März 082011
 

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Wir müssen uns auch  mit spießigen Themen wie Hundekot im Hauseingang, blutige Drogenspritzen auf Spielplätzen, Vermüllung des Görlitzer Parks, Graffitis wie „Deutschland verrecke!“, Kotze auf dem Bürgersteig und Pisse an Polizeiautos beschäftigen! So oder so ähnlich etwa summte und brummte es am Wochenende bei der Programmdebatte einer bekannten unspießig-bürgerlichen Partei in Berlin, deren Spitzenkandidatin sich dabei als durchaus lernfähig, aber auch durchsetzungsstark erwies.

Drogenbesteck, Kotze, Kacke, Pisse, Graffiti, Vermüllung  – diese Probleme haben alle Weltstädte von Istanbul über New York bis hin zu Berlin und Augsburg.

Übrigens: Augsburg hat mit großer Mühe die gesamte Innenstadt für den Fußwanderer begehbar und für den Radfahrer erfahrbar gemacht. Klare, deutliche, überall sichtbare Wegweisungen leiten den Touristen ökologisch und sanft zu verschiedenen Plätzen wie etwa dem Bert-Brecht-Haus. Man fühlt sich geleitet und behütet. Die Stadt ist sauber und blitzt überall.

So etwas brauchen wir in Kreuzberg auch! Ach hätten wir so etwas in Kreuzberg doch auch!

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März 082011
 
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Nächstes Thema in der Reihe „Politik selber machen!“: Donnerstag, 10. März (2): „Sub-Metropole Kreuzberg. Pfade zu einem ökologischen Tourismus in Kreuzberg“. Wie kann man den Tourismus als wichtigen Wirtschaftsfaktor in Kreuzberg stärken und zugleich die Interessen der Anwohner berücksichtigen? Donnerstag, 10.03., 18 Uhr, Wirtshaus Stresemann, Stresemannstraße 48

Ein wichtiger Pfad zu einem ökologischen Tourismus wäre – ein System an Wegen und Pfaden! Wurde bei der IBA angedacht und ist dann versandet. Leider! Wir brauchen ein Pfade- und Wegsystem für den sanften Tourismus in Kreuzberg! Kreuzberg kann man zu Fuß erwandern und mit dem Rad erfahren!
In Augsburg gibt es so etwas bereits! Ein System an Fuß- und Radwegen für Touristen aus aller Herren Länder! Und diese Stadt ist etwa so groß wie Friedrichshain-Kreuzberg!

Bild: Typischer Radweg in Kreuzberg am Mehringdamm vor der beeindruckenden Kulisse eines schlossartigen Gebäudes, des Finanzamtes

Kreuzberg und die Touristen: „Das ist nicht mehr unser Wrangelkiez“ – Berlin – Tagesspiegel

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Was hätte Friedrich Schiller über die EU gesagt?

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März 082011
 

„Großartiger, glänzender Friedrich Schiller, o trefflicher Mann!“ So etwa würde ich ihn in seinem hochgespannten Ton anreden, wenn ich denn eins jener bei den Alten so beliebten Geistergespräche, also einen erfundenen Dialog mit einem Verstorbenen,  mit ihm führen wollte! Man lese doch nur etwa seine Antrittsrede: „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“

In der Netzausgabe des  heutigen Tagesspiegels unternimmt Rüdiger Schaper ein bemerkenswertes derartiges Geistergespräch mit Friedrich Schiller und fördert Erstaunliches zutage! Schillers zentraler Gegenstand war die Freiheit des Menschen – und die Unfreiheit, welche ihm die Tyrannen auferlegen. „Der Mensch wird überall frei geboren, und er findet sich überall in Ketten!“ So Rousseau. Der Mensch ist von Natur aus frei – durch Herrschaft, durch Politik wird er geknechtet. Die große Aufgabe zu Schillers Zeit war es, politische Herrschaft und Freiheit zu versöhnen. Schiller selbst konnte vielleicht gerade noch bis zur heutigen parlamentarischen Demokratie vorausdenken. Dass man jedoch das Königtum abschaffen sollte, durfte er damals noch nicht laut sagen. Was Schiller über Wohlstand und Selbstliebe der Staaten sagt, bleibt heute so gültig wie damals. Man könnte diese Sätze geradezu als Erklärung von Staatenbündnissen wie etwa der Europäischen Union samt ihrer mannigfachen Beziehungen zu auswärtigen Staaten wie etwa Libyen deuten:

