„Kinderarmut“ wegen Hartz IV, spielsüchtige Väter in Neuköllner Spielhallen, „staatliche Jungenförderung“ … was brauchen Jungen, die armen Jungen wirklich? Was brauchen Kinder?
Ich meine: Die größte seelische Verarmung erleiden – insgesamt gesehen und statistisch gewertet – die Berliner Kinder, vor allem die Berliner Jungen, durch die abwesenden Väter.
Nicht materielle Armut benachteiligt die Kinder, sondern das Fehlen des guten Vaters. Die geradezu schrankenlosen Glückserwartungen, die in Berlin und in Deutschland überhaupt auf den versorgenden, den pervers-mütterlichen Staat gerichtet werden, entspringen meist dem Fehlen einer tatkräftigen Vorbildgestalt, wie sie üblicherweise der Vater ist.
Die Bestätigung liefert in aller Deutlichkeit Walter Kohl in seinem neuen Buch:
Darin heißt es, die große Akzeptanz des Bundesverfassungsgerichts entspringe auch der Tatsache, dass die Richter dort grundsätzlich nicht aus der ersten Reihe der aktiven Politik stammen. Werde diese Praxis nun geändert, könne dies dazu führen, das öffentliche Vertrauen in das Karlsruher Gericht als selbstständigem Verfassungsgericht erheblich zu beschädigen.
Meldung 1 verwendet den Akkusativ, Meldung 2 den Dativ. Was ist richtig?
Antwort: Meldung 1 ist grammatisch richtig, Meldung 2 ist grammatisch falsch. Warum? Als selbständiges Verfassungsgericht ist Apposition, eine erläuternde Beifügung, die sich im Kasus in aller Regel nach dem Bezugswort richten muss. Die Nominalgruppe Vertrauen in das KarlsruherGericht verwendet den Akkusativ, folglich muss auch die Apposition „als selbständiges Verfassungsgericht“ im Akkusativ stehen.
Auffällig bleibt gleichwohl, dass viele Sprechende und Schreibende bei Appositionen oft den Dativ statt eines anderen Kasus verwenden. Sie weichen auf den Dativ aus, obwohl Genitiv oder Akkusativ grammatisch richtig wären. Hierfür ein weiteres beliebiges Beispiel aus der jüngsten Lektüre. Über die Stadt Domažlice (dt. Taus) lasen wir am Sonntag in einem Buch über die Geschichte Tschechiens:
„Das im 13. Jahrhundert gegründete Domažlice an der Straße von Prag nach Regensburg war einst die westlichste Stadt im Königreich Böhmen. Jahrhundertelang war es zudem das Zentrum der Choden, einem slawischen Volksstamm mit eigener Mundart und eigenen Bräuchen.“
Was sagen die Schulmeister zu dem Phänomen? Die in meiner Handbibliothek befindliche sechste Auflage der Duden-Grammatik äußert sich so: „Nicht selten wird die Apposition – vor allem nach Präpositionalgruppen – fälschlich in den Dativ gesetzt, obwohl das Bezugswort in einem anderen Kasus steht.“ Die neueste Duden-Grammatik (8. Auflage), welche ich bei einem kurzen Besuch der Buchhandlung am Potsdamer Platz zu Rate zog, hält sich etwas vornehmer zurück. Sie nennt diese ausweichende Dativ-Verwendung bei Appositionen nicht mehr falsch, sondern ungrammatisch.
Ich persönlich bin – wie so oft – ein Anhänger der alten Schule. Ich halte die genannten Beispiele des Ausweichens in der Süddeutschen Zeitung und dem Buch über Tschechien für „grammatisch falsch“ und meine, es wäre für uns alle besser, die Apposition hier im Kasus an das Bezugswort anzugleichen.
Ich vertrete die Auffassung, dass nur folgende Fassungen richtig sind:
„Jahrhundertelang war es zudem das Zentrum der Choden, eines slawischen Volksstamms mit eigener Mundart und eigenen Bräuchen.“
„Das Vertrauen in das Bundesverfassungsgericht als selbständiges Gericht wird beschädigt.“
Aber der Mensch ist frei, wie gerade das Bundesverfassungsgericht immer wieder bekräftigt hat. Keiner kann gezwungen werden, richtiges Deutsch zu schreiben!
Ob sie nun von den Choden, den Schlesiern, den Kurden, den Tscherkessen oder den Sueben abstammen: Der Blogger setzt volles Vertrauen in die deutsche Sprache als kraftvoll sich weiterentwickelndes Leitmedium der Verständigung zwischen allen in Deutschland lebenden Menschen gleich welchen ethnischen Hintergrundes.
