Juni 042012
 

Direkt in meiner Nachbarschaft reißt der Wahnsinn viele Kinder und Erwachsene in den Abgrund. Ein Ehemann ermordet seine Frau, zerstückelt die Leiche und wirft sie vom Dach des Hauses in den Hof. Ich kenne einige Familien aus der Siedlung, halte mich immer wieder mal dort auf und plaudere. Die Kinder wirken alle sehr aufgeweckt. Gewalt und Schläge der Männer sind selbstverständlicher Teil des Alltags für viele Kinder und Frauen im Viertel. Sozialarbeiter sind hier seit langem überfordert. Der Staat schaut weg, teilweise haben die meisten Politiker noch nicht einmal im Ansatz begriffen, wie die Zusammenhänge sind. Der Tagesspiegel, der direkt daneben residiert, berichtet nichts über seine Nachbarschaft, ebensowenig wie die andere gutbürgerliche Presse.  18 Monate lange hat einer meiner Söhne die Grundschule in diesem Kiez besucht. Dann meinten wir dies nicht mehr verantworten zu können. Die schöne Architektur aus den IBA-Zeiten erinnert an die würfelförmigen Kasbahs im Maghreb.

Gute Initiative – zu der nicht nur türkische Männer, sondern auch kurdische, deutsche, arabische, palästinensische und überhaupt Männer kommen sollten! Lies:

Kundgebung „Türkische Männer protestieren gegen Gewalt und Barbarei“


Nach dem barbarischen Mord eines Türkei stämmigen Mannes an seiner Ehefrau in der Nacht zum 04.06.2012 in Berlin-Kreuzberg ruft die Türkische Vätergruppe  des Vereins Aufbruch Neukölln zu einer Kundgebung unter dem Motto „Türkische Männer protestieren gegen Gewalt und Barbarei“ auf.

Redner: Kazim Erdogan

Ort: Köthener Str. 37, 10963 Berlin (Tatort)
Datum: 05.06.2012
Uhrzeit: 19.00 Uhr

Auf der Kundgebung werden T-Shirts mit der Aufschrift „Männer gegen Gewalt“ verteilt.

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Mai 272012
 

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Πάρθοι καὶ Μῆδοι καὶ Ἐλαμῖται καὶ οἱ κατοικοῦντες τὴν Μεσοποταμίαν, Ἰουδαίαν τε καὶ Καππαδοκίαν, Πόντον καὶ τὴν Ἀσίαν, 10 Φρυγίαν τε καὶ Παμφυλίαν, Αἴγυπτον καὶ τὰ μέρη τῆς Λιβύης τῆς κατὰ Κυρήνην, καὶ οἱ ἐπιδημοῦντες Ῥωμαῖοι, 11 Ἰουδαῖοί τε καὶ προσήλυτοι, Κρῆτες καὶ Ἄραβες, ἀκούομεν λαλούντων αὐτῶν ταῖς ἡμετέραις γλώσσαις τὰ μεγαλεῖα τοῦ θεοῦ.

Soweit in der griechischen Urschrift das veranlassende Ereignis des lieblichen Fests, wie es Goethe nannte, also des Karnevals der Kulturen, der sich in all dem bunten Treiben und nicht ohne den einen oder anderen widerrechtlich geparkten schwäbischen PKW auf dem Radweg derzeit vor meinem Kreuzberger Fenster abspielt. Es ist ein beeindruckender Katalog, den die Apostelgeschichte Kap. 2 aufzählt, und es lohnt sich, die einzelnen Namen nach ihrer genauen Lokalisation zu entziffern. Spannend! Heute fand ich besonders beeindruckend die Erwähnung der  ἐπιδημοῦντες Ῥωμαῖοι, also der Römer mit Migrationshintergrund, die sich damals in Jerusalem aufhielten. Die Römer waren also auch schon unter den Zuhörern in Jerusalem vertreten, von den Germanen und den Schwaben und auch den Türken keine Spur. Ansonsten aber herrschten die Orientalen vor: der Mittlere Orient, also der heutige Irak und Iran, Saudi-Arabien, Kleinasien, die spätere Türkei, die Inselwelt des östlichen Mittelmeers. „Ägypten“, „Libyen“, die „Araber“, „Kappadokien“, „Asien“, die „Kreter“ – das sind die Namen, die wir heute noch verwenden. Die mediterran-orientalische Welt der Diadochenreiche, das waren die ersten Adressaten der Frohen Botschaft außerhalb des Judentums.

