Wo wir sind, ist Türkei!

 Türkisches  Kommentare deaktiviert für Wo wir sind, ist Türkei!
Nov. 072011
 

071120111412.jpg

Wie Deutschland in der Selbstkritik und Selbstentwertung der unbestrittene Weltmeister ist, so steht meiner Meinung nach in Eurasien der Türkei der unumstrittene Meistertitel im Nationalismus zu. Die uralte Tradition einer jahrtausendealten Eroberungskultur pflanzt ihr siegreiches Panier auf jedem kleinen Eiland, auf jedem Fußbreit erkämpften Bodens auf. Bei den deutschen Politikern und Journalisten herrscht aufgrund struktureller Defizite und lebensweltlicher Unkenntnis meist erstaunliche Ignoranz gegenüber diesem unbändigen türkischen Nationalstolz, von rühmlichen Ausnahmen wie etwa dem scheidenden Berliner Innensenator Körting abgesehen. Der türkische Nationalismus ist tatsächlich eine Werteklammer, die bei aller erbitterten Gegnerschaft auch die oppositionelle CHP etwa mit der regierenden AKP verbindet. Er verbindet die allermeisten Auslandstürken und verhindert die Vermischung mit den nichttürkischen Gesellschaften außerhalb des Mutterlandes.

Man würdigt es einfach nicht genügend, dass die türkische Volksgruppe in der wichtigsten Volkswirtschaft der EU von mageren 800.000 zum Zeitpunkt des Anwerbestopps (1973) auf jetzt schon 2,8 Millionen angestiegen ist. Eine strategische Glanzleistung, die der türkische Staat vollbracht hat und weiterhin vollbringt. Die fast 3 Millionen Türken in Deutschland stellen für türkische Politiker nicht nur innenpolitisch einen Machtfaktor dar, sie sind auch ein Pfund, mit dem sich außenpolitische Expansions- und Vormachtsbestrebungen untermauern lassen, so etwa im besetzten Teil Zyperns, in den Erdgaslagerstätten im Mittelmeer, gegenüber Griechenland, gegenüber Deutschland, aber auch, um Uneinigkeit zwischen EU-Ländern und zwischen den USA und der EU zu befördern.

„Wir Türken haben in Deutschland keine Rechte.“ „Unsere Bürger- und Menschenrechte werden durch den deutschen Staat systematisch verletzt.“ „Ihr Deutsche müsst einfach mehr für uns Türken tun!“ Dies ist der Grundton, den man landauf landab hören kann: mehr staatliches deutsches Geld für türkische Gruppen, mehr Fürsprache für den EU-Beitritt, mehr Senatsgeld für den Türkischen Bund Berlin Brandenburg usw. usw.

Dabei würde ein kleiner Spaziergang durch den Berliner Tiergarten oder auch ein Urlaub in der Türkei ausreichen, um diese Ignoranz zu beheben. Die stolze Fahne der Türken flattert heute, unerreichbar für den deutschen Bundesadler, hoch über dem Diplomatenviertel in Berlin-Tiergarten. Gesehen heute. Sie kündet es weithin: Wo wir sind, ist Türkei.

 Posted by at 12:12
Nov. 072011
 

061120111398.jpg

Zu den zwei oder drei beliebtesten Ländern auf der Welt zählt mittlerweile die Bundesrepublik Deutschland. Das haben Umfragen der BBC ergeben. Was mag die Ursache dafür sein? Der britische Europäer Timothy Garton Ash versucht eine Antwort:

 „Tatsachen sind subversiv“ – Timothy Garton Ash „Jahrhundertwende | Büchermarkt | Deutschlandfunk
Deutschland ist Weltmeister in Geschichtsaufarbeitung. In Vergangenheitsbewältigung.

Wie recht er doch hat! Wir sind Weltmeister. Und wir werden uns unsere Singularität nicht nehmen lassen. Da geht uns Deutschland wirklich über alles. Erst gestern kam mir dieser Singularitätsanspruch der Deutschen wieder in den Sinn. Seine Grundformel lautet: „Was wir Deutschen über all die Jahrhunderte hinweg verbrechen und verbrochen haben, ist ohnegleichen. Niemand kann uns auch nur im entferntesten das Wasser reichen! Was bei uns stattfand und stattfindet, ist ohnegleichen. Wir sind die Bösesten.“

Im herrlichen Indian Summer führte mich gestern ein Spaziergang durch den Berliner Tiergarten. Eine Metallplatte bannte unversehens meine Aufmerksamkeit: „Im nationalsozialistischen Deutschland fand eine Homosexuellen-Verfolgung ohne gleichen in der Geschichte statt.“

Da ist er wieder! Dieser Absolutheitsanspruch, in Erz gehämmert, gebrannt, gestochen und gegosssen, untermauert und zusätzlich hervorgehoben durch das bewusst falsch geschriebene „ohne gleichen“!

