Vorbild Türkei (2): Flaggen zeigen! Hereinholende Identitäten stiften!

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März 302010
 

Kürzlich warfen wir einen Blick auf die „hereinholende Türkisierung“, welche der türkische Staat mit den aus seinem Territorium nach Deutschland zugewanderten türkischen Staatsbürgern betreibt. Jeder in Deutschland lebende, aus Anatolien stammende Kurde soll – auch wenn er noch so schlecht Türkisch spricht – nachträglich seine Zugehörigkeit zum türkischen Vaterland erkennen und vertiefen. Alle Kurden, Jesiden, Aleviten usw. sollen erkennen: „Wo wir sind, ist Türkei! Ne mutlu Türküm diyene!“

Die 10 bis 11 Millionen Türkisch-Kurden sollen erkennen, dass nur der türkische Staat sich ihrer wahrhaft annimmt. Die Bundesrepublik Deutschland lässt es freundlich lächelnd, großzügig Sozialhilfe zahlend geschehen …

Wie erklärt die Türkei sonst noch ihren Geltungsanspruch? Auf fast jedem türkischen Inselchen und Eiland, das irgendwann einmal lydisch oder dorisch oder medisch besiedelt war, flattert heute eine türkische Flagge. Sie verkündet es laut und deutlich: „Hier sind wir und hier bleiben wir.“ Die Lyder, Dorer und Meder sind schon lange weg und kommen erst allmählich wieder – als Urlauber.

Lernen wir von der Türkei – schaffen wir das Bewusstsein der eindeutigen Zugehörigkeit, der solidarischen Fürsorge! Ich wünsche mir deshalb, dass in jeder Berliner Schule vier Flaggen gezeigt werden. Welche?

Zunächst einmal – der Schulwimpel. Jede Berliner Schule sollte allen Kindern ein äußeres Zeichen der Zugehörigkeit anbieten. Das kann ein Schulpullover sein, das kann und soll ein Schulwimpel sein, das kann und soll eine Schulhymne sein. Mit solchen Symbolen des Dazugehörens wird laut und deutlich verkündet: „Du gehörst dazu. Jede, die den Schulpullover trägt, ist eine von uns! Jeder, der den Schulwimpel trägt, ist einer von uns!“

Ich höre euch rufen: Bitte Beispiele! Hier kommen sie:

Der Schulwimpel der Thalia-Grundschule verkündet: „Hier ist – die Thalia-Grundschule. Wir gehören alle dazu. Wir sind die Thalia-Grundschule. Seid Thalia-Grundschule!“

Der Schulpulli der Aziz-Nesin-Grundschule bedeutet: „Hier ist – die Aziz-Nesin-Grundschule. Wir gehören alle dazu. Wir sind die Aziz-Nesin-Grundschule. Sei Aziz-Nesin-Grundschule!“

„Hier ist – die Spartacus-Grundschule. Wir gehören alle dazu. Wir sind die Spartacus-Grundschule. Seid Spartacus-Grundschule!“

Als zweite Flagge sehe ich die Flagge des Bundeslandes Berlin. In den Farben Weiß-Rot mit dem Bären. Damit wird laut und deutlich verkündet:

„Hier ist – Berlin. Wir gehören alle dazu. Wir sind  Berlin. Be Berlin!“

Als dritte Flagge wünsche ich mir deutlich sichtbar an allen Berliner Schulen die Bundesflagge schwarz-rot-gold. Sie soll es kinderleicht fassbar klarstellen:

„Hier ist – die Bundesrepublik Deutschland. Wir gehören alle dazu. Wir sind die Bundesrepublik Deutschland.“

Und als vierte Flagge brauchen wir die Flagge der Europäischen Union. Denn jedes Kind sollte von klein auf folgende Botschaft erfahren: „Wir sind hier in Europa. Der Kreis der zwölf Sterne auf blauem Grund steht für Harmonie und Solidarität der europäischen Völker. Seien wir – Europa. Europa gelingt gemeinsam.“

