März 152012
 

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Von großer, ungewöhnlicher Redlichkeit sind die Worte Joachim Gaucks geprägt. Das bestätigt sich immer dann, wenn ihm von seinen zahlreichen Gegnern, die er ja auch haben muss, etwas vorgeworfen wird, was er nie behauptet hat. „Der war doch gar kein Bürgerrechtler! Der war keiner von uns!„, sagen die zahlreichen selbsternannten „echten“ Bürgerrechtler. Weder saß Gauck in Bautzen ein noch forderte er zum Sturz der SED auf, was übrigens auch die 100% waschechten Bürgerrechtler kaum je getan haben, als es noch richtig gefährlich war.

Gauck soll also zu DDR-Zeiten gewesen kein waschechter Bürgerrechtler von echtem Schrot und Korn gewesen sein.

Richtig! Genau das steht auch in Gaucks Selberlebensbeschreibung. Er schreibt selbst auf S. 212:

„Bis zum Herbst 1989 war ich ein Pastor gewesen, der im kirchlichen Dienst aufging, dabei seinen Jugendlichen, seinen Gesprächskreisen und seiner Gemeinde im Gottesdienst die Wahrheit nicht schuldig blieb – das war in Rostock bekannt-, aber ich gehörte keiner außerkirchlichen Opposition an. Im Herbst 1989 wuchs ich Schritt für Schritt in eine politische Rolle hinein.“

Gauck beschreibt, was er gemacht, gedacht, getan und unterlassen hat. Er stilisiert sich nicht zum waschechten Bürgerrechtler empor. Das sollte man zur Kenntnis nehmen, ehe man Dinge über ihn verbreitet, die er weder gesagt noch getan hat.

Also gilt auch hier wie so oft: Erst lesen, dann denken, dann Dampf ablassen!

Besonders tun sich mit derartiger Schmähkritik an Gauck einige DDR-Politiker mit der Gnade der letzten Stunde hervor, die freilich ebenfalls kaum als waschechte Bürgerrechtler zu bezeichnen sind.  Davon bietet dieser Artikel reichlich Beispiele:

Late Night: Bei Anne Will wird Gauck zum Zersetzer erklärt – Nachrichten Fernsehen – WELT ONLINE

Bild: Wölfe und Raben um einen ruhigen Mann am Themenpfad, Ostseebad Dierhagen, Aufnahme aus dem Juli 2011

Zitat: Joachim Gauck: Winter im Sommer – Frühling im Herbst. Erinnerungen. In Zusammenarbeit mit Helga Hirsch. Pantheon. Siedler Verlag München 2009, S.212

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März 152012
 

Sollten wir uns alle gemeinsam Fetih 1453 anschauen, das monumentale Epos über über die Eroberung des christlich-griechischen Konstantinopel im Jahr 1453? Ich sage: ja, unbedingt! Wir müssen den unbändigen Nationalstolz der Türkei begreifen lernen, müssen verstehen, warum 1453 sie weiterhin mit Freude und Stolz erfüllt! Die Botschaft ist: „Seht her, wir Türken haben Konstantinopel befreit, von der Sittenlosigkeit und Verderbnis des Westens, der Lateiner erlöst!“

Fetih oder Fatih ist heute noch ein beliebter türkischer Vorname, man denkt dabei an den ruhmreichen Sultan Mehmed II., den Eroberer, der 1453 Konstantinopel, das zweite Rom, für die Osmanen eroberte. Unter den mächtigen Schlägen der Konstantinopel-Kanone, die im Stundentakt Kugeln von 550-600 kg auf die Stadtmauer feuerte, brach innerhalb von 2 Monaten der Widerstand der griechisch-christlichen Bewohner zusammen.

Westliche Historiker versuchen selbstverständlich dem Film am Zeug zu kritteln, weisen ihm jede Menge Fälschungen nach. Dem mag ja so sein, dass der Film die historische Realität zugunsten der Türken schönredet.

Ehe man sich aber über Geschichtsfälschungen aufregt, bitte nicht vergessen: Islam heißt Unterwerfung, Ergebung! Das griechisch-christliche Konstantinopel hätte sich doch nur den Türken freiwillig zu ergeben und geschlossen zum Islam überzutreten brauchen, dann wäre der christlichen Stadt die grausame Eroberung mit Waffengewalt erspart geblieben. Schon damals galt: Wer die Waffen streckt und sich unterwirft, rasch die neuen Herren anerkennt und zum Islam übertritt, darf an allen weiteren Eroberungen teilhaben. So erklärt sich der beispiellose Siegeszug des Islam bis weit nach Mitteleuropa und bis vor die Tore Wiens, das sie 1529 und 1683 ebenfalls aus den Klauen der christlich-abendländischen  Herrschaft zu befreien versuchten.

