März 212010
 

19032010.jpg Viele meiner Freunde lehnen es ab, Springer-Blätter zu lesen. Ein törichtes Vorurteil, das keiner Überprüfung standhält! Ich lese neben FAZ und taz regelmäßig auch BILD und WELT – und auch die Junge Welt. Man muss sich auf alles wappnen! Bin ja – wie übrigens die allermeisten US-Amerikaner auch – ein Anhänger des First Amendment, also der uneingeschränkten Rede- und Meinungsfreiheit. Lest alles, prüft und glaubt das, was euch überzeugt! Dieser erste Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung lautet:

“Congress shall make no law respecting an establishment of religion, or prohibiting the free exercise thereof; or abridging the freedom of speech, or of the press; or the right of the people peaceably to assemble, and to petition the Government for a redress of grievances.”

Gute Ratschläge zum Fahrradkauf in der heutigen BILD!

Erstens rät BILD: Nur beim Fachhändler kaufen.

Zweitens rät BILD: Dem Zweck entsprechend Geld ausgeben! Wer nur einmal pro Monat fährt, ist mit einem Fahrrad ab 500.- Euro Neuwert gut bedient. Der Alltagsradler, der das Rad täglich – auch auf längeren Strecken – bewegt, muss mindestens mit dem Doppelten rechnen.

Drittens rät Bild: Nicht beim Schloss sparen!  Ein gutes Schloss sollte 10-15% des Fahrradpreises ausmachen, also etwa 50 bis 100 Euro kosten.

Viertens rät BILD: Auf gute Beleuchtung achten!

Ich meine: BILD hat recht. Gerade hier in Friedrichshain-Kreuzberg sollte man den Ratschlägen der BILD  folgen, zumindest beim Fahrradkauf. Der Fahrrad-Fachhandel bildet auch einen nicht zu unterschätzenden Standortfaktor.

Unser Bild zeigt das Fahrrad des Bloggers, kippsicher angeschnallt im schmucken Regionalzug der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) von Fürstenwalde nach Bad Saarow. Bei der ODEG fährt stets ein Schaffner mit, und Fahrkartenautomaten suchten wir vergeblich. Aber die Schaffnerin – oder muss man Zugbegleiterin sagen? – war von einer ausgesuchten Höflichkeit! Und freundlich! Und ausgesprochen charmant. Ergebnis: Ich möchte wieder mit der OE fahren …

Fahrrad: Tipps zum Kauf – was beachten bei Versicherungen? Händler, Reifen, Gangschaltung, Licht – Ratgeber – Bild.de
Was ist ein angemessener Preis?
Alltagsradler, die mit dem Rad zur Arbeit, zu Freunden oder zum Einkaufen fahren, bekommen ein gutes, ungefedertes Modell ab etwa 500 Euro. Profis und andere Power-Radler, die mehrere Tausend Kilometer pro Jahre fahren, müssen mit mindestens dem Doppelten rechnen.

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Die Überzeugungskraft der Freiheit

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März 132010
 

Die Altmodische – Berliner Zeitung
„Sie glaubte an die Überzeugungskraft der Freiheit und daran, dass Menschen Freiheit lernen können.“

Betroffen lese ich diesen Satz in einem Nachruf auf Hanna-Renate Laurien. Geradlinigkeit, Sinn für Humor, ständige Gesprächsbereitschaft, ständiges Werben um Zustimmung … und der Glaube an die Überzeugungskraft der Freiheit – ein sehr guter Ruf! Ein sehr guter Nachruf!

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März 062010
 

Interessante Berichte bringen heute einige Zeitungen über eine Lesung, die die am Ende der DDR auflagenstärkste Tageszeitung  junge welt veranstaltet hat. Ehemalige Offiziere der Staatssicherheit durften ihre recht eigentümliche Version der Dinge darstellen. In Treuen fest! Weniger unbehelligt lief der Abend für einige Zuhörer ab. Das berichtet der Berliner Kurier heute auf S. 9:

Berliner Kurier – Vera Lengsfeld von Alt-Kadern attackiert
Die unfeinen Stasi-Herren und ihre Knechte. Wieder einmal haben sie ihr wahres Gesicht gezeigt: Auf einer Veranstaltung bepöbelten sie die Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld und drohten ihr Gewalt an.

Ich meine: Wer pöbelt und rumschreit, hat etwas zu verbergen. Einschüchterungen, Gewaltandrohungen, zersetzende Gerüchte – das schaffen die alten, die ewigjungen Stasi-Diener weiterhin mühelos. Man sollte sie dabei behelligen – durch ruhige Worte, durch Aufklärung. So wie dies etwa Vera Lengsfeld macht.

Gut auch, dass sie sagt: „Ich war nie ein Opfer – ich war im Widerstand!“ Keine Selbstviktimisierung – wie dies heute so viele machen. Das gefällt mir.

