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Gute Grundschulen

Gibt es gute und schlechte Schultypen, gute und schlechte Menschen?

“Zum gegliederten Schulwesen gehört das Entstehen guter und schlechter, höherer und niedrigerer Schulen – das ist ja seine historische und gesellschaftliche Idee.”

So erneut in diesen Minuten Christian Füller in der FAZ. Was für ein moralisch hohes Ross, das der linke Bildungsforscher da wieder reitet! Er kann es nicht lassen, Schulen und Menschen in gut und schlecht, in höher und niedriger einzuteilen! Ich meine: Die Hauptschule alter Art ist von Haus aus keine “schlechte” Schule, sie ist keine “anregungsarme” Schule. Sie war oder ist – noch – eine andere Schule als die Oberschule bzw. das Gymnasium, eine stärker praktisch ausgerichtete Schule, führt oder führte zu nichtakademischen Berufen wie etwa Schlosser, Kraftfahrer, Feuerwehrmann, Polizist, Bäcker, Gärtner, Facharbeiter. Für viele Akademiker wie Christian Füller beginnt offenbar das wahre Menschenleben erst beim Abitur und beim Universitätsabschluss – was für eine maßlose, selbstgerechte Arroganz der akademischen Bildungsforscher!

http://www.faz.net/aktuell/wissen/faktencheck/faktencheck-die-auswertung-alternativen-zum-sitzenbleiben-12115807.html

http://www.faz.net/suche/?query=&BTyp=lesermeinungen&username=%22fueller%22

 

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Europäisches Lesebuch Freiheit Gute Grundschulen Person Philosophie Tugend Vorbildlichkeit

“Du mußt die Führung übernehmen!”, oder: Hat uns Bert Brecht heute noch etwas zu sagen?

“Du mußt die Führung übernehmen!”, so schreibt Bertolt Brecht in seinem “Lob des Lernens”.

Ich glaube, dieser Aufforderung kann ich mich anschließen: “Du, du einzelner Mensch, mußt die Führung deines Lebens übernehmen. Lass dich nicht verführen!”

Brecht meinte möglicherweise: Jeder einzelne Mensch soll für sich selbst die Führung seines Lebens übernehmen. Er soll durch Lernen sein Urteilsvermögen schärfen, es soll keiner Organisation, keiner Partei, weder der Kommunistischen Partei noch der Nationalsozialistischen Partei, keiner Klasse und keiner Rasse, keiner unpersönlichen Macht die Führung seines Lebens anvertrauen. Er soll frei entscheiden, was er will oder nicht will.

Jeder Mensch soll sein eigenes Leben führen.

Allzu oft glauben die Menschen, sie seien dem Staat, der Politik, dem riesigen Steuerungsmechanismus des Finanzkapitals unterworfen. Die Strukturgläubigkeit der Menschen in Berlin fällt mir immer wieder auf. Überall jammern die Menschen:

“Der Staat sorgt nicht für uns, hindert uns am Lernen! In den viel zu großen Berliner Klassen, in den viel zu winddurchschossenen Berliner Schulen, in dem hochselektiven Berliner Schulsystem  KANN MAN NICHT LERNEN. Erst einmal muss der Staat anständige Schulen, anständige Lehrer, anständige Kitas bereitstellen, dann fangen wir zu lernen an! Und das kostet. Wenn der Staat nicht genug zahlt, können wir nicht lernen. Erst einmal muss die Politik die Bedingungen für sinnvolles Lernen schaffen, danach dann fangen wir zu lernen an!

Groteske Töne – in Dakawa in Tansania beträgt die Klassenstärke durchschnittlich 103 Kinder pro Grundschulklasse. Dennoch wird auch dort gelernt – auf dem Boden sitzend, an großen Wandtafeln. Für Bücher gibt es ja kein Geld.

Lernen kann man immer. Gerade in den heutigen Grundschulen Berlins herrscht ein unfassbar üppiges Angebot. Die materielle Ausstattung ist teurer, ist besser als je in der Geschichte.

Dennoch maulen Eltern und Kinder, Wähler und Politiker, “Bildungsforscher” und “Bildungsexperten” in einem fort: “Die Schulen sind nicht gut genug. Wir brauchen bessere Schulen. Wir brauchen bessere Lehrer. Erst danach werden wir zu lernen anfangen.”

