„Ich will’s soft“, oder: Sex ist wie Boxen (Spielarten der Liebe 3)

 Donna moderna  Kommentare deaktiviert für „Ich will’s soft“, oder: Sex ist wie Boxen (Spielarten der Liebe 3)
Feb. 202014
 

„Ich will’s soft.“

Wie alt mochte das Mädchen sein, das damals im Juli 2013  offen, herausfordernd gegenüber der Hölderlin-Apotheke in der Kreuzberger Wilhelmstraße seine Lust auf Sex ausdrückt? 14, 16, 19? Es ist schwer zu sagen! Entscheidend bleibt, wie auf diesem Plakat der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung das Thema sexuelle Lust vorgeführt wird:
„Ich will‘s.“ So lesen wir alle es – ob Kind, ob Greis, ob Mann, ob Frau. Sex ist Teil des öffentlichen Lebens. Das Mädchen verkündet Tag und Nacht seine jederzeitige Einsatzfähigkeit und Einsatzwilligkeit.
„Ich will’s.“ Das Ich mit seinem Wollen steht unumschränkt im Mittelpunkt. Das Jetzt steht im Mittelpunkt.
Ich will’s.“ Ein Du ist im Sex nicht nötig.

„Ich will’s …!“

Wichtig ist – so wird es uns gegenüber der Hölderlin-Apotheke eingeschärft – die Verwendung des Kondoms, alles andere ergibt sich schon. „Mach’s – aber mach’s mit!“

Spannend auch: Das blonde, viellleicht 14 Jahre alte Mädchen, oder die junge Frau – wie wir korrekterweise zur Vermeidung von Buh-Rufen sagen müssen – ist Boxerin. Sie fordert den Kampf, sie fordert das unsichtbare Du zum Kampf auf. Sex ist also wie Boxen. Sex ist gewissermaßen eine körperliche Auseinandersetzung in Fairneß und Achtung vor dem Gegner. Einen Unterschied zwischen Mann und Frau darf es dabei nicht geben. Die Frau kann genauso zum Kampf herausfordern wie der Mann. Dies ist die unterschwellig verkündete Botschaft der heutigen Sexualaufklärung, wie sie in Plakaten, in Broschüren und Handreichungen durch Schule und Öffentlichkeit den Kindern und Jugendlichen eingepflanzt wird.

Was kommt heraus? Tja, Freunde, ich stelle fest: In den Köpfen und Herzen der Kinder ist alles schon klar, ehe sie überhaupt ein gewisses Alter, also die Pubertät erreicht haben. „Unsere Jungs und Mädchen wissen hier in Deutschland mit 10 schon vor der Pubertät mehr darüber, wie es gemacht wird, als wir Mütter in unserem reifen Alter von 40!“, lachten einmal zwei migrantische Mütter miteinander, denen ich in der U-Bahn zwischen Wittenbergplatz und Gleisdreieck in ihrer Muttersprache lauschen durfte.

Kein Zweifel: Sex ist in der Welt unserer 10-12 Jährigen etwas Alltägliches geworden. Ein Element des Alltags, wenn auch mit dem dreifachen Risiko AIDS, Schwangerschaft und sexuell übertragener Krankheit behaftet.

Das langsame Hinführen zu allmählich reifender, tastender, erwachender Sexualität kommt in der Bilder- und Erfahrungswelt der Jugendlichen fast nicht mehr vor. Die Bindung ans Du wird nicht mehr bewusst vermittelt. Das Mutter- oder Vater-Werden wird gegenüber den Kindern bereits öffentlich als horrende Gefahr an die Wand gemalt. Die endlos langen Phasen des Wartens, des Schmachtens, des Werbens, des langsamen Annäherns, des Pirschens und Schmeichelns verschwinden aus der Erfahrungswelt der Jugendlichen.

Die Unterschiede zwischen Mann und Frau werden abgeschliffen. Sex ist wie Boxen. Boxen ist wie Sex. In beidem gibt es keine Unterschiede zwischen Mann und Frau. So wird das zunehmend  gelehrt. Dafür gibt es jetzt auch Lehrstühle.

Ein herausragendes Dokument dieser Umerziehung einer ganzen Gesellschaft durch Industrie und Kommerz, durch staatliche Einrichtungen, aber auch durch die Verkünder einer neuartigen Geschlechtergleichstellungs-Ideologie  sind die Plakate der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit der zentralen Aufforderung: „Mach’s. Aber mach’s mit.“

 Posted by at 22:56

Westliche Nebelstocherer, oder: die EU, die Ukraine und Russland

 Krieg und Frieden, Staatlichkeit, Ukraine  Kommentare deaktiviert für Westliche Nebelstocherer, oder: die EU, die Ukraine und Russland
Feb. 202014
 

Es zerreißt mir schier das Herz. Ein Todesopfer polizeilicher Gewalt hatten wir schon vor Wochen zu beklagen in unserem ukrainischen Bekanntenkreis. Allerdings erfolgte der mörderische Übergriff nicht in Kiew, folglich wird davon auch nichts berichtet in den westlichen Medien.

Es ist selbst für die in Deutschland lebenden Ukrainer und Russen, mit denen ich spreche, fast unmöglich, im ukrainischen Pulverdampf die Orientierung zu bewahren. Die meisten westlichen Beobachter (Journalisten, Politiker, „Experten“) flattern nur wirr durcheinander. Von den EU-Staaten, ja von der EU selbst kommt wenig Zielführendes. Sie kennen sich schlechterdings nicht aus. Sie stochern im Nebel. Falsch wäre es vom „Westen“, hier in diesen bürgerkriegsähnlichen Zuständen eine „Partei“ zu ergreifen und die amtierende Regierung ersetzen zu wollen. WAS KÄME DENN DANACH? Dieselbe Frage warfen wir bereits beim Thema Libyen, beim Thema Syrien auf. Sie stellte sich in 80er Jahren in Afghanistan, später in Iran, später in Irak.