Die Deutschen ergehen sich seit Jahren in ihren rituellen Bußübungen, sie schelten heute den bösen Martin Luther für all das, was er wenige Jahrzehnte später über die Türken vom Stapel gelassen hat. Dass Türken schlicht und ergreifend stolz auf die Eroberung und Unterwerfung dieser zentralen Stadt des untergehenden römischen Reiches sein könnten, widerstrebt sicher den heutigen Deutschen, die statt dessen lieber eine historische Mitschuld für die Vertreibung und den Massenmord an den Armeniern ab 1915 auf sich nehmen.

Um so lehrreicher ist das Betrachten des Films! 1453 hat tiefe Spuren in der westlichen Welt hinterlassen. Die Eroberung des restlichen Europa für den Islam stand unverrückbar auf der Agenda der Osmanen. Mit diesem Programm erreichten sie die Tore Wiens.

Die letzten Griechen verließen übrigens im Jahr 1955 nach den September-Pogromen die Stadt Istambul.

Dass die Türkei mit erneuerter Begeisterung das Datum 1453 feiert und rühmt, lässt tief blicken.

Die Einstellung zu diesem Film ist ein guter Gradmesser für alle, denen die türkisch-deutsche Freundschaft am Herzen liegt.

Man sollte den Film unbedingt anschauen, am besten in gemischten deutsch-türkischen Freundesgruppen! Es lebe die Freundschaft!

 

„Fetih 1453“ gegen „Türkisch für Anfänger“: Monument und Multikulti – Kultur – Tagesspiegel

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ἄργυρος κακὸν νόμισμ᾽ ἔβλαστε, oder: vom Europa des Geldes zum Europa des freien Wortes

 Antike, Europäische Union, Geld, Gemeinschaft im Wort, Sprachenvielfalt, Was ist europäisch?  Kommentare deaktiviert für ἄργυρος κακὸν νόμισμ᾽ ἔβλαστε, oder: vom Europa des Geldes zum Europa des freien Wortes
März 142012
 

Immer wieder tauche ich hinab in die alte, griechisch sprechende Welt, die Europa zu dem werden ließ, was es heute zu werden verspricht. In den attischen Tragödien des 5. und 4.  Jahrhunderts vor Christus werden zahllose Fragen erörtert, die uns bis zum heutigen Tage beschäftigen. Etwa die folgende:

Was hält Europa und die Europäische Union zusammen?

„Die Wirtschaft!“ werden die meisten sagen. „Der freie Austausch an Waren und Dienstleistungen sichert den Zusammenhalt!“.

„Der acquis communautaire!“ schallt es aus Brüssel zurück. „Die etwa 100.000 Seiten gemeinsamer Rechtstexte über Ansprüche und Rechte der Mitgliedsstaaten sind eine unlösbare institutionelle Klammer!“

„Der Euro!“, werden wieder andere einwerfen. „Nur durch die Gemeinschaftswährung werden die Schicksale der Staaten so unlösbar verknüpft, dass Wohlstand, Wachstum und soziale Gerechtigkeit gesichert sind.“

Kaum ein Zweifel darf bestehen, dass die Europäische Union und überhaupt europäische Politik auf der Wirtschaft und auf dem Geld begründet ist. Das Geld und die Wirtschaft sind – nach der aktuellen Politik zu urteilen – die eigentlichen Fundamente und der Maßstab der Europäischen Union.

„Lernt doch erst mal griechische Texte lesen“, begehre ich auf, wenn wieder einmal derartige Reden geführt werden. „Habt ihr nicht die Antigone des Sophokles gelesen?“

Erstaunlich etwa, was König Kreon in der Antigone des Sophokles über das Geld sagt:

οὐδὲν γὰρ ἀνθρώποισιν οἷον ἄργυρος

κακὸν νόμισμ᾽ ἔβλαστε. τοῦτο καὶ πόλεις

πορθεῖ, τόδ᾽ ἄνδρας ἐξανίστησιν δόμων·

τόδ᾽ ἐκδιδάσκει καὶ παραλλάσσει φρένας

χρηστὰς πρὸς αἰσχρὰ πράγματ᾽ ἵστασθαι βροτῶν·

Meine deutende Übersetzung in modernes Deutsch lautet:

„Denn keine so schlimme Gesetzesgrundlage erwuchs für Menschen wie das Geld. Es zerstört sogar Städte, es vertreibt Männer aus den Häusern, Geld prägt Mentalitäten um, so dass die an sich richtige Gesinnung zum Niederträchtigen gewendet wird.“

In diesen Versen (295-299), die wohl um das Jahr 442 vor Christus entstanden,  schreibt Kreon dem Geld eine unterminierende, gemeinschaftsszerstörende Kraft zu. Keine schlechtere Grundlage für Gesetze als das Geld gibt es. Fremdes Geld zerstört den Zusammenhalt der Polis, Geldgier führt zu Hader, Zank und Zwietracht in der Stadt, die Gier nach Silber brachte die griechischen Städte gegeneinander auf.
Ich meine: Der Ansatz, die Europäische Union vornehmlich auf dem Geld begründen zu wollen, hat uns alle in die Irre geführt.

Die Europäische Union muss stattdessen auf anderen, auf kulturellen Werten, vor allem auf dem freien Wort stets von neuem begründet werden!

Weit geschmeidiger, weit moderner als der Kreon des 5. Jahrhunderts v. Chr. drückte dies kürzlich ein Schriftsteller, der unter uns lebende Petros Markaris in folgenden Worten aus:

Wir haben mit der Einführung des Euro diese Werte vernachlässigt und Europa mit dem Euro identifiziert. Und jetzt, mit der Rettungsaktion für den Euro, werfen wir die gemeinsamen Werte, die Diversität der europäischen Geschichte, die verschiedenen Kulturen und Traditionen als Ballast über Bord. Europa hat viel in die Wirtschaft investiert, aber zu wenig in die Kultur und die gemeinsamen Werte.

Quellen:

Sophoclis fabulae. Ed. A.C. Pearson, Oxonii 1975, Ant. vv.  295-300

Süddeutsche Zeitung, 26.01.2012:

http://www.sueddeutsche.de/politik/reise-des-schriftstellers-petros-markaris-die-krise-hat-das-letzte-wort-1.1267452 

The Little Sailing: Ancient Greek Texts

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März 132012
 

Der eine oder andere gütig geneigte Leser mag sich noch an jene Aufzählung von Pflichten und Verboten erinnern, die das früher einmal christliche Europa als die „Zehn Gebote“ kannte. Man findet sie bei einigem Suchen noch in der Hebräischen Bibel, also auch in dem Alten Testament der Christen. Die zehn Gebote sind noch nicht ganz außer Mode, auch wenn sie jeden Tag hunderttausendfach übertreten werden.

Die zehn Gebote, die teilweise Ergebnisse von Lebensweisheiten sind, richten sich an den einzelnen Menschen. Beispiele, an die manche der älteren Leser dieses Blogs sich noch erinnern mögen, sind: „Ehre deinen Vater und deine Mutter“, „du sollst nicht morden“, „du sollst nicht  stehlen“, „du sollst nicht Falsches gegen deine Nächsten aussagen“, „du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren“  usw. usw.

Biblischer Glaube besagt: Würdest du diese hier aufgezählten wenigen Gebote und Verbote einhalten, dann ginge es dir und den deinen besser. Wer diese Gebote verletzt, schadet anderen und letztlich auch sich selbst. Wenn niemand mordet, lügt und stiehlt, geht es dir und den deinen besser. Wenn du Vater und Mutter pflegst und hegst, geht es dir und den anderen besser.

Biblischer Glaube besagt: Nicht das Eigentum ist böse, sondern das Stehlen des Eigentums. Nicht das menschliche Leben ist böse, sondern die Vernichtung des menschlichen Lebens, der Mord. Nicht das Privateigentum ist böse, sondern der Diebstahl.  Nicht die Sprache ist böse, sondern das Reden in der Absicht, anderen zu schaden, die Lüge.

Eine andere Ethik, man könnte sie Kollektivethik nennen, predigt John Lennon in seinem bekannten Lied IMAGINE.  Das Lied wurde kürzlich im Konzerthaus auf dem Festakt der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt gespielt. Ein klares Bekenntnis Deutschlands zum Gedanken der Kollektivethik?