Das revolutionäre Gedicht “Lob des Lernens” von Bert Brecht verlangt hingegen jedem Einzelnen die lebenslange Anstrengung des Lernens ab – auch unter widrigsten Umständen.

Ausreden, bequemes Sich-Davonstehlen gibt es in den Augen Bert Brechts nicht. In der Mitte des Lernens steht der Lernende. Das Lernen wird gemacht und betrieben vom Lernenden.

Das ist die revolutionäre Wende zur Verantwortung jedes einzelnen Menschen für sein eigenes, sein selbst zu führendes Leben. Es gibt immer ein richtiges Leben, auch wenn es in den Strukturen etwas gibt, was falsch ist.

Es gibt immer ein richtiges Leben im Falschen.

Der einzelne Mensch muss lernen. Er muss sich selbst diese Anstrengung überall und immer abverlangen. Damit er sein Leben führen kann, statt von den Parteien oder von der Politik geführt zu werden.

Brecht fordert uns auf: “Lerne selbst, damit du selbst die Führung in deinem Leben übernehmen kannst!”

Bert Brecht würde sich als parteitreuer Kommunist selbstverständlich im Grabe umdrehen, wenn er diesen Eintrag des widersetzlichen Kreuzberger Bloggers läse! Aber ich meine, dass er, wenn er 125 Jahre alt würde, ebenfalls zu dieser Deutung seines Gedichts gelangen würde. Ich gehe davon aus, dass er der KPdSU und der SED, dass er dem Kommunismus, dem Marxismus-Leninismus-Stalinismus nicht mehr mit dem unterwürfigen Gehorsam folgen würde, den er zu Lebzeiten gezeigt hat.

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Gouvernance économique Gute Grundschulen Kinder

Bessere Bildung durch mehr Fördergelder für die Bildung?

Die neue vergleichende Grundschulstudie der deutschen Bundesländer schlägt schwappende Wellen. Und wieder tappen all die glorreichen Bildungsexperten im Dunkeln – was läuft schief in der Bildung? Jetzt hat Berlin so viel Geld ausgegeben für die bessere Bildung, hat das gesamte Grundschulwesen umgekrempelt, hat Fördermittel des Bundes abgegriffen, um marode Turnhallen zu sanieren, hat deutlich mehr Geld und Gehirnschmalz in Bildungsreformen gesteckt als andere Bundesländer – und liegt dennoch weit hinter vergleichbaren Großstädten wie München (Bayern) zurück. Berlin hat im frühkindlichen Bereich eine viel bessere finanzielle und materielle Ausstattung als München, die Kita-Quote ist in Berlin deutlich höher als in München, die Ausländerquote ist in München höher als in Berlin.

München erzielt mit einer höheren Ausländerquote und weniger staatlichem Geld bessere Bildungsergebnisse im Grundschulbereich als Berlin. WHY? Sind die Berliner Kinder genetisch dümmer, weil es hier in Berlin mehr Inländerkinder als in München gibt? Das wäre ja eine rassistische Aussage!

Die Millionenstadt BERLIN gibt wesentlich mehr staatliches GELD für die frühkindliche Bildung aus als die Millionenstadt MÜNCHEN, Berlin hat bessere, ausgefeiltere Pläne, ein besseres, ausgefeilteres Bildungs-Leistungserfassungs-Mess-System, Berlin hat traumhaft viel mehr Bildungsforscher und mehr Bildungsexperten als MÜNCHEN!

BERLIN fördert die frühkindliche Bildung mehr als BAYERN, wo immer noch viel zu viele Kinder im Krabbelalter von 0-3 Jahren schutzlos den Familien überlassen bleiben, statt in die fördernde Obhut des Staates gestellt zu werden.

Die hohe Förderung, die vielen Bildungsdebatten in Berlin haben den Kindern wohl kaum genutzt. Viele sagen: also brauchen wir mehr Förderung! Wo haben wir noch nicht gefördert? Richtig! Wir brauchen bessere Lehrer, wir brauchen besser geförderte Lehrer, wir brauchen mehr LEHRERBILDUNG für mehr KINDERBILDUNG! Schafft Geld kübelweise heran für besser geförderte LEHRERBILDUNG!