Da passt  uns gut die Stimme Marina Weisbands in den Kreuzberger Kram: eine der wenigen ernstzunehmenden Stimmen aus Deutschland, die in vielerlei Hinsicht den Nagel auf den Kopf trifft. Marina Weisband muss man in Deutschland unbedingt ernstnehmen:

http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/585084/Es-tut-mir-weh-nicht-dort-zu-sein

Die EU-Staaten müssen sich in Ermangelung echter Einsichten in die tatsächliche Lage meines Erachtens für folgendes aussprechen:

1) Für das Rechtsstaatsprinzip. Staatlichkeit bedeutet Rechtlichkeit. An einem Zerfall staatlicher Zustände in Ukraine kann niemand ein Interesse haben.
2) Für die Legitimität der jeweils amtierenden, gewählten Regierung. Dies fällt schwer, aber es ist so. Staaten müssen einander als souveräne Gebilde anerkennen.
3) Gegen Gewalt. Verzicht der Demonstrierenden auf Waffen und auf Gewalt.
4) Für die Freiheit des Wortes. Gewaltfreie Dialogforen schaffen.
5) Recht und Ordnung als Grundlagen des Zusammenlebens anerkennen.
6) Demokratie beruht auf Spielregeln (Gesetzen). Diese Spielregeln müssen für alle gelten. Der Staat hat das Recht, sie durchzusetzen. Politiker müssen sich in Wahlen um ein Mandat bewerben.
7) Frieden für alle, Recht für alle, Freiheit für alle – das sind die obersten Zielpunkte politischen Handelns, nicht Macht, Einfluss, Wohlstand.

 Posted by at 11:41

„Vnd daß in deine Hand ich eingeschriben steh“ Spielarten der Liebe (2)

 Liebe  Kommentare deaktiviert für „Vnd daß in deine Hand ich eingeschriben steh“ Spielarten der Liebe (2)
Feb. 152014
 

Ein anderes Licht auf Gram, Schmerz und Verzweiflung als unser Zeitgenosse Guy La Rosse wirft der am 2. Oktober 1614 in Glogau geborene Popsänger Andreas Gryphius. Auch er sieht wie Kanzler Guy den Menschen als ein Wesen, das in der Hand, also in der Macht eines anderen steht. Doch ist es eine Hand, die unsere Seelen-Mäuse nicht furchtsam ersterben und erstarren lässt. In dieser Hand friert der Mensch nicht. Noch im Schmerz über Krankheit, Plünderung, maßlose Zerstörung empfindet Andreas Greiff, wie er auch hieß, dass es ein hegendes, hütendes Gegenüber gibt – etwas Lebensspendendes, Lebenserhaltendes.

Zum heutigen Valentinstag sollen beide Stimmen laut und deutlich vernehmbar sein – die zur abgrundtiefen Verzweiflung erstarrende Stimme des russischen Kanzlers Guy – und die in aller Verzweiflung an das Wiederaufstehen glaubende Stimme des schlesischen Magisters Gryphius.  Beide Stimmen haben ihre Berechtigung. Beide Stimmen sollen gehört werden.

Auff den dritten Ostertag. Luc. 24.

Wie offt/ mein Licht/ wie offt vmbringt mich Angst vnd Weh!
Wie offtmals wil mir Trost/ vnd Glaub/ vnd Muth zerrinnen?
Wie offtmals kan ich mich vor Schmertzen kaum besinnen.
Wie offtmals ruff ich schon: mein Leben nun Ade.
Doch wenn mich dünckt/ daß ich im Elend itzt vergeh/
Vnd meine daß vor mich kein Mittel zu gewinnen/
So werd ich deiner Hülff vnd gegenwart recht innen/
Vnd daß in deine Hand ich eingeschriben steh:
Denn sagstu wie der Zorn deß Höchsten abgelehnet
Wie Gott mit mir zu fried’/ vnd wie du mich versöhnet.
Denn lern ich/ daß ich Fleisch/ gleich deinem Fleische sey.
Laß/ wenn ich nichts mehr schau/ mich deine Wunden schauen
Vnd wenn dem blöden Geist wird vor dem Tode grauen/
So steh! O höchster Trost der schwachen Seelen bey.

Zum Nachlesen:

http://gedichte.xbib.de/Gryphius,+Andreas_gedicht_13.+Auff+den+dritten+Ostertag.htm

 Posted by at 00:10

„Deine Seele erstarrt in meinen Händen wie eine Maus in Katzenpfoten“ (Spielarten der Liebe 1)

 Katzen, Russisches  Kommentare deaktiviert für „Deine Seele erstarrt in meinen Händen wie eine Maus in Katzenpfoten“ (Spielarten der Liebe 1)
Feb. 142014
 

Твоя душа в моих руках
Замрет, как мышь в кошачьих лапах,

„Deine Seele erstarrt in meinen Händen wie eine Maus in Katzenpfoten.“

Dieses Lied des russischen Popsängers Kanzler Guy, der auch unter den Namen Рыжий Канцлер, Канцлер Гийом де Ногаре, Guy la Rosse auftritt, fand ich bei meinen endlos langen, einsamen Steppenwanderungen durch die Weiten der russischen Blogosphäre.

Titel des Songs „Schatten an der Wand“.