Ja, ja, wir sind wirklich die Besten! Die einzige Schwierigkeit besteht darin, dass Einzigartigkeitsansprüche miteinander zusammenprallen können. So wird beispielsweise immer wieder die Einzigartigkeit des Holocaust, also des Massenmordes an den europäischen Juden wiederholt. Wer diese Einzigartigkeit auch nur mit einer einzigen Silbe in Frage stellt, riskiert in Deutschland seine wissenschaftliche und politische Karriere. Zwar wird er nicht gleich vor ein Strafgericht gestellt oder ins Gefängnis geworfen. Denn die Leugnung der Einzigartigkeit des Holocaust und der Einzigartigkeit der deutschen Verbrechen ist noch kein strafbewehrtes Meinungs-Verbrechen, wie es etwa die „Herabsetzung des türkischen Staates“ in der Türkei ist. Aber sie kratzt eben doch am hart erkämpften Mythos der Unbesiegbarkeit der deutschen Schuldkultur und letztlich am BBC-Sympathieindex der Deutschen insgesamt. Die Einzigartigkeitsinfragestellung ist der Dolchstoß in den Rücken der deutschen Selbstentwertung und der sympathieerweckenden Selbstanklage!

Dazu ist es in Deutschland ratsam, die staatlichen Massenmorde anderer Nationen, aber auch die Verbrechen, die an anderen Opfergruppen der Nazis außerhalb des Holocaust und alle Verbrechen, die durch nichtdeutsche Täter begangen wurden, bewusst zu verschweigen. Wir sollten uns unseren Weltmeisterstatus nicht durch irgendwelche GULAGs, kambodschanische Killing fields, sowjetische Katyns oder Holodomors, NKWDs, Lubjankas, sowjetisch-russische Angriffskriege, französische Kollaborateure, italienisches Giftgas oder belgische Kolonialgräuel streitig machen lassen. So ist man stets auf der sicheren Seite!

Seht ihr jetzt, auf wie gefährlichem Grund diese offizielle Gedenktafel am Homosexuellen-Mahnmal in Berlin-Tiergarten steht, direkt gegenüber dem Holocaust-Mahnmal?  Es könnte doch sein, dass Kritiker und Beckmesser an dieser merkwürdigen Wendung „ohne gleichen“ Anstoß nehmen. Ich empfehle deshalb höchst vorsorglich – wie die Juristen sagen – folgenden Zusatz: „Der vorstehende Satz ist nicht so zu verstehen, als sollte damit die Einzigartigkeit des Holocaust (siehe Mahnmal gegenüber) geleugnet oder in Frage gestellt werden. Vielmehr geht es darum, die weltweite deutsche Spitzenstellung bei ganz unterschiedlichen Massenverbrechen gegenüber unterschiedlichen Opfergruppen zu bekräftigen.“

So ist es – wie ich meine – juristisch und politisch wasserdicht. Und wir bleiben doch Weltmeister!

 Posted by at 11:27
Nov. 072011
 

Wohl im Jahr 2007 oder 2008 verbrachte ich einige Stunden auf einer Reise nach Kappadokien in der Hacı-Veyiszade-Moschee und im Mevlana-Museum in Konya, dem Ort wo Maulānā Ǧalāl ad-Dīn Muḥammad-e Rūmī starb: heute eine staubige, von Touristen, Dolmuşlar und sonstigen Otobüslar überquellende Stadt, und doch umfing mich sofort beim Eintreten in die Moschee, beim Betrachten der Brunnen und Rinnsale der uralte Anhauch des Sufismus, jener in Versenkung, in Entweltlichung aufgehenden Spielart des Islam, die heute allzu wenig Beachtung findet, verdrängt und übermalt vom politisierten, mehr und mehr wahabbitisch geprägten Islam, wie er uns auch in Kreuzberg und Berlin stärker und stärker begegnet.

Eine große Freude und Ehre wurde mir vor wenigen Tagen in der Katholischen Akademie Berlin zuteil: Bei einem öffentlichen Vortrag unter dem Thema Translating Religion baten mich der Religionswissenschaftler Alan Williams und Akademie-Referent Martin Knechtges, in deutscher Sprache einige berühmte Verse Rumis vorzutragen.    

Von einem Oboenspieler habe ich mir einmal erzählen lassen, welche Mühe es kostet, dem Doppelrohrblatt dieses Instruments den klaren, eindringlich-singenden Ton zu entlocken, der die Oboe zu so einem unvergleichlichen Instrument der Klage macht, insbesondere in der Langform, dem Englischhorn.

Mit klarer, deutlicher, leicht schwebend-singender, gewissermaßen oboenartiger  Stimme versuchte ich die Verse in der Übersetzung Hellmut Ritters vorzutragen, wobei ich um jeden Laut rang, ihn formte und losfliegen ließ:

Hör dieses Rohr, wie es klagt,

             wie es von den Trennungen erzählt:

Seit man mich aus dem Röhricht schnitt,

            haben Mann und Weib ob meines Tönens geklagt und geweint.

