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Sahen sich die Dichter Homer und Dante als Schriftsteller?

 Dante, Homer, Singen  Kommentare deaktiviert für Sahen sich die Dichter Homer und Dante als Schriftsteller?
Sep 102020
 

Così vidi adunar la bella scola
di quel signor signor dell’altissimo canto
che sovra li altri com’aquila vola.

So Dante Alighieri, Commedia, Inferno, Canto IV, 94-96

“Mit Homer beginnt die europäische Literaturgeschichte.” In jeder Literaturgeschichte wird man etwas in diesem Sinne finden können. “Dante ist der größte Schriftsteller italienischer Sprache.” Wer wollte gegen diese Feststellungen etwas einwenden?

Nun, zunächst einmal Dante selbst. Bekanntlich bezeichnet er die 100 einzelnen Abschnitte seiner Commedia nicht als “Kapitel”, “Bücher”, “Texte”, “Schriften”, “Akte”, “Briefe” oder ähnliches, sondern ausschließlich als Lieder, Gesänge, als “canti”. Die drei Großbauteile der gesamten Commedia wiederum nennt er “cantiche”, in etwa wiederzugeben als “Sangeswerke”, “Gesangsgruppen”. Gesang singt und klingt bei Dante allüberall, nicht stummer, zum Lesen geschriebener Text!

Im vierten Gesang des Inferno wiederum bezeichnet Dante Homer als den “signor dell’altissimo canto”, also als den Herrn, den Herrscher des höchsten Gesanges, den Fürsten des Singens.

Und von Homer – so es ihn denn als Person gegeben hat – wissen wir, dass er seine Gesänge nicht aufschrieb, sondern sie mündlich aus dem Gedächtnis vortrug, gesanglich darbot. Homer soll blind und des Schreibens unkundig gewesen sein. Wolfgang Schadewaldt schrieb mit guten Gründen sein Büchlein über “Die Legende von Homer, dem fahrenden Sänger”. Homer war nicht Literat, er war Sänger.

Kurzum: Wir verfehlen das von Homer und von Dante Gemeinte fundamental, wenn wir ihre aufgeschriebenen Texte, die uns ja unter ihrem Namen in der Tat vorliegen, als Endzweck sehen, als Literatur, die der Literaturwissenschaft als Gegenstand dienen sollte.

Nein, es waren – und sind! – zum singenden klingenden Vortrag gedachte, rhythmisch durchgebildete, sich nicht im geschriebenen oder gedruckten Wort erschöpfende Kunstgebilde. Es sind Gesänge.

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Radlers Glück am Tempelhofer Ufer: die Pop-up-Radwege

 Familie, Friedrichshain-Kreuzberg  Kommentare deaktiviert für Radlers Glück am Tempelhofer Ufer: die Pop-up-Radwege
Sep 102020
 

Nutzen und genießen wir sie fleißig! Diese neuartigen, eilig eingerichteten Menschen-Schutzstreifen sind eine Wohltat für die Fußgänger, die Gäste der Straßencafés, die Radfahrer und auch die Autofahrer!

Ausgerechnet in meinem früheren Heimatbezirk Friedrichshain-Kreuzberg, wo die Radler jahrzehntelang bis in unsere Tage in der “Radlerhölle Kreuzberg” schmorten, wie der Berliner Tagesspiegel noch am 10.12.2013 titelte, tut sich etwas zum Besseren. Die eilig improvisierten Schutzstreifen sind wegweisend, sie sollten nun verstetigt und rechtlich abgesichert werden. Der grün abgesetzte Radstreifen auf der Kreuzberger Großbeerenstraße ist schon jetzt gut befahrbar, jetzt sollte auch die unverzichtbare Magistrale Tempelhofer Ufer-Waterloo-Ufer-Skalitzer Straße folgen und einen durchgängigen breiten Radstreifen dauerhaft erhalten! Sie muss nach vielen schweren und schwersten Unfällen für Menschen aller Art “sicher bevestiget” werden, insbesondere für Fußgänger, Flaneure, Radfahrer und selbstverständlich auch Autofahrer.

In eiligen Geschäften nutze ich seit Wochen immer wieder die unvermutet aufpoppenden Radstreifen und gewinne dadurch viel Zeit, schone die Nerven aller Beteiligten, entlaste die Umwelt. Weiter so Berlin! Warum erst jetzt? Brauchtest du Corona für so etwas Gutes, so etwas Einfaches?

