Die Kraft der Freiheit … nein zu sagen

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Mai 032010
 

Na bitte, es geht doch!  Die Politik bringt die Kraft zum Neinsagen auf! Das habe ich mir schon lange gewünscht. Bitte öfter nein sagen! Das mit den Klimazielen wird auch besser klappen, wenn wir mehr Rad fahren und weniger Geld in die staatliche Aufzucht von hippen Zweitwagen stecken.

Hip hip hurra! Am besten hat die gute Entscheidung Minister Ramsauer verkauft:

Merkels Elektroauto-Gipfel: Autobosse blitzen mit Stromer-Hilfe ab – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Auto
Auch eine Kaufprämie für Elektroautos, wie sie etwa die Franzosen planen (5000 Euro je Pkw), wird es in Deutschland auf absehbare Zeit nicht geben. Verkehrsminister Peter Ramsauer sagte, er sei überzeugt, das Elektroauto sei „so hip, dass man das haben will“, auch ohne Stromerprämie.

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Mai 032010
 

Jürgen Trittins Werben für Zweitauto-Prämien war kein Ausrutscher. Auch die grüne Spitzenfrau Künast fordert Kaufprämien für neue, moderne und teure Autos.  Das erste E-Serienauto – ein japanisches Modell – kostet etwa 30.000 Euro. Wer bringt dies auf? Doch nur die Leute, die sowieso schon ein Auto im Carport stehen haben.

Diese E-Autos sollen dann auch Busspuren befahren können. Prima! Dann drängen sich Busse, Taxis, Fahrräder und nun auch die E-Autos auf den Busspuren. Die BVG wird es freuen.

Berliner Zeitung – 03.05.2010 – Aktuelles Wirtschaft – Spitzentreffen zu Elektromobilität in Berlin
Die Grünen kritisierten den Elektro-Auto-Gipfel als Konzept- und einfallslos. «Merkel will mit dem PR-Gipfel deutsche Defizite überspielen», sagte Fraktionschefin Renate Künast der «Frankfurter Rundschau» (Montag). Um den Rückstand gegenüber asiatischen Städten und Autofirmen aufzuholen, müsse die Regierung ein Gesamtkonzept entwickeln. Dazu müssten auch Kaufprämien für Elektroautos gehören, um den Markt anzukurbeln.

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Sag Ja zum Nein! Halt das Steuergeld beisammen!

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Mai 032010
 

Im Handaufhalten sind sie alle schnell. Jeder verlangt gerne Geschenke vom Vater. Dafür liefert die Morgenpresse jeden Tag Beispiele. 5000-6000 Euro will Jürgen Trittin (er war einmal Bundesumweltminister) jedem Käufer eines Elektro-Autos schenken (dieses Blog berichtete am 18.04.2010). Und der Berliner Bürgermeister Wowereit bittet ganz lieb bei Bundeskanzlerin Merkel, sie möge Berlin zur Modellstadt für Elektromobilität hochfördern (und nebenbei seine Chancen auf Wiederwahl im Jahr 2011 beflügeln). Das berichtet die Berliner Morgenpost heute auf S. 8. Es ist klar: Die E-PKWs werden zunächst – also mindestens für ein Jahrzehnt – als Zweitautos für Besserverdienende zum Einsatz kommen und eine zweite Stromnetz-Infrastruktur neben der bestehenden erdölgestützten Infrastruktur verlangen. Das alles wird viel kosten. Platz, Raum, Land und Geld. Und das Geld hat immer einer – der Staat! Denn wer Griechenland hilft, kann auch die massive Zweitauto-Kampagne unterstützen, als deren Befürworter sich hochangesehene Politiker wie Jürgen Trittin und Klaus Wowereit darstellen.

Ich kann doch keine Prämie für ein Auto ausloben, das noch gar nicht auf dem Markt ist!„, weist Bundesverkehrsminister Ramsauer solche lieb gemeinten Ansinnen zurück. Ein höfliches Nein. Und dafür gebührt ihm höchstes Lob! Dass ein Politiker den PKW-Förderwünschen der Joschka-Fischer-BMW-Jürgen-Trittin-5000-Euro-Lobby widersteht, hat Seltenheitswert. Das hätten wir gerne auch bei der Abwrackprämie unseligen Angedenkens gesehen.

Wir meinen: Statt des Zweitautos mit Elektroantrieb sollte man das Erst-Fahrrad mit Muskelantrieb werblich fördern. Mindestens mit guten Worten, nicht mit (Steuer-)Geld.

Und eine sinnvolle Fahrrad-Infrastruktur kostet nicht die Welt. Jede Autobatterie eines reinen Elektro-Autos kostet heute etwa 10.000 bis 15.000 Euro. 6 Kreuzberger Bügel, ordnungsgemäß anstelle eines PKW-Stellplatzes auf die Straße platziert, kosten etwa 1000 Euro. Ein sicherer Radstreifen, reserviert für Pedaleure, ist schnell aufgemalt und kostet nicht die Welt.

Ein gutes Fahrrad kostet weniger als 1.000 Euro! Prämien von Vater Staat sind dafür nicht nötig.

Und noch etwas: Wie wäre es damit, statt der Modellstadt für Elektro-Mobilität einen Modellbezirk für den Radverkehr zu schaffen? Mit wenig Geld – und mitten in Berlin. Denn der Verkehr in den Städten muss menschenfreundlicher werden. Die Förderung von privaten Zweit-PKW mit staatlichem Geld ist der falsche Weg. Richtig ist es, den Fuß- und den Radverkehr zu mindestens gleichberechtigten Verkehrsarten zu machen.

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Tiks, Shadow, Cem, Dexer, Isi

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Mai 022010
 

01052010001.jpg So heißen übrigens die rappenden Jungs, denen wir gestern beim großen DGB-Fest zum 1. Mai lauschten. Dank an Tiks, Shadow, Cem, Dexer und Isi! Dank an den DGB! Toll, dass es für einen bloggenden Wertkonservativen  noch ein sinnvolles Programm gab – angeordnet um das, wofür der 1. Mai traditionell steht: Besinnung auf den Wert der Arbeit, Kampf für die berechtigten Ansprüche der arbeitenden Bevölkerung. Schön, dass es das noch gibt!

Am Rande sprach ich mit einer Russin. Frage: „Na, wie war der 1. Mai in der Sowjetunion?“ Antwort: „Es war der größte Festtag des Jahres. Alle bereiteten sich wochenlang vor. Alle verspürten echte Freude. Aber politisch im engeren Sinn war das Fest nicht. Bei den Rufen Lang lebe die KPdSU haben alle laut gelacht. Das nahm niemand mehr ernst.“

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Von oben herab oder von unten?

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Mai 022010
 

„Berlin bleibt rot.“ So die Devise, die man immer wieder von anerkannten Experten hören kann. Das obige aussagefähige Plakat fand ich soeben gegenüber dem Rathaus Kreuzberg in der Yorckstraße. Wie wird dieser Anspruch durchgesetzt? Von unten nach oben? Oder von oben nach unten? Das Plakat gibt die eine Antwort: Ein mächtiger Affe schleudert von oben herab alles zu Klumpen, was sich ihm in den Weg stellt. Rot siegt machtvoll – von oben nach unten. Es genügt, den Gegner als Nazi oder Rechten kenntlich zu machen. Allein schon die Bezeichnung einer Kneipe als „Nazi-Treff“ genügt, um den linken Mob loszuhetzen. Argumente oder Beweise werden nicht verlangt.

Das ist die erste Antwort: Roter Machtanspruch wird von oben herab durchgesetzt. Das war immer so und wird auch so bleiben. So verkündet es das Plakat.

Die zweite Antwort gibt der Kreuzberger Halis Sönmez. Er  sagt: „Es wird von oben nach unten  organisiert“.  Lest hier:

 Von oben herab – Berliner Zeitung 30.04.2010
„Wir wurden nicht eingeladen, sondern rausgekickt und ausgeschlossen“ beschwerten sich am Donnerstag einstige Mitorganisatoren des Myfestes. Der Streit läuft schon eine Weile, doch bekannt wurde er erst jetzt. „Das Fest wird nicht mehr von den Anwohnern getragen. Es wird von oben nach unten organisiert“, sagt Halis Sönmez, der schon beim ersten Myfest im Jahr 2003 mit dabei war.

Aber nicht nur von oben, sondern auch von hinten siegt revolutionäre Gewalt. Vornehmstes Einsatzziel: Polizisten. Ein Beamter wurde gestern von hinten schwerst verletzt. Aus dem schwarzen Block heraus wurden wieder einmal Polizisten, Notärzte und Helfer aufs Schwerste bepöbelt, angegriffen, mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern angegriffen. So berichtet es der Berliner Kurier heute auf S. 3. Das finde ich das Schlimmste, dass erneut Hunderte Polizisten und Helfer aus einer genehmigten Demonstration heraus angegriffen und verletzt wurden. Motto der Demonstration: „Gegen soziale Spaltung.“ Das ist unerträglich.

Da hilft es nichts, sich brav auf die Straße zu setzen, um seine rechte, pardon richtige Gesinnung zu beweisen und andere genehmigte Demonstrationen zu verhindern.

 Posted by at 13:14

Arbeit am Selbstwertgefühl. Tag der Arbeit!

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Mai 012010
 

01052010002.jpgAls kreuzbrav-kleinbürgerlicher Kreuzberger mied ich heute sinnleere Katz-und-Maus-Spiele in meinem von auswärtigen Truppen eroberten Heimatbezirk  und begab mich stracks in den Nachbarbezirk Tiergarten. Dort verfolgte ich ein sehr ansprechendes Sprechstück über den Kampf um Arbeitsplätze: „RAUS BIST DU NOCH LANGE NICHT“. Das Weber-Herzog-Musiktheater spielt, trommelt und musiziert das Hin und Her zwischen Kündigungsdrohung, gnadenloser Effizienzmaximierung und dem Aufbegehren der Arbeiterinnen und Arbeiter in einer italienischen Fabrik. Die Fabrikbesetzungen waren eine Zeit lang in Italien sehr im Schwange. Gut gemacht, überzeugend dargeboten.

Ich gerate ins Gespräch mit  Zuschauern und Darstellern: „Wer von euch ist oder war Arbeiter?“, frage ich. Keine Hand regt sich. Das Stück, von dem ihr einen Teil hier auf Youtube sehen könnt, steht windschief zur Realität des heutigen Arbeitsprozesses in Berlin.

Bewegend ist auch der Rap einiger türkischer junger Männer vor dem Brandenburger Tor: harte, stoßartig hervorquellende Anklagen: das Leben im Knast ist hart. Überall Gitterstäbe. Das Leben ist verbarrikadiert. Dieser Gangsta-Rap, den ich hier auf Youtube hochgeladen habe, ist die Kehrseite des Raps, den ich gestern in der Fanny-Hensel-Grundschule hörte. Im Musiksaal der Schule hatten die Kinder versucht, den Sinn der Goetheschen Gedichte in ihren eigenen Worten für heutige Ohren zu formulieren. Sie traten auf Hochdeutsch in einen Dialog mit der scheinbar vergangenen Welt der Goetheschen Poesie, die doch unglaublich aktuelle Themen behandelte: Der Erlkönig das Thema des Kindesmissbrauchs, Der Fischer die Verführung durch Ausbeutung der Natur, der Zauberlehrling die Macht einer nicht mehr beherrschbaren Technik. Die Botschaft lautete: ich bin frei durch die Bindung an die Dichtung.“Wenn ich reim, werd ich frei …“ Durch die Auseinandersetzung mit der großen Tradition gewinnen die Kinder der Fanny-Hensel-Schule ihren eigenen Freiheitsraum.

Der Gangsta-Rap der 17-20-jährigen Jungs hingegen erzählt mir von Einsamkeit, von Knechtschaft, von Isolation, von Gewalt. Das ist die Welt der Straßen. In dieser Welt wachsen unsere muslimischen Jugendlichen in Berlin-Innenstadt auf. Dieser Rap kommt in jenem besonders gefärbten Türkdeutsch daher, das sich hier in Kreuzberg, Wedding und Neukölln als lingua franca der jungen Männer herausgebildet hat. Eine abgerundete, stärker zischende, weiter vorne gebildete Artikulation kennzeichnet unsere Jugendlichen als eindeutiges Produkt einer typischen Berliner Jugend. Das sind unsere Jugendlichen, das ist die nächste Generation, die hier in Berlin heranwächst.

Ich mache mir Sorgen. Hinten am Heinrichplatz toben sich unsere maßlos verwöhnten  Wohlstandskinder aus. Dort vor dem Brandenburger Tor äußerten sich andere Kinder, die Kinder der Schattenwelt. Meine stärkste Sympathie gilt an diesem Tag den arabischen und türkischen Rappern. Sie haben ihr Herz in die Hand genommen. Sie machen Kunst. Sie erzählen und halten uns den Spiegel vor.

 Posted by at 23:21

„Wir können die Hügel ja nicht tiefer legen“

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Mai 012010
 

Kürzlich sprach ich mit einem Römer über die Situation des Radverkehrs in der Caput-Mundi-Stadt. „Ihr in Berlin habt es gut: alles schön flach. Die Luft ist gut. Denn ihr habt so viel Grün hier. Ihr Radfahrer habt viel Platz. Bei uns in Rom sind die Straßen ständig verstopft. Und ständig geht es bergab und bergauf auf den famosen sieben Hügeln.“

Tja. Die Römer können ebensowenig wie die Stuttgarter die Hügel tieferlegen. Ich kann den Römern wenig Trost spenden. Vielleicht sollten die Römer so wie die Stuttgarter die famosen Pedelecs, die Elektro-Fahrräder ausprobieren?

Die Voraussetzungen, Friedrichshain-Kreuzberg zum Modellbezirk des Radverkehrs zu machen, sind ungleich besser als am Monte Gianicolo oder im Testaccio in Rom einen Radverkehrsanteil von 20% zu erreichen!

Aber nicht nur Städte, auch ganze Länder lassen sich durch den Radverkehr zusammenführen. Das berichtet SPIEGEL online heute. Auch hier jedoch das uralte Problem der Menschheit: Man muss sich ein bisschen anstrengen. Die Frisur gerät in Unordnung. Man schwitzt. Am schlimmsten ist: Es könnte regnen. Man könnte nass werden.

Hilfe! Der Mensch schwitzt am Berg! Sollen denn Menschen ab und zu schwitzen? Ist denn nicht Bequemlichkeit das erste Gebot, die oberste Maxime  des modernen Menschen? Was würden denn die Ärzte dazu sagen, wenn der Puls von 70 auf weit über flatternde 90 hochgejagt wird? Kann so etwas denn gesund sein? Oder bedarf es nicht doch des schöpfungsfreundlichen Verbrennungsmotors? Mindestens am Berg? Damit alles schön ruhig bleibt! Mindestens in Rom und Stuttgart?

Aachen: Drei Länder – ein Rad – Merian – Reiseziele
Fast die Hälfte der Einwohner sind Deutsche, die Häuser sind billiger als jenseits der Grenze, und mancher zieht hierher, weil das Leben etwas lockerer, leichtgängiger sein soll als in Deutschland.

Das Radfahren allerdings nicht. Wieder liegt ein Berg vor mir. „Wir können die Hügel ja nicht tieferlegen„, meint ein Spaziergänger am Wegrand.

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Apr. 302010
 

30042010001.jpg Erneut einen Riesenbonus in meinem Herzen hat soeben die Kreuzberger Fanny-Hensel-Grundschule errungen. Jeder aus der älteren Generation kennt wohl noch das Auswendiglernen von Gedichten als unangenehme Fleißaufgabe. Ganz anders, frischer, überzeugender macht es die Fanny Hensel! Heute waren 7 Balladen und lyrische Gedichte von Goethe angesagt. Die Kinder zauberten daraus eine Art 5-Akt-Theater-Aufführung. Mit Kostümen, mit bunten, selbstgemalten Bühnenbildern.

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Der Zauberlehrling, das Hexenlied aus dem Faust, der Erlkönig, das Heidenröslein, Gefunden, Glückliche Fahrt, der Fischer wurden angesagt. Es gab einen Moderator, der mit vorbereiteten Reden durch das Programm führte. Abgeschlossen wurde das Ganze durch einen aktuellen Rap in deutscher Sprache: „Wenn ich reim‘ …“

Die stolzen Eltern saßen mit hohen Augenbraunen gelassen da und freuten sich über ihre Kinder.

Der Rezensent bekennt, dass ihm an manchen Stellen ein Schauer über den Rücken rieselte, insbesondere zum Schluss, als es hieß:

halb zog sie ihn,
halb sank er hin,
und war nicht mehr gesehn.

Die Gedichte erklangen in guter, geschulter, hochdeutscher Aussprache, so dass ich jedes einzelne Wort verstehen konnte. Vorbildlich! Wenn jedes Kind in Berliner Grundschulen an solchen Aufführungen beteiligt wäre, brauchten wir uns über mangelnde Deutschkenntnisse wahrlich keine Gedanken zu machen. Die Fanny Hensel macht es vor!

Besonders spannend fand ich den letzten Beitrag – einen selbstverfertigten Rap:

„Denn immer wenn ich reim, fällt die Last von mir, und ich fühle mich auf einmal frei …“

Das war eigentlich ein Hymnus auf die weltbewegende, auf die befreiende, auf die integrierende Kraft der Dichtung. Ich meine das ernst: Alle Völker, alle Jahrtausende seit Homer, seit den Barden, seit dem Gilgamesch-Epos haben Poesie, haben die metrisch gebundene Sprache als herausragendes Merk-, Bildungs- und Wissenreservoir genutzt. Erst seit einigen Jahrzehnten geht dieses Wissen (vielleicht etwa dank der akademisch-wissenschaftlichen Didaktik und Methodik?) zunehmend verloren.

Aber die Didaktiker werden dieses uralte Wissen der Völker wiederentdecken! Sie, all die Methodiker, Kritiker, Politiker, Migrationsexperten und Kritikaster sollten zur Fanny-Hensel-Grundschule kommen und diese Aufführung betrachten, bewundern und sich verzaubern lassen.

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Zum Schluss ging ich artig und dankbar auf die Leiterin der Produktion, Frau Neubert zu. „Ich bin begeistert, damit haben die Kinder und Sie einen Traum von mir wahr gemacht! Danke!“, sage ich. „Dabei haben wir alles selbst gemacht,“ bekomme ich zur Antwort. Vortrefflich gesagt!

Aus Meeresstille zur glücklichen Fahrt!

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Apr. 292010
 

Die taz berichtet das neueste aus dem üppig sprießenden Förderdschungel auf S. 7: 755 Millionen Euro stellt die Bundesregierung für „Berufslotsen“ bereit, die Hauptschülern zu einem Ausbildungsplatz helfen sollen. Toll: Bei uns in den Kreuzberger Grundschulen gibt es nicht einmal professionelle Sekretärinnen mehr, viele Stunden fallen aus, viele Lehrer sind dauerkrank – und in vielen Fächern fehlt das Geld für richtige Schulbücher. Aber für Berufslotsen ist reichlich Geld da.

Das ganze gerühmte staatlich aufgepäppelte Lotsenwesen halte ich für eine weitere Schippe Kohle auf das undurchdringliche Dickicht von staatlichen Wohltaten und Begünstigungen. Geld ist offenbar reichlich vorhanden und fleißt stetig nach! Woher? „Geld fließt den Athenern aus einer Goldquelle aus dem Boden“, wie es der Bote in des Aischylos Persern an Königin Atossa berichtet.

Herrliche Beispiele dafür, wie der Staat sich eine stetig wachsende Schar an Hilfeheischenden, Hilfebedürftigen, Hilfesuchenden heranzüchtet und weiter verhätschelt, liefern die heutigen Zeitungen!

Der Friedrichshain-Kreuzberger Bürgermeister bezeichnet es laut Morgenpost S. 17 als „Sauerei“, dass Sozialmietern Wohnungen angeboten werden, die „entweder zu teuer, zu klein, oder zu weit entfernt sind.“ Die Frage muss erlaubt sein: Zu weit weg – wovon? Vom Ort der jetzigen Arbeitslosigkeit? Was ist denn so schlimm  daran, wenn man vom Ort der jetzigen Arbeitslosigkeit weiter nach Osten ziehen muss, nach Marzahn oder ins Märkische Viertel?

Die staatlichen Mittel für  Gemeindedolmetscher werden gekürzt. Russisch und Serbisch werden nicht mehr angeboten. Türkisch bleibt allerdings erhalten. So berichtet die Morgenpost auf S. 14. Das heißt, der Staat wird zwar weiterhin dafür zahlen, dass die Türken einen staatlich bezahlten Dolmetscher gestellt erhalten, wenn sie mit den Behörden zu tun haben, aber die Russen und Serben müssen Deutsch lernen oder auf eigene Kosten einen Dolmetscher stellen. Sehr ungerecht und diskriminierend gegenüber den Türken, die wieder mal für dumm verkauft werden, zu dumm, als dass sie nach einigen Jahrzehnten Wohnen und Aufenthalt in Deutschland Deutsch lernen könnten!

Uns braucht nicht bange zu sein: Solange jede und jeder Ansprüche satt an den Staat stellt, werden wir keine politische Unruhe haben, ein politischer Wandel in der Bundeshauptstadt steht nicht zu befürchten. Keine Partei wird es sich leisten können, diesem grassierenden, erstickenden Anspruchsdenken gegenüber aufzumucken.

Bei den für 1. Mai erwarteten Gewalttaten werden wieder reichlich Anlässe für die eine oder andere Antifa-Initiative geschaffen werden. Auch hierfür wird wieder reichlich Geld aus dem Boden sprießen. Je mehr Steine und Flaschen aus den Reihen der Linksextremisten auf Polizisten fliegen, desto mehr Geld wird für die Bekämpfung von Rechtsextremisten und Faschisten bereitgestellt werden.

Denn hätten die Rechten keine legale Demonstration angemeldet, wären die Linksextremisten nicht gezwungen, Steine und Flaschen an der vorgesehenen Route vorab zu deponieren, um sich gegen die unerhörte Provokation einer angemeldeten Demonstration zur Wehr zu setzen.  Allein die Tatsache, dass die NPD eine Demonstration anzumelden sich erdreistet, beweist, dass im Kampf gegen Rechtsxtremismus und Intoleranz noch nicht genug getan worden ist. Solange auch nur ein Stein aus linker Hand geschleudert auf Polizisten fliegt, müssen die Initiativen gegen rechts noch mehr staatliche Förderung erhalten.

Deshalb: Noch ne Schippe Kohle für Antifa-Initiativen!

Wir Steuerzahler werden es weiterhin mit einer Schafsgeduld hinnehmen.

Und gestern berichtete uns ein Nachbarskind, wie es Zeugin des x-ten Überfalls auf den Schlecker-Markt bei uns in der Obentrautstraße wurde. Drei mit Messern bewaffnete junge Männer erbeuteten die Kasse. Am hellichten Tag während der Geschäftszeit. Wieder einmal.

Mieten-Explosion – Kreuzberger Sozialwohnungen bald unbezahlbar – Berlin – Berliner Morgenpost

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Apr. 292010
 

Alte Bausünden in Milliardenhöhe trägt das Bundesland Berlin weiterhin ab. Riesige Mengen öffentlichen Geldes landeten bis vor wenigen Jahren in den Taschen der Bauträger.

Der Staat sorgt weiterhin für seine Schäfchen. Ein Umzug nach Marzahn oder Hellersdorf wird für Kreuzberger Hartz-IV-Mieter als unzumutbar angesehen. Grotesk. Ersatzwohnungen in der Nähe müssen her! Auf Staatskosten. Alles soll weiterhin der Staat bezahlen. So berichtet die taz heute auf S. 22.

Alles soll hübsch zusammenbleiben. Das ist die alte Versorgungsmentalität. Wir werden alle oder sind alle Griechenland!

Aber es gibt auch vereinzelt Stimmen der Vernunft.

Sozialwohnungen: Kreuzberg probt den Mieteraufstand – taz.de
„Wenn wir jetzt in großem Maße die Mietdifferenz zahlen, sind wir bald wieder beim alten Fördersystem“, gab der baupolitische Sprecher der Grünen, Andreas Otto, zu bedenken.

 Posted by at 11:11

Goethe kommt morgen in die Fanny-Hensel-Siedlung!

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Apr. 292010
 

29042010.jpg Immer wieder haben wir in diesem Blog geklagt, dass unsere Berliner Kinder ganz offenkundig in ein kulturelles Vakuum hineinwachsen. Dass sie kaum mehr etwas zu lesen bekommen, was älter als zehn Jahre ist: keinen Friedrich Schiller, keinen Koran, keinen Karl Marx oder Nietzsche, keinen G.W.F. Hegel, keinen Heinrich von Kleist, keinen Nasreddin Hodscha, keinen Hafis. Es herrscht ein Präsentismus des Leeren. Doch das beginnt sich zu ändern! Zu meiner großen Freude werden unsere Kinder morgen in der Fanny-Hensel-Schule einen Goethe-Vortrag anbieten. Gedichte! Ausgerechnet Goethe, der deutsche Dichter, der meines Erachtens der am besten Geeignete ist, um eine Brücke in die Kultur islamischer Länder zu schlagen! Freude! Super! Da geh ich hin!

Goethe.
Im Musikraum der Fanny-Hensel-Grundschule
30.04.2010
Schöneberger Straße, Kreuzberg-West
Beginn 10.00 Uhr

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Abgekupfert: Nach „Modellbezirk Radverkehr“ jetzt auch: Modellstadt für E-Autos

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Apr. 282010
 

Guter Vorschlag von Bürgermeister Wowereit! Die Einführung neuer Mobilitätsformen durch die Ausrufung einer „Modellstadt“ – so etwas kommt immer gut an beim Publikum.

Genau dasselbe hatten wir vor 6 Wochen mit unserem „Modellbezirk Radverkehr“ angeregt. Richtig gelesen, Herr Bürgermeister.

Das Fahrrad bietet bereits heute den flexiblen, emissionsfreien, effizienten und raschen Individualverkehr, den manche Auguren fälschlich auch vom Elektro-Auto erwarten.

Der SPIEGEL hat den Apologeten des Elektroautos in dieser Woche (S. 79) bereits den Zahn gezogen – was wir ebenfalls vor 10 Tagen bereits recht schnöde gemacht hatten: Der Elektro-Smart erzeugt immerhin 107 Gramm CO2 auf den Kilometer gegenüber 86 Gramm, die der Diesel-Smart auspustet. Trotzdem – es hört sich besser an. An der Entwicklung alternativer Antriebe führt in den nächsten Jahrzehnten kein Weg vorbei.

Aber zunächst einmal gilt es, das Fahrrad massiv nach vorne zu bringen. Durch den Modellbezirk Radverkehr.

Umweltschutz – Berlin will Modellstadt für E-Autos werden – Berlin – Berliner Morgenpost

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Bitte Streitigkeiten um das Kreuz tiefer hängen …

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Apr. 262010
 

Wie so oft oder eigentlich fast immer, hege ich auch bei dem Aufruhr  um die Kreuze in öffentlichen Gebäuden des Landes Niedersachsen eine „vermittelnde“ Position. Die „Vermittlung“, das ist ja der eigentlich Kernbestand christlicher Botschaft. In vielen Quellen wird Jesus ausdrücklich „der Mittler“ genannt. Und immer wieder versucht die CDU mit mehr oder minder Geschick für sich in Anspruch zu nehmen, die „Partei der Mitte“ zu sein – wobei diese Mitte meist fälschlich als mathematische Mitte gemeint wird. „Übernehmen wir einfach das, was die meisten Menschen denken und wollen, und nennen es Mitte – das passt dann schon!“ Das ist natürlich Unsinn. Das kann nicht der Sinn des Ausdrucks „Mitte“ sein. Es wird vielleicht ausreichen, um die eine oder andere W(Qu)ahl zu gewinnen, kann aber niemals das Wesen der Christdemokratie erklären.

Einen „Kruzifix-Streit“ vermag ich in diesen Tagen nicht zu erkennen. Das Kruzifix, also die Darstellung des gekreuzigten Jesus von Nazaret, findet man eigentlich nirgendwo mehr in öffentlichen Gebäuden in Deutschland – außer vielleicht im Eichsfeld …

Anders sieht es mit dem Kreuz aus.

=> Özkan will Kruzifixe doch nicht mehr entfernen lassen <=
Die designierte niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan hat sich vor der CDU-Landtagsfraktion für ihre in einem Interview geäußerte Forderung, Kruzifixe aus den Klassenräumen öffentlicher Schulen zu entfernen, entschuldigt.

Allein schon die Tatsache, dass viele Kommentatoren die fundamentalen Unterschiede zwischen Kruzifix und Kreuz nicht mehr zu kennen scheinen, ist ein Beleg dafür, dass das Kreuz als Zeichen oft nicht mehr verstanden wird.

Aygül Özkans Forderung nach Entfernung der Kreuze aus öffentlichen Gebäuden bewerte ich persönlich als eher ungeschickt, als einen Patzer, wie sie jede und jeder, der nur wenige Jahre in der Politik unterwegs ist, nahezu unvermeidlich machen wird (mich selbst eingeschlossen). Aber man wird keine Neulinge, keine Quereinsteiger für die Politik gewinnen können, wenn man ihnen nicht reichlich Gelegenheit gibt, in das eine oder andere Fettnäpfchen zu treten.

Den besten Kommentar zu den Kommentaren zu Aygüls Forderungen hat Wulf Schönbohm geliefert. Er sagte sinngemäß: „Lasst euch doch endlich auf die bei uns lebenden Türken ein. Wenn ihr sie kennenlernt, werdet ihr vieles von euren negativen Reflexen abbauen.“ Hier ein Zitat aus dem Tagesspiegel:

Er selbst sei gegen Kreuzverbote per Gesetz oder Gericht, sagte er dem Tagesspiegel. Aber auch dies sei „zunächst eine Sachfrage“. Das harte Nein seiner Partei zu einem EU-Mitglied Türkei hält er allerdings seit langem für „absolut lächerlich“. Die Türkei sei in zehn Jahren AKP-Regierung ein völlig anderes Land geworden, aber die Union wolle dies nicht zur Kenntnis nehmen. „Das ist dieselbe Haltung wie ,Wir sind kein Einwanderungsland‘. Und ich nehme an, sie wird sich beim Thema Türkei ähnlich erledigen.“ Die Union müsse jetzt endlich Türkischstämmige in die Landtage und den Bundestag schicken. „Die könnten zum großen Teil unsere Wähler sein und wir verprellen sie durch unsere Vorbehalte und die Ablehnung des EU-Beitritts.“ Die Parteiführung müsse sich da engagieren: „All diese grässlichen Vorurteile würden abgebaut, wenn das einfache Parteimitglied die Leute mal aus nächster Nähe erleben würde.“

Und ich füge hinzu: Die Türken, die ich kenne, sind ausnahmslos warmherzige, freundliche, leicht zugängliche Menschen, denen wir natürlich oft in der Seele wehtun, wenn wir die ganze Batterie an Vorurteilen auf sie niederprasseln lassen.

An jene, die sich über Aygül Özkan aufregen statt sich über die Ernennung zu freuen, möchte ich sagen:

Wenn es euch so ernst ist mit dem Kreuz, dann legt Zeugnis ab für das Kreuz. Nicht mit öffentlichen Bekenntnissen, sondern mit Werken. Oftmals deutet das Festklammern an christlichen Symbolen im öffentlichen Raum auf eine Schwächung des Glaubens hin. Die Muslima Aygül Özkan hat es meines Erachtens in wenigen schlichten Worten vermocht, den Sinn christdemokratischer Politik besser zu erklären als ich dies seit Jahren aus der Mitte der „Partei der Mitte“ vernommen habe. Gerade mit ihren Worten über die Nächstenliebe, über den hohen Wert der Familie, über Verantwortung und Gemeinsinn hat sie mir aus der Seele gesprochen – und zwar besser, als dies die meisten Oberhirten und die berühmten Big Shots meist tun. Es wäre schön, wenn nun auch andere Christdemokraten dem Beispiel Özkans folgten und ebenfalls öffentlich bekennten, was für sie die treibenden Werte politischen Handelns sind.

Das Kreuz bezeichnet die ständige Anstrengung um das Vermitteln, um das Einholen der Gegensätze, um die Versöhnung. Für Juden, Christen, Muslime und Bekenntnislose ist das Kreuz gleichermaßen ein fruchtbarer Impulsgeber – so es denn richtig aufgefasst wird.

 Posted by at 16:43