Verzweifelt besingt der  am Johannistag 1979 in Swerdlowsk geborene Sänger und Dichter die Unmöglichkeit echter, erfüllter Liebe. Kanzler Guy, der Schattenfotograph der Gefühle, lässt den Klagegesang so enden:

Ich habe nie das Wahrsagen geliebt
Ich habe nie das Auferstehen geliebt
ich liebte nie mich zu grämen
Ich habe nie geliebt
Aber ich konnte nicht anders

 

Ein starkes, bannendes Manifest der Sehnsucht, das lange in meinen Ohren weiterklang!

Zum Nachlesen:

http://www.pobedish.ru/forum/viewtopic.php?f=49&t=1627&start=130

„Тень на стене“ (гр. Канцлер Ги)

Когда из яви сочатся сны,
Когда меняется фаза луны,
Я выхожу из тени стены,
Весёлый и злой.
Когда зеленым глаза горят,
И зеркала источают яд,
Я десять улиц составлю в ряд,
Идя за тобой.

Твоя душа в моих руках
Замрет, как мышь в кошачьих лапах,
Среди тумана не узнает меня,
И ты на годы и века
Забудешь вкус, и цвет, и запах
Того, что есть в переплетениях дня.

Ты спишь и видишь меня во сне:
Я для тебя лишь тень на стене.
Сколь неразумно тебе и мне
Не верить в силу дорог.
Когда я умер, ты был так рад:
Ты думал, я не вернусь назад,
Но я пробрался однажды в щель между строк
Я взломал этот мир, как ржавый замок,
Я никогда не любил ворожить, но иначе не мог.

Когда я в камень скатаю шерсть,
Тогда в крови загустеет месть,
И ты получишь дурную весть
От ветра и птиц.
Но ты хозяин воды и травы,
Ты не коснёшься моей головы,
А я взлечу в оперенье совы,
Не видя границ.

Тебя оставив вспоминать,
Как ты меня сжигал и вешал:
Дитя Анэма умирало, смеясь.
А я вернусь к тебе сказать:
Ты предо мной изрядно грешен,
Так искупи хотя бы малую часть.

Ты спишь и видишь меня во сне:
Я для тебя лишь тень на стене.
Я прячусь в воздухе и в луне,
Лечу, как тонкий листок.
И мне нисколько тебя не жаль:
В моей крови закипает сталь,
В моей душе скалят зубы страсть и порок,
А боль танцует стаей пёстрых сорок.
Я никогда не любил воскресать, но иначе не мог.

Когда останемся мы вдвоём,
В меня не верить – спасенье твоё,
Но на два голоса мы пропоём
Отходную тебе.
Узнай меня по сиянью глаз,
Ведь ты меня убивал не раз,
Но только время вновь сводит нас
В моей ворожбе.

Опавших листьев карнавал,
Улыбка шпаги так небрежна.
Дитя Анэма не прощает обид.
Ты в западню мою попал,
Твоя расплата неизбежна.
Ты знаешь это – значит, будешь убит.

Ты спишь и видишь меня во сне:
Я для тебя лишь тень на стене.
Настало время выйти вовне,
Так выходи на порог.
Убив меня много сотен раз,
От смерти ты не уйдёшь сейчас,
Но ты от злобы устал и от страха продрог,
Я тебе преподам твой последний урок.
Я никогда не любил убивать, но иначе не мог.

Я никогда не любил ворожить,
Я никогда не любил воскресать,
Я никогда не любил убивать,
Я никогда не любил,
Но иначе не мог…

 Posted by at 23:59

„Hüter, ist die Nacht bald hin?“

 Fanny Hensel, Schöneberg  Kommentare deaktiviert für „Hüter, ist die Nacht bald hin?“
Feb. 112014
 

Brocken_2014-02-04 11.24.36

„Wo wohnst du? Wo kommst du her? Wie lange spielst du schon Bratsche?“ So fragen mich meine neuen Mitspieler im Kirchenkreisorchester Alt-Schöneberg.

„Ich wohne ein gemächliches 5-Minuten-Moderato vom Dreifaltigkeitsfriedhof entfernt,“, antworte ich,  „wo Felix  neben seiner Schwester Fanny begraben liegt. 7 Minuten sind es von unserer Wohnung an der Fanny-Hensel-Grundschule vorbei bis zum Mendelssohn-Bartholdy-Park mit seinem Ginko Biloba, an dem ich gern das Gedicht Goethes aus dem West-Östlichen Divan rezitiere. Besucht  uns – 10 Minuten lauft ihr  bis zur Leipziger Straße 3, dem heutigen Bundesratsgebäude, wo die Mendelssohns ab 1825 ihr offenes, gastfreudliches Haus führten. Jetzt wisst ihr, wo ich wohne.“

Nach solchen munteren Gesprächen und Rätseln kehrte ich gestern wohlbehalten von einer Orchesterprobe aus Schöneberg nach Kreuzberg radelnd zurück.

Die Aufführung von Mendelssohns Lobgesang am 15. Juni 2014 wird die Wiedereröffnung der alten Dorfkirche Schöneberg preisen. Fast flossen uns Streichern gestern schon die Tränen.

Mendelssohn Bartholdy trifft in seinem „Lobgesang“ op. 52 einen innigen Ton, neu, unverwandt vertrauend wie die sich öffnenden Augen eines erwachenden, staunenden Kindes! Mendelssohn Bartholdy und auch seine Schwester Fanny Hensel sind sozusagen „Christen der ersten Morgenröte“, also Getaufte, deren jüdische Vorfahren noch keine Christen waren. In den Kompositionen der Geschwister, in den Zeichnungen, den Gedichten und Briefen tritt etwas Tastendes, Vorsichtig-Bittendes hervor, also das genaue Gegenteil von dogmatischer Gewissheit!

