesvorsitzende. Wir benötigen kein rot-rotes Geschacher, sondern eine gesellschaftliche Debatte. Ziel sei ein zehnjähriges Moratorium zur Schulreform. Wir wollen, dass der Schulstreit für die nächsten zehn Jahre beigelegt wird und in der Zeit auch keine Veränderungen erfolgen, so Henkel.
Dieser Vorschlag Frank Henkels gefällt mir sehr. Ich meine, er findet breitesten Rückhalt bei Lehrerinnen und Lehrern, bei Schülern und auch bei Eltern. Ich kenne schlechterdings keinen Lehrer, der seine Hoffnungen auf eine Strukturreform setzen würde. Sie wollen RUHE. Sie wollen verschont werden von Bemäntelungen der Ratlosigkeit. Aber nahezu alle sagen: Das Hauptproblem ist die falsche Einstellung bei Eltern und Schülern. Es fehlt an den grundlegendsten Tugenden für sinnvolles Lernen: Fleiß, Beharrlichkeit, Zuverlässigkeit, Höflichkeit. Es fehlt an Ernst, es fehlt an Verantwortung, es fehlt an grundlegendsten Sprachkenntnissen.
Lassen Sie uns überlegen: Wenn alle die richtige Einstellung hätten – würde die Schule dann unter diesen strukturellen Bedingungen gelingen, zu guten Ergebnissen führen? Ich behaupte laut und deutlich. Ja, ja! Ich empfehle, den Vorschlag Frank Henkels anzunehmen.
Guter Artikel über das Wirken der Clans in unserem heimischen Neukölln und Kreuzberg in der Süddeutschen Zeitung! Eindeutig und ohne Umschweife benennt er die Versäumnisse, aber auch die unbegreifliche Blauäugigkeit, mit denen der Staat und seine Vertreter Schritt um Schritt aus ganzen Straßenzügen herausgedrängt worden sind. Besonders gut gefällt mir die Einsicht: „Man hat eine Generation von Beinahe-Analphabeten erzeugt.“ Die Beobachtungen des SZ-Artikels stimmen weitgehend mit den meinen überein. Lesen lohnt. Interessant: Die deutsche linksradikale Szene und die libanesische kriminelle Szene scheinen noch nicht zusammengefunden zu haben. Obgleich sie gemeinsame Interessen zu haben scheinen: Verdrängen und Unterhöhlen der staatlichen Autorität bei gleichzeitiger Einnistung in Empfängerstrukturen. Viele leben von Staatsknete, und man verhöhnt diesen Staat dennoch unentwegt.
Die Asylgesetze begünstigten die fast völlige Abschottung der Menschen: Eltern durften jahrelang nicht arbeiten, Kinder waren von der Schulpflicht befreit.
Damit habe man eine Generation von Beinahe-Analphabeten erzeugt, schreibt der Berliner Sozialwissenschaftler Ralph Ghadban, der selbst aus dem Libanon stammt. Diese Versäumnisse rächen sich jetzt.
Was ist zu tun? Ich glaube, erst einmal muss man die Probleme offen benennen. Die deutschen Familien sollten zweitens nach Kreuzberg und Neukölln zurückkehren. Und dann – stimme ich dem zu, was Nader Khalil sagt: Wir müssen die freiheitliche Ordnung durchsetzen. Auch mit der Gewalt des demokratischen Staates. Lest selbst:
In Berliner Polizeiberichten wird auch bei typischen Milieu-Delikten nur selten die Herkunft der Täter erwähnt – aus Angst, dies könne rassistischen Ressentiments Vorschub leisten. Als im April vier Männer einen brutalen Überfall auf einen Supermarkt verübten, stand deshalb nur im internen Protokoll, dass die Täter aus dem Libanon stammen und allesamt einschlägig vorbestraft sind.
Nach Ansicht von Nader Khalil bewirkt eine Tabuisierung der Herkunft jedoch genau das Gegenteil: „Das muss mit aller Deutlichkeit diskutiert werden“, sagt er. „Wir dürfen dem rechten politischen Rand nicht die Gelegenheit geben, das auszunutzen.“ Khalil ist selbst vor 29 Jahren aus dem Libanon nach Deutschland eingewandert. Als Muslim sitzt er für die CDU im Neuköllner Stadtrat. Er sagt, dass neben der Sozialarbeit auch spürbare Strafen notwendig seien: „Wir müssen die freiheitliche Ordnung durchsetzen.“
Großer Tag gestern für uns alle: das erste Zeugnis nach einem Jahr Grundschule unseres Wanja halten wir in Händen. Überrascht bin ich, wie lange es ist! Noten in Zahlenform gibt es nicht. Stattdessen eine sehr ausführliche Beschreibung dessen, was unser Sohn gebracht und gemacht hat. Anhand des Zeugnisses kann ich erfahren, womit sich die Kinder beschäftigt haben und wie sich Wanja dabei verhalten hat.