Der entscheidende Impuls zur Entstehung des Christentums kam von Joshua ben Josef bzw. von Jeshu ha-nosri, wie er auf Hebräisch und in seiner Muttersprache Aramäisch hieß, oder auch von Jesus Christos, wie er in der damaligen  lingua franca  Griechisch genannt wurde. War Jesus Moslem, wie es kürzlich ein namhafter islamischer Gelehrter im deutschen Fernsehen bei Sandra Maischberger unwidersprochen behauptete? Nein. Jesus aus Nazareth, der als Jude geboren wurde, als Jude lebte, als Jude starb, war kein Moslem. Muslime gab es damals noch nicht, sehr wohl aber die Araber.

Aber gleich die erste Generation der Christen richtet ihr Wort an ein buntes Multi-Kulti-Gewühl. Die Botschaft, die vom alten Israel ausgeht, wird über die Person Jesus Christus vielsprachig, polyphon, polyglott. Die Kerngebote Jesu sind einfach, sind unmissverständlich, sind für alle leicht zu verstehen: die Gebote der Gottes- und Nächstenliebe, der unbedingte Verzicht auf Gewalt, das bedingungslose Vertrauen in den nächsten Menschen, der als Abbild Gottes gesehen wird, die Fürsorge für Schwache und Kranke, die Absage an Kollektiv-Egoismus, an Rassismus, Menschenfeindlickeit und Intoleranz, wie es die Berliner Verwaltung noch heute auf Amtspost stempelt, das Misstrauen gegenüber der Übermacht des Staates.

Das Christentum ist somit die Multi-Kulti-Religion par excellence, es ist das beste Gegenmittel gegen Rassismus, Intoleranz und Ausgrenzung. Durch das universell gewordene Judentum und nur durch dieses über Christus an alle Welt sprechende umgeformte Judentum kam erstmals die befreiende Botschaft von der Freiheit und Gleichheit jedes einzelnen Menschen vor Gott in die Alte Welt, aus der wenige Jahrhunderte später dann auch unser Europa hervorging.

In diesem Sinne: Willkommen, ihr Völker der Welt am Fuße des Kreuzbergs!

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Apr. 042012
 

Der Blogger radelte gestern von einer Sitzung von Neukölln nach Kreuzberg zurück: Hermannstraße, Hasenheide, Gneisenaustraße, Mehringdamm. Ich bemerkte wieder einmal zahlreiche neue Spielhallen, die vor wenigen Monaten noch nicht da waren – oder mir nicht auffielen.  Das BMW-Lab ist zwar vor Kreuzberg in die Flucht geschlagen worden, aber die Casinos kriechen unaufhörlich voran – das Netz der Süchte wird dichter geknüpft. Handyläden, Schnellimbisse, Spielcasinos, Ramschläden endlos aneinandergereiht – das ist das Rückgrat der neuen Wirtschaft in den Straßen Neuköllns und Kreuzbergs. Sie prägen das Straßenbild immer stärker, ebenso wie die alles zudeckenden Straßengraffitis. Die Jugendlichen wachsen von Kindesbeinen an in diese Welt hinein. Das prägt ihre Erfahrung des öffentlichen Raums. Zuhause wiederum lullen die Medien – Fernsehen, Internet, Smartphones – sie ein. Sind sie damit glücklich? Eigentlich ja. Und der grundgütige mütterliche Senat erhöhte gestern noch die Heizkostenzuschüsse. Es fehlt an nichts!  Den Berliner Jugendlichen bleibt nichts zu tun übrig. Sie sind rundum versorgt. Es gibt keine Ziele außerhalb.