Friedrich Schiller: Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?
Endlich unsre Staaten – mit welcher Innigkeit, mit welcher Kunst sind sie in einander verschlungen! wie viel dauerhafter durch den wohlthätigen Zwang der Noth als vormals durch die feierlichsten Verträge verbrüdert! Den Frieden hütet jetzt ein ewig geharnischter Krieg, und die Selbstliebe eines Staats setzt ihn zum Wächter über den Wohlstand des andern. Die europäische Staatengemeinschaft scheint in eine große Familie verwandelt. Die Hausgenossen können einander anfeinden, aber hoffentlich nicht mehr zerfleischen.

Zum Nachlesen: Friedrich Schiller: Sämtliche Werke. Vierter Band. Historische Schriften [=Lizenzausgabe des Hanser Verlags], Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1987, S. 749-767 („Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? Eine akademische Antrittsrede“), hier S. 757

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März 082011
 

Vieh oder korrekt Viach lautet ein alter bairischer Name für Tier. „Dea Mensch is a politisches Viach“, hätte Aristoteles gesagt, wenn er das in seine Ohren barbarisch geklungen haben würdende Bairisch gelernt hätte.

Aber ist Vieh ein zulässiges Wort für Menschen? Ist das nicht ein viehisches Wort? Riesendebatte! Im Gespräch mit Politikern verwahrte ich mich kürzlich gegen den Ausdruck Stimmvieh. „Ich finde den Ausdruck Stimmvieh herabwürdigend!“, schnob ich durch die Nase. „Ich verbitte mir eine derartige Wortwahl!“

„Aber political animal ist politically correct, wa?!“, blaffte jemand zurück. Ich hatte tatsächlich einmal diesen Ausdruck einfließen lassen, als das Gespräch auf Politiker wie Herbert Wehner, Franz Josef Strauss oder Willy Brandt kam – sie waren zweifellos political animals – also Vollblutpolitiker, die nicht anders konnten als ihrer Leidenschaft zu frönen.

Vural Öger verwendet diesen Ausdruck ebenfalls – um sich jedoch gleich davon zu distanzieren.  Lest DAS hier, was Vural Öger gesagt hat:

Immer Ärger mit Erdogan « Jörg Lau
“Wir wollen keine Diasporatürken in der dritten und vierten Generation. Ankara soll sich hier gefälligst nicht mehr einmischen. Wie lange soll das noch weitergehen? Bis zur 5. Generation? Das macht die Identitätskrise der Menschen hier nur noch schlimmer, wenn sie als Stimmvieh der türkischen Politik behandelt werden. Es wäre keine Schande, sondern ein Grund zum Stolz, wenn junge Leute hier besser Deutsch als Türkisch könnten. Seid endlich Deutsche – mit einem großen türkischen Herzen!”

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Staatshörigkeit?

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März 072011
 

Guter Punkt von Jörg Lau! Allerdings haben die Türken noch einen ganz starken Begriff von Familie. Riesenunterschied zur deutschen Gesellschaft!

Bin selbst „Subsidiarist“. Ich glaube, dass der Staat eine Stütz- und Hilfsfunktion für die Bürger hat. Er ist weder der Sinngeber für den einzelnen Menschen noch der Glücksbringer.