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Feb. 282010
 

Die neuesten Daten, die die Morgenpost heute bringt, belegen es erneut: ich wohne im ärmsten Bezirk Berlins. Doch echte Armut gibt es hier nicht.  Echte Armut beschrieben Dickens, Friedrich Engels, John Galsworthy – und andere. Armut, das sind zerlumpte, hungernde, bettelnde Menschen. Eine typische Armuts-Szene beschreibt John Galsworthy in seinem Roman Beyond:

Beyond, by John Galsworthy
The usual route from the station to Bury Street was „up,“ and the cab went by narrow by-streets, town lanes where the misery of the world is on show, where ill-looking men, draggled and over-driven women, and the jaunty ghosts of little children in gutters and on doorsteps proclaim, by every feature of their clay-coloured faces and every movement of their unfed bodies, the post-datement of the millennium; where the lean and smutted houses have a look of dissolution indefinitely put off, and there is no more trace of beauty than in a sewer. Gyp, leaning forward, looked out, as one does after a long sea voyage; Winton felt her hand slip into his and squeeze it hard.

Also: „Krank aussehende Männer, zerlumpte erschöpfte Frauen, gespenstische kleine Kinder im Rinnstein …“ Ernst Bloch schreibt in seinem „Prinzip Hoffnung“ zu eben dieser Stelle:

„Wenigstens hat der Arme den Vorteil, schmutzig auszusehen. Er bietet keinen schönen Anblick, er wirkt vorwurfsvoll, auch wenn er schweigt. Der Arme darf ans Herz, doch freilich nicht an den Beutel greifen; letzteres tut der Herr, um das Elend, von dem er lebt, zu mildern.“

Bloch, Adorno, Dutschke, Habermas, Gysi  – sie alle kannten und kennen Armut als erlesene Armut nur aus den Büchern. All die Aufrufe zur Revolution, zum Systemwechsel wegen angeblicher Verelendung des Volkes waren erborgt aus diesen und anderen Lesefrüchten. Für Marx und Engels hingegen lag Armut noch vor Augen. Wir haben in der Bundesrepublik jeden Begriff davon verloren, deshalb das sinnleere Gerede von Armut.

Gestern fuhr ich mit der BVG vom Märkischen Viertel über den Hermannplatz Neukölln zurück in mein armes Kreuzberg. Besuche auch du, lieber Leser, Neukölln! Betrachte die jungen Männer in ihren weißen Jeans, ihren Markenklamotten, mit ihren i-pods, ihren gegelten Haaren, ihrem kurzrasierten Haar. Ihrem platzgreifenden, selbstbewussten Gebaren. Sie kennen keine Armut. Die Notwendigkeit zu arbeiten kennen sie ebenfalls nicht. Es macht ihnen keine Mühe, irgendeine Frau, irgendein Mädchen in der U-Bahn anzuquatschen und dreist zu behelligen, solange sie keinen Schleier trägt.  Diese jungen Männer werden die Prozentrechnung am Ende der 10.Klasse und auch die deutsche Rechtschreibung nicht beherrschen, irgendein Unternehmen in Ludwigsfelde oder Fürstenwalde wird sie nicht einstellen. Dennoch sind sie perfekt integriert. Integriert untereinander, in ihren Sippen, in den sozialen Stützungssystemen.

Sie sind nicht arm. Sie leben in vollkommener Freiheit. Hartz IV sei Dank. Sie können tun und lassen, was sie wollen. Über sie und genau sie schreibt Karl Marx im dritten Band des Kapitals:

Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion.

Zitat: Ernst Bloch, „Prinzip Hoffnung“, 2. Band, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1977, S. 1045

Bild: Am U-Bahnhof Möckernbrücke, Abendstimmung vor dem Sturm, heute, 28.02.2010, 18 Uhr

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Feb. 222010
 

„Ich erziehe mich selbst – und zwar ein Leben lang“, das ist ein Satz, den ich – so münchhausenhaft er klingen mag –  gerne unterschreibe. Der gute Bayerische Löwe hat mir das als gestern als Kommentar unter den Beitrag „Des globbiDr net, Cem“ vom 20.2.2010 gesetzt.

Wir haben jetzt soeben den Bogen „Selbsteinschätzung“ aus der Grundschule bekommen. Es ist etwas Spannendes: Die Schüler sollen selbst angeben, welche Noten sie sich geben würden. An erster Stelle steht: „Ich komme pünktlich zur Schule“.

Die Schule ruft mit dieser Selbsteinschätzung die Schüler direkt zur Verantwortung für sich selbst, für den Tisch, für das eigene Arbeitsmaterial. Dann gibt es die berühmten „Dienste“ – Tafeldienst etwa. Sehr gut! Solche kleinen Zuständigkeiten wecken und schärfen den Sinn für das Miteinander.

Daneben muss – so meine ich – natürlich auch auf uns Eltern eingewirkt werden.

„Ich erziehe mich selbst“ – das trifft in der Tat meine Meinung. Ab dem Alter von etwa 17 Jahren, also kurz vor Erreichen der gesetzlichen Volljährigkeit, sollte jeder in Deutschland aufwachsende Mensch so weit sein. Am Anfang, bei den Neugeborenen, steht die fast völlige Abhängigkeit von der Umgebung. FAST völlig, weil bereits das Ungeborene und das Neugeborene im Wechselspiel mit der Mutter bzw. den Bezugspersonen unbewusst seine Umgebung mitgestaltet.

Von Jahr zu Jahr nimmt die Abhängigkeit ab. Die Selbstverantwortung nimmt zu.

Bereits im Alter von 6 Jahren SOLLTEN Kinder so weit sein, dass sie das pünktliche Erscheinen zur Schule als Pflicht erkennen. Im Alter von 7 Jahren SOLLTEN sie das Erledigen der Hausaufgaben als ihre Pflicht erkannt haben.