Bitte mal einen Augenblick innehalten! Darf es auch weniger Förderung durch staatliches Geld sein? Das wäre ein revolutionärer Gedanke! Bessere Bildung durch weniger Bildungsförderung? Bessere Integration der Migranten durch weniger Integrationsförderung? Mehr Kinder durch weniger Kinderförderung? Mehr Erfolg für Frauen durch weniger staatliche Frauenförderpläne? Das wäre ja tolldreist, ein Wahnsinn für jeden Politiker so etwas zu behaupten!

Dennoch gibt es einen Politiker, der den Mut aufbringt, genau dies zu behaupten! Sein Name: Thomas de Maizière. Seine gegenwärtige Funktion, seine Parteizugehörigkeit spielt hier keine Rolle. Entscheidend ist, dass er mindestens eine Problemstellung benennt, nämlich: Es gibt keine hinreichenden Beweis dafür, dass staatliche Förderung immer den gewünschten Erfolg erzielt. Staatliche Förderung kann sogar zum Gegenteil des erwünschten Effekts führen. Kinderförderung kann zur Senkung der Kinderzahlen führen, Frauenförderung kann zu Frauendiskriminierung führen, Kohleförderung kann zum Ende des Kohleabbaus führen, mehr Staatskohle für frühkindliche Bildung kann zur Verschlechterung der frühkindlichen Bildung führen. Tabakanbauförderung in Griechenland kann zum Ende der Tabakindustrie in Griechenland beitragen.

Staatliche Förderung kann schädlich nicht nur für den Staatshaushalt, sondern sogar für die Geförderten sein. Das muss man bedenken, man sollte diesen statistisch nachweisbaren Zusammenhang nicht beiseitewischen. Das gilt sowohl für die Kinder- und Familienförderung wie für die Frauen- und die Bildungsförderung.

Ich meine: Die Mahnung des unbequemen, scharfsinnigen Analytikers und Politikers Thomas de Maizière verdient gerade bei uns im Bundesland Berlin unsere vorurteilslose Prüfung.

Hier der auffällige Abschnitt aus dem Interview “Freiheit ist wie Radfahren ohne Stützräder”:

Das heißt, ein Großteil dessen, was den Weg in die Gesetzgebung findet, bezieht sich auf Sicherheit in allen Lebenslagen. Schafft der Staat damit nicht Illusionen?

Aber wir merken doch jetzt, dass wir mit all diesen Versprechungen an die Grenzen gekommen sind. Es ist ja nicht so, dass der deutsche Staat pro Kind unterproportional viel Geld ausgibt. Bei der Familienförderung ist es übrigens so – wir haben da einmal eine Untersuchung in Sachsen gemacht -, dass eine Erhöhung der Kinderförderung nicht zu mehr Kindern führt, eine Kürzung dagegen kann das durchaus.

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Gute Grundschulen Vorbildlichkeit

Sinniges und Unsinniges in der Bildungsdebatte

Viel Sinniges und viel Unsinniges verbreitet wieder einmal die bundesweit und vom SPIEGEL anerkannte Bildungsexpertin Jutta Allmendinger in diesem Interview:

http://www.spiegel.de/schulspiegel/ungerechtigkeit-in-der-schule-allmendinger-kritisiert-bildungssystem-a-857156-2.html

Ein Beispiel: Sie beschwert sich, dass Erkan trotz besserer Leistungen nur eine Realschulempfehlung erhielt, während Jungens und Flegel aus gutem Hause trotz schlechterer Leistungen eine Gymnasialempfehlung erhalten.

Vorwurf des auf den Leim gehenden Journalisten, der darauf folgt: Der Leistungsgedanke sei falsch! Er führe zur “Selektion” der Schüler nach gut und schlecht, er sei ein Schritt vor der Rampe vor dem Abgrund der deutschen Geschichte! (Haben die guten Leute eigentlich keine Holocaust-Education genossen?)

Holla, Frau Allmendinger! Falsch ist nicht der Leistungsgedanke, sondern der Nepotismus der “guten Elternhäuser” im Bildungswesen, falsch ist die Verfälschung des Leistungsgedankens.

Ich meine: Wer so gute Leistungsbereitschaft und so gute Leistungen zeigt wie Erkan, dass er das Abitur schaffen wird, der soll Abitur machen.  Und der soll und muss studieren und danach Arzt, Pilot, Professor oder Mitternachtsnotar werden.

DAS HÄTTEN DIE LEHRER ANHAND DER NOTEN ERKANS ERKENNEN MÜSSEN!