Immer Ärger mit Erdogan « Jörg Lau
Denn ein Hauptproblem von Deutschen und Türken – da haben sie mal was gemeinsam – ist ihre Staatsverliebtheit. Beide Völker mit ihren obrigkeitstaatlichen Traditionen erwarten viel zu viel vom Staat und zuwenig vom einzelnen Bürger. Türken und Deutsche fragen zuviel, was das Land für sie und zu wenig, was sie für das Land tun können. Da haben sich zwei gefunden!

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März 072011
 

„Ach Sie sind  das. Ich kenne Ihren Blog“, mit diesen Worten erwiderte vor einige Zeit eine sehr nette Politikerin meine artige, geradezu schulbuchmäßige Bekanntmachung: „Verzeihung, ist hier noch frei? Mein Name ist  …“

Das kleine Beispiel zeigt, dass die Politikerinnen wirklich angefangen haben, Blogs zu lesen und zu verfolgen. Gut.

Springer berichtet soeben:

Kulturwandel – Deutsche Blogger mischen endlich die Politik auf – Web & Technik – Berliner Morgenpost – Berlin
Es kommt nicht darauf an, wie viele den Beitrag lesen, sondern wer. „Die Fachpolitiker, deren Themen betroffen sind, verfolgen die entsprechenden Blogs sehr genau“, glaubt Meyer-Lucht. Grund: Die Beiträge sind auf ihrem Gebiet sehr speziell und werden „von Leuten geschrieben, die sich auskennen“, sagt Meyer-Lucht. „Sie stoßen in eine Lücke vor, die die Massenmedien nicht füllen können. Ich bin überzeugt, dass das Blog ein maßgebliches Publikationsformat der Zukunft sein wird.“

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März 062011
 

be Berlin – Die Hauptstadtkampagne – berliternational PK
Die Hauptstadtkampagne be Berlin macht die Multikulturalität Berlins zum Thema ihrer neuen Aktion „be Berlinternational“. Berlinerinnen und Berliner sind eingeladen, auf der Kampagnenwebsite zu erzählen, wie sie Internationalität und Integration in ihrer Stadt erleben oder dazu beitragen.

In der Kampagne be berlinternational zeigt sich ein Grundzug der heutigen Integrationsdebatte:  Alle Nationen sind gleichberechtigt, sie strömen hier in Berlin zusammen, und nebenbei soll noch Integration gelingen.

Peinlichst vermieden wird das Wort Deutschland.  Der „Hintergrund“, also etwa der „palästinensische Hintergrund“ steht im „Vordergrund“. Wenn man den „Hintergrund“ hervorstreicht, gelingt „Integration“.

Integration wohinein? Na klar – in die Inter-Nationalität. In diesem Zwischen des bloß Internationalen siedeln sich seit 40 Jahren die klar umrissenen ethnischen Identitäten an – es bildet sich eine türkische Volksgruppe, eine kurdische Volksgruppe, eine russische Volksgruppe, eine deutsche Volksgruppe, eine italienische Volksgruppe usw. usw.

Das ist der Status quo.  „Seid vor allem Türken!“ So der türkische Premier Erdogan vor Zehntausenden türkischer, begeisterter Landsleute, die eine starke, wachsende, nach außen weithin abgeschlossene Volksgruppe bilden.

Die Plakatkampagne unterstützt den Appell an die eigene Nationalität: „Seid vor allem Menschen mit palästinensischen Wurzeln! Werdet keine Deutschen! Redet Englisch, Arabisch, Türkisch, aber bitte kein Deutsch!“

Das ist die Botschaft der Plakatkampagne.

Genau so läuft es aber doch bereits seit Jahrzehnten! Brauchen wir dafür noch eine teure Plakat-Kampagne für mehrere Hunderttausend Euro?

Die Deutschen – sofern es noch Menschen gibt, die sich ohne Verlegenheit als Deutsche bezeichen – sind auf den Plakaten eine gleichberechtigte ethnische Gruppe neben den anderen. Jeder versteht jeden.

