Europa nach vorne denken – einschließend, nicht ausschließend!

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Apr. 212010
 

Einer der wenigen Denkenden, die Europa wirklich von der Wurzel her begreifen, ist Jacques Attali.  Der aktuelle italienische Focus bringt auf den S. 137-140 ein bemerkenswertes Interview.

Focus intervista Attali sull’Europa – Focus.it – Video e Filmati

Europa, wie wir es heute verstehen, entsteht zunächst nicht durch das Christentum, sondern  durch die Hochzeit zwischen dem antiken Griechenland und dem alten Israel.  Aus dieser Begegnung sind viele andere Entwicklungen hervorgegangen, unter anderem das Christentum und der Islam. Attali sagt: „Zu glauben, dass Europa durch das Christentum definiert sei, ist ein Irrtum. Die wahren Väter Europas sind das antike Griechenland und das Judentum, aus deren Wechselwirkung vieles geboren worden ist, darunter das Christentum und der Islam.“

Dieser Auffassung schließe ich mich an. Wer Homer, Aischylos, Herodot, Platon nicht kennt, wird sich nicht kundig zur Frage äußern können: Was macht Europa aus? Warum gehört Rumänien in die EU? Wer Levitikus und die anderen, die 5 Bücher Mosis, wer die Propheten der hebräischen Bibel wie Jeremias oder Jesaias für Humbug erklärt oder nichts dazu sagen will, wird zu Karl Marx und Atatürk, aber auch zum Mieterschutz für ehemalige Kreuzberger Sozialmieter im Fanny-Hensel-Kiez verstummen.

Attalis Meinung hat erhebliche Konsequenzen für unseren Umgang mit dem Islam insgesamt, mit der Türkei insbesondere. „Der europäische Traum wird sich nur durch die Modernisierung des Islam verwirklichen lassen, der seinerseits nur dann überleben wird, wenn er die Botschaft der Moderne, die aus Europa stammt, aufzunehmen vermag.“

Das sind kühne, mutige Sätze. Attali denkt an die Zukunft. Er wünscht sich ein einiges, starkes Europa, ein Europa, das sich als „Nation“ begreift. Nur als Nation Europa wird Europa gegenüber den alten und neuen Ländern USA, Russland, China und Indien bestehen können. Damit greift Attali 50 Jahre in die Zukunft hinein. Er überspringt das Klein-Klein des EU-Alltags. Er überwölbt die Wirtschaftsgemeinschaft mit einigen starken, glanzvollen Tragwerken. Diese Tragwerke sind geistiger Art.

Zurück zur Türkei! Das Gebiet der heutigen Türkei ist Kernland für die Entstehung Europas gewesen. „Griechen“ und „Juden“,  „Heiden“ und „Christen“, Osten und Westen sind hier, im alten Asia minor, in Lydien, Kappadokien, Phrygien, Bithynien, Armenien zusammengetroffen. Einige Jahrhunderte später trafen die Türken ein, übernahmen, griffen auf, siedelten, trugen hinzu.

Auch der im 7. Jahrhundert n. Chr. entstehende Islam hat diese Begegnung zwischen Osten und Westen, zwischen Juden, Christen, zwischen Griechen und Heiden in seine Geburtsurkunde hineingeschrieben. Koran sagt etwa: „Gottes ist der Osten und der Westen. Wohin ihr euch auch wenden möget, dort ist das Antlitz Gottes“ (Sure 2,115).

Etwa 1100 Jahre später sagt Goethe:

Gottes ist der Orient!
Gottes ist der Occident!
Nord- und südliches Gelände
Ruht im Frieden seiner Hände.

Denkende, in tiefen Brunnen schöpfende Menschen wie Attali oder Goethe, aber auch ins Wesentliche schauende Politikerinnen wie etwa Aygül Özkan legen den Blick auf die gemeinsame Grundlagenarchitektur dessen frei, was wir das geistig-geistliche Tragwerk Europas nennen können.

Diese Tragwerk bietet Platz für alle, die sich ihm anvertrauen.

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Apr. 212010
 

Große Mengen des für den Menschen im direkten Kontakt schädlichen Lithiums werden benötigt, um den gewünschten Elektro-Antrieb des motorisierten Individualverkehrs in großem Umfang voranzutreiben. Daneben muss neben der bestehenden Tankstellen-Infrastruktur eine zweite Elektro-Infrastruktur für den automobilen Verkehr hochgezogen werden. Über einige Jahrzehnte wird das Elektro-Auto also neben den Verbrennungs-Motoren herlaufen, etwa als Zweitauto. Bereits im Jahr 2020 könnten etwa 10% der PKW-Flotte elektrisch betrieben sein! Der PKW-Bestand wird dank der vielen Zweitfahrzeuge zunehmen. Am Ort des Verkehrs selbst emittiert das Elektro-Auto keine gasförmigen Substanzen, sondern nur die üblichen Roll-, Brems- und Windgeräusche. Und es beansprucht Straßenland, Aufmerksamkeit, Geld wie die Verbrennungsmaschinen-Vorgängermodelle auch.