Belege:
DUDEN. Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. 6. Auflage, Dudenverlag Mannheim, 1998, S. 744
Markus Mauritz: Tschechien. Verlag Friedrich Pustet Regensburg, Südosteuropa-Gesellschaft München 2002, S. 249
AfrikaKommentare deaktiviert für Est-ce que la Tunisie est la solution? Et après?
Jan.262011
„Journée de révolte contre la torture, la pauvreté, la corruption et le chômage.“ Bien. C’est ce que je viens de lire dans Le Monde. „La Tunisie est la solution.“ Et après?
Il faut demander: Quelle Tunisie? Celle d’hier? Celle d’aujourd’hui?
Je dis: Il faut être positiv. Chaque révolution a besoin d’un but précis: la démocratie, l’Êtat du droit, la solidarité, la liberté du culte. Le travail, l’éducation.
Il faut garder en avant. Il faut faire des projets pour l’après, d’ores et déjà.
„Moubarak, dégage „, „la Tunisie est la solution „, ont scandé les manifestants au Caire comme à Alexandrie Nord, la deuxième ville du pays, face à un dispositif policier massif.
Extreme Staatsabhängigkeit, Verharren in Unmündigkeit, eine grenzenlose Anspruchshaltung gegenüber dem mütterlichen Staat, der alle Geselligkeitswünsche unterstützen muss: das ist die Haltung, die sich die butterweichen, gluckenhaften Regierungen unseres Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, unserer Stadt Berlin über die Jahrzehnte herangezüchtet haben. Bezeichnend für diese Anspruchshaltung: Wenn eine Wohnmöglichkeit ausläuft, weil der Hauseigentümer gekündigt hat, wird sofort vom Staat, in diesem Fall vom Berliner Senat, eine wärmende Mutterhöhle verlangt. „Fein sein – beinander bleibn!“, heißt es im Bayrischen Volkslied.
Die Bewohner der Liebig 14 hinterlassen den Eindruck von kleinen Kindern, die von ihren Eltern verlangen, sie sollten ihnen eine wärmende Höhle – also eine „Wohnalternative“ – auf Lebenszeit bereitstellen. Und wenn Mutti und Papi nicht wollen, wie es die Kiddies verlangen, wird Rabatz geschlagen. Wenn Mami und Papi vom SPD/Linke-Senat sagen: „Dafür sind wir nicht zuständig, ihr seid erwachsene Menschen, sucht euch einen Platz, arbeitet dafür!“, wird losgeplärrt: „Wie könnt ihr so böse, so gleichgültig sein, uaah! uaghh!“ Und dann werden die Buben und Mädchen richtig, richtig BÖSE! Lest:
Hausprojekt Liebig 14: Politik zofft sich vor der Räumung – taz.de
„Der Senat hat keine einzige Wohnalternative für das Projekt im Friedrichshain angeboten“, kritisierte die Grünen-Abgeordnete Canan Bayram. Auch habe sich die SPD an keinem runden Tisch beteiligt. „Da herrscht Gleichgültigkeit.“
Was hätte Alexander Mitscherlich dazu gesagt? Wahrscheinlich dies:
Alexander Mitscherlich – Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft
»In der unübersichtlichen Massengesellschaft«, schrieb Mitscherlich 1963, »hat diese autoritäre Form der Eingewöhnung in das soziale Feld aber eine unerwartete Antwort gefunden, nämlich eine Stärkung der Abhängigkeitsbestrebungen und eine Bejahung der Unmündigkeit. Das faktische Gegenbild zu den für unsere Zeitläufte charakteristischen Helden der Massen sind die initiativarmen Frühpensionäre, die in ihren Wohlfahrtsstaaten nie flügge werden wollen.«
Kochen, Tugend, VerwöhntKommentare deaktiviert für Turnhalle oder Mensa? Fordern oder verwöhnen?
Jan.242011
Eine Turnhalle dient der körperlichen Ertüchtigung. Dort lernen Kinder und Jugendliche springen, laufen, heben, sie üben das Zusammenwirken in Mannschaften, sie tun etwas für die Fitness, sie bauen motorische Defizite ab, wie sie etwa Kapitän Schatz von der Gorch Fock so bitter beklagt hat: „Die Jungs schaffen heute keine 10 Klimmzüge mehr.“ Die Turnhalle fordert den körperlichen Einsatz, sie stärkt die leiblich-seelischen Kräfte. Sie ist symbolisch der „strenge Vater“, der Anstrengung von den Kindern verlangt.