Dies wurde mir gestern am Beispiel  des mir aus dem Kreuzberger Osten anvertrauten hervorragend klingenden Instrumentes des Mittenwalder Meisters Michael Bitterer wieder klar. Ich finde mich – von der Geige herkommend – tastend, hinhörend in die deutlich größere Mensur der Bratsche hinein. Seit wenigen Wochen erst erschließe ich mir diese gegenüber der Geige doch soviel wärmere, abgründigere Schwester. Bratsche und Geige sind wie Judentum und Christentum, sind eines Stammes, verwandt und doch ganz anders. Die Dimensionen sind andere. Das Wesen ist dasselbe, verschwistert, mindestens ähnlich.

Mendelssohn selbst hat die jüdischen Psalmen und christlichen Schriftworte ausgewählt, kunstvoll ineinandergefügt und durch Musik verflochten.

Hört hier eine besonders herrlich aufstrahlende Stelle:

Wir riefen in der Finsternis:
Hüter, ist die Nacht bald hin?

Tempo I, moderato
Der Hüter aber sprach:
Wenn der Morgen schon kommt,
So wird es doch Nacht sein;
Wenn ihr schon fraget,
So werdet ihr doch wiederkommen
Und wieder fragen:
Hüter, ist die Nacht bald hin?

Hüter, ist die Nacht bald hin? Eine offene Frage!

Aufführung:
Sinfonie Nr.2 „Lobgesang“, F. Mendelssohn-Bartholdy, Sonntag, 15.06.2014, 19:00 Uhr, Dorfkirche Schöneberg

Ausführende:
Neuer Chor Alt-Schöneberg
Kirchenkreisorchester
Solisten
Leitung: Sebastian Brendel

Ort:
Paul-Gerhardt-Kirche

Musik anlässlich der Wiedereinweihung der Dorfkirche.

 Posted by at 23:26

Wandle dich und werde leicht

 Goethe  Kommentare deaktiviert für Wandle dich und werde leicht
Feb. 102014
 
Goethe sagt im „Gesang der Geister über den Wassern“:
Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.
Ständige Wandlung, Nicht-Verharren, das ist das Geheimnis des Lebens.
In dieser Wandlung der Seelen hin zueinander ereignet sich Gemeinschaft.
 Posted by at 16:45

„Zwei Streifen. Schwanger. Panik.“

 Apokalypse, Frau und Mann, Kinder, Mutterschaft, Sexismus  Kommentare deaktiviert für „Zwei Streifen. Schwanger. Panik.“
Feb. 082014
 

„Mach’s. Aber mach’s mit.“ „Gib AIDS keine Chance.“

So der aufmunternde, zupackende Slogan einer großen Präservativwerbungs-Plakataktion der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

AIDS.
Schwangerschaft.
STD  [=Sexually Transmitted Diseases, d.h. Geschlechtskrankheiten].

Geschlechtskrankheiten, Schwangerschaft, HIV – das sind die drei apokalyptischen Reiter der modernen  Sexualität, vor denen auf unseren Straßen klein und groß von Kindesbeinen an gewarnt werden. Die Botschaft, die die staatlichen Stellen verbreiten,  ist klar: Sex ist selbstverständlich und sollte in allen Variationen bedenkenlos zupackend ausgeübt werden, solange und soweit die drei großen Gefahren für das Glück und die Gesundheit der den Sex Ausübenden zuverlässig vermieden werden: Geschlechtskrankheiten, Schwangerschaft und AIDS.

Sex ist gut, soweit und sofern die drei großen Gefahren Schwangerschaft, AIDS und sexuell übertragene Krankheiten zuverlässig vermieden werden. Diese Lehre ist heute zentral verankert  im schulischen Sexualkundeunterricht, auf den Plakaten,  in den Ratgebern und den Broschüren, die reichlich an Kinder und Jugendliche ausgereicht werden.

Neuerdings rückt neben HIV, dem Kindesmissbrauch und den sexuell übertragbaren Krankheiten  die Schwangerschaft wieder als besondere gesundheitliche und soziale Gefährdung der Frau in den Blickpunkt. Lara Fritzsche hat dazu vor wenigen Tagen einen sehr profunden Artikel veröffentlicht. Er fängt so an:

An ihren ersten Gedanken erinnert sich Louisa Bartel noch genau. Sie schämt sich dafür, und doch – das weiß sie – wäre es heute wieder das Erste, was ihr in dem Moment einfiele. Sie hatte den Schwangerschaftstest neben der Toilette auf dem Badewannenrand liegen gelassen und war mit langsamen Schritten einmal die ganze Wohnung abgegangen. Als sie wieder ins Bad zurückkam, waren sicher drei Minuten verstrichen. Das Ergebnis: zwei Streifen, schwanger. Und ihr erstes Gefühl: Panik. Weil sie die vielen alten Ängste alle auf einmal wieder einholen.

Schwangerschaft wird heute in den Medien als etwa Krankmachendes, Angsteinflößendes, die Frau Entstellendes dargestellt. Etwa 10% der Frauen reagieren laut eine Studie der Universität London heutzutage  mit Essstörungen, mit Magersucht, Hungerperioden, Abführmitteln und Darmspülungen auf das medial grundsätzlich abgelehnte  Zustandsbild der Schwangerschaft. Gefragt ist heute die Kaschierung, Verleugnung, Unterbrechung oder ggf. Verkürzung der Schwangerschaft mittels planvollen Kaiserschnitts.