Individuelles Fehlverhalten der Lehrerpersönlichkeit kann schlimme Auswirkungen haben. Das liegt dann aber weder am System noch am Leistungsgedanken.

Weg mit der Verfälschung des Leistungsgedankems!

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Friedrichshain-Kreuzberg Gute Grundschulen Kinder Mobbing in der Schule Vorbildlichkeit

“Ich würde meine Kinder (nicht) in Kreuzberg einschulen”, oder: würde, hätte, sollte

Ich würde meine Kinder auch nicht in Kreuzberg einschulen.” Ein berühmter Satz des Regierenden Bürgermeisters Wowereit. Derartige Redlichkeit kommt beim Berliner Wahlvolk gut an – die Berliner haben ihn wiedergewählt.

Ich würde meine Kinder in Kreuzberg einschulen.” Ein schöner, gutklingender Satz der Schulsenatorin Scheeres, der gestern gedruckt im Tagesspiegel stand. Ich hege nicht den geringsten Zweifel, dass die Schulsenatorin ihre Kinder in Kreuzberg einschulen würde, wenn sie hier wohnte. Würde, hätte, sollte! Ja, bitte, gern, tun Sie es. Ziehen Sie nach Kreuzberg, genießen Sie es! Wir brauchen hier in Kreuzberg wahrhaftig  Mütter und Väter, denen ihre Kinder nicht zu schade sind, um sie in den Dienst der Integration zu stellen (von “opfern” sollte man nicht reden).

Ich meine in der Tat: Jede Berliner Politikerin, jeder Bildungsfunktionär, jede Elternsprecherin, jede Bildungsforscherin, jede Bildungspolitikerin, jeder Lehrergewerkschafter (insbesondere GEW) sollte die eigenen Kinder mindestens für ein oder zwei Schuljahre in eine “Grundschule im sozialen Brennpunkt” schicken.

So wie dieser hier schreibende Blogger es ja auch getan hat. Reisen bildet. Umziehen bildet. Glauben Sie mir: Dies ist ein echter Augenöffner. Man kann danach die Verlautbarungen und Erklärungen all der Bildungsforscher, Lehrergewerkschafter, Bildungspolitiker, selbsternannten BenachteiligtensprecherInnen – sagen wir mal – “besser einordnen”. Und lässt sich nicht mehr so leicht einen Bären aufbinden.

Bitte wählen Sie dazu eine Schule mit möglichst hohem ndH-Anteil, mit möglichst hohem Anteil an von der Zuzahlungspflicht befreiten, also arbeitslos gemeldeten Eltern.

Übrigens: Von zur Zeit 26.429 Berliner Lehrern sind mehr als 1400 dauerkrank geschrieben. Wie man hört, steigt die Zahl der Krankmeldungen periodisch zu bestimmten Jahreszeiten an.

Es wäre interessant, die vom Amtsarzt gestellten Diagnosen nach Krankheitsbildern und nach Schulstandorten aufzuschlüsseln. Doch genau das geschieht in der Öffentlichkeit nicht. Und solange das nicht geschieht, hat auch das Rätseln über die Ursachen des unfassbar hohen Krankenstandes der Berliner Lehrer wenig Sinn. Werden Lehrer in bestimmten Gegenden eher krank?

Was ergibt ein statistischer Vergleich zwischen – sagen wir – Pankower und Kreuzberger Schulen? Was macht die Lehrer an Berliner Schulen krank? Die Schulpolitik? Die nachlässigen Eltern? Die schlechterzogenen Kinder? Der Stundenplan? Die Schulbürokratie? Der Feinstaub in der Berliner Luft? Die Reformwut? Die zu großen Klassen? Die zu kleinen Klassen?

So viele Fragen! Wir haben alle noch sehr viel zu lernen.

http://www.tagesspiegel.de/berlin/ich-wuerde-meine-kinder-in-kreuzberg-einschulen-senatorin-scheeres-lobt-berlins-brennpunktschulen/6964682.html

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Gute Grundschulen Kinder

“Schafft endlich saubere Verhältnisse an Berliner Schulen!”

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http://www.qiez.de/berlin,friedrichshain,kreuzberg,reinickendorf/bildung/schulen/eltern-fordern-mehr-hygiene-an-schulen-in-friedrichshain-kreuzberg-und-reinickendorf/3959453

“Mehr Sauberkeit an Berliner Schulen!” Rührige Eltern schlagen jetzt die Trommel gegen den Feinstaub, der sich unerträglich auf die empfindlichen Schleimhäute der Kinder lege, da der Senat nur drei Mal pro Woche die Klassenräume wischen lasse.