Das Zeugnis ist in fasslicher Sprache abgehalten, die sich aller Ausdrücke enthält, die den nicht vorgebildeten Leser abschrecken könnten. Man merkt: Der einzelne Schüler mit all seinen Neigungen, Leistungen, aber auch seinen Schwächen steht im Mittelpunkt. Es ist eindeutig: Der Schüler ist eine freie Persönlichkeit, die im Lernraum Schule in die Verantwortung für das hineinwächst, was sie macht, tut, unterlässt, leistet und anstellt.Continue reading »
Gute Grundschulen, PflichtKommentare deaktiviert für Brauchen wir die flächendeckende Ganztagsschule ab 5 Jahren als Pflichtschule?
Juli132009
Individuelle Betreuung für jeden einzelnen Schüler, zeitintensivste staatliche Fürsorge und Obhut von Kindesbeinen an, Übernahme fast der ganzen Erziehungsarbeit, weg von den Familien, hin zu den staatlichen Einrichtungen … Im Grunde stellt der Staat jedem einzelnen Schüler aus den geschlossenen türkisch-arabischen Parallelgesellschaften eine individuelle Betreuung zusammen und bezahlt sie dann auch. Die Eltern können weiterhin aus der Satellitenschüssel fernsehen.
Genau den Weg, den ich hier als fast einzig gangbaren beschrieb, hat das Neuköllner Albert-Schweitzer-Gymnasium beschritten. Lest den Artikel in der BZ von gestern! Das ist die Ganztagsschule, wie sie Bundeskanzlerin Merkel ja ebenfalls gefordert hat. Die türkischen und arabischen FamilienContinue reading »
Gute Grundschulen, LeidmotiveKommentare deaktiviert für Ich möchte eine Berliner Integrationslokomotive sein!
Juli082009
Bäh, bäh, bäh – so könnte man meinen, so könnte man weinen! Denn weiterhin nimmt die überregionale deutsche Tagespresse unser kleines Bundesländchen Berlin nicht ernst. Das war schon so bei den Volksentscheiden, das ist so, wenn sie über unsere kuscheligen, kungeligen Berliner Parteien SPD, CDU, Grüne, Linke und FDP berichtet. Und das ist auch so, wenn sie sich trefflich über unsere Bildungsmisere belustigt. Neuestes Beispiel ist der Kommentar von Regina Mönch in der heutigen Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Lest doch, was sie Continue reading »
Ich gerate auf dem Weg zur Arbeit in die Demonstration der Berliner Schüler und Studenten für bessere Bildung. Ich zückte mein Handy und nahm ein Video auf, das ihr sehen könnt, indem ihr hier drauf klickt. Zahlreiche Organisationen haben zum Schulstreik aufgerufen. Na, das kenne ich. Ich war als Schülersprecher damals ebenfalls an der einen oder anderen Aktion beteiligt. Wir forderten die Drittelparität in der Schulkonferenz. Wir wollten die volle Demokratie in der Schule. Ich selber war meistens bei solchen Umtrieben mit dabei. Mein Vater stand leider auf der Gegenseite: Er unterrichtete Grundschulpädagogik, galt als Marionette des Kultusministers, der die böse ASchO, die Allgemeine Schulordnung, erlassen hatte – frecherweise, ohne uns Schüler vorher um Erlaubnis zu bitten. Dass ich meinen Vater als Hampelmann des bayerischen Kultusministers Hans Maier in einer Karikatur entdecken musste, gab mir aber doch einen einen Stich mitten ins Herz.
Heute empfand ich das ganze eher als Getöse, als nicht ganz ernstzunehmen. Es war ein Happening. Zwar halte ich es immer für gut, wenn man gute Bildung fördert und fordert. Aber dann sollte man bei sich selbst anfangen. Niemand hindert die Schüler am Lernen. Ich sehe keine Schüler und Schülerinnen, die wirklich hart, fleißig und zielgerichtet mit dem selbstbestimmten Lernen beschäftigt sind. Ich sehe die Jugendlichen trommeln, in Bars herumhängen, mit Handys telefonieren, kiffen, rauchen und trinken. Ich weiß: Nicht alle sind so. Aber sie haben viel Geld, viel Zeit und Eltern, die kaum etwas von ihnen zu erwarten scheinen. Die Schüler sind in der Schule weitgehend unterfordert.
Ich lasse mir ein Flugblatt geben. Die Sozialistische Jugend Die Falken SJD schreibt:
Der Kapitalismus frisst den ganzen Bildungskuchen und alle Studienplätzchen alleine.
WIR FORDERN: GEBÄCK FÜR ALLE.
Wir brauchen den Kapitalismus nicht.
Nur gemeinsam können wir das System überwinden.
Aha. Also doch. Die Demo wird instrumentalisiert, um gezielt den Überdruss am Kapitalismus zu schüren. Intelligenz ist also eine Art Keks, den der Staat an uns alle verteilen soll. Kostenlos.
