Sep. 132011
 

310820111199.jpg

Belächelt wird der arme radelnde Kreuzberger Blogger oft, wenn er sich an die  Verkehrsregeln hält, einen unförmig-eiförmigen Helm beim Radfahren trägt, sein hell strahlendes Licht bei Dämmerung einschaltet, ja oft sogar tagsüber eine gelbe Warnweste trägt. Wie kann man so spießig sein!  Nun denn. Dann bin ich eben spießig. Immerhin habe ich meinen Sohn auf genau die Schiene dieser Spießigkeit gesetzt: „Werde ein guter Radfahrer! Werde ein guter Umweltschützer! Trage die leuchtende Weste des Vorbildes! Spare CO2 ein! Halte dich als Radfahrer an die Verkehrsregeln!“

Die Klagen der Polizei über undisziplinierte Radfahrer – so berechtigt sie auch sind – können uns nicht zu einer Verhaltensänderung zwingen. Ich passe mich der Mehrheit der Radfahrer nicht an.

Lest aus der  Morgenpost von gestern:

Sehr „beliebt“ unter Radfahrern ist offenbar auch das Fahren auf Radwegen in der Gegenrichtung. Auch die Fahrräder selbst genügten oft nicht den Vorschriften. In 1043 Fällen gab es erhebliche Mängel in der Sicherheit. So waren überraschend häufig die Bremsen, die Beleuchtung oder die Klingel kaputt. 17 Räder konnten von der Polizei als gestohlen identifiziert werden, gegen die Fahrer wird ermittelt.

Die Defizite in Sachen Sicherheit am Rad wollten längst nicht alle Radfahrer einsehen oder bloßlegen. Die Polizei teilte mit, dass wiederholt die Signale zum Anhalten „übersehen“ wurden und die Fahrer nur bereit waren, den Polizisten Fersengeld zu geben. Zustimmung bekamen die Kontrolleure für ihre strengen Aktionen dagegen nach eigenen Angaben mehrfach von Fußgänger und besonders von Eltern mit Kindern, die sich auf Gehwegen von Radfahrern bedrängt fühlen.

mobil.morgenpost.de

Bild: Zugeparkter Radstreifen zum Fahrradfahren in der Lindenstraße, Kreuzberg

 Posted by at 11:45
Sep. 132011
 

020920111230.jpg

Lange sprach man über mögliche Koalitionen nach der Wahl. Vorzugsweise während des Wahlkampfes. EineR der erfahrensten PolitikerInnen Kreuzbergs, ein großer Fisch sozusagen, zeigt mal wieder, dass für jede Diskussion die rechte Zeit oder auch die Unzeit ist:

Wahl in Berlin: Linker Grünen-Flügel heizt Debatte um Grün-Schwarz an
Der ebenfalls dem linken Lager zugerechnete Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele wollte zu den Äußerungen aus Friedrichshain-Kreuzberg, wo er seinen Wahlkreis hat, nichts sagen. „An der Debatte beteilige ich mich jetzt nicht“, sagte er dapd. „Jetzt machen wir Wahlkampf.“

Absolut richtig! Die Parteien sollten sagen, was sie erreichen wollen oder erreicht haben, statt ihre eigenen Anhänger durch „Rechtsrucke“ wie im Fall der Grünen oder auch Linksrucke kopfscheu zu machen.

Jede Diskussion über eine auch nur punktuelle Zusammenarbeit zwischen Grünen und CDU treibt die braven grünschillernden Kreuzberger Wählerfische aus dem jahrzehntelang gehegten und gepflegten grünen Kreuzberger Aquarium nur in die offenen Arme der räuberischen Piraten!

Hört auf den großen Fisch!  Schluss der Debatte! Haltet euch an die Ge- und Verbote des Bürgersinns und des politischen Kalküls!

 Posted by at 11:25
Sep. 132011
 

Wir sind ein islamisches Volk.“ Punkt. So verkündet es der Übergangsrat in Libyen. Die Scharia soll also jetzt die Hauptquelle des Rechts in der ehemaligen Sozialistischen Republik Libyen, der Großen Sozialistischen Libysch-Arabischen Volks-Dschamahirija werden.