“Schafft endlich mehr Sauberkeit an Berliner Schulen!”

Wer wollte sich einer solchen Forderung entgegensetzen!

“Meine Tochter geht schon gar nicht mehr auf die Toilette, weil es da so unsauber ist! Ihr droht also eine Blasenentzündung!  Bitte, tun Sie etwas! Fordern Sie, dass der Senat mehrmals täglich die Schultoiletten reinigt!” Ich, ungerührten Auges: “Ihre Tochter hat sich beschwert. Dann lassen Sie uns doch mal besprechen, was wir gegen das Problem der verschmutzten Toiletten tun können.”

So oder ähnlich lagen mir Eltern in den Ohren, wenn wieder einmal das Gespenst der drohenden Blasenentzündung umging.  Ich las es damals in den Zeitungen des vorvergangenen Winters, und dann kamen bei mir in meiner damaligen Eigenschaft als Elternsprecher die Eltern an, die sich ebenfalls bitterlich über eine drohende Blasenentzündung der Kinder beschwerten.

Es kam dann durch Gespräche und Besichtigungstouren heraus, dass viele Schulkinder die Grundregeln der hierzulande üblichen  Toilettenbenutzung nicht kannten oder nicht einhalten wollten.

Lösung des Problems in diesem Fall: Den Schulkindern musste beigebracht werden, nach der Toilettenbenutzung das WC-Becken zu spülen, notfalls auch unter Gebrauch einer WC-Bürste, und sich anschließend die Hände zu waschen. Ferner musste ihnen beigebracht werden, benutzte Papierhandtücher in den Abfallbehälter und nicht auf den Boden zu werfen.  Darüber hinaus wurde ihnen eingeschärft, die Toilettenräume nicht als Aufenhaltsräume zu nutzen, sondern nur für das dort zu verrichtende Geschäft.

Die Probleme der unhygienischen Verhältnisse sind mir wahrlich aus meiner langjährigen Tätigkeit als Elternvertreter an den verschiedensten Berliner Schulen bekannt.

Ich halte allerdings diese im obigen Artikel wiedergegebene Darstellung der Eltern für weit übertrieben! Gerade das Feinstaub-Argument grenzt an reinste Hypochondrie. Es ist ein richtiger, ein sauberer “Hygienefimmel”. Was wohl Allergologen dazu sagen, zu diesem Wahn, den Kindern ein klinisch reines Umfeld hinzaubern zu wollen?

Mein persönlicher Eindruck: Mangelnde Sauberkeits-Erziehung der Kinder ist meist die Hauptursache der unhygienischen Verhältnisse in Berliner Schulen.

Man muss allerdings nicht immer nach der Staatsknete von Väterchen und Mütterchen Staat rufen! Eine regelmäßige Schul-Putzaktion der Schüler (und Eltern) könnte da schon kleine Wunder bewirken. Das gleiche gilt für Plätze, Straßen, Hauswände …

Was man selber sauberhalten muss, das behandelt man anders. Und daran, an der pfleglichen, schonenden Einstellung gegenüber unserem unmittelbaren Lebensumfeld fehlt es sehr oft. Bestes Beispiel: der müllübersäte Görlitzer Park in Kreuzberg, die überall beschmierten und verzierten Hauswände in Friedrichshain.

Wir Bürger, auch schon oft die kleinsten, benehmen uns allzuoft in der Wohnung, im öffentlichen Raum, aber auch in der Schule so, als stünde stets ein wischmoppbewaffneter Putzmann (oder – warum nicht? –  eine wischmoppbewaffnete Putzfrau) hinter uns.

Ich würde Themen wie “hygienischer Toilettengang”, “Sauberkeit im Schulgebäude und im Schulhof” zum Thema der Unterweisung im Berliner Grundschulunterricht machen, und zwar ab Schultag 1.

Etwas mehr Selbstzucht, etwas mehr Einhaltung von anerkannten Regeln, und viele Probleme lassen sich mit gutem Willen aller Beteiligten lösen. Ganz ohne Staatsknete.

Unser heutiges Bild zeigt einen Blick auf die Wasser des Königssees, des reinsten Sees in ganz Deutschland.