Im Bild: Platz genug ist für alle da! Der aufgeblühte Radstreifen vor dem Athene, Tempelhofer Ufer, gestern 17.12 Uhr.

https://www.tagesspiegel.de/berlin/ergebnisse-der-buergerbeteiligung-radlerhoelle-kreuzberg/9199288.html

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Glückliches Atmen am Werbellinsee

 Freude  Kommentare deaktiviert für Glückliches Atmen am Werbellinsee
Aug 302020
 

Zwei Schwäne genießen das grünlich schimmernde Wasser an der Kaimauer des Fontaneplatzes in Altenhof. Ein buntes Segel bläht sich dahinter, von leichten Winden getrieben segelt die Barke des Daseins selig dahin. Werbellinsee, schönster aller Seen der Mark Brandenburg, wie schon Fontane wusste, Du schenktest uns heute einige Stunden ungetrübten Glückes! In Deinem unergründlichen Grün spielen die Lichtreflexe eines lange anhaltenden Nachsommers. In Deinen Winden liegt der Geruch von Heu, Tang, Pilzgeruch! Feine Wassertröpfchen sammelst Du ein und wehst sie uns zu. Ja, wir atmen Dich ein, ja in diesem Atem ist – – – was? Bist Du, ist das Du, ist Heimat.

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Wie heißt du: Hansi, Johannes, Ἰωάννης, יֹוחָנָן, Yahya, يحيى, Ivan, Wanja…?

 Gnade, Hebraica, Novum Testamentum graece, פרקי אבות  Kommentare deaktiviert für Wie heißt du: Hansi, Johannes, Ἰωάννης, יֹוחָנָן, Yahya, يحيى, Ivan, Wanja…?
Aug 292020
 

Ἰωάννης ἐστὶν ὄνομα αὐτοῦ. καὶ ἐθαύμασαν πάντες. “Sein Name ist Johannes. Und da gerieten alle in Verwunderung.”

So beendet der Evangelist Lukas die äußerst erstaunliche Geschichte der Namensfindung des nach christlichem Glauben letzten Propheten des alten Judentums, Johannes des Täufers. Beachtlich: Der Name wird dem jungen Juden beim Beschneidungsfest nicht durch den Vater, sondern durch seine Mutter Elisabet beigelegt. Sie ist es, die sich dem Wunsch der Verwandten und Nachbarn widersetzt und den vorgeschlagenen Vatersnamen Zacharias ablehnt. Sie ist es, die entgegen dem Drängen der Umstehenden NEIN sagt und anordnet: οὐχί, ἀλλὰ κληθήσεται Ἰωάννης. – “Nein, der wird Johannes heißen!” Der seit längerem durch Sprachverlust gezeichnete Vater Zacharias stimmt zu – und dank seiner Zustimmung gewinnt er seine Sprechfähigkeit wieder. Und da gerieten alle in Verwunderung.

Die Vorbesichtigung der neuen Dauerausstellung des Jüdischen Museums Berlin am Freitag, dem 21. August, spätnachmittags bot uns reichlich Anlass, über die gegenstrebigen Verwebungen des Judentums und Christentums nachzudenken. Verwebungen, die sehr tief gehen, die die Sprachgrenzen überschreiten, die enge Verwandtschaften und Nachbarschaften verbunden und zerrissen haben, oft auf schmerzhafte Weise.

Am Beginn der beeindruckenden neuen Dauerausstellung wird man aufgefordert, den eigenen Namen ins Hebräische “übersetzen” zu lassen – ich gebe meinen Namen ein, und es erscheint mein deutscher Name in hebräischen Buchstaben transliteriert, wie man ihn heute in hebräischen Texten lesen kann: יוהנס

Ins Hebräische zurückübersetzt würde er anders lauten – nämlich   יֹוחָנָן / Jochanan , denn bekanntlich ist ja die griechische Namensform Johannes eine “Übersetzung” aus dieser hebräischen Namensaussage, die in etwa bedeutet: “Gott tut immer wieder mal aus eigenem Wollen etwas Ungewöhnliches, etwas Großes, etwas Tolles! Gott ist gnädig.”

Der ungewöhnliche Akt der Rebellion der weiblichen Namensfindung – gegen den Mehrheitswillen der Nachbarn und Verwandten – verhalf diesem Namen in der gesamten christlichen Welt zu einer ungeheuren Karriere, denn in allen europäischen Sprachen, aber auch im arabisch-islamischen Kulturraum ist er ein geläufiger Vorname geworden. Im deutschen Mittelalter wurde er etwa jedem zweiten männlichen Deutschen beigelegt. Johann Sebastian Bach und Johann Wolfgang Goethe sind zwei berühmte Träger dieses Namens, denen ich in meinen eigenen Leben seit vielen Jahren einen überragenden Platz gleich hinter jenem jüdischen Propheten, dem Weggefährten, Taufspender, Verwandten und Schicksalsgenossen Jesu zuspreche.