An meiner heutigen Arbeitsstätte angekommen, lese ich das Handelsblatt von gestern. Kanzlerin Merkel rechtfertigt erneut die umfassenden staatlichen Hilfen für einzelne Wirtschaftszweige. Ich lese:
Merkel wie Steinmeier bekannten sich zum Modell des Exportlandes Deutschland. Zwar sei die exportabhängige deutsche Wirtschaft momentan von der Krise besonders stark betroffen. „Es gibt aber keine Alternative dazu, dass wir eine exportstarke Nation sind“, hob Merkel hervor, „ansonsten ist unser Wohlstand in Gefahr.“ Damit setzt die Bundesregierung ihren Kurs der staatlichen Rettungspolitik fort und schlägt Warnungen der Wirtschaftsforscher in den Wind, dem Export zu sehr zu vertrauen.
Auch BDI-Präsident Hans-Peter Keitel sieht keine Alternative zu einem „starken Industrieland Deutschland“. Der frühere Hoch-Tief-Chef warnte die Wirtschaft jedoch davor, sich in der Krise zu stark auf Staatshilfen zu verlassen. Außerdem mahnte er eine wirkliche Reform der Steuer- und Sozialsysteme an. Sonst erreiche man das Ziel nicht, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.
Ist unser Wohlstand in Gefahr, wenn die Exporte dauerhaft und massiv einbrechen? Ja! Ist die Sicherung des Wohlstands ein vorrangiges Ziel der Politik? Offensichtlich ja.
Kann der Staat für seine Bürger den Wohlstand sichern? Hierauf lautet meine Antwort: Nein. Es kann nicht Ziel des Staates sein, den Wohlstand der Bürger durch exorbitante Verschuldung für eine Legislaturperiode zu sichern. Die Bürger müssen sich den Wohlstand erarbeiten. Durch Fleiß, durch kluges Handeln, durch Beharrlichkeit und Redlichkeit. Der Staat kann allenfalls Rahmenbedingungen setzen. Er ist nicht dafür zuständig, den Wohlstand der jetzt Lebenden durch Verschuldung der künftigen Generationen zu sichern.
Es gibt Werte, die weit wichtiger sind als der Wohlstand: Das ist das Recht, das ist die Freiheit. Durch die jetzige Politik der Hochverschuldung wird die Freiheit der nach uns Kommenden beschnitten. Und auch das Recht wird beeinträchtigt, etwa durch die törichterweise im Grundgesetz verankerte „Schuldenbremse“. Es ist nicht schlimm, wenn unser Lebensstandard erheblich zurückgeht. Es ist schlimm, wenn Freiheitsrechte der Menschen durch immer neue Eingriffe des Staates in die Wirtschaft und durch immer einseitigere Ansprüche der Bürger an den Staat beschnitten werden.
Es wird der trügerische Wahn erzeugt, staatliches Handeln könne maßgeblich Wohlstand sichern. Ich sage: Das Handeln des Staates kann den Wohlstand ebensowenig sichern wie zusätzliche Bildungsmilliarden das gute Lernen der Schüler garantieren. Man fragt immer erneut beim Staat an. „Mach uns glücklich durch Glückskekse, Vater Staat! Mach uns klug durch Klugheitsgebäck, Mutti Bundesrepublik! Mach uns reich, oh Konjunkturprogramm II!“
Dieser selbstherrliche Anspruch des Staates, wie ihn Kanzlerin Merkel wieder und wieder formuliert, nämlich das Glück und den Wohlstand der Bürger zu sichern, führt in die Irre. Das ist die neueste Fassung eines polemischen alten Wortes, das der gute Bismarck prägte, als er seine Sozialversicherungen einführte: Staatssozialismus.
„Mein Kind first“: Wie Eltern gute Schulen verhindern – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – SchulSPIEGEL
Eltern können sehr maßlos sein. Eine Mutter sagte bei einer anderen Veranstaltung zur Fusion von Berlins Haupt- und Realschulen: „In den Hauptschulen, da gibt es zu viele Migrantenkinder. Und wenn Sie die Schulen zusammenlegen, dann werden sie noch einen größeren Haufen Scheiße produzieren.“ Schule als Klassenkampf.
So schreibt Christian Füller heute in Spiegel online. Wirklichen schweren Kummer habe ich in meinem Leben kaum. Aber als tiefen persönlichen Schmerz empfinde ich, wie hier in Kreuzberg die Schülerschichten von der ersten Klasse an separiert werden. „Wir geben jeden Monat 200 Euro allein für Benzin aus, damit wir unsere Tochter in die richtige Grundschule bringen können.“ So verriet mir ein bildungsbewusster Vater einer Erstklässlerin. Mein Sohn geht in die Schule, der wir vom Bezirksamt zugewiesen sind. Denn ich kann es nicht verantworten, dass in unserem Staat, den ich rundweg bejahe und immer bejaht habe, jeder nur das Beste für sich und die Seinen herauspickt. So zerfällt unsere Gesellschaft – selbstverständlich zerfällt sie auch und mit Wonne in unserem spießig-grünen-bürgerlichen Kreuzberg! Die Grünen fahren hier bei Wahlen absolute Rekordwerte ein – und die Schülerschichten sind getrennt wie Kuchenschichten. Es ist eine absolute Klassengesellschaft, die unser ach so linkes Kreuzberg heranzieht. Hurra, wir zerfallen!