Im Alter von 16 Jahren SOLLTE jede deutsche Bürgerin und jeder deutsche Bürger, egal ob Araberin oder Türke oder Deutscher, das Erlernen eines Berufes, das Erwerben des Lebensunterhaltes als ihre oder seine Pflicht erkannt haben. Wir sind in Kreuzberg meilenweit davon entfernt. „Ich werd eh Hartzer, dann hab ich alles was ich brauch!“ „Ich gehöre von Geburt  einer benachteiligten Minderheit an. Ich schaffe das nie und nimmer. Der Staat muss mich stützen!“

So singt es und klingt es in unserem Kreuzberger Ländle hier.

Das von den Lobbyvertretern eingeimpfte Bewusstsein, einer benachteiligten Minderheit anzugehören, die aber tatsächlich in manchen Stadtquartieren Kreuzbergs, Neuköllns und Weddings (oder Hasenbergls?) längst die deutliche, noch wachsende Mehrheit darstellt, wirkt geradezu lähmend!

Sobald jemand Mutter und Vater wird, SOLLTE sie oder er die umfassende Verantwortung für die Kinder als seine Pflicht erkannt haben.

Ich habe nichts dagegen, wenn dieser Sinn für Selbsterziehung und Verantwortung den Kindern durch die Eltern und durch die Schule, durch Pfarrer und Imame „eingeimpft“ wird. Im Gegenteil!

Diesen Sinn, diese machtvolle innere Instanz – die brauchen wir. Diese Instanz ist das Ich, das Selbst – oder auch das Gewissen. Wir brauchen das starke Selbst. Wir müssen die Kinder in genau diesem Sinne stärken.

O guter bayrischer Löwe, ein bisschen Münchhausen schadet nicht. Man kann sich auch am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.

Oder, wie es ein bekannter Psychotherapeut ausdrückt: „Nimm dein Bett, steh auf und geh!“ Irgendwann ist Schluss mit der Bemutterung und Bevaterung durch den Staat.

Dann musst du die Freiheit erkennen aufzubrechen, wohin du willst.

So wünsche ich mir das. Und genau so dürften das die Lehrer an unserer Schule sehen.

Der Schritt in die Selbständigkeit muss jeden Tag neu gegangen werden. Jeden Tag, ein Leben lang.

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Jan. 142010
 

Unter das herrlich doppeldeutige Motto Umdenken werde ich meine Bewerbungsrede am Samstag stellen. Denket um, das ist ja das große Leitwort Johannes‘ des Täufers, meines Namenspatrons.

Schon einige Wochen habe ich aus keiner Rede des Bundespräsidenten mehr zitiert. Aber genau jetzt hat er wieder eine Rede gehalten, die ausgezeichnet zu einem Schwerpunkt meiner Bewerbung passt: zur Umgestaltung des städtischen Raumes. Ich werde fordern, dass Friedrichshain-Kreuzberg zu einem Fahrrad-Modellbezirk entwickelt wird. Johannes der Täufer hätte das zwar abgelehnt. Das Fahrrad wäre ihm als Luxus erschienen. Er ging stets zu Fuß. Aber wir brauchen weiterhin eine hochwertige, flexible und effiziente Mobilität in den Städten. Busse, Taxis und Bahnen allein werden das nicht sichern können. Auch das Fahrrad muss hinzukommen. Und ab und zu ein knallrotes Automobil;-)

Ausgerechnet bei einer Veranstaltung des ADAC fordert er das Umdenken in der Verkehrspolitik – weg vom Auto, hin zu umweltgerechterer Mobilität. Der Bundespräsident beklagt, dass 80% der Arbeitnehmer mit dem Auto zur Arbeit fahren.

Eigentlich würde so eine Rede besser zum ADFC passen, aber eine solche Rede beim ADFC zu halten, hieße ja, den Fischen Wasser predigen.

ADFC-Leser sollten also die folgende Rede nicht lesen, ADAC-Leser schon.

www.bundespraesident.de: Der Bundespräsident / Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler bei der ADAC-Preisverleihung „Gelber Engel“ 2010
Unser Planet würde es gar nicht aushalten, wenn die Menschen überall auf der Welt so viel im Auto durch die Gegend fahren würden, wie wir das hier bei uns tun. Dann bräuchten wir schon jetzt mehr als eine Erde. Um in Zukunft mobil zu bleiben – und auch, um die Mobilität von Menschen in ärmeren Ländern zu verbessern – müssen wir umdenken. Und zwar grundlegend.

Einfach ist das nicht. Veränderungen fallen den Menschen erstmal schwer. Wir halten gerne an lieb gewonnenen Gewohnheiten fest. Und trotzdem verändern wir uns fortwährend. Denken Sie ein halbes Jahrhundert zurück. Damals konnten vielerorts die Kinder noch auf der Straße spielen. Heute können sie es meist nicht mal mehr auf dem Bürgersteig – zu gefährlich.

Wir haben allmählich hingenommen, wie sehr wir im Straßenverkehr auf unsere Kinder aufpassen müssen und dass Autoabgase unsere Umwelt belasten. Wir haben unsere Freiheit eingeschränkt, um die Freiheit zu gewinnen, spontan mit dem Auto losfahren zu können, wohin wir möchten.