Eine Mensa dagegen bietet wie eine symbolische gute Mutter gesundes, warmes Essen an. Dort bekommen Kinder und Jugendliche ohne eigene Mühe hochwertige Kost, hochwertiges Essen zu niedrigem Preis oder ganz auf Kosten des Staates. Die Väter und Mütter, die Kinder und Jugendlichen brauchen nicht mehr selbst einzukaufen und zu kochen, der Staat versorgt die Kinder mit Essen und Trinken. Die Mensa ist ganz lieb und ganz mütterlich zu den Kindern, versorgt die Bürger gütig mit dem Lebensnotwendigen.
Eindeutig zugunsten des verwöhnenden Versorgungsstaates spricht sich SPD-Fraktionschef Müller aus.
Ich halte das für ein verheerendes Signal. Umgekehrt ist es richtig! Eine neue Turnhalle ist wichtiger als eine neue Mensa! Mehr Sport, mehr körperliche Anforderungen, mehr Selberkochen, mehr Eigenverantwortung für die Ernährung – das tut den Berliner Kindern not! Viele Familien kochen nicht mehr warm, obwohl sie Zeit und Geld dafür haben.
Die Mütter und Väter sollen mehr selber kochen, die Kinder und Jugendlichen sollen lernen, wie man sich gesund, hochwertig und auf eigene Kosten ernähren kann!
Ich zum Beispiel schwöre im Winter auf Kohl in allen Variationen: Weißkohl, Wirsing, Rosenkohl, Chinakohl, Rotkohl, das schleppe ich aus dem Niedrigpreis (NP) an – dazu die passende Sättigungsbeilage (Kartoffeln, Nudeln) und ein bisschen Eiweiß-Zufuhr (etwa Fisch oder Schichtkäse oder Tofu) – das ist nicht teuer. Das kann jeder. Und es schmeckt.
Wir brauchen keine Mensen flächendeckend. Wir brauchen keinen huldvoll und gnädig zudeckenden, lähmenden Versorgungsstaat.
Bürgerinnen! Bürger! ErMANNT euch! Rebellion! In die Wanten!
Sozialstaat, Vater UnserKommentare deaktiviert für Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft
Jan.242011
Die vaterlose Gesellschaft ist in gewisser Weise die „überaus mütterliche Gesellschaft“, also die Gesellschaft, die sich ganz auf die Versorgungsleistungen herum gruppiert. Das Bundesland Berlin ist – wie ich meine – unter allen 16 Bundesländern das „vaterloseste“, das „mütterlichste“ Bundesland.
Nirgendwo werden so sehr wie hier alle Probleme des einzelnen sofort auf staatliche Hilfsangebote hin umgedeutet.
Was die Berliner SPD-Fraktion jetzt wieder auf ihrer Dresdener Klausur zur Familienpolitik hervorgezaubert hat, bestätigt meine Analyse in schonungsloser Offenheit! Von mehr, von beser ausgebauten Hilfsangeboten ist die Rede. Mehr Essen vom Staat, mehr Hilfe vom Staat, mehr Betreuung vom Staat, mehr Beratung vom Staat! Berlin ist Spitze darin und soll es laut SPD auch bleiben, mögen Mappus‘ böse Buben aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen noch so poltern und toben ob der knapp 3 Milliarden Euro, die sie aus dem Länderfinanzausgleich berappen!
Herrlich ist das Bild in der taz, welches Wowereit – den Bürgermeister und symbolischen „Vater“ der Stadt – geradezu erdrückt von weiblich-wolkigen Glücksversprechungen in Gestalt der sozialen Engel-Frauen zeigt. DAS ist eine Welt, DAS ist die wolkig-duftig-lockere Welt des fürsorglichen Übermutterstaates, genannt Bundesland Berlin! Die Hauptstadt der Verwöhnung!