Nur selten habe ich bisher persische Dichtung im Original vortragen hören, und doch meine ich, den eigentümlichen Klang des Persischen, der Sprache des Zarathustra, der Sprache der Parsen aus tausend Sprachen heraushören zu können: Klar, deutlich, schlicht, klangvoll, mitunter verhüllt-näselnd, oboenartig, dann wieder stolz, rein, mit großen, dunkeln weitgeöffneten Augen der Welt zugewandt. Und so erlebte ich auch den persischen Vortrag durch Aida, die ihre Muttersprache wunderbar zum Erklingen brachte.

In der Vielfalt der Sprachen scheinen mir die Worte und die Sprache, das Original und die Übersetzung  einander zuzurufen wie das Doppelrohrblatt der Oboe dem hörenden Herzen zuruft, um das König Salomon vor seiner Thronbesteigung gebeten hat. Es ereignet sich in dieser Art Übersetzung ein unvergleichliches Da der Dichtung, ein unvordenkliches Du.

 Posted by at 00:30

Thema: Zypern. Bitte aufwachen!

 Krieg und Frieden  Kommentare deaktiviert für Thema: Zypern. Bitte aufwachen!
Nov. 022011
 

Recht wenig berichten deutsche Zeitungen über das, was im Osten des Mittelmeeres vor sich geht. Griechenland, Türkei, Libyen, Syrien sind ihnen  ganz überwiegend böhmische Dörfer. Besser sind da die Zeitungen der Mittelmeeranrainer, z.B. die der Italiener. Zum Beispiel die gut gestaltete Themenseite über Zypern im italienischen  Corriere della sera vom 20.09.2011!

Famagusta im türkisch besetzten Norden der Insel, so berichtet es Guido Olimpio auf S. 17, ist eine zentrale Anlauf- und Verteilstelle für die proiranische Hizbollah und andere Milizen geworden. Von hier aus brechen – streng vom offiziellen Schiffsverkehr abgeschirmt – regelmäßig Schiffe mit neuen Waffen, Drogen und frischen Kämpfern auf.

Monica Ricci Sargentini berichtet, ebenfalls auf S. 17, über die mit militärischen Drohungen unterfütterten Spannungen zwischen  Griechenland, Türkei, Syrien, Libyen, Israel. Eine geringe Rolle spielt die EU.  Sie zeigt sich wie gehabt weiterhin schlecht informiert, „zahnlos“, und sträflicherweise sieht die EU sich immer noch vorrangig als neutraler Mittler, der im Mittelmeerraum keine eigenen Interessen vertreten dürfe. Hallo! Bitte aufwachen!

Und Deutschland? Ergeht sich in Bußfertigkeitsbekundungen gegenüber der weiterhin sehr schnell anwachsenden türkischen Volksgruppe in Deutschland.

 Posted by at 10:05
Nov. 012011
 

Immer wieder wird verlangt, die Türkei solle sich an „Europa“ anpassen, sie sei noch nicht reif für „Europa“. Einspruch: Ich bin überzeugt, wir als EU müssen uns in punkto Lohnpolitik an die Türkei anpassen. Denn wir in der EU stehen im direkten Wettbewerb nicht nur mit China, sondern Griechenland etwa steht im direkten Wettbewerb mit der Türkei, mit dem EU-Land Bulgarien, mit Korea und anderen Niedriglohnländern.

Soll ein deutscher Waschmaschinenhersteller in der Türkei oder in Griechenland investieren?  In Griechenland bezahlt er Renten für die vielen längst verstorbenen  „Hundertjährigen“ mit und auch noch die Portiersstelle für den Sohn eines Parteifunktionärs. In der Türkei bezahlt er den gesetzlichen Mindestlohn – und gut ist. Iyim, wie der Türke sagt.

Als ausgewiesener Freund der Türkei muss ich meine alte Frage wiederholen: Täte uns ein Mindestlohn etwa auf Höhe des türkischen Mindestlohnes gut? Er beträgt derzeit etwa 400/Euro pro Monat.

Das wär doch was für die deutsche Linke: Abschaffung von Hartz IV (eine langgehegte Forderung der Linken) bei gleichzeitiger Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes in Höhe des türkischen Mindestlohnes von ca. 380 Euro/Monat? Arbeit ist genug da!

Man muss darüber nachdenken. Zur Zeit schnappt das raffgierige Deutschland Generation um Generation türkischer Männer und Frauen in das eigene System, wo es mit staatlicher Unterstützung möglich ist, ohne jede Eigenanstrengung jahrzehntelang im „Paradies“ zu leben, wie dies Kazim Erdogan ausdrückt.

Das deutsche Sozialsystem ist der billige Fusel, der die Türken in Deutschland lähmt und schwächt, wie einst das Feuerwasser den Roten Mann in Amerika geschwächt hat.

Die Jungtürken haben eine gewaltige Europäisierung der Türkei durchgeführt. Sie verlangten die Einhaltung europäisch orientierter Gesetze statt sich aufs Faulbett der osmanischen Verteilungspolitik zu legen.

Der EU steht diese „Europäisierung“ noch bevor.

Ratsam ist es, den Menschen Arbeit zu niedrigen Löhnen anzubieten und das Sozialsystem und das gigantische Geldumverteilungssystem der EU kräftig  zurückzuschneiden. Der Mindestlohn auf niedriger Höhe, der ein würdiges Dasein ermöglicht, bei gleichzeitigen Umverteilungskürzungen wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Wir wären reifer für die Türkei, reifer für den Weltmarkt.