Kaum bekannt ist hierzulande das Schicksal der  spärlichen nichtmuslimischen Minderheiten in der zuende gehenden Sozialistischen Republik Libyen des Oberst Gaddhafi. Die 7000 Juden haben das Land nach dauernder Drangsalierung bereits unter König Idris, also kurz vor der Errichtung des Sozialismus verlassen. Einige zehntausend Christen leben in winzigen Gemeinden noch dort. Missionierung war ihnen auch im Sozialismus verboten, bei Ehen zwischen Muslimen und Christen musste stets der Zuheiratende zum Islam übertreten. Ein genialer Trick, mit dem das gesamte Nordafrika, das bis zur Ankunft des Islam vorwiegend christlich und pagan geprägt war, nahezu einheitlich islamisch wurde. Allerdings gilt auch: Alle Christen, die pünktlich und brav ihre Kopfsteuern entrichteten und sich jeglicher Missionierungsversuche enthielten, durften meist unbehelligt in den islamischen Ländern leben.

Genau dieselbe Regel gilt übrigens auch in Deutschland – wenn auch nicht per Gesetzeskraft, denn das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland gewährleistet auf dem Papier Religionsfreiheit.

Anders sieht es in der Praxis aus: Bei Ehen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen soll der Nichtmoslem zum Islam übertreten. So darf ich hier in Kreuzberg das immer wieder beobachten. Beispiele für das Gegenteil – muslimischer Mann lässt sich taufen oder sagt sich vom Islam los – sind mir nicht bekannt. „Einmal Moslem – immer Moslem.“ Den Abfall oder Austritt aus dem Islam lässt die Scharia nicht zu. Die Nichtmuslime stellen deshalb nicht zufällig in islamistisch geprägten Ländern oder Stadtquartieren eine schwindende Minderheit dar.

In den Berliner Schulen mit muslimischer Schülermehrheit wird seit etwa 10 bis 15 Jahren dementsprechend heftiger Anpassungsdruck auf die verbleibenden Nichtmuslime ausgeübt.

Die Geschehnisse in Ägypten und Libyen – vom Sozialismus zum Islamismus – vermögen das lebhafte Transformationsgeschehen in Teilen Neuköllns und Kreuzbergs deutlicher zu sehen lehren. Jeder Bewohner zunehmend islamischer Stadtteile in Berlin wird die aktuellen Ereignisse in Ägypten oder Libyen wachen Sinnes verfolgen.

Es wäre ein riesiger Fehler zu glauben, die Ereignisse in Ägypten, Libyen oder der Türkei seien weit weg und gingen uns nichts an. Im Gegenteil: Durch Einheiraten, durch ununterbrochenen Familiennachzug, durch strategisch vorgehende Migrantenorganisationen, durch geschickte Pressearbeit und durch subtile Pressebeeinflussung sind die Akteure dieser Länder gut vernetzt und kommunikativ sehr gut aufgestellt. Wir sollten uns beizeiten daran gewöhnen, dass Libyen, Türkei, Saudi-Arabien und Ägypten gleich um die Ecke auch in Kreuzberg, Neukölln, Schöneberg und Wedding sind.

Sie haben die Demographie auf ihrer Seite. Ein Blick in die Berliner Grundschulklassen bestätigt dies unwiderleglich. Jeder „Migrationsexperte“, jede „IntegrationspolitikerIn“ sollten ihre eigenen Kinder drei Monate lang in eine staatliche Regelschule Kreuzbergs, Schönebergs oder Neuköllns schicken. Bitte nicht in eine Schule besonderer Prägung, sondern in eine normale staatliche Grundschule! Es lohnt sich.

Islamisches Recht – Libyens Rebellen wollen Scharia einführen – Ausland – Berliner Morgenpost – Berlin

 Posted by at 10:55
Sep. 132011
 

22052011638.jpg

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH an die neueN WeinkönigIN Jana vom  Kreuzberg! Sie/er ist im Brotberuf einE SozialarbeiterIn eines Berliner Jugendprojektes. Sehr treffend.

„Wir kommen einfach nicht nach, es ist eine Sisyphos-Arbeit, wir bräuchten eigentlich 20 Mal soviele SozialarbeiterInnen, SchulhelferInnen, BewährungshelferInnen, IntegrationslotsInnen, LesepatInnen. Um jedes einzelne Kind müssen wir kämpfen, jedes einzelne Kind braucht jeden Tag mindestens eine oder zwei Stunden intensive Zuwendung, liebevolle Betreuung! SHARED ATTENTION und INCLUSIVE CARING  brauchen wir!“ Derartige Stoßseufzer höre ich gelegentlich von SozialarbeiterInnen, SchulhelferInnen, BewährungshelferInnen, IntegrationslotsInnen, LesepatInnen in Neukölln oder Kreuzberg.