Es ist ein spannender Vorgang! Wir haben jetzt schon etwa 3 Millionen Türken als unsere Mitbürger, von denen etwa 800.000 auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.  Sie sind die zweitstärkste nationale Gruppe nach den Deutschen. Eine echte Macht in der deutschen Innenpolitik!  Der ewige türkische Staat baut seine Volksgruppe in Deutschland systematisch aus, rät klar von „Assimilation“ und „Verrat am eigenen Boden und Blut“ ab, bietet sich als streitbare Schutzmacht gegen die ewig diskriminierenden, die ewig fremdenfeindlichen, die ewig islamfeindlichen Deutschen an. Beruhigend zählte Premier Erdogan kürzlich die bewundernswürdige Streitmacht der türkischen Armee auf. Fortschritte allenthalben – bei Kampfhubschraubern ebenso wie bei Waffen und Gerät! Die Bundeswehr schrumpft, die türkische Armee wird besser ausgerüstet und modernisiert. Griechenland muckt schon gar nicht mehr auf, lässt sich durch die Türkei – unwidersprochen auf Seiten der  EU-Partner – einschüchtern.

Belgien, Schweiz, die Russische Föderation, Bosnien-Herzegowina, das Osmanische Reich, die Türkei bis 1955, die Sowjetunion, Österreich-Ungarn, die Tschechoslowakei –  sie alle sind spannende Beispiele für Vielvölkerstaaten – wie Deutschland sich einer zu werden anschickt. Diese Staaten haben uns viel zu geben und viel zu lehren auf dem Wege zur multinationalen, zur internationalen Republik im kulturellen Nirwana.

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März 062011
 

„Sie haben einen Mund und reden nicht, Augen und sehen nicht. Sie haben Ohren und hören nicht, eine Nase und riechen nicht. Mit ihren Händen können sie nicht greifen, mit den Füßen nicht gehen, sie bringen keinen Laut hervor aus ihrer Kehle.“

Diese rätselhaften Sätze las ich heute Vormittag in einem Buch unbekannter Verfasser bei einer kleinen Besinnung im Haus unbekannter Freunde. Wer mag damit gemeint sein? Ich vermute: Freiwillig Unfreie. Etwa Menschen, die in Sucht und Abhängigkeit verstrickt sind.

Der Alkohol und andere Drogen sind Mächte, die den Menschen in Unfreiheit führen. „Er trank schon morgens Alkohol, um seinen Durst zu löschen. Nach dem Atmen kam bei ihm der Alkohol.“ Sie lähmen.
„Sie haben einen Mund und reden nicht.“ Es sind die Un-Mündigen. Menschen, die es nie gelernt haben, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen, die sich lieber fahren lassen als selbst zu fahren.  Oder auch Menschen, die sich lieber gehen lassen, als selbst zu gehen.

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März 052011
 

Ich staune immer wieder, mit welcher persönlich diffamierenden Hetze in Foren von den Herren der Schöpfung  über manche türkisch- oder kurdischstämmigen Frauen hergezogen wird. Es ist Hetze, denn ein sachliches Argument gegen Frauen wie Ates oder Kelek habe ich schon lange nicht mehr gehört. Nie wird gesagt: „Das oder das finde ich falsch.“ Es läuft nur noch auf Beleidigung und Herabsetzung hinaus. Schande.

Hasstiraden: Wer schützt mich vor den verrückten Türken? – Nachrichten Debatte – WELT ONLINE
Die Wut darüber, Schweigen zu müssen, die Wut darüber, keine Kraft gegen die Gewalt zu haben, die uns entgegengebracht wird. Uns, die wir nach Freiheit streben, die wir nach Freiheit dürsten. Freiheit als Türkin, Freiheit als Muslimin. Denn Freiheit als Deutsche habe ich. Nur kann ich diese Freiheit nicht wirklich leben.

Der Grund dafür sind Menschen, die solche Mails schreiben und die Tatsache, dass aus den Drohungen Realität werden kann.

