„Schamt’s enk!“, oder: Wenn schon fremdschämen – dann richtig!

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Feb. 052013
 

„Bairisch wurde 2009 von der UNESCO auf die Liste der aussterbenden Sprachen gesetzt. Doch gerade die Sprache verbindet uns mit der Heimat und egal wo und was für den Einzelnen Heimat ist, sie mag im Koffer, im Fotoalbum oder vor der Haustüre sein – die Sprache ist und bleibt immer ein Teil von ihr. Allerdings ist Sprache auch ein Teil einer anderen Heimat, einer Heimat, die uns fremd ist, die wir nicht kennen, aber die Heimat des Anderen ist. Da helfen nur Toleranz, Respekt und Zuneigung.“

Gute, treffende, nachdenkliche Worte von Rosemarie Will zum Eingang des Berchtesgadener Heimatkalenders 2013, den wir hier im Familienkreis im preußischen Friedrichshain-Kreuzberg mit großem Gewinn lesen!

Redlichkeit gebietet es allerdings auch in der Blogosphäre, eigene sprachliche und sachliche Fehler einzugestehen. So unterlief uns gestern ein dicker Patzer bei der Pluralbildung von „Scham di“ / „schäme dich, Bayern, dass du die staatliche Kleinstkinderbetreuungsquote so niedrig hast und wertvolle Menschen bzw. Humanressourcen dem Produktionskreislauf vorenthältst!“

Schamt’s eahna ist falsch. Schämt euch, ihr Bayern! muss in gutem gepflegtem Bairisch lauten: „schamt’s enk!“ oder auch „schamt’s aich„.

Zu höhergestellten Damen könnte man sagen:

Schamen’s eahna – schämen Sie sich, dass sie Ihr Kleinstkind selbst betreuen, statt es in professionelle Hände abzugeben.

Und damit für heute auf  Türkisch:

allahaısmarladık

oder, wie der Bayer im preußischen Friedrichshain-Kreuzberg sagt:

Pfüt eahna God!, oder Pfiat aich God!

Gemeint ist ohnehin dasselbe:

Guit scho – „es gilt schon“.

Rosemarie Will: „Grüß Gott“. Berchtesgadener Heimatkalender 2013, Verlag Berchtesgadener Anzeiger, Berchtesgaden 2012, S. 75-89

Bild: Portal der Berchtesgadener Stiftskirche St. Peter und Johannes der Täufer

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Schamt’s eahna! Nur 20% Kinderbetreuungsquote bei Unter-3-Jährigen!

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Feb. 052013
 

Meine beiden Lieblings-Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg haben mit 20% Betreuungsquote bei den unter-3jährigen Kindern fast die hintersten, also die schlechtesten  Plätze unter allen Bundesländern. Sie haben die hohen Erwartungen, die die Bundespolitik in sie setzte, bisher nicht erfüllt. Besser sind Berlin und Brandenburg mit 41% Betreuungsquote, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt (56%) sind die Klassenbesten unter allen Bundesländern! Die hohen Zahlungen der Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg in den Länderfinanzausgleich sind als  eine Art gerechte Bestrafung für die Plan-Untererfüllung zu werten.

Scham di Bayern! Scham di, Schwaben – Schäme dich, Bayern und Schwaben! In beiden Ländern, die ich ja auch aus eigener Lebenserfahrung kenne, werden Kinder zu redlichen, anständigen, fleißigen Menschen erzogen. „Ehre Vater und Mutter!“, „Väter und Mütter: Kümmert euch um eure kleinen Kinder!“, „Du sollst nicht lügen!“, Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst!“, „Du sollst nicht ehebrechen!“,  „Du sollst nicht morden!“, „Bekämpfe Schmutz und Schund in der Zeitschriftenliteratur!“ (=“Steck deine Nase nicht in Sexheftla“)   – derartige Gebote wurden uns damals wohl tausendfach eingeschärft, in die Seele einmassiert! „Familien – haltet zusammen!“, ist ebenfalls überall zu hören.

Wer will, möge Caroline Links 1996 gedrehten Film „Jenseits des Schweigens“ sehen, der in Bayern spielt: lauter kantige, schwierige, aber dem Guten zugewandte, umeinander ringende, füreinander sorgende Menschen!

Ergebnis: schlechte, niederschmetternd niedrige Werte bei der staatlichen Kleinkindbetreuung, ebenfalls sehr niedrige Werte bei Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Schulversagern, ebenfalls niedrige Werte bei Umweltverschmutzung, aber hohe Werte bei Produktivität, Innovation und Wirtschaftskraft in den beiden Südstaaten.

Niederschmetternd auch: der Bundesratspräsident Winfried Kretschmann und seine Ehefrau lassen es zu, dass eine eigentlich durchaus aufgeklärte, linksliberale Zeitung wie die Süddeutsche Zeitung geradezu ein Andachtsbild der christlichen Ehe, der christlichen Familie zeichnete – dieses Blog berichtete. „Ich musste mich um unsere drei Kinder kümmern, ich kann kochen und backen, ich bin nur die Mutter meiner drei Kinder“, so etwa Gerlinde Kretschmann. Es entsteht hier wie überall sonst in Bayern und Baden-Württemberg immer wieder der Eindruck, als sei die traditionelle Familie mit Vater, Mutter, mehreren Kindern und Verwandten der ideale Rahmen, um Kinder zu glücklichen, lebensfrohen und tüchtigen Menschen zu erziehen.

Dabei scheint viel dafür zu sprechen, dasss es das beste ist, wenn die Kinder bis zum Alter von etwa 3 Jahren von ihrer Mutter oder einem Mutter-Ersatz, also einer weiblichen Pflegerin oder Hegerin,  in einem  familienähnlichen Rahmen erzogen werden, in einer „Kinderstube“ behütet und beschützt werden, wie das die Zoologen nennen.

Erst im Alter von etwa 3 oder eher 4 Jahren sind die Kinder dann gefestigt genug, um täglich mehrere Stunden außerhalb der Kinderstube zu verbringen.

Tja, Freunde, genau so sehe ich das auch – im Gegensatz zu allen im Bundestag vertretenen Parteien. Die Steigerung der außerhäusigen Kleinstkindbetreuungsquote hätte niemals zum erklärten Planerfüllungsziel der Familienpolitik werden dürfen.

Ich halte es für verheerend, wenn die Politik sich anmaßt, eine staatliche Betreuungsquote, eine Soll-Größe für außerhäusige Betreuung der unter 3-Jährigen als Ziel festzusetzen. Besser ist es, wenn die Familie enger zusammenrückt und um des Glückes der Kinder willen materielle Einbußen erleidet. Das ist meine Meinung. Notfalls leiden halte die Karrieren der Väter oder der Mütter.

Mit materiellen Anreizen die viel zu niedrige Kinderzahl erhöhen zu wollen, ist ein Irrweg. Nein, wir müssen es wieder lernen, dass die auf Kinder hin sich erweiternde Ehe und die Familie, also die natürliche, in den ersten 2-3 Jahren aufgebaute und dann lebenslang gefestigte  Verbundenheit zwischen Eltern und Kindern  der Ursprung und der Keim des gesellschaftlichen Zusammenhaltes ist.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bericht-zur-familienpolitik-befeuert-wahlkampf-um-kindergeld-und-co-a-881370.html

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„Heizpilze bleiben verboten!“, oder: „Klimaschutz geht vor Eigennutz“

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Feb. 042013
 

Artenschutz geht vor Eigennutz!

Spannend! Im Berchtesgadener Heimatkalender des Jahres 2013 gibt es eine Geschichte über die Ansiedlung bzw. Wiederansiedlung des edlen Steinwildes und den Naturschutz in der Röth, einem hochgelegenen Almgebiet oberhalb des Obersees in den Berchtesgadener Alpen, gegen den Willen der Bevölkerung durch den Nazi im grünen Rock, den damaligen Reichsforst- und Reichsjägermeister Hermann Göring durchgedrückt. Die Bevölkerung wollte zwar 1935 die Berge weiterhin als Wirtschaftsraum für Almbeweidung und Wandertourismus nutzen, der Reichsgrüne Göring verlangte aber herrisch Flächenstilllegung, Wiederansiedlung bedrohter Arten, Naturschutz. „Artenschutz geht vor Eigennutz“, lautete ein Wahlspruch der Nationalsozialisten, und bereits 1934 ordnete Göring gegen die Interessen der Wanderer und Almbauern an, „dass die Röth zum Naturschutzgebiet besonderer Ordnung erklärt wird.“ Umfangreiche Nutzungs- und Wegeverbote wurden durch das Bezirksamt Berchtesgaden verhängt. Die Natur, das edle, das rassige Wild durfte durch schnödes Wirtschaften des Menschen nicht gestört werden! Naturschutz war in den Augen der Herrschenden wichtiger als wirtschaftliche Interessen der Berchtesgadener Einheimischen.