Ich kann das Gejammere über die angeblich so schlechten Schulen nicht mehr hören. Jeder schimpft auf die Schule, auf den Berliner Senat, auf DIE Lehrer, auf DIE Schüler. Keiner fragt: Was kann ich tun? Was ist meine Pflicht? Alle erheben Ansprüche an den Staat. Nur wenige erbringen freiwillig etwas für den Staat. Verantwortung, Pflicht – das erstreckt sich doch zunächst auf das unmittelbare Umfeld, in dem man lebt.
Gerade wird wieder einmal eine Neuerung in Berlins Schulen eingeführt. Haupt- und Realschulen werden zusammengelegt zu einer neuen Sekundarschule. Ein Schritt in die richtige Richtung. Die Oppositionsparteien beißen sich an kleineren Details fest wie etwa dem Zugangsverfahren zum Gymnasium. Einige kreischen: „Schüler auslosen ist ein Verbrechen.“ Das Losverfahren ist ein Verbrechen an den Kindern! Ach, wenn die wüssten! Dass ich nicht lache! Ein absoluter Nebenschauplatz!
Nein nein: Die Separierung der Schüler erfolgt völlig unabhängig von den Schulformen. Sie setzt bereits ab Klasse 1 ein.
Keiner dieser Politiker, mit denen ich spreche, hat auch nur ein einziges Mal bei mir angefragt: „Herr Hampel, Sie schicken Ihr Kind in eine Grundschule mit über 90% Migrantenanteil. Wie geht es Ihrem Kinde damit?“ Die Öffentlichkeit, die Eltern und leider auch viele Politiker reden über die Grundschulen, aber innerlich haben sie sich von den breiten Schülerschichten längst verabschiedet. Alle verdienen an der Panikmache kräftig mit. Sie schüren den Unmut, den Verdruss.
Ich stamme aus einem Pädagogenhaushalt. Mutter Lehrerin, Vater Hochschulprofessor der Didaktik. Seit über 40 Jahren verfolge ich die Bildungsdebatte die Tonleiter rauf und runter. Ich würde sagen, ich bin fast Profi. Mein derzeitiges Fazit: 1) Es wird allzu viel vom Staat erwartet. 2) Die Schulen sind weit besser als ihr Ruf. 3) Die Schüler und die Eltern müssen mehr arbeiten.
Wir müssen die Kinder und die Schulen stärken. Durch eigene Leistung. Nicht immer nach dem Staat rufen. Jeder kann was beitragen.
Unser Bild zeigt den hier bloggenden Vater mit Schülern, mit Künstlerinnen und der stellvertretenden Rektorin der Fanny-Hensel-Grundschule bei einer gemeinsamen Thateraufführung.
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 1847) war der Bruder Fanny Hensels. Seine Berliner Kindheit verbrachte er mit seinen drei Geschwistern in einem Haus an der Leipziger Straße 3. Mit großem Fleiß lernte er mehrere Sprachen, Musik, Mathematik, Literatur, Sport, Zeichnen und Geschichte. Der Vater ermahnte die Kinder immer wieder, auch wenn er auf Reisen war: Tut was für eure Bildung, lernt, übt, arbeitet! Die Eltern mussten damals noch aus eigener Tasche für den ganzen Unterricht bezahlen. Mehrere Jahre lebte er dann in verschiedenen Ländern, weil er nicht wusste, wo er eigentlich hingehörte. Endlich, am 21. Februar 1832, schrieb er an seinen Vater: Das Land ist Deutschland; darüber bin ich jetzt in mir ganz sicher geworden.
Voller Vorfreude auf das morgige Konzert in der Fanny-Hensel-Schule studiere ich Partituren und Skizzen, Bücher und hochgelahrte Abhandlungen. Denn ich musste soeben noch ein komplettes Programm schreiben, bosseln, häkeln, drucken und falten. Obiges ist der Lebenslauf, wie ich ihn für die Kinder, die uns morgen zuhören werden, geschrieben habe. Die Kinder sind zwischen 6 und 12 Jahren alt. Sie kommen aus ca. 12 Ländern.
Das Foto zeigt Angela Billington und den hier bloggenden Komödianten bei der Aufführung der Mozartischen Zauberflöte, letzte Woche in der Fanny-Hensel-Grundschule in Berlin-Kreuzberg. Den Theatervorhang haben die Kinder der Klasse 1 B selbst gemalt.