Die Mail ins Deutsche übersetzt:
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Betreff: „Du bist eine richtige Deutsche geworden, wer assimiliert ist, muss vorher eine Nutte gewesen sein.“

Text: „Ihr seid nicht von uns und wir sind nicht von euch, das sollt Ihr wissen. Aber, passen Sie auf Ihre Zunge auf, machen Sie keine Beleidigungen und Respektlosigkeiten, sonst können Sie Ihre Zunge verlieren.“

Die Mail wurde von einem Account namens Iskender Büyük abgeschickt. Übersetzt: Alexander der Große.

 Posted by at 15:23
März 052011
 
„Die EU kann sich neu erfinden, indem sie den arabischen Ländern ihr Herz öffnet und den Kerngedanken der Freiheit durch den Aufbau staatlicher Strukturen unterstützt: Sozialstaat, Umverteilung des Reichtums von reich zu arm, Machtverteilung, freie Marktwirtschaft, unabhängige Justiz, Schulbildung für alle. Wahnsinnig schwer – aber notwendig!“

So hämmerte ich es spontan vorgestern in meine Facebook-Seite. Kann ich dazu stehen? „Freiheit durch staatliche Strukturen?“ Ich meine – ja! Was wir in Libyen haben, ist eigentlich kein richtiger Staat im modernen Sinn, sondern eine Art Stammesvereinigung. Die etwa neun wichtigen Stämme Libyens einigen sich unter Führung der tonangebenden Clans auf diese oder jene Art der Ressourcenverteilung. Ganz vorne steht der Diktator, der aber stets auf die Unterstützung der wichtigen Stämme angewiesen ist. Loyalität sichert er sich durch Ausgabe von Geschenken und „Erbhöfen“ – und durch bewaffnete parastaatliche Garden. Wirtschaft und Politik sind nicht getrennt, sondern nahezu deckungsgleich.

Das oben genannte Programm halte ich weiterhin für richtig. Wir sollten durch Wort und Bild, durch Reden und Bildung dafür werben. Es umzusetzen, dürfte mehrere Jahrzehnte dauern.

Libysche Rebellen in Ras Lanuf: Per Anhalter in den Kugelhagel – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik

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„Hier kommen eure Njuhs.“ Das hat mich aber sehr erschrocken

 Anbiederung, Deutschstunde  Kommentare deaktiviert für „Hier kommen eure Njuhs.“ Das hat mich aber sehr erschrocken
März 052011
 

28022011395.jpg Immer wieder erschrecke ich angesichts der – in meinen Augen auffälligen – Grammatik- und Rechtschreibschnitzer, die – wie mir scheint – beständig an Zahl zunehmen. Auch Karl Kraus hatte vor etwa 100 Jahren diesen Eindruck. Die Deutschen lernen nicht mehr richtig Deutsch!, dieser Seufzer entfährt mir immer wieder. Das sind zwar nur subjektive Empfindungen oder auch Empfindlichkeiten, aber sie lassen sich empirisch durch Längsschnitt-Tests erhärten. Die Vera-Deutschtests etwa zeigen dies wissenschaftlich. Die Lehrer in Berlin werden es vielleicht bestätigen.

Infas&Allensbach! Fragt bitte 1000 Deutschlehrer mit mindestens 10 Jahren Berufserfahrung: „Haben Sie das Gefühl, dass die Kinder durchschnittlich mit immer schlechteren Deutschkenntnissen in die Schule kommen?“ Die Antworten würden mich sehr interessieren!

„Hier kommen eure Njuhs: Nach neuen Untersuchungen verbringen Kinder super viel Zeit am Fernsehen: im Durchschnitt über zweieinhalb Stunden pro Tag.“ So ungefähr vorgestern die Kinder-Nachrichtensendung logo im öffentlich-rechtlichen KIKA. „Eure Njuhs„, „super viel Zeit„? Ich empfinde das nicht als gutes Deutsch. Ich finde, KIKA biedert sich oft mit allerlei Verrenkungen und schiefen Bildern sprachlich an die Kinder (die berühmten Kids) an, statt Vorbilder zu setzen.