Schwangerschaft – ein unerwünschtes Ereignis. Zwei Streifen=Schwanger=Panik. Eine sehr schöne Erzählung hat zu genau diesem Thema vor wenigen Tagen der junge, in Russland lebende, folglich auf Russisch schreibende Autor Changeant Trapier mit seiner Erzählung Две полоски /Zwei Streifen vorgelegt. Er leuchtet hinein in all die Vorgänge des Erschreckens, des Nicht-Wahrhabenwollens, des Verleugnens, die mit diesem grundsätzlich unerwünschten Zustand der Schwangerschaft einhergehen.  Eine Frau, die ungewollt schwanger geworden ist, sendet dem Erzeuger des Kindes einen Umschlag mit dem Pappträger, auf dem die zwei verhängnisvollen  Streifen zu sehen sind. Wie reagiert nun der Mann? Es lohnt sich, diese sanft und unaufdringlich  auf mehreren Ebenen zugleich spielende Erzählung des französischen Schriftstellers  zu lesen, der für einen Mann eine erstaunliche Einfühlungsgabe in die Psyche einer schwangeren Frau, mehr noch in die Psyche eines ungewollt zum Vater werdenden Mannes  beweist.

Zwei enge Freunde – Reinhard und Gottfried – unterhalten sich von Mann zu Mann über die verräterische Botschaft der zwei Streifen.  Ein Zitat:

Готфрид улыбнулся и вдруг его взгляд упал на картонную полоску, лежащую поверх черновиков статьи, исчирканных пометками Рейнхарда и Вебера. Его рука дрогнула и кофе выплеснулся, обжигая ему пальцы. Готфрид аккуратно поставил чашку между бумагами и ладонь стиснула край стола, так сильно, что костяшки пальцев побелели. Рейнхард знал, что Готфрид не произнесет ни слова, но он прекрасно понимал, что надо спросить, и возможно он сам получит объяснения.

—Марике прислала, ничего не понимаю. Знаешь, что это?

—Да, —через силу трудно проговорил Готфрид, —Знаю.

—И что же? —Рейнхард сделал еще глоток горячего кофе, он знал, что Готфрид не скажет, если не спросить.

Но друг молчал. Рейнхард удивленно поднял глаза, и увидел, что Готфрид бел, как бумажный лист. Не глядя на него, Готфрид отпустил край стола, за который держался так крепко, словно не мог стоять без поддержки, закинул руки за шею и начал наощупь развязывать узел шнура. Развязал.

—Это ребенок, Рейнхард.

Dieser kleine Abschnitt aus der längeren Erzählung zeigt zugleich auch, was hinter der Ablehnung der Schwangerschaft stehen dürfte: die Angst davor, ein Kind in die Welt zu setzen. Ein KIND also! So ein Unfall! Ein vermeidbarer Unfall obendrein. Hinter der Ablehnung der Schwangerschaft dürfte in unseren Gesellschaften  häufig auch die Ablehnung des Kindes stecken. Ein Kind, das bedeutet letztlich das Gefühl, dass etwas ins Leben der Erwachsenen eintreten könnte, das Karriereplanungen, Vorzeigbarkeit und Fitnessprogramme durcheinanderbringt. Hinter dem großen, zu vermeidenden Unfall Schwangerschaft lauert also der größere zu vermeidende Unfall Kind.

Tja, Freunde, so ist das heute. Schwangerschaft ist ein krankheitsähnlicher Zustand, das Kind ein vermeidbarer Zufall oder Unfall. So wird das heute landläufig dargestellt.  So wird es den Kindern und Jugendlichen heute beigebracht.

Ich empfehle den profund schürfenden Essay von Klara Fritzsche über das tausendfach verfestigte Negativ-Image der Schwangerschaft und die subtil fesselnde Erzählung des auf Russisch schreibenden französischen Blog-Autors Changeant Trapier nachdrücklich der Lektüre der unermüdlichen Aufklärer, Warner, Mediziner, Psychologen und Lehrer.

Quellenangaben:

Lara Fritzsche:
Unguter Hoffnung. Süddeutsche Zeitung Magazin, Nummer 5, 31. Januar 2014, S. 8-13

nachzulesen hier:
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/41477

Changeant Trapier:
Две полоски  [„Zwei Streifen“]. Post in trapier.livejournal vom 30. Januar 2014

nachzulesen hier:
http://trapier.livejournal.com/263523.html

 Posted by at 18:01

„Wie gut hörst du?“

 Harzreise im Winter  Kommentare deaktiviert für „Wie gut hörst du?“
Feb. 042014
 

2014-02-04 11.24.44Brocken_2014-02-04 11.24.36Brocken_2014-02-04 11.24.36

Erneut zog es uns heute den Brocken hinan. Kahl, windumtost liegt er vor unseren Augen. Über Omas Schlittenbahn und die Alte Bobbahn, schließlich den Neuen Goethesteig  führt der Weg den Vater und den Sohn hinauf. Der Schnee ist tagsüber geschmolzen und hat sich nachts zu einer Eisschicht verdichtet. Fragen verkürzen die Zeit. Die Beine laufen von alleine.

Das sind wichtige Fragen:

„Kannst du aus 2 km Entfernung hören, ob die Dampflokomotive durch einen Fichtenwald oder durch eine Lichtung im Bergfichtenwald fährt, die Kyrill vor Jahren geworfen hat?“

„Und kannst Du über das Bodetal hinweg hören, wenn der Zug in einen Tunnel einfährt?“

„Kannst du durch dicke Mauern hindurch hören, ob das Wetter umschlägt, während wir im Brockenwirt unsere Erbsensuppe mit Bockwurst essen?“

„Kannst du das Geräusch fallenden Schnees hören?“

„Kannst du das Geräusch schmelzenden Schnees hören?“

 

 Posted by at 22:47

„Ja, ist dir denn gar nichts heilig … nicht einmal …?“ Gegenfrage: „Und was ist DIR heilig?“

 Heiligkeit, Kinder  Kommentare deaktiviert für „Ja, ist dir denn gar nichts heilig … nicht einmal …?“ Gegenfrage: „Und was ist DIR heilig?“
Jan. 282014
 

Immer wieder musste ich mich in politischen Diskussionen heftiger Angriffe erwehren, es sei mir fast nichts heilig, z.B. weder der Euro noch der Länderfinanzausgleich und auch nicht das Recht auf bezahlbaren Wohnraum usw.usw.

