Mai 192018
 

Hier, auf allen diesen Bildern, sehen wir den Europaplatz in Berlin, aufgenommen in diesen herrlichen Tagen des Mai 2018. Ein Vergleich mit dem Europaplatz in Moskau drängt sich geradezu auf.

Über den 2002 gestalteten Europaplatz Moskau schrieb ich am 11. Mai 2018:
Aus dem europäischen Uccle stammte der Bildhauer Olivier Strebelle. Für den Europaplatz im europäischen Moskau schuf er 2002 diese kraftvolle, raumbeherrschende und doch spielerische Metallplastik „Die Entführung der Europa“. Den städtebaulichen Entwurf für diesen Platz Europas gestaltete der europäische Architekt Jurij Platonov.

Heute schreibe ich über den Europaplatz Berlin:
Kein Bildhauer schuf irgendeine Plastik für den Europaplatz in Berlin. An diesem Platz findet sich kraftvoll, und raumsperrend der Nachrückverkehr der Taxifahrer. PKWs, schimpfende Droschkenkutscher. Nachrücker. Ängstliche Fußgänger rennen in die Abfertigungshalle des Hauptbahnhofs. Eilig huschen Reisende vorbei. „Nur fort von hier“, sagen ihre Schritte. „Überall ist es besser als an diesem Europaplatz!“ Ein städtebaulicher Entwurf ist nicht erkennbar. Berlins Europaplatz ist ein Nicht-Ort.

Über den Europaplatz Moskau schrieben wir dagegen:
Wir erreichten heute nach einer Stunde Radtour diesen heiteren, sonnenbeschienenen Platz vor dem Kiewer Bahnhof im Moskauer Bezirk Dorogomilovo. Junges europäisches Volk belebte den Platz mit bunten Kleidern, munterem Wortwechsel und lässiger Muße.“

Am düsteren, 2005 angelegten Europaplatz Berlin lädt nichts, aber auch gar nichts zum Verweilen ein. Im Gegenteil, die Leuchttafel mit den Bus-Abfahrtzeiten fordert dazu auf, möglichst rasch das Weite zu suchen. Es wird nichts erzählt, es wird nichts vorgestellt, es wird nicht gelacht in Europa! So also stellt sich Deutschlands Hauptstadt Europa vor.

 

„Fröhlich flatterten die Fahnen aller 49 Staaten Europas im Hintergrund“, notierten wir in unser Moskauer Reisetagebuch.

Hier in Berlin notiere ich:

Europaplatz Berlin:
Sprachlos und kalt
stehn die Gefängnismauern in Moabit.

Nachts klirren die Fahnen im Winde.
Falsch: Nicht einmal Fahnen gibt es hier.
Fahrpläne um wegzukommen? Ja!
Hier herrscht Frost im Frühling.
Der Tod aller europäischen Symbolik,
Er zelebriert sich hier.

Ganz leise, heimlich und unbemerkt ritze ich in trüber Stunde folgende Bronzetafel in meiner Phantasie ein:

ZUM ZEICHEN DER ABWESENHEIT DER FREUNDSCHAFT
UND DER GEDANKENLEERE SOWIE
DES AUSEINANDERDRIFTENS DER MENSCHEN EUROPAS
HAT DER SENAT BERLINS 2005 BESCHLOSSEN
IN DER HAUPTSTADT DEUTSCHLANDS
DIESEN NICHT-ORT ANZULEGEN
UND IHN EUROPAPLATZ ZU NENNEN
WIR HABEN NICHTS ZU SAGEN ZU EUROPA
WIR GLAUBEN NICHT AN DIE EINHEIT EUROPAS
MIT SEINEN 49 STAATEN
WIR GLAUBEN ZWAR NOCH AN DEN EURO
UND AN DIE MACHT DES GELDES
UNS FÄLLT ABER NICHTS SINNVOLLES ZU EUROPA EIN

ES TUT UNS LEID EUROPA
EHRLICH

 

 

 

 

 Posted by at 17:59

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