Lest jetzt die hellsichtig-prophetische Psycho-Analyse des heutigen taz-Bildes aus der Feder von Alexander Mitscherlich (verfasst 1963):
Alexander Mitscherlich – Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft
»In der unübersichtlichen Massengesellschaft«, schrieb Mitscherlich 1963, »hat diese autoritäre Form der Eingewöhnung in das soziale Feld aber eine unerwartete Antwort gefunden, nämlich eine Stärkung der Abhängigkeitsbestrebungen und eine Bejahung der Unmündigkeit. Das faktische Gegenbild zu den für unsere Zeitläufte charakteristischen Helden der Massen sind die ‚initiativarmen“ Frühpensionäre, die in ihren Wohlfahrtsstaaten nie flügge werden wollen.«
Söhne berühmter Männer haben es schwer. Der Ruhm des Vaters entrückt den Vater. So muss es August von Goethe, der Sohn Goethes (sic!), erfahren haben, der mit 40 Jahren auf einer Italienreise starb. Die lateinische Grabinschrift auf dem protestantischen Friedhof in Rom lautet:
GOETHE FILIVS / PATRI / ANTEVERTENS / OBIIT / ANNOR XL / MDCCCXXX
Goethes Sohn / dem Vater / voranschreitend / starb / im 40sten Jahre / 1830
Die Arbeit am eigenen Ruhm nimmt den Vater und meist auch nebenherlaufend den Sohn gefangen – ob er nun Politiker oder Künstler ist, das Muster vom fernen Vater bleibt meist dasselbe.
Darüber berichtet der Sohn eines berühmten Politikers im aktuellen Focus mit ergreifenden Worten.
Darüber hinausgehend erinnert mich diese Klage über den fernen Vater auch an das seit langem in diesem Blog verfolgte Thema der innerlich vaterlosen Söhne. Das ist eine der größten Nöte unserer Gesellschaft. Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft, so sprach Alexander Mitscherlich das Thema bereits im Jahr 1963 an! Er erkannte damals bereits die innere Vaterlosigkeit als eine der belastendsten Hypotheken für die nachwachsende Generation.
Seine Diagnose – Wir sind auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft – hat sich heute, im Jahr 2011, mehr als er damals wohl ahnen konnte bewahrheitet.
So bin ich der festen Überzeugung, dass sehr viele soziale Probleme wie sie etwa der neueste Berliner Sozialatlas auflistet, also beispielsweise Sucht, Arbeitslosigkeit, Scheidungsnöte, Kriminalität junger Männer, Depressionen und Bildungsversagen junger Männer, mit dem Mangel einer guten, spannungsreichen, anspornenden Vaterbeziehung zu tun haben, mit dem Mangel an konkret erfahrenen männlichen Vorbildern.
„Doktor, ich muss dir was fragen!“ Eine typische Frage, so berichtet es Jeannette Klemmt, die Tierärztin, die sich in Friedrichshain um die Hunde von Wohnungslosen kümmert. Löblich – ein Herz für Tiere UND Menschen! Und genauso gut finde ich, dass Jeannette Klemmt sich Verdienste um gepflegte deutsche Sprache erwirbt, wie der tip am 28.12.2010 berichtet:
Als ein junger Hundehalter mit gelben Haaren und Lederkutte ungelenk zu einer Frage ansetzt, unterbricht ihn die Ärztin: „Ich will DICH etwas fragen, nicht DIR. AKKUSATIV!“
Warum Akkusativ? Nun, die deutschen Verben (etwa fragen, unterbrechen, antworten) fordern bestimmte Satzbaupläne, fragen beispielsweise verlangt oder „regiert“ den Akkusativ, antworten verlangt den Dativ. Beispiele:
Der junge Hundehalter mit gelben Haaren und Lederkutte fragt die Ärztin.
Die Ärztin fragt den jungen Hundehalter mit gelben Haaren und Lederkutte. AKKUSATIV!
ABER:
Der junge Hundehalter mit gelben Haaren und Lederkutte antwortet der Ärztin.
Die Ärztin antwortet dem jungen Hundehalter mit gelben Haaren und Lederkutte.
DATIV!
Alles ganz einfach, oder?
Hier kommt aber eine schwere Nuss für alle Freunde der deutschen Grammatik. Erneut geht es um das haarige Problem: Dativ oder Akkusativ?
Frage: Sind die folgenden beiden Pressemeldungen in richtigem, in gutem Deutsch abgefasst? Sie unterscheiden sich im Gebrauch von Akkusativ und Dativ! Welche Zeitung schreibt besseres Deutsch?
Meldung 2 aus der heutigen Süddeutschen Zeitung, Seite 1:
Darin heißt es, die „große Akzeptanz“ des Bundesverfassungsgerichts entspringe auch der Tatsache, dass die Richter dort „grundsätzlich nicht aus der ersten Reihe der aktiven Politik stammen“. Werde diese Praxis nun geändert, könne dies dazu führen, das öffentliche Vertrauen in das Karlsruher Gericht „als selbstständigem Verfassungsgericht erheblich zu beschädigen“.
Meldung 1 verwendet den Akkusativ, Meldung 2 den Dativ. Was ist richtig? Beide? Keine? Die WELT? Die Süddeutsche Zeitung?