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Jan. 142010
 

An der Berichterstattung über meine Kandidatur in der Berliner Zeitung und dem Tagesspiegel kann man ablesen, wie sehr der produktive, demokratische Streit innerhalb der Parteien gepflegt werden muss. Es muss doch das Normalste in der Welt sein, wenn um freiwerdende Posten sich mehrere Menschen bewerben! Davon lebt doch die Demokratie. Man sollte Wettbewerbskandidaturen nicht als Zeichen von Unfrieden sehen, sondern als Zeichen von Lebendigkeit. Ich weiß es von den amerikanischen Parteien, dass sich dort stets mehrere Kandidaten einen teils erbitterten Wettstreit um Posten liefern. Und nachher friedlich ein Bier trinken gehen. So soll es sein.

Werner van Bebber schreibt unter anderem im Tagesspiegel heute:

 CDU Neukölln ist vorerst befriedet
Gegen Wansner will am Sonnabend Johannes Hampel antreten. Hampel ist von Beruf Konferenzdolmetscher. Er stellt seine Kandidatur unter das Motto „Die zusammenwachsende Stadt“. Das ist die Überschrift eines Thesenpapiers, in dem Hampel seiner Partei vorschlägt, sich verstärkt auf christdemokratische Grundwerte wie Freiheit und Verantwortung zu besinnen. Die CDU solle weniger auf staatliche Verteilungspolitik setzen als auf Eigenverantwortung und Gemeinschaftsgefühl.

In dieser knappen Zusammenfassung fühle ich in der Tat mein Grundanliegen zutreffend wiedergegeben. Dies ist eine passende Zusammenfassung meines Thesenpapiers. Ich werde versuchen, diesen Grundgedanken am Samstag packend und überzeugend auszumalen.

 Posted by at 00:23
Dez. 062009
 

Bereits im 5. Jahrhundert vor Christus zeichnet sich ein Gegensatz zwischen orientalischer Herrschaftskultur und europäischer Freiheitskultur ab. In den Persern des Aischylos, aber auch im Buch Ester der Hebräischen Bibel wird dies exemplarisch fassbar.

Die orientalische, die östliche Herrschaftskultur beruht auf der Unterwerfung des Einzelnen unter die göttlich überhöhte Vorrangstellung der Macht. Die Macht des Selbstherrschers setzt das Recht, schützt den Einzelnen vor Anmaßungen anderer, verlangt aber bedingungslose Anerkennung und Verherrlichung. Bis zum heutigen Tage herrschen in den meisten Nachfolgestaaten der antiken Großreiche des Ostens autokratische, auf Unterwerfung beruhende Regierungen. Die einzige Ausnahme stellen Israel und – mit allerdings erheblichen Einschränkungen – die Türkei und teilweise Libanon dar. Alle anderen Staaten vom Maghreb bis nach Pakistan sind autokratische oder diktatorische Regimes, in denen sich niemals über die Jahrtausende hin eine echte Freiheitskultur entfaltet hat.  Die Bürger dieses Staaten sind an ihre Versorgungsdiktaturen gewöhnt. Die Macht setzt sich durch, gestützt auf einen willfährigen Polizei- und Beamtenapparat.

Aus diesen Ländern der Versorgungsdiktaturen kommen die „problematischen“ Migrantengruppen zu uns. Da sie in ihren Herkunftsländern niemals aktive Teilhabe am öffentlichen Leben erlangt haben, setzen sie ihre Karriere als Versorgungsempfänger in Deutschland nahtlos fort. Folge: es kommt ihnen gar nicht in den Sinn, etwa Elternabende zu besuchen. Alles, was der Staat macht, wird von den Bürgern hingenommen. Weder wird der Staat kritisiert, noch wird er aktiv verändert. Der Staat – hier also vertreten durch die Schule – soll seine Versorgungsleistungen erbringen. Zu diesen Leistungen gehört auch die Erziehung der Kinder. Man liefert Kinder ab, und die Schule soll sie erziehen. Der Islam mit seinem starken Akzent auf Endgültigkeit, mit seinem geschlossenen Weltbild, mit seiner nicht-diskursiven Ethik eignet sich ideal als Kitt solcher autokratischer Herrschaftsverbände.

Ganz anders das europäische Modell der abendländischen Leitkulturen! Europäische Leitkulturen sind dynamisch. Sie entstehen aus dem häufig streitigen Gegeneinander unterschiedlicher Machtpole und Machtinteressen. Machtverherrlichung ist nicht ihr Hauptzweck, sondern Befragung, Bekämpfung oder auch Sicherung der stets gefährdeten Macht. Europäische Leitkulturen sind nach vorne offen, sie zeichnen sich durch stetes Umdeuten der Herkünfte aus. Zu den europäischen Leitkulturen gehören deshalb untrennbar offene Kanonbildungen – ja der Kanon kultureller Werte und Werke ist selbst Gegenstand fortlaufender Neudeutung und Neuschaffung.

In der Berliner Schulpolitik herscht riesige Verwirrung über die Herkunftsländer unserer Migranten – sofern man sie überhaupt zur Kenntnis nimmt.  Unser Sozialsystem wird von den Zuwanderern aus Türkei, Libanon oder Jordanien als bruchlose Fortsetzung der orientalischen Versorgungsdiktaturen erlebt und dankbar entgegengenommen. Die orientalisch-islamische Herrschaftskultur wird meist unbefragt weitergegeben. Dies erfahre ich auf Schritt und Tritt bei der Begegnung mit jungen migrantischen Männern in Kreuzberg.