Lennon stellt sich eine gute Welt vor, eine Welt ohne Staatsgrenzen, ohne Eigentum, ohne Religion, ohne den Himmel der Werte. Dann – so predigt John Lennon – wird alles gut. Nicht der menschliche Wille wählt für  John Lennon das Böse, sondern die Trennung in Länder, die Trennung in Mein und Dein, die Religion. Staatlichkeit, Religion, Besitz sind die Ursachen des Bösen. Durch Abschaffung von Staatlichkeit, Religion und Besitz entfällt der Grund zum Bösen. Das Paradies kann anbrechen. So ähnlich dachte wohl auch John Lennon persönlich.

Man darf weiterdenken: In einer John-Lennon-Welt ohne Eigentum, ohne Religion, ohne Nationalitäten werden die Menschen gut sein. Es wird keinen Mord, keinen Raub und keine Lüge geben.

Durch die Abschaffung von Eigentum, Religion, Nation und Staatlichkeit bricht das Reich des ewigen Friedens an. Es gibt keinen Grund mehr, irgendetwas Böses zu tun. Alles wird gut.

JOHN LENNON lyrics – Imagine
Imagine there’s no heaven
It’s easy if you try
No hell below us
Above us only sky
Imagine all the people
Living for today…

Imagine there’s no countries
It isn’t hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion too
Imagine all the people
Living life in peace…

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Warum ist jedes fünfte Kind in Berlin psychisch krank?

 Familie, Frau und Mann, Kinder, Liebe, Männlichkeit, Mutterschaft  Kommentare deaktiviert für Warum ist jedes fünfte Kind in Berlin psychisch krank?
März 122012
 

Immer mehr Berliner Kinder, mittlerweile sogar jedes fünfte, sollen psychisch krank sein. Eine niederschmetternde Zahl, die sich leider mit meiner langjährigen Erfahrung deckt.

So viele kranke, alleingelassene, sich schutzlos und unbehütet vorkommende Kinder haben unseren Weg gekreuzt!

Viele habe ich gesehen, in vielen Familien bin ich gewesen, viele alleinerziehende  Mütter haben mir von ihrer Situation berichtet.

Darüber sollten wir reden!

Mir wird viel von Erziehern, Lehrern, Psychologen und Sozialarbeitern gesagt und anvertraut – und ich stimme diesen Aussagen nach 2 Jahrzehnten Vater-Erfahrung mit und in Berliner Kitas und Schulen weitgehend zu:

 Folgende Behauptungen stelle ich als meine Meinung in den Raum:

Mit den Eltern steht und fällt fast alles!

Um ein Kind, das zwei fürsorgliche, verantwortliche, sich kümmernde Eltern hat, brauchen wir uns keine echten Sorgen zu machen.

Seelische Vernachlässigung, Abwesenheit des Vaters und ersatzweise gewährte materielle Verwöhnung bis hin zur früh angelernten Sucht sind heute die allergrößten Gefahren für die Gesundheit der Kinder.

Aufmerksamkeitsdefizitsyndrome entstehen in Kindern aus einem chronischen Mangel an persönlich erfahrener Aufmerksamkeit. Sie sind nicht biologisch bedingt, sondern entstehen dadurch, dass die Kinder selber nie gespannte, hörende, wohlwollende Aufmerksamkeit erfahren haben.

Die Eltern müssen mehr tun! Die Schule und die Kita, Schulstationen, Sozialarbeiter und Psychologen können das Defizit nur zum Teil ausgleichen.

Leider droht in Berlin das Wissen darüber, was eine gute Mutter, einen guten Vater ausmacht, komplett verlorenzugehen. Berlin sägt in blinder Staatsgläubigkeit sozusagen am eigenen Ast.

Wir brauchen Elternschulung von Kindesbeinen an. Eigentlich müsste eine psychisch gesunde Gesellschaft bereits die Kinder zu guten Eltern zu erziehen anfangen.

Was meint Ihr dazu?

Berliner Senatsbericht – Jedes fünfte Kind in Berlin ist psychische krank – Berlin – Berliner Morgenpost – Berlin

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März 122012
 

Eine klare, kämpferische Ansage von ganz oben erfolgt seit einigen Wochen von einigen Spitzenfrauen in Staat und Politik. Wir einfachen Bürgerinnen vernehmen kein leises Säuseln, sondern ein herrisches Nu mach ma endlich, störrisches Volk:

„Es ist ja gar kein Geheimnis, dass ich der festen Überzeugung bin, dass wir eine feste Quote brauchen!“

So die Arbeitsministerin von der Leyen am 08.03.2012, zitiert heute im Handelsblatt auf S. 7.