Berliner Initiative „Stadt neu denken“: Eigentlich glücklich – taz.de

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„Rassismus schadet bereits in geringsten Mengen!“

 Friedrichshain-Kreuzberg, Haß, Rassismus  Kommentare deaktiviert für „Rassismus schadet bereits in geringsten Mengen!“
März 212012
 

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Der arme Kreuzberger Blogger schloss sich heute einer Demo gegen Rassismus durch den Mehringdamm und die die Obentrautstraße an. „Was ist Rassismus?“, fragte ich eine Teilnehmerin vor dem Finanzamt Kreuzberg am Mehringdamm.

„Wenn man gegen Menschen etwas hat, nur weil sie anders sind, zum Beispiel weil sie eine andere Religion, andere Sprache, andere Hautfarbe haben.“

„Gut, dagegen bin ich auch!“, erwiderte ich. Ich bin in der Tat entschieden dagegen, dass man gegen Menschen etwas hat, nur weil sie anders sind, zum Beispiel weil sie eine andere Religion, andere Sprache, andere Hautfarbe haben!

Nun bog der Zug in die Obentrautstraße ein. Ich war neugierig, wollte mehr lernen und stellte eine zweite Frage zu dem bekannten Wandspruch im Aufgang eines Mietshauses in eben dieser Straße:

„Haltet ihr den Spruch „Yuppies raus“ für rassistisch?“

„O nein, hier geht es doch nur um den Kampf für ein lebenswertes Umfeld“, bekam ich zur Antwort. „Außerdem – wer legt fest, wer ein Yuppie ist? Du, ich, wir alle?“

„Und Juden raus? Ist das Rassismus? Und Němci ven – Deutsche raus?  Und Ausländer raus? Sind das rassistische Äußerungen? “

Ich erhielt keine Antwort, der Zug zog weiter.

Mit meinen Fragen blieb ich alleine.

Da sprach mich ein älteres Ehepaar an: „Setz dich zu uns. Es hat keinen Sinn zu streiten.“

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März 202012
 

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Das BMW Guggenheim Lab ist in Kreuzberg nicht erwünscht. Gewalt wurde angedroht, die Zukunftswerkstätte wird deshalb nicht nach Kreuzberg kommen.

Der Name Guggenheim ist hier nicht erwünscht!

Was mag wohl in jemandem vorgehen, der den traditionsreichen jüdischen Namen Guggenheim trägt, wenn er hier bei uns hier in Kreuzberg wieder das Gefühl bekommt: „Der Name Guggenheim ist hier nicht erwünscht!“

„Yuppies raus“, lese ich seit einigen Monaten breit und unübersehbar im Aufgang eines Kreuzberger Hauses. Rein grammatikalisch und lautlich klingt das fast genau so wie „Juden raus!“.

The writing is on the wall!

„Wer hier raus oder rein kommt, das bestimmen wir“, so sprachen damals die Nazis. Der Protest richtete sich damals wohlgemerkt vor allem gegen die Immobilienbranche und gegen die Banken.

„Wer hier raus oder rein kommt, das bestimmen wir“, so sprechen heute die Blockwarte der neuesten Machart und drohen mit Gewalt.

Auffallend auch die Ähnlichkeit in dem Spruch „Deutschland verrecke“, wie er in Friedrichshain unübersehbar auf einem Dach steht, und dem Spruch „Juda verrecke“, wie er in den dreißiger Jahren häufiger zu finden war.

Wie sagte Bert Brecht doch? „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

Kreuzberg wird erneut ungastlicher, wird erneut freiheitsfeindlicher. Der gewaltbereite Mob versucht sich die Hoheit über den Stadtteil  zu erkämpfen.

