Vergeben und Annehmen

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Okt. 282009
 

Vergebt einander und nehmet einander an!

Dahin wird jede gesunde Beziehung der Kinder zu den Eltern gelangen. Erst dann werden die Kinder frei. Erst dann finden die Eltern Frieden.

Bei den alten 68ern fehlt mir sehr oft diese Fähigkeit.

Die Söhne dünken sich meist schlauer als die Väter. Das gilt auch in der Politik. Wir oft wurde über den alten Bundeskanzler aus der Pfalz gelästert.

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Kronberg/Ts. oder Kreuzberg/Berlin? oder: Schulden und Wohlstand für alle

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Okt. 272009
 

„Wir haben diese Regierung gewählt, jetzt müssen wir auch mit ihr leben.“ Meine Treue zu den gewählten Regierungen, mein staatsbürgerlicher Respekt vor den Regierungen in Bezirk, Land und Bund ist gleichermaßen unerschütterlich. Dabei kenne ich keine Parteien. Jede gewählte Regierung hat einen Anspruch darauf, nach ihrem Tun und Lassen beurteilt zu werden.

Mein erster Eindruck vom Koalitionsvertrag: eine Fülle an gut gemeinten Einzelmaßnahmen, sauber abgewogen zwischen den Interessen aller Beteiligten. Leider kein tragender Geist erkennbar. Bezeichnend: Gleich das erste Kapitel lautet „Wohlstand für alle“. Das ist exakt der Titel des Buches von Ludwig Erhard, das derzeit mit gutem Grund vergriffen ist. Denn als Erhard das großartige Buch schrieb, gab es nichts zu verteilen. Erhard meinte: Wenn der Staat die richtigen Bedingungen setzt, schaffen sich die Bürger ihren Wohlstand durch eigene Tüchtigkeit. Zu verteilen hatte Erhard nichts, und gerade deswegen funktionierten seine verblüffend einfachen Grundprinzipien. Er hatte wider die Mehrheitsmeinung gewettet – und seine Wette ging glanzvoll auf.

Wenn die neue Regierung erneut mit der „Wohlstand-für-alle-Verheißung“ antritt, kann sie dies nicht so wie Erhard meinen.  Denn jetzt gilt es vor allem eine riesige Schuldenlast zu verteilen – über die Bürger und über die Generationen hinweg. Dieser Zusammenhang tritt in dem Koalitionsvertrag nicht deutlich hervor. Es ist die große Wette, die die neue Regierung eingeht. Wird das Kalkül aufgehen? Schuldenabbau dank Wachstum bei gleichzeitiger Austeilung von Wohltaten? Es ist uns allen zu wünschen! Ich hege Zweifel, da ich im Koalitionsvertrag zu wenig Ausgabenkürzungen erkenne.

Mit großem Interesse habe ich die Teile im Koalitionsvertrag gelesen, die die Integrationspolitik betreffen (Kapitel III, Abschnitt 5). Mein Befund: Die Maßnahmen gehen in die richtige Richtung! Mindestens für Wohngegenden wie Kronberg/Taunus oder Pforzheim, also für solche gutsituierten Wohngegenden wie die, aus denen mutmaßlich die Verfasser des Koalitonsvertrages stammen. Es ist alles nicht falsch, es ist alles gut gemeint, was da gefordert wird: Integrationsfördermaßnahmen die Palette rauf und runter, Ausbau der Integrationskurse, Deutschpflicht für Eltern, Integration durch Sport. Alles gut und schön.

Für mein heimisches Kreuzberg oder für Neukölln reicht es aber nicht. Zu recht schlägt der Neuköllner Bürgermeister Buschkowsky die Hände über dem Kopf zusammen. Denn das Betreuungsgeld etwa ist ein Freifahrtschein für die Familien, ihre Kinder zuhause zu behalten. Mit jedem weiteren Kind steigt das Familieneinkommen erheblich, die Schere zwischen hervorragend „verdienenden“ kinderreichen Familien mit sechs oder acht Kindern und schlechtgestellten Alleinerziehenden öffnet sich noch weiter.

Hier fehlt mir der Gedanke der Pflicht, der Gedanke der Entscheidung für dieses Land. Stattdessen wird das Instrument des „Integrationsvertrages“ geschaffen (Zeile 3349). Das kann ja nur bedeuten: Der Staat tritt den Zuwanderen als fairer Partner auf Augenhöhe gegenüber. Er verhandelt mit ihnen über Bedingungen der Integration und verlangt im Gegenzug auch eine Art Selbstverpflichtung, etwa zum Besuch der Integrationskurse.

Das halte ich für nicht zielführend. Der demokratische Staat, also wir alle, hat das Recht, die Erfüllung bestimmter Pflichten von allen Bürgern, auch von den Zuwanderern, zu verlangen. Eine Vereinbarung des demokratischen Staates mit den einzelnen zugewanderten Bürgern halte ich für nicht sinnvoll. Der Staat sollte sich gerade nicht auf ein Do-ut-des mit den Migranten einlassen. Jeder Bürger, der die Vorzüge unseres Landes genießt, muss im Gegenzug dafür alles tun, um sein Leben in Freiheit und Selbstverantwortung zu leben. Die Zuwanderer stehen in der Pflicht, sobald sie sich dafür entschieden haben, hier zu leben. Im Koalitionsvertrag fehlt völlig das Moment der Entscheidung. Man muss einfach sehen: Wer hier zuwandert, tut dies freiwillig. Er oder sie muss eine klare Ansage erhalten, welche Pflichten damit einhergehen. Sonst fahren sie weiterhin mit uns Schlitten.

Was uns hier in Kreuzberg oder Neukölln wirklich die Haare zu Berge stehen lässt, das ist, wenn man mit Förderung ohne Ende, mit Maßnahmen des Staates, mit Einladungen, mit Locken und mit Betteln eine gewisse Anstrengung von den Bürgern erbittet, statt kategorisch von ihnen etwas zu verlangen. Das Betreuungsgeld ist eine derartige kontraproduktive Maßnahme.