Und so habe ich die Künstler-Biographien zurechtgehübscht:
Angela Billington (Sopran) kommt aus England und hat in Cambridge studiert. In Berlin hat sie bei diversen Oper- und Kabarettprogrammen mitgewirkt. Sie hat in letzter Zeit Solokonzerte in Kalifornien und England gegeben. Sie interessiert sich besonders für die russische Oper.
Irina Potapenko (Alt) stammt aus Moskau. Ausgebildet als Opernsängerin in Moskau und Leipzig an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy. Sie ist freiberufliche Sängerin und lebt in Berlin. Preisträgerin beim Bach-Wettbewerb in Leipzig. www.musikerportrait.de/irina-potapenko/
Ivan Hampel (Violine) geboren am 28.05.2002, besucht die Klasse 1 B der Fanny-Hensel-Grundschule. Er nimmt bei Tamara Prischepenko Geigenunterricht. Seine berufliche Zukunft sieht er gleichermaßen als Lokomotivführer und Geiger. Seine beiden Sprachen sind Deutsch und Russisch.
Johannes Hampel (Violine) spielt seit 40 Jahren nach Herzenslust Geige. Er arbeitet als Konferenzdolmetscher für Englisch, Italienisch und Französisch und lebt fünf Tandem-Fahrradminuten von der Fanny-Hensel-Schule entfernt.
Natalia Christoph (Klavier) stammt aus Kaliningrad (Königsberg). Sie wirkte als Pianistin an zahlreichen Opernaufführungen in Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz mit. Pädagogische Tätigkeiten: Moldauisches Konservatorium Kischinjow, derzeit an der UdK Berlin, Meisterkurse in Frankreich und Belgien. Sie begleitete unter anderem Ute Trekel-Burckhardt und Hanno Müller-Brachmann. www.natalia-christoph.de/
Und das ist unser Programm (Dauer 45 Minuten):
1. Robert Schumann: Marsch
Ivan Hampel, Geige
Irina Potapenko, Klavier
2. Felix Mendelssohn Bartholdy: 3 Duette
Ich wollt, meine Lieb ergösse sich (Worte: Heinrich Heine)
Herbstlied (Karl Klingemann)
Lied aus Ruy Blas (Victor Hugo)
Angela Billington, Sopran
Irina Potapenko, Alt
Natalia Christoph, Klavier
3. F. Mendelssohn Batholdy
Andante. 2. Satz aus dem Violinkonzert e-moll
Johannes Hampel, Violine
Natalia Christoph, Klavier
4. F. Mendelssohn Bartholdy
Frühlingslied (Nikolaus Lenau)
Gondellied (Thomas Moore)
Irina Potapenko, Natalia Christoph
6. F. Mendelssohn Bartholdy
Rondo capriccioso
Natalia Christoph, Klavier
7. Pjotr Ilijitsch Tschaikowskij: Zwei Duette
Im Garten
Duett der Lisa und Polina aus der Oper Pique Dame
Angela Billington, Irina Potapenko, Natalia Christoph
Fanny Hensel, Gute Grundschulen, ZauberflöteKommentare deaktiviert für „Wann geht es endlich los?“ – „Wann machen wir weiter?“ – „Wann führen Sie Mozart auch mit uns auf?“
Mai192009
Mit diesen Fragen bedrängten uns die Kinder aus der Klassenstufe 1 an der Fanny-Hensel-Schule. Auf dem Programm stand heute wieder unsere unvergängliche Zauberflöte, in der Fassung für Marionettentheater. Einige Kinder aus der Klasse 1a hatten Rollen als wilde Tiere, als Katzen, Löwen, Tiger zu spielen, die vom Klang der Zauberflöte besänftigt werden. Bei den Proben taten sich besonders einige Jungs hervor – sie ließen uns ihre gesammelte Kraft spüren.
In ihrer netten Begrüßung hob die Konrektorin, Frau Ünsal-Bihler, hervor, dass Mozert derjenige sei, der ja den berühmten Marsch „alla turca“ geschrieben habe. „MOZART!“ Ahh … die Kinder raunten wissend. Der Name Mozart ist ihnen schon gut bekannt.
Die Kinder hatten die Bühnenbilder selbst gemalt. M.elle Angela Billington trat als Sopranistin auf und sang „Ach, ich fühls …“ so ergreifend, dass mir wieder einmal fast die Tränen kamen! Dies ist eins der Geheimnisse von Mozarts Musik: Sie nutzt sich nicht ab. Je öfter ich die Ouvertüre zur Zauberflöte höre, desto göttlicher, desto unbändiger, desto freudiger erscheint mir diese Musik. „Wo bin ich hier?“, dachte ich. „Wieder einmal höre ich eine Musik mit anderen Menschen zusammen, die schon vor uns Hunderttausende gehört haben. Und nach uns werden sie ebenfalls noch hunderttausende hören. Auch noch in tausenden von Jahren!“
Die 60 Kinder hörten gesammelt, unverwandten Blickes, gespannt über 40 Minuten zu. Sie klatschten heftigen Beifall – und dann kamen die Kinder der 1b an mit ihren Bitten. Sie fühlen sich hinter der 1a zurückgesetzt, sie wollen jetzt ebenfalls die Zauberflöte inszenieren.