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bitte! Friedrichshain-Kreuzberg Gute Grundschulen Integration Neukölln Türkisches

Weg aus Kreuzberg, oder: Et tu, Mutlu?

Entmischung ist das Gegenteil von Integration. UND WIEDER EINER ENTMISCHT SICH! So lautet das schlimme Wort, das ich vor mich hin murmele, wenn ich höre, dass wieder einer meiner zahlreichen besserverdienenden Kiez-Nachbarn Kreuzberg (oder auch Neukölln) verlassen hat, sobald die Kinder auf eigenen Beinen in die nahegelegene GRUNDSCHULE DER KURZEN WEGE FÜR ALLE KINDER! gehen müssten.

Schade. Ich wünsche mir weiterhin die gegenteilige Bewegung: Zuzug der selberverdienenden Familien mit Schulkindern zu uns nach Kreuzberg und Neukölln. Es ist doch alles ein soo wahnsinnig gut funktionierender Multi-Kulti-Kiez, nicht wahr?

Und dann ist’s auch schon vorbei mit meinem Bekenntnis: Ne mutlu Kreuzbergüm diyene!  Ich erinnere daran: Mutlu heißt glücklich! O glücklich, wer sich Kreuzberger nennen darf!

Güner Balci gab als Grund für ihren Wegzug aus dem gut funktionierenden Multi-Kulti-Kiez Neukölln an: “Niemand opfert seine eigenen  Kinder für die Integration.” Sprach’s und zog weg von Neukölln nach Mitte.

Mitte entwickelt sich ebenso wie Prenzlauer Berg für Besser- und Selberverdiener mit Schulkindern immer mehr zur zugkräftigen Alternative zu den komplett entmischten oder sich weiter entmischenden Stadtvierteln Kreuzberg und Neukölln. Die taz bringt mit vollem Namen soeben ein weiteres gutes Beispiel dafür.  Lest:

http://www.taz.de/!96100/

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Angst Friedrichshain-Kreuzberg Gute Grundschulen Migration Türkisches

Entmischt. Oder: Ziehen Besserverdiener nach Kreuzberg zu oder aus Kreuzberg weg?

Bei einer sehr traurigen Veranstaltung in der Köthener Straße freute ich mich, auch einen berühmten Kreuzberger Politiker und Landtagsabgeordneten zu sehen, der bis vor kurzem in genau dem Einzugsbereich der staatlichen Grundschule wohnte, zu der auch ich gehöre und in die auch mein Kind und viele andere  Kinder unseres gemeinsamen Kreuzberger Kiezes gingen.  Wir hätten uns damals sicherlich begegnen können, wenn mein berühmter Kieznachbar zufällig grundschulpflichtige Kinder in dieselbe normale staatliche Pflichtschule unseres gemeinsamen Schul-Einzugsbereiches geschickt hätte. Denn ich unterstütze die Forderungen  nach “Eine gemeinsame Grundschule für alle! Eine Grundschule der kurzen Wege!” Es wäre toll, wenn ein Kreuzberger Abgeordneter des Berliner Landtags seinen Einfluss für unseren gemeinsamen Wohnkiez hätte geltend machen können. Denn die Fanny-Hensel-Grundschule ist eine der besten, wahrscheinlich sogar die beste Kreuzberger Grundschule, die ich kenne. Sorry, Charlotte-Salomon-Schule, sorry Glassbrenner-Schule, sorry Clara-Grunwald-Schule, ihr seid schon auch alle sehr gut!

Gefreut hat mich auch, dass Özcan Mutlu MdA endgültig und unwiderleglich aufräumt mit der Vorstellung, in Kreuzberg zögen nur Besserverdienende zu. Das Gegenteil ist mindestens ebenso richtig. Sehr viele besserverdienende Familien mit Kindern ziehen aus unserem gemeinsamen Einzugsbereich in Kreuzberg weg, sobald die Kinder das schulpflichtige Alter erreicht haben.

Viele Türken, Polen, Italiener sind froh, wenn sie unserer vielgerühmten Kreuzberger Mischung – oder besser Entmischung – entkommen können, sobald ihre Kinder das schulpflichtige Alter erreichen. “Das ist nicht Deutschland hier in Kreuzberg”, diese Klage habe ich sehr oft von Kreuzberger Polen, Arabern, Türken, Libanesen, Kurden gehört. Und dann sah ich sie sehr zu meinem Bedauern wegziehen. Zu Dutzenden!

