Große Mengen des für den Menschen im direkten Kontakt schädlichen Lithiums werden benötigt, um den gewünschten Elektro-Antrieb des motorisierten Individualverkehrs in großem Umfang voranzutreiben. Daneben muss neben der bestehenden Tankstellen-Infrastruktur eine zweite Elektro-Infrastruktur für den automobilen Verkehr hochgezogen werden. Über einige Jahrzehnte wird das Elektro-Auto also neben den Verbrennungs-Motoren herlaufen, etwa als Zweitauto. Bereits im Jahr 2020 könnten etwa 10% der PKW-Flotte elektrisch betrieben sein! Der PKW-Bestand wird dank der vielen Zweitfahrzeuge zunehmen. Am Ort des Verkehrs selbst emittiert das Elektro-Auto keine gasförmigen Substanzen, sondern nur die üblichen Roll-, Brems- und Windgeräusche. Und es beansprucht Straßenland, Aufmerksamkeit, Geld wie die Verbrennungsmaschinen-Vorgängermodelle auch.
Dennoch ist es bereits heute möglich, emissionsfrei, kostengünstig, rasch und selbstbestimmt in Städten von A nach B zu gelangen. Bei Strecken bis 10 km Länge ist in Berlin das Fahrrad meist schneller als das Auto. Dies er-fährt jeder, der selbst in die Pedale tritt. Einige hübsche Versuche dazu liefert die Zeitschrift zitty in ihrem Heft Nr. 8/2010, welches das Titelthema Fahr Rad! ziert:
Magazin zitty.de
Es sind die Ausreißer, die immer wieder Zweifel aufwerfen. Der Kollege, der zum ersten Mal mit dem Auto statt mit dem Rad zur Arbeit kommt und freudestrahlend verkündet: Zehn Minuten gespart, und das im Berufsverkehr! Der Heimweg aus der Kneipe in Kreuzberg 61 nach Friedrichshain, Luftlinie bloß sieben Kilometer, der mit zwei Mal Umsteigen eine Dreiviertelstunde dauert. Die Fahrt nach Adlershof, die mit der Bahn und anschließendem Fußweg 40 Minuten braucht, mit dem Fahrrad aber nur eine halbe Stunde.
Noch einmal eine Stunde habe ich herumgebosselt an dem Vorschlag „Modellbezirk Radverkehr“. Den werde ich morgen im Fahr-Rat im Rathaus Kreuzberg vortragen dürfen. Ob es die Mitglieder des Rates zu überzeugen vermag? Zweifel sind angebracht! Zuviele Gewohnheiten werden hier durchbrochen. Darf man denn einfach neue Pfade betreten – auch wenn manches auf Ablehnung stößt? Ich glaube: ja! Man soll sogar!
Heute holte ich den neuen Reisepass meines Sohnes aus dem Bürgeramt in der Schlesischen Straße ab. Da ich es eilig hatte, fuhr ich auf direktestem Wege mit meinem schnellsten Fahrzeug, dem VSF T300, über die Gitschiner Str. – Skalitzer Str. – bis zur Schlesischen Straße. Wie üblich, fuhr ich auf der Mitte der rechten Fahrspur, um niemanden und auch mich selbst nicht zu gefährden. Ich kam sehr schnell voran. Auf dem Heimweg wurde ich bei der Kolonnenfahrt bei Tempo 30km/h (vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit) durch einen hinter mir dreinzockelnden LKW bedrängt und angehupt. Gebracht hat es ihm nichts. Ich ließ mich nicht aus der Ruhe bringen, pedalierte weiter bei 30 km/h, zeigte ihm nicht meinen Unwillen. Er musste sich genauso in der Kolonne einreihen wie ich auch. Dann kamen wir zur Ampel. Ich wechselte auf den holprigen engen Radweg und ließ alle in Kolonne wartenden LKW und Autos hinter mir. Und tschüß!