Was ist nun über widersprüchliche Zugehörigkeiten zu sagen? Davon rate ich ab! Kinder haben es gern eindeutig. Sie brauchen eindeutige Loyalitäten. Ich halte es für grundfalsch, den Kindern einzuimpfen: „Wir sind hier in Deutschland. Aber eigentlich – bist du Araber.“ Oder: „Wir sind hier in Deutschland. Aber eigentlich – bist du Türke.“ Richtig: „Wir sind hier in Deutschland. Du bist ein deutsches Kind. Deine Eltern sind aus Libanon zugewandert. Vergiss die Geschichte deiner Eltern nicht! Vergiss die Sprache deiner Eltern nicht! Lerne mindestens ein paar Brocken Arabisch! Lerne mindestens ein paar Brocken Türkisch! Aber sei dir bewusst, dass dies alles hinter dir liegt. Es ist dein Leben, das vor dir liegt! Dein Leben ist hier in Deutschland. Deutschland ist jetzt deine Heimat.“

PS: Die hübschen Namen der Grundschulen sind alle echt. Diese Schulen gibt es in unserer gemeinsamen Heimat Friedrichshain-Kreuzberg.

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März 292010
 

Interessant! In Deutschland ist die Berechtigung zum Bezug von Sozialhilfe laut Sozialgesetzbuch II § 7 an den „gewöhnlichen Aufenthalt“ geknüpft. Hat man also seinen gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland, so wird man – nach Ablauf von 3 Monaten – automatisch anspruchsberechtigt. Man hat im Grunde auf Lebenszeit ausgesorgt, und zwar um so verlässlicher, je weniger berufliche Qualifikationen man hat.

Idealerweise liegen keine Deutschkenntnisse vor, denn dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Vermittlung in ein Arbeitsverhältnis auf Null.  Das Gleiche gilt für alle Personen, die in einer Bedarfsgemeinschaft mit dem Berechtigten leben. Und so erklärt sich auch, wie man mithilfe einiger weniger Manipulationen den deutschen Sozialstaat aushebeln kann. Welche Manipulationen? Das wissen die Eingeweihten, dafür gibt es Anleitungen, die sich größter Beliebtheit erfreuen. Das Entscheidende ist: Man muss irgendwie, mit irgendwelchen Papieren nachweisen können, dass man seinen gewöhnlichen Aufenthalt  seit mindestens 3 Monaten in der Bundesrepublik Deutschland hat. Alles andere ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Kinderspiel. Die bestehende Rechtslage ist geradezu eine Einladung zur Selbstbedienung.

Diese Regelung schadet den Zuwanderern und hintertreibt nachhaltig die Integration der Ausländer. Sie ist geeignet, den Umfang der Sozialleistungen potenziell ins Unermessliche wachsen zu lassen. Es fällt jeder Anreiz fort, eine Beschäftigung zu suchen, zumal in Zeiten erhöhter Arbeitslosigkeit. Was man hat, das hat man.

SGB II § 7 Berechtigte
(1) Leistungen nach diesem Buch erhalten Personen, die

1.
das 15. Lebensjahr vollendet und die Altersgrenze nach § 7a noch nicht erreicht haben,
2.
erwerbsfähig sind,
3.
hilfebedürftig sind und
4.
ihren gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland haben.

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März 282010
 

Die allermeisten, die sich mit entschiedenen Ansichten zur Integrationsdebatte äußern, beziehen ihr Wissen aus zweiter Hand. Sie folgen vorgefertigten Bahnen, haben nicht auf eigene Faust Erfahrungen in migrantisch dominierten Vierteln und migrantischen Familien gesammelt. Und die eigenen Kinder schicken sie bewusst auf Schulen, in denen Migranten die Minderheit darstellen. Die meisten Politiker und Journalisten sitzen mangels eigener Anschauung wieder und wieder denselben Irrtümern auf. Welchen?

1. Irrtum: Die Zuwanderer aus Ländern wie der Türkei oder dem Libanon seien individuell, als Einzelpersonen, aufgebrochen, um „anderswo ihr Lebensglück zu machen“. So schreibt es soeben wieder einmal der Berliner Tagesspiegel.  Nichts wäre irreführender als das heute anzunehmen!  Es handelt sich heute fast durchweg um Gruppenmigration. Aus einer Gruppe – in eine Gruppe hinein! Ein Anreiz zur Integration im neuen Land besteht foglich zumeist nicht. Richtig ist: Menschengruppen, die im Herkunftsland keinerlei Perspektive auf Wohlstand und Versorgung haben, brechen auf Beschluss einiger führender Männer auf und wandern als Kollektive auf einmal oder nach und nach in die Bundesrepublik ein. Diese Kollektive verstärken sich durch den Zuzug von Ehepartnern aus den Herkunftsländern laufend neu, bauen gut miteinander vernetzte, autarke Zusammenhänge auf. Diese sich ständig erweiternden Netzwerke in die bestehende deutsche Mehrheitsgesellschaft einbauen zu wollen, halte ich mit den bisherigen Methoden der Integrationspolitik für ausgeschlossen. Die zuwandernden Menschen haben auch nichts weniger im Sinn als dies. Die Integration in die deutsche Mehrheitsgesellschaft würde ja ein Aufbrechen der bisherigen Versorgungsgemeinschaft bedeuten, würde zusätzliche Risiken bergen.