EU-Kommissarin Viviane Reding räumt zwar ein, dass in den nordeuropäischen Ländern eine weit höhere Frauenquote in den Chefetagen erreicht worden sei, verlangt aber trotzdem in gebieterischem Ton eine feste Frauenquote in den EU-Chefetagen. Denn der Anteil steigt ihr zu langsam, zumal es nachgewiesen sei, dass ein höherer Frauenanteil in den Vorständen und Aufsichtsräten den Gewinn der Unternehmen steigere.

Wir halten fest:

1) Namhafte Spitzenpolitikerinnen der Bundesregierung und der EU-Kommission fordern die feste Frauenquote, weil es ihnen in der freien Wirtschaft viel zu langsam vorangeht – und weil sie es einfach so wollen.

2) Der Staat soll den privaten Unternehmen eine feste Frauenquote vorschreiben, da die Gesellschaften zu langsam vorankommen.

3) Die Spitzenpolitikerinnen wissen es besser, was für die privaten Unternehmen und die Gesellschaften insgesamt gut ist.

4) Nach Aussagen der Spitzenpolikerinnen fördern Frauen in Chefetagen den Gewinn des Unternehmens.

5) Die nordischen Länder haben den höheren Frauenanteil ohne gesetzliche Quote erreicht.

Ich meine, in diesen herrischen Forderungen der Politikerinnen zeigt sich ein Staatsverständnis, das größtes Vertrauen in die Lenkungs- und Steuerungskraft der Politik setzt.

Vereinfacht gesagt: Der Staat weiß es – in Gestalt der kämpferischen Spitzenpolitikerinnen – besser, er muss den Bürgern und den Unternehmen vorschreiben, was sie zu besserem wirtschaftlichem Erfolg und zum privaten Glück tun müssen.

Die Politik ergreift sich somit das Recht, maßgeblich in die Lebensplanung der einzelnen Frauen und Männer, in die Verfügung über das Eigentum der privaten Unternehmen einzugreifen.

Frankreich hat ja ebenfalls eine höhere Frauenquote in Chefetagen als Deutschland. Dann müsste die französische Wirtschaft erfolgreicher sein als die deutsche. Sie zeigt in der Tat staatssozialistische oder besser merkantilistische Züge, denn die großen, staatlich dominierten Großunternehmen und Konglomerate prägen das Bild.

Ist die französische Wirtschaft also stärker als die deutsche? Das Gegenteil ist der Fall. Hier zählen Zahlen und Fakten, nicht das Kampfgebrumm.

Nach Produktivität, Ertragslage, Arbeitslosigkeit, Jugendarbeitslosigkeit, Lohnstückkosten, Außenhandelsbilanz steht die deutsche Volkswirtschaft, stehen die deutschen Unternehmen, aber ebenso auch die nordischen Unternehmen seit vielen Jahren besser da als die französischen.

Die Forderung nach einer festen Frauenquote in privaten Unternehmen ist Ausfluss eines gebieterisch-männlichen Staatsverständnisses.

Staatssozialismus.02

Handelsblatt.com – Nachrichten aus Wirtschaft, Finanzen, Politik, Unternehmen und Märkten

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Ein Jahr nach „Fukushima“ – hä? –

 Angst, Fukushima, Medienwissenschaften, Verdummungen, Was ist deutsch?  Kommentare deaktiviert für Ein Jahr nach „Fukushima“ – hä? –
März 112012
 

Für die Deutschen war das Tsunami-Unglück eine willkommene Bestätigung ihrer tiefverwurzelten Ängste. Die Deutschen sind seit Jahrzehnten das große Volk der großen Ängste!

Früher, in den 30er und 40er Jahren, war es die Angst vor einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung, heute ist es die Angst vor dem angeblich sicheren Atomtod durch die deutschen AKW.

„Seht her! – wir haben es immer gesagt: Atomkraft tötet! 15.000 Tote! Deshalb müssen jetzt aber die deutschen AKW sofort abgeschaltet werden! Alle!“

Und jetzt – 1 Jahr nach „Fukushima“ – gedenkt Japan der über 15.000 Todesopfer. Springers Morgenpost titelt:

Schweigeminute – Ein Jahr Fukushima – Japan steht eine Minute still – Ausland – Berliner Morgenpost – Berlin

Wie sagt der Japaner dazu? Hören wir den Japaner:

Jo mai lia be leit do san aba mal wia da in Deutschland die Sicherungen des Menschenverstandes durchgeknallt. Nicht 1 Jahr nach „Fukushima“, sondern 1 Jahr nach dem verheerenden Meerbeben wird eine Gedenkminute eingelegt. Japan gedenkt der über 15000 Opfer, die die verheerende Flutwelle gefordert hat. Vor den Wassermassen, den einstürzenden Bauten gab es für Tausende kein Entrinnen.

