Feb. 182008
 

Brauchen wir einen autofreien Sonntag in Berlin? Im Gespräch ist der 1. Juni 2008. Vertreter mehrerer Fraktionen haben heute im Abgeordnetenhaus einen Antrag eingebracht, wonach das Autofahren an diesem Tag – von berechtigten Ausnahmen abgesehen – verboten werden soll. Die Leser des Tagesspiegels sprechen sich online teils dagegen, teils dafür aus. Anstoß nehmen einige daran, dass wieder ein Verbot erlassen werden soll – wieder eine Einschränkung der Freiheit von oben herab, fürchten sie.

Ich meine: Als sichtbares Zeichen dafür, dass Berlin mehr für eine vernünftigere innerstädtische Mobilität, für die Eindämmung des Autoverkehrs tun sollte, wäre so ein autofreier Tag etwas Gutes! Viele italienische Städte haben so etwas mit großem Erfolg gefeiert! Ich erinnere mich noch an den letzten Berlin-Marathon, – wie herrlich es war, mit dem Rad durch die Innenstadt zu fahren. Ganz neue Geräusche tauchten auf, man hörte plötzlich Vogelgezwitscher mitten in der Stadt. Wichtig wird sein, den autofreien Tag nicht als fühlbare „Strafmaßnahme“ zu gestalten, sondern als „Belohnung“, als eine besondere Chance, dank derer man neue Erlebnisqualitäten geschenkt bekommt. Das kann Musik sein, Straßentheater, Artisten, Jongleure können die freien Straßen bevölkern, ethnische Vielfalt kann man durch einen Erlebnispfad erfühlen, erschnuppern, ertasten – oder auch essen. Blinde und Lahme, Behinderte aller Art könnten erstmals die Straßen ohne Angst queren. Was für ein schönes Bild!

Mir gefällt auch, dass der Antrag fraktionsübergreifend eingebracht wurde – das Anliegen ist ein wahrhaft überparteiliches, dem Sinn des Ganzen kann man sich schwerlich verschließen, auch wenn das eine oder andere sachliche Argument dagegen sprechen mag.

Ich bin gespannt, was dabei herauskommt!

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Shared space – Lösung für einen Teil unserer Verkehrsprobleme?

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Jan. 042008
 

Auf der Homepage der Berliner Grünen fand ich ein sehr interessantes Konzept, das mir als vielfach gebeuteltem Berliner Fahrradfahrer sehr vielversprechend erscheint: Shared space – gemeinsam genutzter Raum. Grundidee: Weniger Vorschriften, weniger Barrieren, stattdessen stetes Aufeinander-Achten aller Verkehrsteilnehmer. Dadurch werden angeblich alle tödlichen Unfälle vermieden. Was mir daran gefällt, ist, dass endlich der städtische Raum als gemeinsamer Lebensraum wiedergewonnen werden soll. Vermutlich bedarf es aber noch zahlreicher flankierender Maßnahmen, um die derzeit bestehende einseitige Bevorzugung des Autoverkehrs zugunsten eines gedeihlichen Miteinanders aller umzukehren.

Zitat:

„Das Konzept von „Shared Space“ ist verblüffend: An die Stelle von Schildern und Ampeln treten Aufmerksamkeit und gegenseitige Rücksichtnahme in einem von allen VerkehrsteilnehmerInnen gleichberechtigt genutzten Straßenraum und der Grundsatz Rechts vor Links. Der Straßenraum wird den NutzerInnen nicht mehr durch Linien, hohe Bordsteinkanten oder Blumenkübel zugewiesen. Farbliche Kennzeichnungen und ein bis drei Zentimeter hohe Niveauunterschiede erleichtern die optimale Bewegung im Straßenraum. „Shared Space“ zielt auf die Gestaltung des öffentlichen Raumes, in dem Verkehr, Verweilen und andere Funktionen wieder miteinander im Gleichgewicht sind. Hans Monderman beschreibt den Zusammenhang zwischen der Qualität des öffentlichen Raumes und dem Verhalten der Menschen mit dem zutreffenden Vergleich: „Wer will, dass sich die Menschen wie in einer Kirche verhalten, darf keine Disko bauen.“