Hier bedarf es einer stärkeren Einfühlung in die Mentalität und die Interessen der Zuwanderer. Sie empfinden subjektiv meist keine Notwendigkeit, sich individuelle Perspektiven zu erarbeiten, sondern sind mit dem Staus quo mehr oder minder zufrieden.

Ein Aufbrechen dieses Zusammenhangs ist meines Erachtens nur über  eine strenge zeitliche Befristung der Sozialhilfe für Angehörige anderer Staaten zu erreichen. Nach einem relativ kurzen Zeitraum, etwa nach 6-12 Monaten, muss die Sozialhilfe für Zuwanderer mit fremder Staatsangehörigkeit automatisch auslaufen – mit dieser klaren, vor der Einreise mitgeteilten Ansage würde endlich ein deutlicher Anreiz gesetzt, sich durch Arbeit zu integrieren.

Der vielbeschworene „Aufstiegswille“, wie ihn neuerdings etwa Klaus Wowereit fordert, lässt sich meines Erachtens nur durch den termingenauen Fortfall der Sozialhilfe erzielen. Ich sehe keinen anderen Weg.

Als Vorbild dafür müssten die Clinton’schen Sozialreformen des Jahres 1996 dienen. Die zeitliche Beschränkung der Sozialhilfe durch die beiden Sozialgesetze “Personal Responsibility and Work Opportunity Reconciliation Act“ (PRWORA) und “Temporary Assistance to Needy Families“ (TANF) führten wie angestrebt zu einem deutlichen Rückgang der Kinderarmut und zu einem Rückgang der Zahl der sozial benachteiligten unverheirateten Mütter. Und vor allem verhinderten die Sozialreformen des Jahres 1996, dass weiterhin in großem Umfang eine hohe Kinderzahl als Quelle von Einkommen durch Sozialhilfe ausgenutzt wurde.

2. Irrtum: Der zweite große Mangel der deutschen Migrationsdebatte besteht darin, dass systematisch die Politik der Herkunftsländer vernachlässigt wird. Die Regierungen der Türkei, Lybiens und Syriens hatten und haben ein Interesse daran, bestimmte Bevölkerungsschichten loszuwerden. Das haben insbesondere die Wissenschaftler Stefan Luft und Ralph Ghadban herausgearbeitet. Diese Staaten kommen so um die Notwendigkeit herum, selbst funktionierende Sozialsysteme aufzubauen, und können ihre eigene Problembevölkerung in Deutschland „unterbringen“ oder „abschieben“. Darüber hinaus nutzt ein Staat wie die Türkei diese „untergebrachte“ Bevölkerung sehr geschickt als Hebel, um eigene machtpolitische Ambitionen voranzutreiben und willkommene Devisen zu erringen.

Ich meine: Hier ist unbedingt der offene Dialog mit den Regierungen der Türkei, des Libanon und Syriens zu suchen.  Grundfrage muss sein: „Warum schickt ihr eure Landsleute zu uns? Was sind eure Interessen? Warum baut ihr kein Sozialversicherungssystem auf, das dem deutschen vergleichbar ist?“

3. Irrtum: Der dritte Irrtum lautet: „Diese zugewanderten Menschen sind sozial schwach und benachteiligt.“ Dies mag vielleicht gegenüber dem deutschen Durchschnitt gelten. Gegenüber  den Bedingungen in den Herkunftsländern stellt aber eine Hartz-IV-Existenz einen bedeutenden materiellen Gewinn und auch eine im Ursprungsland unerreichbare finanzielle Sicherheit dar. Die Sogwirkung des deutschen Sozialstaates besteht ungemindert, zumal da die deutsche Sozialpolitik weiterhin einen zweiten klug bedachten, weiterführenden Umbau des Systems scheut.