Auflösung des grammatischen Rätsels folgt übermorgen in diesem Blog!
Beim Spaziergang durch die kalte sonntägliche Großbeerenstraße fiel mir heute wieder das folgende tschechische Volksliedchen ein, das ich vor langen Jahren während des Tschechisch-Selbstunterichts gelernt habe – und das ich nicht versäumte vor mich hin zu trällern – sehr zum Erstaunen meiner Begleiterin – und wobei ich sicher war, seit langer Zeit der erste Mensch zu sein, der je vor dem HAU dieses Liedchen sang:
Žádnej neví co jsou Domažlice,
žádnej neví co je to Taus.
Taus je to Německy,
Domažlice česky,
žádnej neví co je to Taus.
Žádnej neví co je to železo,
žádnej neví co je kroužek.
Kroužek je železo,
má zlatá Terezo,
žádnej neví co je kroužek.
„Tschechien“ – so lautet ein vorzügliches Bändchen, das Markus Mauritz über die Geschichte unseres neben Polen zweiten großen slawischen Nachbarn herausgebracht hat und das ich heute las.
Erstaunlich! Dieser Staat, die Tschechische Republik, ist das Endergebnis eines jahrhundertelangen Zusammenlebens unterschiedlicher ethnischer Gruppen in einem eng umgrenzten Raum – Böhmen und Mähren. Tschechen, Deutsche, Slowaken, Ungarn, Juden, Ruthenen, – das waren die Völker, die ab 28.10.1918 zum ersten Mal in Mitteleuropa in einem wahrhaft demokratischen, multiethnischen, multikulturellen Gemeinwesen zusammenleben sollten. Ein gewaltiges, letztlich gescheitertes Experiment, das intensives Studium verdient!
Am 17.07.1992 erklärte sich der slowakische Landesteil zum souveränen Staat. Dies war das Ende des Experiments eines multethnischen demokratischen Staates.
Nicht einmal die Tschechen und die Slowaken, die angeblich nahverwandten slawischen Brudervölker haben es also miteinander ausgehalten! Damit ist der mich immer wieder verblüffende Zustand eingetreten, dass fast alle europäischen Demokratien nunmehr Nationalstaaten geworden sind. Die beiden Ausnahmen sind Belgien und Schweiz.
Die Bundesrepublik Deutschland meint immer noch, ohne den Begriff der „Volksgruppen“ auskommen zu können, obwohl wir mit den Türken eine annähernd 3 Millionen Menschen umfassende, klar umrissene ethnische Minderheit bei uns haben. Nicht umsonst spricht etwa der einflussreiche Türkische Bund in seiner Satzung eindeutig davon, dass er „Minderheitenrechte„, also echte Gruppenrechte für die türkische Volksgruppe einfordert.
Besonders nachdenklich stimmt mich die Tatsache, dass die Tschechen und die Deutschen über Jahrhunderte hin in wechselnden staatlichen Gebilden miteinander und nebeneinander herlebten, aber sich nirgendwo tiefgreifend vermischten. Es war über die Jahrhunderte meist für jeden Bürger sofort klar, ob er Deutscher oder Tscheche war.
Weder unter den Fürsten noch in der Demokratie bildete sich eine übergreifende, multiethnische, multikulturelle neue Identität heraus.
Wird es also auch mit unseren Türken so sein, dass sie noch in Hunderten von Jahren sich als „Türken in Deutschland“ und nicht als „Deutsche mit türkischem Hintergrund“ sehen? Ich halte dies für höchst wahrscheinlich.
Das faktenreiche, klug abwägende Buch von Markus Mauritz sollte jeder lesen, der zum Thema Integration und Mulitkulturalismus mitreden will.
Hier die Angaben:
Markus Mauritz: Tschechien. Verlag Friedrich Pustet Regensburg. Südosteuropa-Gesellschaft München 2002.
Die Antwort, wie sie der neue Soziatlas Berlins vorlegt, lautet: Ja! Kinder, die in Hartz-IV-Haushalten aufwachsen, gelten definitorisch als arm. Armut von Kindern gilt als Skandal, als unerwünscht. Man muss etwas tun, um Kinderarmut zu beseitigen! Was? Nun, man muss Geld so einsetzen, dass die Kinder nicht mehr arm sind. Die große Geld-Verteilungsmaschinerie kommt in Gang. Ziel der Transferzahlungen soll es sein, Kinderarmut zu beseitigen. Dann wird zum Beispiel ein Projekt aufgelegt, in dem eine Ausstellung über Satellitenschüsseln mit Geldern bezuschusst wird, so dass etwas Geld zur Linderung der Armut in die Armutsquartiere fließt. Dies ist KEIN WITZ, sondern es geschieht in Berlin tatsächlich.