Unser im Juli 2012 geschossenes Bild zeigt einen Blick über den herrlichen Obersee hin, genau auf jene Röth hin, wo der „Steinbock“ oder das Steinwild, wie der Waidmann sagt (capra ibex), 1935 in einem speziellen Artenschutzprogramm wieder ausgewildert wurde.

Sehr oft habe ich mich mit der Generation meiner Väter über die Grundgedanken der Ökologie und des Umweltschutzes gestritten und unterhalten. Wie die meisten Jugendlichen und die meisten Bildungsbürgersöhne neigte ich innerlich den Grünen zu. Ich fasse meine Erkenntnisse aus den damaligen Gesprächen vorläufig so zusammen:

Mit dem ganzen Geraune von Naturschutz, Schutz der Heimat, Umweltschutz, Klimaschutz, Reinhaltung des Mutterbodens, Schutz vor Verseuchung der Erde usw. konnte sie, die erste Nachkriegsgeneration, die Generation der Söhne und Töchter der Nazis,  – exemplarisch verkörpert in der neugegründeten CDU/CSU – nichts mehr anfangen.  Die Väter von der CSU und CDU sagten mir:

„Am wichtigsten war nach Krieg, Massenmorden und Vertreibung, dass wieder Recht und Gerechtigkeit einkehrten. Die Menschenrechte waren ja 1918-1947 durch die sowjetischen Kommunisten und die europäischen Nazis mit Füßen getreten worden. Die Nazis und die Kommunisten huldigten einem Gewaltideal, das sie als Naturideal ausgaben: das herrische Raubtier Nietzsches blitzte einerseits aus dem Auge des arischen Naturburschen auf.  Die unterdrückte Kreatur, der Naturmensch, der Proletarier eines Karl Marx, setzt sich andererseits gegen den ruchlosen Unterdrücker, den Kapitalisten zur Wehr – dieses Bekenntnis zur unvorgreiflichen Natur einte Kommunisten und Nationalsozialisten. Damit wollten wir aufräumen. Wir wollten vor allem die Einhaltung der Menschenrechte, wir wollten vor allem Rechtsstaatlichkeit. Wir brauchten nach Kriegen, politischen Massenmorden und Vertreibungen vor allem Frieden und Häuser, Straßen, Schulen, Arbeit und Brot, etwas zu beißen! Ganze Lehrergenerationen waren durch die Nazis im Westen Europas und die Kommunisten im Osten Europas vernichtet worden – der Naturschutz musste selbstverständlich im Vergleich zum NS-Regime, das unleugbar Beispielhaftes im Bereich des Natur- und Landschaftsschutzes geleistet hatte, deutlich zurücktreten. Auch für die ideologische Aufarbeitung der NS-Zeit blieb keine Zeit. Wir Deutschen wollten Schluss machen mit allem, wofür die Nationalsozialisten und die Kommunisten standen, unter anderem mit dem Kult der Natur und dem Kult der Gewalt. Daraus entstand die Bundesrepublik Deutschland, die sich zu den unverletzlichen Menschenrechten und den ewigen Freiheitsrechten aller Menschen bekannte, nicht hingegen zu einer ewigen oder heiligen Natur, nicht zu einem heiligen Boden, und am allerwenigsten zu einem Blut der Rasse!“

Soweit das Grundgerüst der Argumente, die ich in meiner Kindheit und Jugend immer wieder hörte. In der Politik der 50er und 60er Jahre spielte der Naturschutz nur eine untergeordnete Rolle.

Die Grünen, also die geistig-politischen Enkelinnen und Enkel der Nazis, haben beginnend in den späten 70er Jahren, einige alte, wesentliche Bestandteile der nationalsozialistischen Ideologie und der nationalsozialistischen Politik wiederbelebt und wieder aufgegriffen, insbesondere

– den Grundsatz der ganzheitlichen Bestandspflege,
– den nachhaltigen Ansatz des Natur- und Umweltschutzes, verkörpert insbesondere im bahnbrechenden  deutschen Reichsnaturschutzgesetz von 1935,
– die Reinhaltung des heimatlichen Bodens vor der Verseuchung, wobei Verseuchung des Bodens in den Augen der Nationalsozialisten durch naturferne, artfremde, „zersetzende“, „spaltende“ „Rassen“ erfolgte, 3 Jahrzehnte später bei den Grünen  durch die naturwidrige, „zersetzende“, „spaltende“ Atomkraft bewirkt wurde.

Auch die Selbstermächtigung durch die Lehre vom „Ausnahmezustand“, wie sie der maßgebliche NS-Rechtstheoretiker Carl Schmitt entwickelt hatte, taucht ansatzweise bei den Anti-Atom-Bewegungen, bei der westdeutschen Friedensbewegung und dann – in geradezu reinrassiger Wiedergeburt – bei den linken Terroristen der Roten Arme Fraktion (RAF) wieder auf.

Bei den recht zahlreichen einsichtsfähigen, akademisch gebildeten Grünen-Politikern wie etwa Jürgen Trittin sind diese Strukturanalogien zwischen nationalsozialistischem Naturschutzgedanken und ökosozialistischem Klimaschutzgedanken durchaus bekannt. Die recht zahlreichen einsichtsfähigen Grünen wären möglicherweise durchaus bereit zuzugeben: „Es war ja nicht alles schlecht, was die Nazis eingeführt haben. Denn Mülltrennung, ganzheitlicher Naturschutz, Artenschutzprogramme, Wiederansiedlung ausgerotteter Arten, Grundsatz des Naturschutz geht vor Eigennutz, Flächenstilllegung, Schutz des Bodens vor Verseuchung – das sind alles Dinge, die in der Tat die Nationalsozialisten in Deutschland auf breiter Front eingeführt haben. Das haben wir Grünen – so schmerzhaft dies ist, so sehr wir uns von den Nazis unterscheiden – von den Nationalsozialisten und den italienischen Faschisten unbewusst übernommen. “

Der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin drückte dies höchst diplomatisch, aber doch unumwunden 2002 so aus:

(E)s gab eigentlich keinen Punkt, an dem Naturschutz und Nationalsozialismus ideologisch grundsätzlich unvereinbar waren.

Es ehrt den ehemaligen grünen Umweltminister, dass er bereit ist, maßgebliche Traditionen seiner Partei bis in die Jahre 1933-1945 zurückzuverfolgen. Die frühere Anti-AKW-Politik, die Klimaschutzpolitik der heutigen Grünen trägt leider in der Tat gewisse manichäische, welterlösende, pathetische und diktatorische Züge – etwa dann, wenn behauptet wird, der Klimaschutz sei die alles überragende Aufgabe der heutigen Politik, dem alles andere unterzuordnen sei.

Keineswegs sei aber hiermit behauptet, die Grünen seien ebenso gefährlich wie die Nationalsozialisten. Nur einen gewissen apodiktischen Starrsinn, eine alles wegwischende, autoritäre Geste, die wird man den Grünen durchaus zusprechen können.

Hierfür ein beliebiges Beispiel:

„Heizpilze bleiben verboten!“ So wörtlich und allen Ernstes unser herrisches Bezirksamt 2010. Klimaschutz geht vor Eigennutz der Restaurants! Mit dieser Begründung verhängten Grüne und Rote  in unserem Bezirk 2009 ein klimapolitisch begründetes Verbot der Aufstellung von Wärmestrahlern im Freien, denn „ein Heizpilz belastet das Klima genau so stark wie ein PKW“.

Trockenen Auges gesteht allerdings der Bezirksbürgermeister Schulz von den Grünen im selben Jahr: „Ich fahre gern Fahrrad, aber ich fahre auch  Auto. Das ist für mich kein Gegensatz.