Die Ursache des Ungemaches ist für die Kinder regelmäßig dieselbe: Familien, die ihren Aufgaben nicht nachkommen, Abschottung nach außen, Suchtverhalten bei Mama oder Papa, abwesende oder prügelnde oder inhaftierte Väter, zerbrechende oder zerbrochene Familien, kurz und gut:  Eltern, die sich nicht kümmern, sind die entscheidende Einstiegshilfe in die übliche Karriere eines Sozialstaatsmündels, wie sie sich als verlässliche  Zukunftsperspektive insbesondere in Neukölln, Kreuzberg, Schöneberg herausgebildet hat.

Keine der Parteien im Berliner Wahlkampf hat dieses wichtige Thema Elternschaft und Familie bisher auch nur annähernd ausgespielt. Alle prügeln sie wahlweise auf die schwarz-gelbe Bundesregierung oder den rot-roten Senat oder das grün-rote Bezirksamt ein. An die Eltern traut sich niemand ran.

Deshalb sage ich: Verzaget nicht, oh SozialarbeiterInnen! Die SozialarbeiterInnen haben hier in Friedrichshain-Kreuzberg, ja in ganz Berlin ein unermessliches, ein beständig wachsendes Reich. Also sollen sie auch herrschen! HOCH LEBE DIE KÖNIGIN!

Und es kommt noch besser: Mit der berlinweit höchsten Zahl an rechtsradikalen (und linskradikalen) Übergriffen bietet unser Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg auch in der Antirassismus- und Antifaschismus-Industrie sowie in den angegliederten Forschungsbereichen sowie auch in der Anti-Antifa-Industrie eine gediegene Zukunftsperspektive!

Die Sozialarbeit und die Familienhilfe sowie die angegliederte Bildungs- und  Sozialforschung, die Polizei sind neben den Altenpflegeberufen DIE große Zukunftsindustrie in Berlin, hier werden auf Jahrzehnte hinaus neue Arbeitsfelder wachsen. Nicht zufällig fordern gerade die Grünen (450 neue Polizisten) mehr neue Polizisten als sogar CDU (nur 150 neue Polizisten), während die SPD selbstverständlich ihre SozialarbeiterInnen mit üppig ausgestatteten Verwaltungsjobs bei Laune hält.

Dass eine der ihren jetzt den Thron des/der WeinkönigsIn vom Kreuzberg bestiegen hat, muss allen eine hochwillkommene Würdigung des Berufsstandes sein.

Glückwunsch, Applaus, Chapeau und Prooost!

 Posted by at 09:52

Freiheit statt Angst vor Privatinitiative!

 Angst, Gute Grundschulen, Integration durch Kultur?  Kommentare deaktiviert für Freiheit statt Angst vor Privatinitiative!
Sep. 122011
 

Vieles tut sich in Berlins Schullandschaft! Dieses Blog hatte bereits Gelegenheit, den weitschauend geplanten Wuhletal-Wanderweg im Bezirk Marzahn-Hellersorf zu preisen!

Ebenso weitschauend ist auch die Haltung, mit der die Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle und die Landtagsabgeordnete Margrith Barth eine Grundschule in freier Trägerschaft, die deutsch-russische Lomonossow-Grundschule in ihrem Bezirk begrüßt haben.

Hochsymbolisch die Handlung, die die Bezirksbürgermeisterin vollführte: Sie überreichte ein Kinderbuch mit Märchen und Geschichten, von denen sie sich wünscht, dass die Kinder sie ihr einmal vortragen möchten.

Sehr gut, Frau Bürgermeisterin! Genau diese Haltung teile ich. Ich wünsche mir wie Sie, dass auch meine Kinder noch die Geschichten und Lieder kennenlernen, die ich von meinen Eltern gehört habe. Dazu gehören die Märchen der Gebrüder Grimm, viele Lieder wie etwa „Das Wandern ist des Müllers Lust“, und auch schöne Dinge wie etwa Goethes Zauberlehrling oder Mozarts Zauberflöte, Tschaikowskijs Pathétique oder Turgenjews „Väter und Söhne“ sowie Puschkins Gedichte.

Schulen in freier Trägerschaft sind eine Bereicherung für jeden Berliner Bezirk!