Allein – das hehre Ziel wird nicht erreicht. Denn weiterhin gelten Kinder, die in Hartz-IV-Haushalten aufwachsen, als arm.
Stimmt das? Sind diese Kinder arm? Nein. Diese Kinder sind nicht materiell arm. Sie haben materiell und finanziell alles, was ein Kind zum Gedeihen gebraucht. Bitte glaubt es mir. Ich kenne doch Dutzende von Hartz-IV-Familien. Ich lebe in einem der sozialschwächsten Gebiete von ganz Berlin. Nicht die materielle Armut bedrückt die Menschen. Es bedrückt sie überhaupt recht wenig. Sie sind nicht unglücklich. Warum sollten sie unglücklich sein? Aus der Perspektive des einzelnen spricht nichts dagegen, das ganze Leben von staatlichen Versorgungsleistungen zu leben. Die Hartz-IV-Existenz ist weder menschenunwürdig, noch ist sie ein gesellschaftlicher Makel, noch ist sie im entferntesten als Armut zu bezeichnen. Im Gegenteil, sie sichert ein bescheidenes, beschauliches Auskommen für alle Familien, und häufig kann man sogar noch Geld an arme Verwandte schicken.
Allein die Gesellschaft insgesamt, allein die Volkswirtschaft insgesamt muss ein Interesse daran haben, die Familien aus der Arbeitslosigkeit, die Jugendlichen aus der Abhängigkeit von Transferzahlungen herauszubringen. Denn wir – also die Gesellschaft – wissen: Beim jetzigen Wachstum des Anteils der Sozialleistungen am Staatshaushalt wird – bei der jetzigen demographischen Entwicklung – die gesamte Volkswirtschaft in vielleicht 20 oder 25 Jahren zusammenbrechen. Bereits heute sind es vor allem die unverdienten Gratifikationen des Staates, die einzelne Länder wie etwa Griechenland oder Portugal an den Rand des Bankrotts bringen: Frühpensionierungen, aufgeblähte Beamtenschaften, Steuerhinterziehung, Versorgungsleistungen, Subventionen des Staates.
Die Verschuldenspolitik der Staaten stellt die große ernsthafte Bedrohung für die Stabilität der Sozialsysteme dar. Es sind nicht so sehr die Fehler, die Selbstbereicherung der Manager, die „Umverteilung von unten nach oben“. Diese Selbstbereicherung der Oberschicht auf Kosten der Allgemeinheit gibt es, aber sie ist das kleinere Problem. Das Problem der Ausplünderung der Staatsfinanzen durch die Reichen existiert zwar – siehe Bankenskandale, siehe Bürgschaften – , aber es ist lösbar durch kluge, effiziente, harte Maßnahmen der Finanzpolitik.
Das Problem der Überbelastung der Staatsfinanzen durch die anteilmäßig wachsenden Sozialleistungen ist das größere Problem.
Bereits heute sind viele deutsche Kommunen vor allem durch die Sozialausgaben an den Rand der Handlungsfähigkeit gedrängt.
Mehr Ehrlichkeit ist angesagt! Zunächst einmal sollte man das Reden von Kinderarmut ganz schnell einstellen. Die Kinder sind nicht im materiellen Sinne arm, sondern arm an Vorbildern, denn ihnen fehlt die Grunderfahrung, dass die Eltern für den Lebensunterhalt arbeiten gehen. Die Kinder sind arm an Sinnhorizonten, da der Staat ihnen absolute Versorgungssicherheit verspricht. Wenn die Eltern oder ein Elternteil arbeiten ginge, stünden die Kinder – bei gleicher finanzieller Ausstattung – sofort besser da: Sie hätten Orientierung in einem verlässlich gegliederten Alltag. Sie erführen, dass man sich im Leben anstrengen muss. Jetzt erfahren sie die Botschaft: Wozu sich anstrengen? Das Geld kommt sowieso.
KinderKommentare deaktiviert für Ist jede ihres Glückes Schmied?
Jan.222011
Fortes fortuna adiuvat, jede ist ihres Glückes Schmied, herkes kendi mutluluğunu kendi yaratır – so oder so ähnlich mag es die Volksweisheit. Bezirksbürgermeister Schulz hob am 19. Jänner lobend im Interview hervor: Bei den Nachkommen der Menschen aus Vietnam und Ex-Jugoslawien gibt es exzellente Schulleistungen. Sie haben ein starkes Bild, dass sie der „Schmied vom eigenen Glück“ sind.