Dennoch ist es bereits heute möglich, emissionsfrei, kostengünstig, rasch und selbstbestimmt in Städten von A nach B zu gelangen. Bei Strecken bis 10 km Länge ist in Berlin das Fahrrad meist schneller als das Auto. Dies er-fährt jeder, der selbst in die Pedale tritt. Einige hübsche Versuche dazu liefert die Zeitschrift zitty in ihrem Heft Nr. 8/2010, welches das Titelthema Fahr Rad! ziert:

Magazin zitty.de
Es sind die Ausreißer, die immer wieder Zweifel aufwerfen. Der Kollege, der zum ersten Mal mit dem Auto statt mit dem Rad zur Arbeit kommt und freudestrahlend verkündet: „Zehn Minuten gespart, und das im Berufsverkehr!“ Der Heimweg aus der Kneipe in Kreuzberg 61 nach Friedrichshain, Luftlinie bloß sieben Kilometer, der mit zwei Mal Umsteigen eine Dreiviertelstunde dauert. Die Fahrt nach Adlershof, die mit der Bahn und anschließendem Fußweg 40 Minuten braucht, mit dem Fahrrad aber nur eine halbe Stunde.

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„Und das ist Atatürk …“

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Apr. 202010
 

… so fing ich meinen ersten zaghaften türkischen Konversationsversuch mit einem türkischen Taxifahrer an … Wir fuhren eben an einem bronzenen Standbild des Urvaters aller Türken vorbei. Die Antwort des Taxifahrers erfolgte in Gesten … und in einem Lächeln, einem angedeuteten Achselzucken. Einem beschwichtigenden Klopfen auf das Lenkrad.

Ich glaube, dass die meisten erwachsenen Türken nicht mehr jener blinden Atatürk-Verehrung anhängen, die eherner Bestandteil der an den Schulen verkündeten staatstragenden Ideologie ist. Einer personenzentrierten, im Grunde auf Unsterblichkeit des Gründer-Vaters angelegten Nationalstaatsideologie, die durch keinen  Zweifel in Frage gestellt werden darf.

Man stelle sich einmal vor, die Bundesrepublik würde derart massiv zur Verehrung Konrad Adenauers erziehen. Es wäre ein Widerspruch zum Grundgedanken der Republik. Die Bundesrepublik hat zwar eine Reihe bedeutender Staatsmänner und -Frauen aufzuweisen. Aber jeder und jede von ihnen ist oder war prinzipiell ersetzbar. Der Staat wird durch das Volk getragen. Nicht durch die religiöse Einheit mit einem Mann.

Die Staatsauffassung der Türkei und diejenige der Bundesrepublik Deutschland halte ich für unvereinbar.

Diese türkischen Erinnerungen fallen mir wieder ein, als ich soeben den folgenden Bericht lese:

Türkische Schulen: „Wir erklären sogar den Dreisatz mit Atatürk“ – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – SchulSPIEGEL
„Du denkst, an den Schulen sollte die Wissenschaft im Vordergrund stehen, aber nein: Alles dreht sich nur um Atatürk.“ Im Geschichtsunterricht sei für die Antike kein Platz, für die Französische Revolution nicht, allenfalls für Hitler. Selbst in Fächern wie Mathematik und Biologie stehe Atatürk im Mittelpunkt: „Wir erklären sogar den Dreisatz am Beispiel Atatürks“, sagt Türkmen sarkastisch. In Mathe komme Atatürk in jeder zweiten Sachaufgabe vor, etwa mit Anekdoten aus seinem Leben.

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Apr. 202010
 

18042010006.jpg 500 Euro kostet derzeit etwa eine schwarze Meldeadresse, mit der man seine Kinder auf einer genehmen Schule unterbringen kann. „Alle machen das!“, wurde mir entgegnet, als ich einmal empört diese Praxis der falschen Adressen als „verwerflich“ bezeichnete. Ich werde überwiegend belächelt, wenn ich für Steuerehrlichkeit, für Melde-Ehrlichkeit eintrete. So wird unser Gemeinwesen übers Ohr gehauen. Man plündert diese Republik aus, holt sich, was man kriegen kann. „Bitte nur das Beste für MICH und für MEINE Kinder!“

Wie würden diese Eltern staunen, wenn sie erführen, dass die Eltern weit stärker für den Bildungsweg des Kindes verantwortlich sind als die Schule?