Neues Schulgebäudes der Lomonossow – Grundschule Marzahn wurde eingeweiht – Berlin.de
Pressemitteilung
Berlin, den 03.09.2010
Am Freitag dem 03. September wurde das neue Schulgebäude der deutsch-russischen Lomonossow – Grundschule Marzahn, Allee der Kosmonauten 121 – 123, 12681 Berlin, eröffnet. Zu den Gästen gehörten auch Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle, der Außerordentliche und bevollmächtigte Botschafter der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland, Wladimir M. Grinin, das Mitglied des Abgeordnetenhauses, Dr. Margrit Barth, und Irina Stepanova aus Moskau von der Stiftung „Russische Welt“.
Nach einem kleinen zweisprachigen Kulturprogramm der Kinder durchschnitten die Geschäftsführerin der Interkulturellen Pädagogischen Gesellschaft (MITRA e.V), Marina Burd, die Bezirksbürgermeisterin, Dr. Margrit Barth und der Botschafter das Band zum Eingang der Schule.
Die Bezirksbürgermeisterin würdigte die neue Schule als eine Bereicherung für die Schullandschaft des Bezirkes und sie dankte dem Verein und allen Akteuren, die viel Geld, Kraft und Mühe investiert haben. Den Kindern überreichte sie für die Schulbibliothek Kinderbücher mit Märchen und Geschichten, die sie als Kind gern gehört und den eigenen Söhnen vorgelesen hatte: “Ich würde freuen, wenn Ihr mir bei meinem nächsten Besuch schon etwas daraus vorlesen könnt“, meinte sie abschließend.

Die freie bilinguale Grundschule – die erste private deutsch-russische Grundschule in Berlin – trägt den Namen von Michail Lomonossow (1711–1765), des bedeutenden russischen Universalgelehrten und Staatsmanns, der in Deutschland an den Universitäten in Marburg und Freiberg/Sachsen studierte. Hier lernen 55 Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 4. Sie werden zweisprachig von acht Lehrerinnen und Lehrerinnen unterrichtet sowie von drei Horterzieherinnen betreut.
Die Schule wurde 2005 von der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Berlin offiziell genehmigt. Sie ist eine offene Ganztagsschule mit integrierter Hortbetreuung
Träger der Schule ist die Interkulturelle pädagogische Gesellschaft MITRA, die seit 1993 besteht. Der Verein unterstützt russischsprachige Kinder bei ihrer Integration ins deutsche Schulsystem, leistet Aufklärungsarbeit bei den Eltern und engagiert sich aktiv im interkulturellen Dialog.
Weitere Infos unter www.lomonossow-grndschule.de

 Posted by at 11:28

Wahlkampf in Berlin: Alles eine Soße?

 Angst, Bundestagswahlen, Tugend  Kommentare deaktiviert für Wahlkampf in Berlin: Alles eine Soße?
Sep. 102011
 

Spannend! Die Tagesspiegel-Autorin denkt ungefähr so, wie ich vor dreißig Jahren dachte. Die ANGST prägte vor 30 Jahren auch mein politisches Denken zu wesentlichen Teilen. Angst vor Umweltzerstörung, Angst vor Überbevölkerung, Angst vor der Atomenergie, Angst vor Hunger, Angst vor Krankheit, Angst vor Rechts- und Linskextremisten. Der Club of Rome hatte durch nachweislich falsche Berechnungen, wie wir heute wissen, das ökologische Gewissen der Menschheit wachgerüttelt. Seine Prophezeiungen waren falsch, seine Warnungen waren nicht unbegründet.

Es waren überwiegend irrreale Ängste, die bewusst geschürt wurden und von denen vor allem die Grünen profitierten und auch heute noch profitieren.

Die wichtigsten Probleme Berlins sind meiner Meinung nach heute: eine vollkommen überzogene Anspruchshaltung der Bürger gegenüber dem Staat, ein tief eingefahrener Vulgärsozialismus, eine gigantische Verschuldung, Faulheit vieler Menschen, mangelhaftes Deutsch bei sehr vielen Jugendlichen, mangelnde Bildungsanstrengungen bei sehr vielen Schülern und bei deren Eltern, Verwöhnung der Bürger durch die Politik, mangelnde Ehrlichkeit der Politiker, organisierte Verantwortungslosigkeit der Landespolitik, Abschottung von ethnischen Bevölkerungsgruppen vom Rest der Gesellschaft, Zerfall der Gesellschaft in Parallelgesellschaften, hohe Arbeitslosigkeit, geistiger und körperlicher Immobilismus, Mangel an Unternehmergeist.

Wahlkampf in Berlin: Alles eine Soße? – Berlin – Tagesspiegel
Mir liegt das Thema Umwelt auch nahe. Die Naturzerstörung ist für meine Generation das, was der Weltkrieg für die meines Vaters war. Die drohende Klimakatastrophe ist unsere größte gemeinsame Angst und unser kleinster gemeinsamer Nenner, und längst ist Sorge um die Umwelt kein parteiliches Alleinstellungsmerkmal mehr.

 Posted by at 22:43

Wie schafft sich Kreuzberg bessere Schüler?