Der verstärkte Schutz vor derartigen Naturereignissen, wie es seit Menschengedenken die Tsunamis sind, wird bei aller Trauer das Handeln der Japaner weiterhin bestimmen!

In die Trauer der Japaner sollten wir einstimmen, statt unsere typisch deutschen Ängste vor dem Tod durch die AKWs zu hegen und zu pflegen.

„Immer zählen für euch Deutschen die eigenen Ängste mehr als das reale Leiden der anderen Völker!“ HARTE WORTE, die ich einmal von einer Japanerin zu hören bekam!

 Posted by at 13:29

Karl-Heinz Kurras und Beate Klarsfeld – die Startschützen der 68er-Bewegung?

 1968, Gedächtniskultur  Kommentare deaktiviert für Karl-Heinz Kurras und Beate Klarsfeld – die Startschützen der 68er-Bewegung?
März 102012
 

„Mit ihrer Ohrfeige haben Sie den Startschuss für die 68er-Bewegung gegeben.“  So redet voller Bewunderung Katja Kipping die Bundespräsidenten-Kandidatin der Linken, Beate Klarsfeld, an.

Ein glanzvoller Treffer, den Katja Kipping da setzt! Eigentlich kam doch bisher dem Stasi-Agenten Karl-Heinz Kurras durch die Ermordung Benno Ohnesorgs die zweifelhafte Ehre zu, am 2. Juni 1967 den Startschuss für die 68-er Bewegung gegeben zu haben.

Werden Kurras, Kipping und Klarsfeld jetzt um den Primat des Startschusses streiten? Ich denke, Kurras und Klarsfeld werden sich schon vertragen. Beide wurden durch die Stasi „gefüttert“.

Sie sollten sich nicht duellieren, sondern sich gemeinsam im Ruhm sonnen, Startschüsse für die 68er-Bewegung gegeben zu haben.

Hinter beiden Startschüssen steckte die Staatssicherheit der DDR.

Präsidentschaftskandidatin Beate Klarsfeld: Nazi-Jägerin im Stasi-Dickicht – Politik – Tagesspiegel
„Mit ihrer Ohrfeige haben Sie den Startschuss für die 68er-Bewegung gegeben.“

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Mach deine Gene fit!

 Naturwissenschaften  Kommentare deaktiviert für Mach deine Gene fit!
März 072012
 

„Bis 30 hängt das Gesicht von den Genen ab, ab 30 ist man für sein Gesicht selber verantwortlich!“ Ein Mann, der immer störrisch und grimmig dreinschaut, ist also auch störrisch und grimmig.

So belehrte mich immer wieder eine meiner Tanten in der Kindheit. Ich staunte und zweifelte.

Ich staune und zweifle: Sport verändert angeblich das Erbgut! Schon nach 20 Minuten Fahrradfahren verändert sich das Erbgut in den Muskelzellen, denn weniger Methylgruppen als vor dem Fahrradfahren finden sich dort. Dies schreibt heute Christina Berndt auf S. 18 der Süddeutschen Zeitung im Rückgriff auf die aktuelle Ausgabe einer Zeitschrift, die ich bisher nicht kannte:

Cell Metabolism | Vol 15, Iss 3, Pgs 265-412, (7 March, 2012) |ScienceDirect.com

Na, irgendwas mag dran sein. Die menschlichen Gene sind offenbar plastisch. Sie verändern sich lebenslang unter dem Einfluss von Umwelt und Verhalten. Wer viel singt, dessen Gene werden musikalischer. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein singender Pizzabäcker einen Tenor von Weltruhm hervorbringt, ist größer als die, dass ein nichtsingender Friseur einen Tenor von Weltruhm hervorbringt!

Das ist eine revolutionäre Entdeckung, die seit einigen Jahren fast alles auf den Kopf stellt, was man seit vielen Jahrzehnten als nahezu unumstößlich ansah.