Dass gerade jetzt vor kurzem auch der berühmte Abgeordnete aus unserem Kreuzberger Multi-Kulti-Kiez, aus unserer an sich wahnsinnig netten Gegend weggezogen ist, bedaure ich. Aber ich verstehe ihn ebenso wie all die anderen Türken, Kurden, Deutschen, Libanesen und Palästinenser, die vor ihm weggezogen sind.

Der Tagesspiegel berichtete die zutreffenden Aussagen meines ehemaligen Kreuzberger Kieznachbarn:

Ein paar Hausnummern weiter runter in der Straße hat bis vor wenigen Monaten der Grünen-Abgeordnete Özcan Mutlu gewohnt. „An sich eine nette Gegend, allerdings hat sie sich entmischt“, sagt Mutlu. Familien mit etwas besseren Jobs seien weggezogen.

Es stimmt schon, was der Politiker der Grünen diagnostiziert: In Kreuzberg hat eine große Entmischung der Bevölkerung stattgefunden und geht auch noch weiter. Viele Besserverdiener ziehen weg.

Und jetzt liegt eine riesige schwarze Wolke über unseren Herzen.

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Analı babalı Das Böse Einladungen Familie Friedrichshain-Kreuzberg Gute Grundschulen Haß Männlichkeit Nahe Räume Neukölln Opfer Türkisches

Trauer über so viel zerstörtes Leben!

Direkt in meiner Nachbarschaft reißt der Wahnsinn viele Kinder und Erwachsene in den Abgrund. Ein Ehemann ermordet seine Frau, zerstückelt die Leiche und wirft sie vom Dach des Hauses in den Hof. Ich kenne einige Familien aus der Siedlung, halte mich immer wieder mal dort auf und plaudere. Die Kinder wirken alle sehr aufgeweckt. Gewalt und Schläge der Männer sind selbstverständlicher Teil des Alltags für viele Kinder und Frauen im Viertel. Sozialarbeiter sind hier seit langem überfordert. Der Staat schaut weg, teilweise haben die meisten Politiker noch nicht einmal im Ansatz begriffen, wie die Zusammenhänge sind. Der Tagesspiegel, der direkt daneben residiert, berichtet nichts über seine Nachbarschaft, ebensowenig wie die andere gutbürgerliche Presse.  18 Monate lange hat einer meiner Söhne die Grundschule in diesem Kiez besucht. Dann meinten wir dies nicht mehr verantworten zu können. Die schöne Architektur aus den IBA-Zeiten erinnert an die würfelförmigen Kasbahs im Maghreb.

Gute Initiative – zu der nicht nur türkische Männer, sondern auch kurdische, deutsche, arabische, palästinensische und überhaupt Männer kommen sollten! Lies:

Kundgebung “Türkische Männer protestieren gegen Gewalt und Barbarei”


Nach dem barbarischen Mord eines Türkei stämmigen Mannes an seiner Ehefrau in der Nacht zum 04.06.2012 in Berlin-Kreuzberg ruft die Türkische Vätergruppe  des Vereins Aufbruch Neukölln zu einer Kundgebung unter dem Motto “Türkische Männer protestieren gegen Gewalt und Barbarei” auf.

Redner: Kazim Erdogan

Ort: Köthener Str. 37, 10963 Berlin (Tatort)
Datum: 05.06.2012
Uhrzeit: 19.00 Uhr

Auf der Kundgebung werden T-Shirts mit der Aufschrift “Männer gegen Gewalt” verteilt.

 

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Dauerkrank wegen zu geringer Bezahlung? Wegen fehlender Verbeamtung?

Immer wieder unterhalte ich mich seit 3 Jahrzehnten mit Kreuzberger und Berliner Lehrern über die Belastungen ihres Berufes. Viel zu viele habe ich dauerkrank werden sehen, andere haben eines jener berühmten Umsetzungsgesuche gestellt und verabschieden sich in andere Bezirke oder wechseln an private Schulen über. 5% der Berliner Lehrer sind dauerkrank geschrieben, selbstverständlich kommen dazu noch die üblichen zeitweilig Kranken, so dass sich insgesamt an den Schulen ein Krankenstand von weit über 10 % ergeben kann.

Bei so einem hohen Kankenstand würden in jedem Unternehmen die Alarmglocken schrillen. Etwas stimmt dann im Betrieb nicht.