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Dez. 212007
 

21122007.jpg Architekten weisen immer wieder darauf hin, wie wichtig die Details für Qualität und Anmutung eines Bauvorhabens sind. Dann reden sie in lyrischen Tönen über Handläufe, Abstufungen, Durchwegungen und dergleichen Einzelheiten. Ein oft missachtetes Detail verdient alle Aufmerksamkeit: der Fahrradständer. Ein sehr gelungenes Beispiel fand ich heute in Kreuzberg vor dem Bürogebäude Tempelhofer Ufer 37 an der Schöneberger Brücke. Hier sind die griffartig geschwungenen, gut hüfthohen Edelstahlrohre als gestaltendes Element in einen mit Ziegel- und Natursteinen kleinteilig angelegten Eingangsbereich integriert worden. Eine optisch darauf abgestimmte Rampe ermöglicht Behinderten das mühelose Betreten des Gebäudes. Durch die in warmen Ocker-, Erd- und Rottönen gehaltenen Elemente entsteht eine einladende, zum Verweilen anregende Gesamtanmutung, die sich organisch an die Fassade anschließt. Die Fahrradständer sind nicht nachträglich „angeklebt“ worden, sondern markieren augenfällig das Sich-Beruhigen des noch in Bewegung befindlichen Besuchers, nicht unähnlich einer Art Wellenbrecher in der Brandung des Großstadtverkehrs. Da sie selbst die Kreisform eines im Boden verankerten Rades nachahmen, strahlen sie Verlässlichkeit, Bewegung und zugleich Ruhe aus. Funktional gesehen erfüllen sie ihren Zweck, den Diebstahl von Fahrrädern zu verhindern, auf vorbildliche Weise, doch verschmilzt die Funktion hier mit der Form zu einer überzeugenden Einheit. Form blends with function!

Ich selbst hatte übrigens keine Besorgung in diesem Gebäude, war aber versucht, mein Fahrrad dort abzustellen. Eine klug durchdachte Lösung eines häufig vernachlässigten Themas für die Aschenputtel des heutigen Stadtverkehrs, denen ihr großer Auftritt noch bevorsteht: die abgestellten Fahrräder.

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„Wir brauchen den langen Atem“

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Dez. 022007
 

01122007.jpg Auf dem Kreisparteitag wird zügig über 101 Änderungsanträge zum Kommunalpolitischen Grundsatzprogramm abgestimmt. Ein Hin und Her, oft einstimmig, aber an wichtigen Fragen wird kontrovers diskutiert. Fortschritte geschehen in der Demokratie in kleinen Schritten. Die meisten meiner 17 Anträge werden angenommen, doch sind es nur die kleineren. Für meine Herzenssachen – ein klares Votum für mehr Bildungsgerechtigkeit, Bekämpfung der Fahrraddiebstähle, Ausbau und Pflege des Radwegnetzes, unser Bezirk als Vorreiter beim Klimaschutz, etwa durch Verringerung des PKW-Verkehrs ohne dafür Zwangsmaßnahmen wie die Umweltzone einzusetzen – erhalte ich diesmal keine Mehrheiten. Aber ich habe es versucht und werde es weiter versuchen, dann mit mehr Vorlauf, besser überlegten Formulierungen, mehr Überzeugungsarbeit! Auch Kanzlerin Merkel fordert an anderem Ort in ihrer heutigen Ansprache erneut zum raschen Handeln für den Klimaschutz auf. Ich halte es mit Goethe: Klimaschutz fängt bei uns im Bezirk an, wir können alle etwas tun – denn:

Ein jeder kehre vor seiner eignen Tür

Und rein ist bald das Stadtquartier.

Wanja, den ich mitnehme, fragt mich: „Wo sind wir?“ Ich: „Auf einer politischen Versammlung.“ Er: „Was heißt politisch?“ Ich antworte: „Politisch, das ist, wenn man sich überlegt, wie wir zusammenleben wollen.“ Er ist nicht zufrieden, ich bin nicht zufrieden mit dieser Erklärung – wisst Ihr eine bessere?

Danach schaue ich mit Wanja, der unter liebevoller Betreuung (Dank an Ivonne!) heroisch dem Parteitag fast bis zum Ende standgehalten hat, beim Weihnachtsbasar in der Heilig-Kreuz-Kirche vorbei. Pfarrer Peter Storck begrüßt alle herzlich. Der Erlös geht an mehrere Hilfsprojekte. An der Wand finde ich, in einem Zeitungsausschnitt, mein Motto des Tages: „Wir brauchen den langen Atem.“

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