Damit kommt die Politik nicht durch. Das stößt auf taube Ohren bei den Adressaten. Mit dem Integrationsvertrag wird sich erneut eine fundamentale Unbekanntschaft unserer Politiker mit den vorherrschenden Mentalitätsmustern bei den Zuwanderern offenbaren.

Lest das ganze Interview mit Heinz Buschkowsky im heutigen Tagesspiegel:

„Das ist Zynismus pur“
Die Vorschule kann das nicht richten?

Wir haben keine Vorschul- oder Kitapflicht. Die fordere ich schon lange. Wenn die Kinder mit fast keinem oder radebrechendem Deutsch eingeschult werden, kommen sie häufig aus dieser Falle in der ganzen Schulzeit nicht mehr heraus.

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Kita-Pflicht für Politiker muss kommen!

 Das Böse, Faulheit, Geld, Gute Grundschulen, Pflicht  Kommentare deaktiviert für Kita-Pflicht für Politiker muss kommen!
Okt. 272009
 

Meine persönlichen Schlagzeilen heute:

Kita-Pflicht für Politiker muss kommen! Weiterhin riesiges Wertevakuum in der Bildungsdebatte!

CDU-Opposition wirft Senat vor, ein eiskaltes Einsparprogramm auf dem Rücken der Schüler durchziehen zu wollen und die Axt an das geheiligte gegliederte Schulwesen legen zu wollen. Alle zeigen mit dem Finger aufeinander: „Ihr Bösen im rot-roten Senat wollt Schule, Bildung und Jugendarbeit kaputtsparen!“ Beispiel: Friedrichshain-Kreuzberger Jugendstadträtin Monika Herrmann (Grüne), die gegen die Politik des eigenen Bezirksamtes, gegen die Privatisierung von Einrichtungen der Jugendarbeit demonstriert!

Retourkutsche: „Selber böse! Ihr Bösen von der CDU und von der FDP und von den Grünen wollt Spaltung der Gesellschaft vertiefen!“

Freunde, arkadaşlar, Kanzlerin Merkel hat einmal im Gespräch mit Anne Will gesagt: „Die Bundesregierung ist kein Kindergarten. Sie können den Leuten nicht das Handy verbieten.“ Damit meinte sie im Klartext: „Ein Kindergarten ist leichter zu führen als ein Bundeskabinett. Denn im Kindergarten kann man den Kindern etwas verbieten.“

Ich meine: Berliner Landes- und Bezirkspolitik gleicht über weite Strecken einem schimpfenden Kindergarten mit wechselseitiger Schuldzuweisung. Es fehlt vielen Politikern an grundlegender Kita-Bildung. Meine Bitte: Berliner Landes- und Bezirkspolitiker aller Parteien, bitte holt eure Kita-Bildung nach! Ich kenne tolle Kitas, wo man das Gefühl für Eigenverantwortung erlernt! Statt immer nur auf andere loszuschimpfen.

Ich kenne die Melodie, ich kenne die Herrn und auch die Damen. Sie geht so: Der Staat soll alles machen. Ängste nehmen, Freizeit organisieren, kostenlose Jugendreisen für die Benachteiligten aller Klassen und aller Bezirke. Alles, alles, alles soll das Land Berlin  in die Hand nehmen. Und von Mutti Bundesrepublik holt das ungebärdige, schlecht erzogene Bundesland Berlin sich das benötigte Kleingeld. Statt es selbst zu erwirtschaften.

Frische Ideen fehlen. Mut fehlt.  Werteorientierung fehlt. Quer durch alle Parteien. Versprechungen blühen.

Ich behaupte: Bessere Bildung mit weniger Geld ist möglich! Bessere Grundschule auch mit größeren Klassen ist möglich! Es liegt nicht am Geld! Hört doch auf, immer nur den schwarzen Peter den anderen zuzuweisen. Das Bundesland Berlin hat mit die höchsten Sozialausgaben, die höchsten Bildungsausgaben, die höchsten Jugendhilfeausgaben aller Bundesländer pro Einwohner – und dennoch in vieler Hinsicht und in manchen Bezirken mit die schlechtesten Sozialdaten bundesweit! Trotz – oder gerade weil?!

Hier kommt Lesefutter für unser Politiker-Kita. Was meint ihr? Hat der Blogger Johannes Hampel mit seinen maßlosen Vorwürfen recht? Verteidigt euch! Lest und diskutiert in überparteilichen Arbeitsgruppen folgende Artikel:

„Nicht ohne meinen Jugendtreff.“ zitty Berlin, Das Hauptstadtmagazin, Nr. 22-2009, 22. Okt.-4. Nov. , S. 26-27

„Der Bund agiert in höchstem Maß unsolidarisch.“ Tagesspiegel, 27.10.2009

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Okt. 262009
 

Bei der „Berliner Bildungskonferenz“ habe ich soeben folgenden Kommentar abgesetzt:

Wir müssen das Bildungswesen „von unten her“ denken, also von der frühen Kindheit, den Kitas und Grundschulen her. Das parteilich-zänkische Hickhack um Losverfahren, Strukturreformen, bessere Unterrichtsqualität und was dergleichen Schlachtrufe mehr zu hören sind, denkt meist „von oben her“: Wie hole ich das beste für mein Kind/meine Lehrer/meine Wähler/meine Eltern heraus? Die Berliner Grundschulen müssen jedoch die „Schule der Nation“ werden! Sie sind es derzeit keineswegs. Derzeit haben wir eine verheerende Trennung der Schülerpopulationen von Grundschulklasse 1 an. Das ist unhaltbar! Alles muss deshalb auf den Prüfstand.