Europäische Union: Westerwelle gegen raschen Beitritt der Türkei – Ausland – FAZ

 Posted by at 10:36

İpek İpekçioğlu, oder: Ein Lob für die Namensgebungsfreiheit!

 Gedächtniskultur, Integration, Migration, Türkisches, Vergangenheitsbewältigung  Kommentare deaktiviert für İpek İpekçioğlu, oder: Ein Lob für die Namensgebungsfreiheit!
Okt. 312011
 

Was mich wirklich freut, ist, dass man in Deutschland noch offen sagen kann, dass die Türkei kurdische, also untürkische Vornamen gesetzlich verbietet und auch drei (3)  lateinische Buchstaben gesetzlich untersagt, ohne dass man, wenn man dies behauptet, deswegen gleich als rassistisch abgestempelt wird. Wisse: In der Türkei sind grundsätzlich türkische Namen vorgeschrieben. Das X, das W und das Q sind amtlich bei Namen in der Türkei nicht zugelassen. Der Staat, der bei seiner Gründung nur knapp 55% Türken umfasste, setzt seine radikale Türkisierungspolitik mit Buchstaben- und Publikationsverboten weiterhin unerbittlich durch.

Verhaftungen unliebsamer  Verleger und Autoren passen ins Bild. Soeben erreicht mich die Nachricht, dass der Verleger Ragip Zarakolu (Verlag Belge) in Istanbul verhaftet worden ist. Er hat sich eines Vergehens schuldig gemacht, das aus der Sicht des türkischen Staates kaum verzeihlich ist: er wollte einer Einladung der Universität Potsdam folgen und die innertürkischen Debatten über die Jahre 1915/1916 auf einer Konferenz diskutieren.

Das wäre etwa so schlimm, wie wenn man als deutscher Verleger im Ausland, etwa in Israel oder New York, über die historischen Debatten der Deutschen über die Jahre 1914-1918 sprechen wollte. Wollte man dem türkischen Beispiel folgen, so müsste man diesen unbotmäßigen Verleger, der die schmutzige Wäsche der Deutschen in New York oder Tel Aviv waschen möchte, durch rechtzeitige Verhaftung an der Ausreise hindern.

Die Unterdrückung aller untürkischen Umtriebe und untürkischen Kulturen drückt die Türkei in solchen Buchstaben- und Ausreiseverboten aus.

Umgekehrt werden deutsche Standesämter und auch Wahlämter selbstverständlich Vornamen wie Burkay, Aylin oder İpek, Nachnamen wie  İpekçioğlu oder Çakmak einschließlich aller diakritischen Zeichen akzeptieren und als vollgültig anerkennen.

Namen sind wichtig! Sie sind Abstammungs- und Identitätsmerkmale erster Ordnung. Bis weit in die dritte und vierte und x-te Genration hinein definieren deshalb die Auslandstürken sich über die Namen und das „Blut“, also die Abstammung. Wenn man einmal alle Strophen der türkischen Nationalhymne liest, wird man erstaunt sein, wie oft das Wort „Boden“ und das Wort „Blut“ vorkommen. Türkischer Boden, türkisches Blut gelten in der Türkei unbefragt als heilig, als unantastbar. Wer diese staatlich gebotene, gewissermaßen religiöse Verehrung der Türken für den eigenen Boden, das eigene Blut, für den Staatsgründer nicht durchschaut und anerkennt, wird niemals etwa den Paragraphen 301 des türkischen  Strafgesetzbuches verstehen und sollte seinen Fuß gar nicht erst in die Türkei setzen.

Die türkische Hochschätzung des völkischen Abstammungsdenkens zeigt sich überdeutlich am Heiratsverhalten der Auslandstürken und an der Namengebung: Ich kenne keinen einzigen in Deutschland lebenden Türken, der  keinen türkischen Vornamen trüge. Während in Deutschland Namen wie Dennis, Mirko, Aylin, Emily, Louis, Fynn und Luca gang und gäbe auf Standesämtern und in Babynestern sind, wird kein deutscher Türke oder türkischer Deutscher von echtem Schrot und Korn seinen Sohn Martin, Luca, Julian oder Christian nennen. Das würde ihm die Familie nicht verzeihen. Denn es würde bedeuten, dass der Türke seine Zugehörigkeit zur neuen Heimat, also zu Deutschland, auch sprachlich ausdrücken würde.

Wenn ein Türke plötzlich einen untürkischen oder deutschen Vornamen bekäme, würde das von der überwältigenden Mehrheit der Türken sofort als Verrat am türkischen Boden und Blut angesehen. Denn Türkischsein wird bei der Mehrheit der Türken unverändert „über das Blut definiert“, wie dies  İpek İpekçioğlu so schön auf Seite 42 des aktuellen SPIEGEL ausdrückt.

Anders ist es  selbstverständlich bei den Deutschen, Italienern, Spaniern, Franzosen in Deutschland – wie sich aus dem Heiratsverhalten und der Namengebung ableiten lässt.