Hier ist insbesondere die Axt an die mittlerweile blühende Migrations- und Sozialindustrie zu setzen. Mir hat einmal eine Berliner Sozialarbeiterin erzählt, wie sie zwei Mal versuchte, mit einem türkischen, von Sozialhilfe lebenden Vater, der hier in Berlin aufgewachsen und  zur Schule gegangen ist, über Probleme mit einem Kind zu sprechen. Es war nicht möglich. Der Vater verstand auf Deutsch nicht, worum es ging. Auf Kosten des Staates musste zu den folgenden Gesprächen ein türkischer Dolmetscher beigezogen werden. Ein Fall von tausenden! Die Sozialarbeiter, die Berater, die Bewährungshelfer, die Dolmetscher usw., die unglaubliche Vielzahl an staatlich geförderten Initiativen, Vereinen, Beratungsstellen, Therapeuten usw. haben sich zu einer üppigen steuerfinanzierten Industrie ausgewachsen, die nichts mehr fürchtet als den Fortfall ihrer „Stammkundschaft“. Folglich verstehen die Vertreter dieser Industrie nichts besser, als unablässig die Öffentlichkeit von ihrer Unverzichtbarkeit zu überzeugen.

Ich rate zur Zurückführung der staatlichen Beratungs- und Förderleistungen. Sie sind aufs Ganze gesehen eher kontraproduktiv, weil sie Hilfeempfänger heranzüchten und Selbsthilfekräfte lähmen.

Das freigewordene Geld sollte zukunftsfähig investiert werden.

(Serie wird fortgesetzt.)

Kommentar aus dem heutigen Tagesspiegel:

Die Richtung geht verloren
Es waren und sind die Enkel von Migranten aus der Türkei, die oft genug mit so schlechten Deutschkenntnissen in die Schule kommen, dass ihr Weg in die Sackgasse schon in der ersten Klasse besiegelt wird. Sie sind Opfer der Illusionen von Bewegung ohne Veränderung, die ihre Eltern meist hilflos, die religiösen und politischen Führer in der Türkei oft genug sehr machtbewusst pflegen. Ihre Richtung aber hat die moderne Migration verloren, weil die Mehrheitsgesellschaften selbst vergessen haben, dass individuelles Menschenrecht und Demokratie eine unübertreffliche Orientierung für Menschen sind, die aufbrechen, um anderswo ihr Lebensglück zu machen.

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März 272010
 

Der Wettbewerb der deutschen Bundesländer um die beste Integrationspolitik ist entbrannt! Und das freut mich sehr. Denn bisher hatte das volkreichste Bundesland – Nordrhein-Westphalen – nahezu uneinholbar die Nase vorn: „Jedem Kind ein Instrument“ etwa ist so eine großartige Sache, die wir Berliner hätten zuerst vorlegen müssen!  Das erste Integrationsministerium bundesweit hat NRW, und mit Armin Laschet einen Vorzeigemacher, der obendrein ein konzeptionell starker Denker ist. Siehe sein Buch „Die Aufsteigerrepublik“, auf das natürlich Hinz und Kunz (und auch Klaus) sofort – also mit 3-4 Monaten Bedenkzeit – aufgesprungen sind.

Aber das von Burkard Dregger und Monika Grütters vorgelegte Papier „Gemeinsinn und Leistung“ ist es ebenfalls wert, genau studiert zu werden. Ich vernehme neue Töne, auch eine begriffliche Klarheit, die weit über das sloganartige „Fördern und Fordern“ hinausgeht.

Allein schon die Tatsache, dass Grütters und Dregger der Bundesrepublik so etwas wie „Nation building“ empfehlen, zeigt, dass sie den Ernst der Lage erkannt haben.  Denn Nation building, das ist ein Begriff, der eigentlich der Schaffung verbindlicher Institutionen in auseinanderfallenden oder erst entstehenden Gesellschaften vorbehalten ist, etwa Somalia oder Afghanistan. In Gesellschaften, die ihre innere Einheit erst noch erringen müssen. So wie unsere. Wir haben die innere Einheit noch nicht erreicht. Die dritte deutsche Einheit, also die zwischen den deutschen Einheimischen und den türkischen, russischen, arabischen, chinesischen …  Zuwanderen steht noch aus.

Ich halte Gemeinsinn – oder „Gemeindrang“, wie dies Goethes Faust nennt – und Leistung in der Tat für die beiden notwendigen, notwendenden Schlüsselbegriffe der Integrationsdebatte. Dass Dregger und Grütters dies bereits im Titel ihres Papiers ausdrücken, ist ihnen sehr hoch anzurechnen. Und dass sie ausdrücklich den Begriff „Vorbild“ im Untertitel nennen, ist ein weiterer Vorzug.