„Da hin gehen, wo andere fliehen – das ist Mut.“ Überlebensgroß auf einem Misereor-Plakat auf unserem Schulweg – leider falsch geschrieben, sowohl nach alter wie nach neuer Rechtschreibung.

„Arbeit für Alle“, „Wohlstand für Alle“, „Wir bleiben Alle“, so etwas ist tausendfach zu lesen, selbst bei Liebig-14-Unterstützern! Spannend: Noch Hegel schrieb alle in der Erstauflage seiner Phänomenologie des Geistes von 1806  groß. Aber seit 1900 wird „alle“ klein geschrieben. Das kleingeschriebene „alle“ wurde nie ernsthaft in Frage gestellt.

Ich frage euch alle: Wieso sollen Kinder noch Rechtschreibung und Grammatik lernen, wenn sogar die Großen von Liebig 14 sich nicht daran halten?

Unser heutiges Rätsel kreist aber um den Dauerbrenner aller Deutschlehrer: Erschrocken oder erschreckt? Von Lessings und Goethes Zeiten bis zu meiner Schulzeit galt als eherner Unterschied:

Das Gespenst  erschreckt michdas hat mich erschrecktdas erschreckte mich gestern, als ich es hörte. Transitiver Gebrauch von erschrecken mit Akkusativ-Objekt – schwach gebeugt, also ohne Ablaut!

Umgekehrt der intransitive Gebrauch:

Ich erschrecke angesichts des deutschen Sprachgebrauchs unserer Medienelite.  – Ich bin erschrocken angesichts des schlechten Sprachgebrauchs. Ich erschrak gestern angesichts des Sprachgebrauchs.

Intransitiver Gebrauch von erschrecken verlangte im Hochdeutschen von den Zeiten Lessings und Goethes bis Ende des letzten Jahrtausends die starke Beugung mit Ablaut. Auch Karl Kraus sah dies so. In vielen deutschen Dialekten ist es anders, ebenso auch in vielen regionalen Varianten des Deutschen.

Ja, so war das früher!

Heute ist alles anders! Lest hier ein Interview mit einem deutschen Fernsehregisseur:

Interview: „Ich weiß nicht, was mit Merkel los ist“ – Medien – Tagesspiegel
Der türkische Premier Erdogan hat diese Woche gesagt, türkische Kinder in Deutschland bräuchten sich nicht zu assimilieren.

Das hat mich sehr erschrocken. Auch dieser fast schon enthusiastische, fehlgeleitete Applaus, den man im Fernsehen sehen konnte bei seiner Rede in Düsseldorf.

 Posted by at 09:19

Ich habe verstanden: Parallelwelten

 Ethnizität, Friedrichshain-Kreuzberg, Integration, Türkisches, Was ist deutsch?  Kommentare deaktiviert für Ich habe verstanden: Parallelwelten
März 042011
 

Sven Regeners Buch herrlich verqueres Buch „Neue Vahr Süd“ verschlang ich mal zwischen zwei Spaziergängen durch das winterlich verschneite Moskau. WIE KLEIN DOCH DEUTSCHE MENTALITÄT IST. Diese Deutschen!, schmunzelte ich. Sie lieben ihre Unzufriedenheit sehr!

Aber Regener hat wirklich einen Blick für das Wesentliche. Sein Zwischenruf zur Veranstaltung „Hilfe! Die Turis kommen!“ verdient Beachtung. Hier, in dieser Veranstaltung,  wurde ja offenbar in spalterischer Weise gegen Fremde&irische Trinklieder singende Ausländer gehetzt. Als würden nur Fremde und betrunkene Ausländer Bierflaschen auf Radwegen fallen lassen oder das Wasser am nächsten Polizeiauto abschlagen!