Wer schafft Glück? Haben wir es in der Hand? Man möchte annehmen, dass ein Dichter der Tat, ein Dichter des bürgerlichen Schaffens und Wirkens wie Friedrich Schiller ebenfalls diesem Glauben huldigen würde, dass jeder seines Glückes Schmied sei. Sittliche Vervollkommnung, beständiges Streben und Rennen auf der Laufbahn des Lebens müssten doch zum Erfolg führen! Nicht umsonst wurde Schiller durch das ganze 19. Jahrhundert hindurch zum Hausdichter des deutschen Bürgertums!
Wie überrascht war ich heute, etwas Gegenteiliges in Schillers großem Gedicht „Das Glück“ zu lesen.
Schiller: Das Glück
Groß zwar nenn ich den Mann, der, sein eigner Bildner und Schöpfer,
Durch der Tugend Gewalt selber die Parze bezwingt,
Aber nicht erzwingt er das Glück, und was ihm die Charis
Neidisch geweigert, erringt nimmer der strebende Mut.
Das Lebensglück ist keine Verfügungsmasse. Wir haben das Glück nicht in der Hand. Schiller fasst glückhaftes Gelingen als unverdiente, unberechenbare Gabe der Götter. Und er greift bewusst das Bild des Schmiedens auf, wenn er sagt: Achilles, das Urbild der Tugend, wurde durch die Götter, insbesondere den Schmiedegott Hephaistos, bevorzugt. Der Gott schmiedete ihm seinen Schild.
Zürne dem Glücklichen nicht, daß den leichten Sieg ihm die Götter
Schenken, daß aus der Schlacht Venus den Liebling entrückt.
Ihn, den die lächelnde rettet, den Göttergeliebten beneid ich,
Jenen nicht, dem sie mit Nacht deckt den verdunkelten Blick.
War er weniger herrlich, Achilles, weil ihm Hephästos
Selbst geschmiedet den Schild und das verderbliche Schwert,
Weil um den sterblichen Mann der große Olymp sich beweget?
Wir könnten heute sagen: Die Startchancen im Leben sind für die einzelnen nicht gleichmäßig verteilt. Dies scheint eine uralte, jahrtausendelang festgestellte, aber um nichts weniger empörende Ungerechtigkeit zu sein. Kinder, die in der Sahelzone geboren werden, sind gegenüber den Kreuzberger Kindern im Sozialplanungsquartier Gleisdreieck im unaufholbaren Nachteil. Kinder, die ab dem Alter von 8 Jahren in Bangladesh für einen Hungerlohn Knöpfe annähen, könnten neidisch auf all jene Kinder in Marzahn-West blicken, die jeden Tag genug zu essen und zu trinken haben, die ein Dach über dam Kopf haben, die zehn Jahre lang kostenlosen Schulunterricht genießen, denen alle Chancen offenstehen. Sie, die Kinder in Marzahn-West oder Kreuzberg nördlich der Gitschiner Straße, können Fernsehen schauen, soviel sie wollen – in Türkisch, Arabisch und Deutsch. Davon können Kinder in sehr vielen anderen Ländern nur träumen.
Weiterhin in den 10 sozial schwächsten (von 434) Vierteln ganz Berlins bewegt sich dieser Blogger Tag um Tag, Woche um Woche. Morgenpost bringt heute eine ganze Seite (S.12) über den neuen Sozialatlas. Ob man aber ständig von Kinderarmut reden sollte? Ich sehe keine armen Kinder. Ich wehre mich gegen diesen unbedachten, KRUDEN Gebrauch des Wortes Kinderarmut. Es gibt in den letzten 10 von 434 Berliner Sozialräumen keinen Anlass, von Kinderarmut zu reden.
Ich sah soeben wie so oft beim Niedrigpreis wieder Kinder, die wunderbare Dinge wie die Riesenflaschen Mezzomix oder die berühmte Capri-Sonne kaufen. Nur eine Riesenflasche Mezzomix, sonst nichts. Die armen Kinder sind vielleicht vernachlässigt, orientierungslos, ohne Peilung, aber nicht arm.
Unser Bild: typische Szene in der Großbeerenstraße, gleich beim Niedrigpreis.