Lest das Papier, streitet darüber, redet euch die Köpfe heiß! Ich finde es sehr gut, wenngleich es mir – dem vielgeprüften Kreuzberger – in einigen Punkten noch zu weich, zu lieblich ist. Es ist dennoch ein großer, ja großartiger Wurf, der aufhorchen lässt.

Was sagt eigentlich der deutsche Politiker Badr Mohammed zu diesem Papier? Sabine Rennefanz berichtet heute auf S. 20  in der Berliner Zeitung:

Die alte CDU ist eine neue – Berliner Zeitung
Der aus dem Libanon stammenden Integrationsexperte Badr Mohammed, der in der Islamkonferenz saß, lobt das Integrationspapier: „Das ist ein Quantensprung für die CDU“, sagt er. Er ist inzwischen auch CDU-Mitglied, zuvor war er aus der SPD ausgetreten, weil ihn deren Integrationspolitik nicht überzeugte. Die Thesen zur Integration sind ein Zeichen, dass die CDU sich selbst integrieren will – als ernstzunehmende politische Kraft.

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März 252010
 

Interessanter Bericht heute in der Berliner Zeitung  unter dem Titel „Geschlossene Gesellschaft“. Die dort gesammelten Beobachtungen halte ich für zutreffend. Es ist tatsächlich eine selbstgezogene unsichtbare Mauer um diese arabischen Familien. Sie wollen offenkundig nicht behelligt werden. Ich habe dies selbst erlebt, als ich intensiv an der Fanny-Hensel-Schule für den gestrigen Abend zum Thema „Die neuen Deutschen“ warb. Mehr als die Hälfte unserer Kinder dort kommen aus genau diesen geschlossenen kinderreichen arabischen Familien. Deutsche, polnische und türkische Eltern aus meinem Bekanntenkreis haben ihre Kinder schon abgemeldet. Referent: Badr Mohammed, ein CDU-Politiker kurdisch-libanesischer Abstammung. Einer der ihren! Wer hätte besser über die Lage der libanesischen Einwanderer reden können als er!

Der Abend war ein großer Erfolg! Es kamen viele Deutsche, Deutsch-Türken, Muslime deutscher und türkischer Abstammung, Christen und Konfessionslose, Schulhelferinnen, Sozialarbeiterinnen, 2 Journalistinnen namhafter Berliner Tageszeitungen, sogar einige wenige Mitglieder von der CDU Friedrichshain-Kreuzberg! Toller Referent, gute Beiträge und Fragen, tolle, offene, ehrliche Diskussion um die Überlebensfragen unserer Berliner Gesellschaft.

Wer nicht kam, das waren die Menschen, die Eltern von der Fanny-Hensel-Schule. Ich hatte Dutzende von Einladungen verteilt, die Eltern direkt angequatscht, sogar den unverzeihlichen Fauxpas begangen, arabische Frauen im Schulgebäude direkt anzusprechen und sie zu einem Diskussionsabend über ihre Lage, über die Lage unserer Kinder einzuladen. Nichts zu machen. So leicht kriegt man sie nicht. Eine Mutter hat die Einladung direkt vor meinen Augen in lauter kleine Stückchen zerrisssen. Auch sonst ist kein Vater und keine Mutter von der Fanny-Hensel-Schule gekommen. Wir haben es auch bisher nicht geschafft, dass eins der Kinder unserer wiederholten Einladung zu einem Besuch gefolgt wäre. Aber einen Bogen mache ich nicht um diese Menschen. Im Gegenteil! Ich gehe direkt auf sie zu.

Wir sind ja nicht deutsche Mittelschicht, sondern Kreuzberger Unterschicht. Wir haben ja nicht mal ein Auto.

Geschlossene Gesellschaft – Berliner Zeitung
Nicht nur die deutsche Mittelschicht macht einen großen Bogen um diese Familien. „Sobald mehrere arabische Familien an einer Schule sind, melden die türkischen Familien ihre Kinder dort nicht mehr an“, sagt die Jugendstadträtin von Kreuzberg, Monika Herrmann von den Grünen. Mit all den Sozialhelfern könne man im Grunde nur die Frauen und die Kinder unterstützen. „Wir haben große Schwierigkeiten, in so einen Clan reinzukommen“, sagt sie. Die Familien würden ihre Probleme lieber allein lösen, nicht mit Hilfe des Staates. Das wiederum hänge vor allem mit ihrem Eindruck zusammen, hier nicht gewollt zu werden.