 Einladungen, Gute Grundschulen, Kinder, Tugend, Vorbildlichkeit  Kommentare deaktiviert für Wie schafft sich Kreuzberg bessere Schüler?
Sep. 102011
 

Gute Veranstaltung am vergangenen Donnerstag zu den Kreuzberger Grundschulen! Es gab zum Glück keine Bildungsforscher, keine SchwaflerInnen, erfreulich wenige PolitikerInnen oder andere MärchenerzählerInnen, sondern nur Praktiker aus Schule, Sozialarbeit und Elternschaft. Sehr schön, sehr ernüchternd, sehr niederschmetternd! Bericht folgt.

Folgendes war der Text der Einladung:

„Gute Schüler verlassen in Scharen den Bezirk  oder das öffentliche Schulsystem, das mit den Angeboten der Privatschulen nicht mithalten kann“, so zitiert die Berliner Morgenpost am 24.08.2011 aus einem Brief, den Lehrer geschrieben haben.

Es fehlt derzeit für Kreuzberger Jugendliche nicht an Ausbildungsplätzen, sondern es fehlt an den Grundvoraussetzungen, die die Schüler vor der Lehre mitbringen sollten: Gutes Deutsch in Wort und Schrift, Grundtugenden wie Höflichkeit, Berechenbarkeit, Fleiß und Pünktlichkeit.

Die Probleme sind bekannt, die Rezepte dagegen lauten für die einzelne Familie in Kreuzberg: Wegzug in andere Bezirke, insbesondere in den „weißen“ Osten Berlins, Abwanderung vom öffentlichen Schulwesen zu den Schulen in freier Trägerschaft.

Die Schulpolitik hat Verschiedenes ausprobiert. Meist läuft es auf Nachfinanzierung, auf üppigere Ressourcenverteilung, auf mehr Geld, mehr Personal oder auch auf „Strukturreformen“ hinaus – 23 an der Zahl in den letzten zehn Jahren. Die Rütlischule in Neukölln wurde mit einem pharaonischen Geldsegen (25 Millionen Euro [korrigiere: 40 Millionen] zusätzlich) aufgepäppelt.  

Schulen in freier Trägerschaft sind im heutigen Berlin geschützte Räume, in denen Schüler, die das wollen, dem nachgehen können, was ihre Aufgabe ist: lernen, aufmerken, wachsen, helfen, wieder lernen, reifen.

Diesem Thema wird sich die Veranstaltung von Politik selber machen am Donnerstag, dem 08.09.2011, 19.30 Uhr widmen:  Kreuzberger Pfade zu besseren Schülern. Kleine Kreuzberger Schuldebatte. Statt immer nur auf Schulstruktur und Mittelausstattung zu achten, fragen wir: Wie schafft sich Kreuzberg bessere Schüler? Sind Schulen in freier Trägerschaft der Ausweg? Wirtschaft Stresemann, Stresemannstraße 48, Kreuzberg.

 Posted by at 20:23
Sep. 082011
 

Auch Piraten kann man resozialisieren und ins bürgerliche Lager holen, sodass sie dann kein zweites Mal antreten„, so äußert sich trockenen Auges die Berliner Spitzenkandidatin der Grünen über die junge aufstrebende Partei der Piraten.

Jetzt heulen sie alle auf: Grüne, Piratinnen, Leserinnen, überhaupt alle! Die Journalistinnen wähnen, Renate habe dies ironisch gemeint. Falsch!

Renate trifft mit ihrer Bemerkung ins Schwarze. Die Grünen entstammen dem Geiste des wohlhabenden, leistungsbereiten, von schlechtem Gewissen geplagten Bürgertums, sie waren die junge, aufstrebende Partei der Töcher und Söhne des Bürgertums.

Dabei sei nicht geleugnet, dass wesentliche Teile der Grünen durch massive sozialistische, kommunistische, stalinistische Mannschaften gestellt oder unterwandert wurden, für die der Öko-Anstrich nur Kokolores war. Aber selbst der Sozialismus, all die linken Bewegungen, ja selbst der linke Terrorismus  in den westlichen Ländern entsprangen keineswegs dem Proletariat, das zu befreien sie vorgaben, sondern fast durchweg dem gehobenen Bürgertum. Das zeigt sich schon an den Biographien der großen Führerinnen und Taktgeberinnen des Sozialismus: Sie entstammen überwiegend den durch und durch bürgerlichen Familien der Rechtsanwälte, der Elite der begüterten Kaufleute, der Unternehmer, der Pfarrer – also der Mittel- und Oberschicht. Man lese doch nur etwa die Lebensgeschichten von Fidel Castro, Che Guevara, Giangiacomo Feltrinelli, Rosa Luxemburg, Gudrun Ensslin, Pier Paolo Pasolini, Friedrich Engels und vielen anderen!