Wie wenig die dürren Zahlen allein aussagen, belegen allerdings die folgenden Zitate, an denen jeder, der daran glaubt, seine helle Freude haben muss:
mobil.morgenpost.de
Die Dresdener Straße und der Oranienplatz sind geradezu aufgeblüht, sagt Lampendesignerin Catherine Grigull, die ihr Ateliergeschäft direkt am Oranienplatz hat. In den letzten Jahren seien viele junge Familien und Kreative in diesen Teil Kreuzbergs gezogen. Das merke man auch an den steigenden Mieten. Für ihr Geschäft sei diese Entwicklung durchaus von Vorteil: Früher hat die Nachbarschaft meine Arbeit nicht verstanden. Heute ist die Akzeptanz viel größer, sagt die 45-Jährige. Das sieht Angela von Tallián ähnlich. Man sieht in der letzten Zeit deutlich mehr Kinder auf den Straßen. Das war früher nicht der Fall, sagt die Chocolatière und Inhaberin des Geschäfts Art en chocolat am Oranienplatz. Ich habe den Eindruck, dass noch vor einigen Jahren junge Familien in den Speckgürtel gezogen sind, sobald ihre Kinder ins schulfähige Alter gekommen sind. Dieser Trend sei mittlerweile gestoppt.
Wir wohnen seit 26 Jahren in derselben Straße und sind sehr glücklich hier, sagen die Zwillingsschwestern Stefanie und Geraldine Wühle. Auch die nächste Generation werde in diesem Kiez aufwachsen, sagt die Auszubildende Stefanie, die ihren Sohn Oskar fest an sich drückt. In Kreuzberg herrsche ein mediterranes Lebensgefühl, es gebe ein herzliches Zusammenleben mit vielen unterschiedlichen Nationalitäten. Auch ihre dreijährige Tochter Emma fühle sich wohl. Das Kita-Angebot hier an der Oranienstraße ist super, sagt ihre Mutter.
Das Unwort des Jahres soll „alternativlos“ sein. Gut gemacht. Dieses Blogs bester Beleg dafür – entnommen der Broschüre „Sicher im Sattel“ von unseren durchweg akademisch gebildeten Berliner Grünen (siehe dieses Blog am 25.06.2010):
Die uneingeschränkte Förderung des Radverkehrs ist klimapolitisch alternativlos.
HERR-licher Satz! Alternativlos glücklich macht er den Liebhaber des Radverkehrs.
Ein reines Bildungsbürgerwort ist auch das Wort „krude“. Ich schlüg es gern als Unwort vor, ich grüb es gern in jedes Rindenalbum unfreiwilliger Begriffsduselei ein. Als Gymnasiast las ich eifrig Theodor W. Adorno und schnappte dort das fetischartig als Waffe verwendete Wort „krude“ auf. In den Deutschaufsätzen verwendete ich ich das Wort krude recht fleißig. Mancher Lehrer schalt mich darob: „Verwende nicht so viele Fremdwörter!“
In Italien, während meiner Gastarbeiterjahre, lernte ich geschmäcklerisch zwischen rohem und gekochtem Schinken, zwischen prosciutto crudo und prosciutto cotto zu unterscheiden.
In der Tat: Sowohl das deutsche Wort krude als auch das italienische crudo stammten vom lateinischen crudus ab.
Ist das Wort krude wirklich so alternativlos, dass Hinz und Kunz es auf Schritt und Tritt polternd verwenden müssen? Sarrazins krude Thesen, wie der SPIEGEL einige tausend Mal schrieb, Lötzsch‘ krude Theorien – das Wort hat einen schwindelerregenden Höhenflug hingelegt – möge es jetzt zerplatzen wie ein Meteor am Himmel der Geistesarmut! CSU-General Alexander Dobrindt hat jetzt schnurstracks das typische Salonkommunisten-, Toskanafraktions- und Bildungsbürgerwort „krude“ postwendend an die Linke zurückgeschickt und damit diesem Unwort ironisch-eifernd das unübertreffliche Sahnehäubchen aufgesetzt! Lest:
Es hülfe bereits, wenn man in Wendungen wie „Sarrazins krude Thesen“ oder „Lötzsch‘ kruder Theorie“ das Wort krude durch ein anderes Wort ersetzte! Versucht es! Spielt mit Worten! Erkundet die Klangfülle der deutschen Sprache! Schreibt weniger voneinander ab!
Sucht selbst weitere Alternativen zu krude! Bedenkt: Weniges im Leben – außer dem Tod – ist alternativlos.
Bild: Roher Bretterboden, kurz vor dem Auftritt des Artemis-Quartetts im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie, aufgenommen vorgestern