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Renne nicht an gegen die Schranke!

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März 222010
 

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Die neuen Deutschen
Zwei führende Präsidiumsmitglieder der Deutschen Islam-Konferenz, Badr Mohammed und Nihat Sorgec, sehen die Fortsetzung der Islam-Konferenz eher kritisch. Das berichtet die gedruckte Berliner Morgenpost heute auf S. 12. Badr Mohammed, Generalsekretär des Europäischen Integrationszentrums (EIZ) äußert seine Vorbehalte mit folgenden Worten: “Die Arbeit ist noch nicht getan. Aber der Minister sorgt mit der Neubesetzung der Islam-Konferenz dafür, dass die Arbeit zu Ende geht.”

Unser Bild zeigt einen Radweg in Kreuzberg. Seit vielen Monaten ist er gesperrt. Johannes Hampel kommentiert: Wenn ein Weg versperrt ist, renne nicht an gegen die Schranke! Ihr Streiter, wählt die Straße zur Seite, wenn der gerade Weg versperrt ist, und gebt die Mühsal nicht auf.

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März 212010
 

Ob es mir gelingt, dieses Buch noch vor dem Mittwoch zu beschaffen, wenn unsere Veranstaltung“Die neuen Deutschen“ mit Badr Mohammed steigt?

Wär super, aber laut Verlag dauert es 4-5  Tage. So preist er seine Ware an:

Lucius & Lucius Verlagsgesellschaft mbH – Büchershop – Die neuen Deutschen Die neuen Deutschen 978-3-8282-0311-2
Begleitend zur Reform des Staatsangehörigkeitsrechts bestimmten Fragen der Mitgliedschaft, der nationalen Identität und der Zugehörigkeit den öffentlichen Diskurs. Die Gruppe der Migranten, die sich einbürgern lassen, rückte zunehmend ins Blickfeld von Politik und Gesellschaft. Doch wer sind die Menschen, die sich einbürgern lassen? Warum entschließen sie sich, die deutsche Staatsangehörigkeit zu beantragen? Und welche Konsequenzen hat der neue Pass für sie mit sich gebracht? Diese subjektive Perspektive des Einbürgerungsprozesses wird in der vorliegenden Studie systematisch und ausführlich beleuchtet.

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März 162010
 

Ethnische Trennung an Gymnasien ist schockierend: Integrationsverweigerer sind deutsch – taz.de
So schreibt eine Leserin:

„Wenn die TAZ mal einen wirklich neuen und interessanten Artikel zu Thema schreiben möchte, dann kann sie doch mal untersuchen wie viele der Befürworter von integrativen Klassen, das auch bei ihren eigenen Kindern umsetzen. Bei wenigen Themen habe ich in meinem Bekanntenkreis so viele Heuchler erlebt.“

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Wer „macht“ die Eingliederung? Staat, Schule oder Familie?

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März 072010
 

Die neuen Deutschen
Badr Mohammed sagt:

Toleranz beginnt im Elternhaus. Zu Hause müssen die Kinder lernen, dass es um den Respekt vor allen Menschen geht. Da spielen die Eltern eine große Rolle. Eingliederung machen die Eltern. Die Eltern müssen die Kinder integrieren.

Bild: Wartebereich im Rathaus Kreuzberg, 3. Stock

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Lerne und arbeite!

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März 052010
 

03032010.jpg „Wer nicht einsieht, dass er selbst verantwortlich ist für sein Fortkommen, muss gehen. Das ist hart, muss aber sein, weil Nachlässigkeit ansteckend ist.“

Ein strenges Ethos der Pflichterfüllung vertritt glaubwürdig der Leiter des „Bildungswerks“ in Kreuzberg.  Sein Name: Nihat Sorgeç. Darüber berichtete Regina Mönch gestern in der FAZ auf S. 8. Unbedingt lesenswert! Ich las den Artikel beim Landeanflug auf Berlin-Tegel zur Einstimmung auf meine nette Stadt.