Die Frage „Ist Ihnen denn gar nichts heilig, nicht einmal … der Euro/der Länderfinanzausgleich/das Recht auf bezahlbaren Wohnraum  ..  … ?“ hört man immer wieder.

Was ist heilig, unverletzlich, was ist schützenswert, was ist unverletzlich? Ein beliebiges Beispiel aus der Diskussion in Europa! Am letzten Tag des Jahres 2013 führte die Zeitung Le Monde einen sehr kritischen Kommentar zur neuen Debatte über eine mögliche Änderung des Rechts auf Abtreibung in Spanien mit folgenden Worten ein (Hervorhebung durch dieses Blog):

 Si l’Espagne revendique aujourd’hui un rôle pionnier sur les droits des femmes, c’est dans la régression. Le gouvernement conservateur de Mariano Rajoy est en train d‘opérer un virage à 180 degrés sur l’avortement. L’avant-projet de la loi de protection de la vie de l‘être conçu et des droits de la femme enceinte, présenté en conseil des ministres peu avant Noël, supprime purement et simplement le droit des femmes à décider librement d‘interrompre leur grossesse. Ce droit, consacré par une loi entrée en vigueur en 2010, en autorisant l’avortement sans condition de motif jusqu’à la quatorzième semaine de grossesse, avait considérablement libéralisé la législation postfranquiste de 1985.

 

Interessant ist hier die Wortwahl! Das unbeschränkte Recht der schwangeren spanischen Frauen auf Abtreibung wurde 2010  als etwas „Geheiligtes“ (consacré)  ausdrücklich durch Gesetz bekräftigt. Das Recht auf Abtreibung wird im Leitartikel der Monde als absolut schützenswertes Gut gefeiert und mit einer eindeutig religiösen Wortwahl „umschränkt“, also „geheiligt“ (lateinisch sancire = umschränken).  Versuche, das absolute Recht der Frau auf Abtreibung in der spanischen Rechtsordnung  einzuschränken, werden von der Monde als Zivilsationsbruch, als eine Art Rückfall in die Barbarei gebrandmarkt.

Wir schließen daraus: Das Recht auf Abtreibung ist in dieser Wortwahl etwas Heiliges. Auch in säkularen Rechtsordnungen wie der spanischen oder französischen gibt es also oberste, quasi-religiöse Werte, die als absolut schützenswert erachtet, also geheiligt, oder konsekriert werden. Und dazu gehört nach wohl überwiegendem Konsens in Frankreich oder Spanien und wohl auch Deutschland das Recht der Frau, selbst über Geburt oder Nichtgeburt der Leibesfrucht zu entscheiden.

In Deutschland gehört zu den öffentlich sakralisierten Werten die Währung, früher die DM, heute der Euro, der als absolut schützenswerte Grundlage des Wohlstandes durch die Bundestagswahl 2013 erneut konsekriert wurde.

Wir dürfen sagen: Das Recht der Frauen auf Abtreibung, die Erhaltung des Euro wurden diskursiv sakralisiert. Die Selbstbestimmung der Frau über den eigenen Körper, die Erhaltung des Geldes  werden mit einem Tabu belegt, an dem kein Politiker ungestraft rütteln darf.

Was ist heilig? Der Euro, die Feierabendruhe, das Recht der Frauen auf Abtreibung?

Ich sprach vor wenigen Wochen mit einem Freund über das Thema. Er sagte mir nach einem gemeinsamen Besuch eines katholischen Gottesdienstes, in den wir  ein bisschen reingeschnuppert hatten: „Eigentlich hätte ich abgetrieben werden sollen. Mich sollte es nicht geben. Ich lag nicht richtig. Die Ärzte rieten meiner Mutter zur Abtreibung.“ Die Mutter widersetzte sich.  Sie ging zu einem anderen Arzt, der sagte: „Das kriegen wir in der Klinik schon hin.“ Die Mutter folgte dem Rat des zweiten Arztes, die Geburt verlief fast komplikationslos, der Junge wurde zu einem prachtvollen, wider Erwarten gesunden Menschen und ist mittlerweile selber Vater.

Ich kenne viele solche Geschichten. Die Leichtigkeit, mit der Ärztinnen und Ärzte heute in vielen Ländern zur Abtreibung raten, versetzt viele Frauen in eine extreme psychische Notlage. Eine mit mir bekannte  Mutter widersetzte sich einer der zahllosen Untersuchungen, die heute routinemäßig abgespult werden, sobald auch nur eine einzige Risikokategorie erfüllt wird (z.B. hier: Alter der Frau über 35). Die Frauenärztin war empört: „Sie WOLLEN also keine Amniozentese…? Ja,  Ihnen ist es wohl egal, wenn Sie ein behindertes Kind bekommen!? ICH SAG ES IHNEN NUR. Ich muss mich entlasten. Es ist Ihr Risiko.“

Die Frau erzählte mir dies. Wir waren entsetzt. Denn die Komplikationen für Leib und Leben des Embryos, die sich aus einer Amniozentese, also einer Fruchtwasserentnahme, ergeben können, lagen bei der gegebenen „Risikostufe“ statistisch  höher als das Risiko einer schweren Fehlbildung des Embryos. Die Frauenärztin setzte also die eigene „Entlastung“ über die Aussicht des Kindes, ggf. mit einer leichten oder schweren Behinderung geboren zu werden. Bei Vorliegen von Hinweisen auf eine schwere Behinderung hätte die Ärztin zur Abtreibung geraten. Nichts anderes konnte im gegebenen Fall der Sinn der Untersuchung sein. Die Frau widersetzte sich, das Kind der Risikoschwangerschaft kam mit einem APGAR-Index von 10 zur Welt, gehörte also von Geburt an zu den gesündesten überhaupt.