Fast alle Berliner Türken heiraten wieder Türken, wobei etwa die Hälfte von ihnen den Ehepartner vom heiligen Boden der Türkei hereinholt. Durch das stete Nachholen von Ehepartnern aus der Türkei, oftmals obendrein aus der ferneren Blutsverwandtschaft,  erhält sich die türkische Volksgruppe auch im Ausland ethnisch nahezu „rein“ und „blutmäßig“ nahezu unvermischt. Und genau das will offenbar der türkische Staat. Der Gefahr, dass die türkische Gesellschaft sich mit der umgebenden deutschen Gesellschaft vermischen oder sich in sie integrieren könnte, wird so wirksam vorgebeugt. Die allermeisten Auslandstürken bleiben so dem türkischen Staat dauerhaft verbunden, das ewige Türkentum erleidet in Deutschland keine Verluste, sondern wird im Gegenteil noch gestärkt. Die Deutschen schauen geduldig zu, machen sich nur ab und an Vorwürfe, dass sie als Deutsche es den Türken so furchtbar, so wahnsinnig schwer machen, sich zu—  integrieren: „Wir sind ja so hartherzig! Wir müssen die Türken mehr fördern – durch eine Willkommenskultur!“

Man lese nur den aktuellen SPIEGEL mit seiner unermüdlich wiederholten, typisch deutschen Selbstanklage in der zum Weinen und zum  Schmunzeln auffordernden, von Wahrheiten und Halbwahrheiten nur so strotzenden Jeremiade „Fremde Heimat“.

Bei keiner in Deutschland lebenden Volksgruppe ist das Abstammungsdenken so stark ausgeprägt wie bei den Türken. Dass die Türken nach Deutschland aufgebrochen sind, um letztlich hier deutsche Staatsbürger mit allen Rechten und Pflichten zu werden, ist eine der frömmsten, gleichwohl trügerischsten Hoffnungen der deutschen Integrationspolitik. Aus dieser Hoffnung machen viele Politiker, auch und vor allem die selbsternannten politischen Vormünder der Türken,  ein einträgliches Geschäft.

Die Türken selber sehen es anders. Sie kamen ab 1951 und auch ab 1981 und  kommen weiterhin aus bitterer Not, aus Perspektivlosigkeit und Arbeitslosigkeit, aus politischer Unterdrückung und Verfolgung aus der Türkei nach Deutschland, weil das hier für sie das Paradies war und ist, wie es der Neuköllner Kazim Erdogan soeben im Tagesspiegel wieder ausdrückt.

Mit Brief und Siegel.

Quellen:

„Fremde Heimat“, DER SPIEGEL Nr. 44/31.10.2011, S. 38-44
„Verleger Ragip Zarakolu in Istanbul verhaftet“, DIE WELT, 31.10.2011, S. 21
Einwanderer in Deutschland: „Wir dürfen die Eltern nicht verteufeln“ – Berlin – Tagesspiegel

Sie kamen 1974 nach Berlin. Warum?

Weil ein Onkel von mir hier lebte und weil mir ein Schulfreund ständig von seinem Vater vorschwärmte, der gleich nach dem Anwerbeabkommen nach Deutschland ging. Nach dessen Erzählungen war hier das Paradies.

 Posted by at 11:48
Okt. 292011
 

Sprechen wir weniger über Pläne und Lernziele, über Systeme und Curricula, über Integrationshindernisse und Integationsverweigerung!

Sprechen wir über Vorbilder!

Meine Mutter war mein Vorbild, sie hat mir gezeigt, dass man sich nie hängenlassen darf“, sagt der Tempelhofer Klaus Wowereit, dem wir nicht zur Wiederwahl ins Abgeordnetenhaus gratulieren können.  „Mein Lehrer Türk war ein richtiges Vorbild …“, sagt der Kreuzberger Özcan Mutlu, dem wir zur Wiederwahl ins Abgeordnetenhaus gratulieren.

In Familie und Schule scheint nichts so wichtig zu sein wie das persönliche Vorbild.

Erziehung ist Beziehung! Wir haben es geahnt.

Ich meine darüber hinaus: kulturelle Vorbilder können genau so wichtig werden wie persönlich erlebte Vorbilder, je älter die Kinder werden. Vom Drachentöter Siegfried, Dornröschen, Fanny Hensel, dem einen, der auszog, um das Fürchten zu lernen, über Odysseus, die heilige Hildegard von Bingen, Achilles, Jesus von Nazareth, Sokrates von Athen, die heilige Elisabeth von Thüringen, Parzival bis hin zu Harry Potter: Kinder brauchen klare, greifbare Menschen, an denen sie sich abarbeiten können.

Kulturelle Vorbilder sind Leitbilder, an denen sich Gesellschaften über Jahrzehnte und Jahrhunderte hin orientieren können.

Dass unsere Kinder aus dem reichen Schatz europäischer und deutscher Vorbilder in Familie und Schule, in Medienwelt und Alltag fast nichts mehr erfahren, ist ein unverzeihliches, ein fast nicht gutzumachendes „Integrationshindernis“.