Künast stellt völlig zurecht fest, dass die Grünen dem bürgerlichen Lager – meinethalben dem linksbürgerlichen Lager – angehören, immer angehört haben. Sie sind insofern ein genuin bürgerliches Wohlstands-Phänomen. Mit ihrem mütterlichen Ratschlag versucht die Berliner Spitzenfrau der Grünen den aufsässigen Töchtern und Söhnen des Bürgertums eine grün-goldene Brücke zu ihrer Partei zu bauen. Dagegen ist analytisch nichts einzuwenden. Nur der autoritär-dominante Tonfall erinnert stark an die antiautoritäre Bewegung der 68-er Bewegung, die ja bekanntlich besonders autoritär auftrat.

Die Grünen sind oder waren die Binnenrevolte gegen die emotional abwesenden Väter und Mütter, denen man keine allzu großen politischen Vorwürfe machen kann. Ohne den satten Wohlstand der Bundesrepublik Deutschland wären sie nicht entstanden. Eine gewisse elitäre Weltsicht, ein autoritäres Welterlösungsverlangen ist den Grünen heute noch anzumerken.

Debatte im Ludwig-Erhard-Haus: Wen Unternehmer wählen würden – Wirtschaft – Tagesspiegel

 Posted by at 11:09

40 Millionen und die besten Pädagogen …

 Geld, Gute Grundschulen, Verwöhnt  Kommentare deaktiviert für 40 Millionen und die besten Pädagogen …
Sep. 062011
 

Soeben erreicht mich eine Korrektur eines Neuköllner Lesers: Nicht 25 Millionen, wie ich einmal schrieb, sondern fast 40 Millionen Euro zusätzlich und die erfahrensten Pädagogen des Landes wurden der Rütli-Schule geschenkt, damit sie nicht so schlecht dasteht. 40 Millionen EURO zusätzlich und die erfahrensten Pädagogen des Landes für jede Kreuzberger Schule, DAS WÄR was! DAS STEHT UNS IN KREUZBERG ABER AUCH ZU!

Bild: die Rütli-Schule in Neukölln. Aufnahme des hier Schreibenden vom 10.11.2010

Schulreformen: Die Furcht vor den Restschulen bleibt | Gesellschaft | ZEIT ONLINE

 Posted by at 15:57
Sep. 062011
 

Unsere ErzieherInnen und LehrerInnen vollbringen Unglaubliches. Sie leisten Tag um Tag ihren wertvollen Dienst am Menschen. Ohne sie bräche unser Bildungswesen zusammen. Die Bildungspolitiker haben vieles falsch gemacht. Vor allem haben sie in Berlin erkennbar zu wenig auf die Lehrer und Erzieher vor Ort gehört. Der rot-rote Senat hat sich auch nicht genug für das interessiert, was die Schüler sagen und wollen.

Mein Eindruck: Zu viele professionelle Bildungsexperten, die von der Bildungsforschung leben und damit Geld verdienen, haben ihr Süppchen gekocht und dem Senat die „Welt zu erklären versucht“.  Je tollere Vorschläge sie machten, desto höher stieg ihr Ansehen.

„Kompensatorische Erziehung, inkludierende Erziehung, vorurteilsbewusste Erziehung, EINE Schule für alle, GYMNASIUM erhalten …“ ja was nicht gar, wer kennt die Slogans, zählt die Namen! Jeder dieser Slogans tritt als Erlösungsversprechen an!

Siehe auch den lehrreichen Artikel:

http://www.tagesspiegel.de/berlin/schule/ohne-haerte-geht-es-nicht/4577378.html

Ich selbst und meine Kinder, wir stecken seit nunmehr 30 Jahren in Berlins Kitas, Schulen und Hochschulen. Viele von den vielen Berliner Erziehern, Lehrern und Lehrerinnen, mit denen ich sprach, fühlen sich mehr oder minder von den Berliner Politikern missachtet und verschaukelt oder als FUSSABSTREIFER misslungener Erziehung behandelt. Sie sind die Ausputzer der Eltern. Sie sind die Lückenbüßer der Politik. Und Berlin dankt es ihnen nicht. Ich finde das ungerecht.

 

 Posted by at 15:36

Die neue Strenge kommt!