Fördermaßnahmen, Projekte und Integrationsprogramme – sie kosten Bund und Länder im Jahr zweieinhalb Milliarden Euro, dazu kommen noch die Kosten der Kommunen für gescheiterte Schulkarrieren, abgebrochene Ausbildungsgänge.  Die vielen Lebensläufe, die nicht aus der Sozialhilfe herausführen, dürften nicht am mangelnden Geld scheitern, sondern am Fehlen dessen, was Nihat Sorgeç seinen Schützlingen NACH ihrer normalen Schulzeit erst mühsam beibringen muss: Pünktlichkeit, Sprachkenntnisse, Geduld, Sorgfalt, Gehorsam vor der Autorität des Lehrers.

Das stimmt in der Tat überein mit meinen eigenen Beobachtungen: an diesen drei oder vier Voraussetzungen fehlt es häufig. Wenn alle Schüler diese Grundtugenden von zuhause mitbrächten – ergänzt um Höflichkeit –  dann könnten wir ganz anders loslegen. Wir – die neuen Deutschen. Wir könnten uns vermutlich einen großen Teil der endlosen schulpolitischen Dauerdiskussionen sparen. Wir könnten uns die zweite Lehrkraft im Klassenzimmer sparen, die auf die Schüler aufpassen soll.

Nihat Sorgeç selbst hat es vorgemacht: arbeitete in der Türkei von früh bis spät, kam mit 15 Jahren nach Deutschland ohne ein Wort Deutsch, lernte Deutsch durch Lesen von Büchern, schaffte den Hauptschulabschluss. Arbeitete und lernte von früh bis spät. Ein Vorbild, dem kaum jemand das Wasser reichen kann.

Lerne und arbeite!

Unser Bild zeigt eine Düsseldorfer Filiale der İŞBANK und das Restaurant Da Bruno. Dort aß ich vorgestern vortrefflich zu Mittag: Tagessuppe und dann Fisch vom Grill, dazu eine Apfelschorle.

Briefe an die Herausgeber – Politik – FAZ.NET

 Posted by at 21:54
März 052010
 

Ein wahrer Schwall an Absichtsbekundungen gehört unvermeidlich zu den Begleiterscheinungen jedes großen, jedes überragenden Themas. Und eins dieser großen, vielleicht sogar DAS überragende Thema ist die Frage der Selbstreproduktion einer Gesellschaft. Wie schaffen wir Zukunft? Wie kehren wir das bereits jetzt stattfindende Auseinanderfallen der nachwachsenden Generation in ein Zusammenwachsen um?

Einer der sachkundigsten Soziologen zu diesem Thema ist der 1949 in Beirut geborene, im Libanon aufgewachsene Ralph Ghadban. Am 26.02.2008 hielt er in Essen einen Vortrag zur Frage: „Sind die Libanon-Flüchtlinge noch zu integrieren?“  Hier ist er nachzulesen:

die-libanon-fluchtlinge2.pdf (application/pdf-Objekt)

Ghadban zieht nach einer sehr genauen Analyse der Herkunftstraditionen eine schonungslose Bilanz: Enge Stammesverhältnisse und ein sektiererisches Islamverständnis führen nach seiner Einschätzung zu einer „kompakten Solidarität“, die ihrerseits wiederum das Entstehen krimineller Netze begünstigt.

Was ist zu tun?

„Jede Investition in die Sozialarbeit rentiert sich langfristig.“ Der Vf. schlägt gezielte Repression der in dieser Gruppe exorbitant hohen Kriminalität, auch durch Abschiebung, enge Kooperation verschiedener Behörden, aber auch „Zwangsintegration“ vor.

„Man muss die Gruppe zwingen, arbeiten zu gehen und bei mangelnder Bereitschaft die Sozialhilfe kürzen. Das ist inzwischen möglich, wird aber nicht konsequent umgesetzt.“

Letzte Forderung: Die Ganztagsschule. Eine Stärkung der Schule gegenüber den Familien hält Ghadban für unerlässlich. Zu diesem Zweck empfiehlt er nachdrücklich die Ganztagsschule.

Der Vortrag Ghadbans stimmt mich sehr nachdenklich.  Die einzelnen Feststellungen kann ich selbstverständlich nicht nachprüfen. Aber ihre Erklärungskraft ist erheblich. Ich kenne keine Analyse, die ihm widerspräche.

 Posted by at 15:19

„Gemeindrang eilt, die Lücke zu verschließen …“

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März 032010
 

Gute erste Ansätze zu stärkerer Bürgerbeteiligung bei außergewöhnlichen Lagen:

Schmutz – Stadtreinigung startet mit Frühjahrsputz in Berlin – Berlin Aktuell – Berliner Morgenpost
Wer nicht mehr so lange warten will, bis die BSR auch vor der eigenen Haustür kehrt, kann selbst tätig werden: Die BSR stellt Besen zur Verfügung und bittet Anlieger, die selbst fegen wollen, darum, das Streugut aufzuhäufen. Das erleichtere das Aufsammeln in den Außenbezirken ab dem 26. März.