Was liegt an einem Namen? Viel, manchmal alles! Der Cheftrainer des FC Bayern München, Hansi Flick – bürgerlich Hans-Dieter Flick – besteht darauf, dass er mit seinem seit Kindheit vertrauten Rufnamen angesprochen wird. Auch dieses “Hansi” ist eine späte Verwandlung dieses erstaunlichen Namens Jochanan, der es nun bis auf den beifallumtosten Gipfel der europäischen Champions League gebracht hat. καὶ ἐθαύμασαν πάντες. Beim Triumph des Hansi Flick geriet die gesamte Weltfußballöffentlichkeit in Erstaunen, ja in Verzückung.

Die ungeheure Karriere dieses Namens Johannes geht also weiter. Er ist topaktuell. Und uraltes Erbe des Judentums.

Belege:
Nestle-Aland. Novum Testamentum graece. 28., revidierte Auflage, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2012, S. 181-182 (Lc 1,59-66). Übersetzung aus dem Griechischen durch Johannes Hampel

Christian Eichler: Trainer Flick und seine Bayern-Bande. Der Champions-League-Sieger. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2020 (Online-Ausgabe)

 Posted by at 21:27

“Ein kleiner Affe oder ein Hund am Fuße der Treppe? Ein Rucksack?” Rätsel einer Sommernacht im Rottal

 Aus unserem Leben, Freude, Geige, Singen  Kommentare deaktiviert für “Ein kleiner Affe oder ein Hund am Fuße der Treppe? Ein Rucksack?” Rätsel einer Sommernacht im Rottal
Aug 072020
 
Ein Geiger auf hölzernem Balkon spielt eine Serenade für Kind und Hund, für Groß und Klein, für Himmel und Erde. Massing, Nacht vom 31. Juli auf den 1. August 2020

Nach 4 Wochen wieder in Berlin eingetroffen. Zunächst hatte ich arbeitsreiche Wochen im Schwarzwald. Nur am Wochenende fuhr ich jedes Mal ganz wild mit einem gemieteten Mountainbike in die Kreuz und die Quer. Herrlich, dieser Schwarzwald, so wild, so überraschend und so schön!

In Alpirsbach, wo ich einquartiert war, gibt es eine sehr gute Kirchenmusikszene unter der Organistin/Kantorin Carmen Jauch, die ich zwei Mal im Gottesdienst hörte und auch danach in einem Konzert mit geistlichen Liedern. Hier keimt in kleiner Besetzung nach tonloser Zeit das Neue auf, die Freude, die zur Musik wird. Möge sie weiter und lauter tönen!

Dann verbrachte ich eine Woche Urlaub in Mittelfranken im kleinsten lieben Kreise, wo es mir noch besser gefiel! Das bildkräftig und blütenreich verträumt hergerichtete Römerlager in Ruffenhofen, die konzentrierte Darbietung unseres großen Dichters Wolfram in Wolframs-Eschenbach, der herrlich frische Altmühlsee, der Igelsbachsee – es war eine Perlenkette an guten, erfrischenden, belehrenden heiteren Stunden! Und jeden Abend gab ich ein kleines Konzert mit deutschen und italienischen Liedern und Arien, und rahmte den Gesang stets auch mit der Geige. Ein richtiger Hausmusikant war ich für ein ganz liebes Publikum geworden, das mich immer unterstützte!

Zum Abschluss dann zwei richtige Konzerte im Garten in Massing/Niederbayern für das große Verwandtenfest mit unserer guten Tante Greti, alles mit vorher eingespielter Klavierbegleitung. Ich fühlte mich frei und sicher. Nach Wochen und Monaten des öffentlichen Verstummens endlich aus voller Brust und voller Hingabe zu singen und zu geigen! Im Freien, im Sommer, bei Tag und in der Nacht! Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküßt …!

Was Besseres kann einem nicht passieren, die Leute wollten mehr hören, sie klatschten, sie lagen hingeschmolzen flach auf dem Rasen! Also bitte! Bin sehr froh, dass ich das alles erleben durfte!

“Ich wollt als Spielmann ziehen und singen meine Weisen vor jedem Haus…!”

Wie bei Eichendorff! Das ist wirklich Manna, dieser lebendige Kontakt zum Publikum in Fleisch und Blut!
Werde das alles noch nachklingen lassen…!