Leserkommentare – Protest in Kreuzberg: „BMW Guggenheim Lab“ unerwünscht – taz.de

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März 072012
 

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Zwei gute Artikel heute zum grottigen Radwegeetat-Ansatz, in der Berliner Morgenpost auf S. 1 und S. 9!

http://www.morgenpost.de/berlin/article1921365/Senat-will-Mittel-fuer-Radwege-drastisch-kuerzen.html

2 Millionen Euro für die Instandhaltung und Sanierung der Radwege, das muss doch drin sein!

Vergleichen wir die Größenordnungen: Vor wenigen Tagen kamen die frischen Zahlen des Bezirkshaushaltes Friedrichshain-Kreuzberg bei diesem Blog rein:

Fast 620 Millionen kriegt mein Heimatbezirk vom gütigen Land Berlin zugewiesen, also geschenkt! Danke, liebes Bundesland! Ca. die Hälfte wird im bundesweit bekannten „Armutsbezirk“ sofort für Soziales ausgegeben, fast ausschließlich Pflichtaufgaben! 172 Millionen Euro im Jugendbereich, also Hilfen zur Erziehung usw. – vorrangig die Aufgaben, die die Eltern nicht erledigen können oder nicht erledigen wollen.

Fast 100 Stellen werden abgebaut, das ist schlecht, denn das Bezirksamt ist unterbesetzt. Würde der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mehr Arbeit und Beschäftigung zulassen oder gar fördern, könnten die Sozialausgaben zurückgefahren werden.

Würden die Eltern und die Kinder mehr zusammen Rad fahren statt die Kinder vor der Glotze zu parken, könnten ein paar Milliönchen an Hilfen zur Erziehung eingespart werden.

Ein paar Milliönchen für energetische Gebäudesanierung sind eingeplant, damit auch die Styropor-Hersteller was verdienen und das Klima der Welt ein bisschen gerettet wird. Gerade heute ist es viel zu warm!

1 Million mehr für die Radwege, das sind Peanuts, fast soviel an Zuschüssen muss ja schon der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg an die EU zurückzahlen, weil er Unterlagen verbumfidelt hat.

Also, liebe Leute, wenn jetzt die peanutsartigen 2 Milliönchen für die Berliner Radwegeinstandhaltung nicht da sind, muss man dem Senat mehr auf die Sprünge helfen.

Aber der Senat aus SPD und CDU wird das können. 2 Millionen für den Radverkehr, das ist wenig. Ich trau es ihm zu. Ich trau ihm mehr zu: warum nicht 5 Millionen? Und wenn die SPD nicht Rad fahren will, muss halt die CDU ran.

Kuckt mal, wie schön die beiden Möpse sind in diesem frisch geschossenen Holper-Video von unserer Stresemannstraße:

Radweg Ist Zustand Stresemannstraße Berlin Kreuzberg 07 März 2012 – YouTube

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Feb. 162012
 

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Weiterhin gut behauptet: unser heimatliches Kreuzberg im aktuellen Economist auf Seite 29, der Zeitschrift für alle Länder der Welt, die nach eigenem Bekunden der Bundespräsident Richard von Weizsäcker so gern las.  Zwischen dem Titelthema Syrien, der endlosen Griechenland-Geschichte, der Religionspolitik der Kommunistischen Partei Chinas und einem Nachruf auf die Nobel-Preisträgerin Szymborska, die auch mehrere Elogen auf Stalin und die kommunistischen Schauprozesse verfasst hat, erscheint unser Heimatbezirk mit einem neuen Dialekt: Kiezdeutsch.

Die in Kreuzberg wohnende Professorin Heike Wiese beobachtet fasziniert, wie sich unter unseren Augen ein neuer Dialekt heranbildet. Prof. Helmut Glück von der Uni Bamberg widerspricht: Kiezdeutsch sei eine Sprechart, kein Dialekt.

Ich meine, beide habe irgendwo recht. An Kindern habe ich selber bemerkt, wie sie sich anpassen an die typische Kreuzberger Sprechweise. Ortsüblich ist zum Beispiel die häufige Beschwörungsformel: „Isch schwörs dir!“ Ganz typisch für die Kreuzberger Kinder scheint mir auch die frühe Bekanntschaft mit vielen Ausdrücken aus den Bereichen Erwachsenensexualität, für die wir früher eine scharfe Zurechtweisung erhalten hätten. Diese intimen Kenntnisse zeigen die Jungen bereits ab 6 oder 7 Jahren mit großem Stolz.

Manche Lehrer an Kreuzberger Gymnasien sagen mir, manche Schüler verstünden in allen Stufen oft schon die Aufgabenstellungen nicht, geschweige denn, dass sie imstande wären, eine sinnvolle Antwort zu formulieren.