Freunde, arkadaşlar,  nichts ist selbstverständlich, auch das Gymnasium nicht. Wir brauchen mehr Einheit, mehr Vielfalt in der Einheit, mehr Gemeinsamkeit durch mehr kulturelle Bildung in der Grundschule.

Die Grundschule muss endlich in Berlin als eine vorrangig zu behandelnde Schulform angesehen werden – Meinung – Berliner Bildungskonferenz

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Solidarität mit Seyran Ateş!

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Okt. 242009
 

Kaum überraschend dürften die neuerlichen Morddrohungen für Seyran Ateş kommen. Diese Frau, die wir immer wieder – neben anderen Frauen – in diesem Blog zitiert, erwähnt und unterstützt haben, wird sich erneut keine neuen Freunde in der türkischen Gemeinde machen. Sie stört seit Jahren, indem sie das Kartell des Schweigens durchbricht, das die orientalischen Herren der Schöpfung um ihre hübsche kleine Sondergemeinde gezogen haben. Immer die Männer! Natürlich: Spricht man – wie der hier schreibende Blogger – direkt mit arabischen oder türkischen Frauen – oder besser noch: mit deutschen Frauen, die mit arabischen Ehemännern verheiratet sind oder waren –  dann merkt man, das Ateş keineswegs nur einzelne Fälle herausgreift, wo Frauen gegen ihren Willen verheiratet, bedroht und erpresst werden.

Aus diesem Grund müssen wir Demokraten uns solidarisch mit der erneut bedrohten und eingeschüchterten Seyran Ateş erklären! Ich tue dies hiermit ausdrücklich! Männer! Frauen in Deutschland! Kauft ihr neues Buch, lest es und gebt es weiter!

Nach Morddrohungen: Islamkritikerin Ates flieht aus der Öffentlichkeit – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Kultur
Seyran Ates, 46, hat sich nach anonymen Morddrohungen komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Anlass der Drohungen ist offenbar die Veröffentlichung ihres neuen Buches, das vor wenigen Tagen beim Berliner Ullstein-Verlag erschienen ist. Titel der als „Streitschrift“ betitelten Veröffentlichung: „Der Islam braucht eine sexuelle Revolution.“ Die Juristin und Schriftstellerin plädiert darin für die Abschaffung der in islamisch geprägten Ländern weit verbreiteten arrangierten Ehe und spricht sich für einen offenen Umgang mit dem Thema Homosexualität aus sowie für mehr Selbstbestimmung für muslimische Frauen.

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Okt. 242009
 

Der gestern von uns nach Kreuzberg eingeladene Cem Özdemir MdB spricht sich für Deutsch-Quoten an Modellklassen aus. Gut finde ich daran: Özdemir erkennt an, dass es eine bewusste Segregation der Grundschüler gibt. „Du kannst doch dein Kind nicht zu den Arabern und Türken schicken!“, warf mir erst kürzlich wieder eine deutsche Sozialarbeiterin vor. „Was soll ich tun?“, fragte ich. „Du musst dich ummelden!“ „Mach ich nicht. Das ist Täuschung der Behörden. Das halte ich für verwerflich wie Steuerhinterziehung“, erwiderte ich tapfer. „Soll ich den Staat betrügen wie tausend andere Eltern?“

Versonnenes Schmunzeln meiner Gesprächspartnerin. „In zwei Jahren ist dein Kind zwei bis drei Jahre hinter den guten deutschen Kindern zurück. Dein Kind wird nie den Übertritt aufs Gymnasium schaffen, wenn du es in eine Schule mit orientalischer Schülermehrheit lässt. Glaub mir! Dann musst du halt umziehen.“ Ich schluckte: Ich soll auf eigene Kosten erneut umziehen, tausende von Euro ausgeben und mein gesamtes über Jahre hinweg aufgebautes Lebensumfeld verlieren?

Tja, was soll ich sagen? Ich bin für eine klare Ansage des deutschen Staates an die Eltern: „Wir sind hier in Deutschland. Wollt ihr dazu gehören? Dann wollen wir eine Entscheidung von euch. Wenn ihr euch für dieses Land entscheidet, dann sprecht deutsch mit euren Kindern. Dann kümmert euch um eure Kinder. Wenn ihr euch für dieses Land (genannt Deutschland) entscheidet, dann setzt ihnen Grenzen. Wenn ihr in diesem Land leben wollt, dann erzieht eure Kinder, statt sie unbeaufsichtigt herumlaufen zu lassen. Dann führt ein Familienleben mit geregeltem Tagesablauf. Lernt lesen! Dann lest deutsche Bücher mit ihnen. Dann gebt ihnen richtig zu essen.  Dann holt sie von der Schule ab. Dann besucht die Elternabende. Nehmt ihnen den Fernseher aus ihren Zimmern.“ Cem Özdemir, sag dies bitte den Türken.

Ich meine: Wir dürfen und müssen eine Entscheidung für unser Land von allen verlangen, die hier leben wollen. Die Loyalität muss dieser Gesellschaft gehören. Zunächst und zumeist. Mit allen Pflichten: Schulpflicht, Steuerpflicht, Wehrpflicht. Pflicht, mit allen Kräften für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen – sofern nicht Krankheit, Alter oder Behinderung dem entgegenstehen.

Ich stelle fest: Es wird rumgeeiert ohne Ende von unseren selbsternannten Migrationsexperten und den Sprechern der türkischen und arabischen Gemeinden. Ein Gedruckse, ein Gedöns, eine gigantische Heuchelei! Alle, die wie ich wirklich engen Kontakt mit türkischen und arabischen Familien haben, wissen, was gespielt wird. Aber alle drucksen herum. Keiner macht das Maul auf. Warum? Angst? Blindheit? Pfründenwirtschaft? Vetternwirtschaft? Will man es sich nicht mit den Wählern verscherzen? Vielleicht hören sie auf dich. Cem, bitte! Teşekkür ederim!