Diese jungen migrantischen Männer wachsen in ein kulturelles Vakuum hinein, da die deutsche Gesellschaft – also wir – es nicht mehr vermag, ihre eigenen Werte überzeugend zu formulieren. Vielmehr wird in der deutschen Politik der Staat zunehmend zum „Anspruchsgegner“ gemacht, der uferlos auswuchernde Versorgungs- und Glückseligkeitswünsche zu befriedigen hat. Diese Grundhaltung „Versorge uns oh Staat!“ reicht bis weit in die CDU und die FDP hinein.

Man kann dies auch an den neuesten Schulreformversuchen ablesen. So wird etwa in der Broschüre des Berliner Senats zur neuen Sekundarschule nirgendwo die Rolle der Familie oder der fundamentale Beitrag des Einzelnen erwähnt – vielmehr wird das gesamte Schulwesen als eine Art BVG-Verschiebebahnhof dargestellt. Es kommt nur darauf an, den richtigen Waggon zu erwischen, alles andere regelt der Staat für die Schüler.

Ich halte dies für gefährlich. Wir brauchen nicht den Untertan, den unmündigen Leistungsempfänger. Wir brauchen den mündigen, seiner Rechte und Freiheiten bewussten Menschen und Bürger, der seine Glückseligkeit nicht vom Staat erwartet, sondern selbst dafür arbeitet.

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Mauerfall im Kleinen anpacken!

 Das Gute, Fanny Hensel, Freiheit, Freude, Frohe Hirten, Gute Grundschulen  Kommentare deaktiviert für Mauerfall im Kleinen anpacken!
Nov. 092009
 

mauerfall.jpg Diesen großartigen Tag begann ich mit einer Feier in der Fanny-Hensel-Grundschule. Eine Baumpflanzung war genau für den heutigen Tag angesetzt. Die Bürgerstiftung Berlin und der Sponsor Boeing hatten Hand in Hand mit der Schule gearbeitet. Ein Feldahorn wurde eingesetzt. Ein Modell der Berliner Mauer war aus Kartons nachgebaut.

Zuvor gab es Musik und Ansprachen. Mein Sohn spielte das Hirtenlied von Mozart. Ich sprach mit Lehrern, Sponsoren und Schülern. Ich war stolz auf die Schule. An dieser Schule wirken alle zusammen, um die neue Gesellschaft Deutschlands wachsen zu lassen.

In wenigen Augenblicken werden die Dominosteine am Brandenburger Tor stürzen. Mit dabei: Ein Stein, den die Kinder der Fanny-Hensel-Grundschule bemalt haben!

Ich freue mich sehr!

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Nov. 072009
 

Gerne lese ich immer wieder ausgewählte Abschnitte aus dem Schatzkästlein der deutschen Literatur. Heute z.B. das erste Kapitel aus Gottfried Kellers „Grünem Heinrich“. In dem Abschiedsgespräch zwischen Heinrich Lee und seiner Mutter springen mich geradezu modellhaft das Anspruchsdenken der nachwachsenden und das Tüchtigkeitsdenken der älteren Generation an. Wir hören die Mutter:

„Und daß du mir nur das Weißzeug und dergleichen mehr estimierst als bisher und nichts verzettelst! Denn bedenke, daß du von nun an für jedes Fetzchen, das dir abgeht, bares Geld in die Hand nehmen mußt und es doch nicht so gut bekömmst als ich es verfertigt habe.“

Dem erwidert der Sohn: „Wenn man in der Fremde ist und sich eine ordentliche Wohnung mieten muß, so bekommt man die Bedienung mit in den Kauf.“

Hier höre ich die Stimme der heutigen Anspruchsdenker heraus: „Bedienung! Bitte zahlen Sie! Alles zusammen!“.

Eine wahre Orgie von Anspruchsdenken brach in den letzten Tagen aus Anlass des abgesagten Magna-Deals über Deutschland herein. Ministerpräsidenten, Gewerkschafter, Politiker aller Parteien überboten sich in Äußerungen ihrer Empörung über die Entscheidung des amerikanischen Mutterunternehmens, den durch die deutsche Politik mühsam eingefädelten Vertrag über eine Beteiligung des Autozulieferers Magna zu zerreißen.  In die Wut darüber, dass die deutsche Politik sich an der Nase hat herumführen lassen, mischt sich eine geradezu kindische Trotzreaktion führender Politiker: „Das dürft ihr uns nicht antun! Wir haben einen Anspruch darauf, dass …! Wir erwarten, dass …“ Rütli-Schwüre der Geschlossenheit werden feierlich abgelegt. „Wir lassen uns von den treulosen amerikanischen Unternehmern nicht auseinanderdividieren!“

Man lese doch die Presse über die überbordenden Reaktionen der Ministerpräsidenten und des neuen Bundeswirtschaftsministers! Zum Beispiel den folgenden, Spiegel online entnommenen Abschnitt:

„Wir haben vereinbart, dass wir in den nächsten Tagen und Wochen gemeinsam alles tun wollen, um die Arbeitsplätze zu erhalten und die Standorte zu stabilisieren“, so Rüttgers, in dessen Bundesland das Opel-Werk in Bochum liegt. GM müsse schnell ein Konzept vorlegen, sonst sei Hilfe nicht möglich. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte: „Wir sind uns einig, dass GM jetzt liefern muss.“

Man wird erkennen: Die führende politische Klasse Deutschlands – also die neue Bundesregierung und die amtierenden Minsterpräsidenten der vier betroffenen Bundesländer –  bedienen weiterhin die Erwartung der Söhne und Töchter des Volkes, die Konzernmutter und die mütterlich-fürsorgliche Regierung müsse es ihnen schon recht machen. Eine verhängnisvolle Fehlentwicklung, wie ich meine! Ein wechselseitig sich verstärkendes, geradezu wahnhaftes Gespinst aus Ansprüchen, Erwartungen, bitteren Enttäuschungen an der Realität und geradezu verschwörerischer Beibehaltung der fürsorglichen Belagerung des weltumspannenden GM-Konzerns. Götzenhaft wird die Formel „Wir sind alle Opel“ auf die Fahnen geschrieben. Grundsätze wie Eigenverantwortung, Freiheit, Selbstbestimmung bleiben auf der Strecke.

Das Wort „Freiheit“, dieser 500-Euro-Schein der großen Reden, harrt weiterhin der Umsetzung in die kleine klingende Münze der politischen Alltagspraxis. Freiheit bedeutet selbstverständlich auch Freiheit zum Scheitern! Ich bin fest überzeugt: Die Politik darf sich niemals vermessen, den Bürgern und auch den Firmen die Erfahrung des Scheiterns und der Erfolglosigkeit ersparen zu wollen.

Die neue Bundesregierung, die ausweislich des Koalitionsvertrages leider erneut Wohlstandserhaltung als das zentrale Motiv staatlichen Handelns festgeschrieben hat, täuscht sich offenkundig in dem, was eine Regierung von den Unternehmen erwarten und verlangen darf, was sie den Bürgern zumuten und versprechen darf.

Ich meine: Die Regierungen müssen sich grundsätzlich – von ganz wenigen handverlesenen Ausnahmen abgesehen, zu denen Opel sicher nicht gehört – aus dem Wohl und Wehe einzelner Unternehmen heraushalten. Sonst entsteht eine ungesunde Verquickung aus wirtschaftlichen Teilinteressen, Wahlinteressen der Politiker und Anspruchshaltungen der Bürger. Es sei warnend daran erinnert, dass in Italien in den 80er Jahren der Staat, also die Politiker, direkt ein Drittel der Volkswirtschaft kontrollierte! Mit verheerenden Folgen, mit blühender Korruption, Kriminalität und Klientelwirtschaft.

Zitat aus Spiegel online:
Falls öffentliche Mittel fließen, sollte die Politik über einen stärkeren staatlichen Einfluss nachdenken: „Wenn der Staat Hilfen gewährt, wäre er gut beraten, als Gegenleistung Mitsprache in dem neuen Opel-Konzern zu verlangen“, sagte Huber dem Bericht zufolge.

Die Politiker aus Bund und Ländern sollten nunmehr die eigenen kapitalen Fehler, die eigenen folgenschweren Missgriffe offen eingestehen und nicht noch unser schlechtes Geld unserem guten Geld hinterherwerfen.

Es wird irgendwann einmal niemanden geben, der uns bedient, außer vielleicht unseren Enkeln und deren Kindern.

Leseempfehlung:
Gottfried Keller: Der grüne Heinrich. Roman. Erster Band, erstes Kapitel. Wilhelm Goldmann Verlag, München 1982, hier S. 17

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Privatschule, Reichtum und Gerechtigkeit für alle!

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Sep. 152009
 

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Bildungsgerechtigkeit – Privatschule für alle – Schule – sueddeutsche.de
Eltern misstrauen dem staatlichen Bildungssystem, Privatschulen boomen. Sie haben den Ruf, Eliteschmiede für die Oberschicht zu sein – doch das Klischee ist falsch.

„Es darf nicht vom Kontostand abhängen, welche Schule ein Kind besucht.“ So behauptet es immer wieder unverdrossen die SPD.  Sie weckt Begehrlichkeiten: Denn natürlich brauchen die Eltern mehr Geld, damit sie dann ihre Kinder aufs Gymnasium schicken können. Geld, das ihnen die SPD schenken will. Was ist dran? Hängt es vom Einkommen der Eltern ab, welche Schulen die Kinder besuchen?Der Kandidat der SPD in unserem Wahlkreis verlangt „kostenfreie Beratungsanlaufstellen“ als Maßnahme der Bildungspolitik. Er möchte uns weismachen, es gäbe nicht genug kostenfreie Beratung im Bildungswesen. Allerdings: Schafft man neue Beratungsanlaufstellen, so schafft man auch neue Arbeitsplätze in der Helfer-Industrie. Und die Helfer werden aus Dankbarkeit wiederum SPD wählen.

Aber brauchen die Eltern mehr „kostenfreie Beratung“? Brauchen die Eltern mehr Geld?