“Schönes Bild! Aber was ist das am Fuße der Treppe? Ein kleiner Hund, ein Rucksack oder ein kleiner Affe?”, fragt mich eine Zuhausegebliebene. Antwort: Ich weiß es nicht.

 Posted by at 21:33

Quaeritur utrum aliqua res sit falsa – Sehnsucht aus der Jetztzeit zurück – nach Thomas von Aquin

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Aug 072020
 

“Uns wird zehntens die Frage vorgelegt, ob es etwas Falsches gibt.” Gibt es etwas Falsches? Oder ist es ein Widerspruch zu behaupten, das es etwas Falsches gebe? Ist denn nicht alles, was ist, wahr? Und ist denn nicht alles, was falsch ist, unwahr?

Entlang dieser Grundlinien entfaltet Thomas von Aquin in seinen Quaestionibus disputatis “de veritate”, hier articulus 10, das Problem, ob man sinnvollerweise behaupten könne, etwas Seiendes sei falsch.

Wie erfrischend ist es doch, im Pulverdampf der heutigen Publizistik und täglichen Meinungshascherei die alten Philosophen zu lesen – Immanuel Kant, Platon, Aristoteles und, ja, eben auch Thomas von Aquin. Warum denn nicht?

Mir geht es da so, wie es ein in Deutschland heute vergessener Dichter einmal gesagt und gesungen hat:

“Und mich ergreift ein längst entwöhntes Sehnen
Nach jenem stillen ernsten Geisterreich
Es schwebet nun in unbestimmten Tönen
Mein lispelnd Lied, der Äolsharfe gleich —”

Ich verordne mir immer wieder diese und einige andere Autoren aus dem stillen ernsten Geisterreich, um heftige allergische Anfälle zu heilen, die unvermeidlich sind, wenn man einigermaßen up to date bleiben will und nicht als völlig unwissender Tor und weltfremder Tölpel erscheinen mag. Und up to date wollen wir doch sein, nicht wahr?

Ein solcher allergischer Anfall hätte mich vorgestern fast erwischt, als ich ein Interview über die größten Katastrophen der heutigen Zeit las.

https://www.corpusthomisticum.org/qdv01.html

 Posted by at 09:12

Tief greifen die Wurzeln der Tanne in den…

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Jul 242020
 

Tief greifen die Wurzeln der Tanne in den Boden, leicht zieht sie mit ihren Fasern die Nährstoffe in sich ein. Schon lange steht sie hier auf dem Schöllkopf, nicht weit von Freudenstadt entfernt, wohl 250 bis 300 Jahre ist sie alt, sie, die nachweislich mächtigste Tanne des ganzen Schwarzwaldes! Erst stand sie freistehend, spendete Schatten dem unter ihr weidenden Vieh; später wurde rings um sie herum aufgeforstet.

Großvatertanne wird sie genannt. Da sie sich bester Gesundheit erfreut, mag sie durchaus das natürliche Höchstalter der Tanne, also etwa 400 Jahre erreichen. 46 Meter ist sie hoch, ihr Stammvolumen umfasst 36 Kubikmeter.

Tanne und Buche sind die beiden Baumarten, die von Natur aus hier auf etwa 700 m Höhe über dem Meer am besten gedeihen. Sie sind die Charakterbäume des Schwarzwaldes; die heute oftmals dominante Fichte wurde erst später durch den Menschen zur Ausbeutung als Monokultur nachgepflanzt.

Ich legte am Sonntag, dem 19. Juli 2020, meine Hand auf die merkwürdig sanft anmutende Rinde der Großvatertanne. Sie war schon lange vor mir da, sie wird auch lange nach mir noch da sein. Und doch kann ich Fühlung mit ihr aufnehmen. Beglückend!

 Posted by at 23:33

Wo steht dieses Fahrrad – in Baden oder in Württemberg?

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Jul 142020
 

Wo befindet sich mein schwarzes Rössle mit den azurblauen Fesseln, das mich jeden Tag von meiner Unterkunft zu meinem derzeitigen Dienstort trägt, verlässlich und treu? Das Rössle hört auf den Namen Haibike SDURO CROSS 5.0, statt Heu frisst es jeden Tag 0,2-0,4 KWh Strom, genügsam steckt es Wurzeln und spitze Steine weg, fröhlich packt es jede Steigung, hurtig wie der Wind rennt es die steilsten Hänge hinab. Und es liebt Rätsel!