Gut auch seine Bobachtung zum Nebeneinanderherleben der verschiedenen Volksgruppen!

Ich habe verstanden: Der Kiez ist kein Sehnsuchtsort – Meinung – Tagesspiegel
„Und was heißt schon Kreuzberg? In Kreuzberg gab und gibt es doch ohne Ende Parallelwelten. Das ist doch so eine Mulitkulti-Lebenslüge: Ich habe in Kreuzberg nie einen Deutschen gekannt, der mit einem Türken befreundet gewesen war. Und in die Türkencafés, das nur mal als Beispiel, darf man oft gar nicht rein. Aber das macht ja nichts, die Leute müssen doch nicht den ganzen Tag Händchen halten, und wenn es einem nicht passt, zieht man weg. … Der ganze Kiez-Quark, das ist doch alles nur muffig. … Denn wenn einer sagt, unser Kiez soll so und so sein, ist das die Voraussetzung dafür, dass einer totgeschlagen wird, wenn er nicht reinpasst.“

 Posted by at 21:39
März 032011
 

Kehrte nach guten, anregenden Gesprächen über arabische Länder nachhause. 2 CDU-Kreisverbände waren vertreten: Friedrichshain-Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg – und ein Gast ohne Parteibuch. Na bitte! Wir beißen nicht!  „Es ist im Kern eine ökonomische Revolution. Die jungen Leute haben – auch wegen der extrem hohen Geburtenrate – größte Schwierigkeiten, sich ökonomisch zu behaupten. Und sie machen dafür richtigerweise ihre schwerreichen Dikatatoren verantwortlich.“

So eine Meinung!

Eine andere: „Wir Europäer verpassen eine Riesenchance, wenn wir jetzt den Raum der Freiheit nicht nach dorthin ausdehen – Partner, Verbündete, Freunde suchen! Die EU muss sich neu entwerfen, indem sie über ihren engen geographischen Horizont hinausdenkt und das Wagniskapital der Freiheit in den arabischen Ländern arbeiten lässt!“

„Es geht letztlich nur um die Versorgung. Versorgung, Versorgung, Versorgung, wenn das nicht mehr gewährleistet ist, bricht alles zusammen. Die arabischen Länder sind doch alles bloß Versorgungsdiktaturen. Sie erkauften sich Stillhalten des Volkes durch Geschenke und Begünstigungen. Wer aufmuckt, wird ins Gefängnis geworfen. Es sind Regime der Angst.“

Weitgehende Einigkeit bestand darin, dass Europa VIEL zu zögerlich, zu halbherzig die Stimme der Freiheit unterstütze, die sich in Arabien erhebe! Die Debatte habe sich in diesen Tagen zu sehr auf Militärisches verengt, das Politische, ja das Philosophische komme viel zu kurz. Es fehle jedes sinnvolle Nachdenken über den Aufbau der postrevolutionären Strukturen. „Staatliche Strukturen, Gewaltenteilung, unabhängige Justiz, Marktwirtschaft, Aufbau des Sozialstaates  — das ist das A und O! Warum FORDERT das NIEMAND?“

Die arabischen Staaten müssten sich selbst befreien, aber Europa müsse mit Herz, mit klug abwägenden nichtmilitärischen Mitteln Unterstützung, Trost und Hoffnung spenden. Wenig Neigung bestand, Flüchtlinge aus jenen Ländern aufzunehmen. Die Probleme müssten im Land selbst gelöst werden. „Wer jetzt flieht, gehört meist dem alten System an oder wandelt auf krummen Pfaden. Die Flüchtlinge sind meist nur junge Männer, die keineswegs vor Not und Elend fliehen.“

 „Hier kämpfen Menschen verzweifelt um Freiheit, und Europa lehnt am Fenster!!“

 Ich vernahm’s, wägte es ab, und beschloss, dieses hier niederzuschreiben.

 Posted by at 22:44