 Posted by at 12:15
März 072012
 

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Zwei gute Artikel heute zum grottigen Radwegeetat-Ansatz, in der Berliner Morgenpost auf S. 1 und S. 9!

http://www.morgenpost.de/berlin/article1921365/Senat-will-Mittel-fuer-Radwege-drastisch-kuerzen.html

2 Millionen Euro für die Instandhaltung und Sanierung der Radwege, das muss doch drin sein!

Vergleichen wir die Größenordnungen: Vor wenigen Tagen kamen die frischen Zahlen des Bezirkshaushaltes Friedrichshain-Kreuzberg bei diesem Blog rein:

Fast 620 Millionen kriegt mein Heimatbezirk vom gütigen Land Berlin zugewiesen, also geschenkt! Danke, liebes Bundesland! Ca. die Hälfte wird im bundesweit bekannten „Armutsbezirk“ sofort für Soziales ausgegeben, fast ausschließlich Pflichtaufgaben! 172 Millionen Euro im Jugendbereich, also Hilfen zur Erziehung usw. – vorrangig die Aufgaben, die die Eltern nicht erledigen können oder nicht erledigen wollen.

Fast 100 Stellen werden abgebaut, das ist schlecht, denn das Bezirksamt ist unterbesetzt. Würde der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mehr Arbeit und Beschäftigung zulassen oder gar fördern, könnten die Sozialausgaben zurückgefahren werden.

Würden die Eltern und die Kinder mehr zusammen Rad fahren statt die Kinder vor der Glotze zu parken, könnten ein paar Milliönchen an Hilfen zur Erziehung eingespart werden.

Ein paar Milliönchen für energetische Gebäudesanierung sind eingeplant, damit auch die Styropor-Hersteller was verdienen und das Klima der Welt ein bisschen gerettet wird. Gerade heute ist es viel zu warm!

1 Million mehr für die Radwege, das sind Peanuts, fast soviel an Zuschüssen muss ja schon der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg an die EU zurückzahlen, weil er Unterlagen verbumfidelt hat.

Also, liebe Leute, wenn jetzt die peanutsartigen 2 Milliönchen für die Berliner Radwegeinstandhaltung nicht da sind, muss man dem Senat mehr auf die Sprünge helfen.

Aber der Senat aus SPD und CDU wird das können. 2 Millionen für den Radverkehr, das ist wenig. Ich trau es ihm zu. Ich trau ihm mehr zu: warum nicht 5 Millionen? Und wenn die SPD nicht Rad fahren will, muss halt die CDU ran.

Kuckt mal, wie schön die beiden Möpse sind in diesem frisch geschossenen Holper-Video von unserer Stresemannstraße:

Radweg Ist Zustand Stresemannstraße Berlin Kreuzberg 07 März 2012 – YouTube

 Posted by at 11:34

Straftat Mutterschaft – „délit de maternité“

 Demographie, Mutterschaft  Kommentare deaktiviert für Straftat Mutterschaft – „délit de maternité“
März 062012
 

Von dem „Straftatbestand Mutterschaft“ spricht heute Brigitte Grésy in der Zeitung Le Monde – Wirtschaftsteil Seite 5. Während es Männern locker zugestanden werde, dass sie sich für eine politische Mandatskandidatur oder sportliche Höchstleistungen eine Freistellung nähmen, würden Frauen benachteiligt, besser: bestraft, wenn sie eine Auszeit für die Mutterschaft beanspruchten: „Du bist schwanger? Und ich glaubte, du magst deine Arbeit.“

Vom „gelobten Land für Mütter“, als das unser Partnerland oft dargestellt wird, ist in Frankreich selbst also keine Rede!

Und noch ein paar überraschende Zahlen zum Ländervergleich liefert Le Monde heute:

Erwerbstätigenquote der Frauen zwischen 25 und 64:
Frankreich (F): 73%
Deutschland (D): 75%

Geburtenrate 2010 pro tausend Frauen:
Frankreich: 12,8
Deutschland: 8,3

Quote der Frauen, die Mütter werden:
F: 67%
D: 67%

Kommentar:

Die Geburtenrate in Deutschland deutet weiterhin auf eine deutlich schrumpfende und deutlich alternde Gesellschaft hin, die Geburtenrate in Frankreich hingegen reicht fast aus, um die Bevölkerung stabil zu halten.

In Frankreich haben die Mütter im Durchschnitt mehr Kinder als in Deutschland, aber nicht mehr Frauen werden in Frankreich Mütter als in Deutschland.

Die Kommentare in der Monde weisen in folgende Richtung:

1) Mutterschaft darf kein Handicap im Berufsleben sein.