Mein Haupteindruck:  Die Berliner Lehrer an staatlichen Schulen werden zu wenig gewürdigt, ihnen wird zu wenig zugehört. Ein Recht, sich öffentlich zu melden, haben sie als einzelne nicht. Selbst einen Leserbrief über die Situation an Kreuzberger Schulen dürfen sie nicht schreiben, das wäre eine Verletzung des Dienstgeheimnisses. Ich kenne kaum eine Berufsgruppe, die so viel schlucken muss.

Aber es gibt ja die Gewerkschaften! Wie erklärt GEW-Vorsitzende Sigrid Baumgardt den hohen Krankenstand und die Abwanderung der Lehrer? Ihre Antwort steht heute – passend zu einem Gespräch mit Schulsenatorin Scheeres – in der Morgenpost auf S. 11. Demnach wären die Lehrer durch die vielen Reformen, durch erhöhte Dokumentationspflichten, durch mangelnde Verbeamtung und durch zu geringe Bezahlung unter Druck und würden dadurch krank.

Die GEW fordert also: Weniger Pflichtstunden, mehr Gehalt! So weit die eingängige, gut klingende Lösung der GEW. Ja, darin ist die GEW gut, so etwas zu fordern – zumal, da die Lehrer Schlange stehen, um endlich in Berlin arbeiten zu dürfen, und die Kassen der Stadt prall gefüllt sind! Es fehlt noch die Forderung nach kleineren Klassen, hüstel.

Ich würde die Senatorin Scheeres bitten, erst einmal von innen hinzusehen, hinzuhören und die einzelne Lehrerin, den einzelnen Lehrer zu fragen: “Was macht Sie krank?”

Die Senatorin würde dann andere Antworten bekommen als von der GEW. Weitere zielführende Fragen:

“Würde es Ihnen helfen, wenn Sie mehr Gehalt bekämen?”

Ich vermute: Die zahlreichen Dauererkankungen der Berliner Lehrer entspringen vor allem dem Schulalltag, dem Umgang mit den immer schwieriger werdenden Schülern und den immer schwieriger werdenden Eltern, verbunden mit dem Gefühl, vom Senat und der Schulpolitik verschaukelt zu werden und von den Gewerkschaften ebenfalls nicht vertreten zu werden. Manche Lehrer an den staatlichen Schulen Berlins haben offenkundig das Gefühl, auf verlorenem Posten zu kämpfen, als einzelne Persönlichkeiten einfach nicht wahrgenommen zu werden.

“Sind Sie wegen mangelnder Verbeamtung dauerkrank?” Eine unsinnige Frage. Gerade verbeamtete Lehrer sind häufig dauerkrank.

Und die Situation an Kreuzberger und Neuköllner staatlichen Schulen? Ist und bleibt nicht so rosig, wie sie aus nötigem Zweckoptimismus zu Recht meist dargestellt werden muss. Ich meine: Über weite Strecken ist die Lage unhaltbar. Die wenigen Schüler ohne den richtigen Migrationshintergrund werden vielfach gnadenlos rausgedrängt oder rausgemobbt. Und da dies nicht offen diskutiert werden darf, weil dann sofort der Vorwurf des Rassismus oder der Islamophobie erhoben wird, schweigen viele Lehrer und flüchten in Dauer-Krankheit, oder sie stellen die berühmten Umsetzungsgesuche.  Erst kürzlich hat wieder ein kleines Häufchen von Schülern, die leider Deutsch als Muttersprache haben und dafür nichts können, eine vielgerühmte Kreuzberger Schule, an der nach Presseberichten alles gut läuft, geschlossen verlassen.

Not tut ein offenes Gespräch. An mangelnder Bezahlung werden die Lehrer nicht krank, auch nicht an zu hohen Arbeitszeiten.

Nur vertrauensvolle, nichtöffentliche und unter Datenschutz erfolgende Gespräche mit den kranken Lehrern, – bitte nicht mit der GEW oder sonstigen ihr eigenes Verbandssüppchen kochenden Funktionären –  können der Senatorin ein zutreffendes Bild über die Ursachen der vielen Dauer-Krankschreibungen liefern.

Machen Sie sich ein Bild, Frau Senatorin!

Lehrermangel – GEW fordert mehr Gehalt für Berliner Lehrer – Berlin Aktuell – Berliner Morgenpost – Berlin