Hier also das Rätsel: Ist das Rössle auf diesem Bild in Baden oder in Württemberg? Kleine Hilfestellung: Wir sind hier an der historischen Grenze zwischen dem Großherzogtum Baden-Baden und dem Herzogtum Württemberg (bzw. dem späteren Königreich Württemberg, 1806-1918). Weiter hinten hat sich die Kinzig ihren windungsreichen Weg durch die vermoorten Buntsandsteinhochflächen und felsendurchsetzen Flanken bis tief hinunter in das aus Gneis und Granit gebildete Grundgebirge gefräst.

Die Sonne lacht, der Sommer schickt seine Wärme in wehenden Wellen über die Wiesen hin, das Tal blitzt und blinkt, dass dir das Herz im Leibe springt.

Wo steht das Rössle auf obigem Bild? Weißt du es?

 Posted by at 21:51

Mit der güldnen Welle des Klangs. Ein Konzert in der Alpirsbacher Klosterkirche

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Jul 122020
 
Die Orgelskulptur in der Klosterkirche Alpirsbach. Erbaut 2006-2008 von Claudius Winterhalter in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Armin Göhringer. 35 Register, 3 Manuale.

“Mit der güldnen Welle des Lichts nimmst du das Ungemach”, so sangen wir zaghaft hinter unseren Nasen-Mund-Masken versteckt heute in einem Lied zum Gottesdienst. “Du nimmst das Ungemach mit der güldnen Welle des Lichts?” Ha? Wie schön ist das denn! Kann man das erlösende Erlebnis des Tagesanbruchs besser beschreiben?

Ich kehre eine kurze Weile nach dem Schlusssegen zurück zu einem Konzert unter dem Titel “Musik dient Gott”. Raumfüllend eröffnet die 11 m hohe fahrbare “Orgelskulptur” mit dem ersten Satz der VI. Symphonie von Charles-Marie Widor die Abfolge von Liebesliedern: “Sehet, welche Liebe”.

Das Schifflein voller Musik mit sicherer Hand und strahlend durch die gewaltige Klosterkirche hindurchleiten! Das war die Aufgabe. Die Orgel ist der Anker des Gemeindegesanges, ist der Hort der Musik im Konzert, wenn sonst auch alle Stricke reißen und unsere menschlichen, allzu menschlichen Stimmen hinter Masken zittern und zagen. Die Orgel nimmt mit der güldnen Welle des Klanges das Ungemach von den Mündern der Menschen.

Sie strahlt wirklich skulptural, diese Orgel, hier versteht man jede Stimme, die in den Raum hineingedrechselt wird, man kann alles durchhören, wenn sie von so guten Organisten gespielt wird, es geht nichts verloren! Phantastisch, sensationell, dieses Zusammenspiel des Raumes und der Stimmen, auch der menschlichen Stimme, heute ausgefüllt durch den Bariton Christian Honold!

Und die Organisten sind das Instrument für dieses Zusammenspielen. Wie begnadet muss sich das anfühlen!

MUSIK DIENT GOTT. Klosterkirche Alpirsbach, Sonntag, 12. Juli 2020, um 11.15 Uhr. Orgel: Carmen Jauch. Bariton: Christian Honold

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Glanz ohne Schärfe: beim Antritt des neuen Lebensjahres

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Jun 292020
 

In aller flaumenleichten Frühe schwammen wir am gestrigen 28. Juni in den Templiner See hinaus. Kein Laut war zu hören außer dem taktmäßigen Schwingen, mit dem ein Reiher zur Jagd ansetzte, dem leisen Rascheln einer Ente im Ufergebüsch und ganz in der Ferne schon einem ersten ratternden Zug. Ich ließ mich ganz ins Wasser untergehen, mit einigen Tauchstößen schwamm ich die Hülle des vergangenen Jahres ab, zurück blieb die abgestreifte Hülle, der Kokon des Gedächtnisses, das fadenartige Gespinst an Ahnungen, Gefühlen, dämmernden Einsichten, getroffenen Entscheidungen, das Verlieren des Grundes unter den Füßen des Augenblicks. Und doch wieder das Getragenwerden, das Entgegenschwimmen auf eine Zukunft, die dich mit offenen Armen empfängt!

Der Schwielowsee öffnete uns beim Entlangradeln gegen Ferch hin immer wieder neue Kulissen vor den Augen, er zog mir die Theatervorhänge des neuen Lebensjahres auf, strahlend, eine Ouvertüre mit einem leicht metallischen Glanz, ohne Schärfe, mit Freude, mit Liebe.

 Posted by at 22:21