Da stellt sich doch die Frage: Wäre es nicht angebrachter, zielführender, ehrlicher, die hunderttausenden von klimapolitischen rollenden GAU’s, die gesundheitsgefährdenden erdölgetriebenen PKWs in Friedrichshain-Kreuzberg zu verbieten – oder mindestens dem Radverkehr wenigstens annähernde Gleichrangigkeit mit dem Autoverkehr in Friedrichshain-Kreuzberg einzuräumen – statt die lumpigen paar Heizpilze zu verbieten, die klimapolitisch völlig unerheblich sind, aber ein paar Euros mehr in den Steuersäckel gespült hätten?

Naturschutz und Nationalsozialismus - Radkau, Joachim / Uekötter, Frank (Hgg.)

 Wissenschaftliches Schrifttum:

Radkau, Joachim; Uekötter, Frank (Hg.): Naturschutz und Nationalsozialismus. Campus Verlag, Frankfurt/New York 2003, Trittin-Zitat hier: S. 38

Heimatkundliches Schrifttum:

Pressemitteilung des Bezirksamtes: „Heizpilze bleiben verboten!“ http://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/aktuelles/pressemitteilungen/archiv/20100714.1105.302973.html
Günther Gödde: Wie das Steinwild in der Röth bei Berchtesgaden eingebürgert wurde. Eine heimatkundliche Betrachtung. In: Berchtesgadener Heimatkalender 2013, Verlag Berchtesgadener Anzeiger, Berchtesgaden 2012, S. 75-89
http://berchtesgadener-heimatkalender.de/b/Original_Berchtesgadener_Heimatkalender.html
Spannende Prozesse rechts und links der Spree.“ Im Gespräch mit Bezirksbürgermeister Dr. Franz Schulz. In: Friedrichshain-Kreuzberg. Ein Bezirk mit vielen Gesichtern. 2009/10.  Berlin 2009, S.1-2, hier S. 2 [Bezirksbroschüre]

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„Wenn das der König wüsste!“, oder: Warum ist Radfahren in Kreuzberg immer noch lebensgefährlich?

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Feb. 042013
 

 

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„Berlin wird grüner und gesünder, etwa durch mehr Fahrradstraßen und Radstreifen auf großen Straßen wie der Skalitzer. Dort ist es auf dem Rad lebensgefährlich. Die Grünen wollen das nun ändern.“

http://www.taz.de/!60594/

Hört hört! Das ist eine klare Aussage eines bekannten VW-Touran-Fahrers (er braucht den Touran einfach für den Wahlkampf) aus dem Jahr 2010 (!), der kürzlich wieder von der andächtig ergebenen Gemeinde zum Bundestagskandidaten gewählt wurde. Es ist doch so viel Platz für Radverkehrsanlagen in der Skalitzer Straße, am Halleschen Ufer, am Tempelhofer Ufer!  Die regierenden Grünen hatten in Kreuzberg, wo sie die Hegemonialen sind, doch so viel Zeit! Wieso gefährdet grüne Verkehrspolitik weiterhin mutwillig die Radlerleben an so vielen Stellen? Wenn das Kandidat erführe!

Bild: Hallesches Ufer, Kreuzberg, Aufnahme vom Januar 2013. Massig Platz für den VW Touran!

 

 

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„Europäer! Die Deutschen waren euer Unglück!“ Oder: Ist Deutschland das metaphysisch gezeichnete Trägervolk des Bösen ab 1914?

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Feb. 032013
 

Ich schaue gerade in diesen Minuten die spannende BBC-Dokumentation auf VOX „Die Geschichte des Menschen“ – hier werden Geschichtsbilder für ca. 500 Millionen Zuschauer weltweit geprägt. Bezeichnend: Die Alleinschuld am 1. Weltkrieg wurde soeben in diesen Minuten wieder einmal Deutschland zugeschrieben. Wider gesicherte historische Einsicht (Christopher Clark Sleepwalkers!) wird allein „Deutschlands Griff zur Weltmacht“ als Auslöser für die größten Katastrophen des 20. Jh. geschildert. Die russische Oktoberrevolution wird hingegen als „erste sozialistische Staatsgründung“ gefeiert. Von den Greueln der Oktoberrevolution, von GULAG, von den zweistellig millionenfachen Massenverbrechen der sowjetischen Kommunisten kein Wort! Deutschland erscheint in dieser BBC-Dokumentation ab 1914 wieder einmal als metaphysisch gezeichnetes Trägervolk des Bösen. Dennoch herausragend gut gemacht! Sehenswert! Aber Deutschland droht 2013/2014 die geschichtspolitische Debatte um Europas Vergangenheit und die Zukunft der EU komplett zu verlieren. Fast alles Übel von 1914 an wird auf die Deutschen abgeladen. Es ist ein völlig einseitiges Geschichtsbild, das stets zu Lasten Deutschlands gemalt wird. Das sollten wir so nicht stehenlassen.

Immer wieder schimmert durch: „Europäer! Die Deutschen waren euer Unglück! Deshalb müssen wir sie  vorsorglich binden!“ Dieser Refrain – so falsch er ist – wird dennoch unterschwellig wieder und wieder gesungen.

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Als Mann und Weib schuf er sie, oder: Subtilen Alltags-Sexismus erkennen und benennen!

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Jan. 302013
 

VND SCHUFF SIE EIN MENLIN VND FREWLIN. So übersetzt Martin Luther. „Männlich und weiblich schuf er sie“, würden wir heute mit Rita Maria Steurer wohl übersetzen. Ein Kernsatz der naturgegebenen Unterschiedlichkeit von Mann und Frau, an der die moderne Geschlechterforschung – „Gender studies“ – seit etwa 1970 und nicht ohne Erfolg rüttelt!

Ein Beispiel für den subtilen, jahrtausendealten Alltags-Sexismus der herkömmlichen Rollenaufteilung, der letztlich nach der Lehre des strengen Gender Mainstreaming zur Unterdrückung der Frau und des Mannes führen muss, liefert heute wieder einmal die Süddeutsche Zeitung auf Seite 10.

Ich durfte die drei Kinder nicht allein lassen„, erzählt die Ehefrau, hier Gerlinde genannt. Und deshalb spielte  die Politik nur die zweite Geige im Leben der Ehefrau, während der Ehemann, hier Winfried genannt,  groß herauskommen durfte. Typisch Mann, typisch Frau! „Ich kann gut backen und kochen„, „ich bin nur die Mutter meiner drei Kinder„. Wir sehen:  Erkennbar ordnet die Ehefrau die Politik und überhaupt die Außenwirkung, das ganze „Groß-Herauskommen“ dem Wohl der Kinder und der Familie insgesamt unter. Die Frau ist stolz auf ihre Rolle als Mutter. Die ganze Politik spielt im Leben der Frau nur die zweite Geige. Die Familie spielt die erste Geige. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, wenn man ihr unterstellt: Solange es der Familie insgesamt gut gut, geht es auch der Ehefrau und Mutter gut. Den Kindern geht es schlecht, wenn sie alleingelassen werden.

Und umgekehrt haben auch uns alle Mütter, denen wir lauschten, immer wieder erzählt: „Wenn es meiner Familie oder einem meiner Kinder schlecht geht, kann ich nicht ruhig sein. Immer muss ich mir dann Sorgen machen. Und die Kinder MERKEN das gar nicht.“

Sehr aussagefähig auch das Foto: Die Frau steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden, sie hält und stützt den Mann. Der Mann darf ausgreifen, er darf „ins Leben schreiten“. Sie bewahrt ihn mit festem Griff vor alten Fehltritten, etwa vor seinen  alten Schwärmereien für einen der drei großen, überragenden Diktatoren des 20. Jahrhunderts: Stalin, Mao, Hitler.

Die Schwärmerei für jedweden der drei großen Gewaltherrscher des 20. Jahrhunderts – wie gesagt: Hitler, Mao, Stalin – ist die Verlockung, von der die Frau den Mann zurückholt. Die Frau und Mutter hegt also „die ewigen Güter der Menschheit“, wie dies der Erzkatholik Konrad Adenauer im Jahr 1946 ausdrückte.  Der Mann soll der Frau gehorchen, und er soll nach dem Willen der Frau dem Kult der Gewalt und der Macht, dem Stalin, Mao und Hitler huldigten, widersagen. Die Frau und Mutter soll dem Mann seine Anbetung des falschen Ersatz-Götzen Mao „persönlich ausgetrieben“ haben. Die Frau, das „Ewig-Weibliche“ gewissermaßen, wie es ein heute weithin belächelter hessischer Heimatdichter sagte, wirkt lehrend, bessernd, begütigend, sittigend, erziehend auf den Mann ein:

Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.