Beim Hinausgehen lernte ich noch „Die drei Damen“ kennen. Nein, nicht die aus Mozarts Zauberflöte, sondern aus dem Schulhof der Fanny-Hensel-Schule. Ihre Aufgabe ist, als ehrenamtliche Mediatoren bei Streitigkeiten zu vermitteln. „Aber wir richten nicht. Wir geben niemandem recht. Wir achten auf die Einhaltung von allgemeinen Regeln“, erklärten sie uns. „Nehmen Sie mal eine Kugel. Geben Sie diese Kugel an ein Kind. Das Kind darf reden, solange es die Kugel in Händen hält. Sobald es die Kugel weitergibt, ist das nächste Kind dran. Nur wer die Kugel, hat darf reden. Das wirkt! Probieren Sie es aus!“
„An dieser Schule herrscht ein guter Geist – und das ist auch Ihr Verdienst. Dafür danke ich Ihnen.“ So sage ich zu den Drei Damen zum Abschied. Denn mein Mädchen oder Weibchen (wie Papageno sagen würde, sorry, Feministinnen, der Ausdruck ist keine Diskriminierung!) drängelt. Sie will unbedingt ins Café, das heißet Ökotussi, gelegen in der Kreuzberger Großbeerenstraße, und einen Milchkaffe trinken. Das hat sie sich redlich verdient! Ich esse eine Tomatensuppe, einen Riesenteller.
Unser Foto zeigt die Wirkungsstätte der Drei Damen, nämlich den Schulhof der Fanny-Hensel-Schule. Foto veröffentlicht mit freundlciher Genehmigung des Fotografen Charles Yunck.
Gute GrundschulenKommentare deaktiviert für „Sozialistische Einheitsschule“ oder demokratische Vielfaltsschule?
Mai052009
Vor mir liegt sie, die bunte Din-4-Broschüre der Hamburger Senatorin für Schule und Berufsbildung Christa Goetsch: „Eine kluge Stadt braucht alle Talente„, Stand April 2009. Insgesamt herausragend gut gemacht ist diese Erklärung eines neuen Schulmodells. Stichworte: Eine neue Lernkultur und eine neue Schulstruktur, längeres gemeinsames Lernen, zwei Wege zum Abitur. Auf S. 6 wird alles schön übersichtlich dargestellt. Das Gymnasium bleibt ab Klasse 7 erhalten und führt nach Klasse 12 zum Abitur, aber daneben treten die Stadtteilschulen ab Klasse 7, die nach 13 Jahren zum Abitur führen.
Was mir sofort kritisch auffällt, und was auch nach genauem Studium der Broschüre als Eindruck bestehen bleibt, ist folgendes:
1. Das Nebeneinander von Stadtteilschule und Gymnasium, die beide zum Abitur führen sollen, ist eine unnötige Verdoppelung: Verdoppelung bedeutet erheblichen bürokratischen Mehraufwand. Der Regelungsbedarf im überregulierten System Schule wird noch einmal zunehmen. Hier hätte man meines Erachtens unbedingt eine formale Zusammenlegung von Stadtteilschule und Gymnasium herbeiführen müssen. Wie man das Kind nennt, ist zweitrangig. Damit die bildungserpichten Eltern keine Revolution anzetteln, schlage ich vor, man greife zum alten griechischen Wort für Fitness-Freiluft-Studio, also gymnasion. Das Gymnasium ist das Fitness-Studio unserer Jugend – wer dort übt, wird sich auf der Ringbahn des Lebens behaupten können.
2. Es fehlt ein starker Akzent auf dem Mittleren Schulabschluss nach 10 Jahren. Der Schulabschluss nach 10 Jahren ist europaweit die meistgewählte Schuldauer. Der 10-jährige Schulbesuch muss so gestaltet werden, dass er einen vollwertigen ersten Schulabschluss sichert. Damit kämen wir endlich auch in eine Vergleichbarkeit mit den Schulsystemen der anderen europäischen Länder.
Was brauchen wir in Berlin?
Mehr Einheit, mehr Vielfalt, mehr Vergleichbarkeit! Man muss den gordischen Knoten durchhauen, den das geradezu bizarr zersplitterte Berliner Schulwesen geschürzt hat.
Wir brauchen einen formalen Schulabschluss nach Sekundarstufe I, und einen formalen Schulabschluss nach Sekundarstufe II. Jeder Schüler sollte ertüchtigt werden, die Sekundarstufe I abzuschließen. Innerhalb dieser formal und administrativ einheitlichen Sekundarstufen I und II ist die breiteste Vielfalt denkbar und wünschenswert!