Erstaunlich ist es nicht, dass ausgerechnet eine ehemalige Erzieherin, die englische Autorin  J.K.Rowling, mit einer Romanserie zum Thema „An Vorbildern reifen“ so riesigen Erfolg weltweit hatte: Harry Potter. Es zeigt nur zum tausendsten Mal, dass Kinder hungrig nach Vorbildern sind.

Karriere eines Gastarbeiterkindes: Der Türke und Herr Türk – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik
„Türk war ein richtiges Vorbild, er war nicht autoritär und trotzdem streng, wenn es darauf ankam. Und das Wichtigste: Er hatte immer eine Linie, ein Konzept.“

 Posted by at 20:46

Freunde, nicht diese Töne!

 Donna moderna, Frau und Mann  Kommentare deaktiviert für Freunde, nicht diese Töne!
Okt. 272011
 
War der Blogger zu scharf in seiner Verurteilung des widerwärtig-denunziatorischen Briefes der Studierendenschaft der Uni Trier vom 21.10.2011?

Ja! Versöhnung ist angesagt! Ich schlage deshalb folgende Kompromissformel vor:

„Was van Creveld sagt, mag zwar für die allermeisten Frauen und allermeisten Kriege von etwa 2000 v.u.Z. bis etwa 1980 u.Z. zutreffen. Aber seither herrscht im zivilisierten Mitteleuropa ein anderes Frauenbild, mindestens in Deutschland, mindestens bei uns in Rheinland-Pfalz. Wir gehen seit 1980 herrlichen Zeiten entgegen, was allein schon aus der Tatsache hervorgeht, dass an der Uni Trier seit 1945 kein Krieg mehr stattgefunden hat und keine Frauen zugeschaut haben, wie Männer sich gegenseitig abschlachten. Für die rückwärtsgewandten Ansichten eines Historikers wie Martin van Creveld darf es deshalb keinen Platz an der Uni Trier und im sonstigen zivilisierten Mitteleuropa geben.“

Studierende! Könnt ihr damit leben?

 Posted by at 12:43

Das also ist der Püdelin Kern!

 Europäische Bürgerkriege 1914-????, Feig, Freiheit, Vergangenheitsbewältigung  Kommentare deaktiviert für Das also ist der Püdelin Kern!
Okt. 272011
 

Der israelisch-jüdisch Militärhistoriker Martin van Creveld hat mehrfach in der „Jungen Freiheit“ veröffentlicht. Sieh an! Unverzeihlich in den Augen der strammen GesinnungswächterInnen. Sie rufen zum Boykott, zum Ausschluss des jüdischen Wissenschaftlers auf. Alles wie gehabt. Militante deutsche Gruppen behaupten die Welt von unrechten Meinungen säubern zu müssen, feige deutsche Professoren und deutsche Universitätsgremien passen sich speichelleckerisch an. Geschehen in Rheinland-Pfalz im Jahr 2011. Würdelos wie gehabt.

Offener_Brief_211011.pdf (application/pdf-Objekt)

 Posted by at 12:27

Die linken und feministischen Gruppen der Uni Trier führen Deutschland und die Welt herrlichen Zeiten entgegen

 Donna moderna, Frau und Mann, Vergangenheitsbewältigung  Kommentare deaktiviert für Die linken und feministischen Gruppen der Uni Trier führen Deutschland und die Welt herrlichen Zeiten entgegen
Okt. 272011
 

Nur ein Buch und einige wenige Artikel des weltweit anerkannten israelischen Militärhistorikers Martin van Creveld habe ich gelesen; ich danke ihnen wertvolle, sachlich reich unterfütterte Erkenntnisse zu Entstehung, Fortgang und ideologischer Untermauerung militärischer Konflikte. Soweit ich das beurteilen kann, ist er ein sauber arbeitender, Quellen umfangreich konsultierender Kriegsgeschichtswissenschaftler. Aber ich bin nur ein einfacher Bürger der Bundesrepublik Deutschland, kein Historiker, geschweige denn ein Doktor.

Was mich bei Kriegen seit Hektor und Andromache, aber auch bei den jubelnden deutschen Mädeln und „deutschen Frau’n“ von 1914 bis 1945, bei den Jugoslawien-Kriegen der 90-er Jahre, aber auch bei den jetzt laufenden Kriegen am Südsaum der EU  immer wieder entsetzt und erschüttert hat, ist die vorbehaltlose Begeisterung und Bewunderung, mit der so viele Frauen ihre Söhne und Männer in den Kampf schickten. Bei Boxkämpfen und Catch-as-can-Events ist es heute noch jeden Tag zu sehen.

Zugespitzt hat diesen unleugbaren Befund Martin van Creveld in seiner herrlich angreifbaren Aussage: „Viele Frauen genießen es, wenn sie sehen, wie Männer sich abschlachten.“  Tja, was soll man dazu sagen? Dieser Satz Martin van Crevelds ist eben so richtig und ebenso falsch wie der Satz: „Viele Männer genießen es, wenn sie sehen, wie Frauen kochen und sich um Kleinkinder und verwundete Soldaten kümmern.“

Hört her! Ich behaupte dies einfach mal:

„Viele Männer genießen es, wenn sie sehen, wie Frauen kochen und die Wohnung aufräumen und sich um verwundete Soldaten kümmern.“

Darf mann so etwas Schlimmes und Böses sagen?