Wir haben somit ab Klasse 1 keine Einheits-Grundschule mehr, wie sie das Grundgesetz wollte. Die soziale Sonderung setzt bereits sehr früh ein. Darauf wiesen jetzt etwa 1000 Grundschullehrer hin:

Dokumentiert: Offener Brief an Senator Zöllner – Schule – Berlin – Tagesspiegel
Eine Entmischung findet statt: Die Mittelschichtskinder bleiben in gut ausgestatteten Schulen unter sich und die Risikokinder bleiben in weit schlechter ausgestatteten öffentlichen Schulen ebenfalls unter sich.

Der erste Pawlowsche Reflex ist es stets, mehr Geld zu fordern, bessere Ausstattung, kleinere Klassen. Ein großer Trugschluss! Wieder einmal schiebt man alle Schuld auf den Staat. Auf die Verhältnisse. Das ist sehr bequem.

Aber: Das Geld ist nicht da, mehr Lehrer sind nicht da, und die Schulen in sozialen Brennpunkten sind heute besser ausgestattet als der Durchschnitt.

Es gibt keinen Beleg dafür, dass das Lernen in kleineren Klassen zu besseren Ergebnissen führt. Es scheint aber Studien zu geben, die beweisen, dass die Klassengröße ohne Einfluss auf den Lern-Erfolg ist. „Kleinere Klassen bringen nichts„, meldete der SPIEGEL am 19.04.2010.

Die Entmischung setzt von seiten der Eltern ein. Die Mittelschicht- und die Oberschicht-Eltern sind verantwortlich, wenn wir Migranten und wir  Unterschichtler unter uns bleiben. Ganz unten.

Übrigens: Wer ganz unten ist, hat keine Abstiegsangst mehr. Also: Kommt zu uns!

Ich schlage erstens vor: Alle Eltern melden sich und ihre Kinder mit ihrer richtigen Adresse an. Das wäre schon mal ein erster Schritt zu mehr Gemeinsinn.

Zweiter Schritt: Einstellen der Elterntaxis. Dass Kinder mit den Autos jeden Morgen quer durch die Stadt in die Grundschule gebracht werden, ist ein Unding.

Drittens: Die Mittelschichtler kümmern sich um die Unterschichtler, laden sie zu sich nachhause ein, machen zusammen Hausaufgaben, gehen zusammen auf Spielplätze. „Ich war noch nie auf dem Kreuzberg“, erzählte uns kürzlich ein Schulfreund, dem wir den Kreuzberg zeigten. Er wohnt 1 km vom Kreuzberg entfernt. Das Bild zeigt den neuen Spielplatz am Kreuzberg.

Mit diesen drei einfachen Schritten kommen wir schon weiter. Der Staat braucht nichts dazuzuzahlen.

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10.000 Euro für eine Autobatterie: Vulkan-Asche auf mein Haupt!

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Apr. 202010
 

Vulkan-Flugasche, nein:  Lithium-Erzsand auf mein Haupt, Freunde! Die 5.000 Euro bzw. der Gegenwert von 5 taz-Fahrrädern, welche der Grüne Spitzenmann Jürgen Trittin den Autokäufern schenken will (aus wessen Bankkonto? in Abstimmung mit der grünen Spitzenfrau?), gehen nicht für Privatschulgeld drauf und ebensowenig für den zusätzlich benötigten  Atomstrom – sondern … für eine halbe Autobatterie.

Eine gängige Lithium-Nickel-Autobatterie in der heute geforderten Qualität und Stärke kostet 10.000 Euro. Unfassbar, aber erklärlich: Die Herstellung der Lithium-Nickel-Paste aus den Rohstoffen Lithium und Nickel ist teuer. Nickel ist noch reichlich vorhanden, aber Lithium wird bereits jetzt knapp. Eine Tonne Lithium-Karbonat kostet 5.000 Euro. Das rechnet die aktuelle April-Ausgabe der italienischen Zeitschrift Focus auf den Seiten 124-127 vor. Ich las das Heft gemütlich hingefläzt gestern auf der IC-Fahrt von Hannover nach Berlin.

Trucchi, segreti e curiosità dell’auto elettrica – Focus.it
Il futuro dell’auto elettrica, come quello delle sorelle termiche, è legato a una risorsa naturale che, come tutte le altre, non è affatto inesauribile: il litio, componente base delle batterie. Il 50% delle riserve mondiali di litio si trova in Bolivia, nella spianata del Salar de Uyuni, un lago salato prosciugato a oltre 3.000 metri di altitudine. Il presidente Morales in campo economico sta perseguendo una politica nazionalista nei confronti delle risorse naturali ed è probabile che tenterà di sfruttare al massimo quella che è una delle poche risorse naturali del suo Paese.