Ich meine, Kinder und Jugendliche sollen ruhig wie Jugendliche aller Zeiten und Völker ihre Gruppensprache sprechen. Wichtig wäre aber auch, dass alle Standardsprache, also Hochdeutsch lernten.  Ich glaube, gute Kenntnisse der üblichen deutschen Sprache wären eigentlich unabdingbar.

Spannend!

Bild: Russisches Denkmal für die ruhmreichen Söhne der sowjetischen Heimat in Brandenburg/Havel

German dialects: Teenagers’ argot | The Economist

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Nach Leipzig! Wir fahren mit dem Rad nach Leipzig!

 Fahrrad, Friedrichshain-Kreuzberg, Nahe Räume  Kommentare deaktiviert für Nach Leipzig! Wir fahren mit dem Rad nach Leipzig!
Feb. 092012
 

Interessante Sache das, heute abend, weiß nicht, ob ich es noch dorthin schaffe! Hier die Einladung des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg:

Pressemitteilung Nr. 061 vom 01.02.2012

Der so genannte „Flaschenhals“ ist ein Teilstück des Gleisdreiecks. Er befindet sich südlich der Yorckbrücken zwischen Yorckstraße und Monumentenstraße im Bezirk Tempelhof-Schöneberg.

Mit dem 2. Bauabschnitt des Bauvorhabens „Fernradweg Berlin-Leipzig“ wird die aus dem Gleisdreieck kommende überregionale Radwegeverbindung über den Flaschenhals fortgesetzt und ein weiterer wichtiger Schritt zum Lückenschluss für den Nord-Süd-Grünzug unternommen.Informationsveranstaltung zum Baubeginn
am 09.02.2012 um 18.30 Uhr
im Rathaus Schöneberg, Louise-Schroeder-Saal (Raum 195)
John-F.-Kennedy-Platz, 10825 Berlin

http://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/presse/archiv/20120201.1215.365686.html

Hier ein paar Gedanken:

Monumentenbrücke:

Das Verkehrsaufkommen scheint mir nicht so hoch, dass eine aufwendige, teure gesonderte Ampelschaltung für den Linksverkehr zu rechtfertigen wäre. Lieber alles etwas einfacher, übersichtlicher, als für jede Bedarfslage die richtige Sonderlösung! Ich persönlich bin deshalb nach jetzigem Diskussionsstand für einen vorgezogenen Aufstellstreifen für alle Richtungen des Radverkehrs VOR der Ampel.

Ich bin gegen eine Verschmälerung des Bürgersteiges.

Zufahrten in den Park allgemein:

In jedem Fall würde ich die – mutmaßlichen – Wünsche der Anwohner ernst nehmen. (Ich bin selbst unmittelbarer Anwohner.) Hecken und Büsche, so meine ich, müssen nicht entfernt werden, damit die Zufahrten zum Radfernweg möglichst rasch und zügig befahren werden können. Wir werden auf dem Fernweg selbst genug Platz haben, um uns zu tummeln.

Bei diesem Park am Gleisdreieck versuchen die Planer offenbar tatsächlich, Fuß- und Radverkehr durch großzügige Platzaufteilung zu einem schiedlich-friedlichen Miteinander zu ermuntern, und zwar weitgehend ohne Vorschriften. Es soll jetzt mal beobachtet werden, ob das klappt. Grundgedanke scheint zu sein, durch sinnvolle Aufteilung der Räume eine Überregulierung der Verkehrsströme überflüssig zu machen, die Radfahrer und die Fußgänger zu ständiger Vorsicht und Rücksicht zu ermuntern. Mach’s einfach, klar, unmissverständlich!“ 

Nebenbei: Das Grünanlagengesetz des Landes Berlin vom 24.11.1997 verbietet in § 6, Abs. 2 Satz 1 neben anderen Tätigkeiten ausdrücklich auch das Radfahren in geschützten Grünanlagen. Nur auf gesondert ausgewiesenen Flächen ist das Radfahren zulässig. Der neue Park am Gleisdreieck ist eine solche geschützte Grünanlage. Die Wege sind allerdings breit genug, um Fußgängern, Joggern und Radfahrern ein friedliches Miteinander zu ermöglichen. Streng rechtlich gesehen ist das Radfahren im wunderschönen neuen Park derzeit nicht erlaubt.