 Altparteien, Anbiederung, Faulheit, Gute Grundschulen, Tugend  Kommentare deaktiviert für Die neue Strenge kommt!
Sep. 062011
 
Viel Geld für Marketing-Agenturen und Kommunikationsberater aus dem Fenster zu werfen ist nicht nötig. Alle Wahlkämpfer erhalten im Wahlkampf kostenlose Schulung in Wähleransprache, nehmen teil an der mobilen „Na-wo-drückt-euch-der-Schuh?“-Talkshow, Lob und Tadel werden gleichermaßen verteilt.
Ein paar Stimmen von Wählern: „Werdet erkennbar! Hebt euch klar ab von den Linken! Was sind eure Werte? Werdet kantiger! Wo sind eure Vorschläge zur Finanzkrise? Was haltet ihr von Tugenden wie Sparsamkeit, Tüchtigkeit, Redlichkeit, Fleiß?“
Hornstraßenfest, vergangenenes Wochenende. Ein Hobbypolitiker einer kleinen Kreuzberger  Volkspartei versucht sich in Wähleransprache. Zwei Schülerinnen (12 und 15 Jahre alt, nennen wir sie Asja und Leyla) beschweren sich, dass sie jetzt plötzlich jeden Tag Hausaufgaben hätten. „Die Lehrer sind so streng, verlangen Hausaufgaben! Früher war das anders! Können Sie unsere Beschwerde an Angela Merkel weitergeben, ja?“ Der Wahlkämpfer half zunächst einmal dem Mädchen, eine coole Schirmmütze mit dem Logo der in Kreuzberg kleinsten Volkspartei überzustreifen.

Die kuscheligen Altparteien hätten gesagt: „Ich werde eure Beschwerde weiterleiten.“ Aber der Wahlkämpfer sagte: „Eure Lehrer haben recht. Setzt euch am Nachmittag zwei oder drei oder vier Stunden hin, erledigt die Hausaufgaben, lernt was, dann helft Mutti und Vati im Haushalt.“ Schlimm, so was zu sagen?  Nö.

Erkenntnis: Die Lehrer und Lehrerinnen Kreuzbergs sind ein paar Jährchen weiter als die lahme Politik. Der Wind hat sich längst gedreht. Die Kreuzberger Lehrer lassen schon lange nicht mehr mit sich Schlitten fahren. Sie haben zwar die Hoffnung auf eine sinnvolle Bildungspolitik fast schon aufgegeben, aber sie halten die Kinder zum Lernen und Arbeiten an.

Die neue Strenge hat an Berlins Schulen Einzug gehalten.

Ich meine: Die Kinder sollten nach dem Unterricht durchaus jeden Tag noch Hausaufgaben erhalten. Wieso sitzen die Jugendlichen Stunden um Stunden mit der Wasserpfeife in den Kneipen, chillen am Bordstein?

Ins gleiche Horn wie das Hornstraßenfest stößt der Tagesspiegel-Bericht über eine Podiumsdiskussion in Wedding.

„Ohne Härte und Zwang geht es nicht.“ Na endlich fällt der Groschen. Gute Diskussion mit Schülern in einem Weddinger Gymnasium. Das sage ich aufgrund von 3 Jahrzehnten Erfahrung mit Kreuzberger und Berliner Völkerschaften, mit Kitas und Schulen schon lange.

Übermorgen, Donnerstag, 8. September,  genau zu diesem Thema unsere öffentliche Veranstaltung: „Wie schafft sich Kreuzberg bessere Schüler?“ Wirtschaft Stresemann, 19.30 Uhr, Stresemannstraße 48, Kreuzberg

Integration an Schulen: Ohne Härte geht es nicht – Schule – Berlin – Tagesspiegel

 Posted by at 12:45

Spart der faule, böse Senat die fleißigen, armen Bezirke kaputt?

 Das Böse, Faulheit, Geld, Verwöhnt  Kommentare deaktiviert für Spart der faule, böse Senat die fleißigen, armen Bezirke kaputt?
Sep. 052011
 

 020920111207.jpg

Die eigentlichen Träger des kommunalen Lebens in Berlin sind die 12 Bezirke. Der Größe nach sind sie vergleichbar mit mittleren Großstädten wie Rostock, Augsburg oder  Bonn. Was sie unterscheidet von echten Kommunen, ist der eigentümliche Finanz- und Verwaltungsaufbau Berlins. Berlin ist zweistufig aufgebaut. Das heißt: Die Bezirke tragen zwar die erste Verantwortung für die Bürger, sind aber im Gegensatz zu „echten“ Kommunen wie etwa Rostock oder Augsburg finanziell und rechtlich gesehen unselbständig. Die Bezirksämter sind „nachgeordnete Träger der staatlichen Verwaltung“. Das Bundesland weist ihnen nach einem zentral festgelegten Schlüssel einen proportionalen Anteil am Steueraufkommen zu. Umgekehrt liefern die Finanzämter der Bezirke alle Einnahmen bei der Landeshauptkasse ab.