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Schuster trifft den Nagel schon eher auf den Kopf: Die Probleme setzen viel früher an! Bewusste Mischung der Wohnbevölkerung? Dass ich nicht lache! Ich erlebe das doch hier in meiner Nachbarschaft: Hier haben die libanesischen Zuwanderer, die unter massiver Ausnutzung von „Gesetzeslücken“ ins Land gekommen sind, die seit 10 oder 20 Jahren ansässigen türkischen Familien weitgehend verdrängt. Die türkischen Sozialhilfeempfänger wiederum hatten einige Jahre zuvor die deutschen Sozialwohnungsberechtigten verdrängt. Alles mit dem Segen der öffentlichen Wohnungsgesellschaften.

Eine bessere Mischung der Wohnbevölkerung – die ich selbst immer wieder verlangt habe – würde ganz erhebliche Anstrengungen seitens der türkischen und arabischen Familien erfordern. Der deutsche Staat, also wir alle, müssen diese Anstrengungen von den Türken und den Arabern einfordern. Sie müssten sich weit stärker auf ein Leben in Freiheit und ohne Fürsorge des Staates einstellen, als dies bisher der Fall ist. Davon bin ich überzeugt. Denn es brennt! Wir haben uns eine riesige Schicht von Abhängigen herangezogen. Die Staaten Türkei, Libanon und Syrien sind große Teile ihrer sozialen Problembevölkerung an Deutschland losgeworden. Diese riesige Schicht von dauerhaft Abhängigen wird  numerisch in wenigen Jahrzehnten die Mehrheit unseres Landes darstellen.

Bildung – Özdemir lobt Deutsch-Quote für Problemschulen – Politik – Berliner Morgenpost
Dagegen lehnt Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster das Modell ab. „Die Quote in der Schule setzt viel zu spät an und bleibt an der Oberfläche des Problems“, schreibt der CDU-Politiker in der „tageszeitung“. In Stuttgart, wo 40 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund hätten, sei Sprachförderung Kernaufgabe im letzten Kita-Jahr.

Zudem müssten die Milieus durch eine zielgerichtete Wohnungspolitik bewusst gemischt werden. „Wenn Türken, Kroaten, Griechen, Aussiedler und Deutsche in einem Haus leben und keine Gruppe dominiert, dann verständigen sich alle auf Deutsch.“

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Okt. 232009
 

entspannter-doormanservice-05092009002.jpg Ich bin ein Kreuzberger Unterschichtler. Wer kein eigenes Auto besitzt und seine Kinder nicht auf eine Montessori- oder kirchliche Privatschule, sondern in eine staatliche Grundschule schickt, ist unwiderleglich Unterschichtler. Außerdem lese ich immer wieder kleinformatige Blätter mit wie etwa die BZ und die taz. Ein echter Unterschichtler. So einfach ist das.

Doch gerade als Unterschichtler trete ich für eine bessere Mischung ein! Kreuzberg braucht reiche Zuwanderer, Oberschichtler wie etwa den Bundestagsabgeordneten Özdemir. Sie sollen hier Eigentum erwerben, sie sollen sich hier niederlassen, sie sollen hier ihre Kinder zur Schule schicken! Auf keinen Fall darf man diese Zuwanderer abschrecken, wie es heute wieder berichtet wird. Die Brandanschläge, die rassistische Hetze gegen die sogenannten Yupppies, die Einschüchterung und Bedrohung von Besitzenden muss aufhören!

Unser Bild zeigt entstehende Luxuswohnungen mit „entspanntem Doormanservice“ am Potsdamer Platz. Das Gute daran ist: Diese Luxuswohnungen entstehen in direkter Nachbarschaft zu einem riesigen Sozialwohnungsblock mit Tausenden von Sozialhilfeempfängern, mit sehr vielen migrantischen Familien, Zuwanderern aus Libanon und Syrien. Es sind die Ärmsten der Armen aus dem eigentlich reichen Land Libanon, die hier in Kreuzberg ihr Aus- und ihr Einkommen finden. Dass ihre neuen Nachbarn aus der Oberschicht hierher ihre Luxusappartments bauen, finde ich sehr gut. Die sollen dann auch ihre Kinder zu uns in die Grundschule schicken! Da möchte ich dabei sein.

Die autonome Szene rüstet hingegen auf zu einer Art Pogrom-Stimmung gegen alles, was auch nur entfernt nach Ober- und Mittelschicht riecht. „Yuppie-Schweine-Schüsse in die Beine“ – das ist eiskalt die Methode der Mafia! Das erinnert an die antijüdische Hetze der Nationalsozialisten (Deutschland 20er-30er Jahre) und die antibürgerliche Hetze der RAF-Terroristen (Deutschland, 70er-80er Jahre)! Das Aufkommen einer immer stärkeren linksextremen Mafia in Friedrichshain-Kreuzberg muss mit allen Mitteln des Rechtsstaates bekämpft werden! Mehr noch: Alle rechtstreuen politischen Kräfte müssen einmütig solche verbrecherischen Akte verurteilen! Ich erwarte sehnsüchtig Signale aus der BVV Friedrichshain-Kreuzberg!

Ich sage: Stoppt das feige hinterhältige Treiben der Hetzer!

Brandanschlag – Autonome bedrohen Yuppies in Kreuzberg – Berlin – Berliner Morgenpost
Erneut ist ein Loft-Projekt in Kreuzberg Ziel eines Anschlags geworden. In der Nacht zu Donnerstag hatten Unbekannte einen Brandsatz gegen die Fassade eines neusanierten Gebäudes geworfen. Dieses Mal jedoch wurden erstmals auch Menschen bedroht, die als Käufer dieser Wohnungen betrachtet werden.