Persönlich bin ich ein großer Anhänger dieser Konzeption, würde in jedem Fall die Grundgedanken der Parkplaner unterstützen – es sei denn, es stellte sich in einigen Monaten heraus, dass es so nicht klappen kann.

 Posted by at 13:08

Müssen Radfahrende jetzt rot- oder schwarzsehen?

 Fahrrad, Friedrichshain-Kreuzberg  Kommentare deaktiviert für Müssen Radfahrende jetzt rot- oder schwarzsehen?
Okt. 122011
 

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Unser Bild zeigt einen neu angelegten Radfahrstreifen in der Wilhelmstraße, den ich gestern aufnahm. Das bringt uns zur Aktuellen Debatte! Zittern und Zagen bricht aus in so manchen Stammtischgesprächen. Wie wird es unter dem neuen Senat für 1.-Mai-Demonstranten, für Radfahrer weitergehen? War bisher alles gold für Radfahrende in der Radlerstadt Berlin?

Ich meine: Zur Verzweiflung besteht kein Anlass! Statt des üblichen CDU-Verprügelns sollte man also mal kucken, was die anderen regierenden Parteien in ihren Bezirken und in der Stadt bisher so zustande gebracht haben. Und es war – milde gesagt – nicht alles erfreulich,
was in radverkehrspolitischer Hinsicht über uns hereingebrochen ist in den
letzten 10 Jahren.

Ist umgekehrt die CDU radfahrfeindlich und betonfreundlich? Sollen gar etwa
jetzt alle Radverkehrsanlagen betoniert oder klimaschädlich asphaltiert werden, statt im schnuckeligen Katzenkopfpflaster oder in der lustig spritzenden, klimaschmeichelnden wassergebundenen Wegedecke ausgeführt zu werden?

Kucken wir genauer hin! Bereits im ersten ihrer Programmpunkte fordert die
CDU „großzügige Wegeanlagen für den Fuß- und Radverkehr“, sie fordert
„breitere Radverkehrsanlagen“ (Programm Punkt 8), ein „gut ausgebautes Netz
der kurzen Fuß-Wege“ (Programm Punkt 10). Die CDU beklagt, dass „Radfahren
in Berlin gefährlicher als in Polen ist“, und diagnostiziert unerbittlich:
„Anstelle einer durchdachten Radverkehrspolitik beschränkt sich der Senat
oft auf Symbolpolitik.“ Das Wahlprogramm der Berliner CDU liest sich fürwahr
stellenweise so, als hätten Radfahr-Aktivisten mitgeschrieben.

„Das Radroutennetz ist ein Flickenteppich, der in vielen Fällen im Nichts
endet“ (CDU-Wahlprogramm, Punkt e45, S. 60). Nebenbei: Die Fahrradunfälle
sind 2010 im äußerst CDU-armen, grün regierten Friedrichshain-Kreuzberg –
stärker als der Radverkehrsanteil – um satte 9% gestiegen (Morgenpost
09.10.2011). Wir sind also nach Mitte der zweitgefährlichste Bezirk für die
Radfahrer, wir haben gerade hier bei uns im Bezirk trotz aller vollmundigen
Bekenntnisse keine überzeugende Radverkehrspolitik der linken und grünen
Volksparteien.

Der Berliner CDU-MdB Karl-Georg Wellmann hat wiederholt geäußert: „Das Auto
macht die Stadt kaputt.“ Und so einer sitzt für die CDU im Bundestag?!
Die Gutachten zur A100, mit denen die A100-Gegner argumentierten, waren zum
Teil völlig falsch, ein Verkehrs-Gutachten musste komplett eingestampft
werden, das Ingenieur-Büro hat das Honorar zurückgezahlt (siehe taz
19.02.2010). Der Widerstand der Grünen gegen die A100 war zuletzt nur noch ein Stellungskrieg in einem Glaubenskampf, der wie alle Glaubenkämpfe rational nicht mehr vermittelbar war.