Genug! Die linken Gruppen der Universität Trier nehmen Anstoß! Wie kann er nur so etwas sagen!

Die Universität Trier hat die Gastverpflichtung mit dem Historiker Martin van Creveld gelöst. Ein Fall des vorauseilenden Gehorsams vor den linken Gruppen. Ebenso feige finde ich dieses Verhalten der Uni Trier wie den vorauseilenden Gehorsam der deutschen Ordinarien nach der „Machtergreifung“ im Jahr 1933. Auch damals wollte man den neuen, den endlich befreiten Menschen schaffen! Weg mit der Meinungsfreiheit!

Wahrlich, die linken und feministischen Gruppen der Universität Trier führen Deutschland, Israel und morgen die ganze Welt herrlichen Zeiten entgegen. Alles hört auf ihr Kommando:

„DIE AU-GEN LINKS! VORRRWÄRRRTS MARRRRSCH! WERR aus der Reihe scherrt, wird ausgesonderrrt!“

Vortrags-Panne: Uni Trier brüskiert renommierten Kriegsforscher – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – UniSPIEGEL

 Posted by at 12:16

Willkommen, ungeliebte Fahrradhelme und bespöttelte Warnwesten in fröhlichen Farben!

 Fahrrad  Kommentare deaktiviert für Willkommen, ungeliebte Fahrradhelme und bespöttelte Warnwesten in fröhlichen Farben!
Okt. 262011
 

Das Spötteln über klobige Fahrradhelme und über leuchtende, fröhliche Farben der Müllkutscher und der Rettungssanitäter, die ich selbst ebenfalls gern trage, geht mir aber so was am Fahrradsattel vorbei! Ich mag beides – sowohl den furchtbar spießigen Fahrradhelm als auch die tolle prollige Warnweste. In diesen – zugegebenermaßen anfechtbaren – modischen Entscheidungen sehe ich mich erneut bestätigt durch folgende neuere Veröffentlichung:J. Gutsche et al.:
Helmtragequoten bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland und vermeidbare Kopfverletzungen bei Fahrradunfällen.
Das Gesundheitswesen 2011; 73 (8/9): S.491-498

Aus dem Inhalt:

Presseservice: Ungeliebte Fahrradhelme vermeiden viele Kopfverletzungen
Die Statistiken zeigen: Nach Arm und Bein ist der Kopf das am häufigsten beschädigte Körperteil. Viele Verletzungen wären durch Fahrradhelme vermeidbar. Die Schutzwirkung stehe außer Zweifel, schreibt die Forscherin: Nach wissenschaftlichen Studien sinke das Risiko einer Kopfverletzung um 69 Prozent, wenn Radfahrer einen Helm tragen.

In Deutschland halten sich aber viele Kinder und Jugendliche nicht an die Empfehlungen. Dies hatte zuletzt der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert Koch-Instituts ergeben. Dort waren die Mütter von 3- bis 17-Jährigen gefragt worden, ob ihr Kind regelmäßig beim Radfahren einen Helm trägt. Im Alter von 3–6 Jahren war dies bei 90 Prozent der Fall, so Gutsche. Der Anteil nehme mit zunehmendem Alter jedoch stark ab, und von den Teenagern (14–17 Jahre) schützen sich nur noch 11 Prozent.

Das Team um die RKI-Wissenschaftlerin hat die Ergebnisse des KiGGS mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Schutzwirkung in Beziehung gesetzt und den sogenannten PAR-Wert berechnet. PAR steht für „population attributable risk“ zu deutsch: bevölkerungsbezogenes zuschreibbares Risiko. Gemeint ist der rechnerische Anteil aller Kopfverletzungen nach Radunfällen, der durch das Tragen von Helmen verhindert werden könnte. Da ältere Kinder und Jugendliche meist ohne Helm radeln, ist der PAR bei ihnen besonders hoch: In der Altersgruppe der 11- bis 13-Jährigen beträgt er nach den Berechnungen von Gutsche 57 Prozent, bei den 14- bis 17-Jährigen sogar 66 Prozent.

Eine Helmpflicht wie in Schweden, Kroatien, Spanien und Finnland hält die Autorin in Deutschland jedoch nicht für konsensfähig. Selbst der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) ist dagegen. Er befürchtet einen Rückgang der Fahrradnutzung. Nicht bestritten wird allerdings, dass Helme schützen. Wenn es gelänge drei Viertel der jugendlichen Radler zu motivieren, würde nach den Berechnungen von Johanna Gutsche der Anteil der vermeidbaren Kopfverletzungen bei Jugendlichen deutlich auf 35 Prozent zurückgehen.