Formale Gleichstellung aller bestehenden Schulen, die zur Sekundarstufe I und II führen – aber innerhalb dieser administrativ vereinheitlichten Strukturen eine größtmögliche Fülle an Möglichkeiten für selbstgesteuertes, zur Freiheit erziehendes Lernen. Die Schulen brauchen unter diesem einheitlichen Dach mehr Selbständigkeit, um sich ein unverwechselbares Profil zu geben. Dafür trete ich ein. Ich nenne diese Schule die „Demokratische Vielfaltsschule“.
Wenig Freude erlebt der hier bloggende Kreuzberger Vater beim Blick in die früher despektierlich Mottenpost genannte Gazette. Die im echten Leben Morgenpost genannte Zeitung schreibt heute:
Bildung – Größere Klassen für Berliner Schulanfänger – Berlin – Berliner Morgenpost
Erst vor wenigen Monaten wehrten sich die Schulleiter des Bezirks Mitte in einem öffentlichen Brandbrief gegen zu große Klassen. Doch offenbar verhallte der Hilferuf: Die Bildungsverwaltung hat entschieden, den Anteil von Kindern aus Migranten-Familien an Brennpunkt-Schulen heraufzusetzen und die Klassenstärken zu erhöhen.
A propos despektierlich: Unsere Bildungsstadträtin Monika Herrmann nimmt kein Blatt vor den Mund. In ungewohnter Deutlichkeit kämpft sie gegen die ihr vorgeschaltete Obrigkeit und für die Beibehaltung der niedrigeren Schülerzahlen. Das finde ich erfrischend! „Wir bleiben widerborstig“, würde Jürgen Trittin wohl lobend zu seiner Parteifreundin sagen. Morgenpost berichtet:
Monika Herrmann, Bildungsstadträtin von Friedrichshain-Kreuzberg, wird noch deutlicher. Die Anweisung ist idiotisch, sagt die Grünen-Politikerin. Das sei ein klares Signal zur Lehrereinsparung. Ein katastrophales Vorgehen, so Herrmann. Dabei habe sich die Regelung vom vergangenen Jahr bewährt. Offenbar würden die Lehrerstunden an anderer Stelle benötigt, sagt Herrmann.
Die Bildungsverwaltung weist den Sparvorwurf zurück. Die Vorschrift sei schlicht nicht mehr nötig, da es an Brennpunktschulen ohnehin nicht zu viele Bewerber gebe, sagt Erhard Laube, zuständiger Referent in der Bildungsverwaltung. Wir gehen davon aus, dass sich die Frequenzen dadurch nicht erhöhen werden, sagt Laube. Und wenn doch mehr als 24 Kinder in einer Klasse säßen, gebe es dafür zusätzliche Teilungsstunden.
Was meint der hier bloggende Kreuzberger Vater? Nun, als ältlich-konservativer Knochen, der ich nun mal bin, befleißige ich mich in aller Regel einer zurückhaltenderen Wortwahl. Ich verwende kaum – und wenn, dann nur in Zitaten – „Ausdrücke“, wie es im Schulprogramm meiner Vorzugsschule so schön heißt.
Ich kenne die Dienstanweisung nicht. Unabhängig davon meine ich: Dienstanweisungen sollten klar, nachvollziehbar und zielführend sein. Wenn bereits die Vertreterin einer nachgeordneten Behörde sich öffentlich gegen sie ausspricht, kann etwas nicht stimmen. Dann sollte man ehrlich und unumwunden Ross und Reiter nennen und sagen: „Tut uns leid, Jungs. War gut gemeint. Aber das Geld ist alle.“
Genau dieser besserwisserische Gedanke zuckt mir soeben durch den Kopf, als ich heute in der Süddeutschen Zeitung auf S. 38 weitere Vorabberichte über die geheimnisumwitterte neue Studie des Bildungsforschers Jürgen Baumert lese (dieses Blog berichtete am 02.05.2009). Schon seit Monaten tippe ich mir die Finger wund, um einen Gedanken unters Volk zu streuen, den offenbar nur wenige haben: „An die Eltern müssen wir ran! Die Familien – also die Eltern und die Kinder – sind viel entscheidender als die Schulen für den Bildungserfolg der Schüler. Wer Schulkarrieren beeinflussen will, muss vor allem Familien beeinflussen.“
Na, und was soll ich euch sagen? Endlich lese ich etwas Ähnliches auch in der neuen Auswertung der unter Leitung von Rainer Lehmann durchgeführten Element-Studie. Ich bekomme sozusagen Munition für meine Redeschlachten! Zitat gefällig? Hier kommt sie, Süddeutsche von heute, S. 38:
Die auf sechs Jahre ausgedehnte Grundschulzeit muss demnach keineswegs zu Lasten besonders leistungsstarker Schüler gehen, wie das viele Eltern befürchten. Vor allem beim Lesen und dem Textverständnis, so die Studie, spreche viel dafür, dass der Entwicklungsprozess „von den Vorleistungen der Schüler und des Elternhauses lebt“. Die grundständigen Gymnasien könnten davon profitieren, ohne diese Entwicklung selbst aktiv zu fördern. „Generell ist fraglich, ob die Gymnasien die Förderung der Lesekompetenz als akademische Aufgabe aller Fächer bislang überhaupt entdeckt haben.“
Na bitte! Manche Familien fördern Aufmerksamkeit, Lesen, Konzentrationsfähigkeit, gute Sprachfähigkeiten bei ihren Kindern von Anfang an stärker als andere. Diese fördernden Familien neigen dazu, ihre Kinder dann ins grundständige Gymnasium zu schicken. Das Gymnasium nimmt diese Vorauswahl dankend entgegen und leitet seine Überlegenheitsansprüche von der Vorleistung der Eltern und der Kinder ab. Und jetzt kommt der springende Punkt: Werden diese von den Familien stärker geförderten Kinder eher gebremst oder gefördert, wenn sie mit allen anderen Kindern zusammen lernen? Darüber herrscht keine Einigkeit.