Ich meine: Es kann für den Radverkehr unter dem neuen Senat nur besser werden.

Also habt keine Angst! Es gibt für Radfahrende keinen Grund, einseitig rot zu
sehen oder einseitig schwarz zu sehen.

Konkrete Mitarbeit an den Einzelproblemen ist gefragt. Wo haben in den
letzten 5 Jahren regierende SPD, regierende Grüne und regierende Linke der
Sache des Radverkehrs besonders geschadet? Was sollte der neue Senat, das
neue Bezirksamt besser machen? Hierzu sollten und werden wir überzeugten
Radfahrer uns vernehmlich machen!

 Posted by at 17:21
Okt. 102011
 

Oha, das Internet erwacht jetzt auch schon und nimmt sich des neuen Parks am Geisdreieck an. Mich soll’s freuen. Bin ohnehin für mehr direkte Bürgerbeteiligung. Werd heute mal den Park bei Regen genießen, selbstverständlich nicht ohne im Geiste des Turnvaters Jahn und der Turnmutter Jane Fonda etwas für die körperliche Ertüchtigung zu tun.

Soll der Park am Gleisdreieck bei Dunkelheit geschlossen werden? (poll 5571423) | Polldaddy.com

 Posted by at 12:10

Dem kippenden Kiez Kunst entgegensetzen!

 Friedrichshain-Kreuzberg, Nahe Räume, Positive Kommunikation  Kommentare deaktiviert für Dem kippenden Kiez Kunst entgegensetzen!
Okt. 042011
 

Eine kulturell hochbedeutsame Woche hat für den Blogger geschlagen. Werft hier einen Blick in die Kette der Pflichten und Freuden:

Donnerstag, 06.10.2011, um 15 Uhr: Bei der ÖKOTUSSI, Großbeerenstraße 11, Kreuzberg-West, spielen unsere 3 kurzen Geiger (6 bis 9 Jahre alt) ein kurzes Konzert! Eintritt frei, Spenden unzulässig

Donnerstag, 06. Oktober 2011, 17.00-18.00 Uhr: Jahn trifft Jane. Der neue Kreuzberger Gleisdreieck-Park ermuntert zu körperlicher Ertüchtigung, zu Gemeinsinn und Leistung. Wir treffen uns im Geiste des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn und der Fitnessmutter Jane Fonda zu Parkbesichtigung, bürgerlichem Platzputz und präventiver Rückengymnastik. Treffpunkt: Haupteingang an der Hornstraße

Anschließend ab 18 Uhr, Wirtschaft Stresemann, Stresemannstraße 48:  Einläuten des Schreibwettbewerbs „Was mir am neuen Gleisdreieck-Park gefällt und was ich dafür tun möchte, dass es so bleibt“.

Samstag, dem 8. Oktober 2011, Konzert um 18 Uhr im Fachwerkhof, Solmsstraße 30 (Bergmannkiez Kreuzberg). Zwei Sopranistinnen, Irina Potapenko und Angelina Billington, werden in Begleitung von Lala Isakova (Piano) Werke des 18. und 19. Jahrhunderts aufführen.

Bild: die wenige Wochen alte Parkbank, auf der die jugendlichen Kreuzberger Skater ihr Geschick erprobten. Mitverantwortung an der begonnenen Zerstörung des öffentlichen Eigentums trägt der hier schreibende Blogger, denn er wagte es nicht dazwischenzugehen, als er die Jugendlichen die Bank mit ihren Skates so misshandeln sah. Ich hätte es tun müssen.

Interessant: Alle Tags, alle Graffiti-Schmiereien an den Bänken werden offenbar täglich durch Abschleifen des Holzes schnell wieder entfernt. Die Schmierereien an den Mülltonnen werden überstrichen. Aber die Kreuzberger sind schneller! In den letzten Jahren hat das Ausmaß der Schmierereien  hier in Kreuzberg-West sehr zugenommen, die Gegend droht zu kippen.

Mechanische Zerstörungen wie die hier beobachtete blieben selbstverständlich erhalten.