J. Gutsche et al.:
Helmtragequoten bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland und vermeidbare Kopfverletzungen bei Fahrradunfällen.
Das Gesundheitswesen 2011; 73 (8/9): S.491-498

 Posted by at 22:45

Die Versiegelung der europäischen Geschichte

 Europäische Bürgerkriege 1914-????, Vergangenheitsunterschlagung  Kommentare deaktiviert für Die Versiegelung der europäischen Geschichte
Okt. 262011
 

Wieder und wieder stoße ich auf Grab- und Bodenplatten der europäischen Geschichte – Vorgänge, die verdrängt und vergessen werden, die aber machtvoll nach oben quellen. Die schrecklichen Bürgerkriege innerhalb vieler europäischer Länder gehören zu diesen furchtbaren Vergessenheiten. Wer weiß etwa in Italien, dass der italienische Bürgerkrieg in den Jahren 1943-1945 – „Italiener schießen auf Italiener“ – weit mehr Todesopfer im Bel paese gefordert hat, weit furchtbarer war als alle Kämpfe im Kontext des zwischenstaatlichen Krieges? Wer weiß etwa heute, dass die Massenmorde der Italiener in Addis Abbeba, der Hauptstadt des italienisch besetzten Abessinien, im Februar 1937 Tausende von unschuldigen Zivilisten das Leben kosteten? Kein Italiener ist für die staatlich gedeckten und angeordneten Massaker je zur Rechenschaft gezogen worden, es gibt meines Wissens über die Kriegs- und Kolonialgräuel der Italiener keinen einzigen Spielfilm. Keine Schulklasse reist mit einem Zug der Erinnerung nach Libyen oder ins kroatische Rab, um ehemalige italienische Konzentrationslager oder Stätten italienischer Massenmorde wie etwa Debrá Libanós zu besuchen. Die allermeisten italienischen Schüler hören nie etwas davon. Lieber bleibt man bei der Vorstellung Italiani – brava gente. „So etwas haben wir nicht getan, denn wir können es nicht getan haben. Denn wir sind gut.“ Und so bleiben die finstersten Kapitel des nationalen Epos versiegelt. Nur wenige Historiker wie etwa Angelo del Boca rütteln an diesen Überzeugungen.

Gleiche Situation in Griechenland, in Lettland, in der Ukraine, in Russland! Die Länder üben sich im Vergessen, Verschütten, Verdrängen. Und schuld an der Schuld, schuld an den Schulden sind immer die anderen. Das ist das große Thema etwa des griechischen Regisseurs Theo Angelopoulos. Über ihn schreibt heute Andreas Kilb auf S. 36 in der FAZ:

„Das Land, das sich im Bürgerkrieg gespalten hat, ist niemals eins geworden, es hat seine Zerrisssenheit nur verdrängt. Damit die Mächtigen bei ihren Silvesterfeiern unter sich bleiben konnten, wurde das Wahlvolk mit Geldgeschenken beschwichtigt. Und wie der tote Partisan, der am Ende des Films wieder im Schnee verbuddelt wird, blieb das finsterste Kapitel des nationalen Epos unter Verschluss.“

Quellenangaben:

Andreas Kilb: Die letzten Tage der besseren Gesellschaft. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.10.2011,  S. 36
Paul Ginsborg: Salviamo l’Italia. Giulio Einaudi editore, Torino 2010, S. 71-72

 Posted by at 15:08
Okt. 262011
 

So hört man es immer wieder bei Sonntagsreden: Frieden und Wohlstand sind die großen Errungenschaften der Europäischen Union.

Eine falsche Akzentsetzung, wie ich meine. Ein Missverständnis. Frank-Walter Steinmeier brachte sie soeben wieder im Bundestag. Ich meine: Die EU ist – entgegen den Erwartungen der egoistischen Nationalstaaten – vorrangig keine Veranstaltung zur Mehrung des Wohlstandes. Sehr wohl soll sie zwar der Friedenssicherung dienen. Und das hat sie bisher mehr schlecht als recht geschafft. Denn die EU ist militärisch zahnlos, und sie konnte weder die Kriege in Jugoslawien noch die jahrzehntelange Gewalt am eigenen Südsaum, also in den Mittelmeerländern verhindern.

Neben das Ziel des Friedens tritt aber für die EU gleichberechtigt nicht der Wohlstand, sondern das Ziel der Freiheit. Nur in Freiheit ist der Frieden sinnvoll und dauerhaft zu sichern.

Der große Irrtum der EU-Politik ist die Verengung auf das Wirtschaftliche, auf das Monetäre und das Finanzielle. Niemand – außer vielleicht Beethovens Hymne „An die Freude“ und einzelnen Stimmen wie etwa Navid Kermani  – vermag heute einen starken, leidenschaftlichen Sturm zum Sinn der Europäischen Union zu entfachen.

Geld regiert die Welt der EU. Dadurch wird die Freiheit der künftigen Generationen bedroht, und der Frieden ist zumindest in Griechenland bereits jetzt gefährdet.

Regierungserklärung im Live-Ticker – Steinmeier sieht Europas Zukunft in höchster Gefahr – Inland – Berliner Morgenpost – Berlin

 Posted by at 13:34