Ich sehe dies ringsum: Die Leute greifen selbst zum Besen, zur Schippe. Ich selbst lege auch mit Hand an. Gemeinsam läuft’s. Der Schmutz verschwindet schneller, wenn viele Hände mithelfen. Die BSR-Jungs tun, was sie können!

 Posted by at 11:27
Feb. 282010
 

Die neuesten Daten, die die Morgenpost heute bringt, belegen es erneut: ich wohne im ärmsten Bezirk Berlins. Doch echte Armut gibt es hier nicht.  Echte Armut beschrieben Dickens, Friedrich Engels, John Galsworthy – und andere. Armut, das sind zerlumpte, hungernde, bettelnde Menschen. Eine typische Armuts-Szene beschreibt John Galsworthy in seinem Roman Beyond:

Beyond, by John Galsworthy
The usual route from the station to Bury Street was „up,“ and the cab went by narrow by-streets, town lanes where the misery of the world is on show, where ill-looking men, draggled and over-driven women, and the jaunty ghosts of little children in gutters and on doorsteps proclaim, by every feature of their clay-coloured faces and every movement of their unfed bodies, the post-datement of the millennium; where the lean and smutted houses have a look of dissolution indefinitely put off, and there is no more trace of beauty than in a sewer. Gyp, leaning forward, looked out, as one does after a long sea voyage; Winton felt her hand slip into his and squeeze it hard.

Also: „Krank aussehende Männer, zerlumpte erschöpfte Frauen, gespenstische kleine Kinder im Rinnstein …“ Ernst Bloch schreibt in seinem „Prinzip Hoffnung“ zu eben dieser Stelle:

„Wenigstens hat der Arme den Vorteil, schmutzig auszusehen. Er bietet keinen schönen Anblick, er wirkt vorwurfsvoll, auch wenn er schweigt. Der Arme darf ans Herz, doch freilich nicht an den Beutel greifen; letzteres tut der Herr, um das Elend, von dem er lebt, zu mildern.“

Bloch, Adorno, Dutschke, Habermas, Gysi  – sie alle kannten und kennen Armut als erlesene Armut nur aus den Büchern. All die Aufrufe zur Revolution, zum Systemwechsel wegen angeblicher Verelendung des Volkes waren erborgt aus diesen und anderen Lesefrüchten. Für Marx und Engels hingegen lag Armut noch vor Augen. Wir haben in der Bundesrepublik jeden Begriff davon verloren, deshalb das sinnleere Gerede von Armut.

Gestern fuhr ich mit der BVG vom Märkischen Viertel über den Hermannplatz Neukölln zurück in mein armes Kreuzberg. Besuche auch du, lieber Leser, Neukölln! Betrachte die jungen Männer in ihren weißen Jeans, ihren Markenklamotten, mit ihren i-pods, ihren gegelten Haaren, ihrem kurzrasierten Haar. Ihrem platzgreifenden, selbstbewussten Gebaren. Sie kennen keine Armut. Die Notwendigkeit zu arbeiten kennen sie ebenfalls nicht. Es macht ihnen keine Mühe, irgendeine Frau, irgendein Mädchen in der U-Bahn anzuquatschen und dreist zu behelligen, solange sie keinen Schleier trägt.  Diese jungen Männer werden die Prozentrechnung am Ende der 10.Klasse und auch die deutsche Rechtschreibung nicht beherrschen, irgendein Unternehmen in Ludwigsfelde oder Fürstenwalde wird sie nicht einstellen. Dennoch sind sie perfekt integriert. Integriert untereinander, in ihren Sippen, in den sozialen Stützungssystemen.

Sie sind nicht arm. Sie leben in vollkommener Freiheit. Hartz IV sei Dank. Sie können tun und lassen, was sie wollen. Über sie und genau sie schreibt Karl Marx im dritten Band des Kapitals:

Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion.

Zitat: Ernst Bloch, „Prinzip Hoffnung“, 2. Band, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1977, S. 1045

Bild: Am U-Bahnhof Möckernbrücke, Abendstimmung vor dem Sturm, heute, 28.02.2010, 18 Uhr

 Posted by at 21:21