 Posted by at 20:18
Sep. 282011
 

Ja! Kreuzberg braucht mehr Zuwanderung. Es wäre spannend, wenn Kreuzberg versuchte, Zuwanderung von europäischen und asiatischen Familien aus Italien, Hessen, Russland, Baden-Württemberg, China, Japan, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Polen usw. zu fördern. 

Der letzte Versuch, den einige Eltern zugunsten der Zuwanderung unternommen haben, war der 2008 gescheiterte Versuch, eine evangelische Schule in freier Trägerschaft in Kreuzberg einzurichten. Die Träger waren bereit, eine gute Mischung statt des für Kreuzberg typischen Monokulti herzustellen. Sie hätten 30% für die angestammte urtypische Alt-Kreuzberger Bevölkerung, also für die fleißigen Türken und frommen Araber reserviert. Umsonst, nichts zu machen.  „Privat ist Katastrophe„, das haben unter diesem erfrischend ehrlichen Motto die linken BezirkspolitikerInnen, die entweder gar keine Kinder oder keine eigenen kleinen Kinder an Kreuzberger staatlichen Grundschulen haben, zu verhindern gewusst.

Dennoch bleibe ich dabei: Kreuzberg hätte die Abwanderung der Multikulti-Familien verhindern sollen – und sollte ab sofort die Multikulti-Zuwanderung fördern. Ich bin für Kreuzberger Multikulti statt des heute üblichen Monokulti.

 Posted by at 17:19

Braucht Kreuzberg einen parkpädagogischen Dienst?

 Anbiederung, Friedrichshain-Kreuzberg, Nahe Räume  Kommentare deaktiviert für Braucht Kreuzberg einen parkpädagogischen Dienst?
Sep. 272011
 

Die Frage drängt sich auf. Bürgermeister Schulz setzt auf einen umweltpädagogischen Ansatz (S. 8, Tagesspiegel heute). Die freundlichen schwarzen Herren sollen den Hundehaltern behutsam Gründe nahelegen, warum man Hunde anleinen sollte, sollen Flaschenzertrümmerern, Dealern, Sprayern, Schmier- und Schmutzfinken wertvolle Denkanstöße liefern, damit sie nicht weiter Flaschen zertrümmern, Stoff dealen, Bänke besprayen oder mit dem Edding ruinieren.

Berliner Parks: „Kollege, guckst du nach Beet, ja?!“ – Berlin – Tagesspiegel

Ein typischer Fall von Berliner Überversorgung! Und dafür hat es Geld? Und dafür hat Kreuzberg Zeit? Fürwahr, Kreuzberg ist eine riesige Kita für kindsköpfige Erwachsene! Wann wird Kreuzberg erwachsen? Aber die Müllverbreiter schaffen dank gütiger Fürsprache von oben wieder viele Arbeitsplätze und Projekte.

Ich schlage etwas anderes vor: „Werde Anteilseigner des Parks! Bezahle 20 Euro Bußgeld für jeden freilaufenden Hund, bezahle 15 Euro für liegengelassene Flaschen, bezahle 100.- Euro für jede Schmiererei.“

Allerlei Unsinn steht im Artikel. Völllig schief der Vergleich mit Tempelhof. Das Tempelhofer Feld ist nur deswegen weitgehend frei von Vandalismus und Kriminalität, weil es Tag und Nacht bewacht wird und nachts abgeschlossen ist. Die Kleingärtner sind viel später gekommen. Sie bewirken wenig für die Frage des Vandalismus, so nett es auch ist, wenn Menschen sich einen Teil des öffentlichen Raums aneignen. Was würden Rousseau und  Marx dazu sagen? „Der erste, der einen Zaun um sein Stück [Tempelhofer] Feld  setzte und behauptete, das ist meins, hat die Ungleichheit und die Knechtschaft und den Kapitalismus geschaffen.“

Richtig dagegen das Argument mit den Gewerbetreibenden, die eine Verbesserung am Mauerpark bewirkt haben. Privatwirtschaftliches Engagement ist gut für das Umfeld, denn es bedeutet, dass jemand sich verantwortlich fühlt.

 Posted by at 23:00