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Nein! Diesen Mythos ließ die Süddeutsche Zeitung gestern platzen. Am Beispiel der Privatschulen erläuterte sie auf Seite 1, dass einzig und allein der Bildungsgrad der Eltern und das Bildungsbewusstsein der Eltern darüber entscheiden, welche Schulen die Kinder besuchen. Die bildungsbewussten Eltern und die Akademiker schicken ihre Kinder von Anfang an – also bereits in der Grundschule – auf  „besondere“ Schulen, auf Privatschulen und kirchliche Schulen. Und später aufs Gymnasium.  Das gilt unabhängig vom Einkommen. Eltern, denen Bildung nicht so wichtig ist, schicken die Kinder auf die nächstgelegene Schule oder die Regelschule. Das gilt ebenfalls unabhängig vom Einkommen.

NICHT Geld, sondern Bildungsgrad der Eltern und Wertesystem der Eltern bestimmt in diesem Land, ob ein Kind in die staatliche oder die private Grundschule geht. Ob es dann ins Gymnasium geht. Und zwar von Klasse 1 an.

Was heißt das für unseren Wahlkreis? Viel! Denn Wahlkreis 84 weist zwei Besonderheiten auf. Die Haushalte alle zusammengenommen haben eins der niedrigsten Durchschnittseinkommen aller Berliner Bezirke. Wir haben eine sehr hohe Arbeitslosigkeit und einen sehr hohen Anteil an Transferleistungsempfängern. Aber umgekehrt hat Friedrichshain-Kreuzberg den höchsten Bildungsgrad aller Berliner Bezirke. Hier leben prozentual die meisten Akademiker Berlins.  Jetzt wird auch klar, warum die Eltern alles mögliche tun, um auf ihre Wunschschule zu kommen: Da Bildung für sie ganz oben steht, suchen sie für ihre Kinder die in ihren Augen beste Schule.

Und das hartnäckige Vorurteil, das leider von allerlei Migrationsexperten und Migranten selber verbreitet wird, das lautet: „Ab einer Migrantenquote von 50% kannst du keinen vernünftigen Unterricht mehr machen.“ Je niedriger der Migrantenanteil, desto besser. So wird es behauptet, und so verhalten sich die Eltern auch.

Dass dies immer wieder behauptet wird, halte ich für allerdings für eine Schande. Das grenzt an Rassismus. Das IST Rassismus. Was sollen die Lehrer und Eltern machen wie wir, in deren Klassen der Migrantenanteil 90-100% beträgt? Wegziehen? Evangelische Privatschule gründen, wie der Kandidat der Grünen Ströbele will? Oder Hand aufhalten, in die Böhning dann seine Wahlgeschenke schüttet?

Deshalb der ganze Fahrzirkus, deshalb der starke Zuzug der Familien nach Friedrichshain und Prenzlauer Berg – und der auffällig starke Wegzug der Familien aus Kreuzberg! Denn nur im Ortteil Kreuzberg gibt es regelmäßig Migrantenanteile von 70, 80, oder 100 Prozent. Tendenz steigend.

Und deshalb ist das Elternverhalten für das Bezirksamt völlig unberechenbar geworden. Deshalb gehen die Einschulungsbescheide mit riesiger Verzögerung hinaus.

Was sagt Lengsfelds Plakat? Es setzt auf Werte – nicht auf Versprechen. Eigenverantwortung und Freiheit. Wer diese Werte im Blick hat, wird nicht versucht sein, den Wählern durch allerlei Versprechungen vorzugaukeln, „mit Geld lasse sich alles richten“. Nein, es kommt auf die Entscheidungsfähigekit der einzelnen Menschen an. Sie brauchen keine Beglückung durch „kostenfreie Beratung“.

Die kostenfreien Beratungsstellen gibt es bereits zuhauf. Jede Schule bietet heute bereits Sprechstunden an. Kostenfrei.

Das Problem unseres Bildungswesens ist nicht Geldmangel, sondern fehlendes Bewusstsein vom Wert der Bildung bei denjenigen, die keine Abschlüsse erreichen. Dieses Bewusstsein wird man auch mit Unsummen an Geld nicht verändern. Da kann man gleich Geld aus Eimern regnen lassen. Es hülfe nichts.

Man wird es nur verändern durch einen Wertewandel, wie ihn Vera Lengsfeld fordert. Hin zu mehr Eigenverantwortung. Zu mehr Freiheit. Die Schülerinnen und Schüler müssen erfahren, dass sie verantwortlich sind für ihre Schulkarriere. Und zwar vom ersten Tag an.

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Sep. 052009
 

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Grüß Gott Hamed! So rede ich diesen Mann an, der in seinem Buch viele Orte nennt, die ich aus eigener Kindheitserfahrung kenne: den Friedberger Baggersee, an dem wir unschlüssig-begehrlich den Mädchen nachschauten. Den Betonklotz der neu erbauten Augsburger Universität, an dem Abdel-Samad sein Zweitstudium begann und ich damals noch als Gymnasiast die ersten Philosophie-Seminare besuchte. Der Betreuer des ägyptischen Studenten, Prof. Peter Waldmann, den ich kannte, war an der Volksschule in der Firnhaberau der Lehrer meines älteren Bruders. Und so gibt es sicher noch einige andere Menschen und Orte, die uns verbinden.