Spannend! 50% der ausbeutbaren Lithium-Vorkommen finden sich in Bolivien. Die wenigen Lithium-Länder sitzen schon in den Startblöcken. Wenn sie es schlau machen, können sie ein Kartell wie die OPEC aufbauen. Wir sehen: Ein großer Teil der Elektromobilität wird nach jetzigem Stand der Technik mit der Ausbeutung eines Bodenschatzes, eben des Leichtmetalls Lithium, stehen und fallen. In über 3000 Meter Höhe schuften die bolivianischen Arbeiter für unseren Lärmschutz.

Lärmschutz, ja. Denn: Dass Elektroautos leiser als Benzin- oder Diesel-Autos sind, wird niemand leugnen. Obgleich bei niederen Geschwindigkeiten und in niederen Drehzahlbereichen die Rollgeräusche mehr Lärm entfalten als der Verbrennungsmotor!

Der Umwelteffekt durch E-Mobilität wird geringfügiger als erwartet ausfallen – oder ganz ausfallen. Ich vermute: eine schwarze Null – oder besser: eine weiße Null. Denn Lithiumsande schimmern weißlich in der Höhensonne Boliviens.

Die Weltmarktpreise für Lithium werden kräftig anziehen.

Der eigentliche Strom frisch gezapft aus der heimischen Steckdose wird hingegen für den Verbraucher billiger sein als das Erdöl, mühselig gefördert aus 1000 m Tiefe.

Wir ersetzen somit – nach jetzigem Stand der Technik – die Abhängigkeit vom arabischen Erdöl durch die vom bolivianischen Lithium. Buen provecho!

Unser Foto zeigt das taz-Rad-ähnliche vsf-Fahrrad des Bloggers am Hauptbahnhof. Ich ließ es über Nacht angeschlossen unter einem Laternenpfahl am Berliner Hauptbahnhof stehen und fand es nach meiner Rückkehr unbeschädigt und wohlbehalten wieder. Was für eine Freude. Ich bleibe bei meiner Kombination Fahrrad + Zug und verzichte auf die Kombination Nickel + Lithium. Die ist zu teuer für uns Unterschichtler!

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Trittin: „Die wahre Autopartei sind die Grünen“

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Apr. 182010
 

Sensationelle Anfälle von Ehrlichkeit im Vorfeld der Landtagswahlen! Die Grünen setzen, nachdem Joschka Fischer bei BMW angeheuert hat, ganz auf die teuren, feinen Elektro-Autos. Stückpreis beim ersten – japanischen – Serienmobil laut Ankündigung: 30.000 Euro. Mit der Reichweite hapert es noch. Also das richtige Zweitauto für die Wähler der Grünen!

Der von den Grünen geforderte massive Ausbau von Auto-Mobilität wird zur besseren Auslastung unserer Atomkraftwerke beitragen. Denn irgendwoher müssen die Elektro-Autos ihren Strom beziehen. Klimaneutral wird das nicht zu schaffen sein.

Im Gespräch: Gabriel und Trittin: „Rot-Grün hat eine reale Chance“ – Wahl in Nordrhein-Westfalen – Politik – FAZ.NET

Trittin: „Die wahre Autopartei sind die Grünen.“

Im heutigen Interview verlangt Jürgen Trittin ebenfalls noch 5.000 Euro Subvention für jeden Käufer eines Elektro-Autos. Hört, staunt, lacht:

„Ich bin dafür, jedem Bürger, der solch ein Auto erwirbt, 5.000 bis 6.000 Euro zu geben.“

Ach, dass ich das noch erleben durfte! Die Grünen, vor vielen Jahren eine bekannte Umweltpartei, verlangen, dass neue Autos mit dem Gegenwert 5 neuer Fahrräder bezuschusst werden! Damit nicht nur Studiendirektoren, sondern auch grün wählende Studienräte sich ein staatlich bezuschusstes Auto leisten können und mit gutem Gewissen ihre Nachkommenschaft in die Privatgrundschule bringen können.Von den 5000 Euro kann man dann für 1 Jahr das Schulgeld und die zusätzlichen Stromkosten bezahlen.

Es gibt 35 Millionen Autofahrer in  Deutschland. Das sind alles Wähler. Das wissen auch die Grünen.

Herrlich, diese Grünen! Die Abwrackprämie wird alt aussehen, wenn die Autoförderpläne der Grünen umgesetzt werden.

 Posted by at 23:49

Liebe den Zugewanderten wie dich selbst.

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Apr. 182010
 

„Du sollst den Zuwanderer lieben wie dich selbst.“ 3. Buch Mose (Levitikus 19,34). Genaue Überprüfung des griechischen Textes der Septuaginta ergibt: Es ist bis in die letzte Verb-Endung hinein derselbe Wortlaut wie beim neutestamentlichen Gebot der Nächstenliebe, das Levitikus (19,18) ebenfalls bringt und das bekanntlich Jesus von Nazaret zitierend wieder aufgreift (Mt 5,43).

Gottesliebe, Liebe zum Nächsten, Liebe zum Zuwanderer, Selbstannahme-Selbstliebe: ein erstaunlicher Vierklang. Sie gehören alle zusammen. Leider ist das Gebot der Zuwandererliebe kaum bekannt bei uns. Ich habe noch nie einen Christdemokraten dieses Gebot zitieren hören. Lesen sie noch die 5 Bücher Mosis? Enttäuschend. Was läge darin für ein Schatz.

 Posted by at 16:25

Jugend rezitiert sich zum guten Wort hin

 Deutschstunde, Einladungen, Gute Grundschulen, Sprachenvielfalt, Theater, Tugend, Vorbildlichkeit  Kommentare deaktiviert für Jugend rezitiert sich zum guten Wort hin
Apr. 172010
 

Wir können beweisen, dass man an einer staatlichen Kreuzberger Grundschule mit 2% Anteil deutscher Kinder genauso gut und erfolgreich lernen kann wie an einem humanistischen Gymnasium mit 98% Anteil deutscher Kinder. Wir können der Welt zeigen, dass die künftige „Elite der Stadt“ und die „Elenden im Lande“ dieselben sind  – und umgekehrt.

Wie?

Meine erste Idee wäre ein Wettbewerb „Jugend rezitiert“ der Schulen, angelehnt an den Wettbewerb „Jugend musiziert“. Grundgedanke dabei: Die Kinder und Jugendlichen lernen säkulare Gedichte der Tradition und der Moderne in deutscher und in anderen Sprachen auswendig und tragen diese – getrennt nach Altersklassen – in einem öffentlichen Wettstreit vor. Wie bei „Jugend musiziert“ werden Gedichte aus jeweils dem 18. Jahrhundert, aus  Romantik und Moderne verlangt, also z.B. ein Gedicht von Goethe/Schiller, eines von Eichendorff und Mörike, eins von Paul Celan und Peter Rühmkorf. Dazu kommt noch ein Gedicht in der Herkunftssprache der Familien, z.B. in Kurdisch, Armenisch, Arabisch oder Russisch.

Die uralte Technik der Rezitation, der versgestützten Einprägung, wie sie über die Jahrtausende hinweg in den großen abrahamitischen Religionen gepflegt wurde, weist einen Weg zur Hinführung an gute Sprache, an den sorgsamen Umgang mit dem Wort.

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Apr. 162010
 

Wir geben hier eine Leserstimme aus dem Tagesspiegel vom 08.07.2009 wieder. Hat jener Leser (Name ist diesem Blog bekannt) Recht? Lest und entscheidet selbst:

MIGRANTENFÖRDERUNG: Kein Ende in Sicht – Berlin – Tagesspiegel
Wolfgang Schimmang und Tausende von Lehrern und Erzieherinnen haben recht: Die Lage verschlimmert sich. Bereits jetzt haben wir einen Migrantenanteil von nahezu 100 Prozent in Grundschulen (etwa der unsrigen). Verfehlt ist es aber, wieder einmal dem rot-roten Senat vorzuhalten, er tue zu wenig für die Sprachförderung. Umgekehrt ist es richtig: Die türkischen und arabischen Eltern und Migrantenverbände tun nichts für die Sprachförderung. Stattdessen forderten laut Tagesspiegel von heute einige Imame dazu auf, sich am Schulstreik zu beteiligen. Das schlägt dem Fass den Boden aus. Die vom türkischen Staat bezahlten Imame mahnen erneut noch mehr Geld, mehr staatliche Stütze, mehr Geld für ihre Schäflein an, statt endlich einmal klar, unmissverständlich und eindeutig die Loyalität zu diesem Staat Bundesrepublik in den Vordergrund zu rücken. Der Staat Bundesrepublik soll wieder einmal an allem schuld sein, der deutsche Staat soll es richten! Das kann nicht gutgehen. Schon mathematisch wird es nicht möglich sein. Der deutsche Staat kann nicht die Sozialprobleme der Türkei lösen, indem er jeder nachgezogenen Braut einen Sprachkurs, einen Integrationskurs, einen Sozialarbeiter und ein Betreuerteam zur Seite stellt und finanziert. Wichtig wäre, dass die Türkei endlich ein Sozialsystem aufbaute, das mindestens annähernd soviel Bequemlichkeit böte wie das deutsche Hartz-IV-System. Denn hat man es einmal in die deutsche Sozialversicherung geschafft, so bestehen starke Anreize, die gesamte Familie dank vermittelter Ehepartner aus der alten Heimat konsequent hier in Deutschland aufzubauen. Die Türkei kann da nicht konkurrieren, vom Libanon ganz zu schweigen. „Ich will Hartz-IV werden“, das ist ohne Ironie die Zukunftsperspektive, denn Hartz IV in Deutschland ist unendlich besser als gar nichts in der Türkei oder Libanon. Jetzt müssen die migrantischen Eltern und ihre Kinder ran, sie müssen verpflichtet werden, endlich selbst etwas für ihren Erfolg zu tun.

 Posted by at 09:33

„Woher wissen Sie das?“

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Apr. 162010
 

„Woher haben Sie diese Zahlen? Woher haben Sie diese Einschätzung der Migrationsthematik?“ So werde ich immer wieder gefragt. Die Antwort: Meine Einschätzung schöpfe ich teils aus eigener Anschauung, denn ich kenne und bewohne (mit Unterbrechungen) Kreuzberg und Berlin seit 1982, teils aus der Presse. Hier aus dem Tagesspiegel von 08.07.2009:

MIGRANTENFÖRDERUNG: Kein Ende in Sicht – Berlin – Tagesspiegel
Wenn es heute in der Schulpolitik um Migration geht, dann meistens in Zusammenhang mit versickernden Mitteln für die Sprachförderung, mit großen Grundschulklassen oder Schülern ohne Abschluss.

Unter Lehrern, Eltern und auch unter manchen Schulpolitikern verfestigt sich der Eindruck, dass die Schulen diesen Kampf nicht gewinnen können. Anders als noch vor 20 Jahren erhofft, wird das Integrationsproblem nicht kleiner, sondern größer. Eine Erklärung ist: Die Türken als größte Migrantengruppe heiraten überwiegend Landsleute, die bis zur Eheschließung in der Heimat gelebt haben. Die große Mehrheit der türkischstämmigen Kinder, die in Berlin geboren werden, haben also mindestens ein Elternteil, das bei der Geburt des Kindes nur wenige Wort Deutsch spricht.

Die Folge ist, dass in den Familien überwiegend Türkisch gesprochen wird und die Eltern den Kindern in der Schule nicht helfen können. Die Lehrer in Kreuzberg, Wedding, Neukölln, zunehmend auch in Charlottenburg, Schöneberg und Spandau fangen also stets wieder bei Null an. Hinzu kommt, dass in der Türkei noch längst nicht überall die achtjährige Schulpflicht durchgesetzt werden kann: Immer wieder tauchen bei den Mütterkursen Frauen auf, die nur vier Jahre zur Schule gegangen sind. Sie beherrschen ihre eigene Sprache nur primitiv, sodass es ihnen doppelt schwer fällt, eine neue Sprache zu adaptieren.

Die Heiratspolitik der Türken, dazu das frühere Heiratsalter und die höhere Geburtenrate auch bei anderen problematischen Migrantengruppen wie den Libanesen führt dazu, dass der Migrantenanteil in den Schulen Jahr für Jahr steigt. So lag er in Nord-Neukölln bei den Erstklässlern noch vor kurzem bei 75 Prozent, ist aber jetzt laut Bildungsstadtrat Wolfgang Schimmang (SPD) bei 83 Prozent angekommen.

 Posted by at 09:13
Apr. 152010
 

Hier eine Leserzuschrift aus dem Tagesspiegel:

Gegen Windmühlen
Berliner Verhältnisse
Ich bin Mutter von fünf Kindern, als wir vor einigen Jahren vom ländlichen Rheinland-Pfalz nach Berlin (Wilmersdorf) zogen, hatten meine damaligen Gymnasiasten einen Wissensvorsprung von etwa einem Jahr, ein Jahr lang mussten sie keinen Finger rühren, um mit guten Noten nach Hause zu kommen.
In unserem Zuhause sammelten sich schnell viele neue Freunde meiner Kinder und ich lernte ihre Hintergründe kennen. Fast alle kamen aus alleinerziehenden Verhältnissen, die Eltern immer auf der Suche – meist nach einem neuen Partner, oft nach einem neuen Job oder einfach nach sich selbst. Bei erstaunlich vielen wurde die Fürsorge für die Kinder in staatliche Hände abgegeben, d. h., schon 13jährige lebten im „Betreuten Wohnen“, andere Kinder waren die Fürsorgenden für ihre vollkommen neben sich stehenden Eltern.
Wilmersdorf ist nicht der klassische „Prekariatsbezirk“, materielle Probleme gab es in den wenigsten Familien.

Viel zu viele Kinder wachsen hier auf, ohne die nötige Zuverlässigkeit in Bindungen, ohne Nestwärme, ohne positives Vorleben. Das kann der Staat – bei allem guten Willen – nie ersetzen. Es geht also auch und vor allem um eine Reform des Privaten, um Verantwortung für die mir anvertrauten Menschen, das große „ICH“ mal ein wenig zu relativieren. Eine Reform in den Elternköpfen also.

Ich bin übrigens selbst alleinerziehend, weil verwitwet.

 Posted by at 13:59
Apr. 152010
 

Gibt es denn noch einen „Zustrom“ nach Deutschland?, wird immer wieder gefragt. Ich denke schon. Ich sehe das ja direkt hier vor Ort, und die Statistiken belegen es ebenfalls. Allerdings ziehen nicht mehr ganze Dörfer auf Geheiß der Obrigkeit nach Deutschland, sondern man holt einen Ehepartner aus den Herkunftsländern. Es gibt immer wieder eine erste Generation! Diese trifft auf die Vorgängergenerationen, wird eingewiesen in das richtige Ausfüllen von Formularen. Und dadurch wird der Lebensunterhalt gesichert.

Ich vertrete folgende Ansicht: Der Zustrom, das beständige Neuauffüllen von Einwanderergenerationen, wie es uns vor Augen liegt, wird sich nur durch eine massive Streichung, Senkung, Auflagenverknüpfung und Befristung von Sozialleistungen steuern lassen. Wenn man Sozialleistungen für Bürger anderer Staaten ganz streicht oder befristet, werden zahlreiche andere Probleme sich auswachsen. Es wird unattraktiv werden, Familien und ganze Sippen mithilfe des deutschen Sozialstaates zu gründen und auszubauen. Eine Streichung und Befristung von Sozialleistungen ist die beste Prävention von Ausländerfeindlichkeit und Rassismus.

An einer grundlegenden Reform des Sozialgesetzbuches führt kein Weg vorbei.

Dazu fehlt derzeit leider allen Parteien der Mut und die Weitsicht.

Man muss nur 1 und 1 zusammenzählen. Der Berliner Tagesspiegel kommentiert heute auf Seite 1:

Gegen Windmühlen
Der Wegfall zehntausender Arbeitsplätze und das expandierende deutsche Prekariat zwischen Hellersdorf und Spandau haben dazu beigetragen, vor allem aber die ungebremste Zuwanderung ebenso armer wie bildungsferner Schichten aus der Türkei, dem Libanon oder Rumänien: Alle zusammen bilden die immense Zahl von 315 000 Hartz-IV-Haushalten, in denen inzwischen jedes dritte Berliner Kind lebt.

Weite Teile der Stadt geraten in einen Abwärtsstrudel, und die ersten, die das am eigenen Leibe erleben sind – nach den Kindern – Erzieher und Lehrer.

 Posted by at 11:52

Freiheit oder Despotie?

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Apr. 152010
 

Wir hatten in diesem Blog mehrfach das Buch Ester der jüdisch-christlichen Bibel und die „Perser“ des Aischylos für unsere Betrachtungen über unterschiedliche Staatsmodelle im Osten und Westen herangezogen.

Ein insgesamt gut recherchierter, faktenkundiger Artikel von Gunther Latsch erscheint soeben in Spiegel online über das alte Perserreich. Ich meine: Der Verfasser erkennt zu recht, dass die damals, im 5. Jahrhundert geprägten Stereotypen unser Reden über den Gegensatz Orient-Okzident bis heute prägen. So leisten etwa heute noch, im 21. Jahrhundert nach Christus, die türkischen Schulkinder täglich einen Treue-Eid auf den mythologisch überhöhten toten Staatsgründer Atatürk. Jedes türkische Kind muss sich dieser ununterbrochenen Kette der Letztverantwortung einfügen. Das ist das uralte monarchische Staatsdenken, das sich direkt bis auf die orientalischen Großreiche – darunter das Reich der Achämeniden –  des 1. Jahrtausends vor Christus zurückführen lässt. Der mythisch überhöhte Gründer-König des Staates trägt die letzte Verantwortung für das Gedeihen der ganzen Gemeinschaft. Deswegen muss er um jeden Preis geschützt werden. Und deshalb durfte er nicht in vorderster Front mitkämpfen. Denn der Tod des Despoten gefährdete den Fortbestand des gesamten Staates. Durch die feierliche Verpflichtung auf den toten Staatsgründer wird diese Verantwortungsgemeinschaft weitergegeben.

Auch westliche Staaten haben in einem Rückgriff auf jahrtausendealte Despotie-Modelle diesen persönlichen Treue-Eid immer wieder eingeführt und verlangt. So galt der Treue-Eid ab 1933 bis 1945 auch in Deutschland, in der Sowjetunion wurden ebenfalls bis 1954 wieder und wieder persönliche, quasi-religiös bekräftigte Eide auf die Person des Staatenlenkers gefordert. Italien verlangte ebenfalls etwa 20 Jahre lang, bis 1944, den persönlichen Treueid. Eine Nachwirkung des uralten despotischen Staatsdenkens, gegen das sich damals – im späten 5. Jh. v. Chr. – Athen und seine Verbündeten zur Wehr setzten!

Allerdings kann ich dem Verfasser Gunther Latsch  nicht folgen, wenn er den Griechen des 6.-5. Jh. v. Chr. ein verächtliches Herabschauen auf die Perser unterstellt („verhasst verlacht verkannt“). Die Griechen haben lediglich die Andersartigkeit  ihrer winzigen Stadtrepubliken sehr zutreffend erkannt. Von einer Verachtung der Perser waren sie weit entfernt. Das Maß aller Dinge waren eben für das Staatsdenken zunächst einmal die orientalischen Großreiche, von Ägypten angefangen! Man lese doch bitte wieder einmal Herodot, angeblich den Vater der „abendländischen Geschichtsschreibung“. Was sehen wir da? Etwa drei Viertel seines Werkes „Historien“ behandeln östliche, also „orientalische“, despotisch geführte Großreiche! Der Ausnahmecharakter, das Besondere am griechischen, später am abendländischen Freiheitsbegriff, tritt bereits bei Herodot und Aischylos deutlichst vor Augen. Die zentrale, herausgehobene Stellung des Königs, des Pharaos, des Großkönigs, die sakrale Würde des Despoten, das ist ein Merkmal, das den Griechen wieder und wieder ins Auge sticht. Warum? Weil sie es selber nicht mehr aufweisen. Die griechischen Städte sind viel kleiner, und viele von ihnen haben das „Königtum“ abgeschafft und ersetzt durch wählbare Beamte, durch „Ältestenräte“ und dergleichen mehr. Sie haben den göttlich überhöhten Alleinherrscher, den „Despoten“  beseitigt und durch „Ratsversammlungen“ oder wählbare „Stadtobere“ ersetzt! Eine kulturrevolutionäre Tat allerersten Ranges, ohne die unsere „Vereinigten Staaten von Amerika“ und auch unsere „Bundesrepublik Deutschland“ nicht denkbar wären.

Die Abschaffung des despotischen Alleinherrschers war die Gründungstat, die die Republik ermöglichte. Sie erst ermöglichte jenes hohe Maß an Freiheit, das heute gerne in Festtagsreden beschworen wird. Unsere persönliche Freiheit, die Grundrechte, die im Laufe der Jahrtausende entwickelten Menschenrechte verdanken sich letztlich dem Aufstand gegen das despotische Staatsmodell der antiken Großreiche.

Leider droht dieses Wissen vom überragenden Rang der Freiheit auch in Europa immer wieder verlorenzugehen, wie die totalitären europäischen Großreiche des 20. Jahrhunderts belegen.  Sowjetrussland (ab 1917), Italien (1921-1944) und Deutschland (1933-1945) halte ich für drei besonders verheerende Rückgriffe auf despotische Staatlichkeit.  Despotische Staaten wie die drei genannten bringen zwar ein scheinbar höheres Maß an Versorgungsgewissheit. Dem steht als Preis jedoch ein hohes Maß an Unfreiheit, Entwicklungsverhinderung und häufig grausame Willkür gegenüber.

Gegen jeden Rückfall in diese alten Modelle vom allesbesorgenden despotischen Überstaat gilt es sich zu wehren.

Persiens Großkönig Xerxes: Verhasst, verlacht, verkannt – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wissenschaft
Anders als bei den Griechen sei „die persönliche Bewährung in vorderster Front nicht eine legitimatorische Voraussetzung des persischen Herrschertums“ gewesen. „Im Gegenteil: Der Tod eines Königs im Kampfe hätte eine gefährliche und gesetzlose Zeit heraufbeschworen, in der das Reich und die Herrschaft leicht in Unordnung hätten geraten können. Unter den Augen des aufmerksamen Königs tapfer zu kämpfen und dafür gegebenenfalls königliche Anerkennung zu finden genügte einem persischen Untertan; kein Perser hätte an dem thronenden Xerxes in Salamis Anstoß genommen.“

 Posted by at 10:40