Unbekannte haben in der Nacht zu Donnerstag einen Brandanschlag auf ein Gebäude mit Loftwohnungen an der Glogauer Straße in Kreuzberg verübt. Außerdem beschmierten sie die Hausfassade des sanierten Fabrikgebäudes mit dem Spruch „Yuppi-Schweine-Schüsse in die Beine“.

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Опять двойка – Wieder Note 2. Wieder ein Fall von Volksverhetzung

 Europäische Galerie, Gute Grundschulen, Kommunismus, Leidmotive, Russisches, Tugend, Verdummungen, Verwöhnt  Kommentare deaktiviert für Опять двойка – Wieder Note 2. Wieder ein Fall von Volksverhetzung
Okt. 222009
 

 

Eins der bekanntesten Gemälde des Sozialistischen Realismus ist „Wieder eine Zwei?“ von  Reschetnikow, das ich selbst vor wenigen Jahren in der Moskauer Tretjakow-Galerie hängen sah. Die sehr schlechte russische Schulnote Zwei entspricht unserer deutschen Fünf. In der Seemannssprache würde man sagen: Gefahr im Verzug, alle Mann an Deck! Wie staunte ich aber, als ich dieses Bild in einer sehr gut gemachten Kopie kürzlich in der Berliner Galerie Jeschke-Van Vliet erblickte! Ich war erschöpft, schloss die Augen, und versuchte ein wenig auszuruhen … Irgendetwas weckte mich, ich schlug die Augen auf und näherte mich neugierig, um das Bild ins Auge zu fassen, und wie es der Zufall wollte, wurde ich in ein lebhaftes Gespräch mit drei Betrachtern hineingezogen:

„Dieses Bild zeigt eindeutig den Wert der Freundschaft! Nur bei einem Hund findet der enttäuschte Junge Anerkennung und Liebe, die Menschen wissen ja gar nicht, welches Drama sich in der Brust des Jungen abspielt!“, versicherte ein soignierter Herr, der an seinem singenden Tonfall eindeutig als Italiener erkennbar war. „Wir können alle aus diesem Bild lernen: Auf die Freundschaft kommt es an, Freundschaft ist das Höchste“, fuhr der Italiener fort.

„O nein“, widersprach ihm ein Deutscher. „Gefühle können eine objektiv vorhandene Diskriminierung nicht ausgleichen. Das Bild zeigt offensichtlich einen sozial benachteiligten Grundschüler. Es könnte ein Tschuktsche sein, der aufgrund seines Migrationshintergrundes den Anschluss an die hohen Leistungsanforderungen des sowjetischen Schulsystems verpasst hat. Das Bild ruft offenkundig dazu auf, ihm jede erdenkliche Förderung zu verschaffen: Ganztagsschulen, Förderunterricht in russischer und tschuktschischer Sprache, wahrscheinlich mehr Geld für Bücher und Lehrmittel, interkulturelles Training für die Grundschullehrerinnen, kleinere Klassen! Wir können alle aus diesem Bild lernen! Kein Kind darf zurückbleiben, kein Kind darf im Gefühl belassen werden, es sei selbst an den schlechten Noten schuld!“

Der Deutsche – ich glaube, es war ein Berliner – steigerte sich danach in einen Hymnus auf die kompensatorische Pädagogik hinein, den ich hier weglasse, da er die Lesefähigkeit eines Internet-Lesers überstiege.

„Was redet ihr da für Unsinn!“, schaltete sich mit deutlichem russischem Akzent eine weitere Betrachterin ein. „Ich komme aus der Sowjetunion. Ich habe das ganze Schulsystem der Sowjetunion durchlaufen. Über dieses Bild mussten wir alle, alle, einen Aufsatz schreiben. Von Wladiwostok bis nach Kiew.  Die Botschaft war eindeutig: Du musst lernen! Ausreden gab es nicht. Dieses ständige Lernenmüssen, dieser beständig fühlbare Leistungsdruck hat uns allen sehr gut getan. Wer nicht genug lernte und nicht mitkam, erhielt schlechte Noten. Die schlechten Noten waren ein Ansporn, mehr zu lernen. Euer weichliches Verständnis-Gedöns über ach so benachteiligte sozial Schwache gab es nicht. Stundenlanges Fernsehen war von den Eltern verboten. Es gab jeden Tag Hausaufgaben. Die Hefte mussten peinlich genau geführt werden. Und das alles – wisst ihr was? Es hat uns nicht geschadet! Wir haben – auch als Akademikerfamilien – zu viert oder fünft in Ein-Raum-Wohnungen gelebt, in den sogenannten Komunalnajas.  Nach euren Maßstäben waren wir alle sozial schwach. Aber wir haben alle unsere Abschlüsse geschafft. Wir haben das Abitur gemacht und dann an den Universitäten studiert. Wir haben in der zweiten Klasse im sowjetischen Schulsystem einen weit höheren Leistungsstand gehabt als ihr Berliner in der vierten Grundschulklasse. Und das wohlgemerkt mit über 120 ethnisch verschiedenen Völkerschaften! Die haben alle perfekt Russisch gelernt, jeder Georgier, jeder Tschuktsche, jeder Turkmene konnte dank eigener Leistung aufsteigen und Minister oder Wissenschaftler werden. Hört mir doch auf mit eurem Gejammer von sozial Schwachen! Wo ist euer Selbstbewusstsein? Wart ihr Deutschen nicht mal eine Kulturnation? Wo ist diese Kultur eigentlich geblieben? Kennt ihr noch Schumann, Goethe und Heine? Freud, Marx? Alles vergessen? Kant? Habt ihr euch denn alles vom Hitler vermiesen und zerstören lassen?