Der Mann darf hinaus ins feindliche Leben, darf wirken und streben nach Macht und Einfluss, wie es bei einem heute deutschlandweit belächelten schwäbischen Heimatdichter heißt.  Und siehe da – er schafft es auch. Das Volk liebt diese jahrtausendealte Rollenaufteilung.

Der Mann muß hinaus
in’s feindliche Leben,
Muß wirken und streben
Und pflanzen und schaffen,
Erlisten, erraffen,
Muß wetten und wagen
Das Glück zu erjagen.

Denn das Volk weiß es zuinnerst:  So soll es sein, so war es ja auch jahrtausendelang. Etwas Besseres ist bisher nicht gefunden. Gleichberechtigung der Frau – ja! Völlige Rollenangleichung von Mann und Frau, völlige Vermischung und Verwischung der Rolle von Mutter und Vater – nein! Das will das Volk nicht. Das Volk ist nicht bereit, den Lehrerinnen des Gender-Mainstreaming – etwa in Gestalt einer Judith Butler – zu folgen.

„Des is abr a a runterg’rissener Katholik“, sagt man bei uns im Bairischen, wenn man meint: „Dieser ist aber auch ein Erzkatholik, er ist aber auch ein Katholik bis in die Knochen.“

Die Süddeutsche Zeitung liefert heute auf S. 10 das „runterg’rissene Bild“  der frommen katholischen Ehe, der konservativen christlichen Familie in Schrift und Abbild. Das Volk liebt das. Das Volk will das. So ist es recht. So ist es in der Ordnung. So kann man das ohne jede Änderung als Denkanstoß für die Kinder in den katholischen und evangelischen und islamischen und jüdischen Religionsunterricht und in den Ethik-Unterricht der frommen Atheisten übernehmen. Man muss nicht daran glauben. Aber man sollte es einmal überlegen.

Ich meine, frau sollte diesen gutartigen, gleichwohl höchst kunstvoll gestalteten, diesen subtilen Alltags-Sexismus nicht in Bausch und Bogen verdammen und verbannen, selbst wenn frau nur eine einfache Friedrichshain-Kreuzberger Bürgerin ist.

Konrad Adenauer: Rede in der Aula der Universität Köln am 24. März 1946. http://www.konrad-adenauer.de/index.php?msg=4501
Judith Butler: Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity. With an introduction by the author. Second edition. Routledge Classics, New York and London, 2007
Roman Deininger: „Ich seh‘ mich nicht als Dame“, Süddeutsche Zeituung, 30.01.2013, S. 10
Johann Wolfgang Goethe: Faust. Texte. Herausgegeben von Albrecht Schöne. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 1999, S. 464
D. Martin Luther: Die gantze Heilige Schrifft. Deudsch auffs new zugericht. Wittenberg 1545, I. Buch, C. I, 27
Friedrich Schiller: Das Lied von der Glocke. In: Das deutsche Gedicht. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Herausgegeben von Wulf Segebrecht unter Mitarbeit von Christian Rößner. S. Fischer Verlag, o.O.2005, S. 167-178, hier S. 170
Rita Maria Steurer: Das Alte Testament. Interlinearübersetzung Hebräisch-Deutsch und Transkription des hebräischen Grundtextes nach der Biblia Hebraica Stuttgartensia 1986, Hänssler Verlag Neuhausen-Stuttgart 1989, S. 8

Bild: Die Natur, wie Gott sie schuf. Im Nationalpark Berchtesgadener Alpen.

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„Was haben sie euch deutschen Männern denn ins Frühstück getan“?

 Das Böse, Deutschstunde, Frau und Mann  Kommentare deaktiviert für „Was haben sie euch deutschen Männern denn ins Frühstück getan“?
Jan. 282013
 

Ehe ich meine spätere russische Ehefrau kennenlernte, schaute ich schon einmal hin und wieder einer anderen Frau in die Augen. Keineswegs beschränkte ich mich damals in der grauen Vorzeit nur auf deutsche Frauen. Nein, jede Gelegenheit, die Kenntnisse fremder, insbesondere mediterraner Kulturen zu erweitern, nutzte ich umfassend!

Oft kam es auch zu freundschaftlichen Gesprächen über die Themen von Biene und Blume, Mann und Weib. „Ihr deutschen Männer seid irgend wie so – sanft, so unselbständig, so feminin – es gibt keine andere Nation, bei denen die Männer so oft verweichlicht und verweiblicht sind! Brrr!“, quoll es in einem heiteren Moment aus einer südländischen Freundin hervor: „Die Softies, das sind die schlimmsten, das sind die unerträglichsten – eine Zumutung für jede Frau aus Fleisch und Blut“, schwor sie mir Stein und Bein.

Ich stotterte: „Ja, weißt du … die deutsche Geschichte …  DAS waren doch auch alles deutsche Männer, deutsche Väter, deutsche Schwiegersöhne …  eigentlich darf man danach kein Mann und auch kein Deutscher mehr sein und auch kein Gedicht mehr schreiben … diese ewige Schuld … ein deutsches Neuter , ja … bla bla ……   bla bla bla … Depotenzierung des Vaters, Delegitimierung des Männlichen … bla bla bla …“

Ist da was dran? Ich denke schon. Siehe nur die neueste Debatte über die Anzüglichkeiten eines Politikers, dessen Annäherungsversuche bei der STERN-Journalistin nicht auf Gegenliebe stießen.

Gleich heulen das deutsche Weib und der deutsche Mann im Unisex-Klagegesang auf! „Was für ein schlimmer Mann!“

Was haben sie euch deutschen Männern ins Frühstück getan? Stimmt etwas nicht mit euch?“

Alexandra Fröhlich, mit deren Buch ich mich kürzlich eine ICE-Fahrt lang unterhielt, bestätigt diese häufige Einschätzung ausländischer Frauen, wonach der deutsche Mann zum Zagen und Zaudern neige.  In „Meine russische Schwiegermutter“ springt Alexandra Fröhlich  den Aussagen meiner Freundinnen aus früheren Zeiten bei. Artjom heißt der Mann der Träume, der so ganz anders ist als der deutsche Mann. Er trägt einen cremefarbenen Anzug, ein offenes Hemd und eine goldene Panzerkette. Er ist noch ein richtiger Mann. Wohltuend für eine Frau, die noch Frau sein will.

Recht wohltuend im Empörungsgeschnatter ist auch Erika Steinbach. Sie hat recht. Sie hat Humor: „Mein Mann wurde von einer 70jährigen Jungfrau belästigt!“ Er hat es überlebt.  Und damit ist es gut mit dem Thema.

Lies:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article113181532/Mein-Mann-wurde-von-70-jaehriger-Jungfrau-belaestigt.html

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Karel Schwarzenberg – der moralische Sieger der Präsidentenwahl

 Adolf Hampel, Vergangenheitsunterschlagung, Vertreibungen  Kommentare deaktiviert für Karel Schwarzenberg – der moralische Sieger der Präsidentenwahl
Jan. 282013
 

Mehrfach bezeugte ich in diesem Blog meine tiefe Sympathie für das Herkunftsland meiner väterlichen Vorfahren, das ich mehrfach bereist habe und dessen Sprache ich mir mehr schlecht als recht angeeignet habe: die heutige Tschechische Republik bzw. die frühere Tschechoslowakei.

Aus dem hessischen Hügelland erreicht dieses Blog soeben ein Gastkommentar zum Ausgang der tschechischen Präsidentenwahl. Verfasser ist Prof. Dr. Adolf Hampel. Wir geben den Kommentar unverändert wieder und stellen ihn zur Diskussion:

Der amerikanische Historiker R.M. Douglas  stellt in seinem Buch „Ordnungsgemäße Überführung“ fest: „Während die Geschichte der Vertreibungen in  Deutschland  zu wenig bekannt ist, kann man für den Rest der Welt ohne Übertreibung sagen, dass sie bis heute  das am besten gehütete Geheimnis des Zweiten Weltkriegs ist.“ Während die deutschen Regierungen geflissentlich alles tun, dieses Geheimnis zu erhalten, hat der unterlegene tschechische Präsidentschaftskandidat Karel Schwarzenberg das Tabu um dieses Geheimnis gebrochen, indem er erklärte, dass die Vertreibung der drei Millionen Sudetendeutscher ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit war.  Bereits Jan Sokol hatte durch sein Eintreten für die geschichtliche Wahrheit gegenüber seinem Rivalen, dem noch amtierenden Präsidenten Vaclav Klaus, den Kürzeren gezogen.