Ein Buch wie ein Sturmhauch. Ein Buch, mit dem ein Mensch die Fasern seines eigenen Lebens bloßlegt, schonungslos und doch von einer überwältigenden Sehnsucht nach Freiheit getragen. Das ist das Buch „Mein Abschied vom Himmel“ von Hamed Abdel-Samad. „Niemand ist frei außer Zeus!“, so schießt es dem Autor durch den Kopf, als er von seinem schmerzhaften Entschluss berichtet, als junger Erwachsener aus Ägypten nach Deutschland zu ziehen.

„Fast alles erschien mir fremd in diesem Deutschland: die Sprache, die Menschen, die Autos, das Essen, die Wohnungen, eben alles. Deutschland war für mich wie ein kompliziertes Gerät, für das es keine Gebrauchsanweisung gibt.“

In sich selbst steigt dieser Forscher der Seele hinein – aber während er dies tut, hält er uns Deutschen auch den Spiegel vor. Er hoffte auf das Land der Heidegger, Nietzsche und Husserl zu treffen, ein Land, das früher einmal emphatisch von Freiheit gesprochen hatte. Statt dessen zieht er ernüchtert Bilanz:

„Von Freiheit war nur im Zusammenhang mit Sexualität oder Konsum die Rede. Freiheit schien die Möglichkeit der Wahl zwischen Cola und Cola Light zu sein.

Die Gesellschaft übte einen ungeheuren Zwang auf die Bürger aus: Kein Zwang der Gebote, sondern der Angebote. Und so habe ich wirklich freie Menschen im Land von Nietzsche nur selten getroffen. Die meisten sind gleichgültige Gestalten, die erschreckend wenig über die Welt wissen, obwohl die Deutschen Weltmeister im Reisen sind. Gleichgültigkeit schien sich krebsartig in der satten Gesellschaft breitgemacht zu haben. […] Nachdem sie zwei Weltkriege ausgelöst und fast sechs Millionen Juden ermordet hatten, entdeckten die Deutschen ihre Leidenschaft für den Umweltschutz, wollten den Regenwald retten und für die Menschenrechte in der dritten Welt und in China eintreten.“

Hamed Abdel-Samad selbst macht es sich nicht so einfach wie wir. Eintreten für Naturschutz, gegen Atomkraft demonstrieren, das ist alles leicht, das ist bequem. Aber sich um die Geschichte auch nur eines arabischen Jungen zu kümmern, der bei uns um die Ecke lebt, der neben meinem Sohn in der Klasse sitzt, – das ist schon schwieriger. Mir fiel das heute wieder auf, am Tag der Einschulung der Erstklässler. Getrennte Welten – nur scheinbar vereint!

Dieses Buch ist ein Schlag der Befreiung. Es wird eine ganze Bibliothek von gutgemeinter, aber wirkungsloser Migrations- und Integrationsforschung in einem anderen Licht erscheinen lassen. Leute, lest das! Euch werden die Augen übergehen!

Hamed Abdel-Samad: Mein Abschied vom Himmel. Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland. Fackelträger Verlag, Köln 2009, 312 Seiten. Zitate: S. 21, S. 41

Mein Abschied vom Himmel von Hamed Abdel-Samad

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Freiheit – eine lebenslange Aufgabe

 Freiheit, Geschichtspolitik, Vergangenheitsbewältigung  Kommentare deaktiviert für Freiheit – eine lebenslange Aufgabe
Aug. 152009
 

Bin begeistert von dem Interview mit Hans-Joachim Maaz in Spiegel online. Der in der DDR aufgewachsene Psychotherapeut schildert eindrücklich, dass die Gewinnung von innerer Freiheit ein mühseliger, über Jahre und Jahrzehnte sich erstreckender, bewusst angestrebter Prozess sein muss. Klasse! Er ist noch nicht bewältigt, ja eigentlich kaum begonnen.

Was mir weniger gefällt, ist, dass er behauptet, die Ostdeutschen hätten noch viel nachzuholen, die Westdeutschen seien da schon wesentlich weiter. Ich glaube – und ich habe dies immer in diesem Blog vertreten – , dass wir Deutsche überhaupt den vollentwickelten Begriff von Freiheit, wie er an der Wurzel des Grundgesetzes steht, teilweise verloren haben. Der eine mehr, der andere weniger. Einen Mangel an innerer Freiheit erkenne ich immer dann, wenn Menschen alles den Umständen zuschieben, Umstände nicht als veränderbar begreifen. Und dieses Denken ist allzu weit verbreitet. Zitat:

SPIEGEL ONLINE: Am meisten sind die Ostdeutschen über ihre mangelnden politischen Einflussmöglichkeiten enttäuscht. Nach einer aktuellen Studie sind nur elf Prozent mit der Demokratie und nur sieben Prozent mit ihrem politischen Einfluss zufrieden. Wollen die Ostler wirklich Partizipation?

Maaz: Sie können es noch nicht wirklich. Nach der verständlichen Enttäuschung und Ernüchterung über den Westen müsste eine kritische Auseinandersetzung folgen. Uns fehlt noch eine reife Ablösung vom autoritären Syndrom, ein 1968-Ost, wie es auch im Prager Frühling aufschien. Die noch nicht bewältigte Unterwerfung blockiert Selbstbewusstsein und Kreativität. Erst wenn wir das nichtheldenhafte Verhalten in der DDR kritisch analysieren, werden wir auch reif, uns mit den westlichen Strukturen offen auseinanderzusetzen.„Viele Ostdeutsche sind nicht geheilt“ – einestages

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