Was tun? Letztlich werden uns die Bildungsforscher keinerlei politische Entscheidungen abnehmen können! Sie können nur Hinweise geben. Die Ziele politischen Handelns müssen wir Bürger untereinander ausmachen. Wir müssen uns fragen: Wollen wir die De-facto-Apartheid der Schülerpopulationen weiter verstärken oder wollen wir sie abbauen? Wie jener ungarische Oberst Novaki, den wir vorgestern zitierten, stehen wir vor Alternativen: Wollen wir weiter in Grenzbefestigungen investieren, oder wollen wir die Grenzen abbauen?
Meine Überlegungen gehen in folgende Richtung:
Wir brauchen eine Schule, die allen Schülern jederzeit den Grenzübertritt ermöglicht. Wie im Unterricht selbst, so muss auch in den Bildungsgängen ein hohes Maß an individuellem Lernen möglich sein. Die Sortierung in „höhere“ und „niedrigere“ Schulformen sollte aufhören. Es darf nicht sein, dass eine Schulform ohne eigene Leistung alle besser geförderten Kinder abzieht und die verbleibenden Kinder an Restschulen delegiert.
Gute GrundschulenKommentare deaktiviert für Und wieder eine Studie über Berlins Schulen …
Mai022009
Das Schulwesen gehört zu den überforschtesten Feldern überhaupt. Wieder einmal kommt eine neue Studie auf den Meinungsmarkt. Und wieder einmal werden alle Seiten sich nach Belieben bedienen. Wieder einmal wird sich die Debatte über Schulformen aufschaukeln. Lest selbst im neuesten Tagesspiegel:
Experte lobt Berlins Grundschulen
Auf Berlin kommt eine neue Diskussion über den Nutzen eines vorzeitigen Übergangs auf die Gymnasien zu. In einer aktuellen Untersuchung, die dem Tagesspiegel vorliegt, widerspricht der renommierte Bildungswissenschaftler Jürgen Baumert der Annahme, dass die grundständigen Gymnasien in den Klassen fünf und sechs bei besonders leistungsfähigen Schülern generell eine bessere Förderung der Lesefähigkeit und des mathematischen Verständnisses der Schüler erreichen als die Grundschulen. Damit widerspricht er seinem Kollegen Rainer Lehmann, der nach der Auswertung seiner Element-Studie vor einem Jahr behauptet hatte, es gebe solche Fördereffekte. […]
Sofort nach Bekanntwerden der Lehmann-Thesen hatten sich Zweifler gemeldet und warfen ihm vor, die erhobenen Daten falsch interpretiert zu haben. Insbesondere rief Lehmann alle Befürworter der sechsjährigen Grundschule auf den Plan, die nun fürchteten, es würden noch mehr Eltern versuchen, ihre Kinder frühzeitig auf die Gymnasien zu bringen. Daraufhin bat die Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) den für die erste Pisa-Studie verantwortlichen Baumert um eine Reanalyse der Lehmann-Daten. Diese liegt jetzt vor und erscheint in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft. Ob der 27-seitige Aufsatz allerdings dazu angetan ist, die Elternentscheidungen beim Übergang zum Gymnasien zu beeinflussen, bleibt fraglich: Für sie zählt, dass sie in den grundständigen Klassen insgesamt ein höheres Lernniveau und eine sozial ausgewählte Schülerschaft erwarten.
Ich meine: Ein besseres Lernen ist jederzeit und überall möglich. Vor allem dann, wenn man die Kinder vom ersten Lebenstag an in die deutsche Sprache hineinwachsen lässt. Die politischen Entscheidungen werden uns die Bildungsforscher nicht abnehmen. An die Familien müssen wir herantreten.