Karel Schwarzenberg ließ sich durch diese Erfahrung nicht beirren und vertraute auf die Losung der tschechischen Präsidentenflagge „Die Wahrheit siegt.“ Durch seine Kritik an Edvard Benes und dessen Dekrete hat er die Wahl verloren. Wieder einmal in der Tschechischen Geschichte hat mit Milos Zeman die Lüge gesiegt.

Auch nach über 70 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg findet eine Mehrzahl der Tschechen Gefallen an den antideutschen Attacken beider Präsidenten, Klaus und Zeman. Dahinter verbergen sich Traumata, denen nur schwer beizukommen ist.

Das von Klaus und Zeman repräsentierte kollektive Bewusstsein kann es sich offensichtlich nicht verzeihen, gegen das Naziregime keinen überzeugenden Widerstand geleistet zu haben, obwohl die Tschechoslowakei eine der stärksten Verteidigungslinien Europas und eine gut gerüstete Armee hatte. Der Nachholbedarf an Widerstand war schon eine der Ursachen  für die grauenhaften massenhaften  Exzesse unmittelbar nach dem Krieg. Die Tschechen müssen damit leben, dass sie es  – wie die Deutschen und Österreicher, aber im Unterschied zu Polen, Russen, Franzosen, Italienern und anderen, vor dem Mai 1945 nicht zu einer Partisanenbewegung  gegen das Naziregime gebracht haben.-

Durch die Entrechtung  und Vertreibung der Sudetendeutschen sollte dieser Nachholbedarf an Widerstand gedeckt werden. Zeman hat dafür eine robuste Erklärung: „Nach dem tschechischen Recht haben viele von ihnen Landesverrat begangen, ein Verbrechen, das nach dem damaligen Recht durch die Todesstrafe geahndet wurde. Auch in Friedenszeiten. Wenn sie also vertrieben oder transferiert wurden, war das milder als die Todesstrafe.“

Das Bedenkliche an Zemans politischer Moral ist, dass er nicht nur geschehene Vertreibungen rechtfertigt, sondern Vertreibungen auch heute noch für ein probates Mittel der Politik hält. Er empfiehlt Israel zur Lösung des Palästinenserproblems, das tschechische Modell der Massenvertreibung anzuwenden. Es habe sich zur Lösung der Sudetenfrage bestens bewährt. Die deutschen Regierungen haben sich überraschend schnell damit abgefunden. Nachdem Zeman wieder einmal diese seine politische Moral vorgetragen hatte, besuchte ihn Außenminister Joschka Fischer. Er kam mit der Botschaft zurück: „Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei waren noch nie so gut wie heute.“ Diese Einschätzung wurde in Folge von Bundeskanzler Schröder und Bundeskanzlerin Merkel  nach Besuchen in Prag mehrfach wiederholt.

Viele Pioniere der deutsch-tschechischen Verständigung sind zutiefst enttäuscht. Die Erwartungen, die sie jahrzehntelang bewogen, unter Risiken und Opfern den Kontakt mit tschechischen Demokraten zu suchen und zu pflegen, sind nach dem Zusammenbruch des Kommunismus nicht in Erfüllung gegangen. Ihre Erwartungen zielten nicht auf eine Rückgabe von Hab und Gut. Sie wehren sich aber dagegen, dass die Einsicht in die Unumkehrbarkeit der Geschichte zu einer Rechtfertigung vergangener Verbrechen pervertiert wird.

Gerade dazu ermuntern Aussagen und Publikationen der deutschen Regierungen. Im Auftrag des Auswärtigen Amtes wurde 2005  die maßgebliche Informationsschrift für das Ausland in 14 Sprachen „Tatsachen über Deutschland“ veröffentlicht. In 10 Kapiteln werden auf 184 Seiten wichtige Punkte der deutschen Wirklichkeit behandelt. Zur Tatsache von 15 Millionen Vertriebenen und Flüchtlingen begnügt sich die Schrift mit folgender Feststellung: „Die ostelbischen Rittergutsbesitzer, die mehr als jede andere Machtelite zur Zerstörung der Weimarer Republik und zur Machtübertragung an Hitler beigetragen hatten, verloren Grund und Boden“ (S.43).

Besser hätte es Zeman auch nicht sagen können.

Karel Schwarzenberg hat mit seinem mutigen Auftreten  im Wahlkampf einen moralischen Sieg nicht nur über Zeman  errungen, sondern auch über deutsche Politiker, die aus Ignoranz, Feigheit oder Böswilligkeit Tatsachen über Deutschland verdrehen und verschweigen.

Prof. Dr. Adolf Hampel

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Sich vom Kind führen lassen! Preisträgerkonzert Jugend musiziert Berlin-Mitte

 Kinder, Musik, Nachtigall, Singen  Kommentare deaktiviert für Sich vom Kind führen lassen! Preisträgerkonzert Jugend musiziert Berlin-Mitte
Jan. 272013
 

Und so betrat sie die Bühne, die fünfjährige Anna-Tessa, setzte sich, griff sich ihr Cello, holte sich den Raum, holte sich die Aufmerksamkeit des Begleiters und setzte den Bogen zu Stücken von Bohuslav Martinů und Alexander Gretchaninov an. Und ein kleines Wunder geschah, ein Wunder wie immer dann, wenn der kleine, unscheinbare Mensch uns zeigt, was wir in uns entdecken können, wenn wir dem Kleinen im Menschen Raum geben. Anna-Tessa spielte vollkommen selbstbewusst, textsicher, genoß den Auftritt, holte sich die Ritardandi, die sie brauchte … der erwachsene Pianist folgte ihr. So, ungefähr so, muss damals das kleine Nannerl Mozart aufgetreten sein.

Besonders wird mir auch der Auftritt von Mert Caner, der wohl etwa 13 Jahre alt sein mag, mit seiner Bağlama im Gedächtnis bleiben. Er strahlte mit seinem Gesang, einem bekannten Lied des alevitischen Dichters Pir Sultan Abdal: „Dostum Dostum – Oh mein Freund mein Freund!“ Ein stolzer wehmütiger Klagegesang auf einen fernen, abwesenden, herbeigesehnten Gefährten! Auch hier erfuhren wir, dass gutes, gesellschaftsbildendes Musizieren und Singen darin besteht, sich und anderen die Zeit zu geben und zu nehmen, sich und anderen einen gemeinsamen Raum des Hörens zu schaffen.

Mein Sohn Ivan durfte stolz seinen 2. Preis im Fach Violine abholen, etwa 70 andere Preisträger waren wohl ebenso glücklich und stolz.

Ich finde dies so großartig, dass wenigstens ein Junge und ein Mädchen, Elisabeth, die in der Fachrichtung Gesang (Pop) antrat, noch die lange, jahrhundertelange Tradition des sich selbst begleitenden Sängers fortführen. Seit dem 6. Jahrhundert vor Christus, von den Zeiten eines Archilochos von Paros oder einer Sappho von Lesbos  bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts dauerte diese ununterbrochene Tradition, heute ist sie leider durch iPod und Karaoke, durch die jederzeitige Verfügbarkeit der kommerziell verwerteten und durch technische Reproduktion abgetöteten Mußik (Mußik=Musik, die man hören muß) fast schon ausgerottet.