Von den Kindern redet schon gar niemand niemand. Von dem, was die heute übliche Behandlung des ungeborenen menschlichen Lebens als einer Verfügungsmasse der Frau bzw. schlimmer noch der „evidenzbasierten Medizin“ anrichtet, schweigen wir. Viele Kinder wachsen heute im Bewusstsein auf: „Eigentlich könnte es mich auch nicht geben.“

Tja, Freunde, was ist heilig, schützenswert? Das Geld, der Wohlstand, die uneingeschränkte Selbstbestimmung der erwachsenen Menschen über alles das, was mit und im menschlichen Organismus geschieht?

Oder gibt es da noch etwas anderes, was wir als heilig, als unantastbar, als absolut schützenswert erachten?

 Quellennachweis: Avortement: le régression espagnole. Le Monde, Mardi, 31 décembre 2013, Seite 1

http://www.lemonde.fr/a-la-une/article/2013/12/30/avortement-la-regression-espagnole_4341313_3208.html

 

 Posted by at 00:14

Mühle, laß die Arme still!

 Magdeburg  Kommentare deaktiviert für Mühle, laß die Arme still!
Jan. 262014
 

Mühle 2014-01-24 15.13.36Mühle 2014-01-24 15.13.36

 

Mühle laß die Arme still! Hinter dem Dreieck aus Gleisen, dort auf dem Gelände des weithin in Reiseführern genannten „Museums des Verkehrs und der Technik“, hinter dem Zaun halten die beiden Reisenden inne. Eine alte Bockwindmühle harrt dort aus. Wetterfest, trotzig, breitet sie ihre stillgestellten Arme in einen winterlichen Himmel. Frage: Woher kamen die beiden Reisenden? Antwort: Die beiden Reisenden kamen aus einem Dorf in der Magdeburger Börde. Jahrhundertelang angewehte Lößböden brachten Zentner um Zentner an Weizen hervor. Die Börde sicherte Rang und Ruhm der alten, von den Söldnern so grausam geplünderten Stadt, der

„hochgeragten zierde unseres lieben Elbe-fluszes
darauf der boese Feind den Abdruk liesz des Fuszes“,

wie sie der heute weithin vergessene, aus dem Anhaltinischen Krummeneich stammende Dichter Johann Gottfried Klotzsche [* 16.02.1680 (?) Krummeneich – +Kleinherlatiz/Böhmen 28.06.1759] nannte.

Und aus der Magdeburger Börde stammt auch diese alte Bockwindmühle. Nur knapp zwei Stunden, genauer gesagt: 1 Stunde und 53 Minuten, brauchte der Zug von der Hauptstadt Sachsen-Anhalts hierher in die Hauptstadt der ganzen Republik. Nach Berlin. Der Aufbruch geschah aus einem rasch gefassten Entschluss heraus, kaum, dass in einem Bistro in der Nähe des Magdeburger Bahnhofes die erste Tasse Lavazza-Caffelatte hinabgestürzt worden war.

Was wartet auf die beiden Reisenden, die nur einen Tag lang hier in Berlin bleiben werden? Die Zeit ist kurz. Wohin werden die Arme der Mühle ihnen den Weg weisen?

 Posted by at 11:41

Wer ist denn heutzutage noch ein Christ?

 Goethe, Magdeburg, Religionen  Kommentare deaktiviert für Wer ist denn heutzutage noch ein Christ?
Jan. 132014
 

2014-01-03 12.56.54

„Wer ist denn noch heutzutage ein Christ, wie Christus ihn haben wollte? Ich allein vielleicht, ob ihr mich gleich für einen Heiden haltet“. So Goethe zu Kanzer Müller am 7. April 1830.

Ein starkes, schroffes Wort des Alten vom Frauenplan. Er sprach viel und trank nicht wenig. Gleichwohl trifft Goethe, der ewige Ungläubige, der ewige credente und ewige  non-credente, dessen Faust und dessen Mephisto so oft  über die Kirchen ablästerten, den Kern des Christseins.

Ich allein vielleicht.

Die Kraft des Ich! Die Kraft des Alleinseins! Die Kraft des Vielleicht!

Es gibt und muss geben im Grunde des „Ich allein vielleicht“ ebensoviele Spielarten des Christseins, als es Christen gibt. Entscheidend bleibt stets ein Akt des Wählens, eine Tathandlung des „Für-Wahr-Haltens“, ein Schritt des Sich-in-Freiheit-Bindens. Wählen, Für-Wahr-Halten, Sich-Binden-in-Freiheit, das sind die drei Ausfaltungen des alten hebräischen, nur unzureichend ins Griechische, nur unzureichend ins Deutsche übersetzbaren Wortes Glauben.

Ohne diesen persönlichen Glauben ist es alles nichts mit dem gesamten Christentum. Er ist das Alpha und Omega. Die ganze „Dogmatik“, die gesamte „Christologie“, all die „absoluten Wahrheitsansprüche“,  ja die gesamte christliche „Theologie“, die „allgemeine Kirche“, verlieren dann ihren Grund. Dann leeren sich die Kirchen. Und zuletzt werden sie gnadenlos gesprengt, und einige Jahrhunderte oder Jahrtausende menschlicher Geschichte werden gewaltsam weggesprengt, wie in Magdeburg oder Potsdam in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts gleich mehrfach geschehen.
Quelle des Zitats:

Wolfgang Klien: „Er sprach viel und trank nicht wenig“. Goethe. Wie berühmte Zeitgenossen ihn erlebten. Mit 22 Abbildungen. Langen Müller, 2. erw. Auflage, München 2000, S. 34
Bild: eine Krippe vor der Petrikirche in Magdeburg.

 Posted by at 10:25

Tag um Tag deinen Stars nacheifern!

 Das Gute, Vorbildlichkeit  Kommentare deaktiviert für Tag um Tag deinen Stars nacheifern!
Jan. 102014
 

In den letzten Wochen lernte ich von Altenpflegern die rückengerechte Pflege von Behinderten und Alten, die selbst nicht mehr aus eigener Kraft stehen, sitzen, sich hinlegen können: der Helfende muss den eigenen Rücken möglichst gerade halten – dann dem anderen Menschen möglichst nahe kommen, ihn fest mit beiden Armen ergreifen – und ihn dann anheben, aufrichten, hinsetzen, hinlegen usw. Möglichst nie den eigenen Rücken als Hebel nutzen, sondern stets mit Beinen und Armen als Hebeln arbeiten!

Altenpfleger, Erzieher, Grundschullehrer – das sind meine Stars, meine Vorbilder. Von ihnen lerne ich Tag um Tag. Altenpflege – ein wichtiger, schöner, aber auch schwerer Beruf, der viel Fachkunde, Einfühlung und nicht zuletzt auch körperliche Kraft verlangt!

 Posted by at 10:07
Jan. 092014
 

Besonders schlimm um die Schulreinigung steht es in Friedrichshain-Kreuzberg“ (Berliner Zeitung), „Radlerhölle Kreuzberg“ (Tagesspiegel) – mein lieber Heimatbezirk hat in diesen Tagen eine sehr schlechte Presse. Kein Wunder: Das ganze öffentliche Geld wird durch die Bezirkspolitik mit vollen Händen verschwendet und verplempert. Für die Reinigung von Schulen, für gutes, nahrhaftes Mittagessen für die Schulküchen bleibt nichts mehr übrig. Bei den Caterern für Schulessen gilt der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg als Dumping-Kunde, der gnadenlos die Preise gedrückt hat. Bei den Schulen in der Nachbarschaft putzen mittlerweile Eltern und Lehrer, so berichtet es auch die Berliner Zeitung. Eltern mit Schulkindern verlassen die Schulen des heruntergewirtschafteten Bezirks scharenweise.

Bezirkseigene Immobilien (etwa jetzt die ehemalige Gerhart-Hauptmann-Grundschule) hingegen werden einfach dem Verfall preisgegeben. Man lässt seit Monaten einfach Leute wüst und wild drin hausen, die tun und lassen, was sie wollen. Wer trägt die Kosten für diese Sachbeschädigung innerhalb der Grundschule? Oder soll die verwüstete ehem. Gerhart-Hauptmann-Schule ebenfalls durch Lehrer und Eltern gereinigt, gemalert und gewienert werden?

Von den angekündigten Protesten gegen die verfehlte Flüchtlings- und Migrationspolitik ist nichts Vernehmbares eingetreten: keine Konzepte, kein Blick auf die Herkunftsländer, kein Blick auf die Ursachen der Migrationsströme in Afrika. Stattdessen irrwitzige Forderungen, hohle Gesten, endlos wiederholte kommunikative Schleifen. Eine Szene an Kleinkriminellen ist am Görlitzer Platz und in der ehem. Grundschule angefüttert worden und wird durch die schützende Bezirkspolitik in ihrem „Benachteiligtenstatus“ verhätschelt.

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg arbeitet somit an der Sinnentleerung von Politik. Es lässt sich von der Androhung von Gewalt treiben und verwöhnt mal diese, mal jene Klientelgruppe. 

Dasselbe geschah damals mit dem Südflügel im Bethanien.

Der durch sinnlose Geldvergeudung gebeutelte Bezirkshaushalt lässt keinerlei Gestaltung, keinerlei konzeptionelle Politik mehr zu. Über die Jahrzehnte hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sich eine satte, selbstzufriedene Wählerklientel herangefüttert. Man spiegelt sich, man kennt sich, man schiebt sich Projekte, Aufträge, Unterstützung zu. Die ganze Bezirkspolitik, aber auch die Berliner Landespolitik ist eine Art Aquarium, das nur durch die Geldströme der anderen Bundesländer am Laufen erhalten wird. Schaukämpfe der Matadoren ersetzen die echte, schonungslose Analyse politischer Probleme, verhindern, dass auch einmal unbequeme Entscheidungen getroffen werden, federn letztlich den Konfliktcharakter von Politik ab.

Die „arme Sozialkundschaft“, die Heerscharen der Benachteiligten, der Armutsgefährdeten und Hätschelkinder lebt seit Jahrzehnten vergnügt vor sich hin, das Ausmaß der sozialen Hilfen, das nach dem Gießkannenprinzip über den Bezirk herabregnet, verhindert jeden Wandel zu mehr Selbstverantwortung der Bürger, mehr Selbständigkeit der Bürger, mehr Freiheit der Bürger. Ein zähes, klebriges Verwöhn-Aroma prägt die Politik in Friedrichshain-Kreuzberg und auch Berlin. Die Berliner Politik möchte es den Bürgern so nett und gemütlich wie möglich einrichten.

Gerade an Themen wie Schulessen, kulturelle Bildung, Schulsauberkeit, Radverkehr, Umweltschutz, Bildung für kleine Kinder wird hingegen gespart und geknausert.
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/mehr-sauberkeit-an-schulen-eltern-putzen-dreck-in-schulen-weg,10809148,25828832.html

 Posted by at 22:25