Das Geld kommt von oben herab in die Bezirke. Die Bezirke sind auf Gedeih und Verderb den Zuweisungen des Senates ausgeliefert. Es besteht folglich kein Anreiz für die Empfänger-Bezirke wie etwa Friedrichshain-Kreuzberg, durch eigene höhere Steuereinnahmen bessere staatliche Leistungen für die Bürger zu erbringen. „Du sparst uns unsere tollen Bildungs- und Sozialeinrichtungen kaputt, die böse, geizige Mutter Bundesland, du knausriger Senat!“   „O mein liebes faules Kind, du schlampiger Bezirk, lerne fleißig, arbeite, wirb potente Steuerzahler in dein Gebiet ein, dann kann ich dir auch mehr Taschengeld geben!“

So ungefähr kann man die komplizierte Finanzsystematik, die das Bundesland Berlin und die Bezirke in einer Hassliebe verbindet, ins Familiendeutsch übersetzen. Linke Politik, wie sie hier im Bezirk betrieben wird, besteht darin, durch gezielte Ansiedlung und Anwerbung von Leistungsempfängern die Mittelzuweisungen an den Bezirk zu erhöhen. Der Bezirk ist in der  Transferunion Berlin ein Netto-Empfänger und wird es auch bleiben, solange der linksgrüne Geldverteilungsansatz hier das Sagen behält.

Folge: Die Bezirkspolitik wird zur Geldumverteilungsmaschinerie.  Gestaltet wird nichts mehr. Nach einigen Jahren oder Jahrzehnten wird der oder die gewiefte PolitikerIn virtuos darin geübt, für den eigenen Haushaltstitel genug Mittel loszuschlagen und umzuverteilen. Ob man nun mithilfe der Sozialen Stadt Satellitenschüsseln arabischer Familien mithilfe von bunten Überziehern aufhübscht oder alternative Wohnformen unterstützt, wo das Bier nur 2 Euro pro Flasche kostet, ob man antirassistischen Initiativen Räumlichkeiten zuschanzt oder befreundeten SozialarbeiterInnen zu bemutternde Mündel, Jobs und Büros verschafft, stets geht es für die Politiker darum, flottierende staatliche Gelder „einzufangen“ und umzuleiten und dadurch die eigene Macht, den eigenen Einfluss auszuweiten.

Wenn man weiß, wo Fördertöpfe bereit stehen, wird man in Berlin auch Geld finden. Mangelndes Geld ist nicht das Problem in Berlin. Erborgtes und erbetteltes Geld war eigentlich immer genug da. Nur wenige Politiker sind so mutig, dies auszusprechen.“ So orakelte dieses Blog am 10.02.2011.

Das Bundesland Berlin ist ein ausgezeichnetes Lehrbuchbeispiel für die Anzüchtung von Empfängermentalität. Es ist schade, dass die Parteien im laufenden Wahlkampf auf diesen so offenkundigen Zusammenhang nicht hinweisen.

Auch der neue Park am Gleisdreieck entstand im Wesentlichen durch zentral vergebene Ausgleichsmittel der Investoren vom Potsdamer Platz. Er ist großartig, er ist gelungen, aber er ist ein Ergebnis der uralten Berliner Verteilungspolitik.

Es wäre einmal einen Vorstoß wert, eine größere Finanzautonomie für die Berliner Bezirke zu fordern! Zum Beispiel dadurch, dass gewisse Steuerarten im jeweiligen Bezirk, etwa die berühmte Gewerbesteuer, direkt den Bezirken, nicht dem Landeshaushalt zuflössen. Mann, Mann, was würden die Bezirke sich dann um Ansiedlungen bemühen! Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg würde dann Firmen und Unternehmen wie etwa Daimler oder die Scube Parks nicht vergraulen, sondern sie willkommen heißen.

Mehr Finanzautonomie für Berlins Bezirke würde Wunder bewirken!

Grüne, Schwarze, Rote, Gelbe aller Bezirke! DA müsssen wir ran!

Armes Kreuzberger Blog » Blog Archive » “Traumhafte Förderkulissen”
Wenn man weiß, wo Fördertöpfe bereit stehen, wird man in Berlin auch Geld finden. Mangelndes Geld ist nicht das Problem in Berlin. Erborgtes Geld ist genug da. Nur wenige Politiker sind so mutig, dies auszusprechen. Mut, Tatkraft und Ehrlichkeit finde ich immer gut. Es sind echte Bürgertugenden.

Bild: Geschützer Förderdschungel in Kreuzberg, im neuen Park am Gleisdreieck

 Posted by at 12:20