2) Die Debatte scheint in Frankreich derzeit eindeutig gegen gesetzliche Quotenregelungen à la Viviane Reding zu laufen, denn diese gelten als ineffizient und als unzulässiger Eingriff in die Vertragsfreiheit.

3) Die Unternehmen sollen Mütter und Väter ermuntern, die Verantwortung für Elternschaft gleichermaßen zu übernehmen. Betriebskindergärten, stärkere In-Pflicht-Nahme der Väter und gut organisierte betriebliche Elternschaftsregelungen sind wohl einer der Schlüssel zum harmonischen Glück in Familie und Beruf.

 Posted by at 16:19
März 062012
 

Heute brachte ich einen etwa dreijährigen, verlorenen Jungen ohne jede erwachsene Begleitung, der sich offenbar hoffnungslos verlaufen hatte und der mich „Mama“ nannte, zum Montessori-Kindergarten Nasreddin Hodscha in der Kreuzberger Großbeerenstraße und bat die Erzieherinnen, die Polizei anzurufen. Das Kind stand in der hellen Mittagssonne plötzlich am Ida-Wolff-Platz vor mir, schaute mich mit großen strahlenden Augen an, mit den großen Augen der Kinder, und sagte „Mama!“ „Wo ist deine Mama?“, fragte ich. „Mama!“ nannte mich der Junge erneut und zog die Nase hoch.

„Wie heißt du?“, fragte ich. „Ja!“, antwortete der Junge. „Du heißt also Ja!“, sagte ich zu dem Jungen. Das Kind nickte und zog die Nase hoch.

Dazu fällt mir folgende Geschichte ein:

Nasreddin Hodscha erwarb sich durch kluge Ratschläge Ansehen auch bei den Frauen seines Dorfes. „Welche zwei Wörter sind die wichtigsten?“, wurde einst Nasreddin von den Ammen gefragt. „Es ist schwer und dauert lange Zeit, bis die Kinder die Sprache unseres Dorfes lernen!“

„Mama und Ja“ antwortete Nasreddin. „Denn unter den Füßen der Mütter wirst Du immer einen Platz im Paradies haben, mit dem anderen Wort öffnest du dir das Tor aus dem Paradies zur Welt.“

 Posted by at 00:32
März 052012
 

„Deutschland 2011 ist multiethnisch, eine Vielvölkerrepublik, die sich einer staatlich instruierten Integrationspolitik verschrieben hat, die autoritäre, altmodisch nationalstaatliche Züge trägt.“

So schrieb es gestern Zafer Senocak im Tagesspiegel.

Seine Rede von der Vielvölkerrepublik erinnert an die zahlreichen europäischen Vielvölkerstaaten: das osmanische Reich, die Tschechoslowakei, Österreich-Ungarn, Zypern, die Sowjetunion, Jugoslawien, Belgien, Schweiz – sie erkannten bzw. erkennen verschiedene Nationalitäten bei ihren Staatsbürgern an. Soll Deutschland ebenfalls ein Vielvölkerstaat werden – also das Land, in dem Deutsche, Kurden, Türken, Katalanen, Araber, Polen, Russen, Libyer, Ägypter als gleichberechtigte Nationalitäten oder Volksgruppen zusammenleben?

Das würde eine wesentliche Grundgesetzänderung, eine mehrsprachige Justiz mit den wichtigen Minderheitensprachen Kurdisch, Türkisch, Polnisch, Katalanisch, Arabisch usw., muttersprachliches Schulwesen für alle größeren Volksgruppen  notwendig machen. Manche Türken kämen nach Jahrzehnten hartnäckiger Weigerung endgültig darum herum, Deutsch zu lernen, die Kurden hätten Anspruch auf Kurdisch als Amtssprache usw. usw.

Dann müsste sich Deutschland vom Grundgedanken des Nationalstaates verabschieden und sich hinbewegen zu einem Staat der Volksgruppen, wie es etwa die Tschechoslowakei und Jugoslawien waren, wobei die Türken selbstverständlich sofort die zweitwichtigste, am schnellsten anwachsende Volksgruppe nach den Deutschen bilden würden, versehen mit allen Rechten einer anerkannten Minderheit, wie sie heute etwa die Sorben oder die Dänen genießen. Denkbar wäre auch eine Aufteilung nach Volksgruppen wie etwa auf Zypern. Das scheint Zafer  Senocak zu fordern.

Darüber müsste man diskutieren.
Integration: Ostdeutschlands Mief darf nicht auf den Westen abfärben – Andere Meinung – Meinung – Tagesspiegel

 Posted by at 16:58