O ihr Deutschen! Ihr seid nicht ganz bei Trost! Ihr müsst euren türkischen, arabischen und sonstigen Völkerschaften eines ganz deutlich einschärfen: Lernt richtig Deutsch, studiert, arbeitet, setzt euch auf den Hosenboden, dann erledigt sich das Problem des mangelnden Aufstiegs von selbst. Es wächst sich aus!“

Mein gutes deutsches sozialrealistisches Herz krampfte sich zusammen. Das war ja ein Albtraum! So ein Geschimpfe! Das grenzte ja an Volksverhetzung. „Ihr seid nicht ganz bei Trost!“ Dass ich nicht lache!  Volksverhetzung gegen die Deutschen. Mitten in Deutschland! In Berlin Mitte! Aus dem Mund einer Russin! Durfte man so reden? So herzlos, so voller sozialer Kälte wie diese Russin? Ich wurde nachdenklich. Ich beschloss, diesen kleinen Dialog aufzuschreiben. Denn bei uns herrscht Meinungsfreiheit. Ganz zuletzt beschlich mich ein Zweifel: Vielleicht hat diese Russin ja recht. Ich bin diesen Zweifel bis heute nicht losgeworden.

Das Bild hängt derzeit in der Galerie Jeschke – Van Vliet: Hinter dem Eisernen Vorhang. Die Kunst des Sozialrealismus. 20 Jahre nach dem Fall der Mauer. Bis 30. November 2009, täglich von 11 bis 20 Uhr. Eintritt frei. Krausenstraße 40, Berlin Mitte. Öffnungszeiten täglich von 11 bis 20 Uhr (Dienstag geschlossen).

Der International Herald Tribune bringt heute auf S. 13 eine halbseitige große Besprechung:

Return of a Soviet-Era Genre Lost to Perestroika – NYTimes.com
So in a strange twist of history, just as the avant-garde art banned by the Soviet regime was viewed again, Socialist Realism, discarded so quickly in the late ’80s, may be going though its own renaissance. At least, that is the hope of the Jeschke-Van Vliet Art Gallery, located where the Berlin Wall once stood 20 years ago. For the first time, more than 300 paintings, created between the mid-’20s and the early ’80s have been brought under one roof.

Neben der New York Times und dem International Herald Tribune berichtet sogar die Berliner Morgenpost:

Warum Lenin jetzt mitten in Mitte posiert

Und der Corriere della sera:

 Non solo Lenin, il Realismo socialista visto da Cusani

 Posted by at 17:23
Okt. 212009
 

Einen sehr lesenswerten Artikel aus der Feder Armin Laschets finde ich heute in der FAZ auf S. 8:

Die Gegenwart – Politik – FAZ.NET
Die dritte deutsche Einheit
Von Armin Laschet

Sozialer Aufstieg war ein Leitgedanke der ersten Regierung Konrad Adenauers. In der Bundesrepublik Deutschland mussten damals die Flüchtlinge und die Vertriebenen eingegliedert werden. Nach der Vereinigung Deutschlands vor zwanzig Jahren steht als nächste große Aufgabe die Integration der Mitbürger mit einer Einwanderungsgeschichte an. Gelingen wird das nur, wenn auch für sie in Deutschland Aufstieg möglich ist.

Die Grundeinsichten Laschets teile und unterstütze ich: Die Aufnahme der Zugewanderten ist eine Riesenaufgabe, die in ihrer Bedeutung etwa an die Eingliederung der Vertriebenen herankommt.

Laschet akzentuiert jedoch recht stark das politische Handeln, er fordert Maßnahmen, Pläne, steuerndes Eingreifen des Staates. Er unterschätzt meines Erachtens den Beitrag, den die Einzelne oder der Einzelne leisten muss. Er unterschätzt Mentalitäten, Grundhaltungen, Religion, Herkunft, Sitte und Brauchtum der Zugewanderten. Diese stehen einem Aufstieg aus eigener Kraft regelmäßig entgegen.

Bereits heute ist der Aufstieg für jeden Zugewanderten möglich. So hebt Güner Balci immer wieder hervor.  Die strukturellen Defizite, die Laschet bemängelt, die leugne ich nicht. Aber es wird immer wieder übersehen: Die heutigen Migranten kommen in ihrer überragenden Mehrheit als Kollektive. Sie wandern aus Kollektiven in Kollektive hinein, in intakte Familien. Sie gelangen als Sippenverbände und als lokale Gemeinschaften nach Deutschland. Sie sind keine Einzelzuwanderer, sondern Gruppenzuwanderer, die zunächst keine Notwendigkeit sehen, aus eigener Kraft den Aufstieg zu schaffen. Sie sind integriert, jeder individuelle Aufstieg wäre zunächst einmal ein schmerzhafter Ausstieg aus dem Milieu. Das ist schwer, das schaffen nur ganz wenige. Es tut richtig weh!

Den Netzwerkcharakter der Zuwanderung gilt es zu begreifen! Selbst bei dem recht kundigen Armin Laschet vermisse ich Hinweise darauf. Der vielbeschworene Aufstieg wird aber innerhalb dieser aus den Herkunftsländern importierten Netzwerke nicht gelingen. Die Stellung des einzelnen ist ja bereits definiert – durch seine Position im Netzwerk. Nur ganz wenige schaffen es, sich aus der Festgelegtheit durch Netzwerke, durch Gruppen und Sippen zu befreien.

 Posted by at 14:34
Okt. 202009
 

ostsee30082008.jpg Selam arkadaslas, liebe Freunde, dass wir DAS noch erleben dürfen! Der erste und der sechste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland treffen ausgerechnet hier in Kreuzberg aufeinander! Soeben sah ich diese Begegnung, nur einen Steinwurf von meiner Wohnung, wo ich dieses hier schreibe, entfernt:  in Riehmers Hofgarten, kunstvoll inszeniert für die Kameras. In diesem prachtvollen Geviert aus der Gründerzeit habe ich oft mit meinen beiden Söhnen den Spielplatz besucht, viele Erinnerungen verknüpfen sich damit.