Ich saß zufällig neben Eltern, die mir berichteten, ihr Sohn könne seinen Preis nicht abholen, da er mit seiner Schulklasse auf eine Skiwoche haben gehen müssen. „Er hat sich mit Händen und Füßen gegen die Skifahrt gewehrt, aber es half nichts. Das alpine Skifahren gilt heute an den Berliner Schulen offenbar als eine allgemeine Kulturtechnik, der die Kinder sich eben unterwerfen müssen. Gegen Rechtschreibung und Lesenlernen kann man sich auch nicht wehren. Wir haben über 600 Euro allein für die Ski-Ausrüstung und die obligatorische Skiwoche ausgeben müssen. Ein Ersatz des alpinen Skifahrens durch Winterwandern, Ski-Langlauf  oder Rodeln ist von der Schule nicht gestattet worden.“

Was die jungen Geiger und die Pianisten und die Bağlama-Spieler angeht, so war ich hocherfreut, sowohl über die Zahlen der Teilnehmer wie auch über die Vorträge und das Leistungsniveau. Weiterhin erlernen in Berlin sehr viele Kinder ein Instrument.

Anders sieht es bei dem ausgeschriebenen Fach „Vokalensemble“ aus. Es gab in allen Altersgruppen zusammen nur 4 teilnehmende Ensembles,  wie aus dem Programmheft hervorgeht und wie die Organisatoren auch bekanntgaben.  Das ist in meinen Ohren niederschmetternd, denn ich habe es in meiner Kindheit in Bayern noch erlebt, dass Kinder und Erwachsene jedes Bildungsgrades zu mehreren zusammensaßen und dann mehrstimmige Gstanzln oder Schnaderhüpfel oder Juchaza probten, sangen und aufführten. Dass jetzt gar nicht mehr im kleineren Kreis gesungen wird, ist in meinen Ohren ein schwerer Verlust für die „Erziehung zur Freiheit“, von der wir so gern reden.

Eine Gesellschaft, die zwar viel für den schwäbischen Juchtenkäfer tut, aber beispielsweise für den Juchaza des bairisch-schwäbischen Volksliedes nichts mehr übrig hat, lässt ihre eigenen Wurzeln verkümmern – sehr zu ihrem eigenen Schaden!

Großes Lob für die Kinder, die uns alle erfreuten – Dank an die bienenfleißigen Organisatoren, für die stellvertretend hier Geschäftsführerin Bettina Semrau genannt sei, an die sehr sachkundigen Juroren, die nach unseren Eindrücken als Eltern und Musiker ohne jeden Fehl und Tadel urteilten!

Meine Bitte für die Zukunft an alle Schulen, Kitas, Eltern und Lehrer und Bildungspolitiker:

Lasst das SINGEN nicht sterben. Das Singen ist viel wichtiger, viel grundlegender als das alpine Skifahren! Die Menschheit hat Jahrtausende ohne Ski alpin gelebt. Aber nahezu alle Völker der Erde haben den Gesang ausgebildet, ohne Singen droht die Kultur der Sprache abzusterben.

Ich würde dringend wünschen, neben Jugend musiziert einen ähnlich aufgebauten Wettbewerb Jugend singt einzurichten. Sowohl der begleitete und unbegleitete Liedgesang als auch der hochentwickelte Ensemblegesang der Deutschen und anderer Völker droht unrettbar verlorenzugehen. Mit ihm schwindet ein wichtiger Kitt der Gesellschaft!

Wie sang doch vor 500 Jahren Pir Sultan Abdal?

Dostum dostum, Gesang du mein geliebter Freund,
warum hast du uns verlassen, wer hat dich vertrieben?
Ich höre dich nur noch von fern im Abendhauch
wenn die Nachtigall ihr letztes Lied erklingen lässt
Die starren Geräte der Jäger haben dich verjagt
Dostum dostum, kehr wieder. Dostum dostum!

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„Werde ein guter Mensch!“ Was ist so schlimm an Baden-Württemberg, Bayern und Hessen?

 Aus unserem Leben, Das Gute, Gemeinsinn, Tugend, Verdummungen, Verwöhnt  Kommentare deaktiviert für „Werde ein guter Mensch!“ Was ist so schlimm an Baden-Württemberg, Bayern und Hessen?
Jan. 242013
 

Sollten Badisch, Schwäbisch, Bairisch, Hessisch und Fränkisch als Amtssprachen im Bundestag zugelassen werden, wie es ähnlich ein schwäbischer Politiker vorgeschlagen hat? Ich als Berliner fände dies gut! Warum nicht? Was ist so schlimm an Baden-Württemberg und Bayern, außer dass sie ein stark dialektgefärbtes Hochdeutsch pflegen?

Immer wieder muss ich hier in Berlin persönlich entdecken, dass ich in meiner bayrisch-schwäbischen Kindheit unrettbar durch die süddeutschen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg geprägt wurde. Ich bin also ein Südstaatler. Dort in den beiden Südstaaten herrscht eine erfreuliche Ferne der meisten Lebensbereiche zur Politik. Alle sollen sich bemühen, als anständige, redliche, erwachsene  Menschen sich und ihre Familie zu ernähren, den Kindern als Vorbild zu dienen, nicht zu lügen, nicht zu stehlen, nicht zu morden, den anderen nicht um sein Hab und Gut zu beneiden. Den Kindern wird von Kindesbeinen an eingeschärft: „Das wichtigste ist, ein guter und frommer Mensch zu sein. WERDE EIN GUTER MENSCH! Lerne, arbeite, feire anständig mit Wein, Bier und Musik am Feierabend!“ Das ist süddeutsche Lebensart. Wer sich nicht daran hält, wird zurechtgewiesen, oft ruppig und derb, manchmal feinsinnig. Es hat jahrzehntelang funktioniert: Beste Zahlen in allen Bereichen! Arbeitslosigkeit, Bildung, Integration der Zuwanderer und der Behinderten, Landeshaushalt, Kriminalität, Umweltschutz, Landschaftspflege  – überall liegen diese beiden vom bürgerlichem Gemeinsinn und vom Geist der Solidarität getragenen Südstaaten vorne! Und sie schleppen – meist noch ohne Murren – ganze andere Bundesländer wie etwa Berlin mit.

Gibt es Probleme, wird in Bayern und Baden-Württemberg immer zuerst gefragt: „Was kannst du selber tun, um Deine Lage zu bessern? Dann mach es!“

Hier im Bundesland Berlin lautet die ewig gleiche Leier hingegen: „Entdecke, dass du benachteiligt bist! Entdecke, dass du unsere Hilfe, die Hilfe der POLITIK brauchst. Ohne das Geld des Staates, das wir POLITIKER dir zuschanzen, wirst du es nicht schaffen!“ Volksverdummung größten Ausmaßes. Ein Augiasstall. Da muss wirklich mit dem eisernen Rechen ausgekehrt werden, da hat der tüchtige Schwabe Cem Özdemir völlig recht.

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Nationalismus in ganz Europa verbieten? – THINK FIRST! Erschd dengga, dann schwätza bzw. schreiba!

 Europäische Union, Rechtsordnung, Staatlichkeit  Kommentare deaktiviert für Nationalismus in ganz Europa verbieten? – THINK FIRST! Erschd dengga, dann schwätza bzw. schreiba!
Jan. 242013
 

