
Gestern spätabends, auf der Bahnfahrt von Neuruppin-Rheinsberger Tor nach Berlin-Charlottenburg erkannt‘ ich – gerade noch rechtzeitig vor der sehnlich erwarteten Goethefeier am 28. August – dass Goethes Gedicht „An Schwager Kronos“ durchgängig an ein Du gerichtet ist, an den grausamen Urvatergott Kronos – oder auch an Chronos, den Gott der Zeit, wer weiß das schon genau? S’ist KEIN Monolog! Deshalb ist auf der hier gezeigten, in ihrer Authentizität höchst fragwürdigen Sepiatuschzeichnung (?), vielleicht in Anlehnung an Adrian Zingg (?), 1757-1759 (?), tatsächlich neben dem maßlos frechen, aufsässigen Fahrgast Goethe ein peitschenschwingender Kronos zu sehen. Alles klar, na denn – GUTE FAHRT euch beiden, dir, Goethe, und dir auch, Kronos! Passt auf Euch auf!
Nachweis: Johann Wolfgang Goethe: An Schwager Kronos. In der Postchaise d 10 Oktbr 1774. In: Johann Wolfgang Goethe. Gedichte 1756-1799. Hgg. von Karl Eibl, Deutscher Klassiker Verlag. Sonderausgabe zu Johann Wolfgang Goethes 250. Geburtstag. Frankfurt am Main 1998, S. 201-203, S. 920-922, sowie ibidem Abb. 11: Der Staubbachfall bei Lauterbrunnen
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