Dieser Film „Der Mann aus der Pfalz“ ist, so meine ich, ein Meisterwerk. Helmut Kohl spielt darin nicht sich selbst, sondern ist er selbst. Es wird deutlich gemacht, dass Politik stets auch eine Inszenierung ist. Der Film verschränkt auf gelungene Weise authentisches Material mit nachgestellten Szenen. Als Zuschauer war ich im Zwiespalt zwischen echt und nachgestellt gefangen. So entsteht kritisches Urteil. Großartig, gerade weil es behutsam mit den Kleinigkeiten umgeht.

Unser Bild zeigt zwei Badende am Ostseestrand – übrigens ist keine historische Figur dabei.

 Posted by at 23:09

Meditationen eines Geigers in Thaïs

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Okt. 192009
 

Das herausragende Erlebnis war für mich gestern am Sonntag, dass ich die Méditation aus der Oper Thaïs von Jules Massenet spielen durfte, und zwar bei einem Gottesdienst zum goldenen Konfirmandenjubiläum in der Apostel-Paulus-Kirche in Berlin-Schöneberg. Jeder Geiger dürfte davon träumen, dieses herrliche Stück einmal zu einem Fest in einer Kirche zu spielen! Für mich wurde dieser Traum gestern wahr. Organist Harald Berghausen half mir am Klavier dazu, kundig, verlässlich, einfühlsam. Sibylle Benner-Jost von der Deutschen Oper sang einige Biblische Gesänge von Dvorak dazu – Musik, die ich in ihrer gesammelten, schlichten Frömmigkeit ebenfalls sehr mag!

Ausgerechnet drei Tage, nachdem ich eine intensive Wiederbegegnung mit der Weisheit Ägyptens hatte, versetzte mich die Musik zurück in diese ägyptische Oasenstadt am Ufer des Nils! Die Vermählung des jüdisch-christlichen Erbes mit der altägyptischen Grundgestalt des Monotheismus gelang gestern in der Musik! Nur wenige wissen, dass der Ein-Gott-Glaube wohl erstmals in Ägypten gedacht wurde – eine Erfindung, die letztlich die ganze Welt bis zum heutigen Tage revolutioniert hat, bis in die Verästelungen der Politik hinein! Jan Assmann hat diesem Thema einige scharfsinnige Überlegungen gewidmet.

Nie spürte ich stärker, dass gutes Geigen eigentlich Singen heißt! In der Meditation erlebte ich den Kampf der Seele, im Ringen um den Einen Gott. Ein Ringen, das Gesang wird. Das Ringen mit Gott – der so schwer zu fassen ist. Genau das ist die Bedeutung einiger Beinamen aus dem alten Schatz der hebräischen Bibel. Nicht zuletzt deshalb gebe ich der Bedeutung „Der mit dem Gott ringt“ bei allen möglichen Etymologien des Wortes „Isra-El“ den Vorzug.

Einige Piècen von Kreisler und erneut Dvorak ergänzten diesen Gesang. Die waren eher versöhnlich-spielerisch.

Hier nun noch der Link zu einem kleinen Video mit meinem Gang in die Grabkammer des Nefer-Bau-Ptah, aufgenommen im wiedereröffneten Neuen Museum. Erlebt, wie der Mensch im alten Ägypten die Pforten des Todes durchschritt!

 Posted by at 20:43

Knapp. Klar. Balci

 Donna moderna  Kommentare deaktiviert für Knapp. Klar. Balci
Okt. 192009
 

Der klare, unverschnörkelte Ton der Frau Balci gefällt mir. Sie kann sich im Internet äußern: Knapp, ohne Umschweife. Erneut vorbildlich! Deshalb setze ich einen kleinen Abschnitt aus dem Chat mit ihr hierher. Und ich nehme mir die Freiheit, einen Satz, den ich für besonders wichtig halte, in Fettdruck zu setzen. Also: Der Text ist von Frau Balci, die Hervorhebung ist von mir:

DasErste.de – [Anne Will] – Protokoll: Chat mit Güner Balci
Gast11: Liebe Frau Balci, wie können wir helfen, dass sich an Schulen etwas ändert. Insbesondere, was können wir als Eltern, als „deutsche“ Eltern tun?

Balci: Trauen Sie sich, kritisch mit den Problemen, die da sind, umzugehen. Und sie können sich damit auch für die Probleme der Migrantenkinder verantwortlich fühlen.

Gast54: Frau Balci, wie kann man türkische und muslimische Mitbürger davon überzeugen, dass eine Integration sinnvoll wäre?

Balci: Leistung muss belohnt werden. Jeder, der bereit ist sich zu integrieren, soll dafür eine Anerkennung bekommen.

 Posted by at 13:45
Okt. 192009
 

„Jetz laß-tsas doch endlich ausreden!„, so fiel meine bayrische Mama uns drei kernigen Buben ins Wort, wenn wir mal wieder unserer kleinen Schwester das Wort abgeschnitten hatten. Leider ist es so: Wie den meisten Männern, so fällt es auch mir schwer, den Mund zu halten! Das habe ich gestern wieder bemerkt, als ich die Anne-Will-Sendung mit Güner Balci und dem Herrn Özcan Mutlu ansah und hörte. Gleich zwei Mal fiel ich dem Herrn Özcan Mutlu, dem Sprecher oder besser Ins-Wort-Faller und Unterbrecher einer Berliner Abgeordnetenhausfraktion ins Wort. Immer wenn ich wohlbestallte Migrationsforscher und Bildungspolitiker wie etwa Heiner Bielefeldt oder Özcan Mutlu höre, schießen mir Zeilen Heinrich  Heines in den Sinn:

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser.

Zum Glück saß ich nur gebannt vor dem heimischen Bildschirm und trank Wasser, statt wild herumzufuchteln. Niemand hörte mich. Aber man sollte sich die Aufzeichnung der Anne-Will-Sendung ruhig bei einem Gläschen Federweißen zu Gemüte führen – und dabei besonders beobachten, wie Güner Balci immer wieder das Wort und das Thema abgeschnitten wurde, namentlich vom bildungspolitischen Sprecher der Grünen, Herrn Mutlu.

„Jetzt lass sie doch endlich ausreden!“, so fiel ich dreist dem Herrn Mutlu ins Wort. Dieser Herr gefiel mir nicht. Gut gefielen mir hingegen Wolfgang Bosbach und Otto Schily. Sie fielen den anderen kein einziges Mal ins Wort, sondern antworteten nur, wenn sie gefragt wurden. Sie warteten geduldig, bis ihnen das Wort erteilt wurde. Vorbildlich! Ich werde mich am Riemen reißen.

„Ich bin seit 10 Jahren in der Bildungspolitik!“ Und deshalb habe ich recht. So sinngemäß Herr Mutlu. Ein trefflicher Beleg dafür, dass die längere Arbeit in der Politik blind und taub machen kann für alles, was nicht dem eigenen Machterhalt, dem eigenen Fortkommen dient. Der Herr Mutlu ist ein wandelndes Beispiel dafür. „Haben Sie eine wissenschaftliche Untersuchung?“, fragte er Güner Balci. Hatte sie natürlich nicht, die bewundernswerte mutige Frau. Ausdrücklich berief sie sich auf ihre jahre- (besser: jahrzehntelange) Erfahrung. Als Tochter türkischer Eltern, als Frau, als Sozialarbeiterin, als Journalistin. Ich fragte Herrn Mutlu vor dem Bildschirm sitzend:  Was wollen Sie eigentlich, Herr Mutlu? Wissen Sie denn nicht, dass wissenschaftliche Untersuchungen systematisch getürkt werden? Sie können in der Migrationsforschung nahezu jedes beliebige Ergebnis wissenschaftlich belegen und bestellen. „Fremdenfeindlichkeit der Deutschen“, „Rassismus der Deutschen“, „Ausländerfreundlichkeit der Deutschen“, „antirassistischer Konsens der Deutschen“, „Anfälligkeit für extremistische Hetze“, „Resistenz gegen extremistische Hetze bei den Deutschen“ – für alle diese Befunde lassen sich im Internet mit wenigen Mausklicks wissenschaftliche Untersuchungen herbeizaubern. Und wenn es keine Untersuchung gibt, dann GIBT MAN EINE IN AUFTRAG. Voilà! Der Kunde zahlt, der Kunde schafft an.

Was sie nicht ersetzen und nicht türken können, das sind die Erfahrungen und Berichte der Menschen vor Ort, wie etwa die einer Güner Balci, eines Heinz Buschkowsky, eines Hamed Abdel-Samad, eines Badr Mohammed, oder auch – in aller Demut – des hier bloggenden Kreuzberger Vaters mit jahrzehntelanger Erfahrung mit türkischen und arabischen Zuwanderern und deren Kindern.

Und da muss ich einfach meine Freude darüber ausdrücken, dass ich endlich einmal auch im deutschen staatlichen Fernsehen die schlichte Wahrheit aussprechen hörte, die ich seit einem Jahr immer wieder in diesem Blog vertrete: Erfolg in dieser Gesellschaft ist möglich. Für alle. Eine seit Generationen von Sozialhilfe oder Hartz-IV lebende arabische Sippe ohne deutsche Sprachkenntnisse verkörpert aus der Sicht der Betroffenen ebenso einen Integrations-Erfolg wie eine studierte und perfekt deutsch sprechende Tochter türkischer Einwanderer.

So stellte klipp und klar Güner Balci fest: Alle, die hier in der Bundesrepublik Deutschland leben dürfen, sind gegenüber den Verwandten und Freunden in den Herkunftsländern stark privilegiert. Und das wissen sie alle. Deshalb holen sie ja ihre Verwandten und Freunde, Bräute und Bräutigame gerne nach.

Sie genießen alle Vorzüge dieses Landes, sie leben in Wohlstand und ohne materielle Sorgen – und sie werden vom Staat weitgehend in Ruhe gelassen und können systematisch ihre „Netzwerk-Migration“ (so Kenan Kolat) fortsetzen und ihre geschlossenen Siedlungsgebiete ausbauen.

Gut auch, dass Cem Gülay die systematische Urkundenfälschung beim Nachzug innerhalb dieser breit angelegten Netzwerk-Migration zur Sprache brachte! Jeder weiß doch, wie man die bürokratischen Vorschriften zum Zuzug umgehen und „zurechtdeuten“ konnte und kann. Dafür gibt es Tipps, dafür gibt es staatlich finanzierte Beratungsstellen. So hat ja eine stichprobenhafte Überprüfung im Berliner Bezirk Mitte vor wenigen Wochen amtlich ergeben, dass etwa 10.000 Anmeldungen fehlerhaft waren. Sie dienen dazu, Sozialleistungen zu erschleichen und kriminelle Handlungen zu decken.

Das bisschen Integrationspolitik fällt dabei nicht so stark ins Gewicht. Es wird an der Gesamtlage wenig ändern. Es wird immer einige Özcan Mutlus geben, die hier laut von „Zwang“ und „Strafe“ schreien. Huch, die Deutschen, die da sitzen auf ihren Lehrstühlen und Mandaten, zucken zusammen. Zwang und Strafe, das sei weit uns!

Der Chat mit Güner Balci  zur Sendung Anne Will sei euch wärmstens empfohlen, und auch die insgesamt sehr lehrreiche Sendung!

DasErste.de – [Anne Will] – Keine Chance für Ali und Ayse – Gemüse verkaufen statt Karriere machen?

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