Der Nationalismus blüht und gedeiht allenthalben und aller Lande außerhalb Deutschlands, siehe Frankfurter Allgemeine Zeitung heute, S. 5 (linker und rechter katalanischer Nationalismus), S. 6 (linker und rechter tschechischer Nationalismus sowie linker und rechter türkischer Nationalismus). Der Nationalismus – häufig unterfüttert mit antideutschen oder antiamerikanischen Ressentiments – verbindet ganz elementar leider einen großen Teil aller politischen Parteien außerhalb Deutschlands, namentlich in Tschechien, in der Türkei, in Katalonien. Um dies zu begreifen, muss man sich aber erst einmal ernsthaft für unsere befreundeten und verbündeten Partnerländer und ihre Menschen interessieren, sie als einfacher Mensch bereisen und auch deren Sprachen erlernen, z.B. Tschechisch, Polnisch, Türkisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Russisch, Griechisch. Überall denken und sagen die meisten Politiker außerhalb Deutschlands: „Zuerst und zuvörderst kommen die Interessen unseres Vaterlandes, dann die der EU!“ Fazit: Die geistige Auseinandersetzung mit dem gesetzestreuen Nationalismus der Parlamentsparteien und die Überwindung des radikalen, verbrecherischen Nationalismus der Terroristen bleibt eine der großen Herausforderungen für die Europäische Union. Ein Verbot des nationalstaatlichen Denkens, ein Ausschluss aller nationalistischen Politiker hülfe nichts – dann würden sich sich sofort die Parlamentssäle und Kabinettstische leeren und Deutschland mit seinen Ministerpräsidenten von SPD, CDU und neuerdings Grünen stünde weitgehend allein da. Außerdem: Wer jetzt die NPD verbieten will, hätte mit weit größerem Fug und Recht vor 30 Jahren die AL bzw. die Grünen verbieten müssen, denn die Verbindungen der Grünen ins linksterroristische Milieu der RAF hinein waren und sind weit deutlicher, weit klarer als die Verbindungen der NPD ins rechtsterroristische Milieu hinein, wie sie Michael Bertrams, Präsident des nordrhein-westfälischen Verfassungsgerichtshofs umstandslos nachweisen zu können behauptet (FAZ heute, S. 5).Die Rote Armee Fraktion (RAF) – ihrerseits ebenso mörderisch, menschenverachtend, verlogen wie der Nationalsozialistische Untergrund (NSU), aber weit effizienter, schlagkräftiger aufgestellt und obendrein quantitativ, also nach Menschenopferzahlen, viel verheerender als der NSU – war nachweisbar bestens vernetzt in die DDR-Ämter und DDR-Behörden hinein, sie hatte meiner deutlichen Erinnerung nach massenhaft Unterstützer im gesamten linken zivilgesellschaftlichen Spektrum Westdeutschlands, sie konnte ihr „rotes Gift“ ungehemmt in der Mitte der Gesellschaft verbreiten, unterstützt von namhaften, hochintelligenten, brillanten Dummköpfen und hochmögenden Arbeitern der Stirn und der Faust wie Jean-Paul Sartre, Daniel Cohn-Bendit MdEUP und Hans-Christian Ströbele MdB.

Die RAF hatte nachweisbar einen massiven Unterstützerkreis, der bis in den Deutschen Bundestag hineinreichte bzw. hineinreicht. Die beispiellos menschenverachtenden Verlautbarungen, Flugblätter und Aufrufe der RAF waren das Schlimmste, was ich bis dahin in der Bundesrepublik Deutschland zu lesen bekam. Allenfalls die Verlautbarungen, Videos und Aufrufe des NSU reichen in ihrer Brutalität und Niedertracht in etwa an die RAF heran. Es steht außer Frage: RAF und NSU waren und sind eine Schande für die gesamte Bundesrepublik Deutschland und für die gesamte damalige bzw. ehemalige Deutsche Demokratische Republik. Schlimm ist auch: Die RAF konnte ihr „rotes Gift“ mit größter Leichtigkeit in der Mitte der Geselllschaft verbreiten, wie es heute – in den Worten von Michael Bertrams – die NPD mit ihrem „braunen Gift“ tut.

Man lese doch nur einmal sorgfältigst das 10-Punkte-Programm der NPD von 2010, ehe man einen Verbotsantrag stellt! Vieles darin ist voll anschlussfähig ans Programm der Grünen! Grüne (Tübingens Bürgermeister Boris Palmer etwa) wie NPD (10-Punkte-Programm von 2010) berufen sich ausdrücklich auf die deutsche Romantik, auf den deutschen Idealismus als ihren Ursprung (Johann Gottlieb Fichte, Stuttgarts Georg W.F. Hegel, Tübingens Friedrich Hölderlin) – die grünen Ökosozialisten sind gewissermaßen die Linksromantiker, so wie die braunen Nationalsozialisten der NSDAP und die Nationaldemokraten der NPD  gewissermaßen die Rechtsromantiker in der urdeutschen nationalen Parteienlandschaft sind.Nebenbei und zu guter Letzt: „Rotes Gift“, „braunes Gift“, „Vergiftung (des gesunden Volkskörpers) durch den Keim des Bolschewismus bzw. des Nationalismus“ – das ist reinrassige Sprache der Nationalsozialisten der 30er und 40er jahre bzw. der reinrassigen Kommunisten der 30er und 40er Jahre. Watch your language, Mr. Bertrams! Das ist O-Ton der 30er Jahre! READ STALIN, READ HITLER, READ LENIN, READ ROSENBERG, READ MUSSOLINI! Then: THINK IT OVER, OR, as we say in glückselig Suevia: „Erscht denga, dann schwätza bzw. schreiba!“

Quellenangaben:
„Karlsruhe hat NPD verharmlost“, FAZ, 24.01.2013, S. 5
„Abstimmung über die Freiheit. Regionalparlament will Kataloniens Souveränität“, FAZ, 24.01.2013, S. 6
„Das alte Spiel mit dem tschechischen Nationalismus. Warum der neoliberale Präsident Klaus für den Linkspopulisten Zeman kämpft.“ Von Karl-Peter Schwarz, FAZ, 24.01.2013, S. 6
„Land und Meute. Den Angriff auf die deutschen Soldaten in Iskenderun haben wohl radikale Nationalisten verübt.“ Von Michael Martens. FAZ, 24.01.2013, S. 6

 Posted by at 13:06

Bayern, Baden-Württemberg, Hessen: Bitte bitte kein Geld mehr nach Berlin schicken!

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Jan. 232013
 

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Schaut euch das an, es ist erstaunlich: Wenn auch Berlin und Brandenburg keinen Flughafen hinbekommen, so erhält doch Friedrichshain-Kreuzberg beständig neue Spielhallen und Zockerbuden. Das klappt also zumindest. Innerhalb einer kleinen Radfahrt von 10 Minuten entdeckte ich heute drei neue Spielhallen in Kreuzberg! In der Wilhelmstraße sehe ich täglich sogar zwei Spielhallen direkt nebeneinander, die auch etwa erst ein Jahr lang hier sind. Und das, obwohl wir offiziell ein „Armuts-Bezirk“ sind. Man sieht praktisch nie Menschen aus- und eingehen. Die wenigen Male, die ich aus Neugierde die Spielhallen besucht habe, war ich meist der einzige Besucher.

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Etwa 45 Milliarden Euro hat Berlin seit 1995, als es dem Länderfinanzausgleich beitrat, von den Geberländern des Finanzausgleichs vor die Haustür gekippt erhalten. Oft fragen die Menschen aus den derzeit nur noch 3 Geberländern des Bundesfinanzausgleichs: „Wo versickert denn das ganze Geld, das wir euch schenken? Alles in der Flughafen-Baustelle?“Nein! Das Geld wird hier in Berlin weitergereicht und versickert an tausend Stellen. Das Bundesland Berlin ist in vieler Hinsicht mit Griechenland vergleichbar: es zirkuliert hier in Berlin wie auch in Griechenland viel zu viel nicht selbst erwirtschaftetes Geld. Es ist viel zu viel Geld im System der öffentlichen Mittelvergabe.

Die Geberländer Berlins finanzieren Berliner Baustellen, Berliner Spielhallen, finanzieren in großem Umfang Berliner Faulheit, Berliner Bequemlichkeit und Trödelei, finanzieren Glücksspiel, Drogen- und Menschenhandel, Betrug, Rechtsbruch und Staatsausplünderung. Das öffentliche Gut, das Gemeinwohl verkommt. Mehr noch: Die Politik leistet dem Herunterkommen ganzer Stadtviertel Vorschub. Öffentliche Gebäude wie die Schule in der Reichenberger Straße werden in diesem Sinne vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg kostenlos als geduldete Zonen des Rechtsbruchs ausgewiesen, statt etwa einer dringend benötigten Grundschule in freier Trägerschaft gegen Miete überlassen zu werden.  Und wer sind diesmal die Benachteiligten, die es durch dreiste Spiegelfechtereien zu schützen gilt? Flüchtlinge, Asylbewerber! Dass ich nicht lache! Ein derartiger Missbrauch der Not von Menschen, die in Deutschland Schutz vor politischer Verfolgung suchen und dann durch selbsternannte Menschenrechtsaktivisten zum Rechtsbruch verführt werden, ist noch nicht oft vorgekommen.

Berlins Politik ist großartig darin, immer neue Programme zu ersinnen, um das Geld der anderen Bundesländer unters Volk zu bringen. Neuester Coup: das „Berliner Mietenbündnis“. Ein weiterer in einer endlosen Serie an Taschenspielertricks aus der bunten Traum- und Zauberwelt der Berliner Landespolitik. Es funktioniert alles nicht, wie erst kürzlich wieder der rbb feststellte:

http://www.rbb-online.de/klartext/archiv/klartext_vom_16_01/0.html

Also: Die landeseigenen Wohnungsunternehmen tragen zur Preissteigerung bei – auch dank des zusätzlichen Geldes, das durch derartige Bettelei nach Berlin umgeleitet wird. Aber 40 Millionen Euro an Bundesmitteln werden dafür in Anspruch genommen. Zweck erfüllt! Der Zweck all dieser fruchtlosen Übungen ist: Wähler bei Laune halten, Geld nach Berlin lenken, Zustimmung erkaufen, Wandel verhindern! So und nur so funktioniert das.

Es ist mir wichtig festzuhalten: Wir Berliner sind groß im Handausstrecken! Wir Berliner finden 1001 Geschichten, um nachzuweisen, dass wir benachteiligt sind. Die Berliner Politiker sind große Meister darin, sich gezielt Gruppen von Benachteiligten zu suchen, denen sie dann diesen Status einpauken: „Ihr seid benachteiligt!“ Die Parteien nehmen sich da übrigens gegenseitig nichts. Schwaben, Bayern, Hessen: Bitte auskehren. Wir brauchen das.

 Posted by at 23:07

„Ja, die rote Rasse liegt im Sterben!“ oder: Muss man alle bösen Wörter ausmerzen?

 Antifaschismus, Karl May, Rassismus, Verdummungen  Kommentare deaktiviert für „Ja, die rote Rasse liegt im Sterben!“ oder: Muss man alle bösen Wörter ausmerzen?
Jan. 192013
 

Mit diesem tiefen Seufzer hebt ein weithin unbekannter Schriftsteller in einem 1992 im fränkischen Bamberg gedruckten Buch seinen ergreifenden Klagegesang auf den Verfall und das Siechtum der roten Rasse an, die von den unerbittlichen Eroberern und Mördern aus der weißen Rasse „ausgestreckt, niedergestreckt, niedergeworfen“ wurde! Eine unbezähmbare Trauer befällt den Schriftsteller beim Blick auf all das Gemetzel, all die Gewalt, die die weiße Rasse der roten Rasse angetan hat.

Doch langsam, langsam! Lesen wir den geradezu orientalisch-herzzerreißenden Klagegesang von Anfang an:

„Immer fällt mir, wenn ich an den Indianer denke, der Türke ein. Das hat, so sonderbar es scheinen mag, doch seine Berechtigung. Mag es zwischen beiden noch so wenig Vergleichsmöglichkeiten geben, sie sind einander dennoch in gewissem Sinn ähnlich, in dem einen Punkt nämlich, daß die Weltmeinung mit ihnen beiden so gut wie abgeschlossen hat, wenn auch mit dem einen weniger stark als mit dem anderen: man spricht von dem Türken kaum anders als vom ‚kranken Mann‘, während jeder, der die Verhältnisser kennt, den Indianer als den ’sterbenden Mann‘ bezeichnen muss.

Ja, die rote Rasse liegt im Sterben! Vom Feuerland bis weit über die nordamerikanischen Seen hinauf liegt der kranke Riese ausgestreckt, niedergestreckt, niedergeworfen von einem unerbittlichen Schicksal, das kein Erbarmen kennt. […]“

Über mehrere Seiten führt der volkstümliche Erzähler seinen leidenschaftlichen Klageruf fort. Er erhebt mutig und unerschrocken seine Stimme für das Lebensrecht, für die gleiche Würde, den gleichen Rang, das gleiche Lebensrecht der roten wie der weißen Rasse. Er sagt: Alle Rassen, alle Völker, alle Religionen müssen einander als Brüder, als gleichberechtigte Verbündete, als Menschen annehmen. In der exemplarisch vorgelebten Freundschaft und Liebe zwischen einem vorbildlichen Menschen der roten Rasse und einem vorbildlichen Menschen der weißen Rasse sät der Verfasser den Keim der Aussöhnung zwischen allen Rassen, allen Religionen, allen Völkern. Es ist, als sagte er: Brüder! Schwestern! Letztlich sind wir alle Menschen. Wir sind doch alle Menschen! Oder, wie es der Türke mit türkischem Pass der Jetztzeit sagt: Hepimiz insaniz – ganz egal ob wir ein Kurde oder Tscherkesse oder Alevit oder Jude (bloß halt zufällig mit türkischem Pass) oder ein Türke (bloß halt zufällig mit deutschem Pass) sind!

Oder wie es das früher einmal recht bekannte Grundgesetz unseres Staates sagt:

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Ob Rothaut oder Bleichgesicht, ob auf sein Blut stolzer Türke oder schweinefleischfressender Kartoffeldeutscher, ob heidnischer Baumverehrer und ökofanatischer Klimaschutzgläubiger oder jüdischer, muslimischer Monotheist: Alle Menschen sollen einander achten und einander im Geist der Nächstenliebe begegnen. Sagt der unbekannte Volksschriftsteller. Sagt irgendwie auch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.

Ist diese Botschaft des rassistischen Schriftstellers böse, nur weil in ihr das Wort Rasse vorkommt? Ist dieser Mensch abgrundtief böse, nur weil er die Menschheit in die rote und die weiße Rasse unterteilt und für das Existenzrecht der roten Rasse, der roten Kultur, der „amerikanischen Erstnation“, wie sich die rote Rasse politisch korrekt heute nennt, eintritt, wie dies in unseren Tagen Quentin Tarantino macht, der das Schicksal der amerikanischen Erstnation ebenso wie die Ausbeutung der schwarzen Rasse durch die weiße Rasse einen Holocaust genannt hat?

Das herzzerreißende Klagen des weißen Volksschriftstellers erinnert an das nicht minder herzzerreißende Klagen der heutigen antirassistischen deutschen Weißseinsforscher, der heutigen deutschen Antirassisten, die ihre Stimme laut und vernehmlich zugunsten der ihrer Meinung nach in Deutschland unterdrückten ethnischen Gruppen und Rassen erheben.  Gemeinsam ist all diesen Menschen, all diesen Rassistinnen und all diesen Antirassistinnen, dass sie ein einziges Merkmal, etwa die Hautfarbe oder die volksmäßige Herkunft oder die Religion, zum alles dominierenden Merkmal erheben und in alten volkstümlichen Texten wie etwa Astrid Lindgrens Kinderbüchern alles ausmerzen, was nur im mindesten an die in allen Zeiten menschliche, die allzumenschliche Einteilung von Gruppen in WIR und IHR erinnert oder erinnern könnte.

Ich meine: Der heutige, politisch korrekte Antirassismus und typisch deutsche Antifaschismus und typisch deutsche Antinationalismus, welcher seinerseits mit rassistischen Ausmerzungen unerwünschter Wörter und mit der seinerseits rassistischen Ausgrenzung unerwünschter Menschen arbeitet, ist eine Form der höhergebildeten Heuchelei.

Das ist rassistisch“, „das ist eine Unverschämtheit“, „da reden wir gar nicht mehr weiter!„, dieser gleichsam permanent wutschnaubende, jederzeit empörungsbereite Fanatismus, wie ihn etwa Mark Terkessidis vorschlägt, „Kein Fußbreit den Nationalisten!“ – „Kein Fußbreit den Rassisten!“, wie man es immer wieder mal bei uns in der schönen Kreuzberger Heimat an den Wänden liest, –  alle diese zum sofortigen Gesprächsabbruch und oft auch zum gewaltsamen Kampf aufrufenden Losungen stellen eine nicht ganz ungefährliche Form der bêtise humaine dar.

Nebenbei: Ein Blick in neuere Karl-May-Ausgaben ergibt soeben, dass auch hier das unerwünschte Wort Rasse unerbittlich ausgemerzt, vernichtet, niedergeworfen und niedergestreckt worden ist.

Zitatnachweise:
Winnetou. Erster Band. Reiseerzählung von Karl May. 3691. Tausend. Nach der 1960 von Hans Wollschläger revidierten Fassung neu herausgegeben von Lothar Schmid. Karl-May-Verlag Bamberg [= Karl May’s Gesammelte Werke, Band 7], Bamberg 1992, S. 5

http://www.tagesspiegel.de/kultur/koloniale-altlasten-rassismus-in-kinderbuechern-woerter-sind-waffen/7654752.html

http://www.berliner-zeitung.de/kultur/quentin-tarantino-holocaust-und-